Ex Libris Quos
INSTITUTION! SMITHSONIANAE
| Anno MCMV Donavit
Hohn Snnhcnikk
Accesio N.
RN?
DENE
GARTENFLORA.
INH Eee
Allgemeine Bionatsthrift
für
deutsche, russische und schweizerische Garten- und Blumenkunde und
Organ des Russischen Gartenbau - Vereins in St. Petersburg.
Unter Mitwirkung vieler
Botaniker und Gärtner Deutschlands, Russlands und der Schwsj:
herausgegeben und redigirt
von
Dr. Eduard Regel,
Wissenschaftlichem Director des Kaiserlichen Botanischen Gartens zu St. Petersburg
Mitherausgeber für Deutschland:
H. Jäger, Fr. Francke, Ü. Bouche,
Hofgärtner in Eisenach. Kal. Bot. Gärtner in Erlangen. Inspector des Bot. Gartens in Berliu
Mitherausgeber für die Schweiz: Mitherausgeber für Russland:
E. Ortgies, Dr. F, von Herder,
Obergärtner am Bot. Garten in Zürich, Conservator am Herbarium des k. bot. Gartens in St. Petersburg.
Erlangen, 1866.
Merlao von Ferdinand Enke,
I. Originalabhandlungen.
1) Abgebildete Pflanzen.
a) Bromelia fastuosa Lindi.
manni
var. Berg e-
Rgi.
(Siehe Tafel 493.)
Bromeliaceae,
Caule brevissimo, stolonifero; foliis
eonfertis, reeurvato-patentibus, concavis,
elongato-lineari-ligulatis, attenuato - eus-
pidatis, 2 — 3 ped. longis, eirciter 11/,
poll. latis, margine spinoso-dentatis, spi-
nis validis, inferioribus recurvatis, su-
perioribus sursum eurvatis, in latere su-
periore laete viridibus, in latere inferio-
re albido-striatis; racemo rigido, eompo-
sito, pyramidali; eirciter pedali; racemu-
lis pedunculatis, patentibus, 5—6 tloris;
rhachi primaria et secundaria germini-
busque cinereo - tomentosis; bracteis de-
crescentibus, inferioribus foliis subsimi-
lipyus sed multo minoribus et spinis om-
nibus incurvis basi rubro - sanguineis,
reliquis multo brevioribus submembra-
naceis fuscescenti-furfuraceis integerri-
mis: intermediis valde acuminatis acu-
mine ...30 - dentato: supremis acutis
v. mucronatis pedunculo vix aequanti-
dunculatis. braeteolis ovatis ovario multo
brevioribus acutis v. breviter acuminatis
lobis calycinis oblongis, obtusis ereetis
v. recurvatis corollis 3—4 plo breviori-
bus; petalis basi connatis, erectis, in
tubum convolutis oblongis, purpureo-
violaceis; staminibus quam petala bre-
vioribus, filamentis subulatis, antheris
elongato-linearibus basi subsagittatis. —
Eine der prächtigen Bromelien aus
der Gruppe von Br. antiacantha
Bert., welche Beer zur Gattung Agal-
lostachys erhoben hat.
Diese wahrhaft schöne Pflanze stammt
aus Mexiko. Lindley bildet in seinem
Werke Collectanea botanica (London
1821) tab. I. eine ähnliche Bromelia
als B. fastuosa ab. Von dieser Abbil-
dung und zugleich auch Lindley’s Be-
schreibung weicht unsere Pflanze ab,
durch einen nur 1 Fuss hohen Blüthen-
bus; floribus sessilibus v. breviter pe- | stand, durch die obern Bracteen, welche
1. 1866,
1
2 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
häutig und nicht gefärbt durch die Kelch-
lappen, welche stumpf und die blaue
Färbung der Blumenblätter, während
die von Lindley beschriebene Pflanze ei-
nen 3 Fuss hohen Blüthenstand, obere
roth gefärbte Bracteen, spitze Kelchlap-
pen und carmoisin gefärbte Blumen be-
sitzen soll. Wesentlich ist unter diesen
Unterschieden nur die Gestalt der Kelch-
lappen.
Wären wir überzeugt, dass diese bei
Lindley’s Pflanze wirklich spitz, so wür-
den wir unsere Pflanze als eine neue
Art betrachten. Obgleich aber Linäley
die Kelchlappen seiner Pflanze als spitz
beschreibt, so sehen wir solche an der
Abbildung zwar am ganzen Blüthen-
stande spitz, — an der beistehend ver-
grösserten Blume aber stumpf gezeich-
net. Wir ziehen es daher vor, unsere
Pflanze als Form zu B. fastuosa zu zie-
hen und nennen solche nach unserm
geehrten Freunde, Herrn
1
Bergemann, |
Obergärtner bei Madame Kolenischeff,
Var. Bergemanni, — weil wir diese
Pflanze von demselben als B. Sceptrum
erhielten.
Br. Sceptrum Fenzl hat Beer (wie
es auch uns nach Vergleichung der
Quellen scheint), mit Br. antiacantha
Bert. vereinigt. Bei dieser prächtigen
Pflanze sind die seitlichen Blüthenbü-
schel nicht gestielt und daher die hohe
Blüthentraube fast walzlich, wodurch
sich solche sofort‘ unterscheidet.
Der pyramidale Blüthenstand unter-
scheidet überhaupt die Br. fastuosa Lindl.
von allen andern von Beer zu Agallo-
stachys gezogenen Arten, —
(E. R.)
a, Die Spitze eines Blattes,
b. Ein Blüthenästchen.
Beide in natürlicher Grösse. _ Die
ganze Pflanze in ungefähr 1/, der na-
türlichen Grösse, —
b) Gardenia Maruba Sieb.
(Siehe Tafel 494. Fig. 1—4.)
Rubiaceae
Gardenia Maruba Sieb. in Blum.
bijdr. fl. ned. ind. 1013. — D. C. prodr.
IV. pag. 380; inermis, foliis oppositis
ternisve obovatis coriaceis obtusis niti-
dis glabris, calyce angulato 5-fido, laci-
niis subulatis patentibus, — antheris li-
nearibus ad faucem sessilibus. —
Die beistehend abgebildete Gardenia
ward vom Herrn Maximowicz aus Japan
in den hiesigen Garten eingeführt. Die-
selbe bildet einen niedrigen stark ver-
ästelten Strauch, der dicht mit den
schönen dunkelgrünen glänzenden Blät-
A
tern besetzt ist. Diese Blätter stehen
auf den Spitzen der Zweige dicht zu-
sammengedrängt, sind entweder gegen-
ständig oder stehen zu 3, sind von ver-
kehrt-eiförıniger Gestalt, stumpf, leder-
artig. Die wohlriechenden Blumen ste-
hen einzeln auf den Spitzen der Aeste
und Seitenästehen, beim Aufblühen sind
solche weiss, später werden sie aber
gelblich,
Es ist das eine wirklich empfehlens-
werthe Gardenia zur Cultur im Kalt-
hause, wo sie als leicht zu eultivirende
I. Originalabhandlungen. 3
Pilanze ihren Platz verdient, sowohl als | Fig. 1. Ein blühender Zweig in na-
hübsche immergrüne Pflanze, sowie auch | türlicher Grösse.
als leicht und dankbar blühend, Fig. 2. Der Kelch.
Im hiesigen Garten cultiviren wir Fig. 3. Die aufgeschlitzte Blumen-
solche in einer mit Heideerde etwas ver- | krone mit den sitzenden Antheren,
setzten lehmigen Rasenerde. Die Blu- Fig. 4 Der Fruchtknoten.
men entwickelte solche im Juni. Ver- (Fig. 2—4 vergrössert).
mehrung durch Stecklinge und Samen.
(E. R,)
cd Pyrethrum carneum M. B.
var, (8) eximium, (7) capitulis roseis plenis, (5) capitulis purpureis plenis,
(6) Beaut@ de Laeken.
(Siehe Tafel 494. Fig. 5—8.)
Compositae.
Wir haben schon wiederholt der Die persische Insektenpulverpflanze
schönen Abarten mit mehr oder weniger |ist in Persien und im Kaukasus hei-
gefüllten Blumenköpfen gedacht, — die | misch und gehört zu der Zahl der pe-
von der Insektenpulverpflanze Persiens | rennirenden Pflanzen, die auch noch den
und des Kaukasus in neuerer Zeit erzo- | Winter Petersburgs im freien Lande
gen worden sind. überdauern.
Auf der beistehenden Tafel bilden
wir 4 solcher Abarten, nämlich mit Schon im wilden Zustande kommt
weissen, rosarothen, purpurrothen und | diese Pflanze mit weissen (P. carneum
tief blutrothen Blumen der Blüthenköpfe | M. B. fl. taur. cauc. n. 1762) und mit
ab. Unsere Leser werden daraus so-| röthlichen (P. roseum Lindl. bot. reg.
gleich ersehen , dass dies wirklich neue | tab. 1024) Zungenblumen vor. —
Züchtungen sind, die mit den Astern (E. R.)
unserer Gärten concurriren können,
dd Sauromatum pedatum Schott.
(Siehe Tafel 495.)
Aroideae
S. pedatum Schott, Melet, I. p. 17., Arum pedatum Lk, et Otto ic. pl. seleet.
1832, — Schott. Aroid, prodr. p. 70.— | pag. 19. tab. 8. —
1 *
A Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Die beistehend abgebildete Pflanze
ward schon im Jahre 1811 im Garten
des Prinzen Salm-Dyck eultivirt, kam
von da in den botanischen Garten zu
Berlin und ward im Jahre 1820 von
Link und Otto abgebildet und beschrie-
ben. Der berühmte Monograph der Fa-
milie der Aroideen, Dr. Schott, gibt
Ostindien als Vaterland derselben an,
während Link mit beigesetztem Frage-
zeichen Caracas als Vaterland dersel-
ben nennt.
Die Gattung Sauromatum charak-
terisirt sich durch die grosse Scheide,
die den Blüthenkolben umgibt, deren
Grund in eine aufgeblasene Röhre ver-
wachsen ist. Der Blüthenkolben trägt
am Grunde die Fruchtknoten, die sehr
dicht zusammengedrängt sind. Oberhalb
der Fruchtknoten stehen einzelne
stielte sterile Antheren und weiter oben
wiederum dicht zusammengedrängt, aber
noch von der Röhre der Scheide um-
schlossen, die fruchtbaren Antheren.
Oberhalb der Scheide erhebt sich
die lange nackte schwanzarlige Spitze
des Blüthenkolbens, die bei der vorlie-
senden Art bis 12 Zoll lang ist.
Die mächtige Blüthenscheide ist bei
der in Rede stehenden Art bis 18 Zoll
vom Grunde bis zur Spitze lang, von
aussen ist sie grünlich gelb, innen aber
auf gelbem Grunde mit vielen purpur-
ge-
dann |
braunen, theils ineinander fliessenden
Flecken gezeichnet. Der Blüthenkolben
ist nur 2 Zoll kürzer als die Blüthen-
scheide, grünlich - braun und verdünnt
sich vom Grunde bis zur stumpfen Spitze.
Die Blätter erscheinen nach der Blüthe
und sind fussförmig in 3—5 Blättchen
getheilt; Blättchen verkehrt oval- läng-
lich, spitz oder zugespitzt, freudig grün.
Cultur mit den anderen Aroideen mit
knolliger Wurzel, die im Winter zurück-
ziehen.
Die Pflanzen erhalten beim Einzie-
hen der Blätter einen trocknen Standort
im Warmhaus. Im Winter wird gar
nicht gegossen. Im Februar werden die
Knollen in frische Erde gepflanzt und
auf einem lichten Standort im
Warmhaus zum Austreiben gebracht.
Blühbare Knollen entwickeln zuerst die
Blume und später die Blätter. —
(E. R.)
a, Die Blüthenscheide, aus der der
sterile Theil des Blüthenkolbens her-
vorragt,
b. e. Blätter.
d. Der untere eingeschlossene frucht-
bare Theil des Blüthenkolbens,
e. e. Fruchtknoten.
f. Eine sterile Anthere.
a.--d. In natürlicher Grösse,
Vergrössert. —
guten
e. ef.
*) Die Erfurter Gartenbau-Ausstellung am 9.—19. September
1965.
nieht eine andere schnellere
im
Wenn
Feder mit einem Berichte über
September stattgefundene grosse „inter-
nationale“ Ausstellung Produkten
des Gartenbaues etc. in diesen Blättern
mir zuvorgekommen ist, so kommt meine
die
von
Mittheilung etwas spät, was überhaupt
bei einer Monatsschrift stets der Fall
ist. Dringendere Arbeiten und der Um-
stand, dass erst amtliche Mittheilungen
über Zahlen und Preisvertheilung abge-
wartet werden sollten, verzögerte diegen
I. Originalabhandlungen. >
Bericht. Derselbe wird überdies kaum
diesen Namen verdienen, und soll mehr
eine allgemeine Schilderung sein, mit
Erwähnung einzelner hervorragender Ge-
genstände. Denkt man sich eine Aus-
stellung, deren flüchtige Betrachtung mit
den Augen eines blossen Beschauers
mindestens vier Stunden in Anspruch
nahm, so wird man es erklärlich finden,
dass eine eingehende, wirkliche Be-
schreibung derselben geradezu unmög-
lich ist. Diese Ueberzeugung drängte
sich mir auf, als ich zum ersten Male
die Ausstellungsräume besuchte, und
befestigte sich bei jedem Besuche mehr,
Hoffentlich fügen die leitenden Mitglie-
ler des Erfurter Gartenbauvereins zu
den unendlichen Mühen, welche ihnen
die Ausstellung machte, auch noch die
eines ausführlichen Berichtes, welcher
diejenigen einigermassen schadlos hält,
welche die Ausstellung nicht besuchen
konnten, noch ınehr aber für die Besu-
cher derselben von Interesse ist.
Um ein kurzes Urtheil über die Aus-
stellung abzugeben, so kann dieses nur
das allgemein ausgesprochene sein: Die
Erfurter Ausstellung hat, was
Reichthum, Mannigfaltigkeit,
Anordnung und Eintheilung, so-
wie Bequemlichkeit und Sorge
für das Publikum betrifft, alle
Erwartungen übertroffen. Dar-
über herrscht wohl nur eine Stimme,
Sollte Jemand unbefriedigt aus Erfurt
gegangen Sein, so hat es wohl nur an
ihm gelegen. Ich spreche natürlich nicht
von Ausstellern, dereı Erwartungen
nicht erfüllt wurden, was ja bei jeder
Ausstellung der Fall ist. Da ich aber
kein offieieller Lobredner bin, so muss
ich auch bemerken, dass sich auch ei-
nige Mängel und Lücken auffallend ge-
m
nug zeigten, welche zum Nutzen und
Frommen anderer Ausstellungen gele-
gentlich Erwähnung finden mögen.
Die allgemeine Befriedigung zeigte
sich so recht in der Stimmung der zahl-
reichen Besucher, besonders der Männer
vom Fach. Die angenehme Erregung
war förmlich ansteckend, wozu natürlich
das Wiedersehen alter Freunde nach
langen Jahren und das Begrüssen von
Männern, deren persönliche Bekannt-
schaft man schon längst wünschte, die
hauptsächlichste. Veranlassung war. Ich
gestehe — man verzeihe mir diese per-
sönliche Aeusserung — dass ich noch
keinen Tag erlebt habe, welcher mir in
dieser Beziehung so viele Freude ge-
bracht hätte, als der sechstägige Aus-
stellungs- und Congresstag, welchen ich
in Erfurt erlebte. Dieses Wiedersehen
alter Freunde und früherer Arbeitsge-
nossen, die Anknüpfung neuer Bekannt-
schaften ist meines Erachtens der Haupt-
nutzen dieser sogenannten (ongresse,
welche ausserdem eigentlich gar nichts
leisten, wie ich an einer anderen Stelle
nachzuweisen gedenke,
Zu der gehobenen Stimmung aller
Besucher Erfurts an diesen Tagen trug
nicht wenig das festliche Gewand der
Stadt bei. Wahrscheinlich war Jeder-
mann überrascht, einen solchen Empfang
zu sehen, denn jede Fahne, jeder Kranz
unter den vielen Tausenden, welche die
Häuser, Strassen ete. schmückten, rief
den Fremden „Willkommen“ zu. Dass
eine Stadt wie Erfurt, wo doch Tausende
leben, welche sich wenig um Gärtner
und Gärtnerei kümmern, fast bis in die
entlegensten Winkel festlich geschmückt
war, zeigte, welchen Werth die ganze
Stadt auf diese Ausstellung und Ver-
sammlung legte, dass sie die fremden
Gäste, welche Erfurt beehrten, auch zu
ehren und zu erfreuen wusste. Und sehr
6 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
zahlreich, wohl zahlreicher, als jemals
eine Ausstellung in einer Mittelstadt be-
sucht worden ist, war der Besuch Er-
furts vom 9. bis 17. September. Selbst
der hohe Eintrittspreis der ersten Tage
schreckte die Besucher nicht ab, und
wir sahen zu unserer grossen Freude
an diesen Tagen zahlreiche Landleute
aus der Umgegend und Personen, wel-
che ihrem Ansehen nach nicht zu den
Begüterten gehören konnten. An eini-
gen Tagen sollen bis 8000 Menschen
täglich in der Ausstellung gewesen sein.
Die Thüringer Eisenbahn hatte den Be-
such durch sehr ermässigte Fahrpreise
ungemein erleichtert, und das Wetter
war so beständig, als wäre die Ausstel-
lung auf 8 Tage schönes Wetter beim
Himmel versichert gewesen. Auch für
das Vergnügen der Gäste und der Be-
wohner Erfurts war vom Festeomit& auf
eine Weise gesorgt, dass man in Ver-
legenheit kam, wie man die vielfach
gebotene Zerstreuung mit dem eigent-
lichen Zwecke des Besuches vereinigen
sollte. Musikchöre an verschiedenen
Orten, sowie in den Ausstellungsräumen
selbst, sogar bei der wohl Allen unver-
gesslichen, den geistigen Genuss aufs
Höchste steigenden Lustfahrt nach Eise-
nachs Umgebung.
Begeben wir uns nun auf den Weg
zur Ausstellung. Er ist nicht zu ver-
fehlen, denn vom Bahnhofe an, wo eine
Ehrenpforte „Willkommen“ zuruft, sind
die Häuser zu beiden Seiten mit Tau-
senden von Fahnen und Flaggen, mit
Kränzen etc. geschmückt; an hohen
Mastbäumen, deren jeder das Wappen
einer durch Einsendungen oder Ehren-
gäste vertretenen Stadt trägt, und wel-
che gleichsam eine Allee durch die Haupt-
verkehrsstrassen zur Ausstellung bilden,
flattern sie herab; selbst in der Mitte
der Strassen wehen hoch oben in der
ganzen Länge des Weges mächtige,
Schiffsflaggen aller Nationen und Orte.
Ich will nicht vergessen, hervorzuheben,
dass auch einige deutsche Fahnen mit
dem in Preussen so übel angesehenen
Schwarz-Roth-Gold zu sehen waren, dass
also das angebliche Verbot der deutschen
Farben von Seiten des Stadteommandan-
ten, wovon Zeitungen vor der Ausstel-
lung berichteten, eine jener falschen An-
gaben war, womit gewisse Blätter den
Unmuth gegen gewisse Regierungen und
deren Beamte noch mehr zu steigern
suchen. Nein, wahrhaftig, das specifi-
sche Preussenthum, welches Erfurt sonst
gerne zur Schau trägt, machte sich bei
dieser Gelegenheit mit richtigem Takte
in keiner Weise geltend. Besondere
und auffallende Decorationen waren an
den beiden Enden der grössten Strasse
Erfurts, dem Anger, angebracht, unten,
der Post gegenüber um einen Gascande-
laber eine Art Garten mit mehreren
Springbrunnen, oben ein hoher Portikus
von cannelirten Säulen, in der Mitte die
über Lebensgrösse Portraitstatue, des
Rathsherrn Christian Reichardt, Verfas-
sers des allbekannten Buchs „Land- und
Gartenschatz,‘‘ ein wahrhaft klassisches
Werk über Gemüsebau, und Begründer
der jetzigen Gärtnergrösse Erfurts, weil
er zu Anfang des vorigen Jahrhunderts
die ersten durchgreifenden Verbesserun-
gen im Gartenbau, namentlich Gemüse-
bau ausführte. Dieses in Gyps gegos-
sene Standbild ist so wohlgelungen,
dass es in dauerhaftem Material ausge-
führt, eine Zierde Erfurts sein würde. —
Unter diesen Betrachtungen sind wir
unvermerkt in die Ausstellung gekom-
men, zunächst in die Erfrischungsräume,
wo meist alle Tische und Stühle be-
setzt sind. Durch ein Gebüsch tritt man
auf breitem Wege in die eigentliche
Ausstellung.
“
I. Originalabhandlungen.
Ehe ich weiter schildere, muss ich
einige Worte über die Oertlichkeit sa-
gen. Die Erfahrung der letzten grossen
Erfurter Ausstellung im Jahre 1861 hatte
gezeigt, wie. vortheilhaft und nothwen-
dig die Aufstellung im Freien sei, und
wie günstig gerade der damals gewählte
öffentliche Garten zu diesem Zwecke
war. Man hatte daher denselben „Vo-
gels Garten,“ dazu aber ein fast ebenso
grosses Grundstück „Pope’s Garten“ ge-
wählt, und so mit Hinzuziehung eines
dritten Privatgartens eine Fläche von
12 preussischen Morgen zur Verfügung |
| Körbe, ganze grosse Flächen noch leer,
bekommen. Die beiden genannten Ver-
gnügungsgärten sind durch eine kleine |
| Decoration wegen der noch zu leisten-
tiefliegende Strasse getrennt, und wur-
den durch eine breite Brücke so ver- |
bunden, dass die Trennung kaum be- |
Diese Gärten sind sehr |
baum- und gebüschreich, haben Alleen |
und Plätze, und in „Vogels Garten‘ |
befindet sich das „Tivoli“, ein mit Glas |
mit einer |
Obschon nun viele Alleen, |
Plätze und Wege zur Aufstellung vor- |
handen waren, so mussten doch noch |
grössere Plätze geschaffen, Wege zuge- |
pflanzt werden, was zu Ende eines heis- |
sen trocknen Sommers Schwierigkeiten |
Endlich fehlte es an einem |
grossen freien Platze für das Glashaus |
zur Unterbringung empfindlicher Pflan- |
zen und bedeckte Hallen für Blumen |
Zu diesem Zwecke |
wurde das dritte baumlose Grundstück |
hinzugezogeu, und wo noch einige Wo- |
chen vorher Kartoffeln standen, erhob |
merkbar war.
überdecktes Sommertheater
Gallerie,
genug bot.
und Früchte etc.
Sich ein grosses Glashaus von 112 Fuss
ein von langen bedeckten Gängen ein-
gefasstes prachtvolles Blumenparterre.
Welche Arbeit es gekostet hatte, dieses |
Vielerlei zu einem eigentlichen Ganzen
umzuformen, das Unschöne zu verber-
X
gen und aus Kartoffelfeld in wenigen
Tagen einen Prachtgarien hervorzuzau-
bern, sah der gewöhnliche Besucher
freilich nicht, und es ist gut so, denn
der Genuss blieb reiner. Aber es er-
regt auch Bewunderung und erhöht den
Begriff von den Leistungen der gärtne-
rischen Decorationskunst, dieses zu er-
fahren. Da ich als Preisrichter Zutritt
zur Ausstellung lange vor der Eröffnung
hatte, so konnte ieh hinter die Coulissen
blicken. Ich sah noch Rasen legen,
künstliche Muster mit dem Rasenmesser
ausschneiden, ausgepackte Kisten und
und gestehe, dass ich die Leiter der
den Arbeiten lebhaft bedauerte, selbst
einige Zweifel hegte, ob bis zur Eröff-
nung der Ausstellung wirklich alles fer-
tig aufgestellt und gesäubert sein möchte.
Aber es wurde in der Hauptsache fer-
tig, ein Beweis, dass die Arbeit gut ge-
leitet und vertheilt war. Tadeln muss
man, dass noch in der zwölften Stunde
Dinge aufgestellt wurden, welche längst
aufgestellt sein konnten, da sie unverän-
derlich waren, also nicht wie abgeschnit-
tene Blumen ein Verwelken zu befürch-
ten hatten, und zwar nicht von Frem-
den, bei welchen verspätete Ankunft als
Entschuldigung dienen konnte. Manche
Gegenstände blieben selbst in den ersten
Tagen unausgepackt oder waren nicht
mit Nummern versehen, so dass die
Preisrichter nicht im Stande waren, Ge-
welche sehr
Bei-
genstände zu prämiren,
wohl einen Preis verdient hätten.
| spielweise nenne ich die Pflanzenspritzen,
Länge und 46 Fuss Breite, davor aber |
von denen am dritten Tage sehr gute
zu sehen waren. Man weiss nicht, wem
man in diesem Falle Vorwürfe machen
soll, und ich erwähne die Sache gleich-
sam nur zur Rechtfertigung der Preis-
richter der Section VI. Auch die con-
5 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
eurrirenden Gartenpläne kamen zu spät
zum Vorschein, was jedoch den Preis-
richtern nur lieb sein konnte, indem der
darauf gesetzte Privatpreis in ganz fal-
scher Würdigung solcher Arbeiten in
seiner Geringfügigkeit kaum annehmbar
war. — Doch nun hinweg von diesen
Winkelbetrachtungen zu der lichtvollen,
herrlichen Vorderseite !
Ich bitte nun die freundlicheniLeser,
mich auf einem Gange durch die Aus-
stellung zu begleiten, zugleich aber um
gütige Nachsicht, wenn in Bezug auf
die Oertlichkeit Irrthümer vorkommen
sollten. Das paradiesische Labyrinth
war ja so verwickelt, dass nur ein ganz
mit der Lokalität Vertrauter Unrichtig-
keiten in dieser Hinsicht zu vermeiden
im Stande gewesen jwäre. Bevor wir
eintreten, muss ich noch erwähnen, dass
der Plan der ganzen Ausstellung, die
Arangements betreffend, von Herrn F.C.
Heinemann war, welcher schon vor 4
Jahren seine Meisterschaft in derartigen
Anordnungen bewiesen. Er erhielt da-
für den Starke’schen Preis, eine goldene
Medaille.
Trat man also aus dem wirthschaft-
lichen Vorplatze, dem Reiche der Bier-
gläser und Weinflaschen von „Vogels
Garten‘ in die eigentlichen Ausstellungs-
räume, So traf das Auge zu beiden Sei-
ten auf 2 Wege, deren Seiten so mit
Gemüsesortimenten belegt waren, dass
diese Gebüsche zum Hintergrund hat-
ten, dann auf einen grossen Rasenplatz,
dessen Mitte eine grosse Gruppe von
Blattpflanzen für das freie Land einnahm,
umgeben von kleinen Beeten und Ara-
besken mit niedrigen derartigen Pflan-
zen, zu Teppiggärten geeignet, letztere
vorherrschend aus weiss- und rothblät-
terigen Pilanzen bestehend. Diese Auf-
stellung war, wenn ich nicht irre, aus
der Gärtnerei von F. C. Heinemann
hervorgegangen. Die diesen Kreis um-
gebenden Gebüsche bildeten die Rück-
seite der vorerwähnten Gemüse - Lager-
plätze und waren ebenfalls mit Gemüsen
belegt. Geradeaus gehend durchschritt
man eine alte Allee, an deren Seiten
sich die grössten und meisten Gemüse-
sammlungen, ebenfalls auf dem Boden
ausgebreitet, befanden, und gelangte vor
das schon erwähnte Theatergebäude.
Auf diesem Platze bemerkte man links
zunächst eine Bude mit Gegenständen
von plastischer Kohle, von G. A. $Sie-
brecht in Cassel, welche nur zum Theil
in der Gärtnerei verwendbar sind, als
Blumentöpfe mit beweglichem Boden,
(eine Einrichtung, die auch bei gewöhn-
lichen Thontöpfen für manche Pflanzen
empfehlenswerth ist), Platten mit Rin-
nen, um darin die Keimfähigkeit von
Samen zu prüfen, Platten für Treibhäu-
ser und Blumentische, um Töpfe darauf
zu stellen, Vasen ete. Diese Dinge sind
gewiss gute Culturhilfsmittel, ich zweifle
aber, ob der Preis derselben je so nie-
drig gestellt werden kann, dass sie all-
gemeiner in Gebrauch kommen können.
Weiterhin war eine Art Terrasse, einen
erhöhten Gartenplatz vorstellend, vom
Aussteller F, Langenthal in Erfurt,
fälschlich als Veranda bezeichnet, mit
einer Balustrade von Zinkblech, täu-
schend Steinarbeit nachahmend, in der
Mitte ein Wasserbassin (mit einem was-
serspeienden fabelhaften Thiere), auf den
Ecken Blechvasen mit künstlichen Aga-
ven, welche so naturgetreu gearbeitet
waren, dass man sich durch Befühlen
von der Blecharbeit überzeugen musste.
Von demselben Fabrikanten waren auch
hübsche Aquarien mit Vogelkäfig und
sehr gut gearbeitete ovale Giesskannen
ausgestellt. Auf der rechten grösseren
Seite befanden sich die verschiedenar-
tigsten Gartenwerkzeuge und Geräth-
I. Originalabhandlungen. 9
schaften, darunter einige Modelle. Die
jestäten standen gar zu vertieft zwischen
reichhaltigste Sammlung war von J. J.| den Pflanzen. Eine grosse Menge auch
Schmidt inErfuri, schon von verschie-
denen Ausstellungen rühmlich bekannt,
Andere Sammlungen enthielten mehr
Geräthschaften für den Landbau, ob-
schon auch für die Gartencultur im
Grossen anwendbar, als Drillmaschinen,
Reihenzieher, Marqueure, Säemaschinen
etc. Auch Mistbeetfenster aus Holz und
Eisen waren mehrere vorhanden. Eine
Coniferensammlung bildete die Einfas-
sung dieses Platzes.
Trat man in das Theatergebäude,
welches von aussen sehr nüchtern aus-
sah und wohl eine Decoration verdient
hätle, so war der Anblick wahrhaft im-
ponirend. Die Mitte (das Parterre) nahm
einen Rasenplatz mit einzelnen Schau-
pflanzen ein, dann erhob sich im Pro-
scenium ein Rasenhang mit prächtigen
Blumenarabesken, welche sich hier dem
Auge besonders günstig darstellten. Der
hintere Theil der Bühne war ganz und
gar mit schönen Blattpflanzen , meist
den Warmhäusern angehörend, bedeckt,
zwischen welchen die Büsten des preus-
sischen Regentenpaares aufgestellt waren.
Den verschmälerten Hintergrund endlich
füllte zum Theil ein sehr ähnliches lebens-
grosses Bild des „Alten Fritz“ (Friedrich
II.). Was soll denn der hier? mochten
Viele sich fragen. Aber einige Schritte
näher gaben Erklärung. Das Bild war
ganz und gar, selbst der Rahmen eine
Mosaikarbeit aus getrockneten Blumen
(Immortellen), von Fräulein Schmidt
kunst- und geschmackvoll gearbeitet und
von der bekannten Fabrik trockner Blu-
menarbeiten von J. ©. Schmidt in
Erfurt ausgestellt. Das Arrangement
der Theaterbühne war trotz der prächti-
gen Pilanzen nicht gelungen, denn diese
waren viel zu niedrig, namentlich an
den Seiten, und die Büsten Ihrer Ma-
der schönsten Blattpflanzen kann nie die
fehlende Grösse ersetzen, und Ausbrei-
tung solcher Gruppen nach der Höhe
ist ein nothwendiges Erforderniss, Of-
fenbar war der Anordner durch das er-
wälınte grosse Bild verhindert geschmack-
voller zu arbeiten; aber es hätten we-
nigstens an den Seiten grosse Pflanzen
stehen müssen. Auf dem Rasenplatze
in der Mitte waren sehr gut cultivirte
Einzelnpflanzen für das freie Land aus
der Handelsgärtnerei des Gartenbaudi-
rector Jühlke ausgestellt mit vorherr-
schenden Achyrantlhes Verschaffelti, Hier
zeigte sich auffallend, dass diese Pflanze
keineswegs den ihr gewordenen Ruf
verdient, denn ebschon die Pflanzen aus-
gezeichnet cultivirt waren, so sahen sie
doch dünn aus. Amarantus melancho-
licus ruber, ein etwas zärtliches Som-
mergewächs, ist viel effectvoller, Achy-
ranthes nur schön, wenn hoch aufge-
stellt, damit man die Blätter gegen das
Licht sieht, so aber wirklich prächtig.
Unter diesen Schaupflanzen fielen Se-
dum Fabaria mit grossen hellrothen Blu-
men und Leucophyte Browni auf. Er-
steres hält im Freien aus, ist aber auch
für Topfeultur werthvoll. Leucophyte
Brownii ist eine dem neuholländischen
Helichrysum ähnliche ganz weisse Pflan-
ze mit fadenföürmigen Zweigen von ey-
presseuartigem Ansehen, welche in san-
diger Humuserde im freien Lande ge-
deiht und fremdartig auffällt. Ich fand
diese schöne Pflanze früher zu dünn
und dürftig; seit ich aber dieses schön
gezogene, eine buschige Pyramide bil-
dende Exemplar gesehen, bin ich ande-
rer Meinung geworden. Es ist noth-
wendig, diese Pflanze immer zu ent-
spitzen. Auch ein 6 Fuss hoher Busch
von dem weisslichen Eucalyptus Glo-
10
Gartenflora Deutschlands,
bulus zeigte, welche decorativen Werth
diese Pflanze im Freien hat. Der Bühne
gegenüber stand ein Riesenstrauss von
Getreideähren, wohl 7 — 8° hoch, das
Sortiment der Jühlke’schen Gärtnerei
enthaltend, während nicht weit davon
die reinen Körner mit Namen ausgestellt
waren. Auch von Platz und Sohn
war Getreide in Aehren reich vertreten.
Die Plätze unter der Gallerie, sowie die
Gallerien selbst waren meist mit Gegen-
ständen angefüllt, welche Schutz gegen
schlimmes Wetter verlangen oder sonst
passend anzubringen waren, dabei lag
aber auch an einer zu dunkeln Stelle
ein schönes Asternsortiment in abge-
schnittenen Blumen, wenn ich nicht irre,
aus der Jühlke’schen Gärtnerei. Es ist
schwer, sich aller der verschiedenartigen
Dinge zu erinnern, welche hier zu se-
hen waren. Vor allem nahmen die ge-
trockneten und gefärbten Blumen den
meisten Platz ein. Man muss gestehen,
dass sich diese Industrie bedeutend ge-
bessert hat, denn früher waren diese
Arbeiten oft recht geschmacklos, wäh-
rend jetzt Blumenzusammenstellungen
vorlagen, welche den besten Geschmack
befriedigen konnten. Besonders schön
sind die gefärbten Gräser, von denen
ein riesiges Bouquet vorhanden war.
Ein Fortschritt ist die Benutzung be-
blätterter Zweige und kleiner Früchte
zwischen Blumen, Gräsern und Moos.
Obschon die Firma J. C.Schmidt das
beste in dieser Hinsicht geliefert hatte,
so waren doch auch von andern Aus-
stellern recht gute Arbeiten da, nament-
lich von der Färberei von Wallberg
und Rümpler gefärbte Blumen und
Gräser, Hieran reihten sich Bouqnet-
papiere, Spitzen, Halter etc. von 2 Aus-
stellern. Der Seltenheit wegen sind ge-
trocknete auf Papier geklebte Blumen
aus Jerusalem und Bethlehem zu er-
Russlands und der Schweiz.
wähnen, welche zu Gunsten einer mil-
den Stiftung verkäuflich waren. Unter
vielen andern Gegenständen sah man
verschiedene Ward’sche Kästen in Form
eleganter Blumentische, geschmackvoll
mit Pflanzen, kleinen begrünten Felsen
und Springbrunnen decorirt. Die mei-
sten und schönsten hatte der Handels-
gärtner C. Benda in Berlin eingelie-
fert, während ein anderer von F. A.
Haage jun. in Erfurt sich durch sel-
tene und schöne Pflanzen auszeichnete,
Sehr hübsch waren die zahlreichen Blu-
menampeln von Draht, jede mit ver-
schiedenen Pflanzen besetzt, was ich
noch nicht in solcher Schönheit und
Mannigfaltiekeit sah. Aehnlich waren
Blumenkörbe und Ständer, wo die Pflan-
zen in Moos vegetirten. Allgemein be-
wundert wurde eine aus trocknen Pflan-
zen gebildete Winter - Waldlandschaft
mit der Erfurter Domgruppe im Hinter-
grunde, vom Zeichenlehrer H. Kruspe
in Erfurt. Die unvermeidliche Samm-
lung von Gartenwerkzeugen, besonders
Schneidinstrumenten der Gebrüder Ditt-
mar in Heilbronn war auch hier in be-
kannter Weise und Güte vertreten, nicht
weniger gut undreich die Sammlung von
N. Hoffmann in Nürnberg. Auch noch ver-
schiedene andere Werkzeugsammlungen
waren vorhanden, unter andern von C. A.
Bachstein in Jena, dabei der von mir
schon empfohlene Ziehkarst und das Jena’-
sche Spargelmesser; ferner Instrumente von
W. Sceydelin Erfurt, dabei der in der
„Deutschen Gartenzeitung‘‘ beschriebene
„Baumdiener‘‘, ein Instrument für alle
Fälle und recht gut. Schmiedemeister
Troll in Hildesheim hatte recht zweck-
mässige Unkrauthacken geliefert. Inter-
essant war eine Sammlung von medieci-
nischen Pflanzen, in Wurzeln, Samen,
Blättern ete. von Ludwig Huck in
Achelstädt bei Krannichfeld, welcher
I. Originalabhandlungen.
officinelle Pflanzen anbaut. Dazu kamen
Medelle (von Dampfheizung, Gewächs-
haus, Strohdecken ete.), ein burgenarti-
ger Bau aus Cichorien und Senf in al-
len Stadien der Fabrikation, Blumen-
und Fruchtkörbe und viele andere be-
achtenswerthe Dinge. Hier sah man
auch Gartenpläne. Der concurrirende
‘vom Gartengehilfen Franz Mook in
Erfurt war nicht übel. Dagegen konnte
man die Pläne eines norddeutschen
(nicht coneurrirenden) Künstlers, ob-
schon schön gearbeitet und mit gut aus-
geführten perspectivischen Ansichten
ausgestattet, nur mit Bedauern ansehen,
dass sich in ihnen die ganz falsche Sie-
beck’sche Richtung (in dessen grossen
Plänen der bekannten Werke), in ihrer
ganzen Schwäche nachgeahmt fand, denn
man sah weder zusammenhängende
Schattenpartien, noch grössere offene
Flächen, sondern nur ein Chaos von
Bäumen und Grasboden, gleichsam eine
mit Bäumen bedeckte Wiese, Solche
Scenen sind recht schön in Landschafts-
gärten, sie dürfen aber nicht den gan-
zen Garten füllen. Besser, oder eigent-
lich gut war der Plan des Blumengar-
tens. Ein anderer, ebenfalls nicht con-
eurrirender Plan von einem Dilettanten,
Herrn von K. in K, sollte wohl nur
eine Copie des eignen Gartens sein,
denn als Erfindung gehörte er diesem
Jahrhundert nicht an,
Doch es ist Zeit das Theater zu ver-
lassen. Herauskommend biegen wir
links in die erwähnte Lindenallee und
wundern uns bei dem Anblick der Mas-
sen von Gemüse zu beiden Seiten nur,
dass so Vorzügliches bei der beispiel-
losen Trockenheit hat wachsen können,
besonders so schöner Blumenkohl, wie
er aus Erfurt, Berlin, Bunzlau etc. aus-
gestellt war, während ausgebildete schö-
ne Kohlarten mit Köpfen kaum aufzu-
11
Sehr vorherrschend wa-
ren an verschiedenen Plätzen die ver-
schiedenen Kürbisarten, darunter jedoch
keine sehr grossen. Am Ende der Allee
nehmen uns 2 grosse bedeckte Hallen
auf, die eine mit Obst, die andere mit
Florblumen in Töpfen gefüllt. Allge-
mein wurde das herrliche Obst bewun-
dert, und die Sammlung vom General-
consul Lade in Geisenheim zeigte so
herrliche und grosse Früchte, wie man
sie bisher nur in Frankreich ziehen
konnte, ein Beweis, wie sehr sich die
feinere Obsteultur seit 10 Jahren geho-
ben hat. Es würde zu weit führen,
auch nur die besten grossen Obstsamm-
lungen zu nennen, so viel Vorzügliches
war vorhanden, und es mag den Preis-
richtern dieser Section die Wahl unter
so vielem Guten schwer genug gefallen
sein. Weniger bedeutend waren die
Weintrauben. Die Blumenhalle zeigte
in sehr grosser Länge ein ziemliches
Einerlei von rundblätterigen Pelargonien
in neuen und alten Sorten, Heliotro-
pien (nichts Besonderes dabei), Lanta-
nen (ebenfalls kaum beachtenswerth)
und ähnliche Florblumen von sehr ver-
schiedenen Ausstellern, sogar unzeitge-
mässe, z. B. chinesische Primel, natür-
lich nicht schön. Fuchsien fehlten fast
ganz, waren wenigstens nicht auffallend
schön genug, um bemerkt zu werden.
Gar nicht (wenn ich nicht irre), waren
„Englische“ Pelargonien vertreten. Beide
— diese und die Fuchsien, hätten recht
wohl vorhanden sein können, wenn man
sich Mühe geben wollte. Ausser man-
chen schönen rundblätterigen (Scarlet-)
Pelargonien fand ich nur die Sammlung
von Remontantnelken von Joh. Gottlob
Ausfeld in Arnstadt wirklich schön.
Derselbe hatte auch die schöne Stipa
elegantissima, ohne Zweifel das reizend-
ste Ziergras ausgestellt, ein Bouquet da-
finden waren.
12
von aber im Theater. Die hier ausge-
stellten Pflanzen, besonders Lantana und
Heliotropium waren so mattfarbig, als
wäre ihnen schon lange Zeit das Licht
entzogen gewesen. Diese geringen Lei-
stungen in einem Geschäftszweige, wo-
rin gerade die Erfurter Gärtner die mei-
sten Geschäfte machen, sind geradezu
unbegreiflich, und mancher Gärtner hätte
wohl besser gethan, diesen Culturen
mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als
mit grossen Kosten Coniferensammlun-
gen in grossen Exemplaren herbeizu-
schaffen. Sicher ist, dass das Material
zu vorzüglichen Colleetionen in jeder
Erfurter Topfpflanzergärtnerei vorhanden
gewesen wäre,
Aus dieser Halle treten wir in einen
schattigen Wald, durch dessen dichtes
Astgeflecht die Sonne glänzende Schlag-
lichter fallen lässt, und wenn wir das
Ende der langen Allee suchen, sehen
wir wieder ein grosses Bild dort pran-
gen, eine „Germania“ aus frischen Blu-
men mit Ausnahme des Gesichts, be-
sonders aus Malven gebildet, ebenfalls
von J. C. Schmidt ausgestellt und von
Fräulein Schmidt gearbeitet, ein eben-
so gutes Werk, wie der „Alte Fritz.“
Die ganze grosse Waldpartie mit zahl-
reichen Gängen ist zur Aufstellung von
Sommergewächsen und Landblumen in
Töpfen bestimmt, und birgt noch einige
Gemüsesammlungen. Man mochte guten
Grund haben, die Sommergewächse, von
denen wohl viele erst kurz vorher ein-
gepflanzt waren, im Schatten des Wäld-
chens aufzustellen; aber gewiss ist, dass
sie hier einen höchst unbedeutenden
Eindruck machten, und dem Publikum
keine Lust zu deren Topfeultur mach-
ten, denn wenn nicht gerade ein glän-
zender Sonnenstrahl durch die Zweige
auf einzelne Partien fiel, so war alles
düster und farblos. Nur um die Mit-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
tagszeit konnte man hier einen bessern
Eindruck gewinnen.
Aus diesem übrigens zum Aufenthalt
reizenden Blumen -Labyrinth treten wir
wieder in das Freie und zwar auf der
andern südlichen Seite des Tivolithea-
ters. Ein mächtiges Füllhorn von Kür-
bisfrüchten gebildet, macht auf uns kei-
nen Eindruck, da der „Moosteppich‘ auf
welchem es ausgebreitet ist, mehr einer
Streu für Vieh gleicht und vom Publi-
kum in entsprechender Weise zertreten
und verschoben ist. Wenig beachtet,
weil zu tief stehend, wird eine reiche
Sammlung der verschiedensten Arten
vom Spanischen Pfeffer (Capsicum). Un-
ter einem Baume fesselt uns eine kleine
aber schöne Blattpflanzengruppe, dann
links die spalierartige Aufstellung jun-
ger in künstlichen Formen gezogener
Obstbäume vom Baumzüchter Martin
Müller in Strassburg. Weiterhin se-
hen wir einen förmlichen Markt von
schmiedeeisernen Gartenmöbeln aller Art,
Zelte, Pavillons in jeder Grösse, und
andere einschlagende Eisenarbeiten, meist
von Julius Unger, Fabrikant in Er-
furt. Besonders gefielen die Stühle und
Sopha’s mit elastischen Sitzen und Leh-
nen, ganz von Eisen und sehr leicht.
Gegenüber ist eine prächtige grosse
Laube von Weiden geflochten und bron-
eirt, mit Stühlen und Tischen, vom Korb-
fabrikant J. F.Reichardt in Erfurt (2).
In der Nachbarschaft finden wir auch
schöne gusseiserne Gartenmöbel von F.
M. Stolze in Erfurt ausgestellt.
Wieder an Gemüse vorbei, worunter
besonders die Früchte verschiedener So-
lanum (Tomaten, Eierpflanzen, Spanischer
Pfeffer ete.), darunter Eier der violetten
Varietät von Solanum Melongena, so
gross wie ein Kinderkopf, gelangen wir
an den südlichen Ausgang der schon
erwähnten Lindenallee mit den Gemü-
I. Originalabhandlungen.
Dann fesselt uns ein Rasenplatz,
an prächtigen
sen.
dessen Mitte von der
Exemplaren so reichen grossen Samm-
lung von Agaven und ähnlichen Pflan-
zen aus dem Garten von F. A. Haage
jun. eingenommen ist. Daran schlies-
sen sich grosse Rasenplätze, auf wel-
chen sich aus Astern, Tagetes etc. ge- |
bildete Blumenarabesken ausbreiten, ei-
ne Decoration, welehe Hunderttausende
von Blumen erforderte, und ganz allein
aus der Gärtnerei von Haage und
Schmidt geliefert war. Wurde als
schönes Arrangement mit dem Moos’-
sehen Preise belohnt. In der Nähe
sind schöne Obststämme in
grösse
Pommer-
schule in Weimar, der
schen Obstbaumschule zu Rade- |
und|
Held in Halle a. S.,|
Richter in Weissenfels, Jacob Rölke |
in Dresden, Neuner in Berg bei Stutt- |
kow bei Tantow, Schiebler
Sohn in Celle,
gart, K. Halt in Erfurt u. a. m, von
auswärts von Jamain et Durand in
Bourg la Reine bei Paris ete. Auch
Gehölze, besonders
Radekow) waren ausgestellt, ferner ge-
formte Beerensträucher.
Garten.“ Derselbe ist fast noch schat-
tiger, als der eben verlassene. Hier
wird mir das Gedächtniss etwas untreu,
und ich weiss nicht, ob in der nächsten
Umgebung etwas ausgestellt war und|
was, Steuern wir daher gerade auf ein
grosses Viereck, welches von zwei Sei- |
ten durch Gebäude, daran bedeckte Hal-
len, auf der andern von Kunstgebüschen
begrenzt ist. Hier sehen wir eine grosse
Gruppe von Canna in Töpfen, wenn ich
nicht irre, aus der Gärtnerei vonHaage
undSchmidt in Erfurt, eine Sammlung
Pflanz- |
von verschiedenen Ausstellern, |
unter andern von der Landesbaum-|
| Exemplaren in Kübeln und Körben,
13
von Pflanzen mit silbergrauen und weis-
sen Blättern zum Auspflanzen ins Freie
ebenfalls vonHaage und Schmidt in
Erfurt, wovon auch €. F. Heinemann
in Erfurt ausgestellt hatte; bei beiden
waren die weissblätterigen Pelargoniu:n,
welche überhaupt nicht in guter Cultur
vertreten waren, ausgeschlossen. Auch
eine Gruppe von neuen Gladiolus in
Töpfen zog die. Augen durch Farben-
pracht an, doch halten diese von einem
mir unbekannten Aussteller gezogenen
Pflanzen offenbar zu kleine Töpfe, daher
kleine Blumen und wurden von der
besser cultivitten Sammlung von W.
Wendel in Erfurt übertroffen. Hier
standen auf geräumigem Platze die gros-
sen Üoniferensammlungen in grossen
weitläufig aufgestellt, so dass man den
eigenthümlichen Wuchs jeder sehen
konnte. Die Aussteller dieser meist
prächtigen Pflanzen waren Laurentius
in Leipzig, F. A. Haage jun., Platz
|und Sohn, €. Cropp, sämmtlich in
| Erfurt,
| Manche dieser Pflanzen waren vor Kur-
Alleebäume (aus |
Peter Smith in Hamburg.
zem eingepflanzt und zeigten schon be-
| denklicheAnzeichen desZusammensehrum-
| pfens; auch sahen mehrere Sammlungen
Die früher erwähnte Brücke über |
eine Gartenstrasse führt uns in „Pope’s |
aus, als wären sie in einer und dersel-
ben Baumschule gewachsen und nur an
| verschiedene Adressaten verschickt. Mö-
| gen sie aber hergekommen sein, von wo
| sie wollen — sie waren schön und wohl
geeignet, den Gartenfreund zu deren An-
pflanzung im Freien oder Hauscultur
Lust zu machen. Die eine Seite dieses
Platzes nahm theilweise eine vorzüglich
| eultivirte Sammlung von Topfobstbäu-
ımen von J. A. Oehme in Erfurt ein.
Daran schloss sich eine die Hälfte der
Langseite und die ganze schmale Seite
des Vierecks umschliessende bedeckte
Halle, unter welcher natürliche und
14
künstliche Früchte, darunter die Samm-
lung der bekannten Porcellanfrüchte von
Arnoldi in Gotha ausgelegt waren.
Diese waren nicht minder 'preiswürdig,
als die früher erwähnten. Ein grosser
Theil der Halle war mit Pflanzenproduc-
ten aus fernen Gegenden angefüllt, da-
runter eine grosse Brodfrucht aus West-
indien, Bananenfrüchte aus Brasilien,
und viele andere tropische Früchte,
Pflanzenfasern, Samen etc., welche stets
von Beschauern so belagert waren, dass
man kaum Zeit gewann, diese Selten-
heiten näher zu betrachten. Ich er-
wähne noch einer Sammlung von Früch-
ten von Holzgewächsen in 300 Arten
und Varietäten aus dem Arboretum von
Muskau, vom Parkinspector Petzold,
leider mit zusammengeschrumpften Blät-
tern, sowie einer Sammlung von Nadel-
holzzapfen seltener Arten der Villa Melzi
am Comersee, von Villain ausgestellt.
Wir müssen auf ein näheres Eingehen
bei Erwähnung dieser Seltenheiten ver-
zichten, so interessant es auch wäre,
und treten wieder in das Freie, um die
vierte Seite des grossen Ausstellungs-
platzes zu betrachten. Hier sah man
wieder Coniferen in herrlichen Exem-
plaren, Massen schöner Blumen in Tö-
pfen und in der Mitte einen riesigen,
aus mehreren Schalen bestehenden Stän-
der mit herrlichen Früchten. Dann folgte
gegenüber die Buchhandlung für Gar-
tenliteratur von F. M. Otto in Erfurt,
mit Büsten etc. passend decorirt und
man musste nur bedauern, dass man
nicht Zeit hatte, den ausgestellten Bü-
cherreichthum genau anzusehen. Hier
war auch ein riesiger Plan der Park-
und Gartenanlagen von Muskau ausge-
stellt.
ÖObschon hier dem Ausgange der
Ausstellungsräume nahe, müssen wir
uns dennoch noch einmal nach innen
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
wenden, und betreten auf einem schat-
tigen Wege den Glanzpunkt der Aus-
stellung. Vor uns liegt im Sonnenglanze
ein grosses längliches Viereck, von zwei
Seiten durch bedeckte Hallen, von der
dritten durch den Giebel eines Gewächs-
hausbaues umschlossen, während die
vierte von Pflanzengruppen, hinter wel-
chen sich eine Restauration befand, ge-
bildet ist. Ehe uns andere Dinge im-
poniren, betrachten wir die reizenden
dicht gefüllten Sanvitalia procumbens,
welche in der Gärtnerei von Volkmar
Döpplepp gezogen sind und 1866 als
Samen in den Handel kommen. Diese
Fläche von wohl über 300 Fuss Länge
war in der Mitte von zwei regelmässi-
gen Rasenplätzen eingenommen, welche
durch ein grosses Wasserbassin mit ho-
hen Springbrunnen getrennt wurden.
Dieselben stellten einen kunstvoll ge-
stickten Teppich, ein wahrhaftes par-
terre de broderie vor, aus den glänzend-
sten Blumen, als Astern, gefüllten Zin-
nien, Tagetes, mit grosser Kenntniss der
Farbeneffecte gebildet. Diese Blumen
waren natürlich abgeschnitten und blos
hingelegt, daher vergänglich, sahen je-
doch selbst nach mehreren Tagen noch
gut aus. Ich ergreife diese Gelegenheit,
um derartige Blumenarbeiten zu Fest-
lichkeiten (z. B. Geburtstagen etc.) zu
empfehlen, wobei sogar die Spielerei
von Namen und Jahreszahlen, Wappen
etc. zulässig it. Die Damen werden
stets Wohlgefallen an solchen vorüber-
gehenden Gartenzierden finden. Um die
Hauptblumenfiguren und an den Rän-
dern waren schmale Arabesken von Lo-
nicera brachypoda var. aureo-reticulata,
Epheu und anderen Schlingpflanzen an-
gebracht, welche zwar, wie alle nicht
am Platze gewachsenen Schlingpflanzen
in der Nähe dürftig aussehen, nichts
destoweniger aber den Beschauern von
I. Originalabhandlungen.
der Verwendung dieser Pflanzen einen
Begriff gaben. Rings umher waren
hochstämmige Fuchsien aus der Gärt-
nerei von C. F. Heinemann in Erfurt
und Peter Smith in Hamburg, jedoch
nicht in der von diesen beiden Gärtne-
reien gewohnten Schönheit und offenbar
von der Ungunst der Witterung leidend.
Die Hallen zu beiden Seiten waren zur
Aufstellung der abgeschnitteten Blumen
bestimmt und enthielten die Sortimente
von geeigneten Sommergewächsen, Geor-
ginen, Pensees, Rosen, Balsaminen, Mal-
ven, kurz aller Jahreszeitblumen. Natür-
lich waren Astern vorherrschend.
kleineren Erfurter Handelsgärtner,
grossen Gärtnereien nicht
Köstritz, Aschersleben ,
nem Geschmack am meisten zusagenden
Blumenformen und Farben auszusuchen
und sich mit den Bezeichnungen der
Cataloge bekannt zu machen,
sten waren, mag selbst den Preisrich-
tern Schwer genug gefallen sein, und
selben Blumen und Farben bei
chen endlich jedem nicht das Einzelne
besonders beachtenden Beschauer ermü-
den mussten, so war es nicht zu ver- |
wundern, dass alle Blicke vor der, eine
“grosse Fläche bedeckenden Sammlung
von Gladiolus,
Paris (quai au fleurs Nr. 3) ausgestellt
waren, angezogen wurden, War doch
Hier |
sah man neben den, ganze Flächen ein- |
nehmenden Sortimenten der grossen und |
Col- |
lectionen aus Arnstadt, Quedlinburg (die |
vertreten), |
Oschersleben, |
Greussen u. a.0. Man sah hier eigent- |
lich nur Vollkommenes, und der Be-|
schauer hatte Gelegenheit, sich die sei- |
der |
grossen Ausdehnung dieser Blumentlä- |
15
von Fachmännern umlagert, und alle
gestanden ein, eine solche Vollkommen-
heit und Mannichfaltigkeit noch nicht
gesehen zu haben. Las man die Na-
men, so fand man zwar viele Neuheiten,
aber auch solche, welche bereits bei uns
in Cultur sind und auch in der Ausstel-
lung in den Collectionen von Wendel
und J. C. Schmidt vertreten waren. Es
hatte also zum grossen Theil die Voll-
kommenheit der Cultur und Art der
Aufstellung (stets 2 — 3 zusanımen in
einer Flasche) diesen günstigen Ein-
druck bewirkt. Die neuesten Sorten
zeichneten sich ausser durch Grösse,
Menge der Blumen, durch die Blüthen-
form aus, indem diese fast lilienartig
war, während bei den älteren Gladiolus
das untere Blumenblait stark nach un-
ten gekrümmt und die Zeichnung un-
gleich vertheilt ist. Neu sind die gel-
ben Schattirungen; es ist jedoch keines-
wegs wünschenswerth, dass diese in den
Sortimenten vorherrschend werden, s0
| schön auch einzelne darunter sind. Ehe
| möge man auch rein weisse, besonders
| aber niedrige Varietäten züchten.
Zu be-|
stimmen, welche Sammlungen am schön- |
Wir stehen nun vor dem schon er-
wähnten Gewächshaus, dessen Giebel-
| seite nach dem Platze zu reich mit Fah-
|nen und Kränzen geschmückt ist.
schliesslich kann nur die Reichhaltigkeit | Haupteingang und 2 kleinere führen in
der Sortimente massgebend gewesen sein. |
Wenn hier häufig Wiederholungen der- |
Ein
den Bau ven 112 Fuss Länge und 46
Fuss Breite, in der Mitte zu beiden
Seiten mit Vertiefungen, zwischen denen
in der Mitte des Gebäudes eine Fon-
|taine fast bis zur Decke steigt, von
welcher das Licht vortheilhaft auf die
Pflanzen fällt. Hier sah man nur we-
Inige Blumen, und fast nur Pflanzen mit
Ä sehönen Blättern. Und doch wurde hier
welche von Loise in!
die grosse Menge der Beschauer am
| längsten gefesselt, ein Beweis, wie sehr
|der Geschmack des Publikums in sei-
der Aussteller schon beim Auspacken |
ner Ausbildung fortgeschritten ist. Es
16
waren meist Warmhauspflanzen und sol-
che Kalthauspflanzen, welche Schutz
gegen Sonne und Wind verlangen, dar-
unter grosse Seltenheiten. Obschon
sehr grosse Pflanzen z. B. mächtige
Palmen, wie sie in manchen Warmhäu-
sern zu finden sind, fehlten, so machten
doch die musterhaften Exemplare, wel-
che so in Gruppen aufgestellt waren,
dass die ganze Formenschönheit zu er-
kennen war, einen allgemeinen befrie-
digenden Eindruck. Die Anordnung war
vorzüglich gut und wie aus einem Gusse,
obschon verschiedene Hände thätig gewe-
sen waren. Hier sah man die Schätze aus
den Gewächshäusern vonErnst Benary,
Friedr. Ad.Haagejun.,‚Platz&Sohn,
J. C. Schmidt, Gebrüder Villain,
RobertNeumann, sämmtlich in Erfurt,
der Laurentius’schen Gärtnerei
in Leipzig (fast nur aus seltenen Pflan-
zen bestehend), Louis Rümpler in
Nancy, von Carl Benda in Berlin u.
a. m. Das Bassin in der Mitte war mit
einzelnen seltenen Pflanzen uınstellt,
und selbst auf dem Wasser waren ei-
nige schöne Uferpflanzen angebracht,
prächtige Exemplare von Cyanophyllum
magnificum, Alocasia indiea mit bunten
Blättern, A. metallica und albo-violacea
in dem Viectoriahause von F. A. Haage
gezogen. Unter den umgebenden Ein-
zelnpflanzen erregten Croton pietum und
C, longifolium, von Gebrüder Daneel
in Görzig bei Köthen, inExemplaren von
seltener Grösse und Schönheit, durch
ihre mehr als zur Hälfte prächtig gold-
gelben Blätter allgemeines Aufsehen,
und ich hörte eine hübsche blonde Da-
me sagen, die Pflanzen sehen aus, als
wären die Sonnenstrahlen daran hängen
geblieben.
An den Seiten waren breite Tafeln
durchaus mit grünen, weniger mit blü-
henden Pflanzen besetzt, darunter viele
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Seltenheiten und in ungewöhnlicher Cul-
turvollkommenheit. Der Aussteller wa-
ren eine so grosse Menge, dass ich sie
nicht einmal alle mit Namen nennen
kann. Einzelne besonders interessante
Pflanzengruppen waren immer so von
Beschauern umlagert, dass man kaum
ankommen konnte, so z. B. die Samm-
lung von Anoecochylus und verwandter
Pflanzen von Laurentius in Leipzig,
desgleichen eine Sammlung reizender
Pflanzen für Zimmerglashäuser von E.
Benary in Erfurt, beide unter Glaskä-
sten, die wunderbare Wasserpflanze Ou-
virandra fenestralis und der Fliegenfän-
ger, Dionaeamuscipula, aus dem Bota-
nischen Gartenzu Karlsruhe, wel-
cher noch einige andere seltene Pflanzen
in vollkommenster Cultur, unter anderen
zwei schöne Farne, Gleichenia dicarpa
und Gymnogramme trifoliata ausgestellt
hatte. Ebenso wurden die Beschauer
von den Sarracenia und Nepenthes an-
gezogen. Durch die Seltenheit der Jah-
reszeit nach, erregte eine Sammlung von
Camellien mit aufblühenden Knospen
und einigen Blumen von Jakob Rölke
in Dresden Aufsehen. Ohne eine Rei-
henfolge zu beachten, will ich nun ei-
nige Collectionen, welche an den Seiten-
tafeln aufgestellt waren, hervorheben,
wie sie mir gerade aufgefallen sind. Den
Kenner zogen die neuen Pflanzen von
J. Linden in Brüssel an, nicht minder
die vonLaurentius inLeipzig. Die in-
teressanteste Pflanze von allen war viel-
leicht der noch nie in Deutschland gese-
hene Grasbaum, Kingia australis von
Laurentius, ein Gras mit etwa 2 Fuss
hohem Stamme, wie eine Cycadee, und
langen borstigen Grasblättern aus Neu-
holland. Andere Aussteller waren Carl
Benda in Berlin, unter andern mit Dra-
cänen in einem Culturzustande, wie man
ihn nur dort findet, was auch andere
Zuf495,
NER IETFETE: yr
Tuf 495
? I)
en Yerdatunı Ike:
I. Originalabhandlungen.
Berliner Aussteller (K. Lachner, C.F.
Chone, E.dela Croix u.a. m. der Fall
war); Louis Römpler in Nancy, W.
Lauche in Potsdam (Wildparkstation),
Cropp inErfurt. VonBlumen machten sich
einige Haiden (Eriea) jedoch nicht be-
sonders cultivirt, sowie gut gezogene
Lisianthus Russelianus bemerkbar.
Wenn es möglich wäre, einen fri-
schen Blumenstrauss von 8 Fuss Höhe
in einem verhältnissmässig grossen Blu-
menkorbe zu übersehen, so hätte es
wohl geschehen können, so umstellt war
immer der Riesenstrauss von Fräulein
Schmidt in Erfurt. Dieses Prachtstück
hätte verdient photographirt zu werden.
Als würdiges Gegenstück prangte dane-
ben ein prächtiger Blumenkorb von F.
A. Haage jun., in der Mitte mit einer
Vase, darin eine Dracaena australis,
nach unten 6 Drahtbogen mit Schling-
pflanzen, zwischen denen grosse Blu-
menhalter in Armleuchterform, Blumen-
töpfe trugen.
5o schwer die Trennung von diesem
zauberischen Orte fällt, so müssen wir
doch scheiden. Im Vorübergehen noch-
mals flüchtig den Inhalt der Schauhal-
len und die Blumenmuster des Parterres
betrachtend und einen Blick auf die
grossen Gruppen von Üoniferen, Canna
ete. werfend, nahen wir uns dem Aus-
gange, werden aber nochmals durch Ne-
bengänge aufgehalten. In dem einen
ist eine reiche Sammlung von Tabak in
allen Wachsthums - und Zubereitungs-
- _perioden bei Erfurt gezogen und von
C. Teichmann, G. Hucke, W. Brommer
in. Nössen, Joseph Kratz, Lehrer in
Hochheim und Pfarrer Holzschuher in
Stedten ausgestellt. Indem andern sind
Levcojen und andere Sommergewächse in
Töpfen ausgestellt. Die Zeit der Sommer-
levcojen war vorüber, und die meisten
Colleetionen sahen dürftig aus, aber die
I. 1866,
17
Herbst- und Kaiserlevcojen zeigten sich
besser. Und mit diesem angenehmen
Eindrucke eilen wir dem Ausgange zu.
Diese flüchtige Schilderung ist durch
die Masse des Stoffs so lang geworden,
dass ich die Mittheilung des Preisrichter-
Ausspruchs an eine andere Stelle ver-
weise. Der Zufail hat gewollt, dass die
grossen werthvollen Preise sämmtlich an
Erfurter Gärtner gekommen sind. Dies
hat schon während der Ausstellung ei-
nige Unzufriedenheit erweckt und wurde
vielfach bekrittelt. Es ist wahr, dass
dieser Zufall auffallend ist, aber wenn
Diejenigen, welche damit nicht einver-
standen waren, die Preise zu vergeben
gehabt hätten, so würden die Resultate
dieselben geblieben sein. Die Ursache
lag in dem Programm. Auch die Auf-
fassung des Sinnes der Worte: „für eine
ausgezeichnete Leistung im Gebiete des
Gartenwesens,‘‘ wofür der sogenannte
Königspreis bestimmt war, hat über-
rascht. Aber gleichwohl finde ich, (ob-
schon ich nicht bei der Berathung über
die Vertheilung dieses Preises zugegen
war), dass dieser Preis ganz in die rech-
ten Hände gekommen ist, dass die Deu-
tung des Wortsinnes zwar ungewöhnlich
aber nicht falsch ist, denn gewiss sind
die Bemühungen des Gartenbaudirectors
und Handelsgärtners F. Jühlke um den
Erfurter Gartenbauverein, Ausstellung
und Congress eine „ausgezeichnete Lei-
stung,‘“ deren Nutzen höher zu stellen
ist, als irgend ein grosser Culturerfolg.
Manche Einzelnheiten bei der Aus-
stellung verdienen das grösste Lob, ei-
nige Tadel. Recht zweckmässig war die
Einrichtung der Sectionsführer der Preis-
richter, ohne welche sich diese in der
Masse gar nicht zurecht gefunden hät-
ten, und ich bringe dem Führer meiner
Section, dem Verleiher des Preisbechers
für Hellerlinsen, Herrn L. Prager, hier-
2
18
‚hiermit unsern besonderen Dank. Lo-
benswerth war die Art und Weise der
Aufsichtsausübung durch Feuerwehr-
männer, die in ihrer netten Tracht ganz
zum malerischen Festgewand der Aus-
stellung passten. Ich könnte noch Vie-
les loben, habe es aber schon so viel
gethan, dass es endlich Zeit zum Tadel
ist. Auch hier soll nur das bemäkelt
werden, was für künftige Ausstellungen
vermieden werden sollte. Dahin gehört
erstens die flüchtige Auslegung der Ge-
müse, auf den Boden so nahe an die
Wege, dass darauf getreten wurde und
Bohnen und andere leichte Gemüse von
den Crinolinen der Damen mit fortge-
schleppt wurden. Dass dabei die Be-
zeichnungen mit Papierzetteln, welche
oft blos aufgelegt waren, am ersten mit
verloren gingen, versteht sich von selbst.
Diese Art Bezeichnung ist in Zukunft
gar nicht zuzulassen. Ferner hatte man
sich begnügt, an den Wegen, wo Ge-
müse und Blumentöpfe am Boden auf-
gestellt waren, Einfassungen aus Moos
zu bilden. Wie ich beim ersten Eintritt
voraussagte, so kam es: das Moos wurde
in allen Gängen umhergeschleppt, wel-
che dadurch mehr einem Bauernhofe,
als einer Ausstellung glichen. Die ein-
zig brauchbare wohlfeile Einfassung für
so ausgedehnte Linien sind Tannen-
zweige, die man mit Haken in dem Bo-
den faschinenartig befestigt. Unange-
nehm war der Theergeruch in dem gros-
sen Schauhause, und man sollte die zur
Deckung verwendete Dächpappe nicht
theeren. Unangenehm ferner das Licht
in diesem Hause durch den blauen Be-
schattungsanstrich, obschon es bei eini-
Gartenflora Deutschlands, Russland und der Schweiz.
gen Pflanzen die Farbenwirkung ver-
stärkte.
Endlich kann ich ein Gerücht nicht
verschweigen, welches während der Aus-
stellung überall im Umlauf war, dass
nämlich verschiedene Aussteller seltene
Pflanzen, ganze Sammlungen davon, so-
wie Gemüse nur zum Zwecke der Aus-
stellung angekauft hätten. Solcher Un-
fug sollte nicht wieder geduldet werden.
Er hat sich, wie man hört, schon an
mehreren Ausstellungen gezeigt, nament-
lich in München.
Ich schliesse mit der Wiederholung
der schon im Eingange ausgesprochenen
Ansicht, dass diese Ausstellung allge-
meine Befriedigung zur Folge gehabt
hat. Möchte auch meine mangelhafte
Darstellung nicht ganz unbefriedigt las-
sen. Manches Erwähnenswerthe mag
ich vergessen haben. Wer hätte, von
Preisrichter- und Congresspflichten, sowie
von endlosen Zerstreuungen in Anspruch
genommen, Zeit gehabt, sieh alles Be-
merkenswerthe zu notiren® Beim Durch-
lesen ünde ich, dass ich manche Namen
öfter, andere, darunter Aussteller, wel-
che oit hätten erwähnt werden können
und sollen (z.!B. Ernst Benary, Haage
und Schmidt u. a. m.) nur einmal ge-
nannt, andere z. B. Möhring und Gott-
hold in Arnstadt, Moschkowiz und an-
dere in Erfurt ganz vergessen habe. Ich
versichere, dass dies ganz absichtslos so
gekommen ist, und bitte diejenigen, de-
nen ich keine Ehre angethan, um Ver-
zeihung. Die Preisvertheilung zeigt ja,
was der Einzelne geleistet hat.
Jäger.
I. Originalabhandlungen.
19
3) Zur Cultur der Caladien.
Im Julihefte der vorjährigen Garten-
flora bringt Herr Hofgärtner Jäger die
Schwierigkeiten zur Sprache, mit denen
das Ueberwintern der Caladien verbun-
den ist und die oft derart sind, dass sie
manchem Pflanzenliebhaber die Pflege
dieser schönen Aroideengattung gänzlich
verleiden.
Schon seit mehreren Jahren habe
ich mit: besonderer Vorliebe, so über-
haupt Arvideen, als speciell Caladien
eultivirt, dabei auch viele Verluste er-
litten und mir so nach und nach eine
Praxis gebildet, die mich jetzt nur in
seltenen Fällen im Stiche lässt, obgleich
ich dennoch nicht jedes Jahr ohne Ver-
luste bleibe.
Wenn ich mein Verfahren in den
folgenden Zeilen darlege, so will ich
damit nicht etwa Neues gesagt haben,
sondern nur der Aufforderung des ge-
ehrten Mitherausgebers dieser Zeitung
Folge leisten, da derselbe in dieser An-
gelegenheit auch andere
hören wünscht,
Wenn meine Caladien beginnen in
ihrem Wachsthume einzuhalten, d. h.
wenn sie keine jungen Blätter mehr
hervorbringen und die alten in verhält-
nissmässig rascher Folge vergelben, dann
höre ich allmälig auf zu giessen und
stelle die Pflanzen an einen zwar trock-
nen, aber nicht heissen Ort des Warm-
hauses oder einen der wärmsten und
trockensten Plätze des temperirten Hau-
ses; nachdem die Blätter gänzlich ab-
welken, entferne ich sämmtliche Erde
von den Knollen und lege dieseiben
schichtenweise in einen grossen Topf,
Stimmen zu
wobei ieh die Zwischenräume mit Sand,
welchen ich vorher getrocknet habe,
seinen vorigen Platz, untersuche jedoch
von Zeit zu Zeit, um den Sand zu ver-
ändern, wenn die vielleicht noch in den
Knollen enthaltene Feuchtigkeit sich er-
sterem mitgetheilt haben sollte. Sich
während der Ruhezeit (wie Herr Ra-
galski dies thut) gar nicht um die Knol-
len zu bekümmern, möchte wohl in den
wenigsten Fällen zu glücklichen Resul-
taten führen, weil es einestheils sehr
leicht vorkommen kann, dass auf die
Knollen, trotzdem sie an einem trocke-
nen Orte stehen, dennoch einige Was-
sertropfen fallen, welche, je kälter sie
sind, desto ieichter das Anfaulen der-
selben veranlassen, anderntheils kann es
oft vorkommen, dass die Knollen zu
stark eintrocknen, besonders wenn sie
einen zu warmen Standort haben. Im
ersteren Falle wird man bei zeitweisem
Nachsehen die schadhafte Stelle sofort
entdecken und entfernen, so wie durch
Aufstreuen von puiverisirter Holzkohle
das Weiterfaulen verhüten können; im
andern Falle wird man durch 'mässiges
Anfeuchten der Erde nachhelfen können.
Das richtige Bestimmen des Zeitpunk-
tes, in welchem man mit Giessen nach-
lassen, ist nach meiner Ansicht das erste
Erforderniss einer glücklichen Ueber-
winterung; allerdings ist das Erkennen
dieses Moments eine Sache, die sich
nicht lehren lässt und die dem prakti-
schen ‚Blicke des umsichtigen Pflanzen-
pflegers überlassen bleiben muss. Ra-
tionelle Behandlung und aus dieser her-
vorgehende normale Entwickelung des
Individuums während der Wachsthums-
periode ist ein nicht minder wichtiges
Eriorderniss zum glücklichen Ueberste-
stehen der Ruhezeit. Die Dauer der-
ausfülle,;, dann stelle ich denselben an | selben ist je nach den verschiedenen
2x
20
Arten nicht gleich, denn während die-
jenigen Caladien, deren Knollen breit
und flach sind und in ihrer Form denen
der Cyclamen ähneln, eine längere Ruhe
vertragen (ob auch bedürfen, wage ich
nicht zu entscheiden) verlangen andere
Arten, so z. B. C. Humboldtii Schott
(argyrites Ch. Lem.) und Cal. pietum
mit allen zu dessen Formenkreise ge-
hörenden Arten (C. argyrospilum Ch.
Lem., C. Kochii A. Versch., C. marmo-
ratum, L. Math, C. Laucheanum C.
Koch, C. regale Ch. Lem. u. s. w.) eine
kürzere Ruhezeit. Gewöhnlich tritt
Ende October bis Mitte November der
Zeitpunkt ein, wo ich aufhöre meine
Caladien zu giessen und fast immer
pflanze ich sie in der zweiten Hälfte des
Januar wieder in Töpfe. Beziehentlich
der Behandlung während der Vegetation,
so halte ich für das Beste, die Knollen
anfangs in möglichst kleine Töpfe zu
setzen und ihnen durch öfteres Verpflan-
ir
|
|
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
zen später die nöthigen Nahrungsstoffe
zuzuführen; ich störe jedoch bei dieser
Operation die Ballen möglichst wenig.
Eine Mischung von 2 Theilen Lauberde,
2 Theilen Heideerde und 1 Theile Sand,
mit Beisetzung von erbsengrossen Holz-
kohlenstückehen und etwas Hornspänen
habe ich stets mit Vortheil angewandt,
will jedoch deswegen nicht in Abrede
stellen, dass die Caladien bezüglich der
Erde nicht sehr wählerisch sind und auch
in andern Mischungen vortrefflich ge-
deihen. Wenn ich noch hinzufüge, dass
sie einen warmen Fuss und eine feuchte
Atmosphäre zu ihrer vollkommenen Ent-
wickelung bedürfen, so glaube ich aller
Erfordernisse gedacht zu haben, mit de-
ren Berücksichtigung es mir seit einer
Reihe von Jahren gelungen ist, bei ih-
rer Pflege mich der gehofften Resultate
zu erfreuen. Die Vermehrung, als all-
bekannt, kann ich füglich übergehen.
Ender.
4) Die Hooibrenk’scehe Befruchtung.
Im Oectoberheft der Gartenflora ist
die Hooibrenk’sche künstliche Befruch-
tung der Körnerfrüchte und Bäume
besprochen, aber viel zu glimpflich be-
handelt, wenn man bedenkt, mit wel-
cher Keckheit Hooibrenk seine unklaren
Ideen als erprobte Thatsachen in das
Publikum brachte, wie diese weltbe-
glückende Erfindung durch alle Zeitun-
gen lief und ihrem Meister eine Beloh-
nung von 20000 Fres. vom Kaiser von
Frankreich einbrachte. Beim Getreide
(Roggen, Weizen, Gerste und Hafer)
sollte der Ertrag ohne wesentliche Er-
höhung der Kosten um die Hälfte ge-
steigert werden. Nun hat man an eini-
gen Orten wirklich die Versuche ange-
stellt, aber überall ohne den versproche-
nen Erfolg, z. B. auf der Versuchssta-
tion Schmiegel bei Posen von Dr. Pe-
ters, In Ungarisch - Altenburg von Prof.
Haberlandt und in Frankreich, Eine
sachgemässe Abfertigung gab Prof. Dr.
Runge in Oranienburg schon vorher in
Dingler’s polytechnischem Journal 1864
Bd. 23, S. 316. Er nennt die künst-
liche Befruchtung des Getreides ‚‚eine
der glänzendsten Aufschneidereien der
Neuzeit“ und sagt hei der Befruchtung
der Obstbäume: „In diesen Rathschlä-
gen erreicht seine Unverschämtheit im
Aufschneiden ihren Gipfelpunkt,“ —
I. Originalabhandlungen.
Wenden wir uns zunächst zum Getreide.
Zwei Männer nehmen eine lange mit
Franzen besetzte Leine, steilen sich zu
beiden Seiten des Feldes auf und ziehen
die Leine über die Aehren, so dass
diese von den Franzen niedergebeugt
und gegen einander geschlagen werden.
Dadurch sollen “die Blüthen gegenseitig
befruchtet werden. Um aber zugleich
die mangelnde Narbenfeuchtigkeit zu er-
setzen, sollen die Franzen mit Honig
bestrichen werden, welcher auf den Nar-
ben haften bliebe. Runge setzt nun die
Eigenthümlichkeiten der einzelnen Blü-
then auseinander und beweist dadurch,
dass dies Verfahren überhaupt wirkungs-
los sein müsse, da die Blüthen sich
theils nicht, theils erst nach geschehener
Befruchtung öffneten. Ich habe nur
den Roggen und Weizen genauer ange-
sehen. Beim ersteren öffnen sich die
beiden Blüthenspitzen wie ein Storch-
schnabel, die Narben treten hervor und
die Staubbeutel hängen an den verlän-
gerten schlaffen Staubfäden herab. Spä-
ter schliessen sich die Spelzen wieder,
die Spitzen der Narben bleiben aber
hervorragend. (Ebenso verhalten sich
eine grosse Zahl unserer wild wachsen-
den Gräser). Runge behauptet nun,
dass die Befruchtung schon vor dem
Oeffnen vor sich gegangen sei. Da ich
aber in den noch geschlossenen Roggen-
blüthen die Staubbeutel ebenfalls ge-
schlossen fand, da bei dem Oeffnen der
Fruchtknoten stets klein, die Narben
noch völlig frisch sind, so scheint mir
dies wenigstens nicht durchgängig rich-
tig. Die Staubbeutel springen meistens
während oder kurz nach dem Oeffnen
der Spelzen auf. Bei günstigem Wetter
ist die Befruchtung gerade hier sehr
leicht ermöglicht, indem der Blumen-
staub der obern Blüthen auf die Narben
der untern fallen kann, oder dadurch,
21
dass ein Luftzug den Biumenstaub auf
die Narben weht. Eine dem Landmanne
bekannte und erwünschte Erscheinung
ist, wenn der Roggen ‚raucht‘, d. h.
wenn bei klarem Himmel und schwa-
enem Luftzuge sich gleichzeitig eine
grössere Anzahl Staubbeutel öffnet und
der Blumenstaub wolkenähnlich über
das Feld geweht wird. Dass der Rog-
gen trotzdem in manchen Jahren nur in
geringer Anzahl Körner gebildet, muss
für jetzt andern ungünstigen Verhält-
nissen zugeschrieben werden, wie Regen,
feuchter und trüber Witterung. Eine
alte Bauernregel ist, dass es wenig
Pflaumen gibt, wenn es in deren Blüthe
regnet. Aehnlich wie der Roggen ver-
hält sich nach Runge der Hafer. Bei
diesen beiden Getreidearten wäre das
Hooibrenk’sche Verfahren ohne den Ho-
nig wenigstens nicht widersinnig, wenn
auch nicht vie] versprechend, indem un-
günstige Witterungsverhältnisse ebenso
und noch mehr dabei schaden würden,
bei passendem Wetter aber mehr als
hinreichend von der Natur für die Be-
fruchtung gesorgt ist. Unsinn ist der
Honig, der nur schaden kann, denn die
Narbenfeuchtigkeit ist noch kein Honig;
der Honig an den Franzen würde die
Narben vers@hmieren und den Blumen-
staub gerade an den Franzen festhalten.
Beim Weizen und nach Runge
bei der Gerste tritt ein sehr we-
sentlicher Unterschied auf. Hier öffnen
sich die Spelzen gar nicht oder in sel-
tenen Fällen in äusserst geringem Grade.
Wenn hier die Staubbeutel hervortreten,
sind sie stets entleert und welk. Die
Narben treten nie hervor, sie sind von
den bauchigen Spelzen im Grunde der
Blüthen verborgen. Die Franzen kön-
nen daher keinen Blüthenstaub fassen,
und wenn sie ihn ansammelten, so könn-
ten sie ihn nie auf die Narben bringen.
22
Dagegen kann hier der Honig, wie auch
bei den andern Getreidearten, die Spel-
zen verschmieren, den Luftzutritt hin-
dern und so der Ausbildung des be-
fruchteten Eichens schädlich werden,
Hätte sich Hooibrenk diese Blüthen an-
gesehen, so — wäre er wahrscheinlich
doch so kühn gewesen, das Unmögliche
als Thatsache zu verbreiten. Es ist in
neuerer Zeit behauptet worden, auch bei
Zwitterblüthen müsste der befruchtende
Blüthenstaub von andern Blüthen her-
übergebracht werden. Für den Weizen
(und die Gerste) ist dies nicht der Fall.
Abgesehen von den erwähnten Thatsa-
chen wird dies auch durch eine andere
Erfahrung bestätigt. Zwei verschiedene
Weizenvarietäten nebeneinander gesäet
gehen nicht in einander über, was doch
der Fall sein müsste, wenn der Blumen-
staub der einen auf die andere geführt
würde. Allerdings sieht man auf einem
Weizenfelde häufig einen andern Weizen
dazwischen. Das geschieht, wenn bei
der Ernte oder in der Scheuer verschie-
dene Weizen nicht mit Sorgfalt getrennt
werden, oder es geschieht auch auf dem
Speicher, wo Mäuse häufig Körner eines
Haufens auf einen andeın tragen. Sonst
verhalten sich die Weizenvarietäten con-
stant, wenn nicht verschiedene Boden-
oder klimatische Verhältnisse einwirken,
was namentlich in Bezug auf die Farbe
geschieht. Es gibt namentlich Boden-
arten, auf denen der weisse Weizen
sehnell roth wird. Bei Roggen kann
man von Varietäten nicht reden. Es ge-
hört jedenfalls schon ein sehr geübtes
Auge dazu, um die Sorten zu unter-
scheiden. — Aber die Gärtner und na-
mentlich die Obstgärtner wird das Mit- |
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
tel, „sich eine reichlichere Ernte zu si-
chern,‘“ wichtiger sein. Man höre: „Um
diesen Zweck zu erreichen, muss man
das Pistill der Blüthe leicht mit dem in
Honig getauchten Finger berühren, Dann
fährt man mit einem Büschel von Schwa-
nenflaum über alle Blüthen, um die Ver-
setzung des befruchtenden Staubes zu
erleichtern. Solche Fruchtbäume, deren
Blüthen man mit der Hand nicht errei-
chen kann, befruchtet man, indem ein
mit Honig bestrichener Schwanenbüschel
an eine bewegliche Gurte befestigt wird,
mit welchem man das Pistill betupft,
worauf über dasselbe, wie oben gesagt,
mit einem Flaum ohne Honig hinweg-
gefahren wird.“ Lassen wir das wissen-
schaftliche Prineip einmal ganz bei Seite
und stellen uns mit unserm Honigfinger
in einen Obstgarten, wir erreichen wirk-
lich die unteren Blüthen und betupfen
die Narben. Aber die meisten Blüthen
sind zu hoch. Wir nehmen den mit
Honig bestrichenen Schwanenflaum. Wie
sieht wohl ein solcher Schwanenflaum
aus? Wie ein Schmierlappen. Also
mit diesem zarten Schwanenflaum wollen
wir die Narben betupfen. Dazu würden
wir in die Linke ein Fernrohr haben
müssen, um diese möglicher Weise zu
sehen. In die Rechte nehmen wir die
Gerte mit dem Honigflaum. Nun aber
ganz ruhig! Denn treffen wir nicht die
Narbe allein, so verkleistern wir die
ganze Blüthe. — Genug des Unsinns. —
Dass ausserdem hier noch ganz andere
Gesichtspunkte festgehalten werden müs-
sen, hat der Redacteur dieser Zeitschrift
schon nachgewiesen.
Körnicke,
I. Neue Zierpflanzen.
a) Abgebildet im Botanical Maga-
zine.
1) Phalaenopsis sumatrana Korthals.
Orchideae. (tab. 5527). Eine der prächtig-
sten Arten dieser schönen Gattung des In-
dischen Archipelagus. Es ist das die glei-
che Pflanze, die als P. zebrina von Teysm.
beschrieben (Hort. Bog.) und ausserdem im
Heit 10 pr. 1860, der Flore des Jardins du
Royaume des Pays-Bas abgebildet und von
uns auch schon unter diesem Namen er-
wähnt ward. Blumen 3 Zoll im Durchmes-
ser, weiss, mit rothen Querbinden auf den
Blumenblättern. —
23) Primula cortusordes L. var. amoena.
Primulaceae. (tab. 5528). Eine schöne Ab-
art der in Sibirien heimischen P. cortusoi-
des, mit bedeutend grössern tief violett ge-
färbten Blumen mit gelbem Auge. Ward
vom Hrn. Veitch aus den Gärten Japans
eingeführt. —
3) Liparis atropurpurea Wight. Orchi-
deae. (tab. 5529). Wight ic. pl. Ind. or. Ill.
p- 904. Eine Erdorchidee Veylons mit pur-
purrothen Blumen. Nur für botanische Gär-
ten von Interesse —
4) Phalaenopsis Schilleriana Rochb.
(tab. 5530). Eine elegante Abbildung der
von uns mehrfach besprochenen Ph. Schil-
leriana von den Philippinen. —
5) Alstromeria densiflora Herb. Ama-
ryllideae. (tab. 5531). — Bomarea densi-
flora Herb. Amaryll. pag. 399. tab. 46. fig.
4. — Knth. enum. pl. V. pag. 810. — Eine
schöne Alstromerie mit bis 11 Fuss hohen
kahlen windenden Stengeln, die in den Ge-
birgen von Peru und Ecuador heimisch ist
von dem Sammler des Hrn. Veitch, Hrn.
Pearce, kürzlich in England eingeführt
Blätter oval, kurz zugespitzt, auf
der untern Seite weichhaarig. Die spitzen-
ständige Blüthendolde vielblumig, dicht und
die einzelnen 1—2 Zoll langen Blüthenstiel-
chen weichhaarig und zuweilen von einer
Bractee gestützt. Blumen ungefähr 1 Zoll
wurde,
Neue Zierpflanzen.
lang, schön scharlachroth. Die Blüthenhüll-
blätter länglich, spatelförmig, die 3 innern
innerhalb schwarz punktirt. Fruchtknoten
und Griffel weichhaarig. — Eine sehr schöne
Art. —
6) Haemanthus incarnatus Burch. Ama-
ryllideae. (tab. 5532). — Burch. tab. piet.
1818. — Herb. Amaryli. pag. 237. tab. 31.
fig. 1. — Knth. enum. V. pag. 598. — Ein
aus dem südlichen Afrika stammendes Zwie-
belgewächs fürs Warmhaus. Verwandt dem
H. tigrinus, Blätter sehr gross, verkehrt-
oval, stumpf, gewimpert. Blüthenschaft
röthlich und ungefleckt. Blüthenscheide aus
vielen schmalen spitzen Blättchen bestehend,
die kürzer als die Blumen. Blüthenhülle
fleischroth. Griffel und Staubfäden gleich-
lang, beide hervorsehend.
7) Lankesteria Barterı Hook. Acantha-
ceae. (tab. 5533). Eine neue Gattung aus
der Familie der Acanthaceen aus Westafrika.
Nees begriff diese Pflanze mit unter Eran-
themum elegans, welches jedoch eine ganz
verschiedene Pflanze ist. Bildet einen bis
4 Fuss hohen Strauch. Blätter gegenstän-
dig, länglich-oval oder länglich - lanzettlich,
zugespitzt, am Grunde in einen kurzen Blatt-
stiel verschmälert, 4—8 Zoll lang, schwach
kurzhaarig und später kahl. Blüthenähren
spitzenständig, einfach oder zusammenge-
setzt. Die Blumen goldgelb mit orangen-
farbenem Auge, ungefähr 1 Zoll im Durch-
messer, von ziegeldachförmig über einander
liegenden ovalen zugespitzten genervten
kurzhaarigen gewimperten Bracteen gestützt.
Kelch in 5 gleich grosse, schmal - lineare,
lang gewimperte Lappen gespalten. Blumen-
krone präsentirtellerförmig, mit schmaler
graciler den Kelch überragender kurzhaari-
ger Röhre und flachem in 5 fast gleich
grosse ovale Lappen gespaltenem Saume.
Staubläden 2, welche oben in der Röhre
eingefügt sind. Antheren 2-fächrig, mit
parallelen Fächern. Fruchtknoten 4eiig.
Griffel fädlich, mit kapselförmiger zweilap-
piger Narbe. Kapsel gestielt.
24
Vorzüglich
Warmhaus. —
8) Euphorbia Monteiri Hook. Euphor-
biaceae. (tab. 5534). Eine ausgezeichnete
neue Euphorbie aus dem südwestlichen
Afrika, deren kurzer holziger dicker Stamm,
am Grunde schwach verästelt ist und allent-
halben von den knotigen Resten des’ Grundes
der jährlich absterbenden Blatt- und Blü-
thenzweige besetzt ist, so dass der Stamm
einige Aehnlichkeit mit dem eines Encepha-
lartos besitzt. Blätter der jährigen Zweige
fleischig, kahl, schmal spatelförmig und an
der stumpfen Spitze einen kurzen Mucro
tragend. Auf der Spitze der Zweige steht
die von 3 grünen oval-deltoidischen Brac-
teen gestützte Blume (Blüthenstand) mit
rothbraunen Drüsenblättehen. — Interessant
für Sammlungen merkwürdiger Pflanzen-
formen. — (E. R.)
schöne neue Pflanze fürs
b) Abgebildet in „Flore des Serres
eich,
9) Cypripedium insigne Wall. var.
Maulei. Die typische Art, eine der bekann-
testen und ältesten Gartenorchideen wurde
schon im Jahre 1819 von dem berühmten
Dr. Wallich aus Nepal eingeführt. — Auch
neben den neuerdings eingeführten schöne-
ren Arten verdient sie noch immer ihren
Platz, besonders wegen ihres dankbaren
Blühens, umsomehr da ihre Blüthezeit in
den Beginn des Winters fällt, wo jede Blu-
me in den Gewächshäusern um so willkom-
mener ist, je strenger und unfreundlicher
draussen der Winter regiert. — Dass sie
eine der härtesten Orchideen ist, und in je-
dem Warmhause mit Leichtigkeit erzogen
werden, und während der langen Blüthezeit
unbeschadet ihrer Gesundheit wochenlang
zum Schmuck der Blumentische dienen kann,
ist eine weitere werthvolle Eigenschaft. —
Die Varietät Maulei zeichnet sich aus durch
den breiten reinweissen Rand des oberen
Blumenblattes, wodurch das Grün und die
rothen Flecke der Mitte um so mehr her-
vortreten. (Taf. 1564.)
10) Cypripedium Hookerae Rchb. fil. —
Diese neue Frauenschuhorchidee ist schon
als schöne Blattpflanze sehr zu empfehlen,
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
die schachbrettartige Zeichnung ist ähnlich
wie bei O. barbatum und javanicum, grün
in grün, aber ungleich effectvoller, ungleich
contrastirender: ein fast schwarzgrüner Grund
mit hieroglyphenartigen breiten grünlich-
weissen Bändern geschmückt. Die Blumen
in Form und Färbung dem O:rhirsutissimum
ähnlich, sind recht hübsch, entsprechen aber
nicht den Erwartungen, die der schöne
Blattschmuck unwillkürlich erregt.
(Taf. 1565.)
11) Acer polymorphum fol. dissectis ro-
seo-marginatis Sieb. — Unter den zahlrei-
ehen Einführungen des Dr. von Siebold von
Japan ist auch eine kleine strauchige Ahorn-
art mit allerliebster Belaubung, die in den
Gärten Japans wohl schon seit Jahrhunder-
ten gezogen wurde, da Siebold gleich eine
ganze Reihe buntblätteriger Abarten einfüh-
ren konnte. Van Houtte acquirirte den gan-
zen Vorrath, und hat seit einigen Jahren
mehrere der schönsten Formen in den Han-
del gegeben. Diese Ahornart hat einen nie-
deren, dicht verzweigten Habitus, ist sehr
schwachwüchsig, und kann wegen des nie-
deren buschigen Wuchses und der
Belaubung sehr vortheilhaft im Vorder-
grunde von Gesträuchpflanzungen verwen-
det werden. Die obige Abart, mit hand-
förmig tief getheilten Blättern, die hübsch
rosenroth gerandet und panachirt sind, ist
nach Van Houtte wohl der zierlichste aller
buntblätterigen Sträucher: die lebhafte Blatt-
fürbung macht den Eindruck des vollsten
Blüthenschmuckes. — In Belgien und wohl
auch in Deutschland ist dieser Ahorn voll-
kommen ausdauernd, da er früh treibt, ist
eine nördliche oder westliche Lage vorzu-
ziehen, da nach kalten Nächten die Morgen-
sonne den noch zarten Trieben leicht scha-
det; ein leichter, humusreicher und nicht
nasser Boden ist besonders geeignet. Ver-
mehrung durch Absenken und Veredeln.
(Taf. 1566.)
schönen
12) Azalea indica var. Präsident Van
den Heeke. — Eine vorzüglich schöne und
bunte Azalee, auf reinweissem Grunde pon-
ceau bandirt und gestrichelt, nach Van
Houtte in jeder Hinsicht die schönste in
II. Neue Zierpflanzen.
dieser Färbung; dabei von gedrungenem
Wuchse und sehr reichblühend.
(Taf. 1567 —68.)
13) Camellia japonica var. Corradino. —
Von Charles Luzzati in Florenz erzo-
gen, eine Blume ersten Ranges, gross,
schön dachziegelig gebaut, bis auf das et-
was unregelmässige Centrum; dunkel lachs-
rosa, nach innen heller und hier mit weis-
sen Lichtern. Eine vorzügliche und effect-
volle Varietät. (Taf. 1569.)
14) Rogiera gratissima Planch. et Lind.
— Die Gattung Rogiera, zu den Rubiaceen.
gehörend, besteht nur aus wenigen Arten,
die sich aber sämmtlich durch ihre schönen
grossen Blüthenbüschel auszeichnen. Sie
sind einheimisch in den kühlen Bergregio-
nen von Guatemala und Mexico und erfor-
dern in der Cultur nur den Schutz des tem-
perirten Hauses im Winter und einen ge-
sehützten Standort im Freien während der
Sommermonate. — R. cordata war bisher
die schönste und beliebteste Art, wird aber
bei Weitem übertroffen durch die neue R.
gratissima, die Herr Linden in Brüssel durch
seinen Reisenden Ghiesbreght aus der me-
zicanischen Provinz Chiapas empfing. Diese
Art unterscheidet sich sehr vortheilhaft
durch ihren niederen Wuchs, und die klei-
neren aber weit derberen, lederartigen,
glänzend dunkelgrünen Blätter, und blüht
sehr dankbar schon in ganz kleinen, jungen
Exemplaren, wird daher zweifelsohne eine
ganz vorzügliche Acquisition sein; sie hat
auch bei ihrem ersten Debut in den Londo-
ner Ausstellungen zwei Preise errungen
und verdient die weiteste Verbreitung. Bil-
det einen niederen, hübsch belaubten, im-
mergrünen Strauch; Blätter kurzgestielt,
lanzettlich-elliptisch oder länglich, kurz ver-
schmälert, spitz, fast lederartig derb, unbe-
haart und glänzend dunkelgrün. Blüthen in
sehr grossen endständigen vielblumigen
Trugdolden. Kelchröhre birnförmig-kugelig,
mit kleinen aufrecht abstehenden Zipfeln.
Kronröhre schlank, nach oben allmälig er-
weitert, Saum 5lappig, flach ausgebreitet,
Schlund dieht besetzt mit goldgelben Haa-.
ren. — Die grossen, prächtigen Trugdolden
erinnern an die schönen Ixora-Arten, die
25
Farbe der Knospen ist lebhaft rosacarmin,
die Blumen innen zart rosa mit gelbem
Centrum. — (Auf eıner Reise nach London
October 1864 hatten wir Gelegenheit,
sämmtliche neue Pflanzen der belgischen
und londoner Gärten zu durchmustern; wir
waren entzückt von der Rogiera gratissima
und erkannten ihr unbedingt die Palme zu,
besonders auch, weil sie schon in kleinen
Exemplaren reich und dankbar blüht, und
daher verspricht auch eine vorzügliche Markt-
im
pflanze zu werden. — Linden wird sie die-
ses Frühjahr in den Handel bringen. —
E. O.). (Taf. 1570—71.)
15) Azalea indica var. Charles Van
Eeckhaute. — Eine in Van Houtte’s Etablis-
sement gewonnene Azalee, die sich beson-
ders durch ihr feuriges Colorit und ihre
elegante Form auszeichnet. Die Farbe ist
ein sehr lebhaftes, in Orange schillerndes
Granatroth, auf dem oberen Petale die so-
genannte Fahne (die anders, meist dunkel-
gefärbten Flecken auf den oberen Blumen-
blättern bei Azaleen, Rhododendron, Pelar-
gonien ete.) recht markirt durch schwarze
Punkte auf amarantrothem Grunde; die
Blumen sind recht gross und bei gerunde-
ter Form graciös wellig gerandet.
(Taf. 1572.)
16) Maranta striata Hort. Veitch. —
Unter den hübschen Neuheiten, die der
junge J. G. Veitch, bekannt durch seine
japanischen Einführungen, von den Philippi-
nen heimbrachte, ist auch eine sehr schöne
buntblätterige Maranta oder wahrscheinli-
cher ein Phrynium. Diese Art bleibt sehr
niedrig, treibt schnell viele Nebentriebe und
bildet einen reizenden, dichten Busch; die
Blätter sind länglich-elliptisch, 4 — 5 Zoll
lang, 2 Zoll breit, auf lebhaft hellgrünem
Grunde gelblich, weiss gestreift und pana-
chirt, und zwar häufig so stark, dass das
Weiss prädominirt. Sie hat noch nicht ge-
blüht, ist aber, da sie sich durch Theilung
leicht vermehrt, bereits im Handel und wird
als eine überaus zierliche Blattpflanze ra-
sche Verbreitung finden. Cultur Im Warm-
hause, feucht und schattig zu halten, wie
die verwandten Arten.
(Taf. 1573.)
26
17) Chrysanthemum indicum fl. roseo-
albo punctato. — Rob. Fortune hat neuer-
dings von Japan eine kleine Anzahl Garten-
varietäten der Winterastern eingeführt, die
uns den tröstlichen Beweis geben, dass un-
sere europäischen Gärtner, ohne ihre japa-
nischen Collegen deshalb unterschätzen zu
sollen, dennoch in der Veredlung und Ver-
vollkommnung der Gartenpflanzen im All-
gemeinen und der Chrysanthemen im Be-
sonderen unendlich geschickter sind. — Die
Japanesen scheinen wenig zu halten auf
regelmässige, symmetrische Form und Fül-
lung, das Grosse, Monströse, Barokke sagt
ihrem Geschmacke besser zu, — das be-
weisen denn auch diese neuen Sorten, die |
schwerlich ein anderes Lob gewinnen wer-
den, als das der Aussergewöhnlichkeit. —
Aber wenn sie auch an sich wenig Beifall
finden, so können sie doch für die weitere
Züchtung grossen Werth gewinnen, da sie
nach verschiedenen Richtungen hin neue
Racencharaktere bieten, die nur weiterer Ver-
vollkommnung bedürfen, und diese in («den
Händen der europäischen Züchter gewiss
finden werden, und von diesem Gesichtspunkt
aus beurtheilt, haben sie sicher grossen
Werth. Die oben genannte Varietät hat
z. B. constant punktirte Strahlblüthen bei
einer anderen Varietät striatum genannt,
sind sie gestreift, bei laciniatum geschlitzt
u. 8. w. (Taf. 1574.)
18) Parochetus communis Hamilt. —
Diese hübsche Leguminose, in den Blättern
und im kriechenden Wuchs unserm weissen
Klee (Trifolium repens) ähnlich, wächst in
den Thälern des Nepalgebirges, sie zeichnet
sich aus durch das prächtige reine Kobalt-
blau ihrer niedlichen Schmetterlingsblüthen.
— Im freien Lande kommt sieim nördlichen
und mittleren Europa nicht zur Blüthe, man
muss sie im Herbst zeitig einpflanzen und
im temperirten Hause als Ampelpflanze blü-
hen lassen und dnrchwintern. Die ersten
im Freien gebildeten Triebe liefern die be-
sten Stecklinge zur Anzucht fürs nächste
Jahr. — Im südlichen Europa wird sie ihre
volle Schönheit entfalten können, und den
ganzen Winter hindurch blühen und auch
reichlich Samen tragen. — Kelch 4-spaltig,
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
nackt, die Fahne der Korolle zurückgeschla-
gen, 2-lappig, Schiffichen stumpf, von den
Flügeln bedeckt; Staubfäden zweibrüderig ;
Griffel glatt, Narbe stumpf; Hülse vielsamig,
Samen fast rund; Blätter 3-blätterig, lang
gestielt, Nebenblätter häutig. Blättchen ein-
zeln achselständig, lang gestielt, sehr an-
sehnlich. (Taf. 1575.)
19) Camellia jap. tricolor imbricata
plena. — Eine sehr bunte, prächtige Varie-
tät, von Ch. Schmitz in Florenz gezüchtet.
Die grosse, schöngebaute Blume ist auf
weissem Grunde nelkenartig rosa und car-
min bandirt und gestreif. Der Wuchs ist
gedrungen, das Laub glänzend dunkelgrün,
es ist eine Sorte, die auch in der grössten
Sammlung noch hervorstecheu und willkom-
men sein wird. (Tat. 1576.)
20) Gymnostachyum Verschaffeltü Le-
mair. Diese allerliebste Acanthacee, durch
Herrn Baraquin von Para eingeführt, hat
sehr rasch eine grosse Verbreitung gefun-
den. Die dunkelgrünen Blätter mit dem
prächtig carminrothen Adernetz, breiten sich
flach am Boden aus und sind so auffallend
schön, dass Jedermann, der sie sieht und
ein wenn noch so kleines Warmhaus be-
sitzt, sich beeilt, diese niedliche Blattpflanze
anzuschaffen. (Genauere Untersuchungen
der übrigens unscheinbaren Blumen haben
ergeben, dass diese Pflanze den Typus einer
eigenen Gattung bildet, die der Botaniker
Coemans Fittonia nannte, so dass sie jetzt
als Fittonia Verschaffeltii aufzuführen ist. —
Die von Veitch gleichzeifig als Eranthemum
rubrovenium ausgesandte Pflanze ist nur eine
Abart mit etwas kleineren und heller ge-
zeichneten Blättern. Cultur im feuchten nie-
deren Warmhause sehr leicht).
(Taf. 1581.)
21) Eranthemum sanguinolentum Hort.
— Ebenfalls eine rothgeaderte Acanthacee,
wie die vorige als hübsche Blaitpflanze selır
zu empfehlen und von dieser durchaus ver-
schieden. — Veitch, der sie in den Handel
brachte, will sie von Madagascar erhalten
haben. Sie bildet einen kleinen, verästelten
Halbstrauch, mit ovalen Blättern, auf deren
dunkelgrünem Grunde die lebhaft blutrothen
Blattrippen schön hervortreten. — Cultur
II. Neue Zierpflanzen.
im Warmhause, Vermehrung sehr leicht
durch Stecklinge; muss fleissig gestutzt
(pincirt) werden, um reich verzweigte, nie-
dere Exemplare zu erziehen. (Auch diese
schöne Pflanze ist nach Hooker Typus ei-
ner neuen Gattung, und als Hyphaestes
sanguinolenta Hook. im Botan. Magazin ab-
gebildet und beschrieben). (Taf. 1583.)
22) Codonopsis gracilis Hook. fil. et
Th. — Campanulaceae. — Leider existirt
diese ausgezeichnete rankende Campanula-
cee vorerst nur in Herbarien, — aber hof-
fentlich wird sie auch bald nebst anderen
prächtigen Pflanzen, die ebenfalls erst in
Herbarien vertreten sind, in unsere Gärten
wandern. — Dr. Hooker, berühmt gewor-
den durch seine Reisen im Himalaya, die
eine überaus reiche botanische Ausbeute er-
gaben, (jetzt seit Kurzem zum Director des
botanischen Gartens zu Kew an die Stelle
seines verstorbenen Vaters, Sir William
Hooker, ernannt), — fand zuerst diese
interessante und schöne Pflanze. „Nichts ist
schöner — sagt er, als der Anblick dieser
zarten Pflanze, wie sie mit ihren prächtig
reinblauen Blumen, und ihrem durchsichtig
leichten Blattschmuck ganze Büsche buch-
stäblich dicht bedeckt. Sie wächst in den
dunkelsten Wäldern des Sikkimgebirges an
den Ufern der Bäche; ist aber keineswegs
häufig anzutreffen.“ Eine zarte Schling-
pflanze mit langen röhrig-glockigen Blüthen.
(Taf. 1584.)
23) Malus floribunda Sieb. — Der ver-
diente Dr. von Siebold hat von Japan unter
IL No
1) Die Baumscheere von Le-
cointe. In Baumschulen sind gute Baum-
scheeren von grosser Wichtigkeit, denn sie
geben die Möglichkeit, bedeutend schneller
die Arbeiten des Beschneidens auszuführen,
Als Uebelstand war an den Scheeren der
27
zahlreichen Pflanzen aller Art, von denen
viele schon längst unsere Gärten schmücken,
auch mehrere Varietäten von Aepfelbäumen
eingeführt, die zwar nicht ihrer Früchte we-
gen, wohl aber als reich und schön blü-
hende Ziergehölze alle Beachtung verdienen.
— Von Siebold hat sie als Malus Ringo,
M. Toringo, M. spectabilis Kaido und M.
florıbunda unterschieden, sie scheinen aber
Formen der gleichen Art zu sein, da Van
Houtte in einer Aussaat von M. floribunda
alle diese Formen wiederfand.— Die Blü-
then stehen in Doldentrauben, in Form,
Farbe und Blüthenstand unsern Aepfelblüthen
ähnlich, nur ist das Roth der Knospen un-
gleich feuriger und dunkler, die Blüthen-
stiele viel länger und hängend; die Aeste
werden im ersten Frühjahr besonders bei
M. floribunda zu wahren Blüthenguirlanden
und gewähren einen unbeschreiblich schö-
nen Anblick. Die Früchte sind klein, ku-
gelig, oben abgeplattet, mit tief eingedrück-
ter Kelcheinsenkung, von schöner goldgel-
ber Farbe. — Da diese japanischen Aepfel
sehr früh blühen, leidet der Flor zuweilen
durch Spätfröste, sonst sind sie durchaus
hart für unser Klima. — Sie lassen sich
wie unsere Aepfelsorten auf Kernwildlinge,
Paradies- und Johannisstämme veredeln durch
Pfropfen oder Oculiren und verdienen viel-
fache Verwendung im Vorgrunde grosser
Baumpflanzungen, oder im Centrum von
Gebüschgruppen; sind auch zur Einzeln-
pflanzung im Rasen geeignet.
(Taf. 1585—89.) (E. ©.)
tizen.
jedem Schnitt wieder öffnen sollen, häufig
dem Abbrechen ausgesetzt waren.
Ein Herr Lecointe in Laigle (Orne),
hat nun eine neue derartige Scheere mit
einer spiraligen Feder construirt.
Wir geben hier nach der Revue hor-
verschiedenartigsten Constructionen es zu |ticole, — die Abbildung dieser „Seca-
rügen, dass die Federn, welche solche nach |teur de Lecointe“
genannten Scheere
28 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
und bemerken, dass solche sich sehr leicht
und angenehm haudhaben lassen soll, und
dass das Brechen der Feder niemals vor-
kommen soll.
2) Der botanische Garten in
Grenoble. Wir finden in der Revue hor-
ticole einen interessanten Artikel über den
botanischen Garten zu Grenoble, dem Herr
| Hier sieht man die zierlichen Bewohner
der Gebirge zwischen Steinen in üppiger
Fülle ihre Blumen entwickeln.
Ganz vorzüglich ist endlich auch ein
kleiner Fruchtgarten gehalten, in dem 200
Birnensorten, 80 Aepfelsorten ete. eultivirt
werden, — und zwar jede einzelne Sorte
in einem wahrhaft musterhaft behandelten
Exemplare. Hier hält Herr Verlot zugleich
seine praktischen Vorträge über Obstbaum-
zucht.
Als ein besonderes Verdienst Verlots
für weitere Kreise ist es endlich zu nennen,
dass er die in den Gebirgen und Thälern
der Umgegend wachsenden Pflanzen nicht
nur alle kennt, — sondern solche auch
in seinen Garten eingeführt und in die an-
dern Gärten Europa’s verbreitet hat.
3) Treiberei der Erdbeeren. Herr
L. Riffauld empfiehlt in der Revue horticole
die Treiberei der Erdbeeren in Mistbeetkä-
sten. Schon im Januar legt er Kästen zu
diesem Zwecke an. Die Töpfe mit den
Pflanzen werden ziemlich dicht neben ein-
ander in die über dem Dünger aufgebrachte
Verlot als Direetor und Gärtner zugleich Erdschicht eingegraben, — doch dürfen
vorsteht und auf den derselbe seit einem | dieselben nicht auf dem fermentirenden
Zeitraum von 20 Jahren unausgesetzt Fleiss | Dünger selbst zu stehen kommen.
und Mühe gewendet hat. Eine musterhafte
Ordnung und zweckmässige Einrichtung sind
das Ziel dieses unablässigen Strebens.
Der Garten hat eine schöne Lage und
ist von den Gewässern der nahen Gebirge
reichlich bewässert. Im grossen Park des
Gartens sind die einzelnen Parthien immer
mit den Arten der gleichen Gattung oder
Familie angepflanzt. So sieht man hier die
Acer, dort die Juglans, Quereus, Fraxinus,
Spiraeen etc, — alle in besondere Grup-
pen geptlanzt.
Der reichen Sammlung von Coniferen
‚ ist eine besondere Parthie gewidmet. Von
grossem Interesse ist unter den perenniren-
den Pflanzen eine besondere der Cultur der
Pflanzen der Gebirge gewidmete
Parthie.
nahen
Die Fenster sollen so flach über den
Pflanzen liegen, dass die Blätter derselben
das Glas erreichen. Wenn später die Blät-
ter grösser werden, wird der Kasten soviel
gehoben, als dies nothwendig erscheint.
Gelüftet wird fleissig. Während der
Blüthe soll täglich des Morgens der Schweiss
von den Fenstern abgewischt werden, da
dieser herabtropfend den Blumen und jun-
gen Früchten verderblich wird.
Zum Treiben benutzte Herr L. R. frü-
her Princesse-Royale, — jetzt aber die Mar-
guerite Lebreton, welche er als die beste
und vorzüglichste Sorte zur Treiberei em-
pfiehlt.
Von Ende März bis gegen Ende Juli
lieferten ihm die getriebenen Pflanzen dieser
Sorte unausgesetzt schöne Früchte.
IV. Literatur.
29
W. Literatur.
1) F. Jühlke, Beiträge zur Revision des |
Gemüsegartens.
Unser geehrter Freund empfiehlt in die-
ser kleinen Brochüre zunächst mit Nach-
druck das Umgraben und Düngen des Ge-
müsegartens im Herbste und nicht erst im
Frühlinge. Durch das Umgraben im Herbste
wird der Boden dem Einfluss der Atmo-
sphäre den Winter hindurch besser geöffnet,
was denselben erfrischt und die Zersetzung
des Düngers in eine von der Pflanze assi-
milirbare Form bedingt.
Als Mittel gegen die Kohlfliege em-
pfiehlt Jühlke, die jungen Kohlpflanzen vor
dem Pflanzen mit ihren Wurzeln in einen
eingedickten Decoct von Wermuth zu tau-
chen, in Folge dessen: sich durchaus keine
Maden an den Wurzeln zeigten.
Ferner empfiehlt Jühlke die Cultur der
weissen und rothen Batate als sehr wohl-
schmeckender Gemüse. Ueber diese Cultur
sagt derselbe:
Der verhältnissmässig niederen Tempe-
ratur unseres Gartenbodens entspricht es,
wenn die Cultur der Bataten, die gleich der
Bohne einem wärmeren Klima — Indien —
angehören, in 2 Fuss hohen Hügeln bewirkt
wird. Diese Hügel werden nach veraufge-
gangener Bearbeitung des Bodens mittelst
Zusammenschaufeln der fruchtbaren Garten-
erde gebildet und in 2!/,füssiger Entfernung
in Verband angelegt. In diesen Hügeln ge-
niessen die jungen Pflanzen die Vortheile ei-
ner erhöhten Bodenwärme und entwickeln
sich ungleich kräftiger, als wenn sie in ge-
wöhnlichen Gartenboden ausgepflanzt wer-
den. Mit dem Aufhören der Nachtfröste
werden die in Bereitschaft gehaltenen Pflan-
zen, je 2 Pflanzen in der Mitte des Hügels,
angepflanzt, mässig angedrückt und begos-
sen. So wie die Pflanzen ausranken, be-
steckt man einen jeden Hügel mit 4 Fuss
hohen Sträuchern und lässt die Ranken da-
ran in die Höhe laufen. Wenn die Ranken
sich selbst überlassen bleiben, so überwu-
chern sie den Boden, treiben unaufhörlich
neue Wurzeln und verhindern die Knollen-
bildung des Hauptstockes. Die Freihaltung
der Hügel von Ranken und Unkraut bleibt
deshalb eine Hauptbedingung bei der Cul-
tur. Beachtet man diese Erfahrung, so ern-
tet man von Mitte bis Ende October von
jedem Hügel sieben, zwölf, fünfzehn und
mehr Knollen, die in Asche geröstet und
mit ein wenig Salz und Butter abgewellt,
oder auch gekocht in Suppe etc. ein wohl-
schmeckendes Gemüse liefern.
Bei der Ernte werden die Spitzen der
Ranken zu Stecklingen auf 3, 4 und 5 Au-
gen geschnitten und in mit sandiger Erde
gefüllte Töpfe gepflanzt; sie bewurzeln sich
selbst im Wohnzimmer sehr leicht und bil-
den die Fortzucht für das nächste Jahr, wäh-
rend die Knollen bei einer Temperatnr von
+ 8 bis 10° R. in trockenen Sand einge-
schlagen und im Laufe des Winters verspeist
werden. Die Knollen erhalten sich je nach
dem Ort der Aufbewahrung und nach dem
Grade der erlangten Reife — welche letz-
tere sich in dem Gelbwerden der beblätter-
ten Ranken zu erkennen gibt — bis Aus-
gangs Januar, alsdann verlieren sie durch
Verdunstung und wiederholte Keimbildung
den Wohlgeschmack. Um diese Zeit pflanzt
man die übrig gebliebenen Knollen in Töpfe,
treibt dieselben an und benutzt sie zur Aus-
pflanzung ins, Freie. Ob man nun zur Ver-
mehrung Stecklingspflanzen oder solche
wählt, die aus den Wurzel-Rhizomen unmit-
telbar hervortreiben, der Effect des Gedei-
hens und der Ertrag der Knollen ist in bei-
den ;Fällen derselbe. Die Zwischenräume
der Hügel werden mit andern Culturge-
wächsen, wie z. B. Blumenkohl, Sellerie,
Buschbohnen u. s. w. bepflanzt; da sie von
den Ranken der Bataten nicht benachtheiligt
werden, so liefern sie als Nebenernte einen
sicheren und guten Ertrag.
Soweit Jühlke. Es versteht sich, dass
diese ganz rationelle Cultur der Batate nur
in guter geschützter sonniger Lage und
30
dann auch nur in den nicht rauhen Theilen
Deutschlands und des mittlern Europa’s an-
wendbar. In Petersburg werden bekannt-
lich alle Gemüse auf 2 Fuss erhöhten Bee-
ten angepflanzt, um die hierdurch erhöhte !
Temperatur des Bodens allen Küchenge-
wächsen zu gut kommen zu lassen.
Indem wir in Bezug auf die vielen an-
dern praktischen Bemerkungen auf den Ar-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
tikel selbst verweisen, geben wir zum Schluss
noch wieder, was Jühlke vom Gewürzam-
fer sagt:
Von den Spinatartigen Pflanzen ist
der verbesserte grosse graue Sauer-
ampfer oder Gewürzampfer — Rumex
scutatus L. var. glaucus (s. untenstehende
Abbildung) — sehr zu empfehlen. Ich nenne
ihn deshalb Gewürzampfer, weil sein schar-
fes Aroma dem gewöhnlichen Garten-Spinat
und Gartenampfer einen viel angenehmeren
Geschmack verleiht, wenn diese beim Ko-
chen bis zu einem Drittheil mit den Blät-
tern des grauen Sauerampfers versetzt wer-
den. Die Blätter sind, wie die obenste-
hende Figur andeutet, etwas spiesförmig,
stumpf und zuweilen eingeschnitten von
| Mm
blaugrüner Farbe, glatt und äusserst weich
und fleischig. Die Pflanze breitet sich sehr
aus, treibt 1!/, Fuss lange niederliegende
Aeste und blüht im Juli und August. Bei
der vollkommenen Härte cultivirt man den
Gewürzampfer in dem Garten-Quartier für
permanente Pflanzen und gibt denselben
eine Entfernung von 2 Fuss im Verband.
IV. Literatur.
Man säet den Samen im Frühling — im
März oder April — auf eine sonnige Ra-
batte und versetzt die Pflanzen mit der 6.
Blattentwicklung an den Bestimmungsort
auf tief gegrabenes gut gedüngtes Land.
Der Verbrauch tritt bereits im ersten Jahr
im Juli ein; im zweiten Jahr liefern die
Pflanzen aber vom April ab eine ununter-
brochene Ernte von weichen saftigen Blät-
tern, die entweder für sich allein oder als
Zuthat zu andern Spinat- und Ampferarten
benutzt werden. Im Herbst schneidet man
die Stöcke 2 Zoll hoch über der Erde ab
und düngt sie alljährlich. Auf diese Weise
liefert die Pflanzung sechs Jahre hindurch
reiche Ernten. Eine Verunkrautung des
Bodens ist so leicht nicht zu befürchten,
weil die Pflanzung den Boden sehr dicht
beschattet. Wenn die Pflanzen im Ertrag
nachlassen, so wechselt man den Standort
und schreitet zur Anlage einer neuen Pflan-
zung. (E. R.)
2) A.L. Fee, le Darwinisme. Paris
1864 chez Vietor Masson et fils.
Prof. Fee in Strassburg spricht sich in
diesem Werke für die Beständigkeit der Art
aus und erklärt Darwin’s Ansicht, dass alle
die Erde bewohnenden Arten der Pflanzen-
und Thierwelt einer allmäligen Weiterent-
wickelung, — respective Vervollkommnung
entgegen gingen, für eine geistreiche Hypo-
these. Der Referent nimmt einen ähnlichen
Ständpunkt für die Pflanzen- und Thierfor-
men der Jetztwelt ein, ohne jedoch aus der
Jetztwelt Schlüsse für die Vorwelt zu zie-
hen, (E. R.)
3) Henkel, J. B. und Hochstetter, W.,
Synopsis der Nadelhölzer. Stuttgart
1865.
Die Autoren dieses Buches geben in
demselben eine wissenschaftlich geordnete
Aufzählung aller bekannten Nadelhölzer, mit
den Charakteren der Gattungen und Arten
in deutscher Sprache, — ferner die Aufzäh-
lung der Synonymie, die Standorte, Eigen-
schaften und Benutzung, denen sich endlich
31
die Bemerkungen anreihen, wann solche in
Europa eingeführt wurden und wo solche
im freien Lande cultivirt werden. —
Den einzelnen Gruppen der Nadelhölzer
sind gute Beobachtungen über deren Cultur
angehängt. Für Gärtner, Gartenfreunde und
alle Freunde der Nadelhölzer ein treffliches
Buch, um sich in demselben Rath zu holen.
(E. R.)
4) J. Hartwig, der Melonen-, Gurken- u.
Champignon-Gärtner für Treib-, wie für
Freilandeultur. — Weimar 1865, bei
Voigt. — (Mit 3 Tafeln).
Diese Schrift ist von einem sachver-
ständigen Manne mit Benutzung aller in neu-
rer Zeit gemachten Erfahrungen, in klarer
und fasslicher Sprache geschrieben und da-
rumallgemein zu empfehlen. Manche Früchte,
wie z. B. die vortrefflichen Wassermelonen,
die im Süden Russlands und dem Oriente
in grossem Massstabe angebaut werden, die
auch noch in Petersburg zu den Früchten ge-
rechnet werden, die viel höher als die Melonen
geschätzt und bezahlt werden und in ganz
Russland und auch den sünlich angrenzen-
den Ländern als Arbusen bekannt sind,
scheinen freilich vom Verfasser nie selbst
gebaut worden zu sein. Er führt davon eine
amerikanische und eine italiänische Sorte auf,
während alle aus Asien kommen, — sagt,
dass deren Geschmack fade und wässerig
sei, während sie wirklich gut eultivirt zu den
saftreichsten, süssen und sehr angenehmen
Früchten gehören. Ueber die von der Melo-
ne ganz abweichende Cultur der Wasserme-
lone sagt der Verfasser ebenfalls nichts. —
Da diese Cultur in Deutschland fast ganz
unbekannt zu sein scheint, so werden wir
derselben nächstens einen besondern Artikel
widmen. —
Bei der Aufzählung der verschiedenen
Varietäten der Melonen und Gurken hätten
wir eine einlässlichere Besprechung der
Sorten gewünscht, welche zum Anbau für
bestimmte Zwecke vorzugsweise zu empfeh-
len sind. (E. R.)
32 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
V. Neuestes ete.
1) Moskau. Schon lange ist von der
Tochter Linne’s das phosphorische Leuchten
der Feuerlilie, sowie der Regenringelblume,
Lilium bulbiferum „Calendula pluvialis‘“ be-
obachtet worden; sodann in Zweifel gezogen,
und endlich förmlich bestätigt worden. Dieses
Leuchten fand jedoch nur an warmen Som-
merabenden statt, wo es auch nicht lange
andauerte.
Die Beobachtung eines stark phospho-
rescirenden Lichtes, welches ich hier beob-
achtet, bezieht sich auf eine gelbblühende
Georgine, welche von Herrn Sieckmann ge-
züchtet, unter dem Namen „Deutsche Sonne‘
in den Handel kam.
Ich befand mich nämlich bei
Müller, Obergärtner des hiesigen Gartenbau-
vereinsgartens zu Gast. Des Abends spät, am
8. September trat ich auf den Balkon hin-
aus, vor dessen Treppe sich eine "Dahlia
„Deutsche Sonne‘ in voller Blüthenpracht
befand. Es war dunkel und trübe; desto
mehr überraschte mich ein helles Leuchten
dieser Georgine, deren sämmtliche Blu-
men sich deutlich im phosphorischen Lichte
abzeichneten, Diese Beobachtung fand jeden
Abend statt, so dass ich Herrn Mülier und
dessen ganze Familie auf den Balkon rief,
wo Alle sehr überrascht waren. Des Nachts
um 2 Uhr trat ich wieder auf den Balkon
hinaus; es war vollkommen finster, das Phos-
phoresciren war aber so stark, dass ich
mich dicht an die Staude begab, und be-
merkte, dass aus jeder der gedüteten Blu-
menblätter das Licht aus dem innern Kelche
aufstieg, auf dem übergebogenen Rand oder
Lippe des Blättchens aber verschwand. Auch
leuchteten nicht alle Blättchen zugleich, son-
dern abwechselnd, so dass es in vielen
Blättchen stattfand, dann verlöschte, um je-
Herrn
desmal von Neuem anzufangen, wodurch die
ganze Erscheinung an einen aufblitzenden
Stern erinnerte. Gegen 4 Morgens verschwand-
das Leuchten. Noch am Abend der letzten
Nacht, als der erste Nachtfrost die Blumen
zerstörte, war das Leuchten bemerklich.
Obschon neben dieser Georgine sich
andere, orangefarbene sowohl als gelbe be-
fanden, so waren doch selbige nicht leuch
tend, und auch bei einem zweiten Exemplar
der „deutschen Sonne‘“‘, welche weiterhin im
Garten sich befand, habe ich das Phospho-
resciren bemerkt, während alle anderen Blu-
men dieser Gattung dunkel waren.
R. Capler, Kunstgärtner.
Dass das Leuchten oben beschriebener
Georgine wirklich stattgefunden, davon war
ich mehrmals Augenzeuge.
Aug. Müller, Obergärtner.
2) Internationale Ausstellung in
London. Im Mai 1866 wird die grosse
internationale Pflanzenausstellung verbunden
mit einem Gartenbau - Congress in London
stattfinden. Nach dem Beschluss des er-
nannten Comiles wird diese Ausstellung '4
Tage dauern. Ausserdem sollen aber alle
die vielen reichen Gärten Londons den an-
wesenden Gästen offen stehen. Die Ausstel-
lung selbst soll von der Royale Horticultu-
ral Society veranstaltet werden und dieLin-
nean Society und andere gelehrte botanische
Gesellschaften und Institute Grossbritanniens
werden dabei Antheil nehmen. —
Wo Englands Pflanzenschätze und In-
telligenz den Rahmen zu einer derartigen
Ausstellung bilden, muss Ausserordentliches
geleistet werden. Hoffen wir, dass auch die
Gärten des Continents sich nicht von der
Concurrenz abhalten lassen. (E. R.)
I. Originalabhandlungen.
1) Abgebildete Pflanzen,
a) Helleborus eauceasicus A. Br. var.
a b-
chasieceus.
(Siehe Tafel 496. Fig. 4.)
Ranunculaceae,
H, caucasicus A. Br. var. abchasicus | purrothen Blumen ward von A. Braun
Rel. ind. sem. h. Petrop. 1860. — H.
abchasieus A, Br. in ind. sem. h. Berol.
1853. pag. 14. — C. Koch. in Allgem.
Griztg. 1858. pag. 143. tab. 1. —
Von den schönen Abarten des H.
caucasieus A. Br. gaben wir im Jahr-
gange 1860 der Gartenflora tab. 293
die Abbildung der dunkelroth blühenden
Varietät (H. caucasicus eslchieus) und
im Jahrgange 1863 tab. 400 die Ahbil-
dung der weissblumigen und im Grunde
der Blume punktirten Abart (H. cauca-
sicus guttatus) und besprachen dabei
Schon den im Cancasus heimischen H.
eaucasieus, der von A. Braun H. ceauca-
sicus genannt und von Ledebour mit H.
orientalis verwechselt wurde. Die bei-
stehend abgebildete Abart mit lichtpur-
als H. abehasieus beschrieben, ist aber
ebenfalls nur eine Form, des mit grün-
lich gelben, weissen, licht- und dunkel-
rothen Blumen vorkommenden H. cau-
casicus und gehört zu den allgemein
empfehlenswerthen Perennien. In Pe-
tersburg hält derselbe nicht mehr sicher
im freien Lande aus und muss als Topf-
staude gezogen werden, die im Decem-
ber und Januar ihre hübschen Blumen im
Kalthause entwickelt. In Deutschland
hält derselbe im freiem Lande aus, muss
aber eine halbsehattige Lage im Schutz
von Bäumen und eine lockere gute nicht
sedüngte Wiesenerde oder Mischung aus
Lehm und Lauberde erhalten. Vermeh-
rung durch Theilung des Wurzelstocks.
(E. R.)
II. 1866,
34
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
b) Daphne jezoensis Maxim.
(Siehe Tafel 496. Fig. 1—3.)
Daphnoidesae.
D. (Mezereum) humilis, ramosa gla-
berrima; foliis herbaceis obovato-
oblongis obtusis uno apiculo, basi in
petiolum brevem attenuatis, tenuiter ve-
nosis subtus pallidis; floribus co&taneis
e basi ramulorum hornotinorum ortis
fascieukatis, breviter pedicellatis pedicel-
lis demum lignoso induratis, persisten-
tibus; laciniis perigoni patentibus
ovatis acutis dimidium tutum
aequantibus, antheris exsertis ovario
staminibus duplo superato.
Habitat in Japoniae insula Jezo pro-
pe Hakodate in fruticetis frequens, Majo
fiorens, et insulae Nippon provineiae Se-
nano sylvis subalpinis (ipse).
Frutex ad summum bipedalis, valde
ramosus, ramis erectiusculis. Flores lutei
fragrantes.
Proxime affınes sunt Daphne
Pseudo-Mezereum A. GrayetD.
kamtschatica Maxim. quae species
cum nostra sectionis Mezerei constituunt
subdivisionem novam: floribus co&taneis
insigsnem. ÖOmnes tres inter se quam
maxime affines, tamen in unam minine
conjungendae.
En earum diagnoses:
D. Pseudo-Mezereum A. Gray.
On the botany of Japon in botan. Me-
moirs extracted from the Mem. Amer.
acad. pag. 404. Humilis subdecumbens
ramosissima tota glabra, foliis herbaceis
lanceolato oblongis velrarius obo-
vato -oblongis acutiusculis vel ra-
rius obtusis cum apieulo, basi in petio-
lum aitenuatis tenuiter venosis subtus
fascieculatis
demum
lorum hornotinorum ortis
breviter pedicellatis pedicellis
lignosis persistentibus; perigonii co-
riacei laciniis cordato-ovalibus
obtusis dimidium tubum supe-
rantibus; antheris exsertis ovario sta-
minum altitudinem attingente.e Hab, in
Japoniae insula Nippon: prope Simodam
(A. Gray ]. c.), prope Jokohamam (ip-
se); passim culta in hortis urbis Jedo
(ipse).
Flores virescenti ochracei inodori. —
Pro planta Grayana sumsi ob stationem
similem , ubi ipse inveni, D. jezoen-
sis vero, videtur in ins. Nippon mon-
tium altiorum tantum incola.
Daphne kamtschatica Maxim.
Primit. fl. Amer. p. 237, n. 644. Hu-
milis parce ramosa vel subsimplex tota
glaberrima; foliis herbiaceis ob-
longo lanceolatis vel lanceola-
tis acutiusculis basi in petiolum
brevem attenuatis tenuiter venosis; flori-
bus coötaneis e basi ramulorum horno-
tinorum ortis fasciculatis breviter pedi-
cellatis, pedicellis demum persistentibus
lignosis, laciniis perigonii erecto
patulis dimidium tubum vix ae-
quantibus exterioribus ovatis
acutis interioribus lanceolatis,
antheris inclusis, ovario staminum altitu-
dinem, attingente.
D.Pseudo-MezereumF.Schmidt.
Fl. Sachal. ined. non A. Gray.
Hab. in Kamtschatka prope Tigil in
fruticetis (Dr. Levicay! Junio florens),
pallidis; floribus coetaneis e basi ramu--| in Mandschuriae jugo litterali orientali,
L. Originalabhandlungen.
in sylvis rarissime (ipse), et in insula
Sachalin (Schmidt! Glehm!).
Fruticulus miser a praecedentibus
statim distinguendus foliis floribusque
plusquam duplo minoribus, foliis angu-
stioribus. — Fl. flavi vel lutei. Fructus
in omnibus tribus speciebus fere iidem:
bacca sphaerica vel ovalis coceinea, se-
mine conformi laevissimo hine raphe no-
tato, ad extremitatem radieularem apicu-
lato, cotyledonibus exalbuminosis.
(Maxim. mss.)
33
und im ersten Frühlinge ihre angenehm
und stark riechenden Blumen entwickelt,
deren goldgelbe Farbe mit dem blau-
grünen Laube schön contrastirt. Cultur
und Vermehrung gleich den anderen
Daphne - Arten Japans. Eingeführt in
den hiesigen Garten durch Hrn. C. Ma-
ximowiez. —
Als eine der wenigen Pflanzen des
Kalthauses, welehe im December und
Januar eine Masse von wohlriechenden
Blumen entwickelt, verdient diese schö-
Eine schöne gelbblühende Daphne |, ne neue Art allgemeinste Empfehlung.
Japans, die im Kalthause im December
(E. R.)
c) Tetratheca eiliata Lindl,
(Siehe Tafel 497.)
Tremandreae
Die hier abgebildete Pilanze erwuchs
aus Samen, welche Herr Ausfeld aus
Bendigo eingeschickt hat. sie wurde
zuerst von Major Mitchell auf dessen
Expedition nach den Flüssen Darling
und Murray am 5. August 1836 ent-
deckt und von Lindley in dessen Reise-
werk beschrieben.
Schon Murray erachtete sie für die
schönste Pflanze, die er auf seiner gan-
zen Expedition gefunden hatte. Seitdem
wurde sie auch noch von Hooker eben-
falls nach einem getrockneten Exemplare
in seinen Icones plantarum beschrieben
und abgebildet, Sie gehört jedenfalls
zu den zierlichsten Pflanzen des Kalt-
hauses, indem sie ungefähr einen Fuss
breite und 11/, bis 2 Fuss hohe sehr
reich blühende Büsche bildet. Die ziem-
lich langen und zahlreichen Aeste sind
schwach kurzhaarig; die Blätter nach
oben zu meist wechselständig, nach der | gends gekommen zu sein.
Mitte und nach unten zu aber meist ge-
genständig, oder vielmehr zu dritt wir-
telständig, sind rautenförmig-eiförmig,
schwach mit Wimperhaaren versehen,
Die überhängenden Blüthenstiele, die
braunrothen, eiförmigen, zugespitzten
Kelchblätter und die Fruchtknoten sind
drusig-borstig behaart, die schön lila ge-
färbten Blüthenblätter verkehrt eiförmig,
am Grunde verschmälert, die Staubblät-
ter spindelförmig. Die Fruchtknoten
sind zweifächerig und sollen nach den
Untersuchungen von Steetz in jedem
Fache meist zwei ovula superposita ent-
halten. In neurer Zeit wurde T. eiliata
Lindl. nochmals nach einigen in Van
Diemensland von Ronald Gunn gefunde-
nen Exemplaren von Jos. Dalton Hoo-
ker in dem Journal of Botany und in
der Flora of Tasmania beschrieben, in
Cultur scheint dieselbe aber noch nir-
Ihr Vor-
3 *
® kummen scheint auf das
36
Australien beschränkt zu sein,
Cf. Mitchell’s Expeditions II. p. 206. | erworben.
Hook. icon. plant. III. t. 268. Hook.
Journal of Bot. II, p. 408. Hook. Flora
of Tasmania I. p. 34. Walp. Rep. I.
p. 249. Steetz Tremandreen p. 11.
(F. v. H.)
Blühete im letzten Jahre Ende März
und Anfang April im Kalthause, wo sol-
che gleich andern zarten Neuholländern
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
südöstliche | nen und zierlichen Kalthauspflanze ein
grosses Verdienst um den Gartenbau
(E. R.)
Erklärung der Tafel 497.
1. Die Blüthe auseinandergebreitet.
2. Die Blüthe nach Wegnahme der
Blüthenblätter.
3. Ein einzelnes Staubblatt.
4. Der Stempel.
5. Der Fruchtknoten mitten durch-
behandelt wird. Hr. G. Ausfeld, jetzt | geschnitten.
Handelsgärtner in Arnstadt, hat sich
durch Einführung dieser wahrhaft schö-
(Alles vergrössert.)
dA) Artemisia Stelleriama Besser.
(Siehe Tafel 498.)
Compositae
79.
A. Stelleriana Bess. Abrot. pag.
tab. 5. — Ejusd. suppl. pag. 69.
D. ©. prodr. VI, pag. 119. — Ledb. fl.
ross. Il. pag. 65. —
Wir geben beistehend die Abbildung
einer Artemisia, die Besser nach Exem-
plaren beschrieb, welche Steller in Kamt-
schatka gesammelt hatte, Die gleiche
Pflanze sendete Magister Schmidt in
Samen von der Insel Sachalin dem hie-
sigen botanischen Garten, unter der vor-
läufigen Bezeichnung A. villosa, ein.
Unterm letzteren Namen erhielt Herr
Haage und Schmidt in Erfurt diese
Pflanze auch schon aus dem hiesigen
Garten. Im vergangenen Herbste. blü-
hete solche zum ersten Male und zeigte
dann die Untersuchung, dass solche mit
A. Stelleriana aus Kamtschatka vollkom-
men übereinstimmte.
Die Blüthe ist wie bei allen Arten
gen dürftesich solche bald als eine beliebte
und geschätzte Decorationspflanze für
den Garten, sowie als schöne Pflanze
zu Einfassungen oder ganzen Gruppen
verbreiten. Sie bildet nämlich dichte
Büsche, deren zahlreiche sterile Triebe
nach allen Seiten ungefähr '/,—I Fuss
hoch aufsteigen. Stengel und die ver-
schiedenartig gelappten Blätter sind mit
einem dichten silberfarbenen Filzüber-
zug bekleidet und letztere erinnern in
Form und Farbe an den beliebten Se-
necio Cineraria D. C. (Cineraria mari-
tima L.). Unsere Artemisia hat aber
vor dem Letzteren den grossen Vorzug,
dass solche niedriger bleibt, in jedem
Gartenboden leicht gedeihet und durch-
aus hart ist, das heisst noch in Peters-
burg den Winter ohne jede Bedeckung
überdauert. Als Einfassung um dunkel-
laubige Pflanzen, wie um den rothblät-
der Gattung Artemisiaunbedeutend, Dage- | terigen Corylus, — oder um duukelblät-
I. Originalabhandlungen.
teriee Decorationspflanzen, — oder um
Gruppen von Amarantus, Atriplex und
andere rothblätterige Sommerpflanzen
von höherem Wuchse, wird solehe einen
vortreffliehen Effeet hervorbringen.
Die blühenden Stengel sind aufrecht
und bis 1!/, Fuss hoch, Die zahlrei-
chen sterilen aufsteigenden Triebe be-
deutend kürzer, Die Blätter haben eine
sehr wechselnde Gestalt, indem die un-
tersten spatel- oder keilförmig und vorn
meist 3-lappig. Die mittleren sind buch-
tig-fiederlappig, mit länglichen stumpfen |
ganzrandigen oder seltner abermals
schwach fiederlappigen Lappen. Die für
die Gattung grossen, ebenfalls weissfil-
37
zigen ovalen Blüthenköpfehen stehen in
Trauben auf den rispenförmig gestellten
Seitenzweigen des Blüthenstengels. —
Schuppen des Hüllkelchs stumpf, läng-
lich, von aussen dicht weissfilzig.. Die
Blumen des Umkreises weiblich, die in-
(ER)
neren hermaphrodit. —
Erklärung der Abbildung.
1. Ein blühender Stengel.
2. Ein steriler Stengel. Beide natür-
liche Grösse.
a. Eine Schuppe des Hüllkelches.
b. Eine weibliche Blume.
e. Eine hermaphrodite Blume.
a—c. Vergrössert,
©) Ueber die Haideerde, ihre Fundorte, Stellvertreter und Ver:
wendung. .
Herr Professor Ed. Pynaert aus
Gent sagte in seinem Vortrage über die
sogenannte Haideerde *) bei dem Con-
gresse zu Brüssel 1864: „Ist es nicht
befremdend, zu sehen, dass ein so ver-
breiteter Stoff, welcher nie fehlen darf,
wo die Gärtnerei und Gartenkunst be-
rufen ist, ihre Schätze auszubreiten, —
ist es nicht befremdend, dass ein so
unentbehrlicher Stoff nicht einmal recht
gekannt ist, weder seine Einwirkung,
ja nicht einmal seine Zusammensetz-
ung &%
Man kann sagen, dass dieser Ans-
spruch für alle Länder gilt, wo sich die
Gärtnerei der Haideerde bedient. Genau
*) Dieser Vortrag ist auch besonders
gedruckt erschienen, wie schon in der Lite-
raturanzeige dieser Blätter bemerkt wurde.
Ich knüpfe daran meine Betrachtungen und
werde ihn zuweilen anführen. J.
betrachtet ist die Unkenntniss dieses
Stoffs, der Haideerde nicht so gross, wie
man nach obigem Ausspruch annehmen
könnte, sondern es ist vielmehr nur die
Bezeichnung nichtssagend, Gleichwohl
ist der Ausdruck allgemein und wird
richtig gedeutet, scheint auch in den
europäischen Ländern überall mit Wor-
ten von gleicher Bedeutung bezeichnet
zu werden, Schwerlich ist das Wort
Haideerde eine Uebersetzung von terre
bruyere oder umgekehrt. Welches Volk
den Ausdruck zuerst gebraucht, liesse
sich übrigens leicht aus Vergleichung
alter Gartenschriften erkennen. Man
weiss jetzt allgemein, was unter Haide-
erde zu verstehen ist. Die neueren
deutschen Gartenschriftsteller und Schrei-
ber von Gartenartikeln unterscheiden
übrigens sehr wohl, Haide-, Moor- und
Lauberde, insofern letztere künstlich be-
reitet ist. Sobald aber die Erde im
38
Walde geholt wird, macht man, wie in
Belgien und Frankreich, selten noch
den Unterschied zwischen Haide- und
Lauberde. Herr Pynaert stellt die
Frage: ob wohl der Name Haideerde
daher komme, weil sie fast allein zur
Cultur der Haiden (Erica) in den Gär-
ten gebraucht worden sei, welche früher
viel allgemeiner war, oder ob sie diesen
Namen erhalten habe, weil sie sich vor-
zugsweise da reichlich und gut findet,
wo die wilde Haide (Erica v. Calluna
vulgaris) wächst, und ist der Meinung,
dass dies nie aufgeklärt werden könne.
Es möchte dies allerdings schwer fallen,
aber es kommt auch nichts darauf an.
Ich bin für die erstere Annahme, und
denke der Gebrauch hat den Namen
gegeben, nicht der Fundort. Der Name
ist jedenfalls wenigstens in Deutschland
gewerblichen, nicht wissenschaftlichen
Ursprungs, wie die meisten technischen
Ausdrücke. Man hat in grossen Gärt-
nereien „Orangenerde, Ananaserde, wa-
rum soll man nicht auch Haidenerde
(das ist Erde für Eriea) haben?“ Dass
die einheimische Haide am Fundorte
der Erde wächst, mochte Zufall sein.
Es ist ja auch höchst wahrscheinlich,
dass der erste Gärtner, welcher Hai-
den eultivirte, durch den natürlichen
Standort der einheimischen Haide zur
Wahl der Erde bestimmt worden ist.
Dem sei nun, wie ihm wolle: der Name
Haideerde ist da, hat allgemeine Gel-
tung und wird bleiben.
Wir wollen nun die verschiedenen
Arten von sogenannter Haideerde näher
betrachten. Falsch ist es, wenn Gar-
tenschriftsteller *#), wie es nicht selten
*) Auch ich habe es gethan, wo ich
mich kurz ausdrücken musste, weil die Hai-
deerde allerdings unter solchen Verhältnis-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
geschieht, sagen: die Haideerde findet
sich an Stellen, wo die wilde Haide
wächst ete. Dieskann nur von einer zur
Cultur der Erica und weniger anderer
genügsamer Sandpflanzen geeigneten
Erde gesagt werden. Die beste Haide-
erde kommt nicht aus eigentlichen Hai-
den, sondern aus Waldschlägen und
lichten Waldungen, wo allerdings die
Haide nebst dem Heidelbeerkraut (Vac-
einium) besonders üppig wächst. Wenn
man eine allgemeine, für alle Fundorte
der als Haideerde bezeichneten Erde
passende Erklärung geben will, so muss
man sagen: Haideerde findet sich
überall, wo sich durch Verwe-
sung von Pflanzentheilen über
dem Wasser nach und nach Hu-
mus gebildet hat. Dieser Humus
ist unsere Haideerde, und es ist wohl
zu beachten, dass er sich nach und
nach und über dem Wasser gebil-
det hat. Die allmälige Vermischung der
sich bildenden Humusschicht ist ein Vor-
zug guter Haideerde, denn dadurch wird
eine feste torfartige Verbindung verhin-
dert, der Boden immer locker gehalten,
der Luft ausgesetzt, und es ist nicht
unwahrscheinlich, dass selbst die Kiesel-
erde nicht ganz ohne Einfluss bleibt.
Man nimmt sogar an, dass die gemeine
Haide Kieselerde (wahrscheinlich auf
mechanischem Wege als mikroscopisch
kleine Sandtheilchen) in sich aufnehme
und beim Verwesen in der Erde zurück-
lasse. Ein weiterer Grund, dass der
Sand eine grosse Rolle bei dem Vor-
kommen der Haideerde spielt, ist, dass
der Sandboden die Humusschicht nicht
verzehren hilft, sondern durch Untermi-
sen am häufigsten gefunden wird, habe dann
aber gewiss an anderen Stellen bemerkt,
dass es auch andere Fundplätze gibt. J.
I. Originalabhandlungen.
schung noch verinehrt, während der fast
ebenso verbreitete Kalkboden den Hu-
mus aufzehrt, d. h, zersetzt und für die
Aufzehrung dureh Wurzeln fähig macht.
Auf Kalkboden findet man nie
Haideerde, denn alle abfallenden Blät-
ter und Nadeln werden schnell zersetzt
und vom Boden aufgezehrt, höchstens
findet man in Schluchten, wo das Laub
massenhaft zusammengeweht wird, et-
was Lauberde, welche aber wenig brauch-
bar und nicht besser als die auf Haufen
künstlich zubereitete ist, Auf Thonbo-
den, welcher ebenfalls meist kalkreich
ist, findet man ebenfalls keine Haide-
erde. Dagegen gibt es thonige Boden-
arten, worin Sand, Glimmer und Schie-
fer verbunden ist, z. B. in Gegenden,
wo ausschliesslich Porphyr, Todtliegen-
des, Basalt, Glimmerschiefer u. s. w.
herrscht, auf welchen sich reichlich
Haideerde, jedoch mit kaum sichtbarer
Sandbeimischung bildet, Es ist ein ei-
genthümliches Zusammentreffen, dass
dieselben Bodenarten, welche keine Hu-
musdecke aufkommen lassen, auch die
Haide und Heidelbeeren nicht ernähren,
obschon ihr Vorkommen nicht an den
Humus geknüpft ist.
Wir verstehen also unter Haideerde
jede sich nach und nach unter Ein-
fluss des Sauerstoffs der Luft aus Pflan-
zentheilen bildende Erde, und wollen
ihre Fundorte betrachten.
Die wirkliche reine Haideerde, Hai-
deerde im eigentlichen Sinne,
finden wir nur auf Sandboden, in offe-
nen Haidegegenden, Waldlichtungen oder
auch in lichten Waldungen, welche mit
Haide und Heidelbeeren bewachsen sind.
Sie entsteht nicht blos aus Haide, viel-
leicht zum geringsten Theile, sondern
aus verwesender Haide, anderem Ge-
strüpp, Moos (in grösster Menge), Flech-
ten, Nadeln von Wachholdern und ver-
39
schiedenen Pinus oder auch Laub, wel-
ches einzelne Bäume spenden oder der
Wind hin über die Haide weht. Sie liegt
in der Regel nur einige Zoll hoch und
wird zum Gärtnereigebrauch bis auf die
Sandunterlagen abgehoben. Wie schon
früher bemerkt wurde, ist sie immer
reichlich mit feinem Sand vermischt,
welchen wohl der Wind hineinweht, und
welcher durch zufällige Bodenlockerung,
wohl auch durch das Keimen und Wach-
sen der Pflanzen aus dem Urboden in
die Erdnarbe gehoben wird. Man muss
beachten, dass die Bildung der Humus-
schicht sehr langsam vor sich geht, dass
daher eine Kleinigkeit von Sand im
Jahre genügt, die Erde sandig zu ma-
chen, Die Farbe ist sehr verschieden,
jedoch meistens grau, dunkler, wenn
der Sand, wie es oft der Fall ist, durch
Eisen dunkel gefärbt ist, heller, wenn
er weiss ist. Dieser ist in der Regel
sehr fein, so fein, wie manihn rein fast
nur auf dem Meeresstrande und in Dü-
nengegenden findet. Diese Erde, welche
sehr häufig in die Gärten kommt, ist
für Haiden (Erica), alle jungen Topf-
pflanzen und besonders junge „Neuhol-
länder“, sowie für Indische Azaleen je-
des Alters gut. Die Pflanzen wachsen
zwar meist nicht üppig, aber sie bleiben
gesund und können nicht leicht durch
Uebermaass von Wasser verdorben wer-
den. Zu Pflanzen, welche mehr Nah-
rung brauchen, z. B. Camellien, hilft
man sich durch Untermischung mit nahr-
hafterer, weniger sandiger Erde und
flüssige Düngung. Die darin cultivirten
Pflanzen sind leicht dem Vertrocknen
ausgesetzt und es gehört längere Ue-
bung dazu, um den Feuchtigkeitszustand
dieser Erde richtig zu beurtheilen.
Weniger sandig, nahrhafter, also bes-
ser ist die Wald-Haideerde, d.h.
solche Erde, welche auf Sandboden oder
40
wenigstens auf saudhaltigen Gebirgsla-
gern auf Holzschlägen vorkommt. Diese
Erde hat sich im Laufe einer langen
Zeit im Walde selbst von den abfallen-
den Nadeln der Nadelhölzer*) und der
Moosdecke des Bodens, seltener im Laub-
wald gebildet und liegt sehr stark. Das
Moos, im Schatten hoher dichter Nadel-
wälder hoch werdend und von unten
immer absterbend, hat einen guten Theil
des Materials geliefert. Nach Entfer-
nung der Bäume wächst auf dem Wald-
schlage ebenfalls Haide, und wenn man
den Platz bald wieder eultivirt, so fin-
det man sie wenigstens zwischen den
jungen Pflanzungen oder bei Ansaat auf
den Erdbänken zu Seiten der Saatfur-
chen. Diese ‘Bänke sind meist sehr
brauchbar, weil sieschon etwas von der
Luft durchdrungen sind, auch sandiger
als die Erde an der Oberfläche, indem
die Forsthacke bis auf den Untergrund
greift.
Die Forstleute gestatten das Weg-
nehmen dieser oft über 1 Fuss hohen
Haideerdebänke bis auf eine schwache
Bodenschicht, denn sie säen und pflan-
zen nicht in die Haideerde, sondern be-
trachten diese nur als Bodendecke zur
*) Herr Pynaert bemerkt in der ge-
nannten Abhandlung, dass man bis jetzt in
Belgien von der Erde aus Nadelhölzern kei-
nen Gebrauch mache, dass aber die Zeit
kommen werde, wo es geschehen müsse,
da Gents Gärtner allein jährlich über 60,000
Hectoliter Haideerde verbrauchen. Wenn
die Gegend um Gent auch in Nadelwäldern
Haideerde hat, so mögen sich die dortigen
Gärtner beruhigen, wenn die Laubholzerde
zu Ende zu gehen droht, denn in Deutsch-
land ist die meiste Erde aus Nadelhölzern
und die Camellien, Azaleen, Rhododendron
etc. der Dresdner Gärtner stehen in der Na-
delholz- Haideerde nicht schlechter als die
gleichen Pflanzen in Gent. J.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Erhaltung der Bodenfeuchtigkeit. Nur
an den Stürmen sehr ausgesetzten La-
gen und an Bergen duldet man das
Wegnehmen der Bänke nicht, denn in
ersteren schützen sie die jungen Pflan-
zen, anBergen dienen sie gleichsam als
Faschinen gegen das Abschwemmen des
Bodens. Solche Erde ist bei weitem
die häufigste und überall geschätzt. Die
meisten Pflanzen mit feinen Wurzeln
wachsen vorzüglich gut darin, und mit
Rasenerde oder mildem Lehm und Sand
vermischt gedeihen auch die mehr Nah-
rung bedürftigen Pflanzen darin. Die
Pariser Haideerde aus den Laubwäldern
von Meudon ist eine Erde dieser Gat-
tung, und die Pariser Gärten ziehen fast
alle Topfptlanzen darin, weil sie aus-
serdem nur noch Erde von Pferdemist
Auch die vorzügliche Haide-
erde von Gent, welche Herr Pynaert
ausführlich bespricht, und welche einen
so grossen Ruf hat, dass sie weit nach
Frankreich, England u. s. w. verschickt
wird, scheint dieser Art anzugehören.
Hr. P. sagt zwar, dass sie meist aus
Blättern von Erlen und Pappeln bestehe,
welche in diesen Gehölzen vorherrsch-
ten, aber man wird wohl auch dort nicht
von andern Plätzen entnehmen dürfen,
als wo der Wald geschlagen worden
ist. —
Wenig von dieser Erde verschieden
ist diejenige Erde, welche sich auf san-
digen oder schieferigen Bodenarten in
den Laubwäldern bildet, wo nach dem
Abschlagen des Holzes die Haide nicht
den Boden in Beschlag nimmt. Die
Erdschicht ist hier meist schwächer,
weil kein Moos den Boden bedeckt,
welches zur Vermehrung des Humus
beiträgt, und weil das abfallende Laub
zum Theil vom Wind an andere Plätze
geweht wird. Solche Erde kommt in
grösserer Ausdehnung nur in gut be-
haben.
I. Originalabhandlungen.
standenen ebenen Waldungen vor. Sind
die Waldungen so dünn, dass sich der
Boden begrünt, namentlich mit Gräsern,
so ist die Erdschicht meistens zu schwach
uud schon ausgezehrt. Nur wenn Haide
sich in solchen dünnen Wäldern ein-
stellt, ist Hoffnung auf brauchbare Erde.
‘Sie ist häufiger in Ebenen und auf Hoch-
flächen, als in Gebirgen, wo Berg und
"Thal wechseln, denn an den Bergen
bleibt nicht Laub genug liegen, in den
Vertiefungen aber verändert die Erde
durch das hohe Beisammenliegen ihre
Eigenschaften, und wird nicht besser, als
künstlich bereitete Lauberde. Man sollte
diese Erde natürliche Lauberde
nennen, nennt sie aber ebenfalls Haide-
erde. Die Erde in hiesiger Gegend, am
Westende des Thüringerwaldes ist sol-
che Lauberde. Der Sandgehalt wechselt
sehr, ist aber immer gering. Meist sieht
man den Sand gar nicht, und die Erde
lässt sieh feucht in der Hand wie Lohe
zusammendrücken. Ihre Farbe ist braun,
fast röthlich, aus Nadelholzboden mehr
schwärzlich. Die Mehrzahl der Pflan-
zen, welche man in Haideerde eultivirt,
wächst sehr üppig darin, und man braucht
Pflanzen in grossem Gefässe Jahre lang
nicht zu verpflanzen. Aber ‚sie braucht
viel Sand, darfnie sehr fesı gedrückt wer-
den, und ist sehr zur Versäurung ge-
neigt. Aelter wird sie fast schwarz.
Lässt man sie stark austrocknen, so
nimmt sie fast kein Wasser wieder an,
und die trockenen Stücke schwimmen
Tage lang auf dem Wasser, ohne nass
zu werden. Ich vermuthe — beiläufig
bemerkt, dass eine schwimmende Insel
von etwa 200 Fuss Durchmesser, wel-
che seit undenklichen Zeiten auf dem
kleinen Hautsee bei Dünges (2 Meilen
vor Eisenach) umhersegelt und mit ei-
nem Birkenwäldchen bewachsen ist, ur-
sprünglich ein losgerissenes Stück von
41
solchem verfilzten Waldboden
ist.
Obschon ganz verschieden durch den
Fundort, jedoch sehr ähnlich ist eine
IHaideerde, welche ich Alpenerde
nennen will. Sie kommt überall, na-
mentlich auf Urgebirgssteinen (viel schwä-
cher auf Kalkalpen) über der Waldre-
gion, in der Alpenrosenregion und an
Stellen verschwundener Wälder vor,
und bildet dort einen schwammigen ela-
stischen Boden, welcher mit Rhododen-
dron, Alpenfarnen und in gleichem
Höhengürtel vorkommenden Pflanzen be-
deckt ist. Moos und Flechten bilden
einen starken, dichten Filz zwischen den
Pflanzen und halten den Boden immer
feucht. Von den Alpenpflanzen selbst
nähren sich nur die kleineren von die-
sem Boden, während die grösseren z.B.
Gentiana lutea und ähnliche hohe Ar-
ten, Rhododendron etc. in den steinigen
Untergrund eindringen. Man wendet
diese Erde in allen Alpenländern als
Haideerde an, und sie wird oder wurde
wenigstens früher als „‚oberöstreicher
Erde‘ bis Wien und Pesth auf der Do-
nau verschickt. Die Pflanzen, welche
Haideerde verlangen, wachsen sehr üp-
pig darin, doch habe ich bemerkt, dass
die Erica mehr als in andern Haideer-
den dem Schimmel unterworfen waren,
was jedoch auch nur zufällig sein kann.
Sie hat meistens kaum eine Spur von
Sand und fühlt sich fast wie langfase-
riger Torf an. Auch diese Erde muss
man sehr behutsam behandeln, darf sie
nicht festdrücken und nie auf höhere
Haufen Sie hat eine roth-
braune oder schwärzliche Farbe. Wer
sie aufsucht, sehe ja darauf, dass der
Platz nicht zu feucht ist, denn sonst
bekommt man eine Erde, welche nicht
besser als Torf ist. Dies isi um so
verführerischer, da gerade an nassen
gewesen
bringen.
42
Stellen die Erde am schönsten aussicht
und stark liest.
Ich knüpfe hieran die Bemerkung,
dass man alle Haideerde — mag es
ächte oder Wald- und Hochalpenhumus
sein — überhaupt nie von nassen Stel-
len nehmen soll, ebenso nieht über 3—
4 Zoll stark abheben soll, da die un-
terste Schicht, weil zu lange dem Ein-
fluss der Luft entzogen, nicht so gut ist.
Dieses flache Abheben geht aber nicht
immer an, denn wenn unterhalb nur eine
schwache Schicht bleibt, so hebt sich
diese beim Hacken mit ab, es würde
wenigstens zu viele Arbeit machen, die
Erde in gewünschter Stärke gleichsam
abzuschneiden.
Man wende jede Haideerde nur
frisch an und lasse sie nicht älter, als
höchstens drei Jahre im Erdmagazin
werden und schichte sie nie hoch auf.
Wenn erst die groben Stücken zerfallen
sind, in welchen gute Erde meistens
aus dem Walde gebracht wird, wenn sie
schwarz wird, dann hat sie schon an
Güte verloren. Ich habe schon früher,
wenn ich nicht irre, im Jahrgange 1864
gelegentlich mitgetheilt, dass vor langen
Jahren in Nymphenburg bei München
ein Haufen von vielen hundert Wagen
Haideerde (Aichacher) als unbrauchbar
keine Verwendung zur Pflanzeneultur
finden konnte, weil sie zu alt geworden
war. Diese frische Verwendung und die
Anwendung in groben Stücken ist eine
Grundbedingung jeder guten Cultur,
will aber vielen Gärtnern und noch mehr
Dilettanten nicht recht in den Kopf.
Wenden wir uns zu den Stellvertre-
tern (Surrogaten) der Haideerde, so fin-
det sich nur ein natürlicher, die Mo or-
erde. Moorerde ist Pflanzenhumus,
welcher sich entweder ganz unter Was-
ser oder wenigstens unter beständiger
Einwirkung des Wassers, also mit völ-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
ligem oder theilweisem Ausschluss der
Einwirkung der atmosphärischen Luft
gebildet hat. Häufiger als in der Haide-
erde mögen auch thierische Stoffe bei-
gemischt sein, da Sümpfe so reich mit
kleinen Thieren bevölkert sind. Die
Moorerde ist entweder die oberste Schicht
eines starken Torflagers oder sie bildet
eine der Haideerde ähnliche Bodenschicht
auf nassem Grunde. Im ersteren Falle
ist sie fast nie, im letzteren oft mit fei-
nem Sand vermischt, indem der Wind
stets feinen Sand aus der umgebenden
Haide oder Dünengegend in das Moor
weht. Sucht man Moorerde auf Torf-
lagern, so nehme man sie stets nahe am
Rande des Moors (Bruchs, Mooses), wo
man am ersten sandige Erde findet, vor-
ausgesetzt, dass die Umgebung sandig
ist. Auf den Gebirgshochmooren ist das
natürlich nicht der Fall, denn auf Sand-
steingebirgen mögen wohl selten Versum-
pfungen vorkommen. Der natürlich im
Moorboden vorkommende Sand ist von
grosser Wichtigkeit. Zwar kann er die
sauren Eigenschaften der Moorerde nicht
verändern, allein er verhindert die Ver-
bindung der Humustheile zu einer bröck-
ligen Masse, wie es ohne Sand stets
der Fali ist. Man nehme die Moorerde
stets nur 3—4 Zoll hoch, sollte sie auch
noch so tief liegen, denn nur die ober-
ste Schicht, wo die Luft doch zum Theil
bei der Zersetzung der Pflanzenstoffe
eingewirkt hat, ist brauchbar. Solche
Erde ist nicht sogleich brauchbar, muss
auf flache Haufen gesetzt und einige
Male umgearbeitet werden. Ist sie nicht
sandig oder nicht sandig genug, 30 muss
man den Sand sogleich bei der Anfuhre
darunter mischen. Die Güte dieser Erde
ist sehr verschieden. Es gibt schwarze
sandige Moorerde, in welcher fast alle
Haideerdepflanzen sehr gut, manche so-
gar noch üppiger als in Haideerde wach-
I. Originalabhandlungen.
sen (z. B. Helichrysum), andere, die
trotz des guten Ansehens fast nicht zu
gebrauchen ist, noch andere, welche we-
nigstens Jahre lang der Luft ausgesetzt
sein muss, bis sich ihre Säure verloren
hat. Man wird wohl thun, zur Prüfung
des Säuregehaltes die chemische mit
Lackmuspapier anzuwenden. Die Moor-
erde ist, wenn nicht ausnahmsweise so
vorzüglich, wie die oben erwähnte, ein
schlechtes Haideerdesurrogat, allein in
vielen Gegenden fast das einzige, wel-
che der Gärtner haben kann. Die beste
Verwendung davon macht man zu Cul-
turen im freien Lande; indem man so-
genannte Moorbeete für Rhododendron,
Azalea, Kalmia ete. anlegt. Es gibt
jedoch eine Art, welche auch zu die-
sem Zwecke kaum brauchbar ist. Man
findet nämlich in Thalniederungen und
ehemaligen Seebecken trockene moorige
Wiesen und Hutungen (in Mitteldeutsch-
land Riede genannt), wo die Maulwurfs-
haufen eine bröcklige schwarzbraune
Erde zeigen, welche sehr gut aussieht.
Diese Erde kann zwar in sehr frucht-
baren Acker- und Gemüseboden ver-
wandelt werden, wenn sie bearbeitet und
gedüngt wird, nicht aber zur Cultur der
Haideerde- und Moorbeetpflanzen. Sie
scheint weniger Moor (aus verfaulten
Pflanzen, besonders Sumpfmoosen ent-
standen), als schwarzer thoniger Schlamm
zu Sein, ist schr bindend und lässt das
Wasser nicht durch, — Eigenschaften,
welche gerade die entgegengesetzte Wir-
kung bei der Pflanzeneultur von der
Haide- und Moorerde haben. Wer sol-
che Moorerde findet und verwenden
will, prüfe sie im nassen Zustande. Ist
sie Schmierig und klebrig, so eignet sie
sich trotz des besten Ansehens nicht
zur Moor- und Haideerdepflanzencultur.
Man kann solche Erde zurNoth nur da-
durch einigermassen brauchbar machen,
43
indem man die oberste Rasenschicht 3
Zoll stark abschält und stark mit Sumpf-
moos oder anderen Pflanzenstoffen (je-
doch nicht Stroh) und reichlich Sand
vermischt auf Haufen setzt und nach
etwa 3 Jahren anwendet,
Die Moorerde bedarf reichlich Sand,
den man am besten sogleich einem gan-
zen Haufen beimischt. Ist sie so be-
schaffen, dass sie sich nur in kleine
Stücke zerbröckelt, so thut man am
besten, diese im trocknen Zustand durch
Schlagen oder Walzen in einem mehl-
artigen Zustand zu bringen und dann
den Sand unterzumischen. So behan-
delt bildet die Moorerde nie wieder
Brocken. Natürlich macht man sich
solehe Mühe nur mit Erde zu kleinen
Culturen, welche in bröckliger Moorerde
nicht gelingen wollen. Es giebt auch
Pflanzen, welche gerade eine so be-
schaffene Erde lieben, z. B. die Achi-
menes und ihre Verwandten (Gesneria-
ceen), Orchideen, Farn ete. — Wo die
Haideerdepflanzen in Moorerde eultivirt
werden, ist das Begiessen noch schwie-
riger, als bei Haideerde, denn sie. ist
viel leichter zur Versäurung geneigt und
erträgt doch oft wieder nur einen ge-
wissen Grad von Austrocknung. Guter
Abzug des Wassers ist bei Moorerde
nothwendiger als bei jeder anderen
Erde,
Leider gibt es zum grossen Nach-
theile der Gärtnerei ganze Landstrecken,
wo weder Haideerde noch brauchbare
Moorerde vorkommt. Die Gebiete, wo
Kalk, namentlich Muschelkalk und do-
lomitischer Kalk die Grundlage des Bo-
dens bildet, sind in Deutschland sehr
verbreitet, ebenso kalkhaltige Thonbo-
den aus andern Gebirgstheilen entstan-
den. Eben so häufig sind fruchtbare
Landstrecken, wo sich zwar Haideerde
bilden könnte, aber die Feldeultur fast
44
jeden Wald verdrängt hat und die Hei-
delbeere und das Haidekraut unbekannte
Pflanzen sind. Da es nun in solchen
Gegenden oft mehr Gärtnereien gibt,
als in den an Haideerde reichen, so
müssen sich diese die Erde zu den Oul-
turen, wo sie unentbehrlich ist, mit gros-
sen Kosten kommen lassen. Bei allen
Culturen aber, wo die Haideerde ersetz-
har ist, treibt die Noth zur Benutzung
von Surrogaten. Diesen und ihrer Be-
reitung will ich noch einige Worte wid-
men.
Man kann künstlich eine Erde her-
stellen, welehe der Haideerde sehr nahe
steht, indem man Abfälle von Torf oder
moorigen Rasen mit Haidekraut, Moos,
Nadeln, Laub mit Zusatz einer grossen
Menge guten Sandes auf Haufen setzt
und öfter umarbeitet. Solehe Erde wird
nach etwa 3 Jahren recht brauchbar.
Es tritt nun aber hier der Fall ein, dass
in Gegenden, wo Haidekraut und Moos
zu haben ist, meist auch natürliche Hai-
deerde vorkommt, deren Anfahren selbst
aus grösserer Entfernung noch nicht so
viele Kosten macht, als die Anfuhre und
Bearbeitung der Surrogatstofle. Dennoch
kann dieses Recept zuweilen nützen,
indem es zwar Haidestellen mit Haide-
kraut, aber keine oder nur ungenügende
Erde gibt.
Moorerde, welche wie diese zu ge-
brauchen ist, bereitet man durch Ver-
mischung von Torfabfällen mit 1/, Sand.
Da Jahre vergehen, ehe guter Torf zu
Erde zerfällt, so thut man am besten,
die Abfälle durch Walzen oder Schlagen
zu verkleinern und mit Sand zu vermi-
schen. Wendet man solche Haufen oft
genug, so ist die Erde schon nach ei-
nem Jahre zu gebrauchen. Noch besser
wird sie, wenn man Laub oder Nadeln
darunter mischen kann, und selbst alter
Pferdemist aus Mitbeeten kann benutzt
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
werden. Ich habe in vielen Gärtnereien
Thüringens gesehen, dass man Torfab-
fälle zum Eingraben der im Freien
aufgestellten Topfgewächse benutzt. Aus
diesem bildet sich ebenfalls nach eini-
gen Jahren Erde, und man hat also
doppelten Nutzen von der Anwendung
dieses Stoffes. Zweckmässiger wäre es,
wenn man auch diesen Torfabfällen so-
gleich !/;, Sand beimischte. Dass man
Torfabfälle, auch ehe sie erdig gewor-
den sind, zu Erdmischungen für manche
Pflanzen mit Vortheil benutzen kann,
wurde schon bei der Moorerde erwähnt.
Die ausgedehnteste Anwendung von Torf,
namentlich Fasertorff, macht man bei
der Cultur der Orchideen.
Den besten Ersatz für die Haideerde
bildet die künstliche Laub-, Nadel- und
Holzerde, das ist Erde, welche man aus
trocknen Blättern und Nadeln, sowie
von verfaulenden Holztheilen bereitet.
Grosse Gärtnereien, welehe mit einem
Park verbunden sind, haben an Laub
keinen Mangel, und wenn es auch bes-
ser wäre, dasselbe in den Pflanzungen
liegen zu lassen, so ist esdoch auf gu-
tem Boden entbehrlich, und die Rein-
lichkeit erfordert an vielen Stellen das
Wegnehmen. Dasselbe gilt auch von
den Nadeln der Coniferen, namentlich
liefern Kiefern und Lärchen eine grosse
Menge von Nadeln. Das beste Laub
zu Erde kommt von weichholzigen und
weichblätterigen Bäumen, als Linden,
Eschen, Erlen, Kastanien, einigen Ahorn
ete. — Weniger gut sind Eichen- und
Buchenblätter. Besser als die einhei-
mischen Eichen sind die meisten nord-
amerikanischen Eichen, welche eine
mildere, weniger an Gerbsäure reiche
Erde geben. Die Ahorn geben viel
Laub, welches besser ist als das von
Eichen und Buchen. Das Laub vom
Bergahorn (Acer Pseudoplatanus), vom
I. Originalabhandlungen.
Silberahorn (A. dasycarpum), und Feld-
ahorn (A. campestre) ist weicher, daher
besser als das von Spitzahorn (A. pla-
tanoides) und ähnlichen hartblätterigen
Arten. Von Nadeln sind die der Wey-
mouthskiefern und Lärchen vorzuziehen,
auch ziemlich in Menge zu haben. Da
alle Nadeln Harzstoff enthalten (am
wenigsten Lärchen), welcher, wenn er
auch nicht schadet, doch das Zersetzen
verzögert und keine Nahrung gibt, so
ist es nicht zu empfehlen, reine Nadel-
erde zu bcreiten, sondern besser, die
Nadeln mit den Blättern zu vermischen.
In unserem jetzigen Gärtnereibetrieb
brauchen wir grosse Massen Decklaub,
und dieses wird im Frühjahr zum An-
setzen von Lauberde verwendet. Das
Laub, welches zur Erwärmung von Mist-
beeten und zu starken Umsätzen gedient
hat; ist nicht so gut, als frisches, wel-
ches noch nicht gebrannt hat. Es tritt
durch die Fermentation eine Veränder-
ung ein. welche ungünstig auf die Erde,
namentlich auf die physische Beschaffen-
heit wirkt. Dass aber auch die chemi-
schen Eigenschaften verändert werden,
kann man leicht aus dem scharfen sau-
ren Geruche schliessen, welcher sich
beim Brennen entwickelt und den man
noch stärker beim Entleeren der Kästen
bemerkt. Natürlich wirft man selehes
Laub nicht weg, sollte es aber nur im
Nothfalle zur bBereitung solcher Erde
nehmen, welche die Stelle von Haide-
erde vertreten soli. — Schlimmer sind
die Handelsgärtnereien und Gärten ohne
Park daran, weiche keine Blätter im
Garten haben, oft nicht einmal zu kau-
fen bekommen. Dennoch müssen diese
alles aufbieten, um Laub zu erlangen,
was am leichtesten und wohlfeilsten in
städtischen Anlagen zu bekommen ist.
Nimmt man hierzu noch Abfälle aus
Holzställen, Sägespäne und Holzabfälle
45
von Zimmerplätzen und Sägemühlen, so
lässt sich dennoch das für eine kleinere
Gärtnerei nöthige Material herbeischaf-
fen. Allerdings thut der Gärtner, wel-
chem das Erlangen von Haideerde oder
Haideerdesurrogaten so viele Mühe und
Kosten macht, besser, die Culturen,
welche Haideerde erfordern, auf ein Mi-
nimum zu beschränken. — Das gewöhn-
liche Verfahren, die Lauberde zu berei-
ten, ist, dass man die Blätter und Na-
deln, vermischt mit Holzabfällen auf Hau-
fen bringt und jährlich zwei- bis dreimal
umarbeiten lässt. Solche Erde ist schon
im zweiten Jahre für manche Culturen,
wenigstens zum Untermischen zu ge-
brauchen und nimmt nach dem dritten
schon wieder an Güte ab, denn jede
Humuserde wirkt nur so lange günstig,
als sie in der Zersetzung noch nicht
weit fortgeschritten ist. Allein solche
Erde ist kein Ersatz für die Haideerde
und kann nur zum ÜUntermischen mit
wirklicher Haideerde dienen. Sie sieht
dieser gar nicht ähnlich, fühlt sich här-
ter an und besteht genau betrachtet aus
einer Menge von Klümpchen oder Kü-
chelchen, vermischt mit noch unverwe-
sten Holztheilen. Die Erde hat sich
wie die Moorerde unter mangelndem Zu-
fluss der Luft gebildet, die Masse hat
gebrannt und hierbei Stoffe gebildet,
welche in der natürlichen Laube:de
nicht vorkommer, andere verloren, Diese
Nachtheile werden aber dadurch gründ-
lich beseitigt, dass man eine genü-
gende Menge Sand sogleich un-
ter das Laub mischt und das
Material möglichst dünn aus-
breitet. Man muss mindestens 1/g
Sand darunter mischen und zwar so,
dass eine Sandschicht anfangs zwei
Laub- und Nadelschichten trennt und
bedeckt, um die grosse Erhitzung zu
vermeiden, Ist die schwache Erhitzung,
46
welche bei so geringer Anhäufung mög-
lieh ist, und welche sich fast nur durch
Austrocknung äussert, vorüber, so ar-
beitet man Laub und Sand gründlich
durcheinander und wiederholt dies im
ersten Jahre recht oft. Je flacher der
Haufen, desto besser wird die Erde.
Hätte man Platz, so würde ich unbe-
dingt rathen, ganz das Verfahren der
Natur nachzuahmen. Ich würde in ei-
ner aus den Augen liegenden dünnen
Pflanzung oder auch frei das Laub im
nassen Zustande kaum handhoch aus-
breiten und stark mit Sand bestreuen
lassen. Nach einem Jahre bildet man
von dieser Masse flache Haufen, welche
oft umgestochen werden müssen; oder
noch besser, man kratzt das Laub auf
viele kleine Häufchen zusammen, und
kann dann den Platz wieder von neuem
benutzen. Nach zwei Jahren werden
die Häufchen zu einem Haufen verei-
nigt. So bereitete Erde ist, wenn der
Sand gut war und reichlich beigemischt
wurde, schwarzgrau, fühlt sich mild und
weich an, und ist kaum von Haideerde
zu unterscheiden und wie diese zu be-
nutzen. Man glaube mir auf’s Wort,
dass nur die allmälige Bildung
unter Einfluss der Luft und die
zugleich stattfindende Untermi-
schung mit Sand, welcher die
Zusammenziehung der Theile in
Klümpchen verhindert, den Un-
terschied zwischen Haideerde
(natürlicher Lauberde) und der
gebräuchlichen Lauberde des Erd-
magazins hervorbringt. Noch bes-
ser wird die Erde, wenn man Gelegen-
heit hat, Moos unter das Laub zu mi-
schen, da dieses einen grossen Bestand-
theil der meisten guten Haideerden bil-
det. Um die Masse zu vermehren, kann
man sogar das beim Mähen der Rasen-
plätze gewonnene kurze Gras mit un-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
termischen, muss es aber ganz einzeln
auf die Blätter und Nadeln streuen, da-
mit es nicht fermentirt.
Gegen das Recept desHrn. Bertin,
künstliche Haideerde aus Blättern zu
bereiten, habe ich dieselben Gründe
geltend zu machen, welche Herr Py-
naert in der gedachten Abhandlung
ausspricht: dass es nicht möglich sei.
durch ein so umständliches Verfahren
den Erdbedarf einer nur mässigen Gärt-
nerei zu beschaffen. Man soll harte
Blätter von Eichen und ächten Kasta-
nien nehmen, diese auf hartem Boden
ausbreiten, anfeuchten und nach dem
ersten Froste so lange mit Dreschfle-
geln schlagen, bis sie in Staub zerflie-
gen. Hierauf vermischt man die Masse
sogleich mit Sand. In der Theorie ist
das Verfahren gewiss richtig, da die
mechanische Zerkleinerung die sofortige
innige Vermischung mit dem Sande
möglich macht, aber kaum ausführbar.
Dem Einwand des Herrn Pynaert,
dass es besser sei, die Erde im Helze
sich selbst bilden zu lassen*), als das
Laub dazu von dort zu holen, stimme
ich nicht bei, weil man wohl oft Laub
bekommen kann, aber nie Humuserde
an solehen Stellen finden wird, z. B. in
Gartenanlagen, Alleen, im Wald auf
Kalkboden. In Bezug auf letzteren muss
ich dem Verfasser jener AbhandlInng
geradezu widersprechen, wenn er sagt:
„Ueberall wo es Wälder gibt, gibt es
auch vegetabilische Erde in Fülle, wel-
che an Güte die beste (eigentliche) Hai-
deerde (von Haiden genommen) über-
trifft, vorausgesetzt, dass man Sand da-
*) Die Stelle heisst: ‚„Ou chercher des
feuilles de chene et de Chätaignier, si ce
n’est dans les bois, et lä ne vaut-il pas
mieux laisser le terreau se faire tout
seul?“
I. Originalabhandlungen.
runter mischt;‘“ denn ich bemerkte schon,
dass dies in vielen Wäldern nie der
Fall ist.
Die 'Holzerde findet man entweder
- schon fertig in hohlen Bäumen und an
Plätzen, wo Stöcke in der Erde verfault
sind, oder man bereitet sie künstlich.
Die sogenannte Weidenerde, welche man
in alten Weiden und Pappeln findet,
geniesst unter den Dilettanien einen
grossen Ruf als Erde aller Erden; aber
man sagt ihr mehr Gutes nach, als da-
ran ist, und Gärtner von Profession ent-
schliessen sich wohl selten, den theuren
Preis zu zahlen, welchen die Sammler
der Weidenerde meistens verlangen. Da
sie sich allmälig unter dem Zutritt der
Luft gebildet hat, so hat sie fast die
Eigenschaften eines guten Waldhumus,
wenn hinreichend Sand zugesetzt wird.
Viel geringer ist die Erde, welche faule
Stöcke und Wurzeln liefern. Will man
sich im Kleinen ihrer in Ermangelung
von Haideerde bedienen, so mische man
Sand darunter und lasse sie liegen, bis
sie nicht mehr sauer riecht.
Künstliche Holzerde wird jeder auf-
merksame Gärtner bereiten, wenn er
Gelegenheit dazu hat. Das Material
dazu ist freilich selten genug), wenn
man nicht Sägespäne kauft, um diese
anstatt Lohe in Pflanzenkästen zu ver-
wenden, was ich, beiläufig bemerkt,
Allen dringend empfehle, die nicht an
andern vegetabilischen Erden Ueberfluss
haben. Man bringt Sägespäne und kleine
Holzabfälle auf Haufen und lässt sie
verfaulen. So entsteht eine Erde, wel-
che etwas besser und der Haideerde
ähnlicher ist, als die Lauberde, weil die
dazu verwandten Stoffe sich selten er-
hitzen, auch die Luft weniger abschlies-
sen. Will man aber eine noch bessere
Erde, ein eigentliches Surrogat für Hai-
deerde, so mische man sogleich !/, Sand
47
darunter, mache nur flache Haufen und
arbeite sie oft um, wobei stets die gröb-
sten Stücken Holz ausgelesen werden.
Wenn man nicht blos Sägespäne an-
wendet, so finden sich so viele Holz-
stücken dazwischen, dass diese noch nach
3 Jahren nicht zerfallen sind. Man muss
daher solche Erde durch einen Draht-
durchwurf gehen lassen oder das Grobe
mit dem Rechen (Harken) ausziehen.
Guter Sand ist und bleibt ‘der un-
entbehrlichste Bestandtheil jeder künst-
lichen oder natürlich nicht sandigen so-
genannten Haideerde, und seine Be-
Schaffung muss selbst mit verhältniss-
mässig grossen Geldopfern stattfinden.
Man kann wohl zu andern Erden soge-
nannte Coaksasche (wie man sie zum
Auffüllen der Fussböden, zum Eingra-
ben der Topfpflanzen und neuerdings
auch statt Sand im Vermehrungsbeete
braucht), nehmen, aber zu Haideerde
dürfte dieser moderne Stoff nur nach
sorgfältigen Versuchen benutzt werden
können.
Ueber die Art und Weise, wie der
vegetabilische Humus — so will ich die
Haideerde mit sämmtlichen Surrogaten
nennen — auf die Pfianzenernährung
wirkt, sind wir noch sehr ungenügend
unterrichtet. Ueber diesen Gegenstand
Betrachtungen anzustellen, würde zu
weit führen, und ich will daher nur die
Ansichten Pynaerts in dem gedachten
Vortrage kurz andeuten. Die Nährkraft
der eigentlichen Haideerde von Haiden
im Verhältniss zum Blätterhumus des
Waldes schätzt P. wie 5 zu 8, also er-
stere ®/, niedriger. Mit Recht schreibt
Hr. P. die günstigen Erfolge der Haide-
erde der Porosität derselben zu, welche
das Eindringen der Luft leichter als jede
andere Erde gestattet. Je gröber wir
daher die Haideerde anwenden, desto
besser wachsen die Pflanzen darin, Die
48
Nährstoffe werden darin schneller löslich
und von den Wurzeln aufgenommen,
Unter dem beständigen Einfluss der
Luft gibt der Humus seine dadurch auf-
nahmsfähig gemachten Stoffe an die
Pflanze ab, sei es Kohlenstoff, seien es
Mineralstoffe, welche die Pflanzen, von
denen die Erde stammt, früher in sich
aufgenommen. Sand, obgleich keine
Nahrung gebend , scheint für alle soge-
nannte Haideerdepflanzen unentbehrlich,
Sandlose Haideerde wird nur so lange
sie sehr locker und noch frisch ist von | werden.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
den feinen Wurzeln durchdrungen , fest
und alt geworden. nicht mehr. Bekannt-
lich können Rhododendron sich Jahre
lang gesund erhalten und sogar alljähr-
lich blühen, ohne neue Wurzeln zu bil-
den. Sie nähren sich aus dem alten
Ballen oder von früher abgelagerten
Stoffen aus sich selbst. Umgibt man
aber den Erdballen mit feinem Sand, so
bilden sich sofort neue Wurzeln, und
durch Sand können alte Moorbeete für
Rhododendron wieder fruchthar gemacht
Jäger.
3) Ueber Philadelphus undulatus A. W. nebst Bemerkungen
über einige Philadelpheae und deren Nomenelztur in den
deutschen Gärten.
Schon seit längerer Zeit befand sich
in den hiesigen Baumschulen ein Strauch
unter der Benennung „Deutzia undu-
lata,‘‘ über deren Ursprung wir nichts
mehr anzugeben vermögen. Als der-
selbe später blühte, erwies er sich durch
seine icosandrischer Blüthen als nicht
zu Deutzia, sondern zu Philadelphus
gehörig, und, da wir eine Beschreibung
desselben nieht aufzufinden vermochten,
stellten wir ihn, mit Beibehaltung des
Speciesnamens zu letzterem Genus. In
dem Aboretum Muscaviense (Nr. 478)
ist er als Philadelphus undulatus aufge-
führt, und ich entnehme diesem Werke
die nachfolgende Beschreibung.
Es ist ein Strauch von mässiger
Grösse (bis jetzt 3—4‘) und etwas spar-
rigem Wuchse mit rothbraunen, glatten,
etwas gefurchten Zweigen, vollkommen
hart in unserem Klima. Die ziemlich
lockere, hellfarbige Belaubung wird aus
länglich-lanzettlichen, langgespitzten, et-
was wellenförmigen Blättern gebildet.
Dieselben sind oberhalb graugrün, un-
terhalb blassgrün, auf beiden Seiten mit
zerstreuten, feinen Härchen bedeckt, am
Rande weitläufig und schwach sägeartig
gezähnt und gewimpert. Die ziemlich
grossen Blumen erscheinen einzeln, sel-
tener zu 3 an den Spitzen der jungen
Zweige. Die Corolle besteht aus4, zu-
weilen auch 5 oder 6, gelblich weissen,
weitgeöffneten Blumenblättern, die von
länglich-verkehrt-eiförmiger Gestalt und
in der Regel etwas braun sind. Der
Kelch ist aussen glatt, innen seidenar-
üg filzig. Staubgefässe zahlreich, Staub-
beutel gelb. Blüht gleichzeitig mit Ph.
coronarius oder etwas später.
Die Blumen sind geruchlos, der
Strauch blüht jedoch sehr dankbar und
ist als ein schöner Zierstrauch für feine
Strauchparthien zu empfehlen, Hinsicht-
lich seiner Benennungen scheint der-
selbe aber ein eigenthümliches Schicksal
gehabt zu haben. Philadelphus chinen-
sis Hort., im Arb. Musc. (Nr. 468) noch
I. Originalabhandlungen.
als zweifelhafte Species aufgeführt, hat
jetzt gleichfalls geblüht und sich iden-
tisch mit dem vorigen gezeigt, was da-
rauf hinzudeuten scheint, dass das nörd-
liche China das Vaterland dieses Strau-
ches sei. Deutzia pulchella Hort. (A.
M. Nr. 488) und unsere Deutzia co-
rymbosa (nicht R. Br.) blühten beide
jetzt zum ersten Male und zeigen sich
ebenfalls von jenem nicht verschieden.
Dass von D. thyrsiflora der Gärten, die
wir noch nicht in Blüthe sahen, das-
selbe gilt, steht fast zu vermuthen.
Deutzia japonica Hort. (A. M. Nr.
501) blühte hier ebenfalls und gehört
mit den vorgenannten zur gleichen Spe-
cies. Sie scheint eine Form derselben
darzustellen, die sieh durch schmalere
Blätter, einen feineren Habitus und et-
was kleinere Blüthen unterscheidet, und
möchte als Philadelphus undulatus var.
japonicus zu bezeichnen sein. Auch die-
ser Name spricht für die Vermuthung,
dass das Vaterland dieser Species im
östlichen Asien zu suchen sei.
Die Familie der Philadelpheae ge-
hört namentlich zu denjenigen, deren
Nomenclatur, was die Gartenpflanzen
anbetrifit, eine sehr unsichere ist. Si-
cher ist, dass die Zahl der hierherge-
hörigen Namen, die in den Catalogen
der verschiedenen Baumschulen vorkom-
men, grösser ist, als die Zahl der wirk-
lich in den deutschen Gärten vorhande-
nen Arten oder Formen. Dass die
Deutzia scabra der Gärten nicht die
ächte Thunberg’sche Pflanze d. N. sei,
sagt Dr, Regel in dem 9. Hefte dieser
D. 1866,
49
Zeitschrift (p. 158). Derselbe hält die
genannte für die ächte D. cerenata 8.
& Z., die D. erenata der Gärten dage-
gen für eine schmalblätterige Form der
gleichen Species (D. crenata angusti-
folia Rgl.).. D. mitis Hort. (A. M. Nr.
502) hat hier geblüht und sich wieder-
um als identisch mit der letzteren er-
wiesen, die wir früher auch schon als
D. virgata erhalten haben.
D. sanguinea Hort. (A. M. Nr. 500)
blühte kürzlich und steht, wie sich
zeigte, dem Philadelphus latifolius
Schrad. sehr nahe, dem sie in der Blü-
the bis auf die geringere Grösse der
Blumen völlig gleicht. Sie stellt viel-
leicht nur eine Abart dieses Straueches
dar, die sich durch dunklere Zweige,
einen gedrängteren Wuchs, kleinere,
mehr breit-eiförmige, an der Basis mehr
gerundete, nach der Spitze schärfer ge-
Spitzte, gröber gezähnte, oberhalb mehr
steifhaarige Blätter und kleinere Blumen
unterscheidet, Hierher gehört auch Ph.
globosus Hort., den wir in diesem Jahre
aus Frankreich erhielten. Von dem
Ph. latifolius unterscheidet sich derselbe,
so viel wir bis jetzt urtheilen können,
namentlich durch dicker filzige Kelche
und mehr geschlossene Blüthen.
Ph. Satsumi Sieb. und Ph. Roylei
Hort. scheinen dagegen gute Arten zu
sein, da sie jedoch nur erst unvoll-
kommen geblüht haben, möchte ich
eine speciellere Beschreibung noch ver-
schieben.
Muskau.
G. Kirchner.
50
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
4) Notizen über neuere oder seltenere, blühende Gehölze des
Ahboretum zu Muskau.
Pyrus floribunda Sieb. (A. M.
Nr. 997).
Ein prächtiges Ziergehölz, das durch
den bekannten Reisenden von Siebold
aus Japan eingeführt ist. Gehört zur
Unterabiheilung der Aepfel (Malus),
scheint mehr strauchartig zu wachsen
und zeichnet sich schon durch seine
feine Belaubung aus, die aus schmalen,
lanzettlic®en, scharf gezähnten, zuweilen
lappenartig eingeschnittenen, in der Ju-
gend unterhalb feinfilzigen, später glat-
ten Blättern gebildet wird. Sehr schön
ist namentlich die Blüthe. Die Blumen
erscheinen in sitzenden Dolden an fast
1!/, Zoll langen, sehr dünnen, röthli-
chen, feinhaarigen Stielen, Der Frucht-
knoten ist fast glatt und roth gefärbt,
wie ebenso die verhältnissmässig lan-
gen, pfriemlich-lanzettlichen Kelchlappen,
die auf der inneren Seite filzig bekleidet
sind. Die länglich-verkehrt-eiförmigen,
langgenagelten Petalen sind weisslich,
stark mit karminroth getuscht. Ein reich
mit Blüthen bedeckter Strauch, nament-
lich aber die leuchtend karminrothen,
ausnehmend zierlichen Knospen, gewäh-
ren einen prächtigen Anblick. Scheint
eine gute Art zu sein, ist vollkommen
hart in unserem Klima und gehört un-
streitig zu den werthvollsten, neueren
Einführungen von schönblühenden Ge-
hölzen.
Ribes rigens Hort. non Mx. (A.M.
Nr. 1440).
Ein aufrechter Strauch, zur Unter-
abtheilung „Ribesia“ (ächte Johannis-
beeren) gehörig, den wir aus verschie-
denen Quellen unter der Benennung „R.
”
rigens“ erhielten, der aber nach den
Beschreibungen, die Pursh (Fl. Am. sept.
I, 163) und Loudon (Arb, brit. II, 982)
von dieser Species geben, mit der Mi-
chaux’schen Pflanze d. N. nicht iden-
tisch ist. Am nächsten steht diese Jo-
hannisbeere dem R. atropurpureum ©,
A. Mey. (A. M. Nr. 1416), doch zeigen
beide noch genügende Verschiedenhei-
ten, um eine specifische Zusammenge-
hörigkeit derselben unwahrscheinlich er-
scheinen zu lassen. Die alten Zweige
der in Rede stehenden Johannisbeere
sind graubraun und rissig. Die Blätter
sind sehr spitz, drei- oder schwach fünf-
lappig, stark netzadrig-runzlich und, wie
ebenso die Blattstiele und die jungen
Triebe mit zahlreichen, steifen Haaren
besetzt. Die Blüthen erscheinen in hän-
genden Trauben, die reichblüthiger, als
die des R. atropurpureum sind, an lan-
gen, fast glatten Stielen. Die einzelnen
Blüthenstiele sind sehr kurz und mit
einem sehr kleinen Deckblättchen ver-
sehen. Der Kelch ist bauchig-glockig
mit abgerundeten, flach ausgebreiteten
Abschnitten und von schmutzig blass-
röthlicher Farbe. Die weisslichen Pe-
talen sind fast verkümmert.
Wegen der eigenthümlichen Färbung
der reiehblüthigen Trauben als Zier-
strauch zu empfehlen.
Ribes subvestitum? Hook. & Arn.
(A. M. Nr. 1404).
Eine Stachelbeere (Unterabtheilung
„Grossularia“), die wir unter obigem
Namen vor einiger Zeit aus der Baum-
schule von $S. & J. Rinz zu Frankfurt
a/M. erhielten. Blüthe jetzt zum ersten
Male, doch entsprechen die Blumen
I. Originalabhandlungen.
nicht völlig einer im 6. Jahrgange (8.
180) dieser Zeitschrift gegebenen Be-
schreibung.
Es ist ein Strauch mit graubraunen
Zweigen, die ringsum mit zerstreuten,
etwas abwärts gerichteten, seharfen Sta-
cheln besetzt sind und in den Blattwinkeln
stärkere, unregelmässig zu 3—4 stehende
Stacheln tragen. Blätter rundlich, herz-
förmig, 3 — 5-lappig, mit kerbartig ein-
geschnittenen Lappen, schwach drüsig
behaart, an drüsig behaarten Stielen.
Blüthen an langen, hängenden, fadenar-
tigen, dreitheiligen Blüthenstielen, über
den Theilungsstellen mit sehr kleinen,
ovalen, gegenständigen, sehr fein drü-
sig sewimperten Bracteen. Fruchtknoten
und Kelchröhre, von denen die letztere
länger als erster, sind hellgrün und
sehr feinhaarig; die Kelchabschnitte sind
linienförmig, scharf zurückgeschlagen
und von mattpurpurgrüner Farbe. Die
keilförmigen, weissen Petalen ragen we-
nig vor, die Staubfäden sind lang und
weiss, die Staubbeutel grünlich. Die
Blüthen sind nicht gross, zeichnen sich
durch ihre eigenthümliche Gestalt aus,
fallen aber, ihrer fast grünen Färbung
wegen, wenig in das Auge.
Soll aus Californien stammen und
ist bis jetzt von uns durch Deckung mit
Kiefernreisig über Winter geschützt
worden,
Nachsehrift
zu dem Aufsatze: „‚Ueber die Cultur
und Verwendung der Myricaceen.“
In dem von mir gegebenen Aufsatze
über die Cultur und Verwendung der
Myricaceen machte ich auch auf die in-
dustrielle Verwerthung der Myrica ceri-
fera, als einer wachsbringenden Pflanze
‚aufmerksam.
In dem vorigen Jahrgange (XIX,)
€
51
der Hamburger Gartenzeitung von E.
Otto (p. 381) befindet sich ein früher
von mir übersehener, hierauf bezüglicher
Artikel, in dem es heisst:
„Die Myrica cerifera, schreibt Herr
G. E. Moore in Silliman’s Amerie, Journ.
of Science, ist eine gegen Witterungs-
einflüsse wenig empfindliche Pflanze,
die am besten auf magerem Boden in
der Nähe der Meeresküste gedeiht, und
reichliche Früchte trägt, die ein Wachs
liefern, das als Myrthenwachs, Kerzen-
beerwachs und Berberitzentalg eine Zeit
lang einen, freilich nur wenig bedeu-
tenden Handelsverkehr in den vereinig-
ten Staaten ausmachte.‘‘ — „Um es rein
zu gewinnen, werden die Früchte in
Säcke von grobem Tuch gethan und in
siedendes Wasser getaucht, bis das ge-
geschmolzene Wachs sich auf der Ober-
fläche sammelt; dann wird es in Pfan-
nen gegossen, in denen es beim Ab-
kühlen hart wird, und sich für den Han-
del eignet. Die chemischen Bestand-
theile sind nach Leroy : Kohlenstoff 74,
Wasserstoff 12, Sauerstoff 14. Die
Leuchtkraft steht der des Bienenwachses
nicht nach, während es mit weniger als
dem 4. Theile der Kosten des letzteren
erzeugt werden kann, Herr Moore be-
merkt hierzu, dass man, als Surrogat
für Bienenwachs, dem Myricawachse
nicht die gehörige Aufmerksamkeit ge-
schenkt habe, und meint, es sei kein
Grund vorhanden, anzunehmen, dass
dieses Wachs bei ausgedehnterem An-
bau der Pflanze nicht ein wichtiger Han-
delsartikel werden sollte.“
Ich habe diesen Artikel hier wieder-
gegeben, da er, aus dem Vaterlande der
besprochenen Pflanze stammend, sich
günstig für den Anbau derselben aus-
spricht, und glaube, dass er für uns
ganz dieselbe Gültigkeit habe, da das
Gedeihen der Wachsmyrthe, auch was
4 *
52
einen reichlichen Fruchtansatz anbetrifft,
hier Nichts zu wünschen übrig lässt.
Ganz besonders ist, wie schon bemerkt,
hervorzuheben, dass dieser Strauch auf |
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
einem Boden gedeiht, der fast für jeden
anderen Anbau verschmäht wird.
G. Kirchner in Muskau.
5) Sollen zu Ausstellungen besonders angekaufte Pflanzen
prämirt werden ?
Im Schoosse so manchen Vereins
ist diese Frage schon disceutirt worden.
Jetzt wo die Ausstellungen von Pilan-
zen mehr und mehr einen grösseren
Umfang annehmen, tritt solche immer und
immer wieder 'von Neuem auf. Auch
der Referent spricht heute diese Frage
aus, desshalb, weil er dazu mehrfach
aufgefordert wurde, — bemerkt aber
zum Voraus, dass er gern bereit ist,
seiner Ansicht entgegen stehende Mei-
nungen in den Spalten dieser Zeitschrift
aufzunehmen. —
Der Standpunkt zur Beurtheilung
dieser Frage wird einzig durch den
Zweck, den Ausstellungen von Pflanzen
und Erzeugnissen des Gartenbaues ha-
ben, bedingt. Der Zweck derarti-
ger Ausstellungen besteht aber ei-
nerseits in Anerkennung der Leistungen
der Producenten und andererseits darin,
durch Zusammenstellung der überhaupt
besten und neuesten Produkte des Gar-
tenbaues, die Liebhaberei zum Garten-
bau und die Freunde des Gartenbaues
in allen Richtungen desselben zu meh-
ren, um hierdurch einen Hebel zur He-
bung des Gartenbaues zu erhalten. —
Bei der Zuertheilung der Preise muss
also auch beiden Richtungen des Gar-
tenbaues Rechnung getragen werden, —
oder es muss mit andern Worten sowohl
das Verdienst der Producenten belohnt
werden, wie auch das wahrhaft Neue,
Schöne oder Nützliche nicht leer ausge-
hen darf, komme letzteres woher es
wolle. —
Neuheit, Schönheit, Nutzen,
vollkommene Cultur, Mannich-
faltigkeit etc. sind Eigenschaften,
die jedes Preisgericht bei der Beurthei-
lung von ausgestellten Gegenständen
abzuwägen hat. Es versteht sich daher
von selbst, dass je mehr solcher Eigen-
schaften bei zur Concurrenz ausgestell-
ten Einsendungen zusammen kommen,
je höher wird der ‚Preis ausfallen müs-
sen.
Wenn dies die Erwägungen sind,
welehe ein Preisgericht bei Zuertheilung
der Preise in Rechnung zu ziehen hat,
— so ist es andererseits eine aus der
Natur der Verhältnisse genommene That-
sache, dass ein Preisgericht um so un-
befangener urtheilen wird, je weniger es
die Ahnung hat, aus welcher Quelle die
zu beurtheilenden Einsendungen stam-
men. Eine sehr löbliche Sitte ist es
daher auf Ausstellungen einerseits Con-
eurrenten nicht als Preisrichter zuzulas-
sen und andererseits die Einsendungen
selbst, während dem das Preisgericht
arbeitet, nur mit Nummern und nicht
mit den Namen der Einsender zu be-
zeichnen. —
Aus dem bisher Gesagten scheint
uns zweierlei hervorzugehen, nämlich:
I. Originalabhandlungen. 33
1) Dass bei den Eigenschaf-
ten, die das Preisgericht bestim-
men, einen Preis zu ertheilen,
das eigne Verdienst des Einsen-
ders, wie z. B. vollkommene Cul-
tur, Züchtung etc., — nur dann in
die Wagschale bei der Zuerkennung der
Preise fallen kann, wenn dieses auch
Leistung des Einsenders selbst ist,
indem für das persönliche Verdienst der
Vorzüglichkeit der Arbeit — oder für
die Erfindung, auch auf allen anderen
Ausstellungen, nur das eigene Fabrikat,
oder die eigene Erfindung anerkannt
wird. Vollständigkeit der Samm-
lung, Neuheit, Nutzen etc. scheinen
uns dagegen Eigenschaften zu sein, die
ganz ohne Berücksichtigung, woher sol-
che stammen, anerkannt werden kön-
nen, — da hier nicht die Geschicklich-
keit und Kunst, — sondern das Kapital
in die Concurrenz tritt und die Ausstel-
lung und deren Zweck den Gartenbau
durch Schaustellung der interessantesten
Produkte zu heben, durch derartige
Einsendungen gewinnt. Greifen wir zu
einem speciellen Beispiele, so könnten
2. B. 2 Sammlungen blühender Orchi-
deen an Vollkommenheit der Cultur der
Exemplare, an Neuheit und Seltenheit
der Arten und Zahl der letzteren sich
gleich stehen. Es wäre aber z. B.
nachgewiesen, dass in der ersten Samm-
lung alle ausgestellten Pflanzen dasPro-
dukt der eigenen Cultur, — während in
der zweiten wenigstens ein Theil der
Sammlung erst vor der Ausstellung vom
Einsender angekauft wurde. In die-
sem Falle müsste natürlich die erstere
Sammlung einen um eine Stufe höheren
Preis als die andere erhalten, Würde
aber in der ersteren Sammlung die Sel-
tenheit der Exemplare der der zweiten
Sammlung nachstehen, so wären wie-
derum beide Sammlungen gleichzustellen,
da jeder Sammlung eine Eigenschaft
abgehen würde.
2) Kann das Preisgericht, nach dem
his jetzt üblichem und auch ganz zu
empfehlendem Modus der Beurtheilung,
ohne die Einsender zu kennen, das ei-
gene Verdienst des Einsenders nicht be-
rücksichtigen, da es nicht weiss, ob die
Eigenschaften, welche das Programm
verlangt, in Bezug auf eigene Cultur,
directe Einführung oder eigene Züch-
tung von Seiten des Einsenders auch
wirklich erfüllt werden. In diesem Falle
befand sich wenigstens das Preisgericht
zu Brüssel und Amsterdam und könnte
sich in seinem Urtheil also nur an die
Sache halten. —
Unter Berücksichtigung dieser Um-
stände scheint es uns im Interesse der
Sache zu liegen, wenn die Commission,
die die Ausstellung leitet, dem Preisge-
richt die betreffenden Winke gibt, um
derartigen Klagen über die hohe Prämi-
rung von Pflanzen. die für die Ausstel-
lung kurz vor:derselben aufgekauft wur-
den, abhelfen zu können. —
Dies könnte einestheils durch Präei-
sirung des Programms zu Ausstellungen
geschehen, indem hier gesagt sein müsste,
dass für gute Cultur ete. nur solche
Einsender prämirt werden könnten, die
auch die betreffenden Pflanzen seit min-
destens so und so langer Zeit cultivirt
hätten. Es müssten ferner die Anfor-
derungen an Neuheiten, ob solche nur
aus dem Auslande oder direct aus dem
Vaterlande von dem Einsender einge-
führt sein sollen ete., — genau präci-
sirt sein, — und es müssten endlich
alle Einsender fn dem Programme auf-
gefordert werden, bei der Einsendung
der Verzeichnisse ihrer Einsendungen
anzugehen, — ob die zur Coneurrenz
gestellten Pflanzen etc. kurz zuvor an-
gekauft wurden oder schon länger in
54
dem Besitz des Einsenders sich befin-
den. — Gänzliche Zurückziehung des
Preises müsste die natürliche Folge
überall da sein, wo unwahre Angaben
in dieser Beziehung nachgewiesen wer-
den könnten. —
Auf diese Weise wäre die Commis-
sion in den Stand gesetzt, bei allen den
Nummern der concurrirenden Einsen-
dungen dem Preisgerichte zu sagen, ob
die betreffenden Einsendungen mit den
Bestimmungen des Programms überein-
stimmen, — oder inwiefern solche von
demselben abweichen. —
Bei derSchnelligkeit endlich, mit der
die Preisgerichte zu arbeiten gezwungen
sind, würde es die Zuverlässigkeit der
Zuerkennung der Preise bedeutend er-
höhen, wenn dem Preisgerichte zur Be-
urtheilung von ganzen Coliectionen an-
statt der weissen Zettel, ein Schema,
ungefähr in der folgenden Form in die
Hand gegeben würde.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Nr.
Cultur
Neuheit
Schönheit der Sorten
Manniegfaltigkeit |
Wo nun der Preisrichter nicht in je-
der Rubrik die erste Nummer in das
Schema für eine betreffende Einsendung
einschreiben kann, — oder wo eine Ei-
genschaft, wie Cultur, weil es nicht ei-
gene ist, ganz ausfällt, kann natürlich
auch nicht der erste Preis gegeben wer-
den. —
Der Referent glaubt hiermit schlies-
sen zu können, um so mehr als in die-
sem Artikel gewiss von der Mehrzahl
unserer Leser bereits wiederholt Bespro-
Chenes zusammengestellt ist.
(E. R))
6) Eine blühende RKhopala.
Von den Blattpflanzen fürs Gewächs-
haus hat wohl kaum eine Art die Gunst
der Pflanzenfreunde sich in höherem
Grade und dauernder erworben, als die
schöne stattliche Rhopala corcova-
densis Hort. und wenige grössere
Gärten möchte es geben, in welchen
sie nicht Eingang gefunden hätte. Es
dürfte für manchen Leser Interesse ha-
ben, zu erfahren, dass endlich diese
Rhepala-Art auch ihre Blüthen zeigte,
— meines Wissens hat bisher noch keine
einzige aller cultivirtten Rhopala-Ar-
ten geblüht, — und muss ich aber
gleich hinzufügen, dass diese Blüthe
nur in Folge gewalisamer Störungen
sich entwickelte, eine T'hatsache, die
auch schon an anderen in Cultur be-
findlichen Pflanzen beobachtet wurde,
welche bei gewöhnlicher Behandlung
ebenfalls nie oder höchst selten ihre
Blüthen zeigen. — Da dieser Vorgang
einen deutlichen Fingerzeig gibt, wie
man schwer blühende Pflanzen mögli-
cherweise zur Blüthenerzeugung zwin-
gen kann, so erlaube mir den Hergang
kurz mitzutheilen. — Ein etwa 8—10
Fuss hohes Exemplar der Rh. clorco-
vadensis wurde mir zu hoch für un-
sere Räumlichkeiten, ich löste daher in
einer Höhe von etwa 4 Fuss einen zoll-
breiten Rindenstreifen bis aufs Holz
I. Originalabhandlungen.
ringsum ab, hängte einen Topf an, der
mit Erde und Moos gefüllt mässig feucht
gehalten wurde. Nach etwa 15 Mona-
ten nahm ich den Topf wieder ab, von
Wurzelbildung war noch keine Spur,
dagegen war die obere Schnittfläche mit
starkem Callus bedeckt; ich hing den
Topf wieder an, aber nach mehreren
Monaten hatten sich noch keine Wur-
zeln gebildet, ich machte daher nun kur-
zen Process und schnitt unterhalb des
Callus den Stamm durch, um den Kopf
als Steckling anwurzeln zu lassen. Ei-
nen Steckling von 5 — 6 Fuss Länge
konnte ich aber nirgends gehörig placi-
ren, ich halbirte ihn daher abermals,
schnitt die obere Hälfte in gewöhnlicher
Weise zu 1—2 Augen in Stecklinge,
von welchen beiläufig bemerkt, die Mehr-
zahl anwuchs, aber nachher nicht durch-
treiben wollte, eine Erfahrung, die wohl
schon die meisten Vermehrer mit diesen
und ähnlichen hartholzigen Pflanzen ge-
macht haben, — liess dagegen die un-
tere noch etwa 3 Fuss lange Hälfte
unversehrt, pflanzte sie, stellte den Topf
in ein geschlossenes warmes Beet und
siehe da, schon nach wenigen Wochen
hatten sich aus dem Gallus zahlreiche
Wurzeln gebildet; der Topf war so stark
durchwurzelt, das ich sofort einen grös-
seren Topf geben konnte. Dieses Ver-
pflanzen geschah etwa im August, schon
Ende September zeigten sich in allen
Blattwinkeln Triebe, die jedoeh nicht,
wie ich anfangs glaubte, zu Zweigen
auswuchsen, sondern Blüthentrauben dar-
stellten, und so hatte ieh das Vergnü-
gen im Monate October und November
den Besuchern unseres Gartens eine
reichblühende Rhopala präsentiren zu
können. — Nicht dass die Blüthen die-
ser brasilianischen Proteacee irgend wel-
chen blumistischen Werth beanspruchen
könnten, sie sind klein und unscheinbar,
55
— aber es war wahrscheinlich in Eu-
ropa die erste Blüthe einer Rhopala,
und das gab ihr mehr als gewöhnliches
Interesse. — Da ihr Name corcova-
densis Gartename ist, so glaubte ich
diese seltene Gelegenheit zu wissen-
schaftlicher Bestimmung nicht verlieren
zu sollen und sandte daher an Herrn
Professor Meissner in Basel, der die
Proteareen für De Candolle’s Prod-
romus bearbeitet hat, mehrere Blüthen-
trauben etc. ein. — Er hatte die Rh.
corcovadensis als Varietät zur Rh,
Pohlii gestellt, die Untersuchung der
frischen Blüthenstände ergab aber, dass
sie eine eigene gute Art bildet und er-
laube mir, seine Antwort und Diagnose *)
im Folgenden wörtlich mitzutheilen.
*) Rhopala corcovadensis (Hort.)
arborea, petiolis crassis cum ramulis pe-
duneulisque dense fusco-tomentosis lanatis-
ve, foliis pinnatis elongatis multijugis rigi-
dis, foliolis oppositis v. suboppositis petio-
lulatis oblongo-ovatis acuminatis grosse acu-
teque incurvo-dentatis adultis glabratis, Ia-
teralibus valde obliquis, costis subsimpliei-
bus tenuibus nervoque subtus prominulis
supra immersis, floralibus simpliecibus longe
petiolatis rhombeo-elliptieis dentatis fulvo-
velutinis, racemis folio brevioribus subsessi-
libus simplieibus v. terminali basi paueira-
moso, pedicellis brevissimis liberis, calyei-
bus tenuibus clavatis ovariisque pallide ful-
vo-villosulis, stylo brevi tenui basi pilosulo
stigmateque parum incrassato albido. — Sy-
non. R. Pohlii? y multijuga Meissn.!
in Mart. Fl. Bras. fase. 14. p.89. DC. Prodr.
14. p. 433.
Arbuscula elegans. Folia cubitalia et
ultra, laete viridia, 7 —9-juga, petiolo com-
muni tereti pennae anserinae crassitie cum
partialibus 3--5 lin. longis nervisque folio-
lorum subtus dense rufo- v.fusco-lanatis to-
mentosisve demum plus minus glabrescen-
tibus; foliola 3—5 poll. longa, 1',—2 poll.
lata, supra glabra nitida, subius diu adpres-
56
„Durch die gütige Zusendung der
Blüthen von Rhopala coreovadensis ha-
ben Sie mir eine grosse Ueberraschung
und wahre Freude gemacht und mich zu
lebhaftem Dank verpflichtet. Das Re-
sultat meiner Untersuchung ist nun, dass
sie entschieden nicht zu meiner Rh,
Pohlii gehört, mit der sie zwar aller-
dings in Form, Consistenz, Nervation
und Pubescenz der Blätter genau
übereirkömmt, von der sie aber in den
Blüthen schon auf den ersten Blick
sehr abweicht, und da sie, nach sorg-
se minuteque puberula, dentibus incurvo-
hamatis subpungentibus 1 — 2 lin. longis
latisgue, venis primariis (costis) indivisis
v. simplieiter furcatis vix anastomosantibus,
venularum reti caeterum nullo; foliolum
terminale aequilaterum, basin versus cunea-
tum integrumque, lateralia valde inaequila-
tera, margine inferiore ad medium usque
integro. Folia floralia simplieia 2—1-poll.
longa, petiolo 2 — 2!/, poll. longo, margine
pulchre rufo-villoso infra medium integro.
Racemi 3 — 4-poll., fere a basi floriferi, in-
ferne subinterrupti et interdum in ramos 3—4
eirc. pollicares divisi, superne densiores,
rhachi bracteisque rufo-tomentosis. Pedicelli
bracteam ovatam fugacem aquantes, 1 !in.,
flor. 3 lin. longi. —
Differt a R. Pohlii, cui’foliis convenit,
racemis minus densifloris, pedicellis floribus-
que brevioribus et praeeipue duplo tenuiori-
bus tomentoque breviore pallidiore; — a R.
heterophylla Pohl, foliolis latioribus,
rigidioribus, basi minus attenuatis, subtus
diu puberulis et in nervo tomentosis, venis
secundariis subnullis (nec laxe reticulatis)
floribus dense pubescentibus (nec elabrius-
eulis). Floribus proxime accedit ad R.
Martii Meissn. ]. c., quae vero abunde
distineta: foliis glabris, foliolis subsessilibus
magis venosis, calyce glabrescente etc. —
Ab omnibus reliquis speciebus huiusque
cognitis abhorret sive foliis pinnatis, sive
nervatione, sive pedicellorum florumgue ma-
gnitudine et pubescentia.
(C. F. Meissner.)
Garteuflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
fältiger Vergleichung auch von allen
übrigen, mir bekannten Arten, bald in
den Blättern, bald in den Blüthen, bald
in Beiden, verschieden erscheint, so
muss sie nun wohl als eine eigene,
gute Species angesehen werden, welcher
wir wohl den in den Gärten schon gang
und geben Namen, obgleich mir kein
Autor dafür bekannt ist, (Rh. corco-
vadensis Hort.) lassen müssen. Ich
erlaube mir nun, Ihnen auf nebenste-
hender Seite eine Diagnose nebst Bemer-
kungen über ihre Verschiedenheit von
den verwandten Arten zu geben, und
kann mich nur freuen, wenn Sie diese
Notiz in der „Gartenflora“ bekannt ma-
chen wollen.‘ —
Diese erste Blüthe fiel in den Spät-
herbst 1863, wie gewöhnlich an geköpf-
ten Exemplaren, trieb das oberste Auge
nach der Blüthe einen Blatttrieb, der
den fehlenden Kopf bald wieder ersetzte,
aber seither hat auch das Exemplar
durchaus keine Miene gemacht, wieder
blühen zu wollen und dies scheint mir
die vorhin gemachte Behauptung zu
reehtfertigen, dass die Blüthenentwicke-
lung nur durch gewaltsame Störungen
und Eingriffe in den normalen Wachs-
thumsgang gleichsam erzwungen wurde.
Da noch manche der Rhopala-Ar-
ten, die jetzt in den Gärten existiren,
wissenschaftlich nicht festgestellt sind,
so möchte ich Besitzer von starken Exem-
plaren, die ihnen doch zu hoch werden,
auffordern in ähnlicher Weise zu ver-
suchen, dieselben zur Blüthe zu brin-
gen und gelingenden Falls dem verdien-
ten Bearbeiter der schwierigen Familie
der Proteaceen, Herrn Prof. Meissner in
Basel durch Zusendung der Blüthen die
erwünschte Gelegenheit zu geben, wei-
tere Lücken in der Kenntniss dieser
schönen Gattung zu ergänzen.
(E. 0.)
II. Neue Zierpflanzen.
a) Abgebildet im Illustrations hor-
ticole.
1) Amorphophallus nivosus Lem. Wir |
haben diese schöne Aroidee schon erwähnt
und zwar nach lebenden Exemplaren, ein- |
geführt in den Garten des Hrn. A. Verschaf-
felt, aus der brasilianischen Provinz Para, |
durch Hrn. Baraquin. Eine knollige Art,
welche einen bis 6 Fuss hohen Blattstengel |
schlangenfellartig braungrün,
weiss und röthlich gezeichnet ist und auf |
der Spitze das handförmig 3theilige Blatt |
treibt, der
trägt, das bis 3 Fuss Durchmesser erhält.
derschnittig.
vorherrschend lanzettliche zugespitzte Ge-
stalt.
lyse der Gattung nach Blume. Blühend sah
aber Lemaire die Pflanze noch nicht, es ist
wirklich ein Amorphophallus.
einige Arten der Gattung KEchidnium be-
schrieben,
nivosus so nahe, dass
hören. (tab. 424).
eyneae. Eine liebliche Schlingpflanze Brasi-
liens, mit zartrosarothen Blüthentrauben, die
schon lange bekannt ist. Besitzt eine knol- |
lige Wurzel und gehört in Cultur zu den
Pflanzen von Cultur, — der
Grund weshalb diese Pflanze so selten ge-
schwieriger
Tab. 437 in Flore des serres von Lemaire
nach Paxtons Magazin gegebene Abbildung
unterm gleichen Namen ist eine verschie- |
dene Art — Die Schwierigkeit der Cultur
dieser prächtigen Pflanzen scheint noch nicht
Wir bezwei- |
teln dies sogar, denn es sind von Schott |
| tee gestützt.
blieben ist. — 1847 gab Ch. Morren in den |
Annales de Gand die erste Abbildung. Die |
57
Neue Zierpflanzen.
überwunden zu sein. Sollte einer unserer
| Leser gute Resultate bei der Cultur der Di-
pladenia- Arten erhalten haben, so würden
wir sehr dankbar für Mittheilung der Oultur-
methode sein. (tab. 425.)
3) Camellia planipetala.
weisse Camellie. (tab. 426).
4) Robinia Pseudacacia L. var. De-
caisneana. Eine Abart mit schönen rosaro-
Eine schöne
| then Blumen von unserer schönen Schein-
akazie der Gärten. Die Scheinakazie ward
schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts aus
Nordamerika in Frankreich eingeführt. Im
| Jahre 1635 pflanzte Vespasien Robin
Jedes dieser 3 Einzelblätter ist fiederförmig |
getheilt und die Fiederblätter abermals fie- |
Die Blattlappen besitzen eine |
den Baum im Garten des Museums in Pa-
ris, nachdem Linne die Gattung zu Ehren
des Qultivateurs beschrieb. — Die in Rede
| stehende Abart ist von Hrn. Villevielle
| Gärtner in Monosque zufällig erzogen wor-
Hlustration horticole gibt auf einem Ve- |
getationsbild die Abbildung der nicht blü- | leider nicht mehr im Freien aus,
henden Pflanze und ausserdem eine Ana- | Steppen Südrusslands gehört sie aber viel-
den. In Petersburg hält die Scheinakazie
für die
leicht zu den wenigen Pflanzen, durch wel-
| chen deren Wiederbewaldung erzielt werden
daher sehr fraglich, ob die betreffende Pflanze |
kann. (tab. 427).
5) Azalea indica Grande Duchesse de
Bade. Eine grossblumige gefüllte Sorte mit
| dunkelscharlachrothen Blumen. (tab. 428).
die dem in Rede stehenden A. |
wir glauben, es |
könne diese Pflanze eher zu Echidnium ge- |
6) Cypripedium Veitchianum Hort.
Diese prächtige Art des Frauenschuhs stammt
aus Sumatra, wo solche Lobb entdeckte und
- | in den Garten des Herrn Veitch einführte.
2) Dipladenia nobilis Oh.-Morren. Apo- |
Die zweizeilig stehenden länglich - lanzetitli-
chen Blätter sind dunkelgrün mit schach-
brettartigen weissen Flecken auf der Öber-
seite. Der Blüthenschait rauh behaart, braun-
roth, 1—2-blumig. Fruchtknoten 6-rippig,
von einer kurzen scheidigen behaarten Brac-
Die Blätter der Blüthenhülle
weiss, das oberste Blatt sehr breit und zu-
gespitzt, der Länge nach braun linürt, auf
dem Rücken und am Rande behaart, unge-
fähr 21/, Zoll lang. Die seitlichen Blumen-
blätter 31/, Zoll lang, länglich - lanzettlich,
an der Spitze gedreht, der Länge nach roth-
braun liniirt und ausserdem rothbraun ge-
58
fleckt und behaart. Lippe dunkelbraun.
Eine der schönsten Arten, welche im De-
zember blühet. Veitch hat diese Pflanze als
C. barbatum grandiflorum vertheilt, — aus-
serdem befindet sie sich als C. superbiens
in den Gärten. (tab. 429).
7) Verschaffeltia splendida A. Wendl.
(tab. 430).
8) Bryonopsis laciniosa var. erythro-
carpa Naud. (tab. 431) und
9) Abutilon vexillarıum 'Morren. (tab.
432), sind von uns schon wiederholt bespro-
chen worden.
10) Phoenicophorium sechellarum MH.
Wendl. Palmae. Es ist das die als Steven-
sonia grandifolia J. Duncan., Artrocaryon
Borsigianum K. Koch (Wochenschrift 1859
pag. 401), A. aureo-pietum H. Versch. und
Areca sechellarum in den Gärten verbreitete
und von uns mehrfach besprochene Pflanze.
Das schönste Exemplar derselben findet sich
im Garten des Herrn Borsig in Berlin. Diese
Pflanze ist der Verschaffeltia (tab. 430) nahe
verwandt, — Wir finden es von unserem
geehrten Freunde ein wenig gewagt, nach
Pflanzen, deren Blumen und theils auch die
Früchte noch unbekannt, neue Gattungen
aufzustellen. Beide Pflanzen haben wir selbst
schon wiederholt für die schönsten in neue-
rer Zeit eingeführten Palmen erklärt. (tab.
453).
11) Verbena hybrida var. populaire.
Eine schöne Verbene mit breit goldgelb ge-
randeten Blättern und grossen scharlachro-
then Blüthendolden, deren einzelne Blumen
ein weisses Auge besitzen. Scheint ein Ab-
kömmling der V. teucrioides Gill. et Arn.
zu sein. Ein prächtiger Zuwachs zu unsern
besten Florblumen für den Sommer. (tab.
434). —
12) Camellia Archiduc Etienne. Schöne
fleischroth gefärbte Camellie. (tab. 435).
13) Iriartea exorrhiza Mart. Palmae.
Die Stelzenpalme des Amazonenstroms nach
der Darstellung von Martius, als Vegetations-
skizze wieder gegeben. Die Iriartea-Arten
besitzen fiederschnittige grosse Blätter, mit
länglichen an der Spitze gezähnten Blättchen.
Oberhalb des Stammgrundes entspringen
bei diesen Palmen Kreise von Luftwurzeln,
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
die den Stamm später wie ein untergesetz-
tes Pfahlwerk tragen. Leider sind die schö-
nen Iriartea-Arten in Cultur noch sehr dif-
fieil. Sollte einer unserer Leser bei der Cul-
tur derselben gute Resultate erhalten haben,
so würden wir sehr dankbar für Veröffent-
lichung der Cultur in diesen Blättern sein.
(tab. 436). —
14) Rhododendron salmono-roseum. Ein
schönes Rhododendron aus der Gruppe von
ponticum und campanulatum zur Cultur im
freien Landein den mildern Gegenden Deutsch-
lands. Die rosa-lachsfarbenen Blumen sind
innerhalb an den obern Lappen der Blumen-
krone dicht dunkel punktirt. (tab. 437).
15) Caladium bicolor var. Duc Adölphe
de Nassau. Eins der schönsten buntblätte-
rigen Oaladien. Blatt gross, dunkelgrün,
längs der Nerven fiederförmig und breit blut-
roth gezeichnet und auf dem Grün grosse
scharfe Silberflecken. Blattstiel blutroth.
(tab. 438).
16) Smilax ornata Lem. Smilaceae. Ein
windender Smilax, den Ghiesbresht aus Me-
xiko einführte. Die Blätter ziemlich gross,
aus herzförmigem oder abgerundetem Grunde
länglich-oval, zugespitzt, zwischen den 3
Längsnerven schön silberfarben gezeichnet.
Blattstiel bedornt. Verschaffelt hatte diese
Pflanze als Smilax macrophylla maculata in
seinem Cataloge aufgeführt. Lemaire legt
dieser Pflanze nun provisorisch einen ande-
ren Namen bei, da es nicht der Smilax ma-
erophylla Roxb. ist. Geblühet hat solche
noch nicht. Wir empfahlen diese Pflanze
schon als schöne Decorationspflanze fürs
temperirte Haus. (tab. 439).
17) Telanthera ficoidea Mag. Tand. var.
versicolor. Amarantaceae. Die Stammart
stammt aus den Tropengegenden Asiens und
Amerika’s. Die abgebildete Varietät zeich-
net sich durch den niedrigen buschigen
Wuchs und zum Theil blutroth getärbte
Blätter aus. Eine perennirende Pflanze, die
als schöne Decorationspflanze fürs Warm-
haus empfohlen wird. (tab. 440).
18) Rosa (hybride remontante) Empe-
reur du Mexique. Eine schöne Rose von
tief schwarzrother Färbung. (tab. 441).
19) Camellia Giuseppe Biari. Schöne
I, Neue Zierpflanzen.
milchweisse regelmässig gefüllte Camellie
mit blassrother zarter Panaschirung (tab.
442).
20) Hepatica angulosa Lam. (tab. 443).
Vergl. Grtfl. 1863. tab. 419.
21) Cypripedium concolor Batem. (tab.
444). Nach Bot. Mag. schon erwähnt.
22) Alternanthera spathulata Lem. Ama-
rantacede. Niedrige buschige decorative
Warmhauspflanze mit lang gestreckten spa-
telförmigen rothen Blättern. Scheint wiederum
eine Pflanze zu sein, die benannt wird, be-
vor noch der Autor die Blumen gesehen
hat. (tab. 445). (E. R.)
b) Abgebildet in „Flore des Serres.“
23) Aplotaxis gossypina DC. Compo-
sitae. — Eine liebliche Alpenpflanze aus den
höchsten Regionen des Himalaya-Gebirges,
zuerst im Jahre 1818 von E. Gardner ent-
deckt, später von Wallich am gleichen Orte
gefunden und zuletzt auch von Dr. Hooker
und Thomson beobachtet, — aber nicht le-
bend eingeführt. Da sie nur 1—2jährig ist,
könnte sie wohl nur durch Samen einge-
führt werden, aber auch dann ist es frag-
lich, ob ihre Cultur gelingen würde, da ihre
nächsten Verwandten, die Saussurea-Arten
der europäischen Alpen, sich ebenfalls sehr
schwierig in der Cultur zeigen. — Ein kaum
2 Zoll hoher kurzer Stamm ist dicht be-
deckt mit weissfilzigen Blättern, von denen
die oberen so stark mit reinweissen zarten
Wollhaaren bekleidet sind, dass das sitzende
Blüthenköpfehen mit seinen violetten Biü-
then eingebettet in einem weichen Daunen-
neste erscheint. Vor der Blüthe erscheint
die ganze Pflanze wie eine Kugel aus weis-
ser zarter Wolle, nur die unteren Blätter
zeigen das Grün ihrer Oberfläche. — Eine
dichte Haarbekleidung bemerkt Prof. Plan-
chon sehr sinnig, ist ein häufiges Attribut
der nordischen und Alpenpflanzen, und die
Annahme liegt nahe, dass sie zum Schutz
gegen die grossen Kältegrade dienen soll,
aber daraus ein allgemeines Gesetz herlei-
ten zu wollen, dass dichte Behaarung auf
ein sehr kaltes Klima schliessen lässt, oder
dass sie allen nordischen Pflanzen unum-
59
gänglich nothwendig ist, wäre sehr voreilig
und durchaus falsch. Prof. Pianchon weist
dann nach, dass viele Pflanzen heisser trock-
ner Gegenden ebenfalls durch dichte Behaa-
rung sich auszeichnen, dass also ebenso wie
gegen Kälte, die Haare auch gegen Dürre
und Hitze schützen müssen und dass end-
lich überall und in allen Klimaten dicht be-
haarte unmittelbar neben ganz kahlen Pflan-
zen vorkommen. (Taf. 1590—91).
94) Dischidia Rafflesiana Wall. As-
clepiadeae. — Verwandte der Gattung Hoya,
mit der sie den gleichen rankenden Habitus
und den doldigen Blüthenstand theilen,
stammen die Dischidia aus den tropischen
Regionen Asiens und Neuhollands. — D.
Rafflesiana wurde schon in der zweiten
Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch den
dänischen Missionair König nahe bei Ma-
lacca und Sallongohr entdeckt, später von
Dr. Wallich bei Singapore ebenfalls gefun-
den und von ihm in seinem Prachtwerke
über seltene asiatische Pflanzen abgebildet
und genau beschrieben. Eingeführt wurde
sie ganz kürzlich erst durch das Etablisse-
ment Van Houtte, aber auch dieses besitzt
nur ein einziges lebendes Exemplar, das im
neuesten Verzeichniss zu 200 Franken no-
tirt ist, und einen einzigen jungen Ableger
zu 100 Fr. — Demnach scheint die Ver-
mehrung durch Stecklinge bisher noch nicht
versucht oder missglückt zu sein; wir glau-
ben eher das erstere, und hoffen, dass bald
durch Stecklinge eine grössere Vermehrung
erzielt werde, um dieser durchaus nicht
schönen, aber botanisch um so interessan-
teren Pflanze eine grössere Verbreitung zu
verschaffen. — Sie gehört nämlich wie die
Nepenthes, Sarracenia und Cephalotus zu
den Pflanzen, deren Blattorgane sämmitlich
oder theilweise sich zu Schläuchen umbil-
den, und die stets ein besonderes Interesse
erregen eben dieser Sonderbarkeit wegen.
Bei Dischidia Rafflesiana sind die eigentli-
chen Blätter klein, von rundlich - eiförmiger
Gestalt, uud sehr entfernt von einander an
den langen, rankenden Stengeln gestellt,
während die Blattschläuche weit grösser,
bis zu 3 Zoll lang und schr gedrängt an
den unteren Aesten der Pflanze büschelweise
60
zusammen stehen, Die Schläuche sind ge-
stielt, kantig-cylinderförmig, diekwandig und
bis auf eine kleine Oeffnung oben am Stiele
ganz geschlossen; aussen olivengrün, innen
schwarzbraun; sie enthalten eine Flüssig-
keit, die nach Wallich eine kleine Ameise
in grossen Schaaren herbeizieht und vielen
von ihnen den Tod bringt, wahrscheinlich
durch Ertrinken. Auch die Luftwurzeln, die
zahlreich an den Stengeln entspringen, drin-
gen in diese Wasserbehälter ein, zweifels-
ohne weil sie der Feuchtigkeit nachgehen,
und dieser Umstand scheint uns zu bewei-
sen, dass das Wasser von aussen in die
Schläuche dringt, also Regenwasser ist, und
nicht in den Schläuchen ausgeschieden wird,
wie Prof. Planchon annimmt, — denn bis
auf geleisteten Gegenbeweis gilt doch noch
von Pflanzen wie von Thieren das Meiden
ihrer eigenen Ausscheidungen.
(Taf. 1592—93.)
25) Phoenicophorium Sechellarum H.
Wendl. (Stevensonia grandifolia Dune.,
Astrocaryum Borsigianum K. Koch).
Diese wunderbar schöne Palme war bis jetzt
eine der grössten Seltenheiten in den Samm-
lungen, — Van Houtte war so glücklich,
von einem Correspondenten auf den Se-
chellen-Inseln, dem Vaterlande dieser Palme
ein grosses Quantum Samen zu erhalten,
und kann jetzt hübsche junge Exemplare zu
dem mässigen Preise von 25 Fr. liefern.
(Taf. 1595 — 96.)
26) Verschaffeltia splendida H. Wendl.
(Stevensonia viridifolia Duncan.,. Regelia
princeps, majestica, magnifica Hort.). —
Eine andere sehr schöne Palme, die wie die
vorige von den Sechellen-Inseln eingeführt
wurde und mit ihr an Schönheit wetteifert;
sie bildet einen schlanken geraden Stamm,
übertrifft die vorige daher in Höhe und ele-
ganter Tracht, aber die Wedel sind kleiner
und steifer, daher bei mancher Aehnlichkeit
in Blattform, Färbung und Bestachlung doch
der Totaleindruck ein ganz anderer. Beide
sind wunderschön und für höhere Warm-
häuser sehr zu empfehlen. Die Blaitschei-
den der Verschaffeltia splendida sind mit
langen schwarzen Stacheln besetzt, der ro-
buste Blattstiel dagegen stachellos und oran-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
gefarben, Blatt keilförmig -oboval, an der
Spitze tief 2-spaltig, ganzrandig bis auf die
abgestumpften und leicht ausgebuchtet ge-
kerbten Vorderseiten. Auch hier finden wir,
wie bei der vorigen, ausser den schwarzen
Stacheln, den orangefarbenen Blattstielen,
den ungetheilten tief 2-spaltigen Blattflächen,
auch den schmalen orangerothen Blattsaum
und die in hell und dunkelgrün marmorirte,
je nach der Beleuchtung ändernde Blattfär-
bnng wieder. — Hofgärtner Hermann Wend-
land, der im kgl. Garten zu Herrenhausen
bei Hannover wohl die grösste jetzt existi-
rende Palmensammlung zusammenbrachte
und als der erste Palmenkenner unserer Zeit
gilt, dedieirte diese von ihm aufgestellte
Gattung dem Herrn Ambroise Verschaffelt,
der sie zuerst einführte, und der seit Jah-
ren sich Verdienste erworben hat durch
Einführung und Verbreitung schöner Pal-
menarten. — In seinem Garten sowohl, wie
im Van Houtte’schen Etablissement sieht
man ganze Gewächshäuser dicht angefüllt
mit jungen Palmen, die von hier aus ihre
Wanderung durch die europäischen Gärten
antreten. (Taf. 1597—98.)
27) Abutilon megapotamicum St. Hi.
(Sida megapotamica Spr., Abutilon vexilla-
rium E. Morr.). — Eine sehr hübsche bra-
silianische Art, die von Belgien aus neuer-
dings als Abutilon vexillarium verbreitet
wurde, und da sie sehr reich blühen und
buschig wachsen soll, wahrscheinlich bald
sich überall beliebt machen wird. Bildet
einen hohen, reich verzweigten Strauch mit
schlanken dünnen Zweigen, Blätter 3- fast
5-lappig, zugespitzt, grob gesägt, fast kahl,
Blattstiele an der Spitze dicht behaart; Blü-
thenstiele dünn 1-blüthig, Kelch hochroth
gefärbt, krugförmig, mit abgeplatteter Basis,
Blumenkrone goldgelb, Staubfäden schwarz-
braun, hervorstehend. Das Schwarzrothgold
ist in den uiedlichen Blumenglocken dieses
von den bekannten Arten sehr abweichen-
den Abutilon so präsentirt, dass Prof. Mor-
ren ihr den bezeichnenden Namen vexilla-
rium d. h. Fahnenträger gab, ein Name,
der jedoch dem schon früher gegebenen
megapotamicum weichen muss. Cultur und
Vermehrung sehr leicht, wie bei den älte-
IT. Notizen.
ren Arten. — Den Sommer über ins freie
Land gepflanzt, wird man sehr bald grosse
Exemplare erhalten, die zu Kübelpflanzen
sich besonders eignen dürften.
(Taf. 1599.)
28) Cereus giganteus Engelm. — In
Sonora, der nördlichsten Provinz Mexicos,
angrenzend an Californien, kommt der Rie-
sencactus vor, von dem Reisende, die jene
bis in neuester Zeit fast gänzlich unerforsch-
ten und meistentheils öden, steinigen Wü-
steneien durchzogen hatten, um ins Gold-
land zu kommen, wohl schon berichtet hat-
ten, — allein erst in neuerer Zeit konnte
der Botaniker Engelmann uach Materialien
(Blüthen, Früchte, Rindenstücke ete.), die
ihm von Hrn. Thurber und Dr. Parry mit-
getheilt wurden, diesen interessanten Colöss
unter den Cacteen genau beschreiben und
Il.
1) Zur Witterung. In Thüringen,
wenigstens in der Nähe des Waldgebirges
hat es im Jahre 1865 jeden Monat gefroren.
Wie ungünstig dies auf die Vegetation ein-
gewirkt hat, wenn man den Gegensatz einer
unerhörten Hitze (bis gegen 30 Grad R. im
Schatten) und beispielloser Dürrung dazu
rechnet, bedarf kaum der Erwähnung. So
ist auch das Obst, ausser Kirschen fast ganz
missrathen, obschon es herrlich geblüht und
die Blüthe nicht erfroren ist, auch keine
Raupen oder Rüsselkäfer massenhaft aufge-
treten sind. Die Obstbaumblüthen müssen
geradezu von der Hitze versengt worden sein.
In der Nacht vom 18. zum 19. Juni erfroren
in ganz Thüringen von Halle a. d. S. an
bis Hessen (und wohl noch weiter) überall
die Kartoffeln, Bohnen und Gurken, natür-
lich auch viele Blumen. Die Kartoffeln und
Gurken haben sich fast überall so erholt,
dass sie gute Ernten gaben, Kartoffeln so-
gar so ausgezeichnet wie seit zwanzig Jah-
ren nicht mehr, aber die Bohnen konnten
sich bei der grossen Trockenheit nicht mehr
61
somit für die Wissenschaft gewinnen. —
Thurber war Mitglied der Commission, die
von der Regierung beauftragt war, jene
Region zu durchforschen. Nach seinen Be-
richten bildet dieser Cereus dicke, durchaus
gerade Säulen mit wenigen candelaberför-
migen Aesten, oder auch ohne jede Veräste-
lung, die höchsten Exemplare hatten 40—45
Fuss Höhe, die kleinsten blühenden Exem-
plare waren nicht unter 10 Fuss hoch; die
verhältnissmässig sehr kleinen weisslichen
Blüthen sitzen oben unterhalb des Gipfels,
die 2 Zoll langen Früchte enthalten ein
scharlachrothes fade süssliches breiartiges
Fleisch und zahlreiche kleine Samen. Die
Eingeborenen sammeln die an der Sonne
getrockneten Früchte als geschätztes zucker-
kaltiges Nahrungsmittel. (Taf. 1600.)
(E. O.)
Notizen.
erholen und wurden vollends durch die mas-
senhaft auftretenden rothen Spinnen (die-
selbe, welche trockene Glashäuser so ver-
wüstet) zu Grunde gerichtet. Auch die
schwarze Fliege (Thrips haemorrhoidalis),
welche sonst nur in trockenen Warmhäu-
sern schädlich wird, zeigte sich an vielen
Pflanzen im Freien. Die weissen Schmetter-
linge (Kohlweisslinge) flogen so massenhaft,
wie man sich kaum zu erinnern weiss und
die Raupen vernichteten die Kohlernten. Wo
man aber dieselben zerstörte, bildete sich
wegen gänzlich mangelndem Regen doch
kein Kohlkopf, daher ist auch unser belieb-
tes Sauerkraut jetzt ein seltener Luxusarti-
kel. Wunderbar schön gediehen die Lev-
cojen, welche eine Bewurzelung hatten, wie
ich sie noch nie vorher sah, und ohne Auf-
hören — trotz der Hitze — bis zum ÖOcto-
ber fortblühten, dabei sich zu breiten Bü-
schen ausbildeten. Die Erdflöhe wütheten,
wie ich es noch nie sah, zerfrassen grosse
hartblätterige Kohlstauden und in einigen
Tagen sämmtliche Reseda. J.
62
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
WW. Literatur.
1) Karsten, die Geschlechtsthätigkeit der
Pflanzen. Besonderer Abdruck aus den
Annalen der Landwirthschaft. —
Eine höchst klare und interessante Dar-
stellung der Befruchtung der Pflanzen, wel-
che diese Vorgänge bei den einfacheren und
vollkommneren Pflanzen bespricht und durch
beigegebene Holzschnitte erläutert. —
(E. R.)
2) R. W. A. Wörmann, der Garten-Inge-
nieur. VI. Abtheilnng. Die Circula-
tionswasserheizungen. Berlin
1865 bei Ernst Schotte & Comp. —
Eine vorzügliche Darstellung des Syste-
mes der Wasserheizung, der Grundsätze,
auf denen jede Wasserheizung beruht und
all der verschiedenartigen Constructionen,
welche bei Wasserheizungen vorkommen,
so der Einrichtung der Feuerung, der ver-
schiedenartigen Constructionen der Kessel,
der Röhrensysteme und deren Verbindung,
der Ventile und Krahnen ete. Da bei dem
Bau der Wasserheizungen für Gewächshäu-
ser noch vielfach gefehlt wird, so empfehlen
wir dieses Buch allen denen, die in derar-
tigen Einrichtungen noch nicht vollkommen
erfahren sind, um sich vor verfehlten Ver-
suchen zu schützen. Die in Gewächshäu-
sern noch am häufigsten angewendete Was-
serheizung mit offenen Reservoiren ist merk-
würdiger Weise nicht besprochen. —
(E. R.)
3) Gloger, Schutz der nützlichen
Thiere,
Je mehr wir die Naturgeschichte der
schädlichen Insekten kennen lernen, je mehr
müssen wir einsehen lernen, dass alle un-
sere Massregeln zur Abwehr derselben, um
so weniger helfen, je kleiner die Feinde
sind, die wir bekämpfen. Der letzte Grund
der Ueberhandnahme dieser schädlichen
Thierchen liegt aber in der Vertilgung der
nützlichen Thiere. Zu diesem Zwecke em-
pfehlen wir unsern Lesern die Schriften Dr.
Glogers, nämlich: Ermahnung zum Schutz
nützlicher Thiere, — die nützlichsten Freun-
de der Landwirthschaft, — und die Hegung
der Höhlenbrüter. — (E. R.)
V. Personalnotizen und Neuestes etc.
1) Dr. John Lindley, einer der um
den Gartenbau hochverdientesten Männer
unserer Zeit, der berühmte Monograph der
Orchideen, der Herausgeber von Botanical
Register, Paxton’s Flower Garden und spä-
ter Gardeners Chronicle, der Verfasser von
„Theorie der Gärtnerei“ ist gestor-
ben. —
Wir behalten uns vor eine einlässlichere
Biographie über denselben zu geben.
2) Roezl und Besserer hatten zur
Importation von lebenden Pflanzen nach
Europa, in Mexico einen Handelsgarten ge-
gründet. Leider ist dieses Geschäft aber
schon seit einiger Zeit eingegangen. Es
dürfte aber manchen unserer Leser interes-
siren, zu erfahren, dass Roezl jetzt Päch-
ter einer Plantage in Mexico ist und nur
das, was er zufällig von Zeit zu Zeit sam-
melt, nach Europa sendet.
Besserer aber, der nicht Gärtner,
sondern Buchhändler ist, hat seit Roezl’s
Austritt die Handelsgärtnerei gleichfalls auf-
gegeben.
VI. Russischer Gartenbau-Verein.
63
VI. Angelegenheiten des Russischen Gartenbau-Vereins
in St. Petersburg.
Sitzung am 14. (2.) October 1865.
.1) Es wurde der Versammlung ein kur-
zer Bericht über die im Frühjahr gewesene
Blumenausstellung vorgelegt. Die Ausga-
ben beliefen sich auf 10,560 R., namentlich
9360 für die Einrichtung der Ausstellung
und 1200 für die ertheilten Medaillen. Die
Einnahme belief sich auf 8,851 R., so dass
der Verein durch die Ausstellung einen Ver-
lust von eirca 1700 R. zu tragen hat. —
Der Präsident wies auf die Verhältnisse
hin, welche der Grund zu einem so uner-
freulichen Resultate waren, nämlich auf das
Zusammenfallen der Ausstellung mit der
Trauer über das frühe Hinscheiden des vom
ganzen Volke innig verehrten Throntolgers,
äusserte dabei aber die Hofinung, dass sich
vielleicht Mittel werden auffinden lassen,
das Deficit zu decken.
2) Die kaiserl. freie ökonomische Ge-
sellschaft erliess an den Verein die Auffor-
derung Deputirte zu dem Congresse russi-
scher Landwirthe, welcher bei Gelegenheit
des 100jährigen Jubiläums der ökonomi-
schen Gesellschaft berufen war, abzuordnen.
Als Deputirte wurde auf Vorschlag des Vor-
standes die Herren Dr. Regel, M. A. Aga-
monow und P, J. Wolkenstein erwählt.
3) Das Departement für Landwirth-
schaft erliess an den Verein die Aufforde-
rung sich an der im Jahre 1867 in Paris
stattfindenden internationalen Ausstellung zu
betheiligen. Da aus dem Gebiete des Gar-
tenbaues nur das Gemüse mit im Program-
me aufgenommen ist, so wurde der Gemüse-
gärtner H. Gratschew, als Mitglied des Vor-
standes ersucht, sein Möglichstes zu thun,
um die in und um Petersburg thätigen Ge-
müsegärtner zu bewegen, reiche Einsendun-
gen für die Ausstellung vorzubereiten.
4) In Folge Allerhöchster Bestätigung
eines in Poltawa neu constituirten Vereins,
der auch den Gartenbau mit in den Bereich
seiner Thätigkeit gezogen hat, wurde be-
schlossen, mit demselben in Verbindung zu
treten, einen Austausch der Schriften vor-
zuschlagen und die Hoffnung auszusprechen,
dass ein beiderseitiges Entgegenkommen
nicht ohne fruchtbare Resultate für die
gemeinschaftlicken Zwecke bleiben wird.
5) Es wurden der Versammlung ver-
schiedene Werke vorgelegt, die als Geschenk
dem Vereine übersandt waren; unter ihnen
befanden sich einige Werke von Hrn. Thie-
leus und Carriere.
6) Als zahlende Mitglieder wurden be-
stätigt: M. J. Bestzew, E. J. Winterkalter,
P. P. Gardejew, D. J. Janikow, N. E. Er-
ler. —
7) Der 1. Secretär, H. v. Wolkenstein,
legte der Versammlung einen Bericht über
eine Reise nach Moskau vor, die er im verflos-
senen Sommer gemacht, um die dortige Blu-
menausstellung zu besuchen.
8) Herr Gratschew theilte der Versamm-
lung interessante Angaben über den Ertrag
der verschiedenen von ihm in diesem Jahre
gezogenen Gemüsearten und über die Markt-
preise derselben mit.
9) Dr. Regel zeigte der Versammlung
ein blühendes Exemplar der Lapageria ro-
sea R. et P. vor und machte einige Mitthei-
lungen über diese Pflanze, die im Kaiser].
botan. Garten gezogen war.
10) Hr. Tschernjajew wies auf den Man-
gel eines gründlichen Handbuches für Ge-
müsebau und Gartenbau in russischer Spra-
che und äusserte die Meinung, dass es viel-
leicht zweckmässiger wäre, statt des in rus-
sischer Sprache erscheinenden Journals des
Vereins, Handbücher herauszugeben, die dem
Bon Jardinier oder dem Gartenkalender
64
Koch’s entsprechend den Verhältnissen Russ-
lands angepasst wären. Es wurde beschlos-
sen, die angeregte Frage zu einer vorläufi-
Wi
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
gen Ausarbeitung dem Vorstande zu über-
tragen und Hr. Tschernjajew wurde ersucht,
an den Berathungen sich zu betheiligen.
Sitzung am 21. (9.) October 1865.
1) Der 1. Secretär legte der Versamm-
lung ein kurzes Referat über die Resultate
der Anzucht verschiedener Gemüsearten vor,
welche im Garten der Petrowschen land-
wirthschaftlichen Academie bei Moskau
durch Herrn Schröder, Obergärtner, erzielt
waren.
Hr. Gratschew äusserte bei der Gele-
genheit die Meinung, dass die im Laufe ei-
nes Sommers erzielten Resultate nicht als
entscheidend anzusehen sind und dass die
Anzucht russischer Sorten nicht vernachläs-
sigt werden darf, dass die Localität, in der
die Samen gezogen werden, oft einen we-
sentlichen Einfluss auf die aus ihnen gezo-
gene Pflanze haben; so seien Gurken, die
aus echten in Muroma erhaltenen Samen
gezogen werden, nie bitter.
2) Zu dem vom Vereine ausgeschriebe-
nen Concurse für Conserven war eine Sen-
dung aus Rjbinsk eingetroffen.
3) Für die zur Monatsausstellung ein-
gesandten Gegenstände waren folgende Prä-
mien ertheilt worden: Hrn. Sewerin —
für ausgezeichnetes Gemüse eine kleine
goldene Medaille, Hrn. Nouvel — für aus-
gezeichnete Cultur einer im Topfe stehenden
reich tragenden Weinrebe — eine grosse
silberne Medaille, Hrn. Andruschenkow
— für Erdbeeren — eine grosse silberne
Medaille, Hrn. Ferstatt — für Odonto-
glossum grande — eine kleine silb. Med.,
Hrn. Rochel — für Oneidium flexuosum
und Laelia anceps — eine kleine silb. Med.
Herrn Lorgus — für Lilium auratum —
eine kleine silberne Med., Hrn. Skaromny
— für verschiedene Sommerpflanzen in Blü-
the — eine broncene Med. — Ueber die
ausgestellten und prämirten Gegenstände
wurden von den Exponenten verschiedene
interessante Mittheilungen gemacht.
4) Hr. Brecht, Mitglied des Vereins
hatte dem Vereine ein Päckchen Sommer-
levcoje aus Saratow übersandt, die unter
den Mitgliedern vertheilt werden sollten.
5) Als zahlende Mitglieder wurden ge-
wählt A. S. Gorkowenka, J. A. Greig, P.
W. Karnakow, A. N. Mitzkewitsch, Fürst E.
A. Uchtomrky, N. A. Jasjkow.
I. driginalabhandlungen.
1) Abgebildete Pflanzen,
a) Daphne Genkwa Sieb.
et Zucece.
(Siehe Tafel 499.)
Daphnoideae
D. Genkwa Sieb, et Zuce. fl. jap. 1.
pag. 137. tab. 75. — Meisn. in D, C.
prodr. XIV. pag. 531; Foliis oppositis
lanceolatis, junioribus ramulisque sericeis;
faseiculis 3—7 floris; calyce sericeo-vil-
loso, lobis ovatis obtusis tubo dimidio
brevioribus; ovario villoso. —
Ein niedlicher kleiner 2—3 Fuss
hoher, stark verästelter Kalthausstrauch,
aus den Gärten Japans von C. Maxi-
ınowicz in neuerer Zeit lebend in Eu-
ropa importirt. Die hübschen lilafarbe-
nen duftenden Blumen erscheinen im April
vor der Entwicklung der Blätter, in 3—7
blumigen fast sitzenden Bündeln, längs
der blattlosen Aeste.
Cultur im Kaltbause in Heide- oder
UL 1866.
Lauberde, zu der etwas lehmige Erde
beigemischt wird. Vermehrung vermit-
telst Veredlung auf D. Mezereum, Lau-
reola etc.
Ist mit D. Fortonei Lindl. (Flore des
serres tab. 268) nahe verwandt und ver-
dient gleich dieser allgemeine Cultur im
niediigen Kalthause.
(E. R.)
Erklärung der Tafel.
a. Blumenkrone mit aufgeschlitzter Blu-
menröhre, dem Fruehtknoten und den
mit der Blumenröhre theils verwachsenen
8 Staubfäden. b. Der Fruchtknoten,
Griffel und Narbe. a. u. b. vergrös-
sert.
66
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
bp) Hemerocallis fulva . var Kwanso.
(Siehe Tafel 500.)
Liliaceae
H. fulva L. spec. 462. — Knth.
emun, IV. 488.— Bot. Mag. tab. 64. —
Red. Lil. tab. 16. —
Unter den von Siebold aus den Gär-
ten Japans eingeführten Pflanzen, be-
findet sich jetzt auch in den Gärten des
Continents eine Hemoerocallis, unter
dem Namen H. Kwanso flore pleno.
Es ist das eine Abart unserer gemeinen
H. fulva L., einer der ältesten Bewoh-
ner unserer Gärten, — mit gefüllten
Blumen und Blättern, die meist mit
weissen silberfarbenen Streifen gezeich- |
cd Anthurium pedatifidum Rgl
net sind. Die H. fulva ist in dem gan-
zen kalten gemässigten Gürtel Europas
und Asiens zu Hause und geht selbst
bis Japan. wo die beistehend abgebildete
Form, vielfach in den dortigen Gärten
eultivirt wird. Dieselbe ist als eine
wirklich schöne perennirende Pflanze
zu empfehlen, die noch in Petersburg
ohne alle Deckung im freien Lande
ausdauert. Gedeihet in jedem Garten-
boden und blühet im Juli. Vermehrung
durch Theilung, — (E. R.)
etLinden.
(Siehe Tafel 501.)
Aroideae
Affıne A. pedato - radiato
(Prodr. Ar. pag. 539. Grex. 27. Schizo-
pleurum). Subacaule, petiolis elongatis
teretibus, esulcatis, geniculo tereti ab-
breviato; fol. laminibus magnis , eircuitu
reniformi-subrotundis, ultra medium pal-
mato 9—11 fidis: lobis anguste lanceo-
latis, acuminatis. omnibus integris, inter-
mediis rectis, lateralibus falcato-incurvis;
eostis 5 intermediis et basin liberis, basi-
laribus basi eoncretis; pedunculo petiolo
subduplo breviore; spatha coriacea, vi-
Schott. | dete Anthurium,
das zur Abtheilung
Schizopleurum (Schott Prodr. Ar.
pag. 538) gehört, und mit A. pedato-
radiatum Schott (l. ce. pag.539) zunächst
verwandt ist, aus den reichen Samm-
lungen des Herrn J. Linden in Brüssel
erhalten, der solches, soviel uns be-
kannt, aus Brasilien einführte. Dasselbe
gehört zu den stengellosen Arten vom
Wachsthum des A. pseudo-podophyllum
Schott. (A. membranuliferum Hort.)
Es ist durch die kürzere knieförmige
ridi. anguste lancevlata, acuminata, fal- | Anschwellung an der Spitze des Blait-
cata; spadice subeylindrico recto, spatha | stiels, durch die bis zum Grunde freien
breviore, fusco purpureo colorato. —
5 mittleren Blattrippen und durch nur
Wir haben das beistehend abgebil- | 9—11 lappige Blätter von A. pedato-ra-
I. Originalabhandlungen.
diatum Schott verschieden. Von letzte-
rem sind Blumen noch nicht bekannt,
so dass auch im Blüthenstand sich noch
fernere Unterschiede finden dürften. —
Die in Rede stehende Pflanze „ist
eine der ansehnlichsten Arten“, die Blät-
ter unseres noch jungen Exemplares
halten doch schon bis 11/;, Fuss im
Durchmesser, die Blattstiele sind mehr
als ein Fuss lang und die Blumen sind
dunkelbraunroth gefärbt. Die mächtigen
lederartigen Blätter besitzen eine helle,
glänzend grüne Farbe.
Ist ein würdiger Rivale von A. pseu-
67
dopodophyllum und podophyllum, scheint
noch üppiger als beide zu wachsen und
ist als eine ganz vorzüglich schöne und
auch haltbare Decorationspflanze fürs
Warmhaus und Zimmer zu empfehlen.
Befindet sich noch im Alleinbesitz des
Herrn Linden. Unser Exemplar ent-
wickelte im September seinen ersten
Blüthenstand. —
a. Die Pflanze verkleinert. b. Der
Blüthenkolben in natürlicher Grösse.
c. Eine Blume von oben, vergrössert.
d. Ein Theil des Blatttes in natürlicher
Grösse. (E. R.)
2) Besprechung einiger neuer Pflanzen.
a) Caliphruria Hartwegiana|in den Gärten verwechselt wird, unter-
Herb. (Herb. in Bot. Reg. 1844. mise.
Nr. 83.) — Knth. enum, IV pag. 692). —
Amaryllideae, — Ein Zwiebelgewächs
aus Neugranada, das im Habitus der
Gattung Eucharis nahe kommt, Biumen-
krone weiss, röhrig, mit ausgebreitetem
6theiligem Saum, dessen 3 äussere
Blättehen linear-lanzettlich, dessen in-
nere aber etwas breiter. Eigenthümlich
sind die der Röhre verwachsenen Staub-
fäden, von denen jeder oberhalb der
Einfügungsstelle breit und in 2 linear-
pfriemliche Lappen ausgeht, zwischen
denen der fädliche Träger steht. Anthe-
ren linear, auf dem Rücken befestigt. —
Blätter länglich-elliptisch , ziemlich dick
und lang gestielt. Der Blüthenschaft
weiss bereift, trägt auf der Spitze die
mehrblumige Blumendolde, deren ein-
zelne Blumen von einem ungefähr 6
Linien langem Stiel getragen werden.
Linien - lanzettliche häutige Bracteen
stützen die Blumendolde. — Von Cali-
prora, mit welcher diese Pflanzengattung
scheidet sich solche durch von einem
fädlichen Träger gestützte und nicht
sitzende Antheren. Bei Eucharis, die noch
näher verwandt, ist der breite Grund
der Staubfäden in eine corona verwach-
sen. Ein empfehlenswerthes Zwiebel-
gewächs fürs Warmhaus. Blühet im
December und Januar. Der Geruch
der Blume ist sehr angenehm.
(E. R.)
b) Duranta Plumieri Jacg.
var. fol. aureo-variegatis.— Ver-
benaceae. Es liegt uns aus dem Garten
des Herrn Winterstein in Alexan-
drien die Abbildung und einige Blätter
einer buntblätterigen Duranta vor, die
Hr. Winterstein, D.Branitzki genannt
hat. Nach dem uns zu Gebote stehen-
dem Material, halten wir solche für eine
der vielen Formen von D. Plumieri, da
solche kahle zugespitzte und oberhalb
des Grunde> scharf gezähnte Blätter, so
wie achselständige Trauben blauer Blu-
men besitzt, die an der Spitze des
5%
68
Zweiges rispenartig zusammengedrängt |
sind. Die Blätter sind auf der Scheibe
glänzend goldgelb gefärbt mit unregel-
mässiger grüner Randung. Es macht
diese, noch im alleinigen Besitz des
Hrn. Winterstein befindliche Pflanze,
unzweifelhaft eine brillante Erscheinung
durch die lebhafte Färbung des Laubes
und dürfte solche daher bald als schöne
decorative Warmhauspflanze, sich in
unsern Gärten verbreiten. Im Klima
Aegyptens bildet solche einen im Sommer
mit Massen von blauen Blumen prangenden
Bosquetstrauch. In unsern Warmhäu-
sern gehört es aber zur grossen Selten-
heit, wenn eine Duranta zur Blüthe
kommt. —
Wir wollen noch bemerken, dass
diese Duranta, von der in letzter Zeit
als D. Baumgartneri in unsern Gärten
verbreiteten Pflanze verschieden ist, so-
wie dass Hr. Winterstein bereit ist, die-
selbe irgend einem Handelsgarten Eu-
ropas zum Verkauf und zur Verbreitung
zu überlassen. —
Hr. Winterstein war früher Gärtner
bei Said Pascha, jetzt ist er Eigenthü-
mer einer Handelsgärtnerei Alexandriens,
Von seltenen tropischen Pflanzen kann
man von demselben Samen zu billigen
Notirungen beziehen und wird solcher
sein Samenverzeichniss jedem darum
Bittenden gerne zusenden. (E. R.)
e) Acontias diversifolius Rgl.
et Linden. So nennen wir eine Aroi-
dee mit knolliger Wurzel, die wir als
Dracontium spec. von unserm geehrten
Freunde, Hrn. Linden empfangen. Das-
selbe zeichnet sich durch die wechselnde
Form der wurzelständigen Blätter aus,
die bald einfach und aus herzförmigem
oder fast speerförmigem Grunde oval und
etwas zugespitzt, — bald am Grunde
2 fast ohrförmige Seitenblättchen tragen,
bald 3theilig mit nur am Grunde ver-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
wachsenen Blättern werden, — bald
endlich ein fussförmig getheiltes 5 blätte-
riges Blatt darstellen, dessen Blättchen
länglich-oval oder länglich - lanzettlich,
dessen Mittelblättchen sitzt und wo die
beiden Seitenblättchen sich am Grunde
in ein gemeinsames Blattstielchen ver-
schmälern.
Der allgemeine Blattstiel ist gestreift,
unter der Lupe mit sehr kurzen papil-
lenförmigen Härchen besetz!, grün und
am Grunde bleifarben oder mit unter-
brochenen bleifarbenen Strichen ge-
zeichnet. Die Röhre der Blüthenscheide
grün, fast kugelig aufgeblasen und den
untersten weiblichen Theil, sowie den
folgenden sterilen Theil des Kolbens
umschliessend, während der oberste die
männlichen Blumen tragende Theil her-
vorragt und fast so lang als die gelb-
grüne länglich-elliptische Platte der
Scheide ist.
Ist nahe mit dem in der Flora Flu-
minensis (tab. 104 tom. IX) abgebildeten
Arum pentaphyllum verwandt. Letzte-
ist aber mit nur 5blätterigen Blät-
tern, mit einem vor dem Rande der
Blätter hinlaufenden Nerven (die Nerven
unserer Pflanze anastomosiren vor dem
Rande) und mit weniger stark aufgebla-
sener Köhre der Blüthenscheide abge-
bildet. Wenn wir nun deshalb unsere
Pflanze nicht mit dem A. pentaphyllus
Schott der Flora Fluminensis vereini-
gen können, so halten wir es dennoch
für möglich, dass sie zu diesem gezogen
werden müsste da ausser der man-
gelhaften Abbildung von letzterer Art
nichts Näheres bekannt ist. Auch
sind die den Blüthenstiel umgeberden
Blätter stets 5blätterig und der starke
Nerv vor dem Rande der Blätter kann
auf der erwähnten Abbildung überhaupt
Folge der rohen Art, mit der die Zeich-
nungen dieses Werkes angefertigt sind,
res
I. Originalabhandlungen.
69
sein. — Bildet bis 1!/, Fuss hohe Blät- | ceolatis; pedieellis gracilibus, eirciter bi-
ter, ist im tropischen Amerika zu Hause
nnd wird ähnlich wie andere im Winter
zurückziehende Aroideen mit knolliger
Wurzel behandelt. — (E. R.)
d) Oeceoclades falcata Thbg.
Orchideae. Caulescens, humilis; fo-
liis distichis, canaliculafis, lineari-ensi- | jap. pag. 26. —
polliearibus ; sepalis petalisque oblongis,
recurvato-palentibus; labell oblongo,
eucullato, leviter trilobo, lobis lateralibus
brevibus dentiformibus, basi in calcar
eurvatum subfiliforme eireiter bipollicare
exeurrente. — Orchis faleata Thbreg. fl.
Limodorum falcatum
formibus, acutis; racemis axillaribus, la- | Thbrg. ie. pl. jap. tab. 6. —
xis, paucifloris, folia saperantibus; brac-
| Die Orchidee, von der der beiste-
teis brevibus, membranaceis, lineari-lan- | hende Holzschnitt die Abbildung giebt,
blühete in dem Garten des Dr. Lauren-
tius in Leipzig. Dieselbe stammt aus
Japan und dürfte in Deutschland sich
nur im Garten des Dr. Laurentius
finden.
| Dr. Laurentius hatte die Freundlich-
| keit, uns die beistehende Abbildung, be-
| gleitet von interessanten Bemerkungen
| zuzusenden. Die genaue Untersuchung
| zeigte, dass solche zur Gattung Oeceo-
70
clades Lindl. (Lindl. gen. et spec. Or-
chid. pag. 233) gehört, eine zur Gruppe
der Vandeen gehörige Gattung, die mit
Angraecum zunächst verwandt ist, von
Angraecum sich aber noch durch die
kappenförmig gehölte Lippe mit 2 seit-
lichen flachen Lappen unterscheidet.
Unter den von Lindley beschriebenen
Arten, steht solche der Oeceoclades fal-
cata (Dec. falcata /Lindl. nee Thbrg. gen.
et spec. pag. 235. — Limodorum fal-
catum Bot. Mag. tab. 2097.) zunächst,
welche in China heimisch und die so-
wohl nach Lindley’s Beschreibung, wie
auch noch der citirten Abbildung, sich
durch achselständige einblumige
Blüthenstiele, die nebst der
Blume kürzer als die Blätter,
von unserer Pflanze sofort unterscheidet.
Dagegen ist unsere Pflanze mit Orchis
faleata Thbrg. fl. jap. identisch, einer
Pflanze von der Thunberg später in
seinen Abbildungen der Flora japonica
unter dem Namen Limodorum fal-
catum eine gute, mit unserer Pflanze
ganz übereinstimmende Abbildung giebt,
eine, wie es scheint, Lindley unbekannt
gebliebene Abbildung. —
Da nun Lindley den Namen Oeco-
clades falcata schon für die ver-
wandte aus China stammende Art mit
einblumigen Blüthenstielen verwendet
hat, so nennen wir diese zuerst von
Thunberg beschriebene Pflanze, nach
ihrem ersten Entdecker. —
Nach dem allgemein gültigen Gesetz
der Priorität haben wir der in Rede
stehenden Orchidee, den von Thunberg
gegebenen Trivialnamen gelassen. —
Die von Lindley O. falcata ge-
nannte Pflanze, muss in Folge dessen
einen neuen Namen erhalten und als
solchen schlagen wir O. Lindleyi vor.
Die Diagnose zwischen beiden Arten
würden lauten:
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Oeceoclades faleata Thbrg.—
Vergl. die oben gegebene Diagnose und
Synonymie. Vrtld. Japan. —
ODeceoclades Lindleyi. Blumen
auf einblumigen langen Blüthenstielen
achselständig. — O. falcata Lindl. gen.
et spec. Orch. pag. 235. — Limodo-
rum falcatum Bot. Mag, tab. 2097. (nec.
Thbrg.). —
Vrtid. Japan. — Lindley zitirt als
ferneres Synonym Angraecum fal-
ceatum Lindl. Colleet. bot. tab. 15.—
Auf jener Tafel ist aber A. maculatum
abgebildet und auch im Text, wie über-
haupt im eitirten Werke, findet sich
nichts über A, faleatum. — Schliess-
lich wollen wir noch eine Bemerkung
machen. Es will uns nämlich scheinen,
dass Lindley, die von ihm beschriebene
O. faleata, nur nach der Abbildung des
Botanical Magazine kannte. Es könnte
nun recht wohl sein, dass diese Abbil- .
dung nur eine unrichtige Darstellung
des Blüthenstandes giebt, und dann
würde auch O. falcata Lindl. zur Pflanze
Thunbergs gehören. —
Die O. falcata Thbrg. bildet einen
kurzen I—2!/, Zoll hohen Stengel, der
mit zweizeilig stehenden gekielten linear-
schwertförmigen spitzen 2—4 Zoll lan-
gen Blättern dicht besetzt ist. Aus
einer der Blattachseln erhebt sich ein
1—21/, Zoll langer Blüthenschaft, der in
einer losen Traube, 3—8 Blumen trägt.
Am Grunde der bis 2 Zoll langen dün-
nen Blüthenstielchen stehen kleine häu-
tige linear-lanzettliche Bracteen, ausser-
dem auch einzelne am Blüthenschaft
und am Grund desselben eine scheidige
oben schief abgestutzte Bractee. Die
Blumen besitzen eine rein schneeweisse
Farbe, nur die Spitze der Griffelsäule
ist heilgelb, und zeichnen sich ausser-
dem durch einen köstlichen, den Mai-
blumen ähnlichen Geruch aus. Kelch-
I. Originalabhandlungen.
und Blumenblätter etwas zurück ge-
krümmt abstehend, länglich, spitzlich,
ungefähr 1/, Zoll oder etwas weniger
lang. Die gehölte Lippe gleichfalls
länglich und so lang als die Blumen-
blätter, nahe dem Grunde beiderseits
je einen kurzen zahnförmigen Lappen
tragend. Am Grunde geht die Lippe in
einen fast 2 Zoll langen fädlichen ge-
krümmten Sporn aus.
Thunberg gibt als Standort für diese
Pflanze die Gebirge bei Nagosaki an,
wo solehe an der Erde zwischen Sträu-
ehern wachsen soll. Er. C. Maximowiez
sah solche aber in Japan nicht wild,
sondern nur in Cultur und vermuthet,
dass solche von einer den Inseln süd-
lich von Japan stamme. Die Japanesen
eultiviren solche in 1'/, zölligen kleinen
Töpfehen in Moos und halten nach Mit-
theilung des Hrn. Maximowiez für die-
selbe noch ziemlich hohe Preise. Nach
der Wurzelbildung zu schliessen, wächst
solche auf den Stämmen anderer Pflan-
zen. —
flr, Dr. Laurentius, bei dem diese
Pflanze zum ersten Male in Europa
blühete, theilte uns freundlichst über
die bei ihm befolgte Culturmethode das
Folgende mit:
1
„Im warmen Gewächshause mit den
andern Vanda-Arten cultivirt, kommt
dieselbe nicht zur Blüthe. Ich halte
solehe an der kühlsten Stelle meines
temperirt warmen ÖOrchideenhauses, wo
im Winter nur eine Temperatur von
7° R. unterhalten wird,“
Nach Dr. Laurentius besitzt auch
Linden diese merkwürdige, ebenso ei-
genthümliche, wie durch den Wohlge-
ruch der weissen Blumen empfehlens-
werthe Art und hat ihr vorläufig den
Namen Vanda pulchella beigelegt.
Ausser der beistehend wiedergege-
benen Abbildung, die nach der lebenden
Pflanze in natürlicher Grösse in Leipzig
gemacht ward, lagen uns zahlreiche
getrocknete Exemplare vor, die Hr. C.
Maximowicz aus Gärten Japans einlegte.
Die Gärtner Japans nennen solche Fu-
Rang. (Winter-Orchidee). Wir sahen
Exemplare mit 4 Zoll langen Blättern
und 2 gleichzeitig entwickelten Blüthen-
ständen, jeder mit 7—8 Blumen. Es
dürfte diese Orchidee deshalb zu den
'schätzbarsten Einführungen aus Japan
gehören. (E. R.)
a
3) Die Wirkungen des Winters von 186364 in dem Pinetum zu
Muskau.
Schon öfter ist in diesen Blättern |um im Freien stehende Pflanzen gegen
über die Ueberwinterung zarterer Ge- | die Einflüsse des Winters zu schützen,
hölze im Freien gesprochen und dieser
Gegenstand ausführlicher behandelt.
Dass eine Akklimatisation der Pflanzen
im strengen Sinne des Wortes nicht
möglich ist, steht fest. ebenso, dass die
Mittel, welche wir anwenden können,
|
immer auf ein ziemlich geringes Maass
beschränkt bleiben werden. Unsere
Hauptaufgabe wird daher immer bleiben,
zu ermitteln, welche Pflanzen vermöge ihrer
Organisation im Stande sind, bei geringem
Schutze unsern Winter zn überdauern.
12
Den wesentlichsten Anhalt für die
Beantwortung dieser Frage bietet natur-
gemäss die Pflanzengeographie. Da
aber auch die Kenntniss dieser nicht
immer ausreicht, bleiben wir dieser
Frage gegenüber oft auf ein reines Ex-
perimental-Verfahren angewiesen, und
möglichst zahlreiche Versuche, an ver-
schiedenen Orten angestellt, werden am
meisten dazu beitragen, unsere Kennt-
nisse in dieser Beziehung zu vervoll-
ständigen.
Es wird daher auch vielleicht von
einigem Interesse sein, wenn ich in
Nachfolgendem specieller die Wirkungen
des letztverflossenen Winters im hiesigen
Pinetum bespreche, die um so eher für
maassgebend gelten können, als der
letzte Winter ein für die hiesige Gegend
ungewöhnlich strenger genannt werden
muss. Die lange andauernde, heftige
Kälte hat allerdings den ganz niedrigen
oder niedergelegten Pflanzen weniger
geschadet, da während der Dauer der-
selben der Boden durch eine dicke
Schneedecke geschützt war. Einzelnes,
was der Winter verschont hatte, hat
noch nachträglich durch die
Spätfröste gelitten.
Von den ächten Kiefern (Pinus) kön-
nen natürlich die auch im mittleren und
nördlichen Deutschland einheimischen
Arten und Formen unerwähnt bleiben.
Ebensowenig haben P. Cembra, P. au-
striaca, P. Pinaster und P. Pallasiana
gelitten. Pinus Laricio? Poir., ein von
der Küste des mittelländischen Meeres
stammender Baum, der durch seine fei-
nen und langen, etwas hängenden Na-
deln und seinen leichten, schlanken
Wuchs in der Jugend leicht kenntlich
ist, ist dagegen in einigen Exemplaren
bis zum Schnee erfroren; nur eins der-
selben, das gleichfalls getödtet schien,
hat trotzdem wieder ausgetrieben. Schon
starken
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
in früheren Wintern hatten sich die
Pllanzen dieser Species stets mehr oder
weniger zärtlich gezeigt, und somit wäre
wohl dieselbe als nicht geeignet zur
Cultur bei uns zu bezeichnen. Uebrigens
sollen nach mündlicher Mittheilung des
Herrn Hofgärtner Effner in München
die Bestände, aus grösseren Exemplaren
dieser Baumart in Italien gebildet, gra-
dezu unschön, und dieselbe auch in
landschaftlicher Beziehung keineswegs
empfehlenswerth sein.
In den deutschen Baumschulen und
Samenhandlungen wird diese Kiefer
ziemlich allgemein als P. Laricio oder
P. maritima, geführt; die in England
unter ersterem Namen verbreitete soll
eine andere und härtere sein. Zwei-
jährige Sämlinge von P. Larieio, die
aus der Elvaston-Baumschule bei Derby
von W. Barron stammen, und leicht mit
Nadelstreu umgeben waren, zeigen aller-
dings auch keine Spur eines durch den
Winter erlittenen Spadens, während
Sämlinge der vorigen, auf gleiche Weise
behandelt, stets theilweise und in die-
sem Winter fast sämmtlich zu Grunde
gegangen sind.
P. Laricio banatica Schenk und P.
Laricio calabrica Delam. ‚ die wir beide
durch den Professor Schenk in Würz-
burg erhielten, sind gänzlich unversehrt
geblieben. Ausser der Verschiedenheit
im Habitns spricht auch die entschieden
grössere Härte dafür, dass eine speci-
fische Zusammengehörigkeit dieser bei
den mit unserer P. Laricio zu bezwei-
feln ist.
P. Halepensis Pityusa (Stey.) die
aus der Baumschule von Ohlendorff in
Hamm stammt, hat nicht gelitten, wäh-
rend eine P. abehasica (Fisch.), die wir
früher durch den Prof. Schenk in Würz-
burg erhielten, und die nach Gordon
(The Pinetum) mit jener identisch sein
I. Originalabhandlungen.
soll, in dem viel gelinderen Winter von
1861—62 erfroren ist. P,. Halepensis
Ait, hält, wie mehrfache Versuche er-
geben haben, hier nicht im Freien aus.
Dreijährige Sämlinge von P. menspelien-
sis Hort. (pyrenaica Lap.) haben, durch
eine Nadelstreudecke geschützt, sich gut
gehalten,
Pinus Imeretina Booth Cat.,
neueingeführte, dreinadelige Kiefer, und
P. mandschurica Booth Cat., fünfnadelig,
sind, gänzlich ungeschützt, unversehrt
geblieben. P, gigantea Hort., eine uns
völlig zweifelhafte Species, mit langen,
hellfarbigen, zu 2 stehenden Nadeln,
die wir im vorigen Jahre in einem klei-
nen Exemplare erhielten, ist erfroren.
Die nordamerikanischen Arten: P.
inops, P. resinosa, P. mitis, P. Taeda,
P. rigida haben gar nicht gelitten, P. se-
rotina Mx., die in schönen, schon ziem-
lich starken Exemplaren vertreten ist,
und sich bisher stets vollkommen hart
gezeigt hatte, ist auch diesmal grössten-
theils gesund geblieben, nur sind die
obersten Spitzen des grössten Exempla-
res abgestorben. Ob dies sicher für
eine Wirkung der Kälte zu erklären ist,
muss ich allerdings dahingestellt lassen.
Die Härte von P. Strobus L. ist längst
genügend constatirt; von P. Strobus
compressa Hort. befanden sich jedoch
zwei Pflanzen im Arboretum, von denen
die eine die Nadeln gelblich gefärbt hat,
die andere gänzlich zu Grunde gegangen
ist. Auch hier scheint es aber zweifel-
eine
haft, ob der Frost überhaupt, oder we-|
nigstens als alleinige Ursache zu be-
trachten ist.
Die californischen Kiefern sind durch
P. ponderosa Dougl. und P. Lambertiana
Doug]. vertreten, welche beide durch
Einbinden mit Kiefernreisig etwas ge-
schützt waren, Letztere zeigte einzelne,
73
geblieben, erstere ist gänzlich unver-
sehrt. Beide scheinen daher hart zu
sein; namentlich wird die schöne P. pon-
derosa, die auch als P. Beardsleyi in
den deutschen Gärten vorkommt, wohl
ohne allen Schutz unsern Winter er-
tragen,
Pinus excelsa Wall. vom Himalaya,
die seit 4 Jahren im Freien steht, und
wie die vorige geschützt war, hat keinen
Schaden gelitten.
Von den Fichten (Abies) sind die
europäischen (A. excelsa mit: ihren For-
men) und die sämmtlichen nordamerika-
nischen bekanntlich vollkommen hart.
Ab. orientalis Poir., die früher nie ge-
litten hatte, zeigte einige Zweige mit
starkgebräunten Nadeln, die aber trotz-
dem ihre Knospen kräftig entwickelt
haben; bei A. obovata Led. war. dies
ähnlich aber schwächer der Fall.
Die Schierlingstanne (A. canadensis
Mx.) ist längst hier eingebürgert und
braucht daher kaum erwähnt zu wer-
den. Die ihr sehr ähnlichen A. Merten-
siana (?Lindl.) und A. Williamsonii Hort.
(beide wahrscheinlich identisch) waren
schon durch den vorletzten Winter be-
schädigt (vermuthlich weil sie damals
noch nicht genügend angewurzelt wa-
ren); der diesmalige Winter scheint ih-
nen jedoch keinen weiteren Schaden
zugefügt zu haben. A. Menziesii Loud.,
die namentlich auf den Sitcha- Inseln,
also im hohen Norden des westlichen
Amerika einheimisch ist, hat, so weit
sie über den Schnee herausragte, die
sämmtlichen Nadeln abgeworfen, die
Knospen haben aber trotzdem mit we-
nigen Ausnahmen wieder ausgetrieben.
A. Douglasii Lindl. aus Californien war
allerdings durch Umlegen von Kiefern-
reisig geschützt, steht aber ausnehmend
kräftig und wird wohl diesen Schutz ent-
gebräunte Nadeln, ist aber sonst gesund | behren können,
74 Gartenflora Deutschlands,
Von den Tannen (Picea) waren gänzlich
unversehrt: die einheimische, die nord-
amerikanischen, und die vom Altai und
Kaukasus stammenden P. Pichta und P.
Nordmanniana (von denen die erstere
selbst härter als unsere einheimische
P. pectinata sein soll.) Am Morgen des
26. Mai’s trat ein starker Spätfrost ein,
der ganz besonders den Tannen gescha-
det hat, indem er die schon ziemlich
entwickelten Triebe dieses Jahres ver-
nichtete. Am meisten haben hierdurch
die gemeine Weisstanne, sowie die übri-
gen europäischen und asiatischen Arten
gelitten, gar nicht dagegen die ameri-
kanischen.
Die aus Kleinasien stammende P. ci-
lieica Hort., nach Endlicher nur eine Form
der Weisstanne (P. peetinata leioclada
Endl.) zeigte keine Beschädigung durch
den Winter; allerdings war sie noch
klein und daher durch den Schnee ge-
deckt. DasGleiche gilt von den griechi-
schen P. Reginae Amaliae (pelopone-
sica Hort.) und P, Apollinis. Beide
fangen sehr früh, am ersten von allen
Tannen, zu treiben an, und es hatten
die austreibenden Knospen schon durch
die Fröste des ersten Frühjahrs etwas,
doch unerheblich, gelitten; durch den
erwähnten, letzten Frost sind die Triebe
fast gänzlich zerstört. Bekanntlich wer-
den P. cephalonica Loud. und P. (Ab.)
Apollinis Rauch. gewöhnlich für iden-
tisch gehalten, während Dr. v. Heldreich
(Gartenfl. X. 286.) die Identität beider
bestreitet. DiePflanzen, die wirunterbeiden
genannten Namen erhalten haben, schei-
nen übereinzukommen. Unsere P. ce-
phalonica waren durch Umlegung von
Kiefernreisig geschützt und haben über
Winter gut ausgehalten , später aber
ebenso, wie die vorigen, gelitten.
Die prächtige P. Pinsapo Loud., in
Spanien einheimisch, hatte bereits meh-
Russlands und der Schweiz.
rere Winter gut ertragen. Dieses Jahr
sind an sämmtlichen Exemplaren die
oberen Zweige stark beschädigt, und sie
werden den ihnen zugefügten Schaden
wohl schwer wieder verwinden,
Die kalifornischen Tannen sind, was
die Nomenklatur der Gartenpflanzen an-
betrifft, keineswegs recht klar. Im
Aprilhefte dieser Zeitschrift ist ein kur-
zer Aufsatz über dieselben nach A.Mur-
ray gegeben, doch ist hier, wie be-
kanntlich bei allen Coniferen, die Be-
stimmung kleiner Pflanzen sehr schwie-
rig. Alle hier vorhandenen waren durch
Umbinden mit Kiefernreisig geschützt.
Picea grandis A. M. Nr. 2650., die
wir aus den Flottbeeker Baumschulen
von J. Booth u. Söhne erhielten, wahr-
scheinlich dieselbe, dieLoud. (Arb,. brit.
IV, 2341.) beschreibt, und die von al-
len unserer einheimischen Tanne am
ähnlichsten ist, scheint die härteste zu
sein und möchte vielleicht ohne Schutz
unsern Winter aushalten. P. Parsonsi
Hort. angl., mit der eine P, grandis,
aus der Laurentius’schen Gärtnerei zu
Leipzig stammend, übereinkommt, hatte
sich in früheren Jahren stets sehr gut
gehalten, während diesmal die Nadeln
grossentheils gebräunt waren. P. ama-
bilis ? Murr., der vorigen äknlich, die
sich schon früher empfindlich gezeigt
hatte, hat fast alle Nadeln verloren,
doch haben die Knospen ungestört aus-
getrieben. P. nobilis Loud. und eine
P. amabilis, die aus der Elvaston-Baum-
schule bei Derby stammt, und von der
vorgenannten verschieden ist (? vielleicht
grandis Lamb.) sind unversehrt.
Die hier vorhandenen Lärchen sind
hart,
Die Cedern (Cedrus atlantica, C. Li-
bani und C. Deodara) waren mit Laub
umsetzt und haben sich gut gehalten.
Dass wir dieselben zu einer solchen
I. Originalabhandlungen.
Vollkommenheit bringen werden, wie
dies z. B. in der Rhein- und Weser-
gegend möglich ist, dürfen wir allerdings
kaum hoffen.
Cupressus Nutka@nsis Lamb. hat sich
auch in diesem Winter als völlig hart
bewährt. C. Lawsoniana Murr. war mit
Laub umsetzt, dürfte aber vielleicht
dieses Schutzes entbehren können. (Die
neu eingeführte, buntblättrige Spielart
scheint allerdings zärtlicher zu sein).
:C. funebris Endl., die, wie die vorige
geschützt, einige Winter überdauert
hatte, ist erfroren. Cryptomeria japo-
nica, in gleicher Weise behandelt, hat
nicht erheblich gelitten, wird sich aber
hier, im Freien stehend, doch wohl nie
zu schönen Pflanzen entwickeln.
Von Wellingtonia gigantea waren
hier 2 sehr schöne Exemplare vorhan-
den, die seit einigen Jahren im Freien
standen. Sie waren mit Bügeln 'über-
spannt, die dick mit Kiefernreisig über-
deckt waren, aber trotzdem haben sie
ihre sämmtlichen Seitenzweige bis zum
Stamme eingebüsst. Auffallender Weise
sind bei beiden die Gipfel und die die-
sen zunächststehenden kleinsten Zweige
gesund geblieben, und aus den Stäm-
men brechen überall neue Triebe her-
vor, eine mir nicht erklärliche Erschei-
nung, die in direktem Widerspruche mit
der allgemeinbekannten Erfahrung steht,
dass bei einem empfindlichen Gehölz die
obersten Spitzen stets zuerst leiden. Für
jetzt haben natürlich die Exemplare an
Schönheit wesentlich verloren, und wenn
sie sich auch vielleicht wieder erholen,
so ist doch unsere Hoffnung, diese
prächtige Conifere hier ohne Schutz
eultiviren zu können, bedeutend herab-
gestimmt,
Retinispora ericoides Sieb., aus Ja-
pan, hat auch diesen Winter ohne allen
Schutz sehr gut ertragen, nur sehr ver-
15
einzelte, kleine Zweige an der Nordseite
der Sträucher sind der Kälte unter-
legen. Von Chamaecyparis sphaeroidea
Spach, hat auch die buntblättrige Form,
die zuweilen für empfindlich gehalten
wird, nicht gelitten.
Von Taxodium distichum Rich, be-
finden sich in der Nähe des hiesigen
Schlosses 2 starke Bäumen von 36 Fuss
Höhe und 30 Zoll Stammdurchmesser,
die sich vollkommen unempfindlich gegen
die Kälte unserer Winter zeigen; die
kleinen Exemplare der Baumschule und
des Arboret’s leiden dagegen, trotzdem
sie geschützt werden, alljährlich an den
Spitzen der Zweige. T. sinense Nois.
war, wie bisher, auch diesen Winter
durch Einbinden mit Kiefernreisig ge-
schützt, hat sich aber stets so gut ge-
halten, dass dieser Schutz vielleicht über-
flüssig sein dürfte,
Von den ächten Thuja stand hier
ausser den längst als vollkommen hart
bekannten Th. oceidentalis. Th. plicata
und Th. Warreana nur Th. gigantea
Nutt., aus Nordwestamerika, seit längerer
Zeit im Freien. Die noch kleinen Exem-
plare waren über Winter durch Umbin-
den mit Kiefernreisig geschützt, und
haben sich gehalten, doch stehen sie
noch zu kümmerlich, um ein Urtheil zu
erlauben. Eine Th. plicata pendula,
welehe wir aus England erhielten, ist
etwas gebräunt, und scheint daher nicht
ganz so hart, wie die ächte Th. pli-
cata Don, zw Th. Menziessii
Dougl. ist erst jetzt in das Freie ge-
bracht.
Biota orientalis mit ihren zahlreichen
Formen undB, tatarica sind bekanntlich
etwas empfindlich unser Klima.
Sie waren zum Theil durch Einbinden;
theilweise gar nicht geschützt, der Fr-
folg ist aber bei allen derselbe gewesen,
d. h. einzelne. kleine Zweige der sonst
sein,
gegen
76
gesund gebliebenen Pflanzen haben durch
die Kälte gelitten. Eine Biota Wallichii,
die wir im vorigen Jahre aus der kgl.
Landesbaumschule zu Sanssouci erhiel-
ten,
andere, als B. Skinneri bezeichnet, ist
bis auf das alte Holz erfroren. B. pen-
dula Endl. ist, geschützt, gut geblieben.
B. Meldensis Laws. war mit Laub um-
setzt, da sie schon in früheren Wintern
stets gelitten hatte, ist aber trotzdem
zu Grunde gegangen.
Von den hier vorhandenen Juniperus-
Arten waren nur J. hemisphaerica Presl.,
aus Südeuropa, und J. recurvaDon, von
Nepal, mit Kiefernreisig gedeckt, die
sich beide gut gehalten haben. J. ri-
gida Sieb., aus Japan (syn: J. oblonga
pendula Hort.) mit gleichem Material
umbunden, ist, wie bereits früher, auch
dieses Jahr bis zum Schnee erfroren,
und es dürfte daher seine Cultur im
Freien hier aufzugeben sein.
Alle übrigen waren nicht geschützt.
J. Schottii, A. M. Nr. 2739 und J. mon-
golica Booth Cat. haben stark gelitten,
doch ohne gänzlich erfroren zu sein;
Juniperus squamata Don, aus Nepal, und
J. japonica Carr. aus Japan haben ein-
zelne Zweige verloren, sind aber sonst
gut geblieben. Von J. Oxycedrus sind
wenige kleine Zweige erfroren und die
bereits ausgetriebenen Knospen theil-
weise durch die Spätfröste beschädigt.
Eine ähnliche Beschädigung einzelner
Zweige zeigen: J. virginianaglauca und
J. virginiana fol. varieg. Als vollkom-
men hart haben sich, ausser den älte-
sten und verbreitetsten, als hart be-
kannten, bewährt. J. nana Willd. J. ru-
fescens Lk., J. thurifera H. b. Hal., J.
hispanica H. b. Hal., J. oblonga Bich.,
J. caesia H.Petrop., J. sphaerica Lindl.,
J. chinensis mas et. foem., J. Struthiana
hat, eingebunden. einige Zweige |
verloren, die Spitze aber behalten, eine |
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Rinz. Cat,, J. virginiana pendula Hort.,
J. sabinuoides, Gord. J. prostrata Pers.
Verhältnissmässig am meisten haben
die Taxineen durch den letztverflossenen
Winter gelitten. Taxus canadensis Willd.,
wie ebenso T. baccata und seine sämmt-
lichen Formen sind in den oberen Thei-
len stark beschädigt; am meisten T. b.
fastigiata Loud. (hibernica Hook.), T. b.
erecta Loud. und T. b. pendula (Dova-
stonii Hort.) Alte Taxus an geschützte-
ren Stellen des Parkes zeigen wiederum
keine Spur eines erlittenen Frostscha-
dens.
Taxus adpressa Knight, von den Ge-
birgen Japans, der schon einige Winter
beschützt ausgehalten hatte, war mit
Bügeln überspannt und stark mit Kie-
fernreisig überdeckt, ist aber trotzdem
erfroren.
Von den ebenso beschützten Cepha-
lotaxus ist C. drupacea gänzlich zu
Grunde gegangen, C. Fortunei starb,
C. coriacea Hort. Sanss. nur wenig be-
schädigt. Von €. pedunculata Sieb.
(Taxus Harringtonii Hort.) hat ein Exem-
plar unbeschützt ausgehalten. Torreya
nucifera, nur erst durch kleine Exem-
plare, die bedeckt waren, vertreten, hatin
den Spitzen gelitten.
Die Salisburien waren über Winter
unversehrt geblieben; erst die letzten
Spätfröste scheinen ihnen einigen Sche-
den zugefügt zu haben. Die Meerträu-
bel (Ephedra) haben den Winter aus-
gehalten.
Durchschnittlich besser als die Co-
niferen sind die Laubhölzer durch den
letzten Winter gekommen; auch auf
alle diese specieller einzugehen, würde
jedoch den Raum dieses Artikels weit
überschreiten.
G. Kirchner.
NB. Wir veröffentlichen diesen
Aufsatz unseres geehrten Freundes erst
I. Originalabhandlungen. 7;
jetzt, weil solcher zufällig verlegt wor- |reichen Freunde der Familie der Coni-
den war. Derselbe hat aber noch jetzt | feren, — (E. R.)
das gleiche Interesse für alle die zahl-
4) Anzucht der Verbenen aus Samen und eine Verbenen-
Aussaat,
Ausser meinen Special-Culturen von | Sommer auf freiem Feld nur langsam
Rosen und Nelken, beschäftige ich mich | entwickelten, bei alledem aber im Herbst
mit besonderer Vorliebe in der Anzucht | einen schönen und reichen Flor bildeten.
neuer Sorten von Petunien und Verbe- | Das Resultat dieser Samenaussaat ist
nen aus Samen. Die Verbena als eine | gewiss für manchen Blumenfreund und
unserer dankbarsten Freilandpflanzen all- | Gärtner interessant und gewährt ohn-
bekannt, wurde in den letzten 5 Jahren | gefähr folgenden Ueberbliek: von eirca
durch wahrhaft prachtvolle Neu-Züch- | 6000 Stück Sämlingen waren
iungen bereichert, und durch die be- | 250 mit italienisch gestreiften Blumen,
kannten italienischen gestreiften Sorten | 750 ,, blassrothen Färbungen,
entstand ein vollständigneues Geschlecht, | 400 ,„ dunkel- und scharlachrothen
das von den Blumenfreunden mit grosser Färbungen,
Freude aufgenommen wurde. 150 , weiss und weisslichen Fär-
Aber immer weiter wird die Vervoll- bungen,
kommnung solcher Modeblumen ange- | 800 ‚, blauen und dunkelblauen Fär-
strebt und gewiss nicht olıne Erfolg, bungen,
das beweist meine im vergangenen Jahre | 500 ,‚, lillaundaschblauen Färbungen,
gemachte grössere Aussaat von Verbe- | 500 ‚, diversen Grund und Zeich-
nen-Sämlingen, nungsfarben,
Um einen sichern Erfolg von meinen | 2000 ohne blumistischen Werth,
Verbenen- Aussaaten zu haben, bediene | 500 kamen nicht zur Blüthe,
ich mich auch hier künstlich befruchteten | 50 ausgewählte Prachtsorten.
Samens von den anerkannt besten | Aus den letztgenannten 50 ausge-
Sorten. wählten Prachtsorten sollen 12 Stück
Den Samen säe ich Ende März oder | der besten herausgenommen und dem
Anfang April in ein halbwarmes oder | Handel übergeben werden und erlaube
warmes Mistbeet, schliesse den Kasten | ich mir schon jetzt Blumenfreunde wie
8 Tage lang vom Licht ab, wodurch der | meine Collegen auf diese gewählte Col-
Keimungsprocess sehr befördert wird, | lection gefälligst aufmerksam zu machen.
später an Licht und Luft gewöhnt, wach- Blumenfreunde, welche gesonnen
sen die jungen Pflanzen kräftig vor- | sind, Verbenen aus Samen zu ziehen,
wärts, verweise ich auf meine darauf bezügliche
Von den gewonnenen Verbenen- | Annonce.
Samen-Pflanzen wurde circa ®/4 Acker | Bernhard Thalacker, Kunst- und Handels-
bepflanzt, die sich in den ungünstigen | gärtner in Erfurt.
78
5) Sanvitalia procumbens
Auf der grossen Ausstellung, wel-
che vom 9.— 17. September vorigen
Jahres in Erfurt abgehalten wurde, war
eine von vielen Tausenden wohl über-
sehene, aber gewiss von jedem Gäfrt-
ner mit Freuden begrüsste Erschei-
nung die Sanvitalia procumbens mit ge-
füllten Blumen. Diese Pflanzen standen
in Töpfen, und zeigten noch ihre ganze
Frische, während die Beete im Garten
des Ausstellers, Herrn Volkmar
Döppleb, Handelsgärtner in Erfurt,
schon verblüht waren. Die Pflanze ist
wirklich reizend. Die ganze Scheibe,
welche bei der Stammart schwärzlich ist,
hat sich in breite, schuppenartig über-
einanderliegende Blätter verwandelt, so
dass die Blumen einem Goldpanzer glei-
chen. Mir schien sogar, als sei die
Farbe ein lebhafteres Orangegelb ge-
worden. War schon die gewöhnliche
Sanvitalia eine überall gern gesehene
Blume, so ist die gefüllte Spielart von
mehr als noch einmal so grossem Werth
und nach meiner Ausicht die beste aller
niedrigen gelben Blumen zu Teppigbee-
ten und breiten Einfassungen. Ich kenne
6) Beitrag zur Cultur
Es unterliegt keinem Zweifel mehr,
dass Lilium giganteum eine Pflanze des
freien Landes ist, eine Erfahrung, die
man wohl in den letzten Jahren vielfach
gemacht haben mag. Die Cultur ist
sehr einfach, und die Schwierigkeit be-
steht nur darin, dass man jedes Jahr
blühende Pflanzen hat, was nur beieiner
grössern Anzahl von Zwiebeln der
Fall ist.
| lich spasshaft.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
fl. pleno, und ihre Cultur,
kaum eine Blume, ausser Astern und
Levcojen, wo die Füllung (hier eigent-
lich blos Veränderung der Scheibenblüm-
chen) eine so auffallende, vortheilhafte
Veränderung hervorgebracht hätte.
Die Cultur ist die aller einjährigen
Blumen. Sorgfalt beim Sammeln des
Samens und Absonderung der gefüllten
Pflanzen von den einfachen ist wohl
das Wichtigste. Nach den Beeten im
Garten des Herrn Döppleb zu urtheilen,
müssen die Blumen sehr gut in’s Ge-
füllte fallen, und sie werden immermehr
an Beständigkeit gewinnen.
Man hat dieser neuen Spielart den
Namen Sanvitalien-Röschen gege-
ben, was der Züchter (nach einer münd-
lichen Aeusserung gegen mich) nicht
billigt. Und darin hat er vollkommen
Recht. Herr Deegen konnte wohl
seine gefüllten Portulaca ,‚Patulakröschen“
nennen, da sie in der That wie Röschen
aussehen; aber dieses Röschen noch
weiter in die Blumensprache für gefüllte
Blümehen einzuführen, wäre doch eigent-
J.
von Lililum giganteum.
| Im Mai 1864 pflanzte ich eine etwa
6° lange Zwiebel, nachdem sie vorher
im Kalthause im Topfe nur schwach
getrieben hatte, in das freie Land, in
eine Mischung von grober Haideerde
mit humosem Lehm (Rasenabstich aus
Sumpfgräben) und Sand, und zwar so,
dass die Zwiebel reichlich halb über der
Erde zu stehen kam. Der Platz war
so beschaffen, dass in 10° Entfernung
I. Originalabhandlungen.
dichte Pflanzungen von Thuja den West-
wind abhalten und so hbeschatten, dass
die Sonne nur früh bis 8 Uhr, dann
wieder von 11—-12 Uhr auf die Pflanze
schien. Der Boden umher wurde mit
Moos belegt. Die Umgebung bestand
meist aus Epheu, welcher den Boden
bedeckt, und Moos. Ende Juni waren
alle Blätter ausgebildet, aber es bildete
sich kein Blüthenschaft. Die Blätter
sind ebenso schön, dass auch nicht
blühende Pflanzen eine Zierde des Gar-
tens sind. Nachdem die Blätter voll-
kommen ausgebildet waren, liess ich
nur wenig mehr giessen. Die Blätter
starben erst im October ab. Im Novem-
ber wurden sie glatt abgeschnitten und
nach einigen Tagen liess ich die Be-
deckung vornehmen. Dies geschah ein-
fach dadurch, dass ich ein Häufchen
Tannennadeln etwa 2‘ breit und 1!/,‘
hoch über die weit aus der Erde vor-
stehende Zwiebel schütten liess. Darüber
wurde, um das Wasser abzuhalten, ein
Strohschirm gestellt. Dies ist beiläufg
gesagt, die beste Bedeckung gegen
Nässe und Kälte. Man bindet einen
Büsehel Stroh so zusammen, als wollte
man Bäume zum Versenden einpacken,
und breitet das Stroh gieichmässig nach
allen Seiten aus. Anstatt Nadeln kann
man zur Bedeckung auch alte trockne
Gerberlohe nehmen, die ich überhaupt
als gutes Deckmittel, namentlich auch
für niedergelegte Gehölze kennen lernte.
Der Winter von 1864/65 war be-
kanntlich überaus lang und hart. Erst
am 6. April trat das Thauwetter voll-
ständig ein. Die erste Pflanze, welche
ich untersuchte, war meine Lilie. Der
Platz war noch nicht viel vom Thau-
wetter berührt worden und ich fand den
Strohschirm auf einer Seite noch ange-
froren. Als ich
die Nadelbedeckung | Grad R.
79
Blattstiele und die Zwiebeldecke (Ober-
haut der Zwiebel) gefroren, so dass
beim Drücken Eis hervortrat. Ich fürch-
tete, dass die ganze Zwiebel verloren
sein möchte, aber als ich weiter unter-
suchte, zeigte sich bereits die Spitze
des neuen Triebes der Zwiebel zwischen
den Blattstielresten, und zugleich fand
ich am Fusse der Zwiebel 4 junge
Triebe aus Brutzwiebeln. Und dies war
der Zustand der Zwiebel, als der Boden
ringsumher noch gefroren war, — sicher
ein Beweis, dass Lilium giganteum eine
Pflanze kalter Gegenden ist.
Ende April war die Lilie schon 1’
hoch und zeigte den Anfang zur Bildung
des Blüthenschaftes. Dieser entwickelte
sich so rasch, dass im Juni schon die
Knospen erschienen. Die Blätter blieben
viel kleiner, als im Jahre vorher. Als
der Stengel sich eniwickelte, liess ich
wöchentlich einmal mit einer schwachen
Guanolösung giessen, überhaupt stark
giessen, indem das Wasser durch Lö-
cher auch in die Tiefe geleitet wurde.
An der Oberfläche des Bodens traten
die Wurzeln zu Tage, und zeigten an,
dass eine Auffüllung nöthig sei. Ich
bedeckte sie aber nur stark mit Moos.
Schon in den ersten Tagen des Juli
oder gar ‘Schon im Juni öffnete sich
bei 8° Schafthöhe die erste oberste
Blüthe und nach 5—6 Tagen standen
alle 13 Blumen in Blüthe. Sie waren
besonders prachtvoll zwischen 11 und
12 Uhr, we sie von der Sonne getrof-
fen wurden. Der Duft verbreitete sich
mehrere hundert Schritte weit und wurde
sal herrlich gepriesen, sagte aber mei-
nem individuellen Geschmack nicht zu,
und glich am meisten dem der Azalea
pontica. Leider fiel die Blüthezeit in
die heissesten Tage des Sommers (39
im Schatten), und nachdem
beseitigte, fand ich die Ueberreste der ! erst einzelne Blumenblätter gefallen, war
30
die Pracht in einem Tage vorüber.
Blüthezeit hat diesmal nicht über 10
Tage gedauert, vom Aufbrechen der
ersten obersten Knospe gerechnet.
Meine Bemühung die Blumen zu be-
fruchten, war vergeblich. So oft ich
auch untersuchte, ich fand keinen Pol-
len auf den Antheren und diese so hart
und trocken wie Holz. Gleichwohl ha-
ben fast alle Blumen Samen angesetzt
und, wie ich glaube, gut zur Reife ge-
bracht, ein Beweis, dass die Befruch-
tung vor Oeffnung der Blüthen vor
sich gegangen sein muss. Der Blüthen-
schaft hatte die alte Zwiebel vollständig
aufgezehrt, förmlich mechanisch in die
Länge gezogen, denn sie war viel dün-
ner geworden, und es blieb nichts übrig,
als die Oberhaut der Zwiebel um den
Fuss des Schaftes. Als im October der
Schaft noch keine Anstalten zum Ein-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Die | trocknen machte, liess ich ihn einpflan-
zen und in ein luftigs Haus stellen. Er
wurzelte natürlich nicht an, und der
Erfolg wäre wohl derselbe gewesen,
wenn man den Schaft abgeschnitten und
aufgehangen hätte. Die Samen sind an
einem 'mässig warmen Orte am Stengel
nachgereift, und scheinen zum grossen
Theil keimfähig. Glückt die Aussaat,
so werde ich die jungen Pflanzen schon
im ersten Jahre in das freie Land brin-
gen. Die Brutzwiebeln liess ich ein-
pilanzen, da sie an dem alten Platze
doch nicht stehen bleiben konnten. Sie
sollen nach kühler Ueberwinterung in’s
Freie gepflanzt werden. Die Herbst-
pflanzung ist durchaus nöthig, und es
ist vortheilhafter, dieselbe in Töpfen zu
bewirken. Lässt man die Zwiebeln un-
getheilt, so bilden sich mehrere schwa-
che Blüthenschafte, J.
.
%) Einfluss der Sommerwärme auf die nächstjährige Blüthe der
Zwiebelgewächse.
Ich habe schon mehrmals, nament-
lich 1861 die Bemerkung gemacht, dass
in Folge des vorhergegangenen unge-
wöhnlich kühlen Sommers die Kaiser-
kronen (Fritilaria imperialis), sowie auch
einige Lilien schwach oder gar nicht
blühten. Es ist dies besonders auffal-
lend bei einer Pilanze, welche eine so
kurze Vegetationszeit hat und im Mai
schon abgestorben ist. Gegenwärtig
glaube ich die gegentheilige Erfahrung
gemacht zu haben, nämlich, dass die
ungewöhnlich hohe Sommerwärme von
1865 auf die Zwiebeln Einfluss gehabt hat.
Ich setze gewöhnlich dieerstenTreibhyazin-
then Mitte November warm, und bin zufrie-
den,wennich sieW eihnachten oderNeujahr
zur Blüthe gebracht habe, da man diese
ersten Zwiebeln nicht zu warm stellen
| zinthen (Homerus und Görres).
| darf, Dieses Jahr (November 1865) fand
ich die Zwiebeln um diese Zeit auffal-
lend im Tried und den Wurzeln zurück,
was ich auf die ungewöhnliche Trocken-
heit der Erde, in welche die Töpfe ein-
gegraben waren, schiebe, indem Niemand
an Begiessen gedacht hatte, weil dies
sonst nicht nöthig war. Die Zwiebeln
wurden daher aus Vorsicht nur mässig
warm gesetzt. Gleichwohl hatte ich am
10. oder 12. December blühende Hya-
Sollte
dies nicht eine Folge der ungewöhn-
liehen Wärme des vergangenen Früh-
jahrs sein? Und liess sich nicht eine
dieselbe Wirkung hervorbringende Cul-
tureinrichtung treffen, etwa ein Bedecken
der Hyazinthenbeete im Freien mit Glas-
kästen ? J.
H-
CP URT DEF Lo IHRE, he vo 12081039 IDG
PER ai
7
II. Neue Zierpflanzen.
Si
1. Neue Zierpflanzen.
a) Abgebildet in Illustrations hor-
ticole.
1) Miltonia cereola Lem. Orchideae. —
Eine sehr schöne Pflanze, die Hr. Gauthier
entdeckt, und an das Etablissement von
Verschaffelt eingesendet hat. Blumen in
einer Traube, milchweiss, ungefähr 3 Zoll
im Durchmesser. Die äussern Blätter
Blüthenhülle schmal lanzettlich ,
breiter.
der
Die Lippe bildet ein längliches
Viereck, vorn ausgerandei und mit kurzer
hornförmiger Spitze in der Ausrandung auf
der Scheibe mit zonenförmiger, violett strah-
stiel. — (tab. 446).
2) Althernanthera sessilis R. Br. var.
amoena. Amarantaceae, — Eine niedrige,
vom Grunde aus stark verästelte einjährige
Pflanze, die in den Tropen der alten und
neuen Welt heimisch ist.
wig verkehrt-oval und bei der von Lemaire
Eine hübsche einjährige Decorationspflanze,
die gleich dem Amarantus tricolor im war-
zogen wird. — (tab. 447).
3) Camellia Adriana. : Schr
Camellie, mit sehr grossen rosa-kirschrothen
' regelmässig gefüllten Blumen. — (tab. 448).
splendens Lem. —
im tropischen Amerika heimisch. Die schöne
Abart, von der tab. 449 der Ill. horticole | erwähnt worden. — (tab. 535.)
eine Abbildung giebt, stammt aus Mexiko.
Grünliche Blumenblätter mit braunen Quer-
binden und eine rosenrothe Lippe zeichnen
solche aus. —
5) Rhododendron Duchesse de Nassau.
Diese schöne, in Belgien und den mildern
Gegenden Deutschlands ausdauernde Abart,
trägt grosse kugelförmige Dolden schön ro- |
II. 1866.
| Esther
| stand
schöne |
| sich
| Arten aus.
4) Odontoglossum bictoniense Lindl. var. |
Das O. bietoniense ist |
sarother, im Schlunde weisser und roth ge-
tupfter Blumen. — (tab. 450).
6) Pyrethrum (Chrysanthemum) sinense
Cass. Liliput-Varietäten. — Die Tafel 451
| giebt die Darstellung von 5 neuen Liliput-
in der Brasilianischen Provinz St. Catherine |
Chrysanthemum, die von der Wittwe Lebois
in Toulouse erzogen worden sind. Es sind
alle nach der Abbildung zu schliessen, vor-
züglich schöne Sorten. Die kleinen Köpfe
| bestehen aus dicht dachziegelförmig überein-
die innern |
ander liegenden Bandblumen. Davon sind
Himmer dunkelroth mit weiss, —
Md. Schmidt, Ami Feille und Mimi Crouzat
gelb mit roth, Justine Tessier hat weisse
| Scheiben und rosa Randblumen und Paques
liger Zeichnung. Der M. Regnelli Rchb. fil. |
nahe verwandt, aber verschieden durch stiel- |
runden nicht eckigen Schaft und sehr kleine |
Bracteen, die 6mal kürzer als der Blüthen- |
Fleuries ist rein weiss.
b) Abgebildet im Botanical
zine.
Maga-
7) Calathea Veitchiana J. Vertch. Ma-
rantaceae. — Es ist das die prächtige
| Pflanze, die von uns mehrfach (Grtf. 1864.
| pag. 239) als die schönste in neuerer Zeit
| eingeführte Blattpflanze,
Blätter spateltör- |
als Maranta Veit-
ehii, erwähnt worden ist. Ward von Pearce
| aus dem südwestlichen tropischen Amerika
abgebildeten Form theils schön roth gefärbt- |in den Garten von Veitch eingeführt und
von J. Veitch
zum Andenken seines Va-
| ters benannt. Mit ©. zebrina nahe verwandt
men Treibbeete oder im Warmhause ange- |
in Blatt- und Blumenbildung. Der Blüthen-
trägt der Spitze einen klei-
nen Schopf steriler Bracteen und zeichnet
hierdurch von allen andern bekannten
Die prächtige Zeichnung der
oval-elliptischen stumpfen dunkelsammetgrü-
nen Blätter mit 3 smaragdgrünen unregel-
mässigen Längsbinden, ist von uns schon
auf
8) Dianthus chinensis laciniatus. —
Vergleiche Grifl. 1858 pag. 219. — (tab.
5536). Wir bemerken hierzu noch, dass
dies die gleiche Pflanze ist, die Lemaire in
Ilustrations horticole tab. 388 und Morren
in Belgique horticole 1865 pag. 161. als D.
eircinatus abbilden.
9) Stachytarpheta bicolor J. Hook. Ver-
6
82
Stachytarpheta
aus Brasilien. Halbstrauchig. Blätter oval
oder oval-lanzettlich, spitz, gesägt, am
Grunde in einen kurzen Blaittstiel verschmä-
lert, kahl. Blumen in Aehren lose gestellt.
Bracteen pfriemlich, Blumenkrone röhrig-
trichterförmig, fast noch einmal so lang als
der Kelch. Blumenröhre oberhalb des Grun-
des knieförmig gebogen himmelblau, Biu-
mensaum kurz zurück gebogen, Fruchtkno-
ten am Grunde höckerig. Eine hübsche
Pflanze, aber doch mehr nur für Botanische
Gärten. — (tab. 5538).
10) Mesembrianthemum acınacıforme L.
Crassulaceae. — Das bekannte Mes. acina-
eiforme mit grossen violetten Blumen, vom
Vorgebirge der guten Hofinung. — (tab.5539).
11) Dendrobium Johannis Rchb. fil. Or-
chideae. — Unser geehrter Freund H. G.
Reichenbach hat im Gardeners Chroniele
(Sept. 1865), dieses neue ausgezeichnete
Dendrobium, das Veitch von der Nordküste
Australiens kürzlich eingeführt hat, kürzlich
beschrieben. D. Hooker giebt nun die Ab-
bildung. Stengel gestreckt, beblättert. Blu-
men in aufrechten langen achselständigen
Trauben. Blumenblätter bandförmig, wellig
braun. Lippe am Grunde mit Nagel, läng-
lich und nach vorn keillörmig ausgebreitet,
3lappig, gelb und roth gezeichnet. Eine
sehr ausgezeichnete neue Art mit reichblu-
migen Trauben, deren einzelne Blumen aber
gegenüber den andern prächtigen Arten die-
ser Gattung unbedeutend sind. —
12) Jonopsis paniculata Lindl. Orchi-
deae. — Eine reizende Orchidee Brasiliens,
eingeführt von Hugh Low u. Comp in Clap-
ton bei London. Stengel kurz, ohne Schein-
knollen und linear-lanzettliche gekielte Blät-
ter tragend. Aus den Achseln der Blätter
entspringt der gracile rispig verästelte Blü-
thenschaft, der gleichzeitig eine Masse zier-
licher schöner zart weisser Blumen in Trau-
ben trägt. Die Kelchblätter aufrecht, lan-
zettlich, spitz, die beiden seitlichen am Grund
in einen sackförmigen kurzen Sporn ver-
wachsen. Blumenblätter etwas breiter, an
der Spitze abgerundet, mit kurzem aufge-
setztem Spitzchen. Lippe bedeutend grösser
als die Blumenblätter, *%, Zoll lang; der
benaceae. Eine neue
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Lippengrund nagelförmig mit 2 ohrförmigen
Läppchen, der Vordertheil der Lippe ist ein ein
bis fast ein Zoll breiter und /, Zoll langer,
vorn flach abgerundeter und herzförmig ge-
kerbter Lappen, der am Grunde ein rothes,
Fleck trägt. Die Grifielsäule kurz, flügellos.
— Diese wahrhaft reizende Orchidee, ward
gleichzeitig in mehreren Abarten eingeführt,
von denen. die einzelnen Blumen von rein.
weisser Farbe, die andere wie die in Rede
stehenden weiss mit rothem Fleck auf der:
Lippe, wieder andere weiss und gelb gefärbt
waren. Prof. Reichenbach hält diese J. pe-
nieulata nur für eine Form von J. utrieu-
larioides. — (Tab. 5541).
15) Calathea tubispatha D. Hook. Ma-
rantaceae. — Eine neue sehr beachtens-
werthe Einführung aus dem südwestlichen
Amerika, entdeckt vom Sammler der Herren
Veitch, Hr. Pearce.— Stengellos, durchaus kahl.
Blätter verkehrt oval-elliptisch, kurz zuge-
spitzt, am Grunde abgerundet oder leicht
herzförmig, freudig grün, auf der obern
Seite beiderseits mit einer unregelmässigen
hellgrünen Zone und in dieser Zone zwi-
schen den Seitennerven mit einem braunro-
then Fleck gezeichnet. Der graeile Blüthen-
schaft trägt eine kurze Blüthenähre, die
von 2 dütenförmig die Blüthenähre umhül-
lenden Braeteen gestützt ist. Blumen gelb.
Diese ausgezeichnete neue Dekorationspflanze
fürs Warmhaus, erinnert so lebhaft an die
von Linden in Amsterdam ausgestellte (ala-
thea pavonina C. Koch, dass wir solche für
identisch mit letzterer halten möchten, der
von Koch gegebene Name würde dann die
Priorität haben. — (tab. 5542)
14) Pachypodium sueculentum A. D. €.
Apocynaceae. — (D. C. prodr. VIII pag.
423). Eine eigenthümliche und schöne Pflanze
Südafrikas. Aus einem diekem suceulentem
knollenförmigem Stock erheben sich be-
blätterte Stengel, die auf ihrer Spitze die
doldenförmige Blüthentraube und zwischen
den Blätter gepaarte Stacheln tragen. Blät-
ter lanzettlich, spitz, ganzrandig, unterhalb
behaart. Blumen gross, 2 Zoll im Durch-
ınesser, von aussen lebhaft rosarotlı, und
gestreillem Saum und
mit weissem rosa
‚Sehlund, (tab. 5543.)
II. Neue Zierpflanzen.
15) Abtonia fragrans Nurt. Nyetagt-
neae. (Nuit. in Kew Journ. of Bot.V. pag.
261. — Torr. et Gray, in Bot. of Gunni-
son’s exped. pag. 14 tab. X.) — Diese
schöne Pflanze wächst auf Sandhügeln im
Gebiete des Missouri an der westlichen Seite
des Felsengebirges. Stengel niederliegend,
aufsteigend. Blätter gegenständig gestielt,
länglich-oval, stumpf, lax behaart oder kahl.
Blüthenstiele länger als die Blätter, achselstän-
dig, tragen eine grosse kopfförmige dichte
Dolde weisser Blumen, die am Grunde von
einer Hülle breit-ovaler Bracteen gestützt
ist. Die Lappen der weissen Blumenkrone
abgerundet und zweispaltig. Nach dem Na-
men zu schliessen sind die Blumen wohlrie-
chend. Hooker sagt nicht, ob es eine pe-
rennirende oder einjährige Pflanze ist. Sollte
es, wie wir vermuthen, eine perennirende
Pflanze sein, so dürfte sie noch im Klima
von Deutschland zu den im freien Lande
ausdauernden Perennien gehören und eine
Acquisition von grossem Werth für unsere
Gärten sein. — (tab. 5544).
16) Begonia Pearcii Hook. Begonia-
ceae. — Eine schöne neue Begonia, die
Pearce in La Paz sammelte und Veitch ein-
sendete. Stengel aufrecht, beblättert, weich-
haarig. Blätter ziemlich gross, schief herz-
förmig oval, zugespitzt ‚doppelt gekerbt-ge-
sägt, oberhalb metallgrün und mit hellern
Nerven gezeichnet, unterhalb röthlich. Blü-
thenstiele achselständig, länger als die Blät-
ter, zweiblumig. Blumen gross schwefel-
gelb. — Der B. cinnabarina verwandt. Ge:
hört als Dekorationspflanze mit scbönen
Blättern und ebenso wegen der grossen gel-
ben Blumen, zu den sehr beachtenswerthen
Neuheiten fürs Warmhaus. — (tab. 5545).
e) Abgebildet in Belgique horti-
cole.
17) Billbergia pallescens C. Koch. Bro-
meliaceae. — C. Koch in app. ind. sem.
horti Berol. 1836. — Beer Brom. pag. 122. —
Eine mit B. amoena nah verwandte Art. —
(tab. 5—6 pag. 65. 1865.)
18) Aphelandra ornata T. Anders. (Journ.
ot Bot. 1864. pag. 269 cum ie. — Lagochi-
lium ornatum N. ab. Esb. in D. C. prodr.
)
3
\
reg. veg. tab. XI. pag.”291). — Acantha-
ceae. — Eine sehr schöne Pflanz® fürs
Warmhaus, die Porte im Jahre 1858 aus
Bahia an Linden sendete , die länglich-ellip-
tischen Blätter, tragen längs der Mittelrippe
eine breite silberweisse Binde — Blumen
gross, orangefarben, in einer Aehre, zwi-
schen den grossen fast ziegeldachförmig über-
einander liegenden Bracteen, hervortretend.
Stengel, Blätter"und Bracteen behaart. —
(tab. 3. pag. 33. 1865.)
19) Hoplophytum calyculatum Morr.
Bromeliaceae. — Eine von Libon in St. Ca-
therine (Brasilien) gesammelte Art, die das
Etablissement von Linden besitzt. Blätter
schwertförmig, am Grunde ganzrandig vorn
gezähnelt, an der Spitze zurückgedrückt und
mit aufgesetzter scharfer Spitze. Schaft
aufrecht, weissfilzig , lose mit häutigen lan-
zettlich pfriemförmigen Braeteen besetzt, die
gelben Blumen in einem dichten ovalen
kopfförmigen Blüthenstand, am Grunde nur
von linear-pfriemlichen purpurrothen und
lose gestellten Bracteen gestützi. Durch
den Blüthenstand eine sehr ausgezeichnete
Art. Blumen sitzend, von kleinen Brac-
teolen gestützt, die viel kürzer als die Blu-
men. Nach der kelchförmigen Stellung die-
ser Bracteolen, ist der Name gewählt.
(1865 pag. 162) *). Eine andere von Lin-
den eingeführte Art der gleichen Gattung,
die sich durch höhern Wuchs, an der Spitze
weniger zurückgedrückte Blätter, zahlrei-
chere Bracteen von weisserFarbe und mehr
verlängerten ährentörmigen Blüthenstand un-
terscheidet, nennt Morren „Hoplophytum
Lindeni“ und giebt S. 164, die Beschrei-
bung. —
20) Bertolania guttata Hook. — Schon
besprochen. (1865. pag. 225).
*) Wir würden es für sehr nützlich halten,
wenn unser geehrter Freund, Hr. E. Mor-
ren, der jetzt einen Theil der vielen
neuen Pflanzen Belgiens, in seinem ge-
achteten Journal zu veröffentlichen be-
einnt, — seinen Tafeln eine tortlaufende
Nummer, behuis
eeben würde, —
des leichtern Citats,
6*
84
21) Franeiscea Lindeniana Pl. (S. pag.
226. «Mehrfach von uns erwähnt).
22) Oypripedium Crossü. — Wir erhal-
ten hier die Abbildung eines schönen Cy-
pripediums Ostindiens, jedoch ohne Be-
schreibung. Blätter hellgrün und dunkler
gefleckt, gestreckt-lanzettlich. Blüthenschafte
blattlos, behaart, röthlich, einblumig. Blu-
men gross. Von den Kelchblättern ist das
obere rundlich-oval, breit, ungefähr 2 Zoll
lang, auf weisser Grundfarbe am Grunde
grünlich gestreift und oberhalb der Mitte
mit einer rothen gestreiften Querbinde, das
untere bedeutend kleiner und auf weissem
Grunde grün und blassroth gestreift. Die beiden
seitlichen Blumenblätter länglich, auf weis-
sem Grunde grün gestreift mit lichtrother
Spitze. Lippe kirschroth. Eine sehr schöne
Art.
Herr Riviere in Paris sagt zu dieser Ab-
bildung einige Worte über seine Cultur des
C. insigne. Während des Winters giebt er
solchem eine Temperatur von 6!/z—8° R.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
tagsstunden vor der Sonne durch leichte
Beschattung. Im September bringt er die
Pflanzen in das Camellien-Haus und erhöht
die Temperatur erst, wenn die Pflanzen
iu Blüthe kommen sollen. Hr. Riviere er-
hält auf diese Weise einen reichen Flor von
C. insigne und bemerkt, dass die zu hohe
Wärme, in der man diese Pflanze gemei-
niglich ceultivire, der Grund sei, weshalb
solche gemeiniglich wenig: blühe.
23) Disemma coceinea D. 0. Passiflo-
reae. (D. C. prodr. III. 353). — Eine
Schlingpflanze Neuhollands mit scharlachro-
then Blumen, die denen einer Passiflora
sehr ähnlich sehen. Blätter kahl, stumpf,
3lappig. Kelchröhre sehr kurz. Blumen-
blätter schmal, scharlach. Fadenkrone gelb,
in 2 Reihen. Ist schon lange in Cultur
eingeführt und blühet am besten, wenn
solche in einem niedrigen Kalthause in den
freien Grund gepflanzt und unter dem Fen-
ster hingezogen wird. — (S. 289).
24) Hypoestes sanguinolenta Hook, (8.
Von Mitte Juni an stellt er die Pflanze ganz | 290). — Schon erwähnt nach Bot. Maga-
ins Freie und schützt solche nur in den Mit- | zine. — (E, R.)
m. Notizen.
1) Cultur der Anoecochilus. Wir | weissen Sand, iaseriger Torferde und Fa-
dass die
Zeit
haben schon wiederholt erwähnt,
Cultur der Anoecochilus in neuerer
in
schritte, sondern Rückschritte gemacht hat.
Wir haben in Folge dessen die Culturme-
thode verschiedener Cultivateure mitgetheilt,
um das unsrige dazu beizutragen, dass diese
lieblichen kleinen buntblätterigen Orchideen,
glücklicher cultivirt werden möchten. Heute |
theilen wir die vom Hrn. E. Mitchell in
Gardeners Chronicle mitgetheilte Culturme-
thode mit, welche auch der Cultur am mei-
sten entspricht, unter deren Anwendung die
Anoecochilus im hiesigen Garten am besten
gediehen.
Erst im März,
Anoecochilus umgepflanzt. Als
Compost
wähle man gleiche Theile von Sphagnum, |
den meisten Gärtnereien keine Fort-
nie früher, werden die |
|
sern*) von den Abfällen der Cocosnüsse.
In kleine gut drainirte Töpfe von 1 Zoll
Durchmesser, werden die Pflanzen gesetzt
| und nun in flache mit lebendigem Sphagnum
|
N
| gefüllte Näpfe eingesenkt.
Ueber die Pflan-
zen wird nun eine Glocke in der Weise ge-
deckt, dass noch
einströmen kann. Das Glas der Glocke soll
stets so rein als möglich gehalten werden
und namentlich muss die Feuchtigkeit, so
oft sich solche ansetzt abgetrocknet werden, da
diese zarten Pflänzchen vor dem abtropien-
den Wasser sehr sorgfältig behütet werden
äussere Luft von unten
*) Letztere werden nicht überall zu erhal-
ten sein. Siekönnen durch Kohlen er-
setzt werden.
IT. Notizen.
müssen. Man stellt sie nun auf einen Tisch
der wärmsten Abtheilung des Orchideenhau-
ses dieht unter das Fenster, wo sie helles
Licht aber kein Sonnenlicht, empfangen.
Während des Wachsthums im Sommer wer-
den sie reichlich begossen, im Winter aber
nur so viel. um sie frisch zu erhalten.
Das Problem der Cultur besteht im richti-
gen Verhältniss der Feuchtigkeit. Zunass gehal-
ten, faulen die Triebe ab, -- zu trocken
gehalten, rollen sich die Blätter zusammen
und sterben ab — und dann dauert es sehr
lang, bis diese zarten Pflänzchen sich wie-
derum erholen. Man soll sie im Winter, so
viel als möglich in frischem ruhendem Zu-
stande erhalten. Die Blätter der Anoecochilus-
Arten sollen überhaupt nie benetzt werden, da
jede Benetzung die Oberfläche derselben ver-
dirbt und den Pflanzen schadet.
Auf diese Weise behandelt, werden diese
Pflanzen im März in einem kräftigen Zu-
stande sich befinden. Man schneidet nun
behufs der Vermehrung die Triebe unterhalb
der - obersten Wurzel ab, pflanzt diese auf
die oben bezeichnete Art ein und lässt die
untere Parthie der Mutterpflanzen übrigens
unversehrt. Diese bilden nun wieder einen
oder mehrere Triebe, welche jedoch nicht
später als im Juli, zur nochmaligen Ver-
mehrung abgenommen werden dürfen, da
später abgenommene und cingepflanzte sich
vor Winter nicht mehr genugsam bewurzeln
und den Winter weniger gut überdauern. —
Also stete Ueberwachung, Aufmerksam-
keit und Pflege, sind auch bei diesen, wie
bei andern zärtlichen Pflanzen, die Haupibe-
dingung glücklicher Cultur. Liebe zu den
Pflanzen, die man cultivirt, anfmerksame
Beobachtung und Abhülte, wo man sieht,
dass etwas fehlt, das ist der sicherste Bo-
den jeder Cultur. Wo auf dem aufgebaut
wird, da muss man stets zum Ziele kom-
men. (E. R.)
2) Schutzmittel für Spaliere —
Wie die Hausthiere durch die Domestication,
durch sorgfältige Pflege u. s. w. veredelt
und verfeinert, aber auch gegen äussereEin-
flüsse empfindlicher geworden sind, so sind
auch die Culturpflanzen nicht nur vielfach
veredelt, sondern auch ebenso verzärtelt
85
worden. Thiere wie Pflanzen gewöhnen
sich nach und nach an eine ihnen aufge-
drungene, gekünstelte Lebensweise; — aber
je mehr sich diese von der natürlichen ent-
fernt, um so mehr werden Thier wie Pflanze
verzärtelt und des fortgesetzten Schutzes
und der gleich guten Pflege bedürftig, wenn
sie nicht verkümmern sollen. — So sind
fast alle unsere alten Sorten von Obst durch
eine langjährige Cultur am Spalier so ge-
schwächt worden, sie haben sich so sehr
an den Schutz und die grössere Wärme, die
das Spalier ihnen bietet, gewöhnt, dass sie,
dieses Schutzes beraubt, nicht mehr ge-
deihen wollen. Freistehend widerstehen sie
den Witterungseinflüssen nicht mehr, ihre
Blüthen setzen keine Früchte mehr an, wenn
dies ausnahmsweise doch geschieht, so blei-
ben die Früchte klein, oder werden rissig
und bleiben unansehnlich, und man kann
sie mit Recht jenen englischen Vollblutpfer-
den vergleichen, die seit vielen Generatio-
nen beständig im Stall gehalten, nicht mehr
einen längeren Aufenthalt im Freien ertra-
gen können. So zeigt sich die Wirkung
einer langjährigen Spaliercultur wenigstens
sehr deutlich an unsern besten Kernobst-
sorten, eine Wirkung, die von manchen
Autoren als ein Degeneriren dieser Sorten
betrachtet wird, beim Steinobst zeigt sich
diese Wirkung äusserlich noch nicht so
deutlich, aber eine wirkliche Abschwächung
besteht auch hier. Zum Beweis dessen dürfte ein
einziges Beispiel genügen: wir haben in Bel-
gien einige Pfirsichsorten, die sich in gün-
stigen Lagen noch als freistehende Hoch-
stämme cultiviren lassen, aber nur wenn
sie aus Kernen erzogen sind, oder wenn ver-
edelt, mussten die Edelreiser von einem
ebenfalls als Hochstamm cultivirten Exem-
plare genommen sein. Nahm man die Rei-
ser von der ganz gleichen Sorte, aber von
einem am Spalier cultivirten Exemplare, so
wird der Hochstamm sich als untauglich für
seine Bestimmung erweisen.
Dies gilt uns als schlagender Beweis
für die durch Spaliercultur entstandene Ver-
zärtelung, wir könnten noch eine Menge
anderer Beweise anführen, aber es würde
uns zu weit führen. Diese allmälig
86
aberstetig zunehmende Abschwächung unserer
besten, feinst en Tafelobstsorten, und zwar ge-
rade dieser, weilsie vorzugsweise in der Cultur
am meisten gehätschelt;werden, mag bedauert
werden aber sieist eben die nothwendige Schat-
tenseite der vervollkommnetenCulturmethoden.
Die praktische Folgerung aus dem Vor-
hergehenden ist, dass der Gebrauch von
Schutzmitteln für Spalierbäume immer noth-
wendiger wird. Schon sehr viele belgische
Gartenbesitzer, überhaupt von der Unsicher-
heit, Pfirsich- und Weinspaliere ohne wei-
teren Schutz, als ihn die Spalierwand ge-
währt, ferner beizubehalten, haben den Eng-
ländern nachgeahmt und schützen ihre Spa-
liere durch Fenster, die nicht nur während
der eigentlich kritischen Zeit, der Blüthe
und des Frucht ansetzens. sondern vom Aus-
treiben an bis zur vollendeten Fruchtreife
stehen bleiben. Dieses Verfahren ist aus-
gezeichnet und giebt wunderbar günstige
Resultate, aber ist doch für Viele zu kost-
spielig, um allgemein Eingang zu finden. —
Für Klimate, wie das von Belgien, Deutsch-
land ete,, wo zur Blüthezeit des Spalierob-
stes noch Nachtfröste vorkommen, ist ein
Schutz der Spaliere durchaus erforderlich,
aber glücklicher Weise lässt sich dieser auch
auf billigere und doch vollständig genügende
Weise herstellen. Sehr empfehlenswerth ist
zur Deckung ein grobes, weitmaschiges
Packleinen, das storenartig vor den Spa-
lieren so ausgespannt wird, dass es unten
3 Fuss von der Mauer und etwa 1 Fuss
von der Erde absteht, man befestigt es kurz
vor Beginn der Blüthe und entfernt es erst
gegen Ende Mai bei trübem Regenweiter.
So leicht dieser Schutz scheint, so wirksam
hat er sich bewährt auch bei den strengsten
Spätfrösten. Statt der Leinwand kann man
auch Strohdecken auf Latten nageln, und
mit diesen die Spaliere decken, indem man
sie schräg gegen die Mauer lehnt, und eben-
talls stehen lässt bis Ende Mai. — Haupt-
sache ist, dass die Decke nicht anliegt,
sondern freien Zutritt der Luft gewährt;
durch den permanenten Schatten wird die
Blüthe verzögert, die Blüthezeit verlängert
und dadurch auch der Fruchtansatz wesent-
|
Gartenflora Deu tschlands, Russlands und der Schweiz.
zur Blüthezeit nachtheilig wirkt, dadurch,
dass der Blumenstaub sich zu vorzeitig ent-
wickelt, ehe die Pistille zu seiner Aufnahme
befähigt sind. — Es ist daher ein dureh-
aus falsches Verfahren, wenn man am Tage
die Decke entfernt in der Meinung, den Bäu-
men volles Licht und Wärme nicht entziehen
zu dürfen; die durch die Beschattung be-
wirkte Verzögerung im Wachsthum wird
später sehr rasch wieder ausgeglichen, je
dichter die Beschattung war, je nothwendi-
ger wird es aber, zu ihrer Beseitigung trü -
bes Wetter abzuwarteu, um den Uebergang
vom Schatten zum vollen Lichte nicht plötz-
lich eintreten zu lassen.
(Nach Flore des Serres. — E. O.)
3) Vermehrung der perenniren-
den Papaver Arten durch Wurzel-
stecklinge. Nach Carriere lassen sich
die prächtigen Papaver bracteatum und
orientale ebenso leicht als sicher durch
Wurzelstecklinge vermehren. Man nimmt im
September die Stöcke mit ihren langen, flei-
schigenWurzeln behutsam aus der Erde, schnei-
det die stärksten Wurzeln ab, und zerschnei-
det sie in etwa 2 Zoll lange Stücke, die so in
kleine mit sandiger Erde getüllte Töpfe ge-
stekt werden, dass das obere Wurzelende
etwas hervorragt; in’s kalte Vermehrungs-
beet gebracht und eben feucht gehalten,
werden sich nach etwa 4 Wochen an der
obern Schnittfläche Knospen (Ad ventivknos-
pen) bilden, die bald zu Pflänzchen sich
entwickeln, und auf diese Art erzieht man
müheloser und schneller blühbare Stöcke, als
durch Aussaat. Besonders wichtig wird
diese Vermehrungsart jedoch dann, wenn
es sich darum handelt, Varietäten fortzu-
pflanzen, die bekanntlich durch Aussaat häu-
fig auch unter hunderten von Sämlingen,
die alle zur Stammart zurückgeschlagen,
nicht wieder zu erhalten sind. — Eine sol-
che morphologisch sehr interessante Varie-
tät, Papaver bracteatum monopeta-
lum, war es auch, die Herrn Carriere ver-
anlasste, die Vermehrung durch Wurzeln
auch bei dieser Gattung zu versuchen, und
sie glückte so vollkommen, dass er aus
jedem Wurzelstück eine Pflanze erhielt. —
lich gefördert, während heller Sonnenschein | Wie der Name mon opetalum andeutet,
IT.
tritt bei dieser Varietät der seltene Fall ein,
dass durch Verwachsung der Ränder der
5. grossen Blumenblätter eine einblätterige
Blumenkrone entsteht, also in diesem Falle
ein sehr grosser Becher vom feurigsten
Roth, im Grunde mit grossen dunkelpur-
nen Flecken. Wie es häufig der Fall ist
bei solchen anormalen Bildungen, so ist
auch hier das Zusammenwachsen der Peta-
len nicht ohne Ausnahme, es kommen ein-
zelne Blumen vor, deren Petalen nur theil-
weise verwachsen, andere deren Petalen
ganz irei geblieben sind. — Wahrschein-
lich wird auch durch dieses Verwachsen
die Dauer der einzelnen Blumen verlängert
und jedenfalls ihre schöne Becherform bes-
ser eonservirt werden, da die verbundenen
Petalen den Winden und dem Regen besser
widerstehen werden, als die nicht verwach-
senen. — (Bei dieser Gelegenheit möchte ich
auch noch daran erinnern, dass die zahlrei-
ehen und so schönen gefüllten Varietäten
der krautartigen Päonien (von Paeonia al-
biflora oder edulis, offieinalis, tenuifolia ete.)
ebenfalls in ähnlicher Weise vermehrt wer-
den können. Zu diesem Zweck nimmt man
im Nachsommer die Stöcke auf, nimmt
ihnen eine Anzahl der knolligen Wurzeln,
am besten indem man die Stöcke selber
gleich theilt, da ohnehin beim Zertheilen
manche Wurzeln abgebrochen werden, die
ganz füglich zur Vermehrung dienen kön-
nen. Das Kopfende der Wurzelstücke wird
glatt abgeschnitten , und vor dem Einpflan-
zen lässt man die Schnittflächen einige
Stunden eintrocknen. Jedes Wurzelstück
wird einzeln in Töpfchen gepflanzt, oder
auch mehrere zusammen in einen grössern
Topf in sandige nahrhafte Erde, die Töpfe
werden in ein flaches kaltes Fensterbeet
gestellt oder besser noch eingesenkt und
schattig, geschlossen und mässig feucht ge-
halten. Sie bleiben hier auch den Winter
über ruhig stehen, das Beet kann vom De-
cember bis März ganz zugedeckt gelassen
werden, da es lange dauert, bis sich an den
Wurzelstücken Adventivknospen und damit
Triebe bilden. Erst im Mai werden die er-
sten Blättchen bei einzelnen Exemplaren
sichtbar werden, andere werden im Laufe
Notizen.
8
| des Sommers und Herbsies erst erscheinen;
man nimmt nun die getriebenen heraus,
pflanzt sie in grössere Töpfe und stellt sie
in einen Kasten, der luftiger und sonniger
gehalten wird, oder auch ganz in’s Freie. —
Den 2. Winter lässt man sie ebenfalls noch
im kalten Fensterbeet überwintern und pflanzt
sie erst in’s Freie aus, wenn die Töpfe gut
durchwurzelt und offenbar zu klein gewor-
den sind für die mittlerweile erstarkten Pflan-
zen. Für Versendungen eignen sich ganz
besonders diese in kleinen Töpfen herange-
zogenen Exemplare, und daher ist diese
Vermehrungsweise vorzugsweise Handels-
gärtnern anzuempfehlen. —)
(Nach Flore des Serres etc. E. O.)
4) Schlesische Gesellschaft für
vaterländische Cultur. Section für
Obst- und Gartenbau. Sitzung am 12.
Juli d. J. Aus dem Obst-Baumschul- und
resp. Versuchsgarten der "Section wurde
durch deren Gärtner ein Sortiment Johannis-
beeren zur Ansicht und Prüfung vorgelegt;
unter den Rothfrüchtigen zeichneten sich
durch Grösse der Frucht, Geschmack und
reiche Tragbarkeit, als besonders empfeh-
Gonduin, Du Caucase, Ver-
saillaise und die etwas später reifende
„Kirsch-Johannisbeere‘, welchen aber die
A’Angleterre und die „Langtraubige“ mit
reichlichem Fruchtansatz, letztere an bis 3
Zoll iangen Trauben, jedoch nur in Bezug
auf Grösse der Frucht wenig nachstehen,
während die „Süsse Beste‘ bei nur kleiner
Frucht aber ebenfalls reicher Tragbarkeit,
ihrem Namen vollständig entspricht, die
„Ahornblätterige‘“ jedoch wenige und kleine
Früchte trägt, deshalb nur für Sammlungen
geeignet ist; von den Weiss- und Buntfrüch-
tigen nimmt macrocarpa (weiss) durch
Grösse und Wohlgeschmack der Frucht so-
wohl, als durch ausserordentlich reichen
Ertrag ohne Zweifel die erste Stelle unter
den empfehlenswerthen Sorten ein, und
möchten wir dieser die längst bekannte
„holländische grosse weisse‘ folgen lassen;
die „grosse fleischfarbene Champagner“ mit
ziemlich grosser, blassrother Frucht, em-
pfiehlt sich weniger durch reiche Tragbar-
keit, als durch milden, guten Geschmack,
lenswerth aus:
88
die neue Varietät „Gloire de Sablon‘“ mit
mittelgrosser, roth und weiss panaschirter
Frucht, ist durch diese recht zierend, scheint
auch übrigens empfehlenswerth zu sein, es
hat jedoch ihr wahrer Werth, besonders in
Bezug auf Ertragfähigkeit, noch weiterer
Prüfung zu unterliegen.
Herr Stadtrath a. D. Rahner hatte die
Güte, durch Herrn Stadt-Schulrath Dr. Wim-
mer die hier wohl noch wenig bekannte Va-
rietät der Vogelkirsche (Prunus avium) vor-
legen zu lassen, von welcher an einem
Stiele, ohne dass dieser ein Verwachsen
mehrerer Stiele,. oder nach dem Fruchtansatz
hin eine Verästelung in mehrere Frucht-
stielehen zeigte. stets 2 bis 4 vollständig
ausgebildete, auch keinesweges im Fleische
miteinander verwachsene Kirschen mit je
einem ganz normalen Steine vorhanden wa-
ren, es stammte diese Kirsche aus der Ge-
gend von Goldberg, und soll der betreffende
Baum nur solche Früchte tragen, ob alljähr-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
lich? konnten wir bislang noch nicht ermit-
teln. Es soll versucht werden, zu erfahren,
ob diese Spielart durch Aussaat, und da
uns Hr. Rahner auch Reiser versprochen
hat, durch Piropfung sich erhält.
Der Sekretär theilte zwei Aufsätze aus
| der „Regensburger Flora“ mit. der eine
über Obsteultur auf den normannischen In-
seln, der andere über das Vorhandensein
kochend heisser Quellen am Fusse eines
| Gletschers der „blauen Berge‘‘ welche sich
| nach kurzemLaufe in einen Bach und durch
diesen alsbald in den Stekin-Fluss im briti-
schen Nordamerika ergiessen und deren
| Umgebung in weiter Ausdehnung eine so
hohe Bodenwärme und üppige Vegetation
zeigt, dass, wenn mit einem Glashause
überbaut, man in demselben bei tropischem
Klima Angesichts der nahe gegenüber ge-
legenen Eismassen in den Schönheiten einer
tropischen Vegetation
möchte
zu schwelgen ver-
E. H. Müller.
N Lit
eraliur.
1) Carl Schickler, die beliebtesten Nutz- | nützliches Büchlein. Schade dass die Na-
und Ziergewächse, deren Cultur und
Fortpflanzung durch Aussaat. Metzler-
sche Buchhandlung in Stuttgart.
Es ist das eigentlich ein Verzeichniss
derjenigen Nutz- Zierpflanzen,
welche gegenwärtig vorzugsweise von den
Handelsgärtnereien in den Samenverzeich-
nissen angeboten werden, begleitet von kur-
zen und guten Bemerkungen über deren
Aussaat und Cultur. Dasselbe hält die glei-
che Eintheilung wie die meisten Samenver-
zeichnisse ein, nämlich: 1) Gemüse. 2) Ein-
jährige Florblumen, 3) Stauden. 4) Gewächs-
hauspflanzen, 5) Bäume und Sträucher. An-
gehängt ist noch die Anleitung zur Cultur
von Spargeln, der Blumenzwiebeln und des
Beerenobstes. Es ist dies mit andern Wor-
ten ein Katalog aller dieser Pflanzen mit
angehängten Erläuterungen und Culturan-
gaben; also ein für den Pflanzenfreund sehr
und
ı men nicht auf die richtigen zurückgeführt,
sondern all die von Gärtnern gegebenen
Gartennamen neben den richtigen wissen-
schaftlichen aufgeführt sind. (E. R.)
2) Ruprecht, die Zeitdauer, welche zur
Sumpf- und Torfbildung nothwendig. —
Hr. Akademiker Ruprecht hat die Moos-
sümpfe des Petersburger Gouvernements
stadirt und kommt unter Vergleichung be-
kannter Thatsachen zu dem Schluss, dass
solche theils noch vor 300 Jahren, theils
noch in späterer Zeit Seen waren, die jetzt
durch Torfbildung ausgefüllt sind. —
3) Ruprecht, der
Tschornosjom.
Ursprung der
Als Tschornosjom wird die schwarze
fruchtbare Erde bezeichnet, welche im miittle-
ren und südlichen Russland einen Flächenraum
von 87 Millionen Disjätinen (1 Disjatin = 4"
IV. Literatur,
Morgen) einnimmt. Dieser Boden ist noch
jetzt so fruchtbar, dass er Erndte aut Erndte
ohne Düngung trägt. Ruprecht zeigt nun,
dass es weder angeschwemmter Boden, noch
Moorboden, noch Waldboden sei, — son-
dern dass er in Jahrtausenden sich als Ra-| nt a i
| sich derselbe auf einen ihm theils fremden
senerde gebildet hat, also ganz so wie sich
auch auf den hohen Alpen der schwarze Hu-
mus auf telsiger Unterlage gebildet hat.
Hiernach wären die bedeutenden Flächen, |
welche jetzt im Innern Russlands Tschornos- |
jom als Oulturschicht besitzen, in früheren |
Zeiten Steppen gewesen. —
4) H. Jäger, die Ziergehölze der Gärten |
für |
Gärtner, Baumschulen- und Gartenbe- |
und Parkanlagen, ein Handbuch
sitzer. Weimar bei Voigt. —
können dieses Buch, das es sich eben nur
zur Aufgabe macht, dem Gärtner, Garten-
alle diese Pflanzen fleissig zusammengestellt
und kurze Beschreibungen derselben nach
den dem Verfasser
merkungen über Cultur und Ausdauer hin-
zugefügt hat. Das ist alles was der Gärt-
ner und Gartenfreund verlangt, wenn er |
über die eine oder andere Pflanze sich be-
Jägers Buch. —
diesen Andeutungen, denn dass sein Buch
in botanischer Beziehung noch manches zu
wünschen übrig lässt und dass die wissen-
schaftlichen Schwierigkeiten für den Vertas- |
ser nicht zu besiegen waren, das sagt der-
selbe in seiner Vorrede selbst. Viele der
aufgeführten Pflanzen sah der Vertasser of-
fenbar selbst nie und manche Art, die wirk- |
lich nicht zu den Holzpflanzen gehört, wie
Sedum populifolium ist von ihm nur in
Folge von den Versehen anderer Schriftstel-
ler mit aufgenommen worden. Eine wis-
senschaftliche Sichtung würde endlich viele
der aufgeführten Arten, einfach als Syno-
nyme zu andern stellen, — aber dassind Ge-
freund und Forstmann, — die in Deutsch- | son LENUzENL ‚dm nasan GENnen
land ausdauernden Ziergehölze vorzuführen, Baumes Im gelaia, dla In enentteme
ganz j unbedingt empfehlen, indem solches | treten und hier das ganze Jahr die Küche
| versorgen sollen, ist das in Rede stehende
| Buch ein praktischer Rathgeber.
zu Gebote stehenden |
Quellen gegeben hat, — sowie endlich Be- |
89
genstände, die der Botaniker zu lösen hat.
wozu Jäger demselben in seinem Buch ein
schönes Material geliefert hat. —
Mit voller Ueberzeugung empfehlen wir
daher auch dieses Buch Jäger’s, mit dem
Boden gewagt hat. zur allgemeinen An-
schaffung. (E. R.)
5) J. Hartwig, die Gemüsetreiberei.
Weimar 1866 bei B. F. Voigt.
Dieses Buch gehört zu der Sammlung
von Gartenschriften, die der Verfasser in der
letzten Zeit zu veröffentlichen begonnen hat.
Wie den frühern, so könner wir auch dieser
| Schrift, die Empfehlung eines brauchbaren
Eine sehr fleissige Arbeit unseres ge- | Handbuchs für Gärtner und Gartenfreunde
ehrten Mitarbeiters an der Gartenflora. Wir |
| praktischen Rathschlägen manchen Fehltritt
mit auf den Weg geben, das mit seinen
verhüten wird. Gemüsetreiberei ist der gros-
iremd.
Ueber Russland scheint der Verfasser
eine gar zu schlechte Meinung zu haben,
| wenn er pag. 117 sagt, dass die Gurken in
Russland nur in Gewächshäusern gezogen
würden. Wenn derselbe die weiten Strecken
| Landes, die noch um Petersburg mit Gurken
lehren will, — und diese Belehrung giebt |
Wir begnügen uns mit |
in Sommer bebaut werden, die gleich ins freie
Land ausgesäet werden, — wenn er ferner
die Reihen der Mistbeete sehen würde, die
hier mit denselben bebaut werden, dann
würde er auf eine andere Ansicht kommen.
Die Russische Gurke, die hier zur Treiberei
und zum Anbau in freiem Lande vorzugs-
weise benutzt wird, braucht freilich vom
Tag der Aussaat bis zur Reife der ersten
Früchte unter günstigen Conjuneturen keine
3 Monate, (Hartwig giebt diesen Zeitpunkt
überhaupt an), sondern nur etwas über 2
Monate. Allerdings baut man hier auch
Gurken in besondern Gewächshäusern, —
das sind aber nur solche, die im Februar,
März und April Früchte liefern müssen.
(E. R.)
90
6) Protokollauszüge der Garten-
baugesellschaft Flora in Frank-
furt a. M. Im Selbsiverlag der Gesell-
schaft. Frankfurt und Mainz bei H.
Keller. . 1865.
Enthält wie die früheren Jahrgänge das
reiche Material der im Schoosse dieser Ge-
sellschaft verhandelten Gegenstände. Neben
einigen grösseren Vorirägen, welche die
Wunder der Pflanzenwelt
und Rundschau von den Knollen- und Zwie-
beigewächsen von F. J. B. Pfister, enthalten:
diese Verhandlungen eine Masse anderer in-
teressanterer Notizen. Heben wir, da
wir so eben von Gurkencultur sprachen,
eine hervor über Gurkentreiberei von J. Eu-
ler. — Hr. Euler wählt zur frühen Trei-
berei folgende Sorten: Arnstädter Riesen-
gurke, neue belgische Treibgurke, frühe
Gurke von Grusien, neue allerfrüheste voll-
tragende, kleine frühe Treibgurke. — Zur
späteren Treiberei wendet er dagegen
an Non plus ultra, weisse Gurke von Ba-
bylon, neue blassgrüne chinesische, Schlan-
gengurke von Athen, frühe Gurke vom Cap,
westindische grüne Gurke vom Himalaya,
Constantinus Incomparable, Snow’s neue
hellgrüne, weisse holländische, Vietory of
Bath, Roman Emperor, Wonder Frame,
blassgrüne brasilianische Treibgurke, Chi-
nesische Treibgurke.
Die ersten Beete zur frühen Trei-
berei legt er Ende Januar an. Die Samen
werden im Gewächshause ausgesäet und
nachdem die Pflänzchen ihre Samenblätter
gebildet, werden unter jedes Fenster 2 Pflänz-
chen bis an die SamenblJätter eingepflanzt
und zwar so, dass jede Pflanze unter die
Mitte einer Scheibe nahe dem Glase zu
stehen kommt. Man lässt ungestört fort-
wachsen, hakt nur die Ranken da nieder,
wo solche ans Glas anstossen und lüftet so
oft es die Witterung zulässt, reichlich. Zur
Zeit der Blüthe ist das Lüften unbedingt
nothwendig.
Zur späteren Treiberei werden kalte
Fensterbeete (d h. nicht frisch angelegte
Mistbeete) gewählt. Die Aussaat wird in
ein warmes Mistbeet gemacht. Nachdem
von K. Faust
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
sich die ersten Samenblätter gebildet, wird
jedes Pflänzchen in ein kleines Töpfehen
gepflanzt. Mitte April wird je eine derartig
vorgezogene Pflanze auf die Mitte eines je-
den Fensters gepflanzt. — Wir möchten
dem noch hinzu setzen, dass bei sehr früher
Treiberei die ersten weiblichen Blumen wo
möglich künstlich befruchtet werden sollten
und dass wenn bei wenig sonnigem Wetter
und Mangel an Lüften ein zu starkes Wachs-
thum ins Kraut eintritt, ein Einkneipen der
Spitzen der Triebe anzurathen ist. —
; (E. R.)
7) Carriere, culture de la vigne.
Paris, librairie agricole de la maison
rustique.
Herr Carriere nimmt in dieser Schrift
sehr warme Parthei für die von Hoibrenk
anempfohlene Culturmethode des Weines.
Er sagt von derselben, dass solche den
Vortheil der ohlfeilheit, mit möglichst
hohem Ertrag
anderen bekannten
vereine und deshalb allen
Methoden vorzuziehen
sei.
Die Hoibrenk’sche Methode versinnlicht
beigehende Zeichnung. Bei derselben bleibt
nur eine einzige Fruchtrebe stehen, die so
lang bleibt, als solche gesund und kräftig
ausgebildet ist und die noch ungefähr 12°
oder mehr unter die horizontale Linie her-
abgebeust wird. Natürlich muss jährlich
eine neue Fruchtrebe gezogen und die vom
vergangenen Jahre ganz weg geschnitten
werden. sollte jedoch die Erziehung einer
neuen Fruchtrebe fehlschlagen, so kann man
auch die alte stehen lassen und nur deren
Seitenäste auf I—2 Augen kürzen. Es ver-
steht sich, dass dieses System auch für
IV
Spaliere angewendet werden kann, wo man
nur mehre Etagen‘, übereinander mit unter
die Horizontallinie herabgebeugten Zweigen
erzieht. Herr Carriere erklärt Hoibrenk’s
Methode für noch vortheilhatter, als die
schon länger angewendete Methode, eben-
falls eine einzige Fruchtrebe stehen zu las-
sen, die aber horizontal angeheftet wird.
Um Paris soll sich Hoibrenks Methode schon
vielfach eingebürgert haben. Auch von ra-
tionellem Standpunkt aus betrachtet, scheint
diese Methode in Wahrheit sehr empfehlens-
werth zu sein. Wir geben diese Erklärung
gerne, da wir Hoibrenk’s Schwindelei mit
der Befruchtung der Getreide in diesen
Blättern genugsam gekennzeichnet haben. —
Zugleich wollen wir aber auch unsere Leser
auf Carrieres vorzügliche Schrift „La Vig-
ne“ (Paris, librairie agricole dela maison rusti-
que) aufmerksam machen, in welcher alle
die verschiedenen Methoden der Cultur des
Vereines, einsichtig besprochen sind.
(E. R.
8) H.,Graichen, Landwirthschattliche Be-
richte etc. Leipzig bei Oscar Leiner.
» Von diesen landwirthschattlichen Be-
richten kostet der Jahrgang nur 5 Sgr., ist
aber, freilich keinen Heller werth. Der Le-
ser bekommt eine Art von Katalog, dem
der blasseste Unsinn mit einzelnen Wahr-
heiten wild gemengt, in Form von Recepten
zu Düngerpulvern etc. voraus gesendet wird.
Dann folgt ein Verzeichniss der abgebbaren
Sämereien. Die Namen in einer theils schau-
derhaften Orthographie. Da wird Ascle-
pias syriaca in Samen und Pflanzen empioh-
len, 1) als Bienenweide, 2) Seide der Sa-
menwolle zum Verspinnen von Baumwolle,
3) Stengel zur Flachsbereitung, 4) Blumen
zur Honigbereitung, 5) Blätter als Gemüse. —
Für 3 Sgr. kann man die Prise Samen und
1 Rthlr. 1 Dutzend Pflanzen von dieser Nutz-
. Literatur.
91
| dient, während alles andere Schwindel ıst
‚ Da paradirt auch die Wunder- Bohne von
ı Navao&, unsere Mäusegerste als neues Fut.
| terkraut mit 5 Sgr. das Loth. — Wir
denken, wir können unseren Lesern fernere
| Proben dieser landwirthschaftlichen Berichte
des Hrn. Graichen ersparen.
(E. R.)
9) Karl Koch. Agaven-Studien.,
Es ist das ein Extraabdruck aus der Ber-
liner Gartenzeitung, ein Beitrag zur besseren
Kenntniss der Agaven der Gärten.
Wir theilen vollständig des ebenso thä-
tigen als einsichtigen Verfassers Ansicht,
der von der Ansicht ausgeht, dass über die
Arten und deren Stellung, erst dann end-
gültig abgeschlossen werden kann, wenn
auch deren Blumen bekannt sind. Koch
giebt daher in dieser Arbeit nur eine vor-
läufige Beleuchtung der jetzt in den Gärten
befindlichen Arten. (E. R.)
&3 &&
10) Henkel, J. B. und Hochstetter, W,
Synopsis der Nadelhölzer Stuttgart
1865. — De
Die Autoren dieses Buches geben in
demselben eine wissenschaftlich ‘geordnete
Aufzählung aller bekannten Nadelhölzer, mit
den Charakteren der Gattungen und Arten
in deutscher Sprache, — ferner die Autzäh-
lung der Synonymie, die Standorte, Eigen-
ı schaften und Benutzung, denen sich endlich
die Bemerkungen anreihen, wann solche in
Europa eingeführt wurden und wo solche
‚im ireien Lande cultivirt werden. — Den
einzelnen Gruppen Nadelhölzer sind
gute Beobachtungen über deren Cultur an-
gehängt. Für Gärtner, Gartenfreunde und
alle Freunde der Nadelhölzer ein trefiliches
Buch, um sich in demselben Rath zu holen.
(E. R)
der
pflanze kaufen, die eben nur als Bienenfutter
92
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
V. Personalnotizen und Neuestes etc.
1) Sir William Jackson Hooker. | ten zu Kew berufen ward. — Was Hooker
Die Gartenflora gab schon eine kurze Bio- | für Kew gethan, welch eigentlich dem gan-
graphie dieses ausgezeichneten Mannes. Dem
Gardener’s Chronicle entnehmen wir aber
noch die folgenden Mittheilungen.
W. J. Hooker ward den 6. Juli 1785 zu
Norwich geboren. Seine erste Erziehung
erhielt er auf der hohen Schule zu Norwich.
Nach Beendigung des Schulunterrichts be-
schäftigte er sich privatim mit dem Studium
der Naturwissenschaften und speciell der
Botanik und Entomologie. Im Jahre 1805
ward Hooker in Folge des Auffindens der
Buxbaumia aphylla (ein auch in Deutschland
einheimisches Moos) mit dem bekannten Bo-
taniker J. E. Smith bekannt. Im Jahre 1806
machte er Touren in die wildesten Gegen-
den Schottlands bis zu den Orkney-Inseln
und ging dann nach London, wo er mit
J. Banks, R. Brown, Solauder und Dryan-
der befreundet ward. Im Jahre 1809 be-
suchte er Island und machte dort bedeutende
Sammlungen aus allen Theilen des Natur-
reiches. Leider gingen aber diese sämmtlich
verloren, indem das Schiff. mit dem er die
Rückfarth machte, dem Meere ver-
brannte. Seine eigne wunderbare Rettung
beschrieb er selbst in einer kleinen Schrift
„Recolleetions of Iceland“. Im Jahre 1814
unternahm er eine Botanische Reise nach
Frankreich und der Schweiz. Im Jahre 1815
verehelichte sich Hooker mit der ältesten
Tochter von D. Turner, liess sich in Hales-
worth in Suffolk nieder und begann mit der
Sammlung seines grossen Herbars. das er
als das reichste der Welt zurückgelassen hat.
Hier schrieb er im Jahre 1816 sein erstes
Botanisches Werk, The British Jungerman-
niae.
Wir unterlassen es hier, über seine an-
dern zahlreichen Werke zu referiren. da wir
dies schon in unserm ersten Nekrologe tha-
ten.
fügen wir nur noch hınzu, dass er 1820 als
Professor der Botanik nach Glasgow.
1841 als Director an den Botanischen Gar-
auf
In Bezug auf seine fernere Carriere
und
zen Volke gewidmetes Institut er hier ge-
gründet, geht am ehesten daraus hervor,
dass Kew im ersten Jahre nach seinem Ein-
tritt als Director von 9000 Personen im Jahre
besucht wurde. während 1864 die Zahl der
Besucher aui 473,307 Personen pr. Jahr ge-
stiegen war. Hooker starb am 12. August
1865 und hinterlässt seine Wittwe, 2 ver-
heiraihete Töchter und seinen Sohn Dr. Jo-
seph Dalton Hooker, welcher an der Stelle
seines verstorbenen Vaters, als Director des
Botanischen Gartens und Museums zu Kew
ernannt worden. —
3) Heinrich Wilhelm Schott. Wir
haben schon den Tod Schotts angezeigt,
wir entnehmen einer von Fenzl verfassten
Biographie noch die folgenden Daten. H.
W. Schott wurde am 7. Januar 1794 zu
Brünn in Mähren geboren. In seinem 7. Jahre
zog er mit seinem Vater, der damals
die Stelle als Obergärtner am Botanischen
Garten zu Wien erhielt, nach Wien. Nach-
dem er den Schulkursus absolvirt, trat er
von 1809—1813 zu seinem Vater in den
Botanischen Garten ein, um die Gartenkunst
praktisch zu erlernen. 1813 ward er Assi-
stent am Botan. Garten und 1815 erhielt er
auf Verwendung seines Lehrers und Gön-
ners J. v. Jacquin die Stelle als Hofgärtner
im Kais. Garten der Flora. Hier beschäf-
tigte er sich gleichzeitig mit dem wissen-
schaftlichen Studium der Botanik und schrieb
eine Monographie der Gattung Silene, die
jedoch nicht publieirt ward. Im Jahre 1817
ward Schott als Gärtner zum Sammeln von
lebenden Pflanzen, Samen und Früchten der
Expedition nach Brasilien beigesellt, welche
von Mikan, Natterer und Pohl geleitet, zur
Erforschung Brasiliens von Franz I abgesen-
det wurde. Dieser Expedition schlossen sich
ausserdem Martius, Spix und Raddi als Na-
turforscher an In Rio Janeiro angekommen,
legte er dort einen Garten an. in dem die
nach Wien überzusiedelnden Pflanzen zuerst
VW
eultivirt und eingefangene Thiere gepflegt |
wurden. Nachdem diese Vorarbeiten been-
det, unternahm er allein im Jahre 1819 und
1820 wissenschaftliche Expeditionen in das
Innere Brasiliens. Nach fast 4jährigem Auf-
enthalte in Brasilien kehrte er 1821 nach
_ Wien zurück und brachte 76 grosse Kisten
lebender Pflanzen, ein Herbar von 2000 Ar-
ten und 773 Arten Pflanzen
in Samen mil.
Personalnotizen.
Jetzt ward er zum Direktor-Adjuncten in
Schönbrunn, 1828 zum K. K. Holgärtner
und 1845 zum Hofgarten - und Menagerie-
Direktor in Schönbrunn bei Wien ernannt.
Der Gartenwelt ist seine schöpferische Thä-
tigkeit genugsam bekannt. Mit besonderer
Vorliebe pflegte er die Alpenpflanzen und
eultivirte eine der voliständigsten Sammlun-
gen derselben. Seine wissenschaftliche Thä-
tigkeit begann im Jahre 1852 mit der Her-
ausgabe der Meletemata im Verein mit
dem berühmten Endlicher. 1834 toigten
seine Fragmenta botanica, dann die Genera
Filicum. Nun begannen seine Studien über
die Familie der Aroideen, als deren tüch-
tigsten und genialsien Monographen wir
Schott wiederholt in diesen Blättern bespro-
chen haben. Ausser den von ihm publieir-
ten Werken über diese Familie, fertigte er
noch mit bedeutendem Kostenaufwande,
eine Sammlung von 3282 Folio-Tafeln-Ab-
bildungen,, über alle ihm bekannt geworde-
nen Arten dieser Familie an, welche er als
eine werthvolle wissenschaftliche Sammlung
hinterlassen hat. Er starb am 5. März vo-
rigen Jahres, nachdem er noch kurz zuvor
die von Welwitsch gesammelten Aroideen
bestimmt und in Dr. Seemanns Journal be-
schrieben hatte. —
3) Das Hundertjährige Stiltungs-
test der K. Freien Oekonomischen
Gesellschatt in St. Petersburg. Am
Oekonomische Geseilschaft in St. Petersburg,
unter dem Vorsitz des Ehren-Präsidenten
derselben. Sr. K. Hoheit des Grossfürsten
Niecolai-Nicolajewitsch und unter Beisein der
Hrn. Minister der Domänen, des Innern,
Sr. K. Hoheit des Prinzen von Oldenburg,
und anderer hoher Würdenträger, beglück-
wünscht von den gelehrten Körperschaften
31.Oct. vorigen Jahres beging die Kais. Freie
93
aller Theile des Reichs, — ihr hundertjöäh-
Nach
öffnungsrede von Seiten des Ministers der
Domainen und des Präsidenten der Gesell-
schaft, des Herın v. Kawalowsky ward ein
Schreiben Sr. Majestät des Kaisers an die
Gesellschaft verlesen. Dann folgten die
Adressen von nah an 60 Instituten und Ge-
sellschaften durch deren Deputirte, — und
zum Schluss hielt der Hr. Sekretär der Ge-
sellschaft eine geistvolle und lebhafte Rede
über die Geschichte der Gesellschaft.
Jahre 1765 den 31. October ward solche
durch ein Rescript von der Kaiserin Katha-
rina ll. ins Leben gerufen und wirkte seit
jener Zeit segensreich für Russland, durch
Beispiel, Einführung von Maschinen, Ver-
theilung von Preisen und die zahlreichen
Publikationen in russischer und deutscher
Sprache. Möge sie unter den jetzt verän-
derten Besitzverhältnissen, fernere hundert
Jahre zum Segen des weiten Reiches wir-
ken. (E. R.)
4) Am 13. Nov. 1865 starb F. W. Bett-
zich, Hofgärtner Sr. Kais. Hoheit des Gross-
fürsten Nicolai-Nicolajewitsch, — einer der
tüchtigsten und intelligeniesten Gärtner Russ-
lands. Er wurde 1814 zu Dessau geboren.
Seine Schulbildung erhielt er in Dessau und
in der Klosterschule in Berlin. Im Jahre
1826 trat er in Berlin beim Handelsgärtner
Fuhrmann in die Lehre. Während seiner
Lehre und einer späteren Öondition in Ber-
lin besuchte er die Zeichnenacademie daselbst
und machte so bedeutende Fortschritte, dass
er mit mehreren Medaillen belohnt wurde.
Nachdem er später noch iu Potsdam, Kö-
nigsberg und auf dem Gute Röhrchen con-
ditionirt, ging er mit einem Empfehlungs-
schreiben der Herzogin von Dessau an Ihre
Majestät die verstorbene Kaiserin versehen,
im Jahre 1832 nach Petersburg. Wie so
mancher der älteren deutschen Gärtner, die
jetzt noch in Russland leben, machte er diese
Reise noch zu Fusse.
Bettzich erhielt noch im Jahre 1832
auf Befehl Ihrer Majestät eine Stelle in Pe-
terhof. Fleiss, Treue und Umsicht verschaft-
ten ihm bald das Vertrauen seiner Vorge-
setzten und so erhielt er erst die Stelle als
riges Stiltungstest. einer kurzen Er-
Im
94
Hotgärtner in Alexandrinen bei Ihrer Maje
stät der Kaiserin und dann auch noch auf
der Sommerresidenz Sr. K. H. des Gross-
fürsten Nicolai - Nicolajewitsch Sna-
minsk. — Wie sein hoher Herr und dessen
Gemahlin, unsern Bettzich liebten und
achteten, das geht am besten daraus hervor,
dass Bettzich, der gesund und wohl am 13.
November nach Petersburg kam, in Folge
eines Schlaganfalls in den Armen ‚seines
Hohen Herrn und dessen Gemahlin, starb.
in
Sr. Kaiserliche Hoheit und dessen Gemahlin |
folgten zu Fusse dessen Sarg durch die
Stadt und begleiteten die Leiche bis Sna-
minsk. —
Wir haben wiederholt in diesen Blättern
der vorzüglichen Culturen und der muster-
haften Einrichtung, des unter Bettzichs Lei-
tung stehenden Gartens zu Snaminsk ge-
dacht.
zuverlässigen Freund verloren, während un-
ser Gartenbauverein in ihm, eins seiner fä-
higsten und intelligentesten Mitglieder ver-
lor. — (E. R.)
5) Blumenausstellung der Gar-
tenbaugesellschaft Flora zu Frank-
furt a. M. vom 29. März bis zum 4. April
1866. — Einsendungen müssen schon zum
298. März eingehen und können;am 4. April
wieder abgeholt werden. Bei von auswärts
eineehenden Einsendungen trägt die Gesell-
schaft die Fracht, übernimmt
und Rücksendung. Letztere geht aber auf
Kosten des Ausstellers, der auch die Anzeige
der Einsendung, 14 Tage zuvor zu machen
hat, —
Es sind zahlreiche Preise von 1—15 Du- |
katen ausgesetzt, darunter auch Preise für
im ‘Zimmer cultivirte Pflanzen. Prog-
vamme können bezogen werden durch die
„Verwaltung der Gartenbaugesell-
sehaft Flora zu Frankfurt a. M.“
6) Georg Schnittspahn, Direktor
des Botanischen Gartens zu Darmstadt starb
am 22. December 1865 im Alter von 56
Jahren. Als Gärtner bei seinem Vater ge-
bildet, trat.er als Lehrer der Botanik 1831
in die Landwirthschaftliche Lehranstalt des
Dr. Pabst in Darmstadt ein. 1838 wurde
ihm die Vergrösserung und Veränderung des
Wir haben in ihm einen treuen und
die Pflege |
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
mit der Gewerbeschule zu Darmstadt in
Verbindung stehenden Botanischen Gartens
überwiesen. Seit jener’Zeit war Schnittspahn
Direktor des Botanischen Gartens und von
1841 an, auch Lehrer der Botanik, Zoologie
und Waarenkunde an der Gewerbschule.
1835 half er den Gartenbauverein zu Darm-
stadt gründen und fungirte bis zu seinem
Tode als}; Sekretär desselben. — Als blei-
bendes Andenken an ihn wird seine Mono-
graphie der Semperviven dienen.
(Nach Kochs Wochenschrift).
7) Lenn&, General-Gartendirek-
tor in Potsdam, starb daselbst am 23. Ja-
nuar. Er ist es, dem Berlin und Potsdam
alle die neuern Anlagen aus den letzten
ı Jahrzehnten dankt, er ist es, der als gedie-
genster Neister der ästhetischen Gartenkunst
einen weit verbreiteten und wohl verdienten
Ruf besass. Seine letztere grössere Schöpf-
ung war noch der Flora-Garten zu Cöln.
' Wir hoffen unsern Lesern später einen ein-
lässlichern Bericht über das Leben dieses
‚ ausgezeichneten Mannes geben zu können,
der auch die Gärtner-Lehranstalt in Potsdam
und die Landesbaumschule bei Potsdam ins Le-
ben gerufen hat. (E. R.)
8) Dr. G. Schweinfurth. Dr. Kotschy
‚hat einen Brief des Dr. Schweinfurth aus
Kosser in Oberägypten veröffentlicht, der
| den 30. Januar 1865 geschrieben ist.
Schweinfurth machte von Kosser aus ver-
schiedene Excursionen zur Erforschung der
Flora. Die Wüste bekleidete sich um diese
Zeit mit neuer Vegetation. Wir erwähnen
| der Pulicaria undulata D. C., die einen star-
| ken Geruch, ähnlich dem Camıpher und der
| Pfeffermünze verbreitet. Das üppige Grün,
jin welches die Felsenthäler gekleidet, bedingt
vorzugsweise Zilla micerocarpa Vis., die auch
| den Kameelen zur Nahrung dient.
| Auf einem Ausflugnach den südlich von
ı Kosser gelegenen Gebirgen des Gebel Abu
Tiur und Gebel saubah fand 5. das Zygo-
phyllum desertorum und portulacoides in
| der Ebene; bevor er das mannigfache geo-
| logische Formationen zeigende Gebirge be-
| stieg. An den Felsen des Gebirges kletter-
‚ten mit Früchten reichlich besetzte Colo-
quinten umher. Er passirtenun das Waddy
|
V. Personalnotizen.
Hendösse, den Brunnen, von dem Kosser
sein Wasser bezieht, was in der Stadt mit
5 Piaster pr. Schlauch verkauft wird. Von
dort aus im Gebirge aufsteigend, sammelte
er 35 Arten verschiedenartiger blühender
Pilanzen, von denen wir den Balanites ae-
gyptiaca, einen Baum,
Den schönsten Schmuck bildete aber Lavan-
dula spicata und der zwischen Sträuchern
von Lycium an Moringa aptera emporschlin-
gende Ochradenus baccata. Die Moringa-
Bäume mit ihren gracil herabhängenden
Aesten, haben ungefähr die Tracht einer
Casuarina.. Nun bestieg unser Reisender
den Gipfel des Abu Tiur, der sich 4000'
über das Meer erhebt und der vor ihm
schwerlich von einem Europäer erstiegen
war. Nacktes und kahles Gestein, auf dem
kein Strauch, keine Staude und nicht einmal
eine Flechte wuchs, machte diese Bestei-
gung, ausserordentlich schwierig. Der Blick
auf dasMeer, auf diezerklüfteten Gebirge und
dieWüste, belohnte aber dieMühe. (E.R.)
9) Aus Dresden, In der letzten Zeit
fand hier ein grosser Wechsel in Besetzung
der königl. Hofsärten statt. Die bejahrten
Hofgärtner Terschek und Seidel vom Palais-
und Orangengarten sind pensionirt worden
und ihre Stellen sind insofern eingezogen,
als künftig keine Hofgärtner mehr an diese
Gärten angestellt werden sollen, sondern
Obergehülfen, die unter einer neu creirten
Direction der königl. Gärten, soweit solche
zur Civilliste gehören, stehen. Der bishe-
rige Inspector des botanischen Gartens, Hr.
Krause, hat die Oberleitung der königlichen
Gärten erhalten, mit dem Titel eines Königl.
Gartendireetors, während der bisherige Ober-
gehülfe des botanischen Gartens, Herr Po-
scharsky, ihn als Inspector am botanischen
Garten ersetzt. Auch der Herr Hofgärtner
Terschek in Pillnitz ist pensionirt und Hr.
Wenzel an seine Stelle ernannt worden. Be-
sonders erfreulich ist auch, dass man ernst-
lich daran denkt, den alten, mitten im
Häusermeere der Stadt höchst ungünstig ge-
legenen und viel zu beschränkten botani-
schen Garten zu verlegen. Als neue ungleich
günstigere Localität ist die bisherige König].
Baumschule am Eingange in den grossen |
erwähnen wollen.
9
[1
Garten und vis a vis dem zoologischen Gar-
ten ausersehen. Im Auftrage des Ministe-
riums des Innern hat bereits der bisherige
Inspector Krause mit einem Landbaumeister
die Gewächshausbauten der Neuzeit in den
grössten deutschen und belgischen Gärten
auf einer 5 wöchentlichen Rundreise besich-
tigt, um die zweckmässigsten Neuerungen
bei den Bauten im neuen botanischen Garten
in Anwendung bringen zu können, und
schon der nächste Landtag im Frühjahr 1867
wird darüber zu entscheiden haben, ob er
die Mittel zur Ausführung dieses Projectes
(etwa 80,000 Thaler) bewilligen will oder
nicht, Hoffen wir, dass auch hier der Land-
tag den Forderungen der Neuzeit volle
Rechnung tragen werde! — (E. ©.)
10) Versammlung deutscher Land-
und Forstwirthe in Wien. Im Jahre
1866 werden in Wien tagen die deutschen
Land- und Forstwirthe und auch die Vor-
stände der deutschen Ackerbauschulen. Der
Empfang derselben wird sich Oesterreichs
würdig zeigen. Die Niederösterr. K. K.
Landwirthschafts-Gesellschaft und die K. K.
Gartenbau-Gesellschaft werden grossartige
österreichische Blumenausstellungen veran-
stalten. (S —-r.)
11) Tiflis. Die Gärten sahen letztes
Jahr traurig aus. Der Wein hat in Folge
des kalten Frühjahrs und der Krankheit, gar
keine Erudte gegeben. Steinobst gab es gar
nicht, Kernobst wenig. Gemüse und Kartoffeln
gaben mittelmässige Erndte. Auch Korn und
Heu sind schlecht gerathen, so dass die Preise
aller Lebensmitte! sehr hoch stehen. So zahlt
man für das Pud (ungefähr 55 Pfund Zollge-
wicht) Kartoffeln 75 K. (*/, Rthlr.) und für das
Pud Mehl 2 Rbl. Die ersten Nachtfröste fielen
schon auf den 25. Sept. (7. Oet. n.St.), dann
aber trat im October noch einmal fast uner-
trägliche Hitze ein und Mitte Okt. (Ende Oct
n. St.), erfrischte nach einem Zeitraume von
2 Monaten der erste Regen Gärten und Fel-
der. Das Erdreich war so trocken gewor-
den, dass selbst die immergrünen Bäume,
das Laub zu werfen begannen.
(Scharrer).
I6.
12) Internationale Ausstellung
und Gartenbaucongress zu London.
Die Ausstellung in London wird zwischen
dem 22. bis zum 25. Mai stattfinden.
Die Ausstellung selbst findetin So uth-
Kensington, in dem Garten der Royal
Hortieultural Society statt und werden da-
bei für 2500. L. Strig. Preise vertheilt wer-
den.
Der Congress wird durch Herrn Alph.
Decandolle präsidirt werden und soll in 2
Zusammenkünften während des Tages statt-
finden.
Alle grössern Gärten Englands sollen
den Besuchern der Ausstellung offen
stehen.
Wer Vorträge im Congress halten will,
muss solche bie spätestens den 1. Mai dem
Comite eingeben. Diese Eingaben sollen
vorher in Englischer, französischer und
deutscher Sprache gedruckt werden, so
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
dass jeder Besucher des Congresses, an der
Discussion Theil nehmen kann. —
Am Banquet können auch Damen Theil
nehmen. Das Couvert zu solchen kostet 8
Guineen.
Eingaben und Einsendungen werden
an einen der 3 Herren Sekretäre, an Th.
Moore, F. L. S., Botanie Garden Chelsea.
S W., in Betreff der Ausstellung, und an
Dr. B. Seemann, F. L. S., 57, Windsor
Raod. N. in Betreff der Ausstellung ge-
macht. Dr. R. Hogg, F.L. S., 29 St. Ge-
orge's Raod. 5. W., nimmt Anmeldungen
aller Art an. —
HerrDr. B. Seemann schreibt uns, dass
die Ernennung von A. De Candolle zum
Präsidenten des Congresses, allgemein als
eine sehr geeignete Wahl, von allen Jour-
nalen begrüsst werde. —
(E. R.)
I. Originalabhandlungen.
1) Abgebildete Pflanzen.
a) Franceiscea calyeina Benth
(Siehe Tafel 502.)
Serophularinmzae.
Brunfelsia calyeina Benth. in D. C.
prodr. X. pag. 199. — Franeiscea caly-
cina Hook. in Bot. Mag. tab. 4583. —
Foliis oblongo-lanceolatis, plus minus
acuminatis, subcoriaceis, cauleque gla-
berrimis; cymis 2—3 floris; calyce tu-
buloso, elongato, paullo inflato, glabro;
eorollae tubo calycem breviter superante,
puberulo, apice curvato inflatoque:
limbo maximo, profunde quinquelobo:
lobis undulatis. —
Die Gattung Franciscea, die Bentham
wieder mit Brunfelsia vereinigte, ist in
zahlreichen Arten in unseren Gewächs-
häusern repräsentirt.
Alle Arten bilden niedrige Sträucher,
die im tropischen Amerika heimisch
sind.
Wegen ihres angenehmen Geruchs
der Blumen, ist schon lange die Fran-
ciscea Hopeana Hook., ein allge-
mein verbreiteter Bewohner unserer
Warmbhäuser.
IV. 1866.
Viele andere seitdem eingeführte
Arten, wie Fr. acuminata Pohl,
ceonfertiflora Pchl, hydrangeae-
formis Pohl, wurden wohl anfangs
stark verbreitet, werden jetzt aber von
Gartenfreunden wenig eultivirt, — wäh-
rend Fr. eximia Scheidw., latifo-
lia Pohl, und besonders die beistehend
abgebildete Fr. calycina die allge-
meinste Cultur verdienen.
Diese letztere Art ist schon im
Jahre 1849 in den Gärten Belgiens aus
Brasilien eingeführt worden und wurde
1851 von Hooker im Bot, Magazine ab-
gebildet. Sie bildet einen niedrigen
stark verästelten Strauch, der schon bei
ı Fuss Höhe auf den Spitzen aller sei-
ner Aeste, die grossen violetten Blumen,
deren tellerförmiger Saum 21/, Zoll im
Durchmesser besitzt, entwickelt. Ein
angenehmer, wenn gleich schwacher
Geruch, zeichnet ferner diese Pflanze
vortheilhaft aus. Dieselbe ist mit Fr.
7
98
eximia, besonders aber mit der von
Linden kürzlich eingeführten Fr. Lin-
deniana Pl]. nah verwandt.
Man pflanze solche in eine nahrhafte
lockere, nicht zu leichte Erde, (Mischung
lehmiger Wiesenerde mit !/; lockern
Humus und etwas Sand) und sorge für
guten Abzug des Wassers. Den Topf
senke man zur Zeit des Triebes in: ein
erwärmtes Beet des niedrigen Warm-
hauseg ein, und stelle die Pflanzen nach
vollendetem Trieb, also von Mitte Som-
mer bis zur Mitte des Monats Februar
auf einem der Tische oder auf einem
Sandbeete des Warmhauses auf. Die
Blumen erscheinen vom ersten Frühlinge
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
bis Mitte Sommers. Um einen kräftigen
Trieb zu befördern, wird bei mildem
Wetter gelüftet, bei sonnigem Wetter
bespritzt und leicht beschattet und wäh-
rend des Triebs ein bis zweimal je nach
Bedürfniss ohne Beschädigung des Bal-
lens vorsichtig grösser gepflanzt. Ein-
kneipen der Spitzen der längsten Triebe
und ein wiederholter Dungguss, sind
fernere Mittel zur Formirung und Er-
ziehung eines schönen kräftigen Exem-
plars. —
Vermehrung durch Stecklinge, wel-
che fast zu jeder Zeit im Warmbeete
des Vermehrungshauses leicht und si-
cher Wurzeln bilden. (E. R.)
b) Echidnium Spruceanum Schott.
(Siehe Tafel 503.)
Aroidezaze,
Echidnium Schott. Spatha basi |
convoluta, apice acuminata. Spadix cy-
lindricus, stipitatus: stipite pro parte
spathae accretus. Flores hermaphroditi.
Sepala 4—5, irregulariter imbricata. |
Ovarium hemiphragmate angusto instruc-
tum. Stylus eylindrico-conoideus. Stig-
ma punctiforme, minutum, in centro
styli verticis. Ovula 2, e hemiphrag-
matis acie, hemianatropa, breviter
funiculata. — Folia radicalia, petiolo
tereti, lamina pedato-tripartita. — Schott
genera Aroidearum tab. 88.
E. Spruceanum Schott, in
Oestr. Bot. Zeitschrift 1858 pag. 350.
Schott Prodr. Aroid. pag. 418; foliis
foraminibus instruetis, plus minus acu-
minatis. —
Die Blüthenscheide. dieser ausge-
zeichneten Aroidee, die Hr. Appun dem
Kais. Botanischen Garten als Arum fili-
folium aus Brasilien einsendete, erschien
im Juni des Sommers 64. Dieselbe wird
von einem dicken 1!/, Zoll langen
Stiele, der aus der Knolle hervortreibt
und eine bräunlich rothe Farbe besitzt,
getragen. Am Grunde desselben stehen
4—5 Bracteen, von denen die untersten
klein, häutig, oben abgerundet und mit
aufgesetzter Spitze, die oberste dagegen
braunroth, mit scheidigem Grunde und
mit lanzettlicher zugespitzter abstehen-"
triseetis, partitionibus trifidis v. pinna- | der Spitze, die länger als der Stiel der
tiidis, pinnis decurrentibus ovatis v. | Blüthenscheide und an den Rändern
ovato-oblongis v. late ovatis, interdum | eingerollt. Die Blüthenscheide ist kaum
I. Originalabhandlungen.
4 Zoll lang, von ziemlich fester Consi-
stenz, schwarzbraun, innen glänzend,
von 9 stärkeren, auf der Aussenseite
etwas hervortretenden Längsnerven durch- |
zogen, am Grunde becherförmig zusam- |
mengerollt, in einen ovalen aufrechten
concaven vorn zugespitzten Lappen aus-
gehend. Der Blüthenkolben walzlich,
mit der Blüthenscheide verwachsenen
Stiel gestützt. Jede einzelne Blume be-
steht aus 5 keilförmigen, an der Spitze
verbreiterten und hier einwärts geboge-
nen Blüthenhüllblättchen.
denselben alternirend, theils unregelmäs-
sig zwischen gestellt, stehen am inneren |
Grunde der Blüthenhüllblättehen 7—9
Staubfäden, deren Träger breit.
länglich und sich mit einer ovalen
Längsspalte öffnend.. Der dreiseitig-
walzliche, nach oben kegelförmige Frucht- |
knoten nimmt das Centrum der Blume
ein, und überragt mit seiner Spitze die
Blüthenhüllblätter etwas.
kurzen Stiele getragen werden und am
untern rückwärts gebogenen Ende den
Eimund tragen. Die Narbe klein, aus
vielen kleinen Papillen bestehend und |
die Spitze des Fruchtknotens einneh- |
mend,
Die Blätter
gestielt. Die Blattstiele sind 11/, bis 3
Fuss hoch, ganz stielrund, kahl.
genthümlich ist die Zeichnung derselben,
Theils mit |
Im Grunde |
des Fruchtknotens finden sich auf der |
grundständigen Placenta 2 zusammen- |
gebogene Samenknospen, die von einem |
| Blüthenscheide und dem Blüthenkolben
erscheinen nach der |
Blüthe aus dem Knollen und sind lang |
Ei- |
| vergrösserten Fruchtknotens mit
indem auf schmutzig weisslicher Grund- |
99
farbe, braune oder braungrüne oder
| auch ins Rothe übergehende breite flam-
mige und unregelmässige Querbinden
auftreten, die dem Blattstiele eine
schlangenfellartige Zeichnung geben und
die Grundfarbe grossentheils decken. Die
grosse, fast 11), Fuss im Durchmes-
|ser haltende Blattfläche kahl und in 3
wenig länger als der becherförmige zu- |
sammengefaltete untere Theil der Blü- |
thenhülle, mit dicht gedrängten Blumen |
besetzt, von einem kurzen am Grunde |
auseinander tretende Theilblätter ge-
theilt. Jedes der letzteren ist wiederum
entweder in 3 oder 2 Blättchen getheilt
oder finderschnittig.. Die einzelnen
Blättchen wechseln sehr in der Form,
|sind oval, breit-oval oder länglich-oval,
| vorn stumpf oder zugespitzt, ganzrandig
oder mit einzelnen eine neue Theilung
andeutenden Lappen. Ausserdem treten
in der Fläche der Blättehen selbst, in
der Nähe der Mittelrippe einzelne Lö-
| cher oder grössere Oeffnungen auf.
Die |
Antheren zweifächerig und die einzelnen |
Fächer der inneren Fläche der Spitze |
des Trägers angewachsen, jedes Fach |
Gehört zu den schönsten decorativen
Arten der knolligen Aroideen ; fürs
Warmhaus. Die von Verschaffelt als
Amorphophallusnivosus verbreitete Pilan-
|ze, von der tab. 424 der Illustr. hor-
ticole eine Abbildung nach einer Pflan-
ze, die noch nicht geblühet hat, giebt,
dürfte vielleicht mit unserer Pflanze
identisch sein. (E. R.)
Erklärung der Abbildung.
Fig. 1. Ein Blüthenschaft mit der
in Lebensgrösse.
2. Eine einzelne Blume von oben
gesehen, etwas vergrössert.
3. Eine stärker vergrösserte Blume
mit den ausgebreiteten Blüthenhüllblätt-
chen und Staubfäden.
4. Ein Fruchtknoten von der Seite,
schwach vergrössert.
5. Der Durchschnitt eines stärker
den
beiden Samenknospen,
7 E35
100
6. Ein Staubfaden,
sert.
7. Einzelne Blätter in !/,; der na-
türlichen Grösse.
stark vergrös-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
8. Ein Stück des Blattstiels in na-
türlicher Grösse.
9 Das Spitzenblatt in natürlicher
Grösse.
co Dibrachion peltatum Rgl.
(Siehe Tafel 504.)
Euphorbiaceae
Dibrachion Rgl. in ind, sem. hort.
Petrop. 1866. — Flores monoiei in
spicas terminales dispositi; Flores
masculi Jaxe subfasciculati, basi brac-
teis parvis glandulaque suffulti, pedun-
culati, calyce bipartito, staminibus plu-
ribus (10), filamentis liberis, antherarum
bilocularum loculis globosis basi diver-
gentibus dorso rima longitudinali dehis-
centibus. Flores foeminei ad basin
spicarum pauci, solitarii pedunculati,
ebracteati, calyce brevi cupuliformi bi-
crenato, eglanduloso, ovario biloculari
laevi, localis uniovulatis, stylis duobus
sigmoideo v. subspiraliter eurvatis crassis
et intus stigmatiferis. — Arbusculus ex
insulis Philippinis a el, Lindenio intro-
ductus. Folia alterna, longe peduncu-
lata, peltata, subintegerrima. — Mappa
fastuosa Linden cat. 1865. pag. 4.
Die beistehend abgebildete Euphor-
biacee, ist von Linden von den Philippi-
nen eingeführt und gehört zu der Zahl
der interessantesten Blattpflanzen; die
von unserem, um den Gartenbau so ver-
dientem Freunde in den Handel gebracht
worden sind. Die beistehende Abbildung
ist kaum in der Hälfte der natürlichen
Grösse angefertigt, und zwar nach einem
kleinen, kaum 1!/, Fuss hohem kxem-
plar, das im November 1865 im hiesigen
Garten blübete,
Die Untersuchung zeigte, dass es
eine Pflanze ist, welche den Gattungen
Mappa Juss. und Claoxylon Juse. ver-
wandt, während sie andrerseits zwischen
den Gattungen Omalanthus Juss. und
Stillingia Gard. gerade in der Mitte
steht und die auch bis jetzt noch nicht
beschrieben worden ist. Die Gattung
Mappa unterscheidet sich von unserer
neuen Gattung durch achselständige
verästelte Blüthentrauben, in den Ach-
seln grosser gezähnter Bracteen sitzen-
de oder fast sitzende Blumen, die
stets kürzer als die eine stützende Brac-
tee sind, ferner durch wagerecht ab-
stehende Antherenfächer und endlich
durch die weiblichen Blumen, die gleich-
falis zu 1 his ınehreren in den Achseln
grosser Bracteen sitzen und deren Frucht-
knoten mit langen einzelnen stachelför-
migen krautigen Auswüchsen bewehrt
sind. —
Claoxylon stimmt in der Blumen-
bildung mit unserer Pflanze mehr über-
ein, unterscheidet sich aber noch durch
achselständige Blüthenähren, männliche
Blumen mit 3—4theiligem Kelche, kleine
Schuppen am Grunde der Staubfäden,
sowie durch weibliche Blumen mit 3-
theiligem Kelche, der innerhalb abwech-
selnd mit den Lappen desselben 3 ge-
färbte Drüsen trägt, — und endlich
L Originalabhandlungen.
durch gesägte nie schildförmige Blät-
ter. ——
Am nächsten
Omalanthus Juss.
sind die Gattungen
und Stillingia Gard.
verwandt, und zwar theilen solche den |
| Länge von 5 Zoilen. Fig. 1 und 2 ge-
Blüthenstand und sind überhaupt so
nahe verwandt, dass wir erst zweifel- |
| männlichen Blumen,
baft waren, ob wir nicht unsere Pflanze
zu Omalanthus rechnen sollten.
den Grundsätzen aber, nach denen jetzt
die Gattungen der Euphorbiaceen auf- |
dem noch
gestellt sind, bildet unsere Pflanze eine
neue Gattung. Sollten die Euphorbia- |
| förmige Drüse.
ceen-Gattungen jedoch noch mehr nach
natürlichen Charakteren in der Zukunft |
dann |
zu Gattungen vereint werden,
müssten Omalanthus und unser Dibra- |
chion, wieder zu Stillingia als Unterab- |
lin deren Innern meist 10 Staubfäden
theilungen fallen.
Von Omalanthus und Stillingia ist |
natürlich durch die |
schildförmigen Blätter getrennt. Ausser- |
| solche stehen einzeln,
unsere Pflanze
dem unterscheidet sieh Omalanthus durch
theils mit einander verwachsene Staub- |
fäden, durch ebenfalls einzeln stehende |
| Kelch. Fig. 4 giebt die starke Vergrösse-
|rung einer solehen weiblichen Blume.
weibliche Blumen, deren Blüthenstiele
aber am Grunde durch Bracteen gestützt
sind, deren Kelch eine kurze Röhre |
| brachion(Zweiarm, nach dem Verhalten der
bildet mitabgestutztem, unmerklich durch
2 kerbige Einbuchtungen in 2 Lappen |
| züglich schöne und durch die Blattform
getheiltem Saum und deren Narben dem
Griffel aufgewachsen und
unten eingekerbt,
lichen nur 2 Staubfäden tragenden Blrx-
men und durch 3lappigen Kelch der
weiblichen Blumen, 3 Griftel ete, —
Unsere Pflanze bildet einen kleinen |
Baum, dessen Blätter abwechselnd stehen,
mit 6 Zoll langen röthlichen, an der
Spitze 2 Drüsen tragenden Blattstielen
gestützt, und wie die ganze Pflanze
Nach |
oben und|
Stillingia unterschei- |
det sich bei ähnlicher Tracht durch ei- |
nen becherförmigen Kelch der männ- |
101
durchaus kahl sind. Die schönen schild-
förmigen hellgrünen Blätter, erreichten
bei unserer Pflanze einen Durchmesser
von 5 Zoll, dürften aber noch grösser
werden. Die Blüthenähre erreicht eine
ben die Ansicht von je 2 vergrösserten
welche die Aehre
fast ausschliesslich bilden; am Grunde
derseiben stehen 2 kleine Bracteen, die
kürzer als die Blüthenstiele und ausser-
seitlich am Grunde eine
knopfförmig zusammengedrückte kreis-
Jede der männlichen
Blumen, (die eigentlich richtiger als
Blüthenstände und jeder Staubfaden als
Blumen zu deuten sind), besteht aus 2
gegenständigen nierenförmigen Blättchen,
stehen. Fig. 3 ist ein stark vergrösser-
ter Staubfaden. Der weiblichen Blumen
fanden sich nar 2 am Grunde der Aehre,
sind von keinen
Bracteen gestützt und haben einen sehr
kurzen, nur mit der Lupe sichtbaren
Wir haben schon gesagt, dass Di-
weiblichen Blumen so genannt), eine vor-
ausgezeichnete Decorationspflanze ist,
Dieselbe scheint durchaus nicht zu den
zärtlichen Pflanzen zu gehören, Wir
eultivirten solche in einer lockeren leh-
migen Erde, im niedrigen Warmhause,
wo solche auf einem Tische nicht zu
fern vom Fenster aufgestellt, gut und
kräftig vegetirte, — (E. R.)
Nr. I u. 2. Je2 männliche Blumen.
3. Ein Staubfaden.
4. Eine weibliche Blume, alle ver-
grössert. —
102
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
2) Nachtrag zu dem Artikel über Kartoffeleultur und verglei-
chende Versuehe mit 440 Sorten.
Der Referent hat auch im Jahre 1865
Da unsere Versuche mit den zahl-
seine Versuche, mit den 440 Kartoffel- | reichen Sorten nur darauf gerichtet wa-
sorten fortgesetzt, um durch solche ein | ren, um die für ein kaltes Klima ge-
um so sichereres Resultat für das nörd-
liche Klima St. Petersburg zu erhalten.
Der letzte Sommer war für die Kar-
toffeleultur anfänglich günstig, dann aber
tödtete den 10. (22.) August ein Frost
von — 2° R. das Kartoffelkraut rings um
Petersburg, Die Folge dieses Frostes
war, dass die Knollen von diesem Zeit-
punkt an, fast gar nicht mehr wuchsen,
so dass die Erndte nur von den frühen
Sorten eine gute war, während alle
späten Sorten vollständig missriethen, ja
theils kaum die Aussaat lieferten,
Während der heissen und trockenen
Witterung im Juli hatte sich die Kar-
toffelkrankheit gar nicht gezeigt. und
erst als gegen Ende Juli und in der
ersten Woche des August, wiederholt
Regen eingetreten war, zeigten sich die
ersten Spuren der Krankheit, ja manche
niedrig und feucht liegenden Felder
hatten Anfang August schon in Folge
der Krankheit ganz krankes Kraut. Auf
unsern Versuchsfeldern sahen wir eben-
falls Anfangs August die ersten Spuren
der Krankheit, obgleich im Allgemeinen
das Kartoffelkraut auf denselben so
schön und gesund stand und so reich-
lich blühete, wie wir dies schon man-
ches Jahr nicht mehr gesehen hatten, —
Nach dem Erfrieren des Krautes, wobei
allerdings die Stengel meist nicht bis
zum Grunde erfroren waren, stellte sich
nasses Wetter ein und unter Einfluss
desselben, zeigte sich die Krankheit
gegen das Erwarten des Referenten, doch
bei manchen Sorten noch in sehr hohem
Grade. —
eignetsten Sorten aus denselben auszu-
wählen, so geben wir auch, von diesem
Standpunkte ausgehend, das Resultat
unserer in diesem Jahre gemachten Ver-
suche. Dieselben umspannten noch ein-
mal alle die im letzten Jahre schon
eultivirten Sorten. Es bestätigte sich
dabei unsere schon im letzten Jahre ge-
machte Erfahrung in Bezug auf dieje-
nigen Sorten, welche wir, als der Krank-
heit stärker ausgesetzt, schon im letz-
ten Jahre ausrangirt hatten. Nach un-
sern diesjährigen Erfahrungen, welche
eben im Verein mit den im letzten Jahr
gemachten nur dazu benutzt werden
sollten, um eine kleinere Zahl
von Sorten auszuwählen, die
sich als die geeignetsten für ein
kaltes Klima, in dem selbst im
August schon Fröste eintreten
können, erwiesen hatten, indem
sie erstens der Krankheit nicht, — oder
doch im Verhältniss zu den Vortheilen,
die sie bieten, nur wenig ausgesetzt, —
zweitens auch in ungünstigen Jahren
einen sichern Ertrag geben, — und
drittens im Geschmack oder Stärkege-
halt vorzüglich, — ist nun unsere Samm-
lung auf die Zahl von nur 48 Sorten
beschränkt worden. Aus den im letzten
Jahre unter Nummern aufgeführten und
noch beibehaltenen Sorten, wurden aus-
rangirt.
I. Als der Krankheit noch zu sehr
ausgesetzt.
Nr. 3, 3.6, 7,8, 1 BIS
15, 17b, 18b, 20, 21, 22, 22b, 26, 29,
1. Originalabhandlungen.
30, 31, 32,34, 36, 40, 41b, 42b, 44,
47, 54, 55, 56, 59, 61. 62, 65, 67, 68,
69, 71, 72, 74, 75, 76, 77, 79, 80, 83,
85, 87, 88, 91, 92, 93, 95, 96, 99, 102,
103, 104, 106, 107, 111, 113, 115, 116,
117, 119, 121, i22, 123, 124, 126, 128,
129, 130, 134, 138, 139, 144, 161, 174,
179, 187, 191, 194, 196, 207, 211,212,
213, 224, 226, 227, 228, 229, 235, 241,
255, 261, 272, 278, 279, 280, 282.
II. Als Sorten, die überhaupt einen
schlechten Ertrag geben, — oder die
als zu späte Sorten im Klima von Pe-
tersburg in ähnlich ungünstigen Som-
mern wie in dem vergangenen eine
sehr geringe Erndte geben, — wurden
ausrangirt.
(Die mit * bezeichneten sind späte
Sorten, die in Folge dieses Jahr nur
kleine Kartoffeln. und darum einen ge-
fingen Ertrag lieferten.)
Nra:l;. 2%,.9*,,10#,.16,517%,,21; 23,
25, 27, 28*, 33, 35*, 42b*, 43, 44, 45,
46, 49, 51*, 52, 53, 58, 62,63, 64, 72,
73*, 78, 87, 89, 90, 94, 98, 101, 105,
108*, 110, 114, 120*, 125, 126, 128,
132, 133, 134, 135%, 136%, 137%, 142,
144, 145*, 146%, 147, 148*, 149, 154,
155, 156, 157*, 158*, 159, 160, 162,
163*, 164*, 165, 167*, 168, 171, 172,
174, 175%, 176%, 177, 178, 179, 180,
181, 183, 184, 185*, 186, 187, 188,
189*, 190%, 191°, 193*, 195, 196, 199,
201, 202, 205, 206, 207, 208, 209%,
210, 211, 214*, 215*, 219, 221, 222,
223, 225*, 228, 230, 231, 232, 233%,
234, 235, 236, 237*, 238%, 239, 249,
241, 242, 243*, 244*, 245, 248, 249,
250, 251*, 252, 253%, 254, 255, 256,
257, 258, 259, 260*, 261, 262, 264,
265, 267, 268, 270, 271, 272, 273*,
274, 275, 276, 277, 278, 279, 283*,
287.
103
II. Der Krankheit nicht unterworfene
volltragende Sorten, die aber wegen
nicht guten Geschmacks oder Nässe
beim Absieden ausrangirt wurden.
Nr. 4, 14, 141, 152, 166, 180, 203,
217, 218, 2235,
IV. Beibehaltene Sorten, die als
frühe Sorten stets sichern Ertrag ge-
ben, der Krankheit nicht oder wenig
unterworfen sind, und einen reichen
Ertrag liefern. Die weissen und gel-
ben Sorten sind beim Abkochen ange-
nehm mehlig und platzend, — die ro-
then und blauen Sorten sind reich an
Stärkemehl, beim Absieden trocken
und von kräftigem Geschmack und
daher zum Wirthschaftsgebrauch, zur
Aufbewahrung bis zum kommenden
| Frühjahr und zur Branntweinbrennerei
vorzüglich. —
I. Gelbe und weisse Sorten.
Nr. 18. Pomme de terre sans
ıfleurs. Französische Sorte.
Nr. 19, Runde gelbe rauh-
schaalige. Russische Sorte,
Nr. 24. Bisquit runde dotter-
gelbe. Russische Sorte.
Nr. 37. Thüring’sche Kartof-
fel. Deutsche Sorte, die dies Jahr im
Geschmack gut war,
Nr. 38. Weisse Riesen. Eng-
lische Sorte vom Admiral Greig. Eine
ganz vorzügliche Kartoffel im Geschmack,
im Ertrag und gar nicht der Krankheit
unterworfen.
Nr. 39. Lima Kartoffel, Be-
währte sich auch in diesem Jahre als
eine vorzügliche Sorte im Geschmack
und Erirag. Allerdings der Krankheit
unterworien, ist aber nach Abzug der
kranken Knollen der Ertrag noch genug-
sam reich, — auch erkrankt solche, nicht
104 Gartenflora Deutschlands,
zu früh aufgenommen, im Keller nicht
weiter, während unsere Nr. 59, (Frühe
runde Marjolaine), die wir im letzten
Jahre als eine der besten Sorien zum
Anbau im Grossen empfahlen, allerdings
auch in diesem Jahre sich durch reichen
Ertrag und guten Geschmack auszeich-
nete, — aber weil sie die Untugend
besitzt, nachträglich im Keller noch
stark zu erkranken, von uns dennoch
jetzt ausrangirt wurde. —
Nr. 41. Early London. Eine
englische, in jeder Beziehung ganz vor-
zügliche Sorte, die der Krankheit gar
nicht unterworfen war und im Geschniack
und Ertrag der Lima - Kartoffel gleich
kommt. —
Nr. 48. Matschless Kidney.
Gleichfalls eine vorzügliche englische
reichtragende Sorte, von vorzüglichem
mehligem Geschmack, die dies Jahr
gar keine kranken Knollen hatte, —
Nr. 50. Englische Farinosa.
Eine englische Sorte, die in ihren Ei-
genschalten sich den beiden vorhergeh-
enden Sorten anschliesst, — nur sind
die Kartoffeln nicht gross. —
Nr. 5lb. Peruanische weisse.
Vorzügliche Sorte von feinem mehligem
Geschmack. Früh, reichtragend und
der Krankheit nicht unterworfen.
Nr. 60. St. Jean de Segonsac.
Eine feine und gute französische Sorte,
Lieferte grosse Knollen, reichen Ertrag
und war der Krankheit nicht unter-
worfen.
Nr. 66. Frühe gelbe. Eine rus-
sische Sorte, die im Geschmack aber
den vorhergehenden nachsteht, zum An-
bau im Grossen auf dem Felde als
reichtragende Sorte zu empfehlen ist. —
Nr. 70. Algir’sche Kartoffel.
Russische Sorte, die alle ihre guten Ei- |
genschaften beibehielt und der Krank-
heit gar nicht unterworfen war. —
Russlands und der Schweiz.
Nr. 71. Frühe Johannis, Rus-
sische Sorte, die als frühe Sorte zur
weitern Erprobuug beibehalten wurde.
Nr, 81. Frühe Herzogin. Eine
sehr volliragende deutsche Sorte von
gutem mehligem Geschmack.
Nr. 82, Französische längli-
che Biseuit. Frühe vorzügliche sehr
reichtragende Sorte von feinem mehli-
gen Geschmach. War der Krankheit
gar nicht unterworfen.
Nr. 84. Amerikanische weisse
Kartoffel. Weniger reichtragende
Sorte, die aber schöne grosse Knollen
liefert, schwach mehlig ist und der
Krankheit gar nicht unterworfen.
Nr.86. Englische ächte weisse.
Aehnlich der vorhergehenden, aber von
vorzüglichem feinem mehligem Ge-
schmack. Mittlerer Ertrag und der
Krankheit nicht unterworfen.
Nr. 97. Gelbe Peruanische.
Fein mehlige platzende Sorte, die sich
als frühe reichtragende Sorte bewährte.
Nr. 100. Frühe Kocekny. Eine
frühe Sorte von mittlerem Ertrag und
gutem mehligem Geschmack. —
Nr. 109. Mpyatts prolific. Frühe
englische Sorte, die sehr voll trägt, der
Krankheit nicht unterworfen ist und
auch einen guten mehligen Geschmack
besitzt.
Nr, 112. Englische Fluke’s. Be-
währte sich als vorzügliche reichtra-
gende Sorte, war aber etwas der Krank-
heit unterworfen.
Nr. 116. Sandkartoffel. Der vor-
hergehenden in ihren Eigenschaften
ähnlich.
Nr. 118. White Blassornet’s.
Volltragend, keine krank, Geschmack
'fein und mehlig. —
Nr. 131. Stevensons kidney.
Einzelne krank. Ertrag und Geschmack
| vorzüglich. —
I. Originalabhandlangen.
Nr. 140. Provencer
105
weisse. | der besten blauen Sorten im Geschmack,
Eine schöne grosse, der Krankheit nicht | reichtragend und der Krankheit nicht
unterworfene reichtragende Sorte. Ge-
schmack gut, aber der innere Kern der
9 PD
grossen Kartoffeln oft fest, —
II. Rothe Sorten.
Alle folgenden reichtragend, der
Krankheit gar nicht unterworfen, reich
an Stärkmehl, von gutem kräftigem Ge-
sehmack und beim Abkochen trocken.
Nr. 143. Englische Rosette
kidney. Eine der besten Sorien.
Nr. 150. Bunte rothe Morgen-
rock.
Nr. 151. Preis von Holland.
Die letztes Jahr unter Nr. 152 „Aschers-
lebner späte rothe‘ aufgeführte Sorte,
ist mit dieser identisch, —
Nr. 153. Dunkelrothe.
Nr. 169. Peruanische rothe.
Nr. 170. Schottische aller-
früheste rothe.
Nr. 173. Frühe niedrige rothe.
Nr. 182. Dunkelrothe preussi-
sche.
Nr. 192. Rothe gelbfleischige.
Nr, 197. James rothe.
Nr. 198. Rothe Schwaben,
Nr. 200. St. Louis pr&eoce,
Nr. 204. D’Osterode.
UI. Blaue Sorten.
Nr. 232. Frühe Champion. Eine
krank. —
unterworfen.
Nr. 246. Pomme de terre bieu
d’Holiande. Bewährte sich auch 1865
als eine vorzügliche Sorte,
Nr. 247. Neue frühe Zwiebel.
Gleichfalls vorzügliche Sorte und der
Krankheit nicht unterworfen,
Nr, 263. Blaue runde glatte,
Vorzügliche russische Sorte von hohem
Ertrag und gutem Geschmack.
Nr. 266. Cork red, Vorzüglich im
Geschmack und allen anderen Eigen-
schaften.
Nr, 268 Rothe Liverpooler.
In jeder Beziehung empfehlenswerthe
| Sorte,
IV, Blaumarmorirte Sorten.
Nr. 281. Marmorirte Zwiebel-
kartoffel. Volltragende Sorte mit
schönen grossen Knollen. Im Geschmack
gut und mehlig, Einzelne Knollen
krank, wie überhaupt aus dieser Sippe,
nur wenige sich unsern Verhältnissen
anpassen wollten.
Nr. 284. Gray’s Dikeman. Voll-
tragende Sorte mit grossen Knollen. Gut
und mehlig im Geschmack, aber einzelne
(E. R.)
3) Berliner Culturen.
1V. Anzucht der Blumenzwiebeln.
Kein Zweig der Pflanzencultur hat | che an Grösse der Blume sich mit den
soviel zur Verbreitung des guten Rufes | holländischen vollständig messen können,
der Berliner Gärtnerei beigetragen, als
Einen Begriff von der Ausdehnung
die Anzucht der Blumenzwiebeln, wel- | dieses Zweiges wird man sich am leich-
106
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
testen dadurch verschaffen können, wenn | hebung des Ediets von Nantes, wodurch
man dıe folgenden, durch möglichst ge-
nau zusammengestellte Notizen erlang-
ten statistischen Resultate berücksich-
tigt. Berlin baut jetzt nahe an 25
Morgen mit Blumenzwiebeln an; auf
diesem Lande liegen ungefähr 4,500,000
Hyacinthen, welche den dritten Theil
durehsehnittlich alle Jahr verlieren und
durch junge Anzucht ersetzt werden.
Man rechnet 200,000 Zwiebein auf den
Morgen. Mag der Durchsehnitispreis
pro Hundert nur 5 Thlr. betragen, was
allerdings der niedrigste Preis ist, wo-
von aber auch am meisten verkauft wird,
so erhalten wir die respectable Summe
von mindestens 75,000 Thlr. als Maass-
stab für die jährlichen Berliner Zwie-
belgeschäfte. Dazu kommt noch eine
Summe von einigen tausend Thalern
für Tulpen, die in einer Anzahl von
ungefähr 2 Millionen auf 3 bis 31/,
Morgen Land um Berlin gezogen wer-
den.
Die Zwiebeleultur hängt weniger
von der augenblicklichen Geschicklich-
keit des Züchters, als vielmehr von des-
sen Aufmerksamkeit bei der Wahl des
Bodens, der Düngung, der Zeit des Le-
gens und Herausnehmens und des Bo-
denraumes ab, auf welchem die Zwie-
beln während des Sommers liegen. Vor
allen Dingen muss der Boden sandig
sein und dabei einen feuchten Unter-
grund besitzen.
Wo die letztere Bedingung fehlt, ist
auch um Berlin diese Cultur unmöglich,
desshalb sehen wir dieselbe fast allein
auf die Südostseite der Stadt beschränkt,
welchen Ort sie seit dem Beginn der
hiesigen Anzucht niemals verlassen
hat.
Diese Cultur begann höchst wahr-
auch die damals in Frankreich herr-
schende Geschmaeksrichtung für glän-
zerde Blumen, die der architektonische
Styl erforderte, hier sehr schnell eine
weitere Verbreitung und ausgedehnte
Pflege fand.
Auch in Holland scheint die im
Grossen betriebene Cultur der Zwiebel-
gewächse kaum über das Ende des 16.
Jahrhunderts zurückzugehen und die
ersten Zwiebeleulturen in . Deutschland
selbst finden wir in Wien, wo sich ge-
gen Ende des sechzehnien Jahrhunderts
durch den direeten Verkehr mit dem
Morgenlande ein Centralpunkt für Zwie-
belzucht gebildet hatte. Merkwürdiger-
weise war in früherer Zeit die Tulpe
weit geschätzter als die Hyaeinthe. Er-
stere kam nach Gessner um die Mitte
des 16. Jahrhunderts durch Auger Gis-
leım Busbeeg , dem Gesandten des Kai-
sers Ferdinand I, am türkischen Hofe,
nach Europa. Die Türken eultivirten
damals diese Pflanze schon sehr lange;
in Europa blühte dieselbe zum ersten
Male in Augsburg , wo sie Gessner be-
schrieb. Im Jahre 1573 erhielt sie
Clusius in Wien, 1577 wurde sie in
England eingeführt; einige Jahre später
taucht sie im Grossen in Holland auf,
wo sie bekanntlich bald das Lieblings-
kind und ein Gegenstand der wahnsin-
nigsten Speculation wurde, wo man,
wie Linne erzählt, eine Zwiebel für
6700 holländische Gulden verkaufte. —
Die Hyacinthe erschien ziemlich um die-
selbe Zeit, wie die Tulpe, aber fand
sehr wenig Beachtung und im Jahre
1614 kannte man in Deutschland erst
i3 einfache und eine gefüllte Varietät.
Der Culminationspunkt für die Hyaein-
theneultur bei uns war der Anfang und
scheinlich mit der Einwanderung der Mitte des 18. Jahrhunderts; bei den
französischen Flüchtlinge nach der Auf- Holländern muss dagegen dieser Zeit-
I. Origimalabhandlungen.
107
punkt schon früher eingetreten sein, | nahm die Berliner Cultur in den dreis-
wenigstens war im Jahre 1633 die lei- | siger und vierziger Jahren dieses Jahr-
denschaftliche Jägerei nach Raritäten
schon in bester Blüthe. Wir ersehen
dies aus einem Berichte des holländi-
schen Geschichtsschreibers Meuley, der
uns von der Hyacinihe „Admiral Lief-
ken“ die Summe von 4400 Gulden als
Kaufpreis angiebt; Admiral van der
Eyck soll 1620 und Semper Augustus
5500 holländische Gulden in den Jah- | und besass von ersteren allein mehr als
|2 Millionen, von denen er jährlich un-
| gefähr 600,000 Stück verkaufte.
der |
grössten Blüthe dieser Cultur vorhanden |
führte zu dem Bestreben einer |
möglichst vollkommenen und schnellen |
ren von 1633-——37 gegolten haben.
Die aussergewöhnliche Nachfrage
nach Zwiebeln, die um die Zeit
war,
Vermehrung. Man wendete das Aus-
bohren des Herzens, das Einschneiden
des Zwiebelbodens, oder das fast gänz- |
liche Vernichten desselben an, um die
in den Achseln der Zwiebelschuppen
gebildeten Augen 'zu wecken und zur
Zwiebelbrut heranzuziehen,
schnitt zuweilen die
ja man
beln, Jetzt werden diese Vermehrungs-
methoden nur noch selten in Anwen-
dung gebracht und nur dann und wann |
zur schnellen Vervielfältigung neuer Sor-
ten gebraucht,
Es lässt sich in der Geschichte der
Hyacinthencultur wie in der der mei-
sten anderen Pflanzen von dauerndem
ein wellenförmiges Steigen und Fallen,
ein Zunehmen und wiederum ein mo-
mentanes Nachlassen in der Zuneigung
des Publikums zu der Pflanze erkennen
und dem entsprechend auch ein Schwan-
ken in der Ausdehnung der Culturen.
Den letzten bedeutenden Aufschwung
|che wurden 30,000, Acteur,
| coeur
| Stück jährlich abgegeben. Die bekannte
| La jolie blanche ist eine ächte Berliner
Zwiebel quer |
durch und setzte die obere Hälfte mit |
der Schnittfläche in Sand; binnen kur- |
zer Zeit bildeten sich an den Schnitt- |
flächen der Zwiebelschuppen neue Zwie- |
hunderts. In dieser Zeit war Moeves
| einer der bedeutendsten Zwiebelzüchter,
der grossartige Ausstellungen von Blu-
| menzwiebeln veranstaltete ; er hatte nach
den Aufzeichnungen, die sich in der
| Gartenzeitung von Otto und Dietrich
finden, gegen 2000 U] Ruthen allein
mit Hyacinthen und Tulpen bedeckt
Die meisten der damals eultivirten
gangbarsten Sorten sind auch jetzt bei
unseren Zwiebelzüchtern noch anzutref-
fen und wir nennen davon nur: la bien
aimee, von denen Moeves zu jener Zeit
gegen 40,000 Stück jährlich verkaufte;
von Henri le grand und La jolie blan-
Pami du
und Gellert wurden zu 20,000
Züchtung von David Bouche, der einer
der eifrigsten und ersten Zwiebeleulti-
vateure, welcher 1740 die erste grossartige
Hyacinthenausstellung in’s Leben rief,
und dessen heutiger Nachfolger noch
| durch seine Amaryllis in weiteren Krei-
sen bekannt ist.
Die Gärtnereien, welche jetzt vor-
züglich durch ausgedehnte Zwiebeleul-
turen bekannt, sind die von Späth, Ma-
thieu, Friebel, Chone, Christoph, de la
| Croix, Limprecht, George, Schultz und
| Huek.
Werthe und allgemeinster Verbreitung |
Das Culturverfahren selbst besteht
vor Allem in einer sorgfältigen Boden-
lockerung durch tiefes Umgraben oder
Rigolen, das nebst starker Pferdemist-
oder besser noch Kuhmist-Düngung ei-
nige Monate vor dem Legen der Zwie-
beln vorgenominen wird, Gegen Ende
September oder im Laufe des Monats
108
October beginnt das Legen auf 5füssige,
durch 1 Fuss breite Wege abgetheilte
Beete. Diese Beete werden einen kur-
zen Spatenstich tief ausgegraben und
die dadurch ungefähr 6 Zoll tiefer lie-
gende Fläche derselben sauber mit der
Harke geebnet und durch Längs- und
Querlinien von je 4 Zoll Entfernung in
Quadrate getheilt, auf deren Endpunkte
eine blühbare Zwiebel gesetzt wird.
Diese Maasse gelten nur als Norm
für blühbare Hyacinthen; jüngere Zwie-
beln, sowie Tulpen werden selbstver-
ständlich enger gelegt. Diese Arbeit
wird schnell ausgeführt und während
zwei Personen mit dem Legen beschäf-
tigt sind, graben zwei andere das
nächste Beet aus und werfen die hier
weggenommene Erde auf die eben ge-
legten Zwiebeln, die deshalb bei dem
Legen ziemlich fest eingedrückt werden
müssen, weil sie sich sonst leicht durch
die Kraft des Wurfes verschieben wür-
den. Auf diese Weise ist das nächste
Beet zubereitet und darf nur abgeschnürt
werden, wenn das erste belegt ist; da-
durch erleidet die Arbeit trotz der we- |
nigen Leute keinen Aufschub.
Zur Bezeichnung der verschiedenen
Sorten dienen fusslange, einen Quadrat-
zoll starke Etiquetten, welche Nummern
nach einem ausgeraden Strichen zusam-
mengesetzten Zahlensatze eingeschnit-
ten erhalten. Diese Hölzer werden so
tief in den Boden gesteckt, dass sie nur
etwa 1 bis 2 Zoll hoch aus dem zuge-
deckten Beete herausstehen. Die ein-
geschnittenen Nummern correspondiren
selbstverständlich mit einem Hauptkata-
loge des Züchter. Wenn nun im Juli
die Zwiebeln abgereift sind, beginnt das
Herausnehmen derselben mit der gröss-
ten Genauigkeit, damit keine im Boden
liegen bleibt und hierbei giebt die re-
gelmässige Ordnung, in der sie gelegt
a Te EEE EEE EEE EEE PEEEEEEEEEEEEEEEEESEESEREREERSEEE EEE
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
sind, die Controle ab. Bevor das Auf-
heben der Zwiebeln beginnt, wird das
Beet leicht abgeschippt und nun knien
am Ende des Beetes zwei Arbeiter mit
kurzstieligen Handspaten und beginnen
die Erde vorsichtig bis auf das Niveau
der Zwiebel hinwegzuräumen. Die bloss-
gelegten Zwiebeln werden dann in ein
Sieb gelegt, das immer vor dem Arbei-
ter hergestossen und nicht eher entleert
wird, als bis eine Sorte herausgenom-
men worden ist. Durch Srhütteln der
Zwiebeln im Siebe wird die anhaftende
Erde entfernt, und nun die Sorte in be-
reitstehende Mulden oder Körbe geschüt-
tet, um bald darauf auf den Zwiebel-
boden gebracht zu werden.
Nur die Sämlinge haben in den er-
sten Jahren eine andere Behandlung.
Man säet natürlich immer nur Samen
von solchen Pflanzen, die die Eigen-
schaften, welche man bei den Sämlin-
gen besonders vollkommen sehen will,
am meisten zeigen. Will man also bei-
spielsweise recht grossblumige Glocken,
sucht man den Samen von solchen Pflan-
zen zu gewinnen, die jetzt schon recht
grosse Glocken zeigen. Dieser Samen
wird nun im Herbste ins freieLand ge-
säet und ganz wenig mit Erde bedeckt.
Als Winterdecke giebt man etwas kur-
zen Dünger, der bei dem Abdecken der
anderen Hyacinthen auch hier entfernt
wird.
Der Dünger soll eigentlich nur den
keimenden Samen vor den verderblichen
Einflüssen der wechselnden Frühjahrs-
temperatur schützen, denn der ruhende
Samen erfriert nicht. Die junge Pflanze
bleibt 3 Jahre hindurch unberührt in
der Erde an demselben Orte und die
einzige Pflege, die man denselben an-
gedeihen lässt, ist das von Jahr zu
Jahr nöthiger werdende Verstärken der
deckenden Erdschicht, die im dritten
IL. Originalabhandlungen. 109
Jahre etwa 1 Zoll stark sein kann. , Namen Bodenkrankheit bekannt;
Sonst deckt man mit Dünger, wie man | sie besteht in einem Faulen des äus-
die andern Zwiebeln deckt. Wir er-
wähnten oben, dass während der ersten
drei Jahre die Zwiebeln unberührt im
Boden blieben; die Ursache dieses Ver-
| sersten, die Saugwurzeln erzeugenden
Randes des Zwiebelbodens, der dabei
unnatürlich concav wird; das Blatt hat
eine matte Färbung und stirbt früher
fahrens ist die Erfahrung, die man ge- | ab, als die normal wachsenden Blätter;
macht hat, dass das frühere Herausneh- | die Zwiebel, die bekanntlich erst nach
men der jungen Pflanzen sich als un- | der Blüthe zu wachsen anfängt, bleibt
zweckmässig und störend erwiesen hat. | klein, wird saftloser und die Wurzelfa-
Im vierten Jahre dagegen werden sie | sern sterben endlich ab,
ganz ebenso wie Brutzwiebeln behandelt Bringt man solche kranke Zwiebeln
und wandern mit diesen auf den Boden, | im nächsten Jahre auf guten Boden, hei-
Der Zwiebelboden, der zur Zeit der | len sie sich grösstentheils wieder aus
Herbstversendung wirklich einen interes- | und merkwürdiger Weise kann dasselbe
santen Anblick gewährt, ist ein zwar | Land, das in diesem Jahre kranke
luftiger, aber nöthigenfalls fest ver- | Zwiebeln zeigte, im nächsten Jahre
schliessbarer Raum, welcher rohe, I!/, | ganz kräftige Exemplare erzeugen.
—2 Fuss von einander entiernte Latten- Die Hautkrankheit hängt aller
stellagen enthält, auf denen die Zwie- | Wahrscheinlichkeit nach mit der drit-
bein neben einander ausgebreitet liegen. |ten, dem Schwamme zusammen, der
Bei schlechter* Witterung, die keine | unbedingt die gefährlichste Erscheinung
Arbeit im Freien erlaubt, geht dann |ist. In den ersten Stadien erkennt man
die ganze Manuschaft des Gartens Zwie- | an den oberen Theilen der Zwiebeln
beln putzen, d. Iı. die ältesten, schlecht | keine Veränderung; die Blätter sind
gewordenen Hüllen entfernen. Geübtere | frisch und gesund, das Wachsthum nor-
untersuchen den Zwiebelboden und durch | mal; tritt aber nach anhaltender Tro-
einen kurzen kreisförmigen Schnitt auch | ckenheit plötzlich feuchte Witterung auf,
den Zwiebelhals, ob sich etwa Spuren (50 zeigtsich in sehr kurzer Zeit eine krank-
der Ringelkrankheit zeigen. Ein wei- | hafte Veränderung in den oberirdischen
cher Boden oder ein schwarzer Ring im | Theilen einiger Pflanzen; diese Verän-
angeschnitsenen Halse zeigen schon | derung ergreift alsbald die benachbarten
einen hohen Grad der Krankheit an, die | Zwiebeln und ist im Stande, die gröss-
bis jetzt wohl noch keiner genaueren | ten Verheerungen anzurichten. Die
wissenschaftlichen Untersuchung unter- | Zwiebel ist dabei faulig und schmierig
worfen worden ist. | geworden und wird in kurzer Zeit ganz
Auch die Practiker sind über die Ent- | zerstört. Jedenfalls ist hier ein pflanz-
stehung und mögliche Verhütung der | licher Schmarotzer von mikroskopischer
Krankheit nicht gleicher Meinung und | Kleinheit die Ursache. Der Beginn der
unterscheiden zum Theil nur zwei, zum | Krankheit, der sich durch Faulen der
Thel 3 und 4 verschiedene Krank- ‚ äusseren Zwiebelschuppen kund giebt,
heiten. ist unter dem Namen der Hautkrankheit
Die am wenigsten gefährliche, die | bekannt.
von einigen eben nicht als besondere Die Ringelkrankheit steht zu den
Krankheit betrachtet wird, ist unter dem ! vorigen Erscheinungen in keiner Be-
110
ziehung; sie zeigt sich als ein schwarzer
Ring oder Kreisbogen im (Querschnitt
der Zwiebel und besteht in einem An-
faulen einer oder mehrerer Zwiebel-
schuppen zwischen ganz gesunden.
Diese Zersetzung bleibt aber stets im
Innern einer ergriffenen Schuppe. die
sie von unten nach oben oder auch in um-
gekehrier Richtung vernichtet. Nie aber
wird die Oberhaut der Schuppe ange-
griffen und diese bleibt zuletzt der ein-
zige Ueberrest der kranken Schuppe.
Oft zeigt sich die Krankheit erst, wenn
die Zwiebeln herausgonommen und zum
Trocknen auf den Boden gebracht wor-
den sind. Gerade die kräftigsten und
aufgeschwemmtesten Zwiebeln werden
am meisten davon heimgesucht und alle
bis jetzt angewandten Gegenmittel sind
im Grossen und Ganzen erfolglos ge-
einfach rosenrothe Blume, mit sehr üp-
!
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
verschont blieben, hat sich als unwahr
denn beispielsweise ist
herausgestellt,
L’honneur de Sassenheim, eine grosse,
piger, oft platzender Zwiebel der
Krankheit sehr ausgesetzt; andere, die
besonders stark von der Ringelkrankheit
heimgesucht werden, sind: Anne Ma-
rie, doppelt weiss, Orondates einfach
blau und Heroine einfach gelb.
Natürlich hat es bei einer solchen
| Krankheit nicht an Hypothesen zur Er-
klärung der Ursachen gefehlt; allein
eben nur Vermuthungen sind. Das lei-
der nur zu wahre Factum dabei ist,
dass sowohl die Holländer wie die Ber-
liner Zwiebelzuchten, die sonst einen
ausserordentlich reichen Reinertrag lie-
fern, durch diese Krankheiten zuweilen
Hi
£ führen keine derselben an, weil es
blieben; auch die Behauptung, dass die | enorme Verluste erleiden.
geplatzien Zwiebeln von der Krankheit |
Paul Sorauer.
4) Vertilgung von Würmern in dem Bollen der Pflanzen.
Inseecten und Würmer,
Gärtners und des Blumenfreundes, brach-
ten mich auf den Gedanken, Mittel zur
Vertilgung derselben ausfindig zu ma-
chen. Da verfiel ich auf persisches In-
sectenpulver, dessen Benutzung den
glänzendsten Erfolg hatte.
Ich bebrühte ein wenig Inseetenpul-
ver und goss die erkaltete bräunliche
Flüssigkeit auf diejenigen Töpfe, welche
mir am verdächtigsten vorkamen; un-
mittelbar darauf entstand auf der Ober-
fläche der Erde ein reges Leben von
Maden, Erdläusen und miscroscopischen
Thierchen, die bestrebt waren, den Blu-
mentopf zu verlassen. Nach fortgesetz-
ter Beobachtung kroch aus der Erde
| mit
|
Plagen des | ein langer fetter Regenwurm heraus, der
einem Satz auf dem Fensterbeet
liegen blieb; ich hatte also meinen
| Zweck erreicht.
Eine Veränderung an den Pflanzen
selbst habe ich in der kurzen Zeit noch
nicht wahrnehmen können. Das Laub
1a dieser Flüssigkeit bespritzt, wird
ebenfalls von Blattläusen gereinigt. —
Sollten angestellte Versuche und
Beobachtungen Sachkundiger zu guten
Resultaten führen, so dürfte die Veröf-
fentlichung dieses einfachen und billigen
Mittels einen hoben Werth für Orange-
riebesitzer und Blumenfreunde haben.
(A. Rechenberg.)
Postsceript. Der Referent legte
I. Originalabhandlungen.
obige Mittheilung in der Januarsitzung
der Petersburger Gartenbaugesellschaft
vor. Es wurde von einigen Herren ge-
sagt, dass sie sich erinnerten, einen Ab-
sud vom Insectenpulver schon gebraucht
“ zu haben und zwar mit ähnlichem Er-
folge. Man vereinigte sich im Uebrigen
dahin, dass dieses Mittel für den Blu-
menfreund, der seine Pflanzen im Zim-
mer cultivirt, da wo sich Würmer in
den Topfballen eingenistet, ganz vor-
trefflich sei, dass es in Gewächshäusern
im Allgemeinen als zu kostspielig keine
Anwendung finden könne, aber auch da
für einzelne bessere Pflanzen , vortrefi-
liche Dienste leisten könne. —
Der Referent wies ferner darauf hin,
dass ein anderes vortreffliches Mittel,
Regenwürmer aus den Töpfen zu ent-
fernen, darin bestehe, solche bis unge-
fähr 1 Zoll unter dem Rand, in ein Ge-
fäss mit heissem Wasser zu stellen. Die
Würmer ziehen sich sofort, wie die höhere
Wärme von unten eindringt, alle nach
oben und kommen an die Oberfläche
des Topfes, wo sie abgelesen und ge-
tödtet werden können.
Dieses Mittel hat zugleich noch den
anderen Vortheil, dass solches auch in
der Erde gebildete schädliche Säuren
entfernt.
Ein Absud von frischen Blättern des
Nussbaumes (Juglans regia) ist gleich-
falls ein gutes Mittel zur Entfernung
der Regenwürmer in Töpfen und Blu-
menbeeten, —
Von einigen der anwesenden Mit-
glieder ward endlich eine alte, schon
vielfach ausgesprochene Ansicht ver-
treten, nämlich die, dass der Regenwurm
111
gar nicht schädlich sei, denn er fresse
keine Wurzeln und trage zur Lockerung
der Erde bei. —
Diese Ansicht kann sich nur an sol-
chen Orten gebildet haben , wo es sehr
wenig Regenwürmer giebt, so dass de-
ren Vorhandensein kaum beachtet wird.
Wo in schweren Bodenarten der Regen-
wurm häufig, da zieht sich solcher vor-
zugsweise in die mehr gelockerte Cul-
turschicht, oder in die lockere Erde
der Blumentöpfe und richtet oft gräu-
liche Verwüstungen an, indem er die
Erde theils frisst und als fest zusam-
mengeballte Masse wieder von sich
giebt, theils durch den von ihm aus-
gesonderten Schleim auch die Erde um
die von ihm gebildeten Gänge fest und
käsig macht, — theils die lockere Erde
um die Wurzeln zarter Pflanzen oft
so entfernt, dass diese ganz entblösst
werden, — theils endlich in Töpfen die
Abzugslöcher derselben mit von ihm
fest und breiig gemachter Erde so ver-
stopft, dass das gegebene Wasser nicht
abtliessen kann und so die Erde ver-
säuert und zarte Pflanzen bald ganz zu
Grunde gehen. Im freiem Lande, wer-
den ganz besonders Beete mit Heide-
oder Lauberde oder anderen leichten
lockeren Erdarten aufgelüllte Beete,
wie man solche zur Cultur der zarteren
Stauden, der Ericeen etc. benutzt, vom
Regenwurme oft arg heimgesucht. Ab-
sud von Nusshlättern oder vom Insecten-
pulver, mit dem begossen wird, bringt
hier dieRegenwürmer gleichfalls an die
Oberfläche.
(E. R.)
112
5) Noch Etwas üher
Im Octoberhefte v. J. dieser Zeit-
schrift werden diese netten, überaus dank-
baren, gut verwendbaren Blumen em-
pfohlen und ihre Cultur besprochen.
Ich möchte diesem Artikel Einiges
zuzufügen mir erlauben, vorzüglich, da
Referent am Schlusse einen Wunsch
ausspricht, der von Jedem, gleichviel
ob Gärtner oder Dilettant , leicht erfüllt
werden kann, nämlich reine Farben zu
ziehen, um damit effeetreichere Beete
zu bepflanzen,
Da der Same theuer und auch et-
was difficiler ist, als vom einfachen Por-
tulac, so rathe ich steis zur Aussaat
in Mistbeet, Näpfen oder Kästen und
zwar schon zu Anfang Februar auf
warmen Fuss, In Zeit von 8—14 Ta-
gen keimen die Samen. Es hat die
frühe Saat noch den Vortheil, dass die
Pflanzen schon blühen, wenn der in’s
Gartenfiora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
die Portulaerösechen.
| Farben bezeichnet wurden, die jungen
Triebe in der Länge eines Zolles ab,
und stecke sie in einen mit sandiger
Erde gefüllten Kasten, begiesse sehr
mässig, halte sie geschlossen unter
Fenster, der Sonne aber preisgegeben.
| Binnen 8 Tagen machen sie Wurzeln
und haben deren in 14 Tagen hinrei-
chend genug, um sie auf die bestimmten
Beete zu pflanzen, wo sie alsbald zu
blühen anfangen, sich üppig wie die
Samenpflanzen entwickeln und bis spät
in den Herbst blühen, wo ihnen selbst
| leichte Nachtfröste noch nichts schaden.
Die Mutterpflanzen halten ihre Schön-
heit blos bis Ende August.
|
Zur Samenzucht ist es nothwendig,
die Portulacröschen unter Glas zu cul-
tiviren. Abgetriebene Mistbeetkasten eig-
|nen sich am besten dazu. Die Fenster
| bleiben stets darauf liegen, ein wenig
Freie gesäete Samen erst aufgeht. So-
bald die Pllänzchen zu fassen sind, wer- | Hauptbedingungen und zu Zeiten ein
den sie pikirt, stets in leichte sandige | tüchtiger Guss. Ohne Beihülfe in der
Erde, wo sie ohne zu trauern, fort- | Befruchtung würde man sehrungünstige
wachsen. Wenn die Pflanzen 2 —3‘ | Resultate gewinnen. Alle etwa erschei-
hoch sind, werden sie dann entweder in | nenden einfachen Blumen müssen sofort
dreizöllige Töpfe, oder in ein Mistbeet | entfernt werden, da sie auf Verschlech-
gepflanzt und zwar in humusreiche, mit | terung der Samenerndte Einfluss haben,
Luft und reichliche Sonne sind die
Sand vermischte Erde. Die Vegetation
entwickelt sich nun üppig und aus je-
den Blattwinkel erscheinen Nebenzweige.
In den ersten Tagen nach dem Pflan-
zen wird der Kasten geschlossen ge-
halten, die Einwirkung der Sonnenstrah-
len aber nicht gehindert, da sie, als
suceulente Pflanzen, diese im höchsten
Maasse lieben.
Will man nur Beete mit einer
Farbe bepfianzen, so nehme man von
denen, die bereits geblüht und deren
Es sind höchstens 50), Blumen an den
Portulaeröschen , welche als halbgefüllt,
eine Narbe zeigen, die meisten sind so
gefüllt, dass sie zwar Antheren mit
Pollen, aber kein Pistil haben. Von
letzteren wird nun vermittelst eines
feinen Pinsels derStaub auf die Narben
der halbgefüllten übertragen und zwar
während der Mittagszeit, weil da die
Blumen am weitesten geöffnet sind und
die Befruchtung am leichtesten anneh-
men. Vorzüglichen Effeet machen die
y
/
VE,
ot
LATE Nar
II. Neue Zierpflanzen.
Portulacröschen, wenn sie mit Lobelia
erinoides zusammen gepflanzt werden.
Erfurt, December 1865.
Ernst Metz,
Rosengärtnerei, Samen- und Pflanzen-
Handlung.
Postseript. Mit der Aussaat der
Postulaca-Arten in’s freie Land, dürfte
wohl selten ein guter Erfolg verbunden
sein, wir würden deshalb stets der An-
zucht in Töpfen den Vorzug geben. In
einer Sitzung des Petersburger Garten- |
113
bau-Vereins, wo die Cultur der Portula-
cen besprochen wurde, bemerkte Herr
Ruck, Hofgärtner in Strelna, ganz
übereinstimmend mit unseren Erfahrun-
gen, — dass einerseits solche in einer
sandigen lehmigen Wiesenerde, noch
besser als in leichten Humuserden ge-
deihen, und dass solche in’s freie Land
ausgepflanzt, in einer sonnigen, ge-
schützten Lage, zwischen Tuffsteine
ausgepflanzt, zu höchster Vollkommen-
heit und Schönheit sich entwickeln.
(E. R.)
ll. Neue Zierpflanzen.
1) Telanthera Bettzichiana Rgl. (Grifl.
1862 pag. 178). — Pag. 4 dieses Jahrgan-
ges der. an interessanten Beobachtungen rei-
chen Wochenschrift, bespricht unser geehrter
Freund, Hr. Dr. C. Koch, die Amaranta-
ceen der Gärten. Er bespricht hier auch
die von Lemaire in Illustrations horticole
kürzlich beschriebene Alternanthera ses-
siis amoena und zeigt, dass dieses
die gleiche Pflanze sei, die schon lange in
Berlin als niedliche kleine buntblätterige
Pflanze des Warmhauses als Amarantus
spec. , Alternanthera paronychioides und als
Telanthera polygonoides cultivirt werde.
Passerini habe solche in Giardi 1862 pag. 515
als Achyrenthes picta beschrieben. Nach-
dem nun unser gelehrter Freund die Fami-
lie der Amarantaceen einer kurzen Revue
unterworfen hat, spricht er sich dahin aus,
dass diese fragliche Pflanze eine besondere
Art bilde, die den von Passerini ge-
gebenen Namen Achyranthes picta tragen
müsse, — die er aber, weil solche zu Te-
lanthera gehört, 7. picta nenne. —
Wir sahen diese Pflanze in dem Garten
Seiner K. H. des Grossfürsten Nicolai zu
Snaminsk im Jahre 1861 zum ersten Male
und beschrieben solche noch vor Passe-
IV. 1866.
rini (Grtfl. 1862 ‘pag. 178. — Index sem.
h. Petr, -1862) als Telanthera Bettzichiana,
indem wir dieser Pflanze den Namen unseres
dahingeschiedenen verehrten Freundes, des
Hofgärtners Bettzich beilegten. Der von uns
gegebene Name hat sowohl in Bezug auf
Zeit der Veröffentlichung als auf Stellung
zur richtigen Gattung die Priorität, und so
muss denn diese Pflanze fortan 7. Bettzi-
chiana heissen. Herrn Prof. C. Koch und
Hr. Prof. Lemaire bitten wir eben deshalb
davon Notiz zu nehmen, weil diese Pflanze
einem vor Kurzem hier verstorbenen, um
den Petersburger Gartenbau hochverdienten
Mann gewidmet ist. Auch wir haben solche
am angezogenen Orte mit T. polygonoides
verglichen und die Unterschiede hervorge-
hoben. Als eine liebliche, in kleinen dich-
ten Büschen wachsende Pflanze mit grün
roth und gelb gezeichneten Blättern, em-
pfehlen wir solche von Neuem zur Cultur
im Warmhause, wo solche ähnlich wie
Selaginellen, in kleinere Töpfe gepflanzt, zu
reizenden Borduren verwendetwerden kann. —
Synonyme von Telanthera Bettzichiana
sind: Achyranthes picta Pass. Alteranthera
paronychioides Kl. — A. sessilis amoena
Lem., Telanthera picta C. Koch und fol-
8
114
gende Gartennamen: Amarantesia brasi-
liensis,, Jeilium tricolor, Alterantera varie-
gata. (E. R.)
Vom Comite für Beurtheilung der
in den Sitzungen der Londoner Gar-
tenbau-Gesellschaft ausgestellten
Pflanzen, empfohlene Neuheiten.
2) Aucuba japonica macrophylla. Wird
als eine der schönsten aus Japan eingeführ-
ten immergrünen Pflanzen empfohlen. Blät-
ter flach, gross, grün, mit flachen breiten
Zähnen.
Als- andere schöne von Siebold einge-
führte Formen werden empfohlen: A japo-
nica foemina latifolia, A. jap. mascula ele-
gantissima, und A. jap. mascula elegans.
3) Camellia japonica Reine des Beau-
tes. Schöne rosafleichfarben gefärbte Blume,
von regelmässigem, dachziegelförmigem Ban.
4) Oypripedüumlaevigatum Batem. Neue,
aus Manilla durch Veitch eingeführte Art.
Blätter grün, riemenförmig, spitz. Blumen
mit langen gedrehten purpurfarbenen Petalen
und einem breitem „ weissem, spitzenständi-
gem Kelchblatt, das purpurfarben gestreift
ist. Lippe gelbgrün. Schöne neue Ari.
Schon nach dem Bot. Mag. erwähnt.
5) Laelia Lindleyana Keichb. fil. Von
Veitch aus Amerika eingeführte neue schöne
Orchidee. Die zahlreichen kurzen Stengel
tragen ein jeder ein paar fleischiger, rinnen-
förmiger, spitzer Blätter. Blumen mittel-
gross, weiss. Kelchblätter auf der Aussen-
seite rosa gestreift und die Lippe rosapurpur
getupft. Eine willig blühende schöne Art.
6) Odontoglossum Pescatorei splendens.
Orchideae. Von Veitch aus Bogota einge-
führte schöne Abart mit weissen, licht rosa-
roth nüancirten Blumen. Blumenblätter und
die am Grunde gelbe Lippe gefleckt.
7) Phalaenopsis Schilleriana
Eine Form mit grösseren, rosa nüancirten
Blumen, von dieser reizenden Orchidee.
8) Sonchus Saundersü. Ausgestellt vom
Herrn Green, Gärtner beim Hrn. Saunders.
Eine schöne grazile Pilanze, die vorzüglich
zur Decoration der Tafeln bei Diners em-
pfohlen wird. Blätter durchsichtig; beson-
ders bei künstlichem Licht. Soll ein Bastard
Major.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
zwischen Senecio gummifer und $. arbo-
reus (?) sein. Ein aufrechter Halbstrauch
mit langen grazil überhängenden, lichtgrü-
nen Blättern, die bis zur Mittelrippe fieder-
schnitüig und mit entfernt stehenden läng-
lichen, sparsam gezähnten Lappen.
Nach dieser Beschreibung erlauben wir
uns zu schliessen, dass dieser Sonchus kein
Bastard, sondern der in Deutschland allge-
mein verbreitete und als Einzelpflanze für
Rasenplätze beliebte 8. pinnatus L, ist.
S. arboreus, der als eine der Elterpflanzen
angegeben wird, ist uns als Art nicht be-
kannt. —
9) Violet the Czar. Ein tief violettfar-
benes Veilchen zur Cultur im Freien.
10) Cattleya Pilcheri (Veitch). Bastard
zwischen Cattleya crispa und Laelia Perrini,
mit Scheinknollen und Blättern der ersteren
und dem Blüthenstand der letzteren. Blu-
mit flachen Kelchblättern
und krausen Blumenblättern. Lippe weiss
mit tief rosa Fleck. “
men fleischfarb ,
11) Dieksonia Youngü Moore. Ein
neues Baumfarn aus Australien, eingesendet
C. Moore, Dierctor des botanischen
Gartens zu Sidney. Die grossen zusammen-
gesetzten Wedel ähneln denen vonD. squar-
rosa, aber nicht mit schwarzem Stiel und
Rhachis wie bei der letzteren.
12) Lomaria L’Herminieri (Veitch)
Farn fürs Warmhaus, das einen niedrigen
Stamm bildet. Wedel fiederschnittig, die
fruchtbaren zusammengezogen, die jungen
röthlich. —
13) Primula chinensis Glen-Eyre. Form
von niedrigem Wuchs und gefüllten tief
purpurrothen Blumen.
14) Primula chinensis kermesina splen-
dens nana. Niedrig, Blumen gefüllt, dunkel-
karmoisinroth. —
15) Primula chinensis Stewarti. Blumen
einfach, gefranzt, weiss, rosa gestreift und
mit gelbem Auge.
16) Chytroglossum Maria Leonis. (Pil-
cher). Eine kleine Orchidee Brasiliens.
Blätter schmal lanzettlich. Blüthentraube
nickend. Blumen gelbgrün, Lippe breit mit
2 gespreizten grossen weissen Seitenlappen,
von
II. Neue Zierpflanzen.
deren jeder mit einem braunem Fleck ge-
zeichnet ist.
17) Colocasialongiloba (Williams). Knol-
lige Aroidee fürs Warmhaus. Blätter grün,
pfeilförmig und schwanzförmig zugespitzt.
Blattstiele purpur und weiss gezeichnet —
18) Miconia flammea (Green). Schöne
Blattpflanze; eingeführt vom Herrn Weir
aus Südamerika, mit der- Tracht von einem
Cyanophyllum. Stamm vosifarbenen
Haaren bekleidet. Blätter gross, 3nervig,
runzelig und glänzend, elliptisch, zugespitzt
und dem Blattstiel nach herab laufend.
19) Odontoglossum gloriosum (J. Day).
Scheinknollen zusammengedrückt. Blumen
in verästelten Trauben, milchweiss und roth-
mit
braun gefleckt.
20) Odontoglossum Lindleyanum (Pil-
cher). Scheinknollen flach. Blätter lanzeitt-
lich. Blumen in Trauben, gelb; Kelch und
Blumenblätterlinien-lanzettlich, gespreizt, wit
einer centralen Reihe brauner Flecken gezeich-
Lippe weiss und eigenthümlich geiappt.
21) Bertolonia margaritacea (Bull). Eine
von Weir aus Südamerika eingeführte Me-
lastomacee von niedrigem Wuchs. Blätter
grün broncirt und seidenartig glänzend, ge-
zeichnet mit mehreren Reihen weisser perl-
net.
förmiger Punkte.
22) Dahlien. Als ausgezeichnetste Neu-
heiten werden genannt:
Orimson Gem. (Turner). 2 Fuss hoch,
Blumen gross, tief sammetroth.
Gem of the dwarfs (Bull). 21, Fuss
hoch. Blumen tief roth und weiss gespitzt.
Sacramento (Henderson). 5 Fuss hoch.
- Blumen klein, gelbund licht scharlach gespitzt.
Neben diesen 3 Dahlien englischer Zucht
sind 2 deutscher Zucht, nämlich: Kleines
Liebchen und Kleiner Preusse unter
die ausgezeichnetsten Neuheiten gestellt.
23) Scarlet- Pelargonien. Von den
Scarlet -Pelargonien bildet Dr. Moore,
der Referent des Comites zur Beurthei-
lung der Florblumen, mehrere Unterabthei-
lungen. Wir führen solche ebenfalls auf,
begnügen uns aber von den bespro-
chenen Sorten, wie bei den Dahlien,
nur die Sorten zu nennen, welche
als ausgezeichnetste und bestein
115
in den ersten Rang gestellt wer-
den”).
I. Sorten mit einfarbigen Blättern.
1) Blumen scharlach.
Eleanor
vollblumie.
(Bull). Niedrig, gross und
Auch bei Topfeultur unter Glas
vorzüglich.
Faust (Bull). Kräftig im Wuchs. Blu-
men gross und besonders feuernd.
Lady Rokeby (Bull). Wuchs mittel-
stark, Blumen hellscharlach. Wird
Topfe schöner als im freien Lande.
Little Major (Turner). Wuchs niedrig.
Blumen licht scharlach. Vorzüglich als nie-
drige Gruppenpflanze
Punch (Fraser) Wuchs kräftig. Blu-
men gross, glänzend scharlach, in grossen
effeetvollen Dolden. Die schönste Sorte von
kräftigem Wuchse.
Trentham Scarlet (Fraser). Ziemlich
niedriger Wuchs. Blumen licht scharlach,
in schönen Dolden. Eine der besten nie-
drigen Sorten.
Waliham Pet. (W. Paul). Sehr niedri-
ger diehter Wuchs. Blumen licht scharlach,
im
mit kleinem weissem Auge. Schöne niedrige
Gruppenpflanze.
3) Blumen kirschroth, rosaroth etc.
Visitor (Br). Wuchs mittelhoch. Blu-
men rosa-scharlach.
Christine (Kinghorn). Mässig kräftiger
Wuchs. Blumen rosarotli. Nebst der fol-
genden Sorte, als rosaroth blühende Grup-
penpflanzen die empichlenswerthesten.
Rose (Queen (Kinghorn). Wie vorher-
gehende Sorte.
*) Das zur Beurtheilung niedergesetzte
Comite hat 4 Olassen gebildet, je nach
dem grösseren oder geringeren blumi-
stischen Werth, der zahlreichen zur
Concurrenz eingesandten Varietäten. Wir
heben nur die der ersten Classe her-
vor. —
8 *
116
U. Sorten, deren grüne Blätter eine an-
dersfarbige Zone tragen.
1) Blumen scharlach.
Adonis (Hally). Niedrig. Blumen licht-
scharlach mit weissem Auge. Blätter mit
dunkler, fast randständiger Zone.
Amiral Protet (Van Houtte).
gross. Blätter mit schwacher Zone.
men gross, glänzend scharlach.
Attraction (Turner). Mittelgrosse Blät-
ter mit schwacher Zone. Blumen leuchtend
scharlach. Diese Sorte geht auch als Scarlet
Perfection, Sulton’s Perfection, Old Perfec-
tion, Boule de feu und Montfordi. —
Clipper (Bull). Mittelgross. Blätter mit
breiter dunkler Zone. Blumen gross, glän-
zend scharlach.
Garibaldi (W. North). Sehr niedrig.
Blätter klein mit breiter Zone. Blumen
glänzend scharlach. Schön für kleine Grup-
pen und Borduren.
Martin Gireau (Rollison).. Wuchs üp-
pig. Blätter mit breiter dunkler Zone. Blu-
men gross, licht scharlach.
Victor Emanuel (Clarke). Wuchs üppig.
Blätter mit breiter dunkler Zone. Blumen
gross, in grossen Dolden. Eine der besten
Mittel-
Blu-
Sorten.
Vivid. (G. Smith.) Mittelgross. Blätter
mit breiter dunkler Zone. Blumen leuch-
tend scharlach, von sehr schöner Form.
Volcano (Wills). Mittelgross. Blätter
mit undeutlicher Zone. Blumen licht orange-
scharlach.
2) Blumen kirschroth oder rosaroth.
Hector (Bull). Mittelgross. Blätter mit
dunkler Zone. Blumen leuchtend kirsch-
roth, in dichten Dolden.
Herald of Spring. (Turner). Wuchs
üppig. Blätter mit breiter dunkler Zone.
Blumen kirschroth-scharlach, gross, in dich-
ten Dolden.
Monsieur Martin. (Rollison). Mittel-
gross. Blätter mit dunkler Zone. Blumen
gleich vorhergehender Sorte. Zur Topfcul-
tur. —
Nora (Bull). Wuchs üppig. Blätter mit
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
breiter dunkler Zone. Blumen rosa-schar-
lach, gross, in dichten Dolden.
Roi d’Italie (Low and Comp.). Niedrig.
Blätter mit dunkler Zone. Blumen gross,
lachsroth. Schön zu allen Zwecken.
Umpire (Bull). Wuchs üppig. Blätter
mit undeutlicher Zone. Blumen rosa-schar-
lach.
3) Blumen lachs- oder fleischfarben.
Aurora (Hally). Niedrig. Blätter dun-
kelzonig, Blumen fleischfarb.
Princess Mary. Wuchs üppig. Blätter
mit sehr breiter dunkler Zone. Blumen
lachsroth.
St. Fiacre (Salter):
mit dunkler Zone.
dunklerem Oentrum.
Niedrig. Blätter
Blumen lachsroth mit
Zur Topfeultur.
4) Blumen weiss.
Madame Vaucher (Low et Comp.).
Wuchs üppig. Blätter mit dunkler Zone.
Blumen weiss, später röthlich. Als beste
Sorte empfohlen.
White Perfection (Chater). Wuchs üp-
pig. Blätter mit breiter mattbrauner Zone.
Blumen röthlich-weiss.
5) Blumen weiss oder fleischfarb mit lachs-
farbenem Auge.
Amblina Griseau (Salter). Mittelgross.
Blätter mit breiter dunkler Zone. Blumen
gross, weiss, mit lachsfarbenem Auge.
Beauty (Henderson). Mittelgross. Blät-
ter mit dunkler Zone. Blume weiss mit
lachsfarbenem Auge. Vorzüglich.
Eugenie Mezard (Salter). Aehnlich der
vorhergehenden Sorte. Auch als Madame
Rudersdorff gehend. Vorzüglich.
Frangois Desbois (Henderson). Vor-
züglich schöne Sorte, die ähnlich Beauty.
Leonie Nivelet (Van Houtte). Gleich-
falls dem vorhergehenden ähnelnd und zur
Topfeultur empfohlen.
6) Blumen rosaroth.
Eve (Bull). Wuchs kräftig. Blätter mit
breiter matter Zone. Blumen gross, in
grossen Dolden, tief rosa mit weisser Basis.
Vorzüglich. —
II. Neue Zierpflanzen.
Flora (Van Houtte). Mittelgross. Blät-
ter mit undeutlicher Zone. Blumen blass-
rosa mit weissem Auge.
Helen Lindsay (Carter). Wuchs üppig.
Blätter mit breiter undeutlicher Zone. Blu-
men tief rosaroth. —
Rose Rendatler (Downie). Mittelgross.
Blätter mit dunkler Zone. Blumen schön
rosaroth mit weissem Auge.
I. Marmorirtblättrige.
Sheen Rival (Kinghorn). Mittelgross.
Blätter mit dunkler Zone und lichtgrün mar-
morirt. Blumen licht scharlach.
IV. Nosegay -Sorten.
Cybister (Carter). Wuchs üppig. Blätter
mit matter olivengrüner Zone. Blumen
scharlach, mit schmalen Petalen.
Merrimac. (Salter.. Wuchs mittelgross.
Blätter mit breiter matter Zone. Blumen
in enorm grossen Dolden, dunkel karmin-
rosa.
Stella (Henderson). Wuchs üppig. Blät-
ter mit dunkler Zone. Blumen tief schar-
lach. Eine der effectvollsten aller Pelargo-
nien. —
Variegated Nosegay (Turner), Mittel-
gross. Blätter an dem Rande weiss. Blu-
men kirschroth. —
V. Sorten mit silberfarbem gezeichneten
Blättern.
Argus (G. Smith). Mittelgross. Blätter
weissrandig und mit schwacher rother Zone,
Blumen glänzend licht scharlach.
Fontainebleau (Henderson). Niedrig.
Blätter weissrandig und mit rother Zone.
Blumen kirschroth. —
Pieturatum (Turner). Niedrig. Blätter
weissrandig und mit rother Zone. Blumen
hellscharlach. —
St. Olair (Scott). Mittelgross.
weissrandig und mit matter Zone,
kirschroth.
Silver Chain (Scott). Niedrig und dicht
von Wuchs. Blätter mit breitem weissem
Rande und undeutlicher Zone. Blumen glän-
zend rosa-kirschfarben.
Alma (Scott). Mittelgross.
Blätter
Blumen
Blätter mit
117
breiter weisser Randung ohne Zone. Blume
tief scharlach.
Bijou (Low). Mittelgress. Blätter weiss-
randig. Blumen scharlach.
Jane (Turner). Aehnlich dem vorher-
gehenden.
Queen of Queens (Bufl). Niedrig; sonst
gleich Bijou.
Flower of Spring (Turner). Mittelgross,
dichtwuchsig. Blätter breit weissrandig.
Blumen tief kirschroth-scharlach.
Siwer Queen (Taylor). Wuchs üppig.
Blätter etwas gelappt, mit breitem weissem
Rand. Blumen rosaroth. —
Vl. Sorten mit goldgelb gezeichneten
Blättern.
1) Blätter goldfarben gerandet und gezont.
Mrs. Pollock (Henderson). Zone breit
und roth. Blumen scharlach, Wir haben
dieser schönsten der buntblätterigen Sorten
schon wiederholt gedacht.
Sunset (Henderson). Blumen kirschroth-
scharlach. Zone licht orangeroth. Ist der
Rivale von Mrs. Pollock.
2) Blätter gerandet und ohne Zone.
Cloth of Gold (Veitch). Wuchs niedrig.
Die goldfarbene Randung nimmt den gröss-
ten Theil des Blattes ein. Blumen tief
scharlach.
Golden Chain (Scott). Blätter mit brei-
ter glänzend goldgelber Randung, Blumen
tief kirschroth scharlach.
Golden Fleece (Veitch).
ter goldgelb mit grüner Scheibe.
leuchtend scharlach.
Golden Harkaway (Henderson). Niedrig.
Blätter gelappt, goldrandig. Blumen orange-
scharlach.
(Anmerkung). Da wir den buntblätte-
rigen Pelargonien einen besonderen Artikel
gewidmet haben, so haben wir solche hier
nur kurz erwähnt. —
24) Verbenen. Unter diesen ist nur eine
in den ersten Rang gestellt. Es ist dies:
Nec plus ultra (Turner). Sehr reich-
blumig. Blumen tief rosa. Vom
Gruppenpflanze.
Niedrig. Blät-
Blumen
118
il.
Garteuflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Notizen.
1) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke.
(Fortseizung.)
Trib. Paniceae.
Trib. Stipaceae.
Paspalum membranaceum, Lam.Ene. t. 43. Piptatheram paradoxum, P. Bv. (Milium
(Ceresia elegans. Pers.) ’| Peru. (Auch
P. Walterianum verdient statt der vori-
gen Art cultivirt zu werden).
scrobiculatum, L. (P. Kora, W.) Trin.
spec. gr. t. 143. ?|. Asien und Afrika.
variegatum, Lk. ?|. Vaterland? Zierlich-
keit.
Olyra latifolia L. Lam. Ence. 751.
Panicum gongylodes, Jacq. Eelog. Gr.
21. ?|. Vaterland? Grosse Knollen am
Grund.
Teneriffae, R. Br. (Saecharum . .. L.)
Jacq. Ecl. Gr. S. Europa und Afrika.
jumentorum, Pers. (P. maximum Jacq.
ie t.13). ?]. Aftika. In S. Amerika an-
gebaut.
plieatum, Lam. Jacq. Eel: gr. t. 1.
. Ostindien. Blätter sehr breit; Blüht
im Winter.
sulcatum, Aubl. ?j. S. Amerika. Blätter
Jamaica.
noch breiter als bei voriger Art (9 D. |
cim.) Blüthenstand aber weniger reich.
Oplismenus fiıumentaceus, Kth. (Panicum....
Roxb. Echinchloa. Lk.) Trin. sp. gram. |
II. 164. ?|. O.-Indien. Nutzen.
Pennisetum macrochaetum, Jacq. Eel. gr. t. |
Ik. Setaria .
Grosse Rispe mit
25. (Panicum
Spre.) &) O0.-Ind.
langen Borsten.
Pennicillaria spicata, Willd. (Holeus.. .
fel Jang mit 3 Narben.
Cenchrus tribuloides, L. Carolina Elliot.
t. 4. An verschiedenen Theilen be-
haart.
Anthephora elegans, Schrb. (Tripsacum her-
maphroditum L. hort. ups. 9.) Schk. t.
1
Jacq. Ecl. gr. 17. @) O.-Indien. — Grif- |
.... L.) Host. Gram. t. 23. ?[. S.-Euro-
pa. Rpr. G. Schreb. Gr. t« 28. Rehb.D.
El. f. 74.
Trib. Agrostideae.
Sporobolus tenacissimus, Palis B. (Agro-
stis . .. Jacdq. ie. 16.)% 2]. Trop. Amerika.
Rpr. G.
Trib. Arundinaeeae.
Arundo Donax, L. Rehb. D. Fl. 109. Host,
Gram. 338. ?|. S.-Europa. Hält an vie-
len Orten zwar aus und wird viel erös-
ser als im Topf, doch ist es in ungün-
stigen Gegenden auf beide Art zu cul-
üviren.
Ampelodesmos tenax, Lk. (Arundo ...
Vahl. Rehb. D. Fl. 81. ?| N.-Afrika.
| Gynerium argenteum. Nees. v. Houtte. fl.
d. s. ?|. Montevideo. Schöner Wuchs
der sehr grossen Blüthenrispe besonders
der weiblichen Stöcke. Kann in man-
chen wärmeren Gegenden im Freien
ausdauern.
Trib. Chlorideae.
Chloris eiliata, Sw. Jaeg. Fragm. 121. ©
S.-Amerika. Blüthenstand.
barbata, Sw. Jacq. Ecl. 8. Schk. 343.
O.-Indien. Blüthenstand.
Chloris truncata, &. Br. Humb. Gram. 178.
(& Philipp. Ins. Australien. Aehren
des Blüthenstandes sehr lang.
Leptochloa dominguensis, Lk. (Eleusine....
Prs. Cynosurus ... . Jacq. 16. 22).
W.-Indien. Mexico.
284. Colladia monostachya, Pers). () | Eleusine Tocusso, Fres. @) Abyssinien.—
Jamaica Mexico. Rpr. Gen.
Nutzen.
II. Notizen,
Eleusine Coracana, Gärten (Cynosurus . ..
L.) Schreb. Gr. t. 35. Trinius Sp. 1. 70.
© 0.-Indien. Japan. Nutzen.
Trib. Festucaceae.
Schismus marginatus, Beauv. (Fesiuca caly-
eina, L.) Cav. ic. I. t. 44. Lam. Ene.
46. (e) Spanien. Cap. d. g. H. Blätter
behaart, doppelgestaltig,
Poa abyssinica Jacg. ic. t. 17.
stis .... Lk.) (&) Nutzen.
Calotheca elegans, Beauv. (C. dilatata, Lk.
Bromus brizoides, Lam). Humb. Gram.
88. h. Montevideo.
(Eragro-
Trib. Bambuseae.
Phyllostachys bambusoides, Sieb. Zuce.
in Abh. d. Münch. Ak. Ill. t. 6. h. Ja-
pan. Breitblätterig, blüht leicht.
Arundinariamacrosperma, Michx. (Arundo
tecta., Walt. A.bambusina, Tin. Arundo
gigantea Walt.) Elliot. Carol. 4. Arun-
dinaria bambusina, Trin. h. Virginien.
Schöner Wuchs, blüht aber nicht.
— faleata, Nees. ?j. O.-Indien. Schöner
Wuchs; verträgt selbst den Frost.
— glaucescens, Palis. (Panicum arbores-
cens, L.) Ludolfia..... Willd. h. O.-In-
dien. Breitblätterig; blüht fast nie.
Bambusa vertieillata, Willd. ?[. Molukk.
Ins. Wuchs, nichtallzuhoch, breite Blätter.
— .arundinacea Willd. (Arundo Bambos,
L.) R. O.-Indien. Wuchs gross *).
— Metake, Sieb. h. Japan. Blüht leicht.
Nastus borbonicus, Gmel. (Bambusa alpina
Bory. H. t. 12. N. paniculatus, Sm.
Lamark. ill. 264. Ins. Bourbon. Wuchs. —
Trib. Rottboelliaceae.
Rottboellia exaltata, L. ?|. Roxb. Corom. t.
157. ?]. O.-Indien, Austral.
Ratzeburgia pulcherrima, Kth. Gram. t. 158.
(Aikinia elegans, Wall., pl. as. var. t.
273. ?| Das schönste aller Gräser, wie
Rob. Brown. sagt, verdiente sehr aus
Ostindien eingeführt zu werden.
Tripsaeum dactyloides, L. Lamark. ill.
750. ?|. Carolina, Mexico. Wuchs. Mo-
nöcie.
*) 5. Regel, Gartenflora 1864. p. 331.
119
Manisuris Myurus, L. Schreb. Gr. t. 43. 2].
O.-Indien. Repr. Gen.
Trib. Andropogoneae.
Perotis latifolia, Ait. (Anthoxanthum indi-
cum L. et Saccharum spicatumL.) Kth.
Gram. t. 92. ?|. O.-Indien. Cap. d. g.
Hoff. Japan. Stamm ästig. Blätter
kurz.
Saccharum offieinarum, L. Tussac. An-
till. 23. Nees, Arzneipfl. t. 33. 2]. O.-
Indien.
Imperata arundinaces, Cyrill. (Saccharum
eylindrieum, Lam. Lagurus ...L.)
Rchb. D. Fl. t. 173.£. 455.7]. S.-Europa.
Rp. Gen.
Erianthus Ravennae, P. Beauv. (Saccharum
EHRechbD: EINI73027456: 2].
S.-Europa. Rpr. gen.
Apluda aristata, L. Schreb. Gr. t. 42. ?1.
O.-Indien. Rpr. gen.
Andropogon pertusus, Willd. (Holeus.... L.)
?]. Australien. Grübchen auf d. äusseren
Spelze.
— halepensis, Sibth. (Holcus ...L.)
Schreb. Gr. t. 18. Sturm. D. Fl. 13.
52. ?|. Kl.-Asien, Griechenland.
— Nardus, L. (A. citriodorus, Hort.)
Rumph. Amb. 4. 6. %). O.-Indien. —
Geruch.
Fanf. Cyperaceae.
Carex Fraseri, Lodd. (C. latifolia Schk.
tab. K. k. k. k. 195.) Bot. mag. 1391.
’i. Gebirge von Carolina. Blätter sehr
breit. Deckblatt und Schläuche weiss.
— plantaginea Lam. non Mühlbg. Schk. K.
k. k. k. 286. ?|. Virginien, Carolina.
Breite Blätter.
— indica L. non Schk. O.-Indien. Blät-
ter 3° lang. Schläuche hochroth, in
Rispen.
Uneinia jamaicensis, Pers. Schk. t. @. £.
286. (Carex hamata, Sw.) ?|. W. Ind.
Steriler Zweig aus dem Schlauch her-
vortretend. Morphol.!
Fuirena umbellata, Rottb. act. Leop. 17.
l. t. 4 ?[. O.- und W.-Indien. Rpr.
Gen.
120 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Scleria triglomerata, Mich. ?J. Virginien.
Hypelytrum argenteum, Vahl. ?|. O.-Indien.
W.-Afr. Rpr. Gen.
Cyperus vulgaris, Sieb. (C. globosus, All.,
C. conglomeratus, Rottb. ete.) Rchb.
ic. erit. II. 229. u. D. Fl. £. 279, 2. S.-
Europa, Kl.-Asien. — Hübscher Wuchs.
Willdenowia teres, Thunbg. Svensk. Akad.
1790 t. 2. ?|. Cap. d. g. H. Rpr. gen.
Elegia deusta. Endl. (Restio tectorum, L.)
Schnizl. Icon. I. 45. Rottb. Dese. t.3. 2].
Cap. d. g. H. Nutzen.
Mehrere andere Arten dieser Familie, be-
sonders aus der Gattung Paepalan-
— vegetus, Willd. (C. monandrus, Roth,
C. compressus Jacq. h. Vind. t. 12. C.
Eragrostis, Lam.) ?]. Carolina. Nur 1
Staubfaden,, Hülle sehr lang, Köpfchen
zahlreich, gross.
thus, z. B. P. flavidus, Kth. aus Vir-
ginien, und noch mehr die schönen
brasilianischen Arten, verdienen sehr
eingeführt zu werden. Das europäische
Eriocaulon septangulae wird kaum bei
— alopecuroides, Rottb. (C. Dives Delile
Descr. t.4.) ?|. Aegypten. Vieleschmale
Aehrchen auf langen Stielen.
— Paramatta, Mart. ?|. Australien. Aehr-
chen zu Aehren zusammengedrängt,
sehr abstehend, schmal, lang, vielblätte-
rig; untere Klappen von einer Art Bal-
sam überzogen.
— latifolius, Pod. Hübscher Wuchs. Blü-
thenstand. Noch nicht in Gärten.
— ferax, Rich. ?|. S.-Amerika. Rudg.
Guj. t. 20. S.-Amerika. Blüthenstand
sehr reich, Aehrchen zierlich, schmal,
strahlig abstehend.
— alternifolius, L. Jacqg. ic. t. 298.
Madagascar. Schöner Wuchsmit reichem
Blattschopf am Gipfel.
Papyrus antiquorum, Willd. (Cyperus
Papyrus, L.) ?|. N.-Afrika. Henkel v.D.
tab. 1.
Mariseus capensis, Schrad. ?|. Cap. d. g.
Hoff.
Kyllingia triceps, L. Rottboel. Desc. 4. Le-
mark. Emc. 38.
uns zu cultiviren möglich sein, Exem-
plare, welche ich in Edinburgh sah,
hatten ein schwächliches Ansehen und
müssen öfter von ihrem Standort auf
Insel Sky ersetzt werden.
Fam. Xyrideae.
Es ist mir noch keine Art aus dieser Fami-
lie in Gärten bekannt geworden, ihre
Einführung ist aber ein Bedürfniss.
Xyris caroliniana, Walt, aus Virgi-
nien, dürfte am ehesten erlangt werden
können.
Fam. Commelinaceae.
Commelina africana, L. Bot. mag. 1431.
Schmidl. ie. 30. ?|.. Cap. d. g. H. Blu-
men gelb.
— coelestis, Rm. Sch. Sweet. fl. Grd. 3.
— Ehrenbergiana Lk. Kl. ie. III. t. 30.
Mexico. Blumen braun.
Tradescantia cirrhifera, Mart. Auswahl t. 7.
. Mexico. Wuchs mit Ausläufern.
— discolor, Herbt. Sertum t. 12. Bot.
Mag. 1192. Blätter unterseits purpurfar-
big. ?|. Mexie.-Busen
— fuscata, Lodd. Cab 374. Bot. mag.
2330. Bot. reg. 482. ?|. Brasilien.
— iridescens, Lindl., Bot. reg. 26. t. 34.
Schldl. hort. Hal. 11. Dicke Blätter.
?L. Mexico.
— tuberosa, L. Bot. mag. 1695. Schmi-
del ie. 49. M}. Mexico. Knollen. Azur-
farbige Blumen.
(Fortsetzung folgt.)
Fam. Centrolepideae.
Einführung einer der Arten aus Australien
wäre zu wünschen.
Fam. Restiaceae.
Thamnochortus diehotomus, Rottb. (Re-
stiv..... Rottb. Dese. t. 1. Gärtn. d. fr.
82. R. vimineus, L.) ?[. Cap. d. g. H.
Wuchs, ohne Laubblätter.
IV.
Literatur.
121
IV. Literatur.
1) Carl Nägeli, Botanische Mittheilun-
gen. Besonderer Abdruck aus den
Sitzungsberichten der K. Academie zu
München. München bei Straub. —
1) Reaction von Jod auf Stärke-
körner und Zellenmembranen. Der
Verfasser giebt hier das Resultat seiner Be-
obachtungen und Untersuchungen, welchen
Einfluss in Bezug auf Färbung Jod in Ver-
bindung auf Jodwasserstoffsäure und andere
Jodverbindungen, ferner mit Schwefel-
säure und Phosphorsäure, auf die Stärke
und auf die Pflanzenmembran verschiedener
Pflanzen und der verschiedenen Gewebs-
theile, ausübt. —
2) Ueber die chemische Zusammensetzung
der Stärkekörner und Zellenmembrane. Die
Schwierigkeit der Untersuchung besteht da-
rin, dass Stärke und Zellenmembranstoff
(Cellulose) ohne tremde Einlagerung nicht
herzustellen ist. Die reine Cellulose ist ein
der Stärke so nah verwandter Stoff, dass
er wie diese entgegen der gewöhnlichen
Annahme gelöst wird. Sie unterscheidet
sich aber stets noch dadurch von der Stärke,
dass die Stärke von Jod blau gefärbt wird,
— während die Zellenmembran, die zuvor
der Einwirkung der Schwefelsäure ausgesetzt
war, nicht gebläuet wird. Wo aber Zellen-
membranen bei Einwirkung von Jod bläu-
liche Färbungen zeigen, kommt dies auf
Rechnung der in die Membran eingelagerten
Stoffe. — In der zuvor angezogenen Ab-
handlung hatte Nägeli schon gezeigt, dass
die blaue Färbung derartiger Zellenmembra-
nen verschwindet, sobald solche durch an-
dere Reagenzien von den fremden einge-
lagerten Stoffen befreiet sind. —
3) Ueberdie chemische Verschie-
denheit der Stärkekörner unter ein-
ander. Hier wird gezeigt, dass die Stärke
verschiedenartige chemische Zusammensetz-
ung zeigt, — ja dass selbst solche Ver-
schiedenheit zwischen den grossen und klei-
nen Stärkekörnern der Kartoffel auftritt -..
4) Ueber die ungleiche Verthei-
lung gelöster Stoffe indem Wasser-
tropfen eines microscopischen Prä-
parates. Nägeli constatirt hier eine für
microscopische Untersuchungen sehr wich-
tige Thatsache. —
5) Ueber den inneren Bau der
vegetabilischen Zellmembrane. Es
ist das eine Reihe höchst interessanter und
gründlicher Untersuchungen über den Bau
der Zellwand und den Einfluss verschieden-
artiger Stoffe, die deren Aufquellung oder
auch Zerfallen bedingen, wie namentlich
mit Schwefelsäure. Bei Zellen mit gestreif-
ten oder geringelten Wandungen etc., wird
stets die Ringfaser etc., früher oder später
durch die Aufquellungsmittel gelöst, was
ebenfalls wieder Folge der verschiedenen
chemischen Zusammensetzung der Schichtun-
gen der Zellenmembran ist. Eine Reihe
von Tafeln giebt das Resultat der Aufquel-
lung ‚der Zellenmembran verschiedenartiger
Pflanzen, nach microscopischen Bildern. —
Wir können diese kurzen Bemerkungen
über die gediegenen Arbeiten unseres ge-
lehrten Freundes nicht schliessen, — ohne
darauf hinzuweisen, dass die Wunder des
Baues der Pflanzen so mannichfach sind, —
dass je mehr unsere Instrumente und Beo-
bachtungsmethoden verbessert werden, —
je mehr wir neue Thatsachen dafür finden
werden, — dass die anscheinend gleichar-
tigste Materie eines organisirten Stoffes, —
doch noch mannichfache Verschiedenheiten
zeigt. Das ist eben die unserem Fassungs-
vermögen unfassbarste Wahrheit, — dass
nämlich das Weltall in die unendliche Ferne
des Sternenhimmels hinaus, ebenso unbe-
gränzt gross ist, — wie auch der Raum
nach dem Kleinen hin, in Wahrheit unbe-
gränzt gross ist. —
Unser Microscop zeigt uns den kleinen
Wassertropfen als einen kleinen, von ver-
schiedenartigen Wesen bewohnten Sce. Da
bewegen sich die kleinen Infusorien anschei-
->nd schnell, weil deren Schnelligkeit der
122
Bewegung, um ebenso viel schneller er-
scheint, als das Microscop vergrössert, —
da zeigen die Schwärmsporen ihr eigenthüm-
liches Leben, — da zeigt es sich, — dass
sowie Nägeli zeigt, — dass zwischen Stärke
und Stärke, zwischen der Zusammensetzung
der Theile der Pflanzenmembran der glei-
chen Zelle ein grosser Unterschied ist. Dass
andererseits auch zwischen den Millionen
kleinen Blutkügelchen, die in den Gefässen
unseres Körpers dahin strömen, ganz merk-
würdige Unterschiede auftreten, ja dass es
eine Form derselben (die weissen) giebt,
die gleichsam für sich ein eigenthümliches,
gleichsam nomadenartiges Leben zeigen. —
Was aber fragen wir, würden wir sehen,
wenn wir abermals millionenmal mehr ver-
grössern würden, wenn die Zellen und Blut-
kügelchen zur Grösse unseres Erdballs sich
ausdehnen würden. Wir können uns aber
diese kleinsten Gebilde nicht blos so vielmal
vergrössert denken, — sondern wir müssen
uns solche ins Unendliche vergrössert den-
ken, um eine richtige Auffassung zu be-
kommen, — denn der Raum ist nach dem
Kleinen hin ebenso unendlich, — wie nach
dem Grossen. (E. R.)
2) Jahresbericht des Vereins für
Pomologie und Gartenbau in
Meiningen. IX. Heft. 1864 — 1865.
Die Jahresberichte dieses kleinen Gar-
tenbauvereins in einer kleinen Stadt sind
von jeher von besonderem Interesse gewesen,
indem sie stets eine Menge des Belehrenden
im Fache der practiischen Gärtnerei bringen.
Auch das vorliegende Hettchen enthält wie-
der recht brauchbare Dinge. So über die
Erziehung und Pflege der Fuchsien von G.
Abesser, ganz für den Dilettanten berech-
net und zeigend, auch beschränkte
Hilfsmittel leisten können. Noch ausführ-
licher ist eine Abhandlung: „Beitrag zur
was
Cultur der Erdbeeren“ von M. Sell, .Hof- |
särtner in Sinnershausen. Nicht allgemein
bekannt dürfte die darin ausgesprochene
Erfahrung sein, dass die weit vom Mutier-
stock entfernten Ausläufer zur Fortpflanzung
benutzi, weniger gute Fruchtpflanzen geben
und später tragbar werden. Ferner wird
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
daran erinnert, dass das Abreissen der Ran-
ken (Räuber) oft die alten Pflanzen beschä-
dige, dass man daher dieselben abschneiden
oder wenigstens nicht ausreissen möge.
J.
3) Die Gartencultur im Regierungs-
bezirke Erfurt bis zum Jahre
1860. Vom Regierungsassessor
von Uckro.
Die Statistik gewinnt immer mehr an
Wichtigkeit, und von verschiedenen Seiten
hört man von Beiträgen. Für den Garten-
bau waren sie bisher sehr spärlich, und als
wir vor fünf Jahren die Abhandlungen für
das grosse von Viebahn’sche Werk schrie-
ben, fehlte es noch ganz an Material. Die
kleine vorliegende Schrift schildert uns den
Gartenbau einer Gegend, wo derselbe schon
seit Jahrhunderten schwunghaft betrieben
und wegen dessen die Stadt Erfurt schon
lange berühmt war. Wie partheilos der
Verfasser urtheilt, geht aus den Worten her-
vor: „im Allgemeinen übertrifft jedoch den
Ruf, den der Regierungsbezirk Erfurt im
Bezug auf Gartenbau geniesst, die Wirk-
lichkeit“ u. s. w., was sich jedoch nicht auf
die Stadt Erfurt und die nächste Umgebung
bezieht. J.
4) Erfurts Land- und Gartenbau in
seinen wichtigsten Entwickelungsmo-
menten. Eine Festgabe für den zweiten
Congress Deutscher Gärtner, Botaniker
und Gartenfreunde etc. Von Theo-
dor Rümpler, Secretär des Erfurter
Gartenbauvereins, Herausgeber der All-
gemeinen Deutschen Gartenzeitung etc.
Verlag von Gerhardt und Schreiber in
Erfurt 1865.
In ähnlicher Weise wie die vorerwähnte
Schrift giebt die vorliegende einen geschicht-
lichen Abriss der Entwickelung des Erfurter
Gartenbaues von den ältesten Zeiten bis
1865. Diese Mittheilungen sind ausführlicher
und mehr für den Gärtner und Gartenfreund
berechnet. und erstrecken sich auf Einzeln-
heiten von Erfurter Culturen, welche das
Schriftchen für jeden Fachgenossen brauch-
bar machen. Wir erfahren unter anderen,
IV. Literatur.
wohin Erfurts Gärtner Absatz haben und in
welchen Dingen, ebenso, was sie vom Aus-
lande beziehen und von wo. Interessant
ist es dabei zu erfahren, dass der Absatz
nach den Oesterreichischen Staaten (beson-
ders den östlichen) 58 Procent des ganzen
Umsatzes im Kleinhandel beträgt. Für die
Besucher der Ausstellung und des Congres-
ses im September 1865 war das kleine Buch
ein wahrer Schatz, denn es zeigt auf einem
Stadtplane die genaue Angabe der Gärten-
plätze von 38 Handelsgärten. so daes man
dieselben leicht auifinden kann, ebenso den
Plan des „Dreienbrunnens‘‘ (Erfurts Brun-
nenkresse- und bestes Gemüseland), sowie
Ansichten von 10 der grösseren Handels-
gärtnereien Dieses Büchelchen
sollte jeder Erfurt besuchende Gärtner sich
vorher anschaffen. J.
Erfurts.
5) Geschichte der Ziergärten und
Ziergärtnerei in Deutschland,
während der Herrschaft des re-
gelmässigen Gartenstyls. Von
"Oscar Teichert, von Schlemm’scher
Obergärtner in Malkowiz bei Marien
werder. Berlin, Verlag von Wiegandt
und Hempel. 1865
Ganz allmählig scheint man sich auch
in dem Gartenwesen klar zu werden, wie
wichtig es ist, unsere Kunst und Wissen-
schaft in ihrer Entwickelung kennen zu ler-
nen, um daraus für die Gegenwart Nutzen
ziehen. Recht in’s Blut ist allerdings
diese Ueberzeugung noch nicht gegangen,
sonst würde man in Fachschriften mehr ge-
schichtliche Thatsachen finden. Man kann
in, manchen Zeitschriften alljährlich zwan-
zigmal lcsen, wie man Fuchsien, Erdbeeren
ete. eultivirt, was eigentlich Jeder weiss,
ehe nur cinmal eine geschichtliche Thatsache
angeführt wird. Der Verfasser dieses Bu-
ches hat darin schon lange eine Ausnahme
gemacht, und von Zeit zu Zeit in der „Ham-
burger Gartenzeitung‘* Nachrichten über alte
Gärten und Gärtner gegeben. Unser Vater-
land hat altfranzösische Gärten an jedem
kleinen Fürstenhofe in Menge entstehen se-
hen; und es wäre interessant zu wissen, in
welchen Jahren und unter welchen Neben-
zu
123
verhältnissen begleitet diese Gärten entstan-
den, von wem sie angelegt sind. Wie viele
Gärten sind es, von denen wir solche Nach-
richten haben?
Und doch finden sich in jedem fürst-
lichen oder altadeligen Archive solche Nach-
richten, wenn man nur an die rechte Quelle
gehen will. Noch viel interessanter ist die
Geschichte der darauf folgenden Zeit, von
der wir nicht viel mehr wissen. Nur für
einige Länder haben wir geschichtliche Quel-
len, welche in die Oeffentlichkeit gelangt
sind, z. B., die Königlichen Schlösser und
Gärten in Preussen von Kopisch, die König].
Gärten Hannovers von Wendland, die
Königl. Bayerischen von Karl Sckell und
einige andere. Schätzenswerth in dieser
Hinsicht sind die alten Gartenkalender von
Hirschfeld, Becker ete., welche zu Ende
des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts
herauskamen. Damals waren noch we-
nige Gärtner der Feder mächtig und die
Fachschritten wurden von classisch gebil-
deten Männern geschrieben. Unterlief auch
viel unnützes, breites Gewäsch, so leuchtete
‚doch der gebildete Geist durch Der Schrei-
ber dieses fühlte schon lange die Nothwen-
digkeit einer kritischen Geschichte der Gar-
tenkunst und ist nun nach vielen Jahren so
weit gelangt, dass das Material fertig vor-
liegt und grossentheils verarbeitet ist; aber
wie wenig Interesse unter den Fachgenossen
für die Geschichte unserer Kunst — die
höchste Schule derselben — zu finden war,
beweist der Umstand, dass trotz wiederhol-
ter öffentlicher Bitten nur einige Collegen,
darunter auch Herr Oscar Teichert, der
Verfasser des in Rede stehenden Werkes,
meine Bitte um Beiträge erfüllten. Schon
dieser Umstand beweist, mit welchem Eifer
der Verfasser sich dieses Gegenstandes be-
mächtigt hatte, und jede Seite des Buches
giebt davon Zeusniss Wir haben in der
That eine Geschichte der Ziergärten und
Ziergärtnerei aus der Zeit vom 15.—18. Jahr-
hundert vor uns, mit einem Rückblick auf
den Zustand des Garlenbaues vor dieser
Zeit. Man braucht nicht selbst Schriftsteller
zu sein, um beim Durchlesen von Teicherts
Buch die Ueberzeugung zu gewinnen, dass
124 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
es mit grossem Fleiss, mit grosser Sorgfalt
und Genauigkeit gearbeitet ist; aber nur
der Schriftsteller und Arbeiter in diesem
Fache kann die unendliche Mühe beurthei-
len, welche sich der Verfasser gegeben hat,
um ein Stück Vergangenheit aufzurollen.
Das ist eine lange, schwere Arbeit gewe-
sen, und ausser der Selbstbelehrung hat
der fleissige Verfasser wahrscheinlich nur
das Gefühl, etwas Gutes gethan zu haben,
zum Lohne, denn von entsprechendem ma-
teriellem Vortheil kann bei einem so mühe-
vollen Werke nicht die Rede sein. Die Art
des Buches erlaubt nicht ein Eingehen auf
Einzelnheiten, ohne selbst ein Stück Ge-
schichte zu schreiben, und wir sprechen
daher nur ganz kurz aus: dieser geschicht-
liche Abriss ist ein vortreffliches Buch, wel-
ches jeder gebildete Gärtner studiren sollte,
und jedenfalls die gewissenhafteste, reich-
haltigste Abhandlung über den umfassenden
Zeitraum. — Das Buch zerfällt in drei
Abschnitte. Nach einer Einleitung über die
Anfänge der Gartenkunst in Deutschland,
bringt der erste Abschnitt „Rückblicke auf
die Theorie und Praxis in der deutschen
Gartenkunst zur Zeit des geometrischen
Styls“. Dann folgt als zweite Abtheilung
die specielle Geschichte deutscher Ziergärten
aus dieser Zeit, und als dritter eine chrono-
logische Darstellung. Ereignisse im Garten-
wesen Deutschlands seit dem 16. Jahrhun-
dert. Wir bemerken ausdrücklich, dass es
auch die Geschichte der Pflanzengärten und
Einführung der wichtigsten Zierpflanzen ent-
hält. Die Ausstattung des Buches ist eine
höchst ansprechende und selbst nach jetzi-
gen Begriffen gut gedruckter Bücher „no-
bel‘ zu nennen. d.
6) Ernst Krause, die Botanische Syste-
matik, in ihrem Verhältniss zur
Morphologie, — oder Kritische Verglei-
chung der wichtigsten älteren Pflanzen-
systeme, nebst Vorschlägen zu einem
natürlichen Pflanzensysteme nach mor-
phologischen Grundsätzen. —
1866, bei Fr. Voigt. —
Weimar
Der Gegenstand, den dieses Buch be-
handelt, ist zu sehr rein botanischer Nat”
als dass wir solches hier einlässlicher be-
sprechen könnten. Wir haben mit Vergnü-
gen einen Einblick in den Theil des Buches
genommen, der die älteren Systeme mit Ein-
sicht und Sachkenntniss bespricht. Die Vor-
schläge, die hier der Verfasser auf die mor-
phologische Entwiekelung gestützt, für den
Aufbau eines neuen Systems macht, — ent-
behren nach unserer Ansicht viel zu sehr
einer soliden Grundlage , als dasss sie bei
den Systematikern je zur Geltung kommen
könnten. —
Wir können aber andererseits das vor-
liegende Buch mit voller Ueberzeugung zum
Studium empfehlen, da es manche Frage
anregt, manchen guten Wink giebt, sowie
wir, wenn gleich wir der Ueberzeugung
sind, dass zur systematischen Aufzählung
der Pflanzen ein derartiges System niemals
sich Bahn brechen wird, — doch anderer-
seits mit dem Verfasser — in so ferne einig
gehen, dass ein natürliches System gleich
den sich verzweigenden Aesten eines Bau-
mes, in vielen besonderen Entwickelungs-
reihen gedacht werden muss, und nicht in
einer stetig aufsteigenden Reihe vom Ein-
fachsten zum Vollkommensten. (E. R.)
7) Dr. Alois Pokorny, Oesterreichs
Holzpflanzen, eine auf genaue Be-
rücksichtigung der Merkmale der Laub-
blätter gegründete Floristische Bearbei-
tung aller im Oesterreichischen Kaiser-
staate wild wachsenden oder häufig
eultivirten Bäume, Sträucher und Halb-
sträucher. Mit 1640 Blattabdrücken in
Naturdruck. Wien 1864. Druck und
Verlag der K. K. Hof- und Staats-
druckerei. —
Durch eine Verzögerung bei der Ueber-
sendung, haben wir dieses vorzügliche Buch
erst jetzt erhalten und können daher erst
jetzt unsere Leser auf dasselbe aufmerksam
machen. Dasselbe ist in elegantester Aus-
stattung in Folio erschienen und bringt die
systematische Aufführung der Oesterreichi-
schen Holzgewächse. Gute Charactere der
Familien- und Gattungen, — sowie bei den
grösseren Gattungen übersichtliche Zusam-
der Gruppen und Arten, ist
IV. Literatur.
vorausgeschickt. Bei jeder Art ist die wich-
tigste Synonymie, dann eine genaue Be-
schreibung der Blattorgane, der Nervatur
der Blätter und endlich eine allgemeine Be-
schreibung der Pflanze nebst Aufzählung der
Formen und Standorte, gegeben.
Das Characteristische dieses Werkes
ist die genaue Beschreibung der Blätter, die
ausserdem in einer so vorzüglichen Weise
in Naturselbstdruck dargestellt sind, dass
der Verlauf der Nerven bis in die kleinsten
Nüancen des .Adernetzes so treu und gut
wieder gegeben ist, dass man solchen wie
bei den lebenden Blättern noch mit der
Lupe in seine feinsten Verzweigungen ver-
folgen kann. —
Es liegt auf der Hand, dass dieses Werk,
namentlich in Bezug auf Palaeontologie
einen hohen wissenschaftlichen Werth hat.
Die Pflanzen der Vorwelt müssen nach theils
oft sehr unvollkommenen Abdrücken der
Blätter classificift und bestimmt werden.
Derartige Bestimmungen sind aber nur dann
mit annähernder Bestimmtheit möglich,
wenn solche mit den Blättern jetzt lebender
Pflanzen verglichen werden, da von den
letzteren Stellung im Systeme, Blüthenor-
gane etc. hinlänglich bekannt sind, die nur
in sehr vereinzelten Fällen bei den Pflan-
zenabdrücken der Vorwelt am gleichen
Zweig zugleich mit den Blättern, meistens
aber gar nicht oder doch ohne Blattorgane
und undeutlich aufgefunden werden.
Die 1640 Abdrücke von Blättern, die
das in Rede stehende Werk als Naturdruck
liefert, sind das vollkommenste was in die-
ser Beziehung bis jetzt geleistet worden ist.
Wahrscheinlich ist man bis jetzt nur in
Wien im Stande, eine derartige so ausge-
zeichnete Arbeit zu leisten, die für palaeon-
tologische Untersuchungen die Vergleichung
natürlicher Blätter ganz unnöthig macht.
Es sind diese Naturselbstdrucke aber auch
mittelst eines neuen sehr vereinfachten Ver-
125
fahrens geliefert worden, indem solche durch
Umdruck und Hochätzung auf Zink er-
zeugt sind, so dass es positive Bilder sind,
die mit der Buchdruckerpresse theils sogar
in den Text gedruckt worden sind. Von
einzelnen besonders grossen zusammen ge-
setzten Blättern, sind, — um den Raum
nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen, pho-
tographisch verkleinerte Darstellungen des
nach der Natur gemachten Naturdruckes,
gegeben.
Um aber den Herren Palaeontologen
die Benutzung dieses Werkes zur Bestim-
mung der Blattabdrücke fossiler Pflanzen
noch zu erleichtern, hat der Verfasser
ausser der systematischen Aufzählung von
Oesterreichs Holzgewächsen, noch eine Zu-
samınenstellung derselben nur nach den
Typen der Blattformen gegeben. Hier wer-
den unterschieden: Zuerst die Gruppen der
blattlosen, der ganzblätterigen und
der getrenntblätterigen. Die Verthei-
lung der Nerven des Blaitscelettes giebt die
Charactere zur Gruppenbildung bei der
grossen Gruppe der ganzblätterigen Pflan-
zen, — und die Art der Theilung bestimmt
die Gruppenbildung bei den getrenntblätte-
rigen oder den Pflanzen mit zusammenge-
setzten Blättern.
Wir empfehlen daher dieses auf gründ-
lichem Studium beruhende Werk allen de-
nen, die sich für Dendrologie oder für Pa-
läontologie interessiren und machen schliess-
lich noch darauf aufmerksam, dass ein Werk
mit derartiger Ausstattung und so vollkom-
men ausgebildeten Darstellungen des Natur-
selbstdruckes, wodurch das Blattscelett noch
klarer als durch das natürliche Blatt dargestellt
wird, bis jetzt nur in Wien hergestellt werden
kann, wo durch den Director der dortigen
Hot- und Staatsdruckerei, Herr A. von
Auer, der Naturdruck entdeckt und auf so
hohe Stufe ausgebildet ward.
(E. R.)
126
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
V. Personalnotizen und Neuestes eie
1) Gartenbau-Verein in Cöthen.
In Cöthen hat sich ein Gartenbau- Verein
gebildet, der im Laufe des Jahres 12 Sitzun-
gen hielt. Der Vorsitzende ist Major von
Mai. Secretär Hr. Kunstgäriner Göschke. —
2) John Lindley. Wir vervollstän-
digen unsere irühere Anzeige von Lindley’s
Tod durch folgende Mittheilungen. Derselbe
wurde am 5. Februar 1799 in Catton bei
Norwich geboren. Er widmete sich der
Gärtnerei und erhielt seine ersien Unterwei-
sungen in der Botanik durch W. Hooker.
Durch Hooker’s Vermittelung ward er 1818
an der Bibliothek von J. Banks angestellt.
Im Jahre 1820 veröffentlichte er sein erstes
Werk, die Monographie der Rosen. im
Jahre 1821 folgten seine Collectanea bota-
nica, in denen er die selineren Pflanzen
des Gartens von Herrn Cattley beschrieb.
Schon 1822 ward Lindley am Garten der
Londoner Gartenbau -Gesellschaft zu Chis-
wick angestellt, 1829 wurde er als Profes-
sor der Botanik an der Universität zu Lon-
don angestellt und ein Jahr später begann
er seine Vorlesungen an dem Apotheker-
Garten zu Chelsea. — Während so seine
Thätigkeit verschiedene Richtungen erhielt,
blieb er mit warmer Liebe bis zu seinem
Tode den Interessen der Gartenbau-Gesell-
schaft zugethan und war immer mit ener-
gischer Thätigkeit zur Hand, wo es zu ar-
beiten gab. Zahlreich sind die von ihm
veröffentlichten Werke: Botanical Register
führte er fort, bis dieses Unternehmen ein-
ging. Ausserdem gründete er 1841 Garde-
ner’s Chronicle und führte dieses wichtige
Journal bis zu seinem Tode fort, er bethei-
ligte sich als Mitarbeiter an dem Journal
der Horticultural Society und an Paxton’s
Flower Garden. 1840 gab er sein berühm-
tes Werk, Theorie der Gärtnerei her-
aus und 1846 ein anderes bedeutendes und
berühmtes Werk, the Vegetable Kingdom.
Zeit die einzige Autorität. Genera and Spe-
eies of Orchideous plants, — die zahlrei-
ı chen in Botanical Register, in Paxton’s Flo-
wer garden und Gardener’s Chronicle von
ihm beschriebenen und theils abgebildeten
neuen Arten dieser Familie und endlich sein
leider nicht mehr beendetes Werk „Folia
Orchidacea“ , legen für seine Arbeiten in
dieser Beziehung das rühmlichste Zeug-
niss ab.
Lindley besass eine durch gute Ge-
sundheit unterstützte ausserordentliche Ener-
gie und ein freimüthiges offenes Wesen.
Wegen allmäliger Abnahme der Kräfte legte
er j858 sein Amt als Secretär der Garten-
baugesellschaft, 1861 sein Amt als Professor
nieder. Im vergangenen Jahre hatte er
schon am andauernden Kopfschmerzen ge-
litten, bis am 1. November 1865 ein Schlag-
fluss seinem thätigen Leben ein Ziel setzte,
nachdem Paxton und Hooker ihm vor-
ausgegangen waren.
(E. R.)
3) Ein Mammuth in Sibirien. Die
überraschende Nachricht „ dass in dem ho-
hen Norden Sibiriens wiederum ein Mam-
muth, noch mit Fleisch und Fell aufgefun-
den worden sei, ist durch die Journale Eu-
ropas gegangen.
Da auch wir der Vorwelt und zwar in
besonderer Beziehung auf Sibirien, in diesen
Blättern mehrfach gedacht, so wollen wir
auch dem Mainmuth einige Worte widmen.
Das Mammuth war in der Tertiärzeit
ein über den grössten Theil der alten Welt
verbreitetes Thier, das aber in Sibirien be-
sonders häufig war, wie dies die Massen
der Mammuth Zähne bewiesen, die noch
jährlich in Sibirien gesammelt und in den
Handel gebracht werden. In Europa starb
das Mammuth, mit dem Ende der Tertiär-
zeit aus, und zwar, während der Diluvial-
Als Monograph der Orchideen war er lange | zeit, gleichzeitig mit den Bäumen des Wal-
V. Personalnotizen.
des eines wärmeren Klimas. In Sibirien
scheint das Mammuth aber noch während
der Diluvialzeit und selbst zu Anfang der
Jetztwelt, zugleich mit dem Menschen ge-
lebt zu haben und erst als mit dem Durch-
bruch der Behringsstrasse, das Eismeer
“ seine Wassermassen längs der Ostküsten
Asiens senden konnte, scheint mit der zu-
nehmenden Erkaltung des Klima’s, dort das
Mammuth ausgestorben zu sein.
Wie aber kann aus jener immerhin gar
fernen Zeit, auf unsere Zeit ein Mammuth
mit Fleisch und Haut aufbewahrt werden ?
Das ist die Frage, die da mancher stellen
wird. Die Antwort darauf ist: Im Norden
Sibiriens thaut der Boden im Sommer höch-
stens 1—2 Fuss tief auf,
ten so tief gefroren, dass mehrere hundert
Fuss tief geschlagene Schachte, dort noch
nicht durch die gefrorne Schicht hindurch
reichten. Wird z. B. in Jakutzk ein Haus
gebant, so wird mittelst Feuer der Boden
etwas tiefer aufgethaut, um unter dem Hause
einen Keller anzulegen, der nicht von Mau-
ern, sondern nur von der felscenfest gefrore-
nen Erde begränzt ist. Im höchsten Som-
mer bleibt das in einem solchen Kelier auf-
bewahrte Fleisch und andere Gegenstände
geiroren. —
und ist nach un-
Zu diesem Verhältniss tritt ein zweites.
Die mächtigen, Sibirien durchsetzenden und
in das Eismeer mündenden Ströme haben
im Sommer weniger Wasser, im Frühlinge
wachsen sie aber in einer Weise an, wie
dies in Europa nicht bekannt, so dass ihr
Niveau je nach der Breite des Flussgebietes
10—40 Fuss höher steht und weite Gebiete
unter Wasser gesetzt werden. Dass die em-
pörten Fluthen dann auch Geschiebe am
Ufer absetzen, ist ganz natürlich. —
In den Strom gerathene Leichen des
Mammuth, von demselben fortgetragen und
weiter nach Norden in das neben dem Strom-
bett aufgehäufte Geschiebe eingesenkt und
hier nach dem Verlaufen des Wassers dem
Einfluss des Erstarrens durch Gefrieren des
Bodens ausgesetzt, sind es dann, welche
noch mit Fleisch und Haut, aus einer fernen
127
Zeit in die starr gefrorene Erde eingebettet,
auf unsere Tage kommen können.
Es sind schon einige Beispiele des
Auffindens solcher Mammuth-Leichen bekannt,
die gleichfalls durch die Fluthen wieder
blossgelegt, aus dem Geschiebe des Fluss-
bettes herausfielen. — Das letzte derartige
aufgefundene Mammuth wurde 1803 gefun-
den. Von demselben befinden sich im Zoo-
logischen Museum zu Petersburg noch einige
Stücke Haut mit Haaren und das ganze
Skelett, das Adam s im Jahre 1807 nach
Petersburg brachte. Das Mammuth, zu des-
sen Auffindung in diesen Tagen der Ma-
gister Schmidt, der gleiche, der den Amur
und Sachalin bereist hat. — von der Kais,
Academie der Wissenschaften abgesendet
worden ist, soll am Tasow-Busen, zwi-
schen dem Meerbusen die der Ob und Jeni-
sei bei ihrem Ausfluss in das Eismeer bil-
den, von einem Samojeden unterm 750 N.
Br. aufgefunden sein. Sicher ist nur, dass
dieser Samojede einen aus dem Boden hervor-
ragenden Zahn mit noch etwas Haut. am
Grunde desselben, gefunden hat, Herr Ma-
gister Schmidt hat nun die schwierige Auf-
gabe erhalten, den noch im Boden verbor-
genen Leichnam aufzufinden.
(E. R.)
Wien. DieK.K. Gartenbaugesellschaft
in Wien hat ihre Statuten verändert. Sie
besteht uun aus Ehren -Mitgliedern, Corre-
spondirenden Mitgliedern und wirklichen
Mitgliedern.
Die Wirklichen Mitglieder theilen sich
wieder in 3 Klassen, nämlich in solche die
20 fl., 10 fl. und 5 ll. Jahresbeitrag zahlen
und haben dafür verschiedene Berechtigun-
Ein Präsident, 2 Vicepräsidenten und
12 Verwaltungsräthe, die auf 3 Jahre ge-
wählt werden, leiten die Geschäfte der Ge-
sellschaft, — die sich wieder in 4 Sectionen
theilt, nämlich in eine für den wissenschaft-
lichen Theil der Gartenkunde; eine für Cul-
tur und Acclimatisation; eine für Obsteultur
und eine für Cultur der Zierpflanzen, Die
Erzeugnisse des Gesellschaftsgartens, wer-
den an die Mitglieder der Gesellschaft ver-
gen.
128
theilt. Das der Gesellschaft gehörige Aus-
stellungsgebäude scheint derselben noch
schwer aufzuliegen. Vorläufig werden auch
Conzerte und Bälle etc. in demselben gege-
ben, um durch deren Einnahme Zins und
Kapital zu decken. Aber auch wissenschaft-
liche Vorträge werden im Laufe des Winters
in demselben gehalten.
Von Seiten der Gesellschaft werden im
Laufe des Frühlings zwei grosse Ausstel-
lungen veranstaltet, nämlich die erste vom
20. bis zum 26. April.
Bei dieser kommen zwei von Sr. Maje-
stät dem Kaiser bewilligte Prämien, dann
viele von Freunden des Gartenbaues ausge-
stellte Prämien und endlich viele von Seiten
der Gesellschaft ausgeschriebene Prämien
zur Vertheilung. Das Programm kann durch
den Herrn General-Secretär der Gesellschaft,
Hrn. J. G. Beer bezogen werden.
Die zweite Ausstellung findet vom 15.
bis zum 23. Mai statt und zwar gleichzeitig
mit einer Land- und Forstwirthschattlichen
Ausstellung. —
4) Zanzibar, 2. Decbr. Der Tod des
Afrikareisenden, Frhrn. v. d. Decken hat
sich leider bestätigt. Am 1. Octbr. wurde
das Lager des kühnen Reisenden von einer
Truppe Samalis angegriffen; ein Maler und
ein Mechaniker, die mit an seiner Expedition
theilnahmen, wurden getödtet. Der Baron
selbst, welcher noch von den Folgen der
Cholera, an der er in Juni darniedergelegen,
sehr erschöpft war, hielt anfänglich die ihn
umringenden Wilden mittelst seines Revol-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
vers in Respect, aber als er sich einen Au-
genblick bückte, um seine Waffen zu neh-
men, drang die Menge auf ihn ein, schleppte
ihn an das Ufer des Flusses, wo er erdolcht
wurde. Sein Arzt Dr. Link hatte am näch-
sten Tag dasselbe Schicksal.
(A. A. Z.)
5) London, 9. März. Dr. Berthold
Seemann, welcher bei der bevorstehenden
allgemeinen Gartenbau-Ausstellung als Se-
eretär für das Ausland fungiren sollte, hat
auf diese Ehre verzichten müssen, da er
sich veranlasst sah, eine längere Reise nach
Amerika anzutreten. Für die Ausstellung
selbst werden umfassende Vorbereitungen
getroffen. In den Räumen der „Horticultu-
ral-Gardens“, die allen Besuchern der gros-
sen Ausstellung von 1862 wohl bekannt
sind, wird ein riesiges Zelt aufgeschlagen,
um die Ausstellungsgegenstände, welche aus
allen Erdtheilen zahlreich angekündigt sind,
in sich aufzunehmen. Für die Plenarsitzun-
gen ist der neugebaute Saal des Kensington-
Museums bestimmt, in welchem die früher
in Hampton-Court aufbewahrten berühmten
Rafael’schen Cartons jetzt eine würdige
Stätte gefunden haben. Auch für die fest-
| liche Bewirthung der fremden Gäste wird
Vorsorge getroffen; der Glanzpunkt dersel-
| ben dürfte ein grosses Bankett in der re-
staurirten festlich geschmückten Stadthalle
der City (Guildhall) werden, zu welchem
jetzt schon die meisten Plätze vergriffen
sind. (A. A. Z.) (N.)
I. Originalabhandlungen.
1) Abgebildete Pflanzen.
a) Jacequinia mexicana H Petrop.
(Siehe Tafel 505 Fig. 1.)
Theophrasteae.
J. mexicana; ramis teretibus, junio-
ribus sub lente brevissime puberulis;
foliis coriaceis, sparsis v. oppositis, bre-
viter petiolatis, elliptico-lanceolatis in
mucronem pungentem acuminatis, basin
versus attenuatis, margine integerrimis
subrevolutis, utrinqgue glaberrimis; ra-
cemis terminalibus, folio duplo brevio-
ribus; pedicellis flore longioribus, supra
basin bractea minima ovata acuminata
ciliata stipitatis; tubo corollae ealyce
subduplo longiore. —
Die in Rede stehende Pflanze bil-
det einen schönen, oft quirlich verästel-
ten, 3—8 Fuss hohen Strauch des
Warmhauses, mit immergrünen elliptisch-
lanzettlichen ganzrandigen, in eine ste-
chende Spitze ausgehenden Blättern,
V. 1866.
Die Blüthentrauben erscheinen auf
den Spitzen der Aeste, in den Achseln
der Blätter und Aestchen und sind stets
bedeutend kürzer als die Blätter.
Schon durch diesen letzteren Cha-
racter unterscheidet sich dieselbe von
J. aurantiaca Ait., J. macrocarpa Cav.,
und J. racemosa D C. fill. — Die schö-
nen tief orangerothen Blumen erschei-
nen im Juli und August in reichlicher
Menge und blühen unausgesetzt lange
Zeit hindurch,
Diese Art wird schon lange im hie-
sigen Botanischen Garten als J. mexi-
cana cultivirtt und ward höchst wahr-
scheinlich von Karwinsky aus Mexico
eingeführt und von Fischer vorläufig
benannt.
130
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
pb)Rhodotypus kerrioides Sieb et Zuee.
(Siehe Tafel 505 Fig. 2—3.)
Rosaceae
Rh. kerrioides Sieb, et Zuce, fl. jap.
tab. 90. pag. 185—188.
Dieser schöne neue Strauch ist in
den Gebirgen Japans zu Hause und
wird häufig in den Gärten der Japane-
sen angebaut. Derselbe dürfte ähnlich
der verwandten Kerria japonica in den
Gärten Deutschlands und den westlichen
Provinzen des mittleren Russland im
freien Lande aushalten. In Petersburg
muss solcher aber als Strauch des Kalt-
hauses gehalten werden. Im Wuchs
und Blatt ähnelt er sehr derKerria. Die
Blätter gegenständig, gestielt, aus ab-
gerundetem oder fast herzförmigem
Grunde oval, zugespitzt, faltig und scharf
doppelt gesägt.
Der Kelch vierspaltig, mit grossen
blattartigen, ovalen zugespitzten gesäg-
ten Lappen, zwischen denen am Grunde
menblätter 4, weiss, fast kreisförmig,
deın Kelchrande eingefügt und ungefähr
so lang als die Kelchlappen. Viele
Staubfäden, die dem mit dem Kelche
verwachsenen Blüthenboden eingefügt
sind. Fruchtknoten 4, jeder einen Grif-
fel tragend und in einen kelchförmigen
4lappigen Becher des Fruchtbodens
eingesenkt. Vermehrung durch Steck-
linge und Samen. Im Topfe eultivirt,
verliert dieser Strauch den Winter das
Laub und kann in dunkeln frostfreien
Lokalitäten bis zum Beginne des neuen
Triebes durchwintert werden. Einge-
führt durch den Herrn Maximowicz.
Fig. 2. Zweig mit 3 Aesten, in na-
türlicher Grösse.
Fig. 3. Der Fruchtboden mit den
4 Fruchtknoten, die von dem 4 lappi-
gen Becher umgeben sind. Vergrös-
4 kleine lineare Bracteen stehen, Blu- | sert.
) Coreopsis aurieulata L y. pubescens
Asa 6ray.
(Siehe Tafel 506 Fig. 1—3.)
Compositze.
C. auriculata Schk. Handb. III. tab.
260. Willd. spec. III pag. 2256. D. C.
prodr. V. pag. 571. C. auric. y. Torr. et
Gray. Fl. of. N. Am. II pag. 343.
zu der Zahl jener Perennien, die in un-
seren Gärten sicherer und mit mehr Er-
folg als einjährige Pflanzen behandelt
werden, Bei zeitiger Aussaat in Töpfe
Die beistehend abgebildete Coreop- | oder das zur Anzucht der annuellen
sis stammt aus den Staaten Virginien , Sommerpflanzen bestimmte Beet und
und Carolina Nordamerikas und gehört | späterem Verpflanzen in Töpfe, — oder
I. Originalabhandlungen.
auch in das freie Land, blühet sie gleich
der bekannten Calliopsis tinctoria schon
im Juli und von da an fast unaufhör-
lich fort bis zum Herbste. Von deut-
schen Handelsgärtnereien, so z. B. von
. der von F. A. Haage jun. ward der Sa-
ne dieser Pflanze als Coreopsis longipes
vertheilt. C. longipes Hook. (Bot. Mag.
tab. 3586), ist allerdings eine verwandte
Art, die sich aber durch schmalere
Blattlappen, breitere Bandblumen des
Strahls und 2 längere Spreublättchen
auf der Spitze der Früchtchen unter-
scheidet, A,Gray zieht solche als Form
zu Cor. grandiflora Nutt. (Torr. et Gray.
l. e. pag. 345.)
Von C. auriculata L. (L. spec. pag.
908), giebt es zahlreiche Formen, die
sich durch breitere und schmalere, mehr
oder weniger getheilte Blattlappen, sowie
ferner durch Fehlen oder Dasein von
Behaarung und s, f, unterscheiden. Die
vorliegende Form hat die schmalsten
Blattlappen und ist an Stengel und Blät-
tern kurzhaarig. Die Stengel werden
dd Coreopsis
131
2 Fuss und darüber hoch, sind stiel-
rund und nur schwach gefurcht. Blätter
meist 3theilig, nur selten die untersten
ungetheilt, der Spitzenlappen am gröss-
ten und hreitesten, von länglich-lanzett-
licher Gestalt und selten abermals einen
Lappen tragend. Die äusseren Schuppen
des Hüllkelchs länglich-lanzettlich, krau-
tig, wagerecht abstehend und fast so
lang, als die inneren angedrückten läng-
lichen, mehr häutigen Schuppen. Die
Bandblumen des Strahls länglich - keil-
förmig, glänzend goldgelb und an der
Spitze meist in 4 grosse Zähne aus-
gehend. Die Früchtchen länglich -oval
oder auch im reifen Zustande mehr
kreisrund, an der Seite schwach geflü-
gelt und auf der Spitze 2 sehr kleine
gezähnte Spreublättchen tragend.
Fig. 1 ist der obere Theil eines
Stengels mit den Blumen und Fig. 4
der untere Stengeltheil ,
türlicher Grösse.
Fi. 2 und 3 sind vergrösserte
Früchtchen.
beide in na-
coronata Hook und Calliop-
sis tinetoria Nutt.
(Siehe Tafel 506 Fig. 5. 6. 7. 8. 9.)
Aroideae.
Wir geben nur zur Vergleichung | verbreitet ist.
noch die Abbildung von 2 nah ver-
wandten Pflanzen und zwar ist Fig. 5
eine Blume, Fig. 6 ein unteres Blatt
und Fig. 7 ein vergrössertes Früchtchen
der C. coronata Hook. (Bot. Mag. tab.
3460), die vollständig einjährig, aus
Texas stammt und in unseren Gärten
als schöne annuelle Pflanze schon mehr
Sie ist der in Rede
stehenden Art nahe verwandt, aber
durch breitere stumpfere Blaitlappen,
viel breitere Strahlenblumen und 2 län-
gere Schüppchen auf der Spitze der
Früchte unterschieden. Von C. Drum-
mondi, einer in unsern Gärten als C.
basalis und diversifolia verbreiteten
Pflanze, unterscheidet sie sich durch
g*
132
schmal geflügelte Früchtichen, indem
der letzteren Art die Fruchtflügel
fehlen.
Fig. 8 ist endlich eine Blume der
bekannten Calliopsis tinctoria
Nutt. (Call. bicolor Reichb.), von der
in unseren Gärten viele Spielarten ge-
zogen werden, die sich durch Färbung
und Bau der Strahlenblumen und Höhe
des Wuchses von einander unterscheiden
und mit Recht schon seit langer Zeit
zu den beliebtesten Sommerblumen des
Blumengartens gehören. Habituell un-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
terscheidet sich solche von den bis jetzt
besprochenen Arten, durch die schmalen
fast linearen Theilblättehen, ausserdem
durch die äusseren Blättchen des Hüll-
kelchs, die viel kürzer als die inneren,
und endlich unterscheidet sich Calliopsis
als Gattung von Coreopsis, durch die
Früchtchen, die auf ihrer Spitze durch-
aus kahl sind und keine Spreublättchen
tragen. Fig. 9 ist ein vergrössertes
Früchtchen von C. tinctoria.
(E. R.)
e) Hypophyllanthus Lindeni Rgl.
(Siehe Tafel 507.)
Röurt are erare
Hypophyllanthus. Calix magnus,
tubulosus, albidus, vix angulatus, paullo
inflatus, apice inaequaliter 3—4 lobus,
subbilabiatus, lobis acutis. Corollae tu-
bus, longus, calycem aequans; limbus
5—6 parfitus, lobis erectis v. erecto-
patentibus. Annulus perigynus (discus)
urceolatus, ovarium superans. Stamina
5—9, quorum 2—3 fertilia, 3—6 ste-
rilia, filamentis complanatis, tubo adglu-
tinatis, apice tantum liberis; staminum
fertilium antherae lineares, erectae, bi-
loculares, basi subsagittata filamenti parti
superiori libero brevi adnatae; staminum
sterilium filamenta supra faucem magis
elongata et apice in processum lineari-
elongatum excurrentia. ÖOvarium supe-
rum, 5—6 lobum, 5—6 loculare, stylus
terminalis simplex; stigma peltato-capi-
tatum, vix conspieue lobatum. Capsula
rzah:
Can par Irerare
versus apicem caulis congesta, alterna
petiolata, elongato obovato-oblonga, circa
1!/, ped. longa, penninervia, integerrima.
Flores hypophylli, eymosi; cymae I—
pauciflorae, e corta media in folii pa-
gina inferiori enatae. —
H. Lindeni Rgl. Habitat in Nova
Granata. — Erythrochiton hypophyllan-
thus Pl, et Linden in Ann. des sc. nat.
ser. III. tom. 19 pag. 75. — Walp.
Ann. IV. pag. 410. —
Wir haben die beistehend abgebil-
dete ausgezeichnete Pflanze, zu einer
neuen Gattung erhoben, da Erythrochi-
ton mit der solche von Planchon und
Linden vereinigt wird, nur fruchtbare
Staubfäden besitzt und die Blumen in
achselständigen Trauben trägt. Die
Stellung der Blumen ist bei Hypophyl-
lanthus ein so ausgezeichneter Charac-
56 cocca, coceis bivalvibus, 1—2 sper- |ter, dass dieser schon allein genügt, um
mis. —
Frutex glaber, subsimplex,
eine gute natürliche Gattung zu be-
Folia | gründen.
I. Originalabhandlungen.
Die H. Lindeni gehört zu den schön-
sten Decorationspflanzen des Warmhau-
ses. In seiner Tracht ähnelt er einer
Theophrasta. Die Blätter werden bis
. 1!/, Fuss lang und bis 41/, Zoll breit,
sind spitz und in den kurzen geglieder-
ten Blattstiel verschmälert. Die Blumen
stehen einzeln oder in 2—3 blumigen
Trugdolden unterhalb des Blattes am
Mittelnerven, — am Grunde des Blü-
thenstandes steht eine lineare, bald ab-
fallende Bractee. Die Blumen weiss,
kurz gestielt, Kelch weiss. Blumen-
krone mit einer Röhre, die so lang als
der zolllange Kelch und mit weissem
5—6lappigem Saum. Staubfäden 5—9,
von denen 2—3 fruchtbar und 3—6
steril. Die Träger der Staubfäden mit
der Blumenröhre verwachsen und nur
vom Schlunde an frei. Bei den frucht-
baren Staubfäden ist der obere freie
Theil sehr kurz und trägt eine lange
lineare Anthere, die halb so lang als
die Blumenblätter. Bei den sterilen
Staubfäden ist der freie Theil der Trä-
ger viel länger, aber oft wieder mit den
133
nebenstehenden verwachsen und anstatt
der Anthere findet sich ein fädlicher
Fortsatz, der fast so lang als die Blu-
menblätter. —
Diese ebenso interessante als schöne
Pflanze, ward von Schlim in Neu-Gra-
nada, in einer Höhe von 2500’ überm
Meere entdeckt und von dem Etablisse-
ment Lindens in Cultur eingeführt. De-
corative Blattpflanzen fürs Warmhaus,
die mit Galipea, Crescentia, Theophrasta
ete., die Cultur theilt.
(E. R.)
Nr. 1. Die ganze Pflanze in 1],
der natürlichen Grösse. Fig. 2. Ein
Theil des Blattes von unten, mit einem
einblumigen Blüthenstand. Die stützende
Bractee ist schon abgefallen. Natürliche
Grösse. — 3) Ein Kelch. — 4) Eine
Blume ohne Kelch. — 5) Griffel mit
dem becherförmigen Nectarium um den
Fruchtknoten. — 6) Fruchtknoten und
Griffel nach Entfernung des Nectariums.
7) Fruchtbare Staubfäden. — 8) Ein
unfruchtbarer Staubfaden. — Nr. 3—8
vergrössert.
2) Cultur der Topfrosen des Herrn Hofgärtners Freundlich.
Als Ergänzung zu dem in der Ru-
brik Literatur über die Rosencultur des
Herrn Metz für das Klima von Deutsch-
land mitgetheilten Artikel erlauben wir
uns die Culturmethode unseres tüchtig-
sten Rosenzüchters in Petersburg, des
Hrn. Hofgärtners Freundlich in Zars-
koe-Selo zu geben,
Wir bemerken zum Voraus, dass im
Petersburger Klima nur die Rosa pim-
pinellifolia mit ihren schönen ge-
füllten Abarten, sowie ferner die Rosa
gallica zur Cultur im freiem Lande
allgemein zu empfehlen ist. Allerdings
können auch die Rosa centifolia, und
selbst die härteren Sorten der Remon-
tirenden Rosen, wie R. la Reine,
noch in wurzelächten Exemplaren im
freien Lande eultivirt werden, wenn im
Winter beim Eintritt der Fröste die
Triebe niedergelegt und mit Erde be-
deckt werden, — es ist,aber Erfahrungs-
sache, dass man mittelst jährlichen Aus-
pflanzens von im- Topfe vorgezogenen
Exemplaren einen reichlicheren Flor in
unserem kalten Klima erhält.
134
Die Bemerkungen, welche wir im
Folgenden über die Roseneultur des
Herrn Freundlich geben, beziehen sich
ausschliesslich auf die Topfeultur und
Treiberei der Rose,
In früheren Jahren wurde die grosse
Mehrzahl der in Petersburg cultivirten
Rosen jährlich aus dem Auslande ver-
schrieben. Ein anderer Theil ward in
den hiesigen Handelsgärtnereien entwe-
der aus Stecklingen angezogen oder auf
aus hiesigen Waldungen entnommenen
Wildlingen veredelt. Um Petersburg
kommt aber R. canina nur selten vor,
R. rubiginosa und einnamomea sind die
hier verbreiteten wilden Rosen. Abge-
sehen davon, dass die aus den Wäldern
entnommenen Wildlinge wegen schlech-
ter Bewurzelung keine guten Resultate
geben, sind andererseits die beiden ge-
nannten hiesigen wilden Rosen als
Wildlinge für die Mehrzahl der Rosen-
Sorten nicht zu empfehlen, da solche
theils weniger dauerhafte, theils nicht
genügend kräftige Exemplare liefern.
Es war daher ein grosses Verdienst
des Herrn Hofgärtners Freundlich , dass
solcher als erster in den Kaiserlichen
Baumschulen zu Zarskoe-Selo die An-
zucht der Rosa canina zu Wildlingen
begann und dass derselbe damit nun
schon seit mehreren Jahren ganz aus-
gezeichnete Resultate erhalten hat. Die
Samen werden im Herbste oder Winter,
nachdem sie gereinigt, zwischen Sand
in Kisten eingeschichtet und in einem
Keller aufbewahrt. Im Frühlinge, so-
bald der Boden aufgeht, werden solche
auf Beete ausgesäet, die schon im vor-
hergehenden Herbste vorbereitet wur-
den. Sollten die Samen im gleichen
Frühjahre nicht aufgehen, dann müssen
die Samenbeete von Unkraut rein ge-
halten und bis zum nächsten Jahre
liegen bleiben, indem sie häufig erst
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
ein Jahr
gehen.
Sobald die jungen Pflanzen das
zweite Blatt bilden, werden sie vorsich-
tig ausgehoben und reihenweise auf an-
dere Beete verstopft. Die Pflanzenbeete
werden rein von Unkraut gehalten und
erhalten im Winter keinerlei Schutz. Im
folgenden Frühjahr wird abermals ver-
pflanzt, wobei man den Pflanzen eine
bedeutend grössere Entfernung von ein-
ander als vorher giebt. Auch im zwei-
ten Winter erhalten die Pflanzen kei-
nerlei Schutz. Im Frühlinge des dritten
Jahres schneidet man von den einzel-
nen Exemplaren alle schwächeren Triebe
fort und lässt nur den stärksten dersel-
ben zur Stammbildung stehen. Die ge-
nugsam starken Wildlinge werden nun
im Juli und Anfang August zu Hoch-
stämmen, Halbstämmen oder niedrigen
Rosen, je nach der Stärke derselben,
mittelst Oculirens veredelt, — oder man
lässt das Beet noch ein Jahr stehen,
um noch stärkere Stämme vorzuziehen.
Im letzteren Falle müssen die Wild-
stämmchen im Herbste niedergelegt
werden. Deckung erhalten sie gar
nicht oder nur eine leichte Deckung
mit Erde,
Die Exemplare, an denen die Ver-
edlung angenommen hat, werden im
Herbste aus dem Boden genommen und
in Töpfe gepflanzt und zwar in eine
lehmige Wiesenerde, die mit ungefähr
1, Kuhdüngererde vermischt wird.
Ueberwintert werden diese Rosen in
einem Erdkeller oder überhaupt an
einem frostfreien Standort, wo sie von
0— 11/,0 R. erhalten, damit im Winter
der Trieb nicht beginnt. Im Frühjahr,
wenn keine starken Fröste mehr zu
besorgen, bringt man die Töpfe ins
Freie und gräbt sie hier mit dem Topfe
in ein Sandbeet oder Erdbeet dicht ne-
nach der Aussaat auf-
I. Originalabhandlungen.
ben einander ein. Sobald das Edelauge
schwillt, wird der Verband gelöst, und
mit Beginn des Triebes entfernt man
alle wilden Triebe bis auf einen Zug-
ast, bis man endlich den Wildstamm
über dem Edelauge abschneidet.
Den Sommer hindurch müssen alle
wilden Triebe wiederholt entfernt wer-
den. Nach der Blüthe schneidet man
nur den Blüthenstand aus und im
Herbste wird je nach der Sorte und
dem Verhalten des Exemplars geschnit-
ten. Je üppiger der Wuchs, desto länger
wird geschnitten, — je dürftiger solcher,
desto kürzer wird zurück geschnitten. Ver-
pflanzt wird nicht. —
Im Spätherbst wintert man wieder
auf ähnlichem Standorte, wie im ver-
gangenen Jahre ein und benutzt dann
später die kräftigsten Exemplare zur
Treiberei, indem man solche im De-
cember, Januar und Februar allmälig
zum Treiben ins Gewächshaus bringt.
Schwächlichere Exemplare bleiben aber
noch einmal den Winter hindurch im
Ruhezustand stehen, um dann im fol-
genden Sommer aus ihnen genügend
kräftige Exemplare zum Treiben zu er-
ziehen. Dagegen werden solche gute
Dienste für den Flor im Sommer lei-
sten. Ebenso muss, nachdem die Ro-
sen 1!/, Jahre im Topfe standen, ver-
pflanzt werden.
Das Antreiben geschieht in einem
niedrigen Gewächshause mit der Lage
nach Süden. Man unterhalte hier zur
Vermeidung des verderblichen -Rosen-
weisses oder Schimmels, der alle Aus-
sichten auf schönen Flor vernichten
würde, eine trockene Luft, gebe keinen
135
Schatten, spritze nicht und lüfte so oft
dies die Temperatur erlaubt. Wenn
man Exemplare treibt, die früher den
Schimmel gehabt haben, dann bürste
man solche vorm Einstellen zum Trei-
ben mit einer Tabakslauge ab. —
Herr Freundlich hat auf den
Monats- Ausstellungen, wie auf den
grossen Ausstellungen der Petersburger
Gartenbaugesellschaft,, wiederholt Rosen
im ausgezeichnetsten Culturzustande
ausgestellt. Als zur frühen Treiberei
am geeignetsten empfiehlt, derselbe die
folgenden Sorten:
Rosa Remontante Anna Ale-
xeieff, welche den Vorzug hai, dass
jede Knospe eine vollkommene Blume
liefert.
Rosa Remontante Ge&ant de
bataille.
Rosa Remontante Duchesse
de Norfolk. Ist dem Schimmel gar
nicht unterworfen.
Rosa Remontante La Virgi-
nale.
Rosa Bourbon Modöle de per-
fection.
Rosa Bourbon Mistress Bo-
sanquet.
Rosa Bourbon La parfaite.
Rosa Thea Comtesse Ouwa-
row.
Rosa Thea devoniensis.
Rosa Gloire de Dijon, hat die
Eigenschaft auf dürftigen Wildlingen
besser als auf kräftigen Pflanzen zu
blühen.
(E. R.)
136
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
3) Vorrichtungen zur Verbesserung des zu kalten und harten
Giesswassers.
Ohne zum eigenen Bedarf an eine
Verbesserung des Giesswassers denken
zu müssen, indem ich mit sehr gutem
beglückt bin, hörte ich doch so oft
Klagen über schlechtes Wasser, dass ich
immer auf Abhilfe sann. Die chemischen
Mittel zur Verbesserung des Wassers
können nur chemische Veränderungen
hervorbringen, sind zu unsicher (wenig-
stens bei unserer jetzigen Kenntniss)
und wirken natürlich nicht auf die Tem-
peratur ein. Gleichwohl thut die Be-
nutzung von zu kaltem Brunnenwasser
den beträchtlichsten Schaden.
Das gebräuchlichste Verbesserungs-
mittel ist, dass man das Wasser in
offenen Behältern stehen und Luft und
Sonne darauf einwirken lässt. Hierdurch
nimmt es die Temperatur der Luft an,
der Sauerstoff der Luft wirkt darauf und
die mineralischen Theile, welche sich
grossentheils nur in mechanischer Ver-
bindung darin befinden, werden bei län-
gerem Stehen zu Boden gesetzt. Ist
ein solcher Behälter gross genug, um
Wasser für längere Zeit zu liefern, so
genügt dies, denn es ist davon immer
Brauchbares vorhanden, muss eben täg-
lich so viel zugelassen oder gepumpt
werden, als man zu brauchen gedenkt,
so steht es schlimm, und man muss, je
nach der Grösse 2—3 Behälter haben,
damit das Wasser wenigstens 2—3 Tage
steht. Ich würde in allen Fällen ra-
then, einen möglichst grossen Behälter
anzulegen und in diesen stets Düng-
stoffe werfen. Hierdurch werden in Ver-
bindung mit dem längeren Stehen man-
cbe schädlichen Eigenschaften des Was-
sers aufgehoben, und die Wirkung die-
ses dabei gehörig durchwärmten Was-
sers ist bei fortwährender Anwendung
eine wahrhaft wunderbare auf die mei-
sten Pflanzen. Ausser Haiden und viel-
leicht einigen anderen capischen und
neuholländischen Pflanzen, können alle
Pflanzen mit bestem Erfolg mit so
schwachem Düngerwasser gegossen wer-
den.
Aber man hat oft, ja meist in klei-
neren Gärten nur einen Wasserbehälter
zum Begiessen, dabei einen kalten Brun-
nen. Hier kommt es darauf an, das
Wasser schon beim Einfliessen oder Ein-
schütten in den Behälter so viel als
möglich mit der Luft in Berührung zu
bringen. Hierzu giebt es verschiedene
Mittel. Durch eine bei der Cultur ge-
wisser tropischer Wasserpflanzen ge-
bräuchliche Vorrichtung, wo beständig
Wasser auf ein Rädchen tropft und da-
durch dieses zur Umdrehung bringt,
was wiederum eine schwache Bewegung
des stehenden Wassers bewirkt, kam
ich auf den Gedanken, alles Wasser
aus dem Brunnen über ein Schöpfräd-
chen in denGiessbehälter zu leiten, wo-
durch es sehr mit der Luft in Berührung
kommt, und veranlasste auch einen Gar-
tenfreund zu einer solchen Vorrichtung.
Allein weiteres Nachdenken brachte
mich auf viel bessere und einfachere
Einrichtungen, die ich nun für solche
Fälle empfehlen will, wo man ein an
und für sich gutes, aber frisch zu kal-
tes Wasser schnell brauchbar machen
will. Hat das Wasser einen kräftigen
Druck, welcher übrigens überall künst-
lich herzustellen ist, so lässt man es
dureb ein durchlöchertes, wie ein Kaffee-
I. Originalabhandlungen.
sieb gestaltetes Blechgefäss laufen, so
dass es nach allen Seiten spritzt und
schon beim Eingiessen von der vielfachen
Berührung mit der Luft die Eigenschaf-
ten eines Tage lang gestandenen Was-
sers enthält. Zu gleichem Zwecke kann
man das Wasser, wenn es langsam
fällt, über einen Büschel feiner Aeste
(Dornwellen wie in den Gradirhäusern
der alten Salinen) oder einen mit Hobel-
spänen oder Stroh gefüllten Korb lei-
ten, So dass es nur tropfenweise in den
Giessbehälter fallen kann.
137
leicht herausfinden, welche von diesen
Vorrichtungen am passendsten und
zweckmässigsten ist.
Indem ich Gartenfreunden diese
Winke zur Verbesserung des Giesswas-
sers gebe, richte ich an Sachverstän-
dige die freundliche Bitte, um Angabe
chemischer Mittel, welche im Stande
sind, schädliche chemische Eigenschaften
des Wassers unschädlich zu machen,
dabei leicht anwendbar und vor allem
wohlfeil genug für die Anwendung im
Man wird | Grossen sind. J.
4) Rücksehritt im Fortschritt.
Bei der so rührigen Bewegung,
welche in der modernen Blumenzucht
auf dem Gebiete der Erzeugung von
Mischlingen und Spielarten herrscht,
kommt es nicht selten vor, dass man
aus dem Vollkommenen weniger Voll-
kommenes erzeugt, welche Pflanzen —
weil sie neu sind — dennoch ihren
Weg in fast alle Gärten finden. Ein
solcher Fall liegt jetzt recht auflallend
in Mimulus cupreus vor. Die eigen-
thümliche Farbe der Blumen dieser Art,
der niedrige rasenartige Wuchs, das
reiche Blühen hat sie schnell zum all-
gemeinen Liebling gemacht. Aber schon
1 Jahr nach der Einführung kam man
mit „Sorten“, welches wohl nur Varie-
täten waren, aber schon weniger schön
die Pracht der Farbe veränderten,
Schlimmer wurde es aber, als man den
M. cupreus mit den braungefleekten,
grossblumigen Varietäten von Mimulus
luteus und guttatus befruchtet hatte.
Man erzog dadurch Spielarten, welche
denen der vorgenannten, den alten Mi-
mulus glichen,- aber bei weitem nicht
so schön sind. Dies ist offenbar ein
Rückschritt. Die reine Art von M.
cupreus ist schöner als die neuen
Varietäten. Durch solche Fehlversuche
darf man sieh aber nicht abschrecken
lassen, denn möglicherweise konnte oder
kann noch eine Sorte fallen, welche die
Schönheit der einen Art, aber viel grös-
sere Blumen besitzt. Man sollte eben
von solehen Neuheiten nicht so viel
als die Art, indem die hellen Punkte | Rühmens machen. J.
5) Die Farn des freien Landes.
Wir haben schon wiederholt darauf | jetzt die gesuchtesten Modepflanzen sind,
hingewiesen, dass die Farn in England | Auch in Deutschland und Frankreich
138
haben sie schon zahlreiche Verehrer ge-
funden.
Die für unsere Gärten wichtigsten
Arten, das sind die Farne, welche im
freien Lande aushalten. Wir haben in
mehreren Gärten auch schon besondere
zur Cultur derselben bestimmte Parthien
gesehen. Nur auf solchen werden sie
gut gedeihen, da die Farnkräuter in
ihrer grossen Mehrzahl im Schatten der
Waldungen oder an nach Norden abfal-
lenden Bergabhängen und Felsen, oder
in Sümpfen, in der freien Natur vor-
kommen.
Zur Cultur derselben im freien Lande
wähle man daher eine Lage, wo solche
gegen den Einfluss der Sonne geschützt
sind, ohne jedoch der Traufe von Bäu-
men ausgesetzt zu sein. Eine Lage mit
Morgensonne ist noch besser als tiefer
Schatten. Hier bildet man am besten,
um die zierlichen Formen der Wedel
derselben dem Auge näher zu bringen,
einen kleinen Hügel, dessen Abhänge
durch grössere und kleinere Steine von
unregelmässiger Form unregelmässig ter-
rassirtt werden. Als Erde zur Cultur
wähle man eine fusstiefe Lage von
Laub- und Haideerde, — oder von lo-
ckerer Torferde, die noch etwas mit
lehmiger Wiesenerde vermischt ist, wel-
che erst aufgebracht wird, nachdem der
Untergrund mit einer einige Zoll dicken
Lage von Moos bedeckt wurde. Dieses
Moos im Untergrund trägt einmal dazu
bei, eine gleichmässige Erdfeuchtigkeit,
welche die Farne sehr lieben, zu unter-
halten, wie es auch verhindert, dassdie
aufgebrachte Erdmischung in den Un-
tergrund eingespült oder von solchem
schnell zersetzt wird, was in rohen Bo-
denarten von hohem Kaligehalt sonst
häufig verhältnissmässig schnell ge-
schieht.
Die Bepflanzung solcher für die Farne
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
hergerichteter Parthien, muss mit Um-
sicht geschehen, und dabei müssen drei-
erlei Umstände beobachtet werden, näm-
lich, 1) dass die ganze Parthie zweck-
mässig decorirt wird, 2) dass die grös-
seren üppigeren Arten soweit von den
zarteren entfernt gepflanzt werden, da-
mit sie solche nicht beeinträchtigen oder
unterdrücken und 3) dass die zwischen
Steinen und Felsenritzen wachsenden
Arten einen Standort zwischen den Stei-
nen, — und die, welche vorzugsweise
an lichteren auch dem Einfluss des Son-
nenlichtes ausgesetzten Standorten vor-
kommen, auch an eine enisprechende
Stelle kommen.
Nach dem Bepflanzen der Parthie
wird es sehr gut sein, die ganze Ober-
fläche des Bodens mit einer Lage Moos
zu belegen, welche wiederum zur Un-
terhaltung einer gleiehmässigen Erd-
feuchtigkeit beiträgt, wie sie auch die
Oberfläche stets locker unterhält. Diese
Moosdecke wird nicht fortgenommen,
denn die Farne gehen mit den Wurzeln
gerne in dieselbe, sondern man legt ge-
gentheils noch jährlich im Herbst eine
neue Moosdecke über solche, welche
dann auch in schneelosen Wintern die-
sen Pflanzen einen entsprechenden
Schutz gewährt. —
Die Unterhaltung einer solchen Farn-
gruppe beschränkt sich auf Reinhaltung
von Unkraut und bei trockenem Wetter
auf von Zeit zu Zeit wiederholtes Star-
kes Begiessen. —
Nach diesen Vorbemerkungen wollen
wir zum Schlusse die in der Revue hor-
ticole von Verlot veröffentlichte Liste
der im Garten des Museums zu Paris
auf einer solchen Parthie eultivirten Ar-
ten geben und einzelne Arten mit Be-
merkungen begleiten. Die bei Peters-
burg noch harten Arten, bezeichnen
nur mit einem Stern. (*)
I. Originalabhandlungen.
Gymnogramme Ceterach
Sprgl. (Ceterach offieinarum Willd.)
Liebt einen freien, auch etwas der Sonne
ausgesetzten Standort zwischen Steinen.
_Wächst in den niedrigeren Gebirgen des
mittleren und südlichen Europa. Ein
kleines Farn.
* Struthiopteris germanica
Willd. Pflanze von üppigem Wuchs,
die in den Sümpfen Europas wächst
und sogar noch bei Petersburg häufig
ist. ze;
* Polypodium vulgare L. In
Waldungen undan Felsabhängen von ganz
Europa häufig und gleichfalls noch bei
Petersburg vorkommend. Zahlreiche
Schöne Abarten sind von dieser Art be-
kannt, die sich durch monstrose Thei-
lung der Wedel auszeichnen. Ein Theil
derselben ist erst in neuerer Zeit in
England gewonnen und von da aus ver-
breitet worden. Als Abarten sind zu
nennen: var. serratum, cembricum, Kar-
winskyanum, virginianum, semilacerum,
serrulatum, auritum, acutum und bifi-
dum.
* Polypodium Phegopteris L,,
* P. Dryopteris L. und * P. caleca-
reum Sm. (P. Robertianum Hoffm.).
Alles 3 Arten mit kriechendem Wurzel-
steck und von mittelhohem Wuchs, die
in den Waldungen und Sümpfen von ganz
Europa und auch noch bei Petersburg
vorkommen.
Aspidium decursive pinnatum
Knze. (Polypodium Van Hall.). Aus
China.
Notholaena Marantae R. Br.
(Ceterach Marantae D. C. Acrostichum
Marantae L.). Wächst in den Alpen
Südeuropas und liebt hellsonnigen Stand-
ort, eine niedrige kleine Art.
Cheilanthes odora Sw, (Poly-
139
podium fragrans L.). Kleines Farn, an
Felsen in Südeuropa, gleichfalls in lich-
terer Lage wachsend.
* Adiantum pedatumL. Ein
sehr schönes robust wachsendes Frauen-
haar, mit 11/, bis 2 Fuss hohen Wedeln
aus Nordamerika, Sehr hart in Cultur
und noch in Petersburg dauerhaft.
Adiantum Capillus VenerisL,
(A. Moritzianum Lk.) Frauenhaar.
Wächst in Südeuropa und Amerika.
Nur noch in den mildesten Lagen
Deutschlands hart.
Allosorus erispus Bernh, (Pie-
ris erispa All.) Wächst in den Spalten
der Felsen der hohen Alpen der Schweiz
und gehört in Cultur zu den schwieri-
geren Arten, die wie viele Pflanzen der
hohen Gebirge, leichter im Topfe als
im freien Lande gedeiht. Freie Lage.
* Pteris aquilina L. Adlerfarn.
Eine unserer merkwürdigsten Pflanzen,
die über die ganze Erde verbreitet ist,
und sowohl im tropischen Klima, wie
selbst noch bei Petersburg fortkommt.
Ausserdem gehört das Adlerfarn zu den
ältesten Pflanzen unserer Erde, indem
es aus den frühesten Epochen der Vor-
welt auf unsere Zeit herabgekommen
ist. Gedeihet auch noch in einer leh-
migen oder sehr sandigen Erde und hat
auf Gruppen die Untugend mit dem Rhi-
zom weit fortzukriechen, daher immer
auf anderen Stellen hervor zu kommen.
Gedeihet auch in voller Sonne.
Pteris eretieca L, In Südeuropa
und den gemässigt warmen Himmels-
strichen der ganzen nördlichen Halbku-
gel heimisch. Die schöne Abart mit
weiss panachirtem Blatte verdanken wir
den Japanesen, woher solche in neuester
Zeit eingeführt ward. Für deutsche
140
Gärten wohl nur als Farn zur Cultur
im Kalthaus zu empfehlen *).
Pteris serrulata L. Aus China
und Japan und gleichfalls in deutschen
Gärten schwerlich hart.
Woodwardia angustifolia Sm.
(W. onocleoides Willd.) Nordamerika.
Harte Art.
Doodia virginica. Prsl.(Woodw.
virginica Sw.). Nordamerika.
* Onoelea sensibilis L. Nord-
amerika. Eine der schon seit langer
Zeit fast in allen botanischen Gärten
Deutschlands Freien angebauten
Arten.
Onoclea obtusilobata Prsl,
(Rhagiopteris Prsl.). Nordamerika.
* LomariaSpicantDesv. (Blech-
num Spicant Roth. B. boreale Sw.). In
fast ganz Europa, liebt freieren Stand-
ort. Eine Form mit monströs getheilten
Wedeln ist var. cristata genannt wor-
den.
Lomaria alpina Sprgl]. aus Neu-
holland und L. chilensis Sprg]. be-
trachten wir in Bezug auf die Ausdauer,
für deutsche Gärten als noch zweifel-
haft. —
Scolopendrium officijnarum
Sm. In Europa und Asien heimisch,
mit seinen zahlreichen schönen Abarten
noch in den Gärten des nördlichen
Deutschlands hart; hält in Petersburg
nicht mehr im freien Lande aus. Als
Abarten sind zu nennen: var. crispum,
daedaleum, multiidum, ramosum, an-
gustifolium, ferner an in neuester Zeit
erzielten Abarten var. marginatum, _la-
ceratum, palmatum, supralineatum, glo-
meratum, cristatum, crenato-lobatum, ra-
im
*) Für Berichtigung über Ausdauer der
Farn in Deutschland werden wir sehr
dankbar sein.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
moso-cristatum, marginato-lobatum, sim-
plex, contractum, aleicorne, Als
schöne und robuste Pflanzen sind die
Formen des Scolopendrium für Farn-
gruppen sehr zu empfehlen.
Asplenium Halleri Br. (Aspi-
dium Willd,) In den Alpen. Eine et-
was diffieile Art, die bei Topfeultur bes-
ser gedeihet.
Asplenium Trichomanes L. In
Felsen und Mauern von ganz Europa.
Aspleniumlanceolatum Huds.
Mittel- und Südeuropa. Gleich dem
vorhergehenden.
Asplenium Adiantum nigrum.
L. In Felsenritzen des mittleren Euro-
pas.
Asplenium viride Huds.
Felsen der höheren Gebirge Europas.
Asplenium Ruta muraria L. In
Felsen und Mauern von ganz Europa.
Asplenium Breynii Retz. (A.
germanicum Weis. A. alternifolium Wulf.).
In Felsen und Mauern Europas.
* Asplenium septentrionale
Sw. (Acrostichum septentrionale L.). In
Felsen von ganz Europa und z.B. auch
noch in Finnland häufig.
NB. Die 7 letzten Arten gedeihen
in Cultur im freien Lande nur dann,
wenn sie ähnliche Standorte zwischen
übereinander geschichteten Felsentrüm-
mern, deren Spalten mit Moos und
Erde gut ausgefüllt sind, erhalten. Es
sind niedrig bleibende Arten, die bei
Topfeultur leichter als im freiem Lande,
du: geringerer Mühe, — ge-
deihen.
Asplenium marinum L. Süd-
europa. In deutschen Gärten wohl nur
als Farn des Kalthauses.
* Athyrium Filix Foemina
Roth. (Asplenium Bernh. — Polypo-
dium L.) Durch ganz Europa in Wal-
dungen und Sümpfen, auch noch bei
——
In
mit
IL Originalabhandlungen.
Petersburg überall. Ein hohes robustes
leicht gedeihendes Farn. Für die Cultur
der Farn im freien Lande ist es als ein
grosser Fortschritt der Cultur zu be-
zeichnen, dass es den Engländern in
neuerer Zeit gelungen ist, eine solche
Menge verschiedener Abarten mit mon-
strös getheiltem Laube von dieser Art
zu erziehen. Als solche sind zu nen-
nen: var. rhaeticum, depauperatum,
erispum, multifidum (auch als var. vivi-
parum, cristatum und furcatum in den
Gärten), pumilum, Frizelliae.
* Aspidium Thelypteris Sw.
(Lastraea Prsl. — Aspidium Sw. —
Polypodium L,) In den Sümpfen von
141
Roth. — Lastraea Prsl.) — In Sümpfen
Europas bis Petersburg. — Verlangt
einen etwas schattigen und feuchten
Standort und liebt eine torfige Erde.
Eine schöne Art von mittelhohem
Wuchse,
* Aspidium spinulosum $w.
(Lastraea spinulosa Prsl.— Polystichum
D.C. —) In Waldungen und Sümpfen von
ganz Europa bis Petersburg. Eine harte
leicht gedeihende Art von mittelhohem
Wuchse, die aber einen feuchten Stand-
ort liebt.
* Aspidium dilatatum Sw. (La-
straea dilatata Prsl. — Polystichum D.
C.). Ist eigentlich nur die höhere üp-
von ganz Europa und Nordamerika, | pigere Form mit stärker finderschnitti-
Liebt einen feuchten nassen Standort
und Torferde.
* Aspidium Öreopteris Sw.
(Lastraea Oreopteris Prsl.— Polypodium
Ehrh.) — Polystihum D. C,) — In
den Waldungen von ganz Europa bis Pe-
tersburg. Eine Art von mittellohem
Wuchse.
* Aspidium Filix mas Sw. (Po-
lypodium Filix mas L. — Lastraea
Prel. —) In den Waldungen von ganz
Europa bis Petersburg. Art von hohem
üppigem Wuchse, die in Cultur sehr
leicht und selbst in voller Sonne ge-
deihet. Es sind in neuester Zeit auch
von dieser Art viele schöne Abarten
mit monströs gebildetem Laube in Eng-
land erzogen worden, nämlich: var.
Smithii, erosum, paleaceum, pumilum,
eristatum, und polydactylum.
* Aspidium rigidum $w. (Po-
lypodium rigidum Hoffim. — Lastraea
Prs}. — Polystichum D. ©. —) Wächst
in den Alpen Europas und besitzt kräf-
tige hohe glänzend grüne üppige We-
del,
* Aspidium cristatum Sw. (Po-
lypodium cristatum L. — Polystichum
gen Wedeln, von der vorhergehenden
Art und kommt ebenfalls noch bei Pe-
tersburg häufig in Waldungen und
Sümpfen vor, — Auch von dieser Art
sind in England Abarten mit theilsmon-
strös getheilten Wedeln erzogen worden,
nämlich: var. tanacetifolia, nanum, du-
metorum und collinum, —
Aspidium Sieboldi Hort. (Pyc-
nopteris Moore. — Lastraea podophylla
Sm. — Aspidium podophyllum Hook.)
Robuste sehr zu empfehlende Art aus
Japan, mit grossen glänzend grünen We-
deln, — die in milderen Lagen Deutsch-
lands im freien Lande noch gut über-
dauert, im rauheren Norden aber als
Kalthauspflanze erzogen werden muss.
* Aspidium Lonchitis Sw. (Po-
lypodium Lonchitis L. — Polystichum
Roth.) — Wächst in den Alpen Euro-
pas, in Sibirien und Nordamerika. Ro-
buste Pflanze vonmittelhohem Wuchse. —
* Aspidium acrostichoides$w.
(Polystichum acrostichoides Schott. —
Nephrodium Mx.) — Art von robustem
Wuchse, mit mehr als mittellangen
Wedeln aus Nordamerika.
Aspidium aculeatum Sw, (Po-
142
lypodium aculeatum L. — Polystichum
Roth. — Aspidium lobatum Sw. —) In
den Waldungen des mittleren und süd-
sichen Europa. —
Hierher gehört als Sorte das Aspidium
angulare Willd, und ausserdem die fol-
genden in England erzeugten Abarten,
nämlich: var. subtripinnatum, tripinnatum,
ceristatum, proliferum. —
Aspidium Braunii Spenner.
(Hypoderris Braunii J. Sm.). Europa.
* Cystopteris fragilis Bernh.
(Aspidium fragile D. C. — Polypodium
L.).. — Ein durch Europa, Asien und
Nordamerika verbreitetes kleines Farn,
das in Mauern und Felsen wächst. —
Als von England ausgegangene Ab-
arten sind zu nennen: var. Dickieana
und sempervirens. —
*OystopterisobtusaPrsl. (Phy-
sematiuım obtusum Knze). Ein kleines
in Nordamerika und Island wachsendes
Farn.
* Cystopteris tenuis Schott,
(Aspidium tenue Sw.) Aus Nordame-
rika. Aehnlich der C. fragilis aber fei-
ner getheilt.
Cystopteris regia Prsl. (Aspi-
dium alpinum Sw. — Cystopteris alpina
Desv.). In den Alpen des mittleren und
südlichen Europa. —
* Cystopteris bulbifera Bernh.
(Aspidium bulbiferum Sw.). Nordame-
rika. Ist die kräftigste und grösste Art
der Gattung.
Davallia Nova Zealandiae,
Hook. (Microlepia J. Sm.) Aus Nen-
Seeland und überdauert wohl nur in den
milderen Gegenden Deutschlands den
Winter im freien Lande.
Onycehium japonicum Knze.
(Pteris). — Schöne Art mit fein getheil-
ten Wedeln aus Japan, die wir bis jetzt
nur als Pflanze des Kalthauses sahen.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Dicksonia adiantoides Humb.
Aus den Gebirgen des tropischen Ame-
rika und schwerlich im Klima von
Deutschland ausdauernd.
Osmunda regalis L. Wächst in
den Sümpfen des mittleren Europa, in
Asien und Afrika.
* BotrychiumLunariaSm. Klei-
nes Farn, das zwischen kurzem Grase
auf sonnigen Lokalitäten durch ganz
Europa, auch noch bei Petersburg vor-
kommt und in Cultur gleichfalls einen _
freien sonnigen Standort verlangt,
* Ophioglossum vulgatum L.
Auf ähnlichen Standorten, wie die vor-
hergehende Art.
Lyeopodiaceae.
* Lycopodium clavatum.L.
Wächst in Sümpfen und zwischen Hai-
dekräutern in ganz Europa. Sonniger
Standort in Cultur. Die weithin nach
allen Seiten hin niederliegenden und
wurzelnden Stengel müssen sehr vor-
sichtig eingepflanzt werden, so dass alle
die zahlreichen kleinen Wurzeln, die
die Stengel entsenden, in die Erde ge-
bracht werden, wenn es fortwachsen
soll.
Sellaginella hortensis Mett.
(S. dentieulata Hort.) Südeuropa. Ueber-
dauert im Klima von Deutschland schwer-
lich im freien Lande. Es ist das die
bekannte viel verbreitete Art, die man
in Gewächshäusern zur Bildung grüner
Plätze so vielfach angewendet sieht.
Ausser diesem vom Pariser Pflan-
zengarten im freien Lande ceultivirten
Farn, können wir noch die folgenden
Arten empfehlen:
Aspidium Foenisecii Lowe,
Madeira.
Aspidium Goldieanum. Lk.
Schöne robuste Art, aus Nordamerika,
I. Originalabhandlungen.
Aspidium lobatum Sm. Europa.
Verwandt dem A. aculeatum.
AspidiumLudovicianum Knze,
Nordamerika.
Aspidium Noveboracense $m.
‚Nordamerika.
Asplenium fontanum Sm. Alpen
Mitteleuropas und Sibirien.
Asplenium thelyptroides Mx.
Nordamerika.
* Botrychium rutaefolium A.
Br. Europa. Aehnlich dem B. Lu-
naria,
* Botrychium virginicum Sw.
Wächst auf schattigen feuchten Wald-
wiesen in Europa, Asien und Ame-
rika.
Cystopteris montana Lk. Alpen
Europas,
Polypodium alpestre Hoppe.
Alpen der Schweiz,
143
* Polypodium hexagonopte-
rum Mx. Nordamerika.
* Woodsia hyperborea Br.
* Woodsia ilvensis Br. Die
beiden Woodsien wachsen in den Al-
pen, wie im Norden Europas und in Si-
birien in den Spalten der Felsen, kleine
dichte Rasen bildend.
Lycopodiaceae.,
* Lycopodium alpinum L.
2 „ annotinum L,
u + complanatumL.
“ an Selago L.
Diese 4 Lucopodien wachsen in Eu-
ropa, Asien und Nordamerika bis in
den hohen Norden. L. alpinum und
complanatum verlangen sonnigen Stand-
ort, L. annotinum und Selago dagegen
feuchten schattigen Standort.
(E. R,)
ee IE FER BER BEEL RE
Ge aneknhns ss ss LT en En ann nn aumnannnaldnenee nennen
6) Nachrichten über die Erfolge des Verpflanzens grosser Bäume
in den Anlagen von Paris,
Es ist seiner Zeit viel über das | und kümmerlich aussehen und dass we-
Verpflanzen grosser Bäume in Paris in
Gartenzeitungen und sogar in politischen
Blättern die Rede gewesen, und es
wurde von Leuten, die nie von solchen
Dingen etwas gehört, viel weniger ge-
sehen, als etwas Neues bewundert. Man
verpflanzte allerdings mit sehr sinnreich
erdachten Maschinen, zum Theil mit
Frostballen nach der alten Weise, theils
mit künstlich angebrachten Kästen, wel-
che an den Seiten mit Kalkmörtel aus-
gegossen wurden, wodurch der Ballen
Halt bekam. Ein aufmerksamer und
unpartheiischer Beobachter (Gärtner)
schrieb mir nun kürzlich, dassalle diese
Pflanzen noch jetzt nach Jahren leidend
nig von ihrem Gedeihen zu hoffen ist,
Man hat sich viele Mühe mit diesen
Bäumen gegeben, viele Stämme mit
Leinwand umwickelt. Am meisten lit-
ten alle Zapfenbäume, und es gingen
z. B. fast alle Cupressus sempervirens
zu Grunde. Seltsamerweise ist unter
den dortigen Gärtnern die Meinung ver-
breitet, die meisten der zu Grunde ge-
gangenen Bäume wären erfroren, Es
ist allerdings denkbar, dass eine frisch
versetzte, daher im krankhaften Zustande
befindliche zärtliche Holzart eher er-
friert, als eine fest angewachsene, Viel-
leicht hat auch der Mangel an Schutz
mit zu den übeln Erfolgen beigetragen,
144
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
7) Ueber das Beschneiden der Zweige und Wurzeln.
Es ist wunderlich, wie sich auch in
rein practischen Dingen die Gegensätze
berühren. Noch ist der Streit nicht
verstummt, ob man beim Pflanzen die
Gehölze beschneiden soll oder nicht, so
werden schon wieder Stimmen laut,
welche ein kurzes Beschneiden der Wur-
zeln beim Pflanzen befürworten, während
andere sich für ein gänzliches Unter-
lassen des Beschneidens der Rosen aus-
sprechen. Beide Ansichten sind aus
Frankreich zu uns gekommen und un-
sere Zeitschriften fallen natürlich so-
gleich über die höchst wichtige Neue-
rung, den ungeheueren Fortschritt her,
um auch Deutschland damit zu be-
glücken. Man könnte solche Dinge
ganz stillschweigend beiseite legen, denn
den Practiker machen sie nicht irre,
während sie ihn gleichwohl zum Den-
ken veranlassen und immer eine nütz-
liche Belehrung zurücklassen. Aber
was müssen die zahlreichen urtheilslo-
sen jungen Gärtner denken, wenn sie
lesen, wie Dinge ganz auf die entgegen-
gesetzte Weise dargestellt werden, wie
sie ihnen gelehrt wurden ?
Ueber das Beschneiden der Bäume
und Sträucher beim Pflanzen habe ich
mich schon früher in diesen Blättern
ausgesprochen, als das Nichtbeschneiden
als etwas Neues in Frankreich Erfunde-
nes dargestellt und angepriesen wurde,
während doch viele unserer Baumsetzer
aus Unkenntniss der von Gärtnern an-
genommenen Regeln genau so verfuhren.
Ich wiederhole nochmals, dass es zwar
Unsinn ist, eine Holzpflanze so stark zu
schneiden, dass sie erst neue Augen
aus dem älteren Holze bilden muss, was
die Entwickelung nur aufhält und das
Anwachsen erschwert, dass es aber je-
denfalls zweckmässig ist, entbehrliches
Holz auszuschneiden, sowie die Zweige
auf kräftige Augen einzukürzen, denn
geschieht dies nicht, so treiben nur die
obersten aus, und es kann unterhalb
ein Mangel an geeigneten Zweigen ent-
stehen, wenn man erst im folgenden
Jahre schneidet. In vielen Fällen mag
wohl gar nichts davon abhängen, welche
Augen austreiben, aber in vielen ande-
ren sicher. Im ersteren Falle halte ich
ein gänzliches Unterlassen des Zurück-
schneidens nicht nur für nicht nachthei-
lig, sondern sogar für nützlich, weil
die obersten Augen stets am besten aus-
treiben.
Von sehr gewichtiger Seite und un-
terstützt von anderen Autoritäten kam
uns die Neuerung des kurzen Beschnei-
dens der Wurzeln. Man hatte beobach-
tet, dass Bäumchen mit sehr kurz ge-
schnittenen Wurzeln besser angewachsen
sein und eine viel reichere Bewurze-
lung erhalten haben sollen, als länger
beschnittene. Also die Wurzeln sehr
kurz und die Zweige gar nicht beschnei-
den, heisst jetzt die Loosung. Obschon
dies den Gesetzen der Physiologie ge-
radezu widerspricht, so können wir diese
Thatsache dennoch nicht als falsch ver-
urtheilen, denn die Natur macht wun-
derliche Ausnahmen. Aber die Erfinder
dieser neuen Lehre dürfen auch nicht
erwarten, dass wir sie glauben und an-
nehmen sollen, blos weil ihre Erfahrun-
gen dafür sprechen. Diese Beobachtun-
gen müssen uns aber veranlassen, eben-
falls Versuche anzustellen. Bisher sind
die Wurzeln als ernährende Organe be-
trachtet worden, fast scheint es aber
nach der neuen Kurzschnitt-Lehre, als
wenn sie verzehrende wären, während
die Zweige die Ernährer sind. Allerdings
sind letztere in sofern betheiligt, als das
Ben
X08 JOL,
Taf so7
Kelens ; I
ae
A NE
BT
N
I. Originalabhandlungen.
Austreiben der Blätter zur Wuizelbildung
reizt. Ich habe auch schon die lürfah-
rung gemacht, dass Obstbäumchen mit
schönem starkem Stamm und grossen
Kronen, welche beim Ausgraben an den
_ Wurzeln so verstümmelt worden waren,
dass ich die Arbeiter schelten musste,
nachdem sie beim Pflanzen auf kaum
6 Zoll Länge geschnitten waren, den-
noch gut anwuchsen; aber auch diese
Erfahrung kann mich nicht überzeugen,
denn es liegt doch klar am Tage, dass
eine längere Wurzel mehr neue Wurzeln
bilden kann ais eine kurze, Dass die
jungen Wurzeln an der kurz beschnitte-
nen alten Wurzel dichter stehen, als bei
lang gelassenen, ist ganz natürlich; ob
es aber mehr sind, muss bezweifelt
werden.
Man möge doch ja recht sorgfältige
und umfassende Versuche in dieser Be-
ziehung anstellen, und 8. Z. darüber
berichten.
Ueber das Nichtbeschneiden der Ro-
sen kann ich mich bestimmter ausspre-
chen. Es ist geradezu Unsinn, wenn
man lehrt, keine Rose dürfe beschnitten
werden, man würde, die Rosen ganz der
Natur überlassend, viel schönere Rosen
bekommen. Dies gilt nur von ‘Sorten,
welche die Blüthen aus den oberen Au-
gen entwickeln, z. B. Pimpinellrosen,
gelben Kapuzinerrosen mit der gefüllten
Persischen Rose u. a. m. Allerdings
blühen die Rosen auch ohne Beschnei-
den, wie man oft auf Gräbern und in
vernachlässigten Gärten sieht, und bei
der Centifolienrose bildet sich das Auge
für die Blüthe des folgenden Jahres
fast unmittelbar unter den Blüthenstielen,
so dass man nur -diese abzuschneiden
braucht. Aber welche jämmerlichen,
verwilderten Büsche bilden solche un-
beschnittene Rosen! Und wie werden
in kurzer Zeit die Rosen klein und
IV. 1866.
145
schlecht geformt! Natürlich kommen
auch in dieser Beziehung Ausnahmen
genug vor, denn es giebt, ausser den
schon erwähnten, Arten und Sorten,
welche auch unbeschnitten gut blühen.
Die Rose zeigt ganz von selbst an,
dass sie nöthig hat, beschnitten zu wer-
den, denn es bilden sich stets neue
starke Holztriebe, welche die alten er-
setzen, wenn diese einige Jahre geblüht
haben. Ich würde annehmen, dass die
Apostel dieser neuen Lehre dieses Be-
schneiden, nämlich das Ausschneiden
des erschöpften und zu dicht stehenden
Holzes nicht gemeint haben, sondern
nur das Beschneiden der Jahrestriehe,
wo die Blüthen erscheinen, wenn nicht
als Beweis für die Nützlichkeit des gänz-
lichen Unterlassens des Beschneidens
Thatsachen angeführt würden, wo ein
gänzliches Verwildern der Rosensträuche
die besten Erfolge geliefert haben
sollten.
Die Freunde des Nichtbeschneidens
sagen ungefähr: es sei doch Unsinn,
den Rosenstrauch durch Abschneiden
der Zweige fortwährend zu zwingen,
neue zu treiben, was nothwendig den-
selben erschöpfen müsse. Dies ist ganz
falsch. Man schneidet nicht Zweige ab,
welche Blüthen bringen, (ausser wenn
sie zu dicht stehen), sondern verkürzt
nur die Endtriebe auf einige kräftige
Augen, in welche dann die ganze Nähr-
kraft dringt, anstatt sich auf viele Au-
gen zu vertheilen. Die alten Zweige
ersparen daher nichts an Kraft, wenn
sie an der Pflanze gänzlich unbeschnit-
ten bleiben, denn dieselbe vertheilt
sich nur in andere, höherstehende Au-
gen. Man macht dem Beschneiden den
Vorwurf, dass es nutzlose Wunden er-
zeuge. Aber eine abgeschnittene Zweig-
spitze macht keine grössere Wunde als
eine von selbst absterbende, welche der
10
146 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Ordnung wegen dann doch abgeschnit- |den, werden in Zukunft das Messer
ten werden muss. Und solche Spitzen | vorsichtiger gebrauchen. Bestimmte Ge-
kommen stets vor, denn nicht das End- | setze über den Rosenschnitt lassen sich
auge treibt Blüthenzweige, sondern ein | gar nicht aufstellen, denn alles kommt
Seitenauge. auf den Wuchs und Eigenthümlichkeit
Sowie jede Sache zu etwas nützlich | der Sorte an, und nur scharfe Beobach-
ist, sowie Gegner stets der Gegenpar- | tung, welche Erfolge der vorhergegan-
thei nützen, weil sie dieselben zum gene Schnitt hatte, lehrt sicher, wie
grossen Nachdenken und Nachgeben in | man zu schneiden hat, Bei Sorten vom
veralteten Dingen veranlassen, so auch | Wuchs der Centifolien zeigt sich fast
hier, Diejenigen, welche gewöhnt sind, | immer am obersten Triebe ein Auge
die Rosen sämmtlich nach einer gelern- | stärker als die übrigen, und über die-
ten Regel zu beschneiden, welche da- | sem muss man schneiden.
her jedenfalls zu viel beschnei- J.
I. Neue Zierpflanzen.
Vom Blumen-Comit& der Londoner Orchideen.
Gartenbau-Gesellschaft empfohlene
Pflanzen. (Es sind nur die Pflanzen be- 5) Odontoglossum Bluntü. Eine neue
rücksichtigt, die in die erste Rubrik gestellt leicht blühende Orchidee aus Neu-Granada.
sind.) Verwandt dem O. Alexandrae. Blüthenhüll-
blätter lanzeitlich, spitz, wellig, weiss mit
1) Anemone fulgens. Stammt aus den | roth nüancirt und stellenweis gefleckt. Lippe
Gebirgen Griechenlands und ist der A. stel- | länglich, gefranzt und mit einem gelben
lata zunächst verwandt. Blumen leuchtend | Fleck gezeichnet.
roth. Staubfäden schwarz. Schöne Peren-
nie. — 6) Anoectochilus Turneri. Blätter breit
bes oval, bronzefarben , mit goldenem Ader-
2) Erica fragrans. (Low et Comp.) Blu- He
men schön rosa. mit kurzer Röhre und sehr
wohlriechend. —
3) Gymnogramma Parsonsü. Eine Va-
rietät des Goldfarn mit hahnenkammförmi-
gen Endlappen der Wedel. —
4) Mimulus duplex National und An-
dersoni. Zwei schöne Formen des Mimulus
luteus, bei denen auch der grüne Kelch
sich zu einer gefärbten Blüthenhülle umge-
bildet hat. Erzogen vom Hrn. Bull, hat
diese neue Race von Mimulus den Vorzug,
dass nicht blos die Blumen gefüllt, sondern
auch viel länger halten und sich schöner
dem Auge präsentiren.
7) Eriopsis rutidobulbon. Blumen in
hängenden Trauben, goldgelb mit rothen
Rändern. Lippenspitze weiss.
8) Dendrobium Tattonianum. Aus Au-
stralien. Schon erwähnt.
9) Cattleya hybrida picta. Ein von
Veitch zwischen C. intermedia und guttata
erzogener Bastard. Blumen blass purpur,
gefleckt mit dunkelpurpur. Lippe rosa, ge-
gen die Spitze hin tief purpur.
10) Dendrobium Mac Carthle Aus
Ceylon. Blumen rosa.
IL. Neue Zierpflanzen.
Farn.
Als schöne neue Farn erhielten den
ersten Preis:
11) Dicksonia cinnamomea.
aus Neuholland.
12) Polypodium vulgare ramosum. Farn
mit getheilten Wedeln dieses in ganz Eu-
ropa wildwachsenden Farns.
13) Adiantum Farleyense. Aehnlich dem
A. trapeziforme.
14) Polypodium tripartitum. Aus Ca-
labar. Wedel 3theilig, doppelt gefiedert. —
15) Asplenium Adiantum nigrum flabel-
latum. —
16) Blechnum Spicant undulatum.
17) Polystichum angulare Bayllae.
18) Athyrium Filix foemina eurtum.
19) Asplenium Trichomanes incisum tri-
angular.. — Die vorstehenden 5 Farn
sind zur Cultur im freien Lande. Es sind
5 Formen mit monströsen Wedeln von in
Europa heimischen Farn. —
20) Adiantum erectum proliferum. Ab-
art mit proliferirenden Spitzen der Wedel,
21) Pteris flabellata ascensionis. Eine
Farn mit feiner getheilten Wedeln, die als
Pteris Ascensionis in den Gärten verbreitet
ist. Stammt von der Insel Ascension.
Baumfarn
Pelargonien.
22) P. (Nosegay) Dowages Duchesse of
Sutherland. Blätter tragen Zonen. Blumen
kirschroth-scharlach, in grossen effectvollen
Dolden.
23) P. (Nosegay) Lady Constance.
Blätter mit stark. vortretender Zone. Blu-
men hell scharlach, in effectvollen Dolden.
24) P. (Zonale) Sir Robert Peel.
(Windsor). Blätter mit dunkelgrüner Zone
Blumen gross, glänzend scharlach und in
grossen Dolden.
Fuchsien.
25) F. Enoch Arden. (Henderson).
Schöne Spielart. Blumen in Form der F.
Crinoline ähnlich, mit kurzer Röhre, zurück
geschlagenen rothen Kelchblättern und tief
purpurrother Blumenkrone.
147
26) F. Father Jonatius. Aehnlich der
vorhergehenden. Kelchblätter rosa-scharlach,
Blumenblätter tief purpur.
27) F. Nonpareil. (Bull.) Kelch licht
rosa, Blumenkrone weiss gefüllt.
98) Malven oder Stockrosen.
Mr. G. Eyles. Gut gefüllte rothe Blu-
men.
Charles Eyre. Licht rothe, schön ge-
baute Blumen.
Firefly. Blumen gut gefüllt, schön dun-
kelroth.
Semior Wrangler.
gefüllt. tief roth.
John Laing. Blumen gefüllt, licht kar-
min. —
Blumen gross, gut
29) Verbenen.
V. Champion. Dunkel kastanienbraune
Blumen in grossen Dolden.
V. John Keynes.
scharlachfarbene
Auge. —
V. Lady Jane Ellice.
Brillirend orange-
Blumen mit weissem
Blumen gross,
weiss, mit kleinem grünem Auge, das von
einem blassrosarothen Ring umgeben ist.
V. Cleopatra. Blumen gross, glänzend
rosa mit hellem Auge, Dolden gross. —
V. William Dean. Blumen dunkel
purpur mit hellem Auge. Wird als ein be-
deutender Fortschritt unter den Formen mit
dunklen Blumen betrachtet.
V. Scarlet Oushion. Blumen glänzend
scharlach. Schön zu Gruppen.
30) Dahlien.
D. Marquis of Winchester.
von vorzüglichem Bau, rothbraun.
Blumen
D. Lottie Atkins. Kleine Blumen,
fleischfarb und lila gespitzte Petalen,
D. Fanny Sturt. Schöne Blume. Pe-
talen roth, rachenweiss gespitzt.
Verschiedene Pflanzen.
31) Trichinium Manglesü. Amaranta-
cee aus Neuholland vom Swan River. Per-
ennirend. Stamm 1’ hoch und darüber,
auf der Spitze einen länglichen Kopf teder-
förmiger Haare (Bracteen) tragend, zwischen
10 *
148
denen die amaranthrothen Blumen erscheinen.
Eigenthümlich und zierend.
32) Lobelia ramosa Snowflake. Weiss-
blumige Abart, die mit L. ramosa alba un-
serer deutschen Gärten identisch zu sein
scheint.
33) Bignonia argyrea violascens. Klet-
terpflanze aus Südamerika. Jüngere Blätter
zart violett, ältere grün mit weissen Adern.
Im Decemberheft 1865 sindals Zier-
pflanzen I. Ranges empfohlen.
Farn.
34) Lomaria Bellii. Aus Neu-Caledo-
nien und wahrscheinlich Spielart von L.
gibba. Die Fiederblättchen sind monströs
ausgebreitet und kraus an den Spitzen.
Cultur im Kalthaus.
35) FPolystichum angulare caudatum.
Freilandfarn. Die Spitze des Wedels schwanz-
förmig verlängert.
36) Athyrium Filix Foemina Applebya-
num. Schöne neue Form von niedrigem
1) Ein Sturm in Bengalen und
dessen Verwüstungen im Botani-
schen Garten zu Calcutta. Die Ver-
wüstungen, welche der Orkan am 4. Octbr.
1864 in Bengalen angerichtet, sind in den
Zeitungen vielfach geschildert worden. Es
liegt uns hier aber noch der Bericht des
Super-Intendenten des Botanischen Gartens
in Caleutta, über die Verwüstungen des
gleichen Sturms, in diesem reichsten Garten
Ostindiens, vor. Noch von Wallich sind
dort die Bäume der Tropen, vorzugsweise
aber Ostindiens zu schönen Baumparthieen
gepflanzt worden. Der erwähnte Sturm hat
mehr als Tausend der schönsten Bäume
entwurzelt und ganze Parthien gänzlich ver-
ödet. Ein Baobab mit 12 Fuss Stamm-
durchmesser, verursachte bei seinem Fall
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Wuchs und an den Spitzen der Fiederblätt-
chen quastenförmig monströs, ähnlich wie
die Abart Frizelliae.
37) Polystichum angulare parvissimum.
Wuchs niedrig. Fiederlappen sehr klein.
Orchideen.
38) Odontoglossum Alexandrae Batem.
Aus Neu-Granada. Blumen fleischfarben.
Sepalen und Petalen schwach wellig. Lippe
mit rein weissem Centrum.
39) Odontoglossum radiatum. Blumen
gelb, mit tief braunen Flecken gezeichnet.
Lippe heller gelb und ähnlich gefleckt, am
Grunde mit eigenthümlicher strahlenförmiger
Franze.
Verschiedene Pflanzen.
40) Dahlia Little Beauty, Zwergsorte,
die nur 2!/, Fuss hoch wird. Blumen gelb,
roth gespitzt. —
41) Chrysanthemum Gloria Mundi
(Salter). Blumen leuchtend goldgelb.
42) Chrysanthemum Golden Ball. (Sal-
ter). Blumen gold-amberfarben. —
Notizen.
eine Erschütterung des Bodens auf eine
weite Strecke hin. Das specielle Verzeich-
niss zeigt 1010 Exemplare und 365 Arten,
die gänzlich entwurzelt wurden. So wurden
von Mangifera indica 42 mächtige Exem-
plare, von Switenia Mahagoni 32 alte und
12 Exemplare von einem Alter von 12 Jahren
ganz entwurzelt, so dass die noch von Dr.
Wallich gemachte Pflanzung des Mahagoni-
Baumes fast ganz zerstört ist. — Palmen
haben dem Sturme im Allgemeinen besser
widerstanden und im Ganzen führt die
Liste nur 12 Palmen-Arten , von denen im
Ganzen 69 Stämme entwurzelt oder gebro-
chen wurden, darunter allein 39 Stämme
von Areca Oatechu und 8 Stämme von Cocos
nucifera auf. —
III. Notizen.
149
4) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke.
Fortsetzung.)
Cyanostis ceristata, L. C. Rich. Jacq. H. Vind.
137. Bot. mag. 1435). @). O.-Indien.
Campelia Zanonia, L. C. Rich. (Commelina
... DL.) 2j. S8.-Amerika. Rpr. gen
Zebrina pendula, Schnizl. (Tradescantia
zebrina, Hort.) ?|. Mexico? Zu ana-
tomischen Präparaten und Demonstra-
tionen vielfach nützlich.
Diehorisandra thyrsiflora, Mik., Del. bras.
t. 3. Bot. reg. 682. ?|. Brasil. Schö-
ner Wuchs und Blüthenstand. t. S.
Schlechtendal in Linnea Bd. 25. (1852).
Fam. Alismaceae.
Sagittaria gigantea, Hort. Was als S. cordifo-
lia in Gärten vorkommt, stimmt nicht
mit den Autoren überein; verdient in
jedem Aquarium gehalten zu werden,
Blüthenstengel bis 6‘ hoch, Blattfläche 1°
lang, 10‘ breit.
Fam. Butomaceae,
Hydrocles Humboldti Endl. (Limnocha-
rs 2.36, C2Rich, Mem. Mus. 1.719.
Bot. Reg. 1640. Bot. Mag. 3248. ?|.
S.- Amerika. Schöne Blumen mit Sta-
minodien, Blattbau etc.
Limnocharis Plumieri, Rich. Mem. Mus. I,
19—20. Bot. Mag. 2525. (Alisma flava,
L.) 2].
Fam. Juncaceae.
Prionium Palmitto, E. Mey. ?|. Cap. d. g.
H. Wuchs, Stamm in Leipzig 8° hoch,
2—3' dick.
Astelia Banksii RBr. (Hamelinia veratroides
L. e. Rich.) V. Houtte Fl. dserr. 5. ?].
N.-Seeland, woselbst auf Bäumen ange-
siedelt. Blätter silberschuppig.
Xerotes rigida RBr. (Lomandra ... . La-
bill.) Bot. Lodd. Bot. Cab. 498. ?I.
S.-Australien. Blattspitze.
longifolia, RBr. Bot. reg. Bd. 25. 3. Au-
stralien.
Dahin gehören: Rapateas aus Surinam.
Fiagellaria aus Ostindien; Kingia, Da-
sypogon und Celectasia aus Australien.
Sind nochnichtin den Gärten, wären aber
sehr wichtig und als kleine Familien,
zugleich als schöne Pflanzen interessant.
Philydreae.
Philydrum lanuginosum, RBr. Bot. Mag.
783. @&-@- S.W.-Australien, China.
Rpr. Fam., nur 1 Staubbl. u. s. w.
Melanthiaceae.
Pleea tenuifolia, Pers. Bot. mag. 1956. ?|.
Carolina. — Staubblätter 9—12!, Wuchs.
Helonias bullata, L. (H. latifolia Mcehx.)
Virginien. Bot. mag. 747. Rpr. G. Blät-
ter breit.
Amianthium muscaetoxicum, Gray. (Helo-
nias erythrosperma , Mchx. u. m. a.
?|. Kentuky u. a. in Sümpfen; Same
roth.
Anguillaria dioica, RBr. ?}. S.W.Australien.
?L. Rpr. Blumen braunroth mit Honig-
drüsen.
Melanthium virginicum, L. (Helonias
....) Bot. mag. 985. ?|. Illinois. Rpr. G.
Blume nach dem Verblühen schwarz
werdend.
Bulbocodium vernum, L. Bot. mag. 153.
u. 1028. ?|. S.-Eur. Rpr. G.
Wurmbea capensis Thb. (W. campanulala
Willd.). Bot. mag. 1291. %. Cap. d. g.
H. Rpr. Gen. variirt in der Farbe der
Blumen. Blumen verwachsen.
Schelhammera undulata, RBr. Bot. mag.
2712. S.-W.-Australien. ?|. Findet sich
sehr selten in Gärten, verdient aber
mehr Rücksicht wegen Zierlichkeit. Ge-
hört nebst den 2 folgenden zur Fam.
Uvularieae, welche, A. Gray aufstellte.
Uvularia perfoliata, L. Virginien. ?|.
Smith. exot. bot. t. 49. Redoute Lil.
184. Blattbildung. Blumen blassgelb.
Disporum pullum, Salsb. (Uvularia chi-
nensis, Ker.) in Bot. Mag. 916. ?|. China.
Blumen braunroth.
150
Pontederiaceae.
Pontederia cordata, L. Bot. mag. 1156.
2]. N.-Amerika. — Repr. gen. blüht
leichter als die folgende.
erassipes, Mart. Z. (Eichhornia ..
Klz.) Bot. mag. 2932. Guiana, Brasil. —
Blatt, dessen Stiel u. Ligularbildung!
Knospentaltung u. a.
Liliaceae.
a) Tulipaceae.
Tulipa oculus solis, St. Amand. S.-Frank-
reich. Schönheit.
turcica, Roth. (F. stenopetala Mord.)
Bot. Reg. 127. T. cornuta, Redoute, t.
445.) Persien. ?|. Form der Blumenblätter.
Cyclobothra lutea, Lindl. Bot. Reg. 1662.
?|. California. Aeusserer Blumenblatt-
kreis laubig (Kelch).
Lilium cordifolium, Thbg. 2]. Sieb. Zuce.
fl. jap. t. 13. Japan. Form der Blätter
n. Berippung ders.
giganteum, Wall. (Cardiocrinum ...)
?. V.Houtte fl. d.s. 771. Nepal. Grösse
und Form der Blätter!
japonicum; Thbg. ?|. Bot. mag. 1591.
Nepal. China, Japan. Grosse Blume.
speciosum, Thbg. Bot. reg. t. 2000.
Sieb. Zuce. fl. jap. 12. Wuchs; Blätter;
prachtvolle weiss und purpurne Blume.
longiflorum, Thbg. ?|. Bot. reg.
560. Japan. Grösse der Blume im Ver-
hältniss zum Stengel.
tigrinum, Gawl. — Bot. mag. 1237.
China, Japan. Zwiebeln in Blattchseln;
prachtvolle morgenrothe dunkel getupfte
Blume.
Methorica virescens var. Plantü, Planch.
Bot. Mag. 2539. Ostafrika. Blattranken
Blumen! Leichtere Cultur als M. (Glo-
risa) superba.
b) Agapantheae.
Phormium tenax, Forst. (Chlamydia te-
nacissima, Bank.) ?|. S.-Australien,
N.-Seeland (auf Felsen) Bot. mag. 3199. |
Wuchs. Faser. Gummiabsonderung.
Agapanthus umbellatus, Herit. (Cri
num africanum, L.) Bot. mag. 500. ?].
Cap. d. g. H. Wuchs. Rpr. G.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Polianthes tuberosa, L. Bot. mag. 1817.
?|. O.-Indien. Repr. g. Geruch.
Triteleia laxa, Benth. Bot. reg. t. 1685. ?].
Chili.
c) Aloineae.
Sanseviera guinensis, Willd. (Aletris...
Jacg. Hort. Vind. t. 84. Bot. reg. 1180.
?|. Guinea u. Cap. d. g. H. Rpr. @.
Spiralfaserzellen in den starren Blättern.
carnes, Andrew. (S. sarmentosa, Jacq.
Fragm. t. 102. pr. 132. Aletris chinen-
sis, Hort.) ?|. China. Rpr. g.
Kniphofia aloides, Mnch. (Tritomanthe
Uvaria, Lk. Veltheimia .... Jacq. Frag.
t. 4. Bot. mag. 758.) ?|. Cap. d. g. H.
Wuchs Rpr. G. Honigmenge.
Alo@ spiralis, Labill. (Apiera.... Willd.)
B. mag. 1455. ?|. Cap. d. g. H.
— foliolosa, Haw. (Apiera ... Willd.) ?].
B. mag.1352. Cap. d. g.H. Säulenförmi-
ger Wuchs, mit sehr gedrängten Blättern.
concinna, Haw. (Haworthia... . Dur.)
Salm. Mon. $. 3, 4. ?]. Cap. d. g. H.
Blätter dreizeilig, zierlich rückwärts ge-
krümmt.
torquata, Haw. (Haworthia ... Duv.)
Salm. Mon. $. 3,6. ?|. Cap. d. g. H.
Blätter dreizeilig in geraden Reihen.
papillosa, Salm. D. (Haworthia .
Duv.) Salm. Mon. $. 6, 4. ?|. Cap. d.
g. H. Blätter mit weissen Wärzchen be-
setzt, Wuchs stark.
margaritifera, Haw. (Haworthia ...
Duv. B. Mag. 815. ?|. Cap. d. g. H.
Der vorigen ähnlich, aber kleiner.
rugosa, Salm.D. (Haworthia . .... Duv.)
Salm. Mon. $. 6, 9. 2]. Cap.d. g. H.
Blätter spitzig, mit sehr kleinen Wärz-
chen besät.
fasciata, Willd.(Haworthia ... Duv).
Salm. Mon. $. 6, 15. ?]. Cap. d. g. H.
Blätter unterseits mit weissen Wärzchen
in Querstreifen geziert.
retusa, L. (Haworthia .... Duv.) ?1.
B.mag.455. C.d.g.H. Blätter fast tetra&-
derförmig, gleichsam abgeschnitten.
planifolia, Haw. (Haworthia .... Duv.)
Salm. Mon. $. 11, 2. ?j. Cap. d. g.H.
Blätter flach, eiförmig, spitz.
arachnoides, Thbg. (Haworthia ...
IT,
Duv.) Bot. mag. 756. 1314. ?|. Cap.
d. g. H. Blätter mit Reihen von Zähnen |
geziert an der Spitze fast stachelig.
Aloe Bowiea, Schult. (Bowiea africana,
Haw.) Salm, Mon. $. 14, 1. ?|. Cap. d.
g. H. Rpr. Sect.
— virens,, Haw. Bot. mag. 1355. n. Cap.
d. g. H. Blüht fast den ganzen Winter
hindurch. Rp. Sect.
— vulgaris, Bauh.(A. officinalis, Forsk.
A. Barbadensis, Mill., A. vera, L.) Salm,
Mon. $ 18, 2. h. Cap. d. g.H. Blätter
weich; Blumen gelblichgrün. — Saft
offizinell.
— variegata, L. Bot. mag. 513. Salm,
Mon., $. 20, 2. h. Cap. d. g.H. Blätter
dreizeilig, mit querlaufenden Flecken
geziert.
— succotrina, Lam. h. (2—5‘ hoch),
DC. pl. grasses t. 85. Salm, Mon. $. 22, 1.
Ins. Soccotora. Blüht im März. Blätter
schmal. Saft, offizinell.
-- Jlatifolia, Haw. (A. saponaria, 8. Haw.)
'h. Bot. mag. 1346. Cap. d. g.H. Blüht
im Herbst. Wuchs gross, Blüthenstand
doldenähnlich.
— mitraeformis, Wille h. 2-3“ hoch.
Cap. d. g. H. Bot. mag. 1270. Wuchs
ansehnlich, Blätter sehr dick, spärlich
gezahnt.
— eiliaris, Haw. Salm, Mon. $. 25, 1. h.
(6—8’ hoch). Cap. d. g. H. Blüht im
Winter. Wuchs schlank, Blätter schmal,
stengelumfassend.
— arborescens, Mill. DC. pl. grasses t.
48. Bot. mag. 1306. Salm, Mon. S. 26, 3.
Cap. d. g.H. Blüht im Frühling. Wuchs
hoch.
— ferox, Lam.(Pachydendron ..... Haw.)
DC. pl. grass. t.32. Salm, Mon. $. 27, 5.
h. Cap. d. g. H. Blüht im Winter,
Wuchs stark, Blätter überall stachelig,
sehr dick; Blüthenstand gedrängt.
— plicatilis, Mill. (Rhipidodendron. di-
stichum Willd.) Bot. mag. 457. DC. pl.
grasses t. 75. h. Cap. d. g. H. Blüht
im Frühling. Stamm 3—5’h. Wuchs mit
Notizen.
151
dickem gabelästigen Stamm und zwei-
zeiligen, dicken, linealen, stumpfen Blät-
tern.
Alo& acinacifolia, Jacq. (Gasteria .... Duv.)
Jacg. eclog. t. 31. Bot. mag. 2369. ?].
Cap. d. g. H. Blätier lang, aufrecht.
— scaberrima, Salm. D. (Gasteria
Duv.) Salm, Mon. $. 29, 26. ?|. Cap.
d. g. H. Blätter überall warzig, zwei-
zeilig.
— Lingua, Willd. (Gasteria disticha Haw,)
Bot. mag. 828. Salm, Mon. $. 29, 33.
?. Cap. d. g. H. Blüht im März. Blät-
ter ziemlich dünn, warzig.
— obtusifolia, Salm. D. (Gasteria .
Duv.) Salm, Mon. $. 29, 36. ?]. Cap.
d. g. H. Blüht im April. Blätter der
vorigen ähnlich, aber mit Flecken be-
setzt.
Lomatophylium borbonicum, Willd. (Aloe
marginata, DC. Dracaena marginata.
Ait. Phylloma aloiflorum, Ker. bot.
mag. 1585.) DC. pl. grasses t. 31,
J. Bourbon. AH. Habitus. Blüht selten.
Yucca*) aloifolia, L. Bot. mag. 1700.
h. (bis 20' hoch). Carolina, Mexico.
Wuchs. Blätter sägerandig.
— gloriosa, L. Bot. mag. 1260. Vir-
ginien u. Südd. h. bis 4’ hoch. Blatt-
rand kahl, Knospen an der Wurzel.
Blüht gerne.
— glauca, Sims. Bot. mag. 2662. Ca-
rolina, Mexico. Blätter herabgebogen,
u. Rand kahl. Erträgt sehr geringe
Wärme. Blüht leicht.
d) Asphodeleae.
Hyacinthus orientalis, L. Bot. mag. 937
u.a. ?|. Kl.-Asien. Füllung der Blu-
men u. Wechsel in deren Farben,
*) S. Aufzählung der Yucca Arten desKs.
bot. Gartens in St. Petersburg, nebst
Beiträgen zu deren Cultur, v. Regel, in
Gartenflora Bd. 8. (1859.) p. 34.
(Fortsetzung folgt.)
152
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
WW. Literatur.
1) Die Schule des Gärtners und
Pflanzenfreundes auf dem Ge-
biete der Botanik, enthaltend die
Lehre von der Gestalt, dem Baue und
den Lebensverrichtungen der Pflanze,
die wissenschaftliche Anordnung des
Pflanzenreichs, ein alphabetisches Re-
gister der meisten lateinischen Artnamen
mit Angabe der Betonung und deutscher
Uebersetzung, sowie ein Register der
lateinischen Gattungsnamen. Von Dr.
Hermann Pomper. Mit 5 Tafeln
Abbildungen. 360 S. in XII. Weimar
1866. Verlag von B. J. Voigt.
Unter hundert Gärtnern ist es vielleicht
einem vergönnt, sich in der Botanik gründ-
liche Kenntnisse zu verschaffen, und unter
den Gartenfreunden ist die Mehrzahl ganz
unbekannt mit dieser Wissenschaft. Gleich.
wohl kommen beide so oft in den Fall, sich
über gewisse Dinge zu unterrichten, dass
sie mit Bedauern einen Führer vermissen,
welcher ihnen die nothwendigsten Kennt-
nisse in einer besonders für ihre Zwecke
eingerichteten Weise bietet. Ein solches
Buch ist das uns vorliegende, und wir be-
grüssen es als ein freudiges Ereigniss für
alle Gärtner und Pflanzenfreunde, welche
sich nicht mit empirischen Erfolgen begnü-
gen, denn sie werden alles in dem Buche
finden, was ihrem Streben angemessen ist.
Das zuletzt erschienene Werk ähnlicher
Tendenz ist Dr. E. Regel’s „‚die Pflanze und
ihr Leben in ihrer Beziehung zum prakti-
schen Gartenbau‘ (Zürich 1855). Aber in
11 Jahren verändert sich, namentlich vom
physiologischen Gesichtspunkte gar Vieles,
und wenn das genannte vortreflliche Buch
einerseits die Pflanzen viel eingehender be-
handelt, so enthält es dagegen nichts über
Klassification und Systeme, und geht nicht
auf die einzelnen Familien ein. Dieses ist
aber gerade bei dem vorliegenden Buche
die Hauptsache und nimmt über die Hälfte
desselben ein. Endlich giebt ein alphabe-
tisches Verzeichniss der lateinischen Arten-
namen mit deutscher Uebersetzung dem
nicht mit dem lateinischen (besonders bota-
nisch-lateinischen) Ausdrücken bekannten
Freund der Pflanzen, Gelegenheit, die Be-
deutung der Namen kennen zu lernen, wäh-
rend die Angabe der Betonung die richtige
Aussprache lehrt. Wir halten das Letztere
für ganz besonders wichtig, denn es ist
wirklich kaum anzuhören, wie Leute, welche
von der lateinischen Sprache keinen Begriff
haben, die lateinischen Pflanzennamen aus-
sprechen. Wir hätten nur gewünscht, dass
diese Angabe des Accents in dem Register
der Gattungsnamen und Familien, welches
gegen 7000 Namen enthält, ebenfalls durch-
geführt wäre, damit man nicht erst die
Pflanze im IV. Abschnitte aufzusuchen
brauchte. Dann wäre das Register ein
wirklich zur Belehrung dienender Abschnitt
geworden. Wir geben nun den Inhalt. Er-
ster Abschnitt: Lehre von der Gestalt der
Pflanzen (Morphologie), Wurzel, Stamm,
Nebenachsen, Blatt, Blüthe, Frucht; II. Ab-
schnitt: Lehre vom Baue der Pflanzen
(Organologie), Bau der Zellen, Bildung, Ver-
bindung, Arten und Inhalt der Zellen,
Farbe der Pflanzentheile; IIL Abschnitt:
Lehre von den Lebensverrichtungen der
Pflanze (Physiologie), allgemeine Lebenser-
scheinungen, Keimung, Wachsthum der Pflan-
zen, Ernährung, Nahrungsmittel der Pflan-
zen, Aufnahme und Ausscheidung der Stoffe,
Bewegung des Pflanzensaftes, Vervielfälti-
gung der Pflanze, Lebensdauer, Krankheit,
Tod der Pflanze, und Lichtent-
wickelung, Benutzung von Pflanzentheilen,
IV. Abschnitt: wissenschaftliche Anordnung
des Pflanzenreichs (Systematologie und Sy-
stematik), von den Begriffen der Art, Gat-
tung, Familie, Klasse, von der Namenge-
bung, von den Systemen; Charakterisirung
sämmtlicher Klassen , sowie derjenigen Fa-
milien, aus denen Arten in den Gärten cul-
tivirt werden, nebst Angabe der betreffenden
Gattungen (nach dem System von End-
Wärme-
IV. Literatur.
licher, von Seite 96 bis 288); V. Abschnitt:
alphabetisches Verzeichniss von Art-Namen
der meisten in den Gärten gezogenen Pflan-
zen mit Angabe der Betonung und deutschen
Uebersetzung. — Wir betrachten und be-
urtheilen dieses Buch nur vom Standpunkte
des Gärtners und überlassen Botanikern eine
Beurtheilung des rein Botarischen. Der
Verfasser hat in seinem langjährigen Um-
gange mit Gärtnern und Gartenfreunden im
Leipziger Gartenbauvereine, wo derselbe
viele wissenschaftliche Vorträge hielt, sich
genaue Kenntnisse, von deren Bedürfnissen
und Bildungszuständen erworben und konnte
beurtheilen, was jenen fehlt. Und nach un-
serer Ueberzeugung hat er das Richtige
getroffen, weshalb wir es auch aus voller
Ueberzeugung aller solcher Kenntnisse be-
dürftigen Gärtnern und Gartenfreunden be-
stens empfehlen. d.
2) Die Gemüsetreiberei oder das Trei-
ben der zum Küchengebrauche dienen-
den Gewächse, als der Gemüse- und
Gewürzkräuter in Mistbeeten, Treibkä-
sten und Treibhänsern mit Anwendung
der Wasserheizung. Von J. Hartwig,
grossherzog]. Hofgärtner in Weimar. Mit
11 Abbildungen. Weimar 1866. Verlag
von B. F. Voigt.
Dieses Buch bildet den zweiten Theil des
schon in diesen Blättern erwähnten „Küchen-
gartens‘‘ desselben Verfassers, und enthält
in klarer, kurzer Darstellung alles was man
zur Belehrung in diesem Fache braucht,
nach den neuesten Erfahrungen. Auch die
Champignon-, Erdbeer- und Ananaszucht
ist mit aufgenommen. Manche Pflanzen
sind etwas kurz weggekommen, so z. B-
die Wassermelonen (Arbusen und Angurien),
die man nach des Verf. Angabe nicht ziehen
kann, wenigstens keine Früchte, ein Vorwurf,
welcher schon von anderer Seite dem Verf.
bei Beurtheilung des Buches „der Melonen-,
Gurken- und Champignongärtner“ (im Ja-
nuarheft) gemacht wurde. Die Meisten wer-
den aber die Mängel nicht vermissen, denn
die wichtigeren Gemüse sind ausführlich be-
handelt, Ik
153
3) Ferdinand Glöde, les bonnes
fraises. Paris, librairie centrale
d’agriculture; et de jardinage
1865.
Wir haben dieses Buch, das uns eine
vorzügliche Anweisung zur Cultur der Erd-
beeren im Klima von Paris giebt, dann
über die Treiberei der Erdbeeren spricht
und endlich die zur Cultur empfehlenswer-
thesten Erdbeeren mit kurzer Beschreibung
aufführt, mit grossem Interesse gelesen.
Glöde hat sich um die Cultur der Erd-
beeren, sowohl dadurch, dass er alle im
Handel auftauchenden Erdbeersorten ge-
sammelt und neben einander versuchsweise
eultivirt hat, — sowie durch eigene An-
zucht einer Menge vorzüglicher Erdbeersor-
ten, ein grosses Verdienst um diesen Cul-
turzweig erworben. In dem Buch, wel-
ches wir besprechen, legt er jedermann, die
von ihm für die Praxis gewonnenen Resul-
tate offen dar und macht solche damit zum
Gemeingut aller.
Wir können daher dem Herrn Verfasser
hier nur die vollste Anerkennung für seine
gemeinnützige Thätigkeit aussprechen, und
thun dies mit um so grösserer Ueberzeu-
gung, als wir selbst diesem Culturzweig
seit einigen Jahren unsere volle Aufmerk-
samkeit zugewandt und alle Erdbeersorten,
die Glöde in seinen Catalogen aufführt, in
unserem pomologischen Garten selbst culti-
virt haben.
Wir stimmen in den Grundzügen der
Cultur mit Glöde vollkommen überein, müs-
sen aber bemerken, dass das, was Glöde
für das Klima von Paris empfiehlt, im Klima
der rauheren Gegenden Deutschlands und
besonders im Klima von Petersburg, sich
nicht immer durchführen lässt. Wir denken
deshalb nächstens unsern Lesern in einem
besonderen Artikel unsere Erfahrungen über
die Erdbeerzucht in einem rauheren Klima
vorzulegen und wollen dabei der Erfahrun-
gen Glöde’s gedenken.
Glöde’s Buch empfehlen wir aber allen
Freunden der Erdbeerzucht aufs wärmste
zur Anschaffung. (E. R.)
154
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
V. Personalnotizen und Neuestes ete.
3) Moskau. Gestern Abend er-
hielt ich das Januarheft der Garten-
flora, und unter der Rubrick „Neuestes“
meine Mittheilung über das Phosphoresciren
einer Georgine, „Deutsche Sonne“. — Ich
ersuche sie gehorsamst, einen Druckfehler,
hinsichtlich meines Namens berichtigen zu
wollen: nicht, wie dort gedruckt, R. Kap-
ler, sondern R Cassler ist mein Name.
Nachträglich bemerke ich noch Fol-
gendes:
1) Wäre es sehr zu wünschen, dass
diese Beobachtung auch anderwärts an-
gestellt, und das Resultat, bestätigend
oder nicht, durch Ihr geehrtes Journal be-
kannt gemacht würde. Natürlich
naue Beobachtung nöthig.
2) Weil ich dadurch in den Stand ge-
setzt würde, meine ferneren Beobachtungen»
über das Leuchten zu bestätigen, um wo
möglich, diesem Phänomen auf den Grund
zu kommen. —
ist ge-
Das Ziel, welches ich mir bei diesen
Untersuchungen gesteckt habe, ist:
a) Die Ursachen zu erforschen, warum
nur bei dieser einen gelben Georgine
das Leuchten stattfand, da doch die Calen-
dula und Lilien orangefarben sind, und
leuchten ?
b) Zu erfahren, ob das Leuchten auch
in heissen Sommerabenden stattfinde, da die
Calendula nur nach Sonnenuntergang an
schwülen Sommerabenden leuchtete.
c) Ob vielleicht Standort, Klima und
Herbstwitterung Einfluss daraut ausüben.
Denn da das Leuchten der Calendula, und
Lilien ete. ebenfalls zuerst im hoben
Norden, zu Upsala beobachtet worden,
es leicht möglich wäre, dass klimatische
Verhältnisse zu dem stärkeren Phosphores-
eiren beitragen könnten, wodurch es möglich
wurde, dass diese ganze Erscheinung so
lange in Zweifel gezogen wurde, und viel-
leicht eben durch kältere Nächte, die Beo-
bachter zu der definitiven Bestätigung des
Phänomen’s veranlassten.
2) Carl Erler, Hofgärtner zu Jelagim
bei Petersburg, starb am 27. Februar 1866.
Der hiesige Gartenbauverein verliert mit
ihm eines seiner thätigsten Mitglieder, das
bei allen Gelegenheiten die Zwecke des
Vereines förderte. Seine Freunde verlieren
durch seinen Tod einen treuen Freund, der
gern und bereitwillig half und unterstützte,
einen treuen biedern Ehrenmann, der still
und ruhig wirkte und mit allen seinen
Freunden in inniger Harmonie lebte, end-
lich einen tüchtigen und erfahrenen Kunst-
genossen, demder Petersburger Gartenbau so
manches dankte. C. Erler war am 1. Ja-
nuar 1802 in Petersburg geboren. Er er-
lernte die Gärtnerei bei seinem ältesten
Bruder, dem vor 9 Jahren verstorbenen
Hofgärtner Erler in Peterhof, unter dessen
Leitung ein grosser Theil der Gartenanlagen
zu Peterhof entstand. Er conditionirte bei -
seinem Bruder und bei seinem Vater, wel-
cher letzterer beim Fürsten Narischkin als
Gärtner angestellt war. Später war er 6
Jahre Obergärtner bei der Gräfin Strogonow
in Petersburg, dann 5 Jahre beim Herrn
von Piketow in Saratow und endlich 16
Jahre Obergärtner beim Fürsten Dundukow-
Korrakow in Oranienbaum. Im Jahre 1852
endlich erhielt er die Stelle als Hofgärtner
am Sommergarten und dem Park zu Jela-
gim bei Petersburg und im Jahre 1855,
nach dem Tode desHofgärtners Buck, auch
die Aufsicht über die Gewächshäuser und
Treibereien daselbst. —
3) Herr Oscar Pabst, der bisher
einem Theil der Gewächshäuser des K. Bo-
tanischen Gartens in St. Petersburg als Ober-
gärtner vorstand, ist zum Hofgärtner in Je-
lagim ernannt worden.
4) Herr F. Nouvel, bisher Obergärtner
beim Fürsten Beloselsky ist nach Deutsch-
land zurückgekehrt. An seine Stelle ist
V, Personalnotizen.
Herr Siesmeier als Obergärtner des Für-
sten Beloselsky eingetreten.
5) Freiherr vond. Decken.
über Zanzibar eingegangene, mitgetheilte
Nachricht, vom Tode v. d. Decken,
wird zwar von einigen Seiten noch bezwei-
tel. Andererseits ist aber von den Ver-
wandten seines Begleiters, des Dr. Link
aus Danzig, der gleichzeitig ermordet wor-
den sein soll, der Tod desselben in öffent-
lichen Blättern bekannt gemacht worden.
Während die Nachrichten über das un-
glückliche Ende der Ostafrikanischen Expe-
dition, von der einen Seite so lauten, geben
authentischere Berichte, folgende Nachricht:
Baron v. d. Decken, in Begleitung des Dr.
Link, verliess das gestrandete Schiff im
Jubafluss und begab sich nach Berdera.
Dort wurden ihm zuerst seine Gewehre ge-
raubt und dann ward er und Dr. Link ge-
fangen und ermordet, wie es scheint, nur
um ihn zu berauben. Die Leute, die ihn
nach Berdera begleiteten, sind nach Zanzi-
bar zurückgekommen.
6) Karl Eckmann ist zum Hofgärtner
Ihrer K. Hoheit der Grossfürstin Helena-
Paulowna im Garten zu Kamennoi-Ostrow
bei Petersburg ernannt worden. Derselbe
war bisher Hofgärtner I. K. H. in Oranien-
baum. Die Stelle als Hofgärtner in Ora-
nienbaum hat Hr. Kaufert erhalten.
7) Regierungsrath Wichura, der
sich um die Wissenschaft ein bleibendes
Verdienst, durch seine Versuche über Wei-
denbastarde erworben, der ferner als Bo-
taniker die Preussische Expedition nach Ja-
pan begleitete, ist leider im Monat Februar
in Berlin plötzlich gestorben. Im December
des letzten Jahres, war er nach Berlin be-
urlaubt worden, um dort seine aus Japan
mitgebrachten Sammlungen zu bearbeiten,
Im Begriffe der Bearbeitung seiner Samm-
lungen, ward derselbe am Morgen des 26.
Februars in seiner Wohnung, vor seinem
Arbeitstisch und seiner begonnenen Arbeit
liegend, von Kohlendampf erstickt, todt ge-
funden. Der Verewigte war dem Referenten
ein lieber trauter Freund. Während der
Zeit, dass der Unterzeichnete sich im Bo-
Die
155
mit seinem schon lange dahin gegangenen
Freunde J. Schmitz gemeinschaftlich die
Flora Bonnensis, sein Erstlingswerk, be-
arbeitete (1838— 1840), studirte Wichura in
Bonn, und machte mit dem Unterzeichneten
so manche Excursion gemeinschaftlich. Un-
ermüdete Ausdauer auf weiten anstrengen-
den Touren, stets gleicher unermüdlicher
Eifer, ein nie zu störender jovialer Humor,
Schärfe des Blicks und der Beobachtung,
zeichnete schon damals unseren lieben
Freund aus. Tief betrauern wir diesen, in
der Blüthe seiner Jahre, mitten aus den Auf-
zeichnungen seiner Beobachtungen, hinge-
rafften Freund, den auch in seinem späteren
Wirkungskreis als Regierungsrath in Bres-
lau, alle seine Bekannten liebten und ach-
teten. Schreibt das doch unser geehrter
Freund und Nestor im Felde der Naturwis-
senschaft, Herr Geheimmedizinalrath Göp-
pert von demselben: „Ich habe an ihm
einen meiner treuesten und edelsten Freunde
verloren, dessen durchaus anspruchloses
Wesen, verbunden mit einer fast kindlichen
Anspruchslosigkeit, stets erfreuend und an-
regend auf die mit ihm Verkehrenden ein-
wirkte.‘' E. Regel.
8) Varietäten von Helleborus.
Aus Samen des nicht künstlich befruchteten
Helleborus antiquorum Al. Br. fielen
bei mir bis jetzt folgende zwei Varietäten:
1) Helleborus antiquorum Al. Br.
var. flore albo. Habitus der
pflanze. Blumenhülle rein weiss, ohne alle
Puncte (also deutlich verschieden von Hell.
guttatus und abascius), doch, wie bei der
Stammpflanze, mit grünlichem Anhauche
nach der Mitte und Basis der Blumenhüll-
blätter. Blumenblätter (Nectarien) grün.
2) Helleborus antiquorum Al. Br.
var. punctulatus. Habitus der Stamm-
pflanze. Blumenhülle in Farbe der der
Stammpflanze gleich, doch mit rothbraunen
Puncten nach der Basis und Mitte der Blu-
menhüllblätter (wie bei Hell. guttatus). Blu-
menblätter (Nectarien) braunroth.
Beide, wie die Stammart und wie die
caucasischen Varietäten überhaupt, von ent-
schiedenem Werthe als Zierblumen für die
Stamm-
tanischen Garten zu Bonn beschäftigte und an Blumen arme Jahreszeit. Cultur bekannt-
156
lich leicht im Topfe und im kalten Kasten,
im Freien erfriert in strengen Wintern bei
uns hier in Jena die Wurzel dieser Helle-
borusarten trotz starker Deckung mit Reis.
Gerne bin ich erbötig, von der zu hof-
fenden Vermehrung der genannten Varie-
täten gegen andere Helleborusvarietäten, die
meiner über 20 Sorten zählenden Sammlung
(unter den Varietäten von Hell. viridis schei-
nen mir einige noch nicht beschrieben zu
sein) fehlen, tauschweise abzugeben.
Jena, am 19. Febr. 1866.
Aug. Schleicher.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Potssceript. Wir haben schon früher
darauf hingewiesen, dass die aus dem Cau-
casus stammenden und von A. Braun be-
schriebenen Helleborus, zu einer Stammart,
dem H. caucasicus A. Br. gehören, die in
Cultur, wie im wilden Zustande eineMenge _
von Formen bildet. Hierher gehört auch
H. antiquorum.
(E. R)
VL Angelegenheiten des Russischen Gartenbau-Vereins
in St. Petersburg.
1) Jahressitzung am
Auszug aus dem Jahresberichte für das
Jahr 1864.
Die Gesellschaft hatte im Laufe des
Jahres 1864 im Ganzen 15 Sitzungen, von
denen 7 mit Blumenausstellungen verbunden
waren. Für die zu den Monatssitzungen
eingesandten Gegenstände wurden im
Laufe desJahres 1 kleine goldene, 4 grosse
silberne, 8 kleine silberne und 5 bronzene
Medaillen ertheilt. Ausserdem waren einige
Extraprämien zur Vertheilung gekommen,
die von den Herren Warjchanow, Tretjakow,
Gegorow und Kurakin für Rosen, Rhodo-
dendron, Erdbeeren und Azaleen ausgesetzt
waren. Die Herren Gegorow, Nouvel, Höckel
und Grauberg erhielten diese Prämien.
Die Frühjahrsausstellung war in den Ge-
wächshäusern des Taurischen Palais, nach
dem Plane des Herrn Architekten Bruni
ausgeführt. Die Ausstellungscommission
bestand aus den Herren Bergemann, Gan-
shurow, Golubzow, Gegorow, Nouvel, Regel
und Rochel. Für die zu der Ausstellung ein- |
gesandten Gegenstände waren im Ganzen |
3 mittlere goldene, 25 kleine goldene, 31|
grosse silberne, 19 kleine silberne und 141
7. (19.) Mai 1865.
bronzene Medaillen zuerkannt. Ausserdem
wurden denjenigen Mitgliedern des Comites,
die sich durch aufopfernde Betheiligung den
besonderen Dank des Vereines verdient hatten,
eine mittl. gold., eine kl. gold., 2 grosse silb.,
und 2 kleine silberne Medaillen zuerkannt.
Für die mit der Jahressitzung verbun-
den gewesene Ausstellung waren 4 kleine
goldene, 10 grosse silberne, 7 kleine sil-
berne und 2 bronzene Medaillen zuerkannt.
Das von dem Vereine herausgegebene
Journal erhielt im Jahre 1864 durch die
Allerhöchste Genehmigung auf Vorstellung
des Herrn Ministers der Domänen eine all-
jährliche Unterstützung von 1500 Rubel.
Ausserdem hatte Herr Tretjakow für die
Zwecke des Journals 50 Rub. geopfert und
das Moskauer Samendepot gab unentgeld-
lich Sämereien zur Beilage beim Journal.
Es wurde die Unterstützungskasse der
Gärtner reorganisirt, was durch den An-
wuchs des Kapitals derselben bedingt war.
Zur Verstärkung der Kasse wurden die Pro-
cente vom vorhandenen Kapital, die jähr-
lichen Beiträge der Mitglieder der Kasse im
Betrage von 5 Rubel, die Einnahme von ei-
VI. Russischer Gartenbau-Verein.
nem Tage während der grossen Blumenaus-
stellungen und von den Tagen, die nach
Ablauf der angesetzten Zeit noch später
für die Verstärkung der Kasse angesetzt
worden. Die Mitglieder der Kasse und ihre
Familien können eine einmalige Unterstütz-
ung von 25 Rub. und eine monatliche Pen-
sion von 10 Rub. beanspruchen, sofern es
die Mittel der Kasse gestatten. Zur Unter-
stützung von Gärtnern, die nicht an der
Kasse als Mitglieder derselben betheiligt
sind, kann jährlich eine Summe von 200
Rub. vertheilt werden.
Im Jahre 1864 hatte sich der Verein
an der Brüsseler Ausstellung durch seine De-
putirten, Hr. Dr. Regel und Hr. Bergemann
betheiligt, was von grosser Bedeutung für
den Verein wurde. Da Dr. Regel unter
den Aussteliern die Idee in Petersburg eine
internationale Ausstellung einzurichten, in
Anregung brachte und einen vollkomme-
nen Anklang fand. Das Jahr 1868 ward dazu
bestimmt. In Folge dessen beschloss der
157
Verein die nöthigen Vorarbeiten zu ma-
chen, um die Möglichkeit der Ausführung
des Planes zu sichern,
R. Cop.
Die Kasse des Vereines ent-
hielt zum 2. Januar 1864 512 —21
Im Laufe des Jahres 1864
lief ein . Kun. 11612 — 9
Verausgabt war 11161—98
Also zum Januar 1865 war
in der Kasse . Sika 8 962—32
Die Unterstützungskasse be-
sass zum 1. Jan. 1865 3976 —
Im Personalstand des Vereins fand fol-
gende Aenderung statt: aufgenommen wur-
den: als Ehrenmitglied — 1, als nichtzahlende
Mitglieder 14, als correspondirende Mitglie-
der 12, als zahlende 35.
Aus dem Vorstande trat Hr, Woronin
aus, in Folge seiner Abreise ins Ausland.
Dr. Regel, Vicepräsident des Vereins wurde
von Neuem zu demselben Posten erwählt.
Monatssitzung am
1) Es wurde der Bericht der Revisions-
commission, welche den Kassenbericht zu
revidiren hatte, der Versammlung vorge-
lest und Erklärungen auf die von derselben
gemachten Bemerkungen gemacht.
2) Hr. Iljin machte den Vorschlag, die
Stadtgärten und Alleen unter Beaufsichti-
gung des Vereins zu nehmen. Der Präsi-
dent wies darauf hin, dass diese Frage
erst im Vorstande besprochen werden müsse
8. (20.) Mai 1865.
und ersuchte Hr. Iljin an diesen Verhand-
lungen Theil zu nehmen.
3) Der Präsident lenkte die Aufmerk-
samkeit des Vereines auf die Herren Wa-
robjew und Enke aus Moskau, Hr. Sart aus
Narva, Hr. v. Treffurt aus Reval, Hr. Hei-
kinger aus Riga, die als Preisrichter sich an
der Ausstellung betheiligten und für ihre
Betheiligung den ausgezeichnetsten Dank
des Vereines verdienen, was die Versamm-
lung vollkommen gereehtfertigt fand.
2) Sitzung am 15. (27.) Mai 1865.
1) Die Sitzung fand im Ausstellungslo-
cal selbst statt. Der Vicepräsident Dr. Re-
gel sprach über die zur Ausstellung einge-
sandten Pflanzen und wies auf die durch
ihre Schönheit oder Cultur besonders be-
merkenswerthen Pflanzen hin, unter anderem
auch Colypso borealis, welche in Ljs-
sino, unweit von Petersburg, aufgefunden
und von Dr. Merklin zur Ausstellung ge-
sandt war. Diese Pflanze, zur Petersburger
Flora gehörend, war im Laufe der letzten
30 Jahre nicht gefunden worden.
2) Es wurde der Gehalt des Hrn. Kanj-
schew, der für die Buchführung angestellt
ist, von 10 auf 20 Rub. monatlich erhöht.
3) Um auf die Bereitung von Conserven
158
eine grössere Aufmerksamkeit zu lenken,
wurde beschlossen, einen Concurs für die-
selben anzusetzen.
4) Es wurde beschlossen, den auswär-
tigen Gärtneın, welche als Preisrichter an
der Blumenausstellung betheiligt waren, als
Zeichen der Dankbarkeit des Vereins für
eine solche Betheiligung und als Denkmünze
eine bronzerne Medaille zu ertheilen und
namentlich den Herren Warobjew, Heikinger,
Sart, v. Treffurth und Enke.
5) Der Präsident zeigte der Versamm-
lung an, dass vom Vorstande aus eine Com-
mission, bestehend aus dem Vicepräsidenten
Dr. Regel, den beiden Secretären Hrn. Wol-
kenstein und Zabl, und zweien berathenden
Mitgliedern des Vorstandes, Hr. Bergemann
und Nouvel gewählt worden ist, welche die
Grundlage für die projectirte Internationale
Blumenausstellung, die im Jahre 1868 in
Petersburg stattfinden soll, auszuarbeiten hat.
3) Sitzung am 25.
1) Um die Preisvertheilung mehr zu regeln,
wurde bestimmt, dass: 1) die Beschlüsse
der Commission keiner Modification von
Seiten der Versammlung unterliegen und als
endgültig zu betrachten sind; 2) jedes Mit-
glied hat das Recht, sich eine Erklärung
von Seiten der Experten zu erbitten, aus
welchen Gründen der eine oder der andere
Beschluss gefasst worden ist; die Erklärun-
gen werden entweder vom beständigen Ex-
perten oder vom Vorsitzenden der Exper-
tencommission gegeben.
2) Hr. Tschernjaefi hatte in einer vor-
hergehenden Sitzung den Vorschlag gemacht,
statt des von dem Vereine herausgegebenen
Journales (Westnik), einen Gartenkalender
oder ein Handbuch für den Garten- und
Gemüsebau erscheinen zu lassen. Der Vor-
stand sprach sich über diese Frage dahin
aus, dass 1) das Journal das Organ der
Thätigkeit des Vereines sei und daher auch
für die Zukunit bestehen sollte,
2) im Journal vorherrschend practische Ar-
tikel geliefert werden, die später leicht als
weiter
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
6) In Folge einer Beschädigung des
Stempels für die kleine goldene Medaille
musste ein neuer Stempel bestellt werden,
der ungefähr 180 R. kosten wird, für wel-
che Ausgabe die Genehmigung der Ver-
sammlung eingeholt wurde.
7) Die freie ökonomische Gesellschaft
machte dem Vereine den Vorschlag mit der
Ausstellung, die zum Jubiläum der ökono-
mischen Gesellschaft veranstaltet wird, eine
Gemüseausstellung des Gartenbauvereins zu
verbinden, da der Gartenbauverein jedoch
keine Ausstellung zu veranstalten beabsich-
tigte, so konnte der Antrag nicht angenom-
men werden.
8) Es wurden die vom Preisgericht zu-
erkannten Prämien bestätigt, und zwar im
Ganzen 5 mittl. goldene, 23 kleine goldene,
42 grosse silberne, 32 kleine silberne und
14 bronzene, auf die Summe von 1278 R.
60 K.
(13.) Novbr. 1865.
Material für ein practisches Handbuch dienen
können, 3) was dagegen den Gartenkalender
anbelangt, so wäre es möglich, einen sol-
chen in aller Kürze in dem Journale aufzu-
nehmen. Diese Beschlüsse des Vorstandes
wurden von der Versammlung vollkommen
gebilligt. Dr. Regel zeigte bei der Gelegen-
heit an, dass er bereit sei, ein dem „‚Le Bon
Jardinier‘‘ entsprechendes Handbuch auszu-
arbeiten, könne aber nicht die Zeit bestim-
men, zu welcher dasselbe abgeschlossen
sein kann.
3) Es wurde darauf der kurze Garten-
kalender für die 3 ersten Monate des Jahres,
wie derselbe imJournal erscheinen soll, der
Versammlunsz vorgelesen, damit derselbe
durch die anwesenden Fachmänner bespro-
chen und berichtigt werde, was zu manchen
Erläuterungen Veranlassung gab,
4) Hr. v. Wolkenstein theilte die Beo-
bachtungen Darwin’s über die Befruchtung
bei den Orchideen mit.
5) Aus Astrachan wurde eine Kiste mit
Conserven von Mme. Dawidoff zum Concurs
VI. Russiseher Gartenbau-Verein. 159
eingesandt. Hr. Bergemann wurde gebeten,
die Kiste unter seine Verwahrung zu neh-
men.
6) Für die zur Concurrenz eingesandten
Pflanzen wurden folgende Preise ertheilt.
Hr. Gratscheff, eine kleine goldene
Med. für Gemüse
Hr. Pabst, eine grosse silberne Med.
für die Cultur einer von Hrn. Maksimowitsch
aus Japan eingeführten Sammlung buntblät-
teriger Pflanzen.
Hr. Regel, eine grosse silberne Med.
für ein Sortiment von Kartoffel.
Hr. Sewerin, eine kleine silberne Med.
für eine Gruppe blühender Pflanzen.
Hr. Leppig, eine kleine silberne Med.
für ein Champignon-Nest.
Hr. Skoromji, eine kleine silberne
Med. für eine Gruppe von Blattpflanzen.
7) Es wurden Samen von Levkojen, die
von Hrn. Bre&y dem Vereine zugeschickt
waren, unter die Anwesenden vertheilt.
8) Als zahlende Mitglieder wurden auf-
genommen: S. S. Gadon, Fürst N. J. von
Grusien, K. J. Istomin, K, A. Mann
und N. B Stiglitz.
Sitzung am 16. (4.) Decbr. 1865.
1) In Folge einer Ausstellung von bunt-
blätterigen Pflanzen, die Hr. Maximowiez
aus Japan eingeführt hatte, wurde der Vor-
schlag gemacht, als Zeichen der Anerken-
nung seiner ausgezeichneten Verdienste so-
wohl um die Wissenschaft, als auch den
Gartenbau, demselben eine Medaille von
Seiten des Vereins zu eıtheilen. Der Vor-
schlag wurde mit grosser Bereitwilligkeit
angenommen, und Hrn. Maximowiez die mitt-
lere goldene Medaille zuerkannt.
3) In die Verwaltungscommission für
die Unterstützungskasse wurden mit Stim-
menmehrheit gewählt: Hr. N. S. Gratscheff
und Hr. Nouvel.
3) Hr. Solowjeff hatte sich vor einiger
Zeit an den Verein mit einigen Fragen über
die Anlage von Square’s in Petersburg ge-
wandt, indem er auf eigene Kosten einen
solchen auf Wassiliastrof anzulegen beab-
sichtigte. Da dieser Square nun fast been-
det ist, so machte der Präsident den Vor-
schlag, eine Commission zu wählen, welche
im Frühling die Anpflanzungen in dem-
selben in Bezug auf Zweckmässigkeit und
künstlerisches Arrangement zu beurtheilen
hätte. Der Vorschlag wurde angenommen
und als Mitglieder der Commission wurden
erwählt: Hr. Agamonoff, Bergemann, Bueck,
Wolkenstein, Nouvel, Regel, Rochel.
4) Die Sitzungen wurden für das Jahr
1866 auf folgende Tage angesetzt: Januar
den 15. und 29., Februar den 12. und 26.,
März den 5. und 19,, April den 9. und 23,
Mai den 7., October den 15. und 29., No-
vember den 12. und 26., December den 10.
und 17. — Es wurde zugleich betont, dass
in Zukunft zu jeder Sitzung auch Pflanzen
zur Concurrenz zugelassen werden sollen
und dass die Trennung der Administrations-
Sitzungen von den Sitzungen für Vorträge
und Blumenausstellungen wegfallen soll. Zur
Verfügung der Preisrichter sollen zu jeder
Sitzung 2 grosse silberne, 3 kleine silberne
und 3 bronzene Medaillen gestellt werden.
5) Als zahlende Mitglieder wurden er-
wählt: Hr. S. I. Selenaj, A. D. Perchu-
roff, N. S. Petlin, als nichtzahlende Mit-
glieder wurden erwählt: Hr, Heyder, Vi-
cepräsident des Gartenbauvereins in Berlin,
Knerk, Präsident derselben Gesellschaft
und Masters, Herausgeber des Gardener’s
Chronicle.
6) Die Commission, welche die von
Hrn. Bremer im Freien cultivirten Hyaecin-
then besichtigen sollte, legte den Bericht
über die von Hrn. Bremer angestellten Re-
sultate der Versammlung vor. Er erwies
sich, dass die Cultur der Hyacinthen im
Freien schon früher von einigen Gärtnern
in Petersburg betrieben worden war und
dass Hr. Bremer die Tauglichkeit der von
ihm erhaltenen Brut zum Zwecke der
Treiberei nicht bewiesen hat, da derselbe
160
die Concurrenz mit den ausländischen Zwie-
beln schwerlich aushalten wird.
7) Es wurde der Tod von J. Lindley
in England und Hr. Betzich, Hofgärtner Sr.
Kais. Hoh. des Grossfürsten Nicolai ange-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
zeigt. Es wurde beschlossen, in dankbarer
Anerkennung der vielfachen Verdienste des
Hrn. Betzich um den Verein, im Journal
des Vereins seine Biographie zu geben und
sein Porträt beizulegen.
Sitzung am 23. (11.) Decbr. 1865.
1) Es wurde das Budget für’s Jahr 1866
vorgelegt. Zur näheren Beurtheilung des-
selben wurde eine Commission aus den
Herren Gratscheff, Maximowitsch
und Tschernjaeff erwählt.
2) Die Commission , welche die Unter-
stützungskasse zu revidiren hatte, legte den
Bericht ab, aus welchem zu ersehen ist,
dass die Kasse eine Summe von 5857 Rub-
29 Cop. besitzt.
3) Dr. Regel hielt einen Vortrag über
Cultur der Himbeere.
4) Hr. Tschisloff sprach über Bereitung
der Conserven und theilte mit, dass die
Blechdosen, nebst Zulöthen von 14—17 Cop.
zu stehen kommen.
5) Für die zur Sitzung eingesandten Ge-
genstände wurden folgende Preise zuer-
kannt:
Hr. Skaromnij, eine kleine silberne
Med. für Blattpflanzen.
Hr. Andruschenkoff, kleine silberne
Med. für Hyacinthen, Tulpen u. a.
Hr. Uschakoff, kleine silb. Med. für
Hyacinthen Tulpen u. a.
Hr. Uscharoff, für Champignons, eine
Anerkennung.
. Originalabhandlungen.
1) Abgebildete Pflanzen.
a) Orcehis foliosa Soland
(Siehe Tafel 509.)
OÖOrchidesae.
Örchis foliosa Soland. in Lowe prim.
fl. mad. pag. 13. Lindl. bot. reg. tab.
1701. — Rechb, ie, fl. germ. 13. tab.
401. —
Wir geben beistehend einmal wieder
die Abbildung einer Erdorchidee, die in
Madeira heimisch ist, die unserer ein-
heimischen Orchis latifolia zunächst ver-
wandt ist, von solcher sich aber durch
die 3lappige Lippe und ausserdem durch
die bedeutendere Grösse aller Theile
leicht unterscheiden lässi.
Diese Art gedeihet ohne Schwierig-
keit, wenn deren Knollen in eine lockere
ungedüngie Wiesenerde in einen 4—5
zölligen Topf gepflanzt und frostirei
durchwintert werden. Im Frühling, wenn
der Trieb beginnt, weise man derselben
einen Standort im frostfreiem, mit Fen-
stern gedecktem Beete, oder auf einem
Fensierbrett des niedrigen Kalthauses, | Kalthause, ist aber noch verhältniss-
VI. 1866.
an und schon im Mai wird solche fast
2 Fuss hohe, mit saftig grünen Blättern
besetzte Stengel entwickelt haben, die
aufder Spitze diepyramidale grosse Traube
schön lilafarbener Blumen tragen. —
Wir wollen mit dieser schönen Art
überhaupt einmal wieder die Aufmerk-
samkeit der Freunde der Pflanzenwelt
auf die lieblichen, in der Erde wach-
senden Orchideen Europas, Mittelasiens
und Nordamerikas, lenken. Unsere
schönen Orchis, die herrlich duftenden
Gymnadenia-, Platanthera- Arten, die
eigenthümlichen Ophrys und Cypripe-
dien, sie verdienten wohl, in den Gär-
ten häufiger gezogen zu werden. Ueber
die Cultur derselben im freien Lande
haben wir früher einmal gesprochen,
die Cultur im Topfe, bei Ueberwinte-
rung im frostfreien Kasten oder im
11
162
mässig leichter und haben wir unter |
Anwendung derselben auch hier in Pe-
tersburg, jährlich eine Menge interes-
santer Arten in Blüthe.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
a) Lippe, Sporn, Fruchtknoten und
die Griffelsäule von der Seite.
b) Die Lippe und Griffelsäule von
vorn. (E. R.)
b) Anthurium magnifieum Linden.
(Siehe Tafel 508.)
Aroideae
Acaule; stipulis ovato-oblongis, am-
pleetentibus, rubicundis; foliis profunde
cordato-ovatis, abrupte-acuminatis, lobis
basilaribus rotundatis magnis; petio-
lis tetragonis, angulis praecipue api-
cem versus anguste alatis, basi rubun-
dis, apice paullo incrassatis; scapo quam
petiolus paullo breviore, tereti, ala an-
gustissima decurrente instructo; spatha
oblonga, viridis, recurva, brevis; spadice
cylindrico, pedicello, subpollieari suf-
fulto, apicem versus paullo attenuato,
viridulo.. — Linden Cat. 1865. pag. 2.
Der prächtigen , beistehend abgebil-
deten Aroidee, haben wir schon als der
schönsten neuen Blattpflanze gedacht,
die auf der Ausstellung in Amsterdam
allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog.
Die Einführung derselben verdanken
wir Linden in Brüssel, dessen Sammler
Hr. Braam solche auf dem östlichen
Abhang der Cordilleren der Provinz
Cundinamarca in Columbien entdeckte
und Linden einsendete. Unsere bei-
stehende Tafel kann die Schönheit die-
ser ausgezeichneten Pflanze nicht wieder
geben, denn einmal erhalten die Blätter
einen Durchmesser 11/,—2 Fuss
und dann besitzt die olivengrüne Ober- |
fläche mit weisser Zeichnung längs der
Nerven, jenen eigenthümlichen schönen
von
Metallglanz, den kein Pinsel wiederge-
ben kann. —
Zunächst ist unsere Pflanze mit dem
in Mexico heimischem A. leuconeu-
rum Lem. verwandt, aber durch die
viereckigen und schwach flügeligen Blatt-
stiele, die herabgebogene Blüthenscheide
und den besonderen Stiel oberhalb der
Blüthenscheide, der den Blüthenkelben
trägt, gut und sicher zu unterscheiden.
Durch bedeutendere Grösse der Blätter
und schärfere lebendigere weissere Ade-
rung derselben, erhält solche auch aus-
serdem, noch einen höheren Werth als
Decorationspflanze des Warmhauses.
In Cultur scheint diese Prachtpflanze
nichts wenigor als diffieil zu sein, son-
dern ebenso leicht wie die Mehrzahl
der anderen Aroideen zu gedeihen. Die
Blätter bleiben das ganze Jahr hin-
durch. |
Standort im niedrigen Warmhaus
auf beschattetem Standorte. Lockere
Lauberde oder Heideerde mit etwas
Lehmerde vermischt, guter Wasserab-
zug und zur Zeit des Wachsthums,
feuchte warme Luft, sind die Grundbe-
dingungen der Cultur. Vermehrung im
Februar und März, mittelst Abschnei-
dens des Kopfes, der in ein warmes
Vermehrungsbeet gesteckt, leicht und
I. Originalabhandlungen.
sicher wächst. Der alte Strunk wird
163
Erkl. der Abbildung. 1) Eine ein-
dann so lange ziemlich trocken gehalten, | zelne Blume des Blüthenkolbens, von
bis er neuen Trieb zeigt. —
(E. R.)
oben gesehen, 2) Ein Staubfaden, beide
| vergrössert. —
co Hippomane
Mancinella L.
(Siehe Tafel 510.)
Euphorbiaceae,
Der Mancinello-Baum, von dem
wir beistehend die Abbildung eines
Astes in natürlicher Grösse geben, ist
in neuerer Zeit der Gegenstand des all-
gemeinsten Interesses geworden, seitdem
Meyerbeers letztes Werk über die Büh-
nen Europas ging. Auch für uns ist
dies der Grund, weshalb wir unseren
Lesern eine wahrheitsgetreue Darstel-
lung von diesem Baume geben wollen.
Der Mancinello-Baum wächst auf
den Antillen und in Mittelamerika und
zwar vorzugsweise an den Ufern der
Gewässer. Er bildet einen schönen
hohen Baum, der in allen seinen Thei-
len einen weissen Milchsaft in grosser
Menge enthält. Seine Blätter stehen
abwechselnd, sind lang gestielt, der
Blattstiel trägt am oberen Ende ein paar
Drüsen; Blattfläche lederartig, oval, kurz
zugespitzt, am Rande undeutlich ausge-
schweift, gezähnt. Die Blumen klein
und ganz unscheinbar, einhäusig. Die
männlichen stehen in spitzenständigen
Aehren und sind hier bündelweise zu-
sammen gedrängt. Man sieht auf der
Spitze des Astes unserer Tafel eine
solche männliche Blüthenähre und Fig. 7
vergrössert dar. Jede einzelne Blume
dieses Büschels besteht aus einem zwei-
theiligen Kelch, in dem 2 Staubfäden
stehen, wie dies Fig. 3 unserer Tafel
zeigt. Die weiblichen Blumen stehen
einzeln auf der Spitze kurzer Seitenäst-
chen; sie besitzen einen becherförmigen
3lappigen Kelch, der einen Griffel um-
schliesst, der mit seiner meist 7 strah-
ligen Narbe den Kelch überragt. Figur 2
ist eine solche vergrösserte weibliche
Blume. Der Fruchtknoten besteht aus
meist 7 mit einander verwachsenen Car-
pellen (Fig. 4 vergrössert). Die Frucht
ist fleischig, apfelförmig und umschliesst
eine vielfächerige, nicht aufspringende
Steinfrucht, die in jedem Fach einen
Samen enthält, der oft aber auch fehl-
schlägt. Fig. 6 giebt den Querdurch-
schnitt der Frucht bis auf die Steinfrucht.
Der Mancinello-Baum ist ein schö-
ner Baum mit mächtiger Krone. Der
in allen Theilen des Baumes befindliche
Milchsaft enthält einen scharfen ätzen-
den Giftstoff, der, wo er in das Blut
kommt, den Tod erzeugt. Auf der un-
verletzten Haut erregt derselbe Blasen
und Geschwüre und wird von den In-
stellt einen einzelnen Blüthenbüschel mit | dianern zum Vergiften der Pfeile be-
einem Stück der Blüthenspindel und | nutzt.
Ebenso stark giftig sind die
der am Grunde stehenden Bractee etwas | apfelarligen Früchte.
11 *
164
Eine Fabel ist es aber, dass schon
der Aufenthalt unter dem Baume, in
Folge der Ausdünstungen desselben, den
Tod erzeugte und dass im Schatten dieses
Baumes schlafende Menschen, dem Tod
anheimfielen. Schon der ältere Jacquin
erzählt, dass er sich ohne jede schäd-
liche Folge 3 Stunden unter dem Baume
aufgehalten habe und das Gleiche wird
von anderen Reisenden hestätigt. Da
aber der aus zufälligen Verwundungen
des Baumes abträufelnde Milchsaft, wo
er auf die Haut kommt, so schädliche
Folgen hat, wird der Baum mit Recht
geflohen. Dr. B. Seemann erzählt, dass
die Mannschaft des Herald das Holz
des Baumes benutzt habe, um Feuer
zum Kochen der Speisen anzumachen,
Alle, die das Feuer umstanden, erblin-
deten vom Rauche auf 2—3 Tage, beka-
men dann aber die Sehkraft wieder. —
Dass endlich auch unter gewissen
Witterungsverhältnissen die Ausdünstung
des Baumes zuweilen schaden könne,
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
ist zwar nicht nachgewiesen, aber doch
a priori nicht zu bestreiten, um so
ınehr als der Volksglaube dem Baum
diese Eigenschaft beilegt. Ist es doch
von dem Giftsumach (Rhus Toxicoden-
dron) wiederholt nachgewiesen und dem
Referenten ist selbst ein solcher Fall
bekannt, dass Leute, die unter demsel-
ben, bei heissem gewitierschwülen Wet-
ter neben solchen sich ausruheten und
schliefen, am ganzen Körper schwollen,
Geschwüre bekamen und stark er-
krankten. Andererseits hat der Refe-
rent selbst oft Aeste dieses Strauches
abgeschnitten und in der Hand getra-
gen, ohne auch nur die geringste Un-
annehmlickkeit zu verspüren. So mag
auch der Maneinellen-Baum unter be-
stimmten Verhältnissen auf einzelne mehr
disponirte Naturen vielleicht eine ähn-
| liche Einwirkung, nur durch die Aus-
dünstung ausüben, was der Grund zu
der fabelhaften Furcht vor demselben
sein mag. (E. R.)
2) Berliner Culturen.
V. Rosenzucht.
Es dürfte den Gärtner von Fach ei-
nigermassen befremden, unter den spe-
ciellen Berliner Culturen die Rosenzucht
erwähnt zu finden, da dieselbe überall
heimisch und mit Erfolg fast überall
getrieben wird. Dennoch ist dieselbe
am Orte, wenn hier statt einer umständ-
lichen Anleitung zur Cultur nur dieje-
nigen Verfahren angegeben werden, die
zur Massen-Anzucht zu empfehlen sind
und speciel den Handelsgärtner an-
gehen, Es wird daher dieser Notiz
nen, wenn dieselbe kein vollständiges
Culturbild entwirft.
So werden ‚wir hier gleich anfangs
die Sämlingszucht nur so weit berühren,
als sie die Anzucht guter Rosen aus
Samen anbetrifit, und die Cultur des
Wildlings als bekannt voraussetzen. Mit
dieser Anzucht beschäftigen sich nur
wenige Gärtnereien von denen, die die
Rosen zu ihrem Hauptartikel gemacht
haben. Die Hauptsache dabei ist, die
Rosen so schnell wie möglich zur Blüthe
auch nicht zum Vorwurf gereichen kön- |zu bringen, um sich nicht lange mit der
1. Originalabhandlungen.
165
nutzlosen Cultur des grössten Theils |, d. h. der den Rosen sonst zusagende
der Sämlinge, die oft hinter den Mut-
terpflanzen zurückstehen, aufzuhalten,
- Von dem bisher üblichen zweijährigen
Liegenlassen des Samens im Boden, wie
das bei Wildlingen geschieht, kann da-
her hier keine Rede sein; jedoch dürfte
es Manchem neu erscheinen, zu hören,
dass man 9 Monate nach der Aussaat
Pflanzen zum Blühen bringen kann.
Es werden nämlich die Früchte
gleich nach ihrer Reife vom Strauche
abgenommen, an Luft und Sonne eine
Zeit lang sorgfältig getrocknet und dann
in einen Topf schichtenweis zwischen
Sandlagen eingelegt; man stellt diesen
Topf in ein Warmhaus oder auch in
das Wohnzimmer und sorgt dafür, dass
die Samen stets gleichmässig feucht blei-
ben. Einige Wochen nach dem Ein-
schichten beginnt der Same, schon zu
schwellen und fängt in den ersten Ta-
gen des Frühjahrs zu keimen an. So-
bald die Witterung draussen das erste
Mistbeet erlaubt, werden die Sämlinge
auf einen warmen Kasten ausgepflanzt,
wo sie bei vorsichtiger Pflege schnell
die ersten vier Blätter entwickeln. Mit
dem Ausdruck „vorsichtiger Pflege“
ist hier diejenige gemeint, welche die
jungen Rosenpflänzchen wie Gemüse-
pflanzen behandelt, d. h. dafür sorgt,
dass kein Sonnenstrahl verloren geht,
dass behutsam, aber so oft als thunlich
gelüftet wird, dass nur sehr mässig ge-
gossen und während der Fröste recht
gut gedeckt wird. Die Sämlinge sind
8o weich im Holze und so leicht zum
Faulen geneigt, dass zu wenig Luft und
Licht, ja selbst schon zu viel Schweiss
im Kasten, dieselben wie die Kohl-
pflanzen am Grunde schwarz werden
und umfallen lässt. Bei dieser Parforce-
kur ist es selbstverständlich, dass die
Erde danach eingerichtet werden muss,
lehmige Boden muss einem leichteren
Gemisch von Laub- und Mistbeet-Erde
Platz machen.
Wenn erst die Tage länger werden
und die Luft wärmer ist, verringert sich
durch das reichlichere Lüften auch die
Gefahr des Faulens; aber mit der stär-
ker werdenden Sonne tritt eine andere
Gefahr in dem weisslichen Pilzüberzug
(der Erysibe) auf, deren Erscheinen
und Ausbreiten durch zu grelles und
scharfes Sonnenlicht, unvorsichtiges Gies-
sen, schnellen Temperaturwechsel u. s.w.
wesentlich unterstützt wird, Lüften,
feuchte Luft im Kasten, zeitgemässes
Beschatten sind die besten Präventiv-
mittel dagegen, welche namentlich bei
den Rosomenen nicht ausser Acht zu
lassen sind, da diese der Krankheit am
meisten anheim fallen.
Sind die ersten 4 oder 5 Blätter der
jungen Pflanzen ausgebildet, so tritt
scheinbar ein gewisser Stillstand im
Wachsen ein. Bei dem 7. bis 9, Blatle
zeigen sich die ersten Blumen bei den-
jenigen Sämlingen, die von reichen
Blühern abstammen und die sich selbst-
verständlich nur unter den Remontant-
und Bourbonrosen finden, wie General
Jaqueminot, Auguste Mie, Louise Odier
u. s. w. Sind auch die ersten Blüthen
nur Schwach und zeigen niemals eine
grosse Vollkommenheit, so lassen sie
den geübten Züchter doch erkennen,
was von ihrer späteren Entwickelung zu
hoffen ist,
Die Bedingungen, welche der Ber-
liner Handelsgärtner an jede Rosenneu-
heit stellt, sind; gedrungener Wuchs,
leichtes Blühen, gute Knospenentfaltung,
kräftige Farbe. Von allen den zahlrei-
chen Sorten, die der Sortimentsgärtner
zieht, eultivirt derjenige, der Treibrosen
für den Winter braucht, nur sehr we-
166
nige; ja es giebt mehrere Gärtnereien,
die einen sehr bedeutenden Umsatz mit
Rosen haben und die nur die einzige
Louise Odier und allenfalls Miss Bosan-
quet anziehen. Diese Anzucht geschieht
dann allerdings auch in Massen ohne
grosse Umstände. Die Stecklinge wer-
den zum Theil im August in den freien
Grund abgetragener Gurkenkästen, zum
Theil im Frühjahr im Hause aus den
krautartigen Spitzen der angetriebenen
Rosen gemacht. Die Hauptbedingung
für das schnelle Bewurzeln der Steck-
linge ist die passende Entwicklungsstufe
des Reises bei dem Schneiden und der
nicht zu feuchte, temperirte Standort
in der Zeit der Bewurzelung; diese bei-
den Punkte weiss der Züchter genau
zu beobachten und achtet nachher we-
nig darauf, ob der Steckling in Sand
oder Erde steht, Er wächst in beiden
Mitteln bei passender Behandlung. So-
bald derselbe bewurzelt ist, wird er
meist sogleich in den freien Grund lee-
rer Mistbeetkästen gebracht, behutsam
gepflanzt, gespritzt, beschattet und in
der ersten Zeit durch Fenster in ge-
schlossener Luft gehalten. Einige Züch-
ter wärmen sogar den Rosenkasten noch
etwas auf, um das Anwachsen und erste
Austreiben zu beschleunigen. Andere
halten dieses Verfahren jedoch für über-
flüssig, wenn sie auch zugeben, dass
der erste Trieb des Stecklings ein durch-
aus schneller und kräftiger sein muss,
wenn man im Herbste 2 bis 3 Fuss
hohe Exemplare haben will.
Ist die junge Pflanze im Triebe, wer-
den die Fenster allmälig entfernt und
die Rose bis zumHerbst ohne alle wei-
tere‘ Pflege gelassen; dass die Kästen
von’ Unkraut rein gehalten, der Boden
gelockert und bei trockener Witterung
Abends gegossen wird, ist nicht erst
besonders hervorzuheben. Im Herbste
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
werden die kräftigen Pflanzen geschnitten
und in Töpfe gepflanzt, die im Verhält-
niss zum Wurzelvermögen der Pflanze
klein zu nennen sind. Die so erzielten
Exemplare sind auch die Verkaufspflan-
zen, die zu 3 Thlr. pro Dutzend meist
nach den Märkten der östlichen Provin-
zen wandern.
Im Januar werden die jetzt meist
sehon wurzelnden Pflanzen zum Treiben
aufgesetzt. Die Häuser sind meist eng,
die Stellagen dem Lichte recht nahe;
das Heizen beginnt zuerst ziemlich
schwach, und nimmt mit der steigenden
Sonne zu. In der Regel werden ausser
den zum Verkauf in Töpfen bestimmten
Pflanzen auch solche getrieben, von de-
nen nur die Blumen geschnitten werden
und es existirt hier eine Gärtnerei, wel-
che in 5 Häusern Rosen treibt und vom
März an mehrere Wochen hindurch täg-
lich 8, 10, ja nach einigen hellen Ta-
sen 15 bis 18 Dutz. Rosenknospen lie-
fert. Der Preis eines Dutzends abge-
schnittener Blumen ist bis zum März
ungefähr 1!1|, bis 2 Thlr., im März
1 Thlr. für den Händler, später 15 Sgr.
und bei dieser ganz respectablen Ein-
nahme ist noch keine Pflanze aus der
Gärtnerei verkauft worden. Eine oben
erwähnte Pflanze mit 10 bis 15 Knospen
gilt mindestens 1 Thaler und soviel der-
artige Pflanzen gezogen werden, soviel
werden auch mit Bestimmtheit verkauft.
Vorläufig genügt die Rosenzucht Berlins
noch nicht, um den Bedarf zu deeken
und oft genug köhnen Bestellungen von
ausserhalb nicht ausgeführt werden.
Aus den Notizen, die wir behufs
einer Zusammenstellung der Leistungen
der Berliner Gärtnerei gesammelt, ergiebt
sich ein durchschnittlich jährlicher Ver-
brauch von 30—32,000 Stück Topfrosen,
deren Durchschnittspreis auf 15 Ser.
angenommen werden kann, da nicht alle
I. Originalabhandlungen.
Exemplare gleich schön sind und die
später blühenden billiger, die früher
blühenden bedeutend theurer verkauft
werden. Es kommt demnach die Summe
von 15000 bis 16000 Thlr. für getriebene
Rosen heraus. Zu dieser Summe sind
noch etwa 800 bis 1000 Dutzd. abge-
schnittene Blumen in guten Jahren zu
rechnen, die auch einen Werth von 1200
bis 1500 Thlrn. repräsentiren. Wenn
der Blumenhändler, durch den die mei-
sten der Blumen aufgekauft werden, die
Pflanzen um hundert Procent theurer
verkauft (und diesen Gewinn kann er
bei getriebenen Pflanzen für Transport,
Lokalmiethe, Schaden u. s. w. beanspru-
chen) so kann man eine Gesammtsumme
von 35,000 Thlrn., die in Berlin für
Rosen in Umsatz kommen, mit Sicherheit
annehmen.
Doch kehren wir zurück zu der
obenerwähnten Gärtnerei, die wohl als
Muster für den Betrieb angesehen wer-
den darf.
Vier von den fünf Rosenhäusern
liegen dicht aneinander und sind nur
durch Bretterwände von einander ge-
schieden, Während die ersten beiden
Abtheilungen Stellagen enthalten, sind
die letzten beiden Abtheilungen mit
Hochstämmen im freien Grunde bestellt.
Das fünfte Haus hat eine Länge von
75 Fuss, ist aber ohne Heizapparat und
enthält eine grosse Anzahl sehr starker
Hochstämme der gangbarsten, leicht
blühenden Remontant- und Bourbon-
Rosen. Gegen Weihnachten oder Neu-
jahr werden Nr. I und Nr. III allmälig
angeheizt und die Häuser Nr, IT und IV
dadurch auch vorbereitet, Im März oder
auch wohl etwas früher erscheinen die
Blumen in den ersten und wenig Wo-
chen darauf in dem unterdess auch an-
geheizten anderen beiden Häusern, Hier
sind besonders vertreten General Jaque-
167
minot, Empereur Napoleon, Prince
noir, wohl auch Empereur de Maroe,
Ornement des jardins und vorallen wie-
derum Louise Odier; im zweiten Schlage
ist Miss Bosanquet, Gloire de Dijon
und die alte gelbe Thea Safrano. Das
letzte grösste Haus ist im Ganzen sehr
luftiger Natur und ist eigentlich nur eine
sorgfältige Ueberdachung zweier langen,
im Freien stehenden Rosenbeete, Die
im Herbst frei werdenden Mistbeetfenster
dienen dazu, ein Doppelhaus zu bilden,
dessen Seitenwände aus Holz gebildet
und gut durch Mistumschlag geschützt
sind. Wenn die ersten vier Häuser
keine Knospen mehr geben wollen, hat
die Frühjahrssonne durch die Fenster
doch schon so gewirkt, dass die in dem
srossen Hause stehenden Rosen treiben
und Knospen zeigen. Die Blüthezeit
dieser Pflanzen fällt zwischen die der
getriebenen und die natürliche Rosen-
zeit.
In den zuerst angeheizten Häusern
befinden sich auch die Wildlinge zu den
Frühjahrsveredlungen und diese selbst.
Jedermann weiss, dass das Gelingen
der Veredlung von dem guten Zustande
der Wildlinge abhängig ist und man
wendet daher diesen eine wohlverdiente
Aufmerksamkeit zu. Die meisten Züch-
ter ziehen dieselben aus Samen, andere
haben sich in neuester Zeit der Anzucht
derselben aus krautartigen Stecklingen
zugewandt, welche wie die Stecklinge
der wurzelächten guten Rosen in einen
leergewordenen Gurkenkasten gesteckt
werden. Haben die Wildlinge die ge-
hörige Stärke erreicht, so werden sie
im Herbst, sobald der Saft ruht und die
ersten Fröste sich einstellen, in Töpfe
gepflanzt, obgleich sie zum grössten
Theil das Laub noch fest halten. Nach
dem Angiessen schlägt man sie reihen-
weise in schräger Stellung so ein, dass
168
der Stamm etwa 2° seiner Länge noch
mit Erde bedeckt ist; der noch hervor-
ragende Theil wird mit Laub oder Rei-
sig bedeckt, um der Luft das Austrock-
nen der Stämme zu erschweren.
In dieser Lage bleiben sie, bis starke
Fröste kommen und eine tüchtige Laub-
decke nöthig machen. Die Decke er-
laubt dann jederzeit, die Wildlinge mit
Leichtigkeit aus dem Boden zu nehmen
und die gleichmässige Feuchtigkeit, die
sie geniessen, befördert die Bildung
neuer Wurzeln ungemein. Gegen Mitte
December fangen die Wurzeln bereits
an zu Spitzen und man nimmt nun so-
viel Pflanzen, als man im Hause unter-
bringen kann, heraus, stellt sie in 3—4
Reihen übereinander an die Wand ent-
lang und bedeckt die Töpfe entweder
mit Moos oder Erde, damit die Feuch-
tigkeit, die bei dem reichlichen Spritzen
sich erzeugt, mehr der Umgebung der
Töpfe als der Erde in denselben zu
Gute kommt. Vierzehn Tage nach dem
Einbringen der Wildlinge fangen diesel-
ben an Leben zu zeigen; die oberen
Blattknospen schwellen an und nun be-
ginnt sofort die Veredlung. Fangen die
unteren Knospen erst an zu schwellen
und auszutreiben, ist die beste Zeit ei-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
gentlich vorüber und der normale Saft-
zufluss nach der Spitze, der das An-
wachsen des Reises so sehr erleichtert,
ist unbedingt vorüber gegangen und
lässt sich nicht durch Ausbrechen der
unteren Zweige wiederum allein ‘nach
oben leiter. Im Allgemeinen kann man
annehmen, dass, je früher man veredelt,
desto sicherer das Anwachsen bei oben-
erwähnter Behandlung erfolgt. Fleissi-
ges Spritzen beugt der Vermehrung der
Blattläuse vor. Die Art der Veredlung
ist bei guten Unterlagen wohl gleich-
gültig; doch findet das Okuliren mit
Holz immer mehr Anhänger, da man
jederzeit an der passendsten Stelle des
Stammes ein Auge einsetzen kann und
den Stamm nicht so verwundet, wie bei
den anderen Veredlungsarten. Das Ver-
fahren besteht in dem Ausschneiden
eines Auges, dessen Schildehen das
Holz behält, also nicht erst durch das
bei dem Oculiren bisher übliche Aus-
brechen gestört wird. Löst sich die
Rinde der Unterlage, wird der gewöhn-
liche Tschnitt gemacht; löst dieselbe
dagegen nicht, wird die Form des Ocu-
lantenschildchens einfach aus der Unter-
lage ausgeschnitten.
(Paul Sorauer.)
3) Die Torf- oder Moorerde.
Da wir uns schon seit längerer Zeit
dieses Materials zu den verschiedenen
Culturen bedienen und auch vom Erfolg
sprechen können, scheint uns eine
nähere Besprechung um so mehr zeit-
gemäss, da die hieraus gewonnenen
Vortheile immerhin je nach der Lokali-
tät — beträchtlich genug sind.
wendung näher betrachten, wollen wir
über die Bildung des Torfes und die
Ansichten hierüber einige Worte voraus-
schicken.
Nach den früheren Anschauungen
über das Wen des esTorfes, hielt man
ihn für eine rein mineralische Substanz,
welche von Erdöl, Erdharz, Bergpech, ja
Ehe wir die Torferde und ihre Ver- | selbst Schwefel durchdrungen,, desshalb
I. Originalabhandlungen.
brennbar sei. Schon Linn& sprach sich
jedoch dafür aus, dass der Torf orga-
nischer Natur und wahrscheinlich ein
Zersetzungsproduet der Gewächse sei,
welche sich noch jetzt auf den Torf-
.mooren und um diese. befinden.
Heute besteht kein Zweifel mehr,
dass der Torf sich aus den auf den
Torfmooren wachsenden Pflanzen erzeugt
habe und noch fortwährend erzeuge.
Der Torf ist unter dem Einflusse
des Wassers, des Sauerstoffes und einer
gewissen T’emperatur veränderte Pflan-
zensubstanz — seine chemische und
physikalische Beschaffenheit zeigt sich
abhängig von den Pflanzenarten, aus
welchen er entstanden, der grösseren
oder geringeren Zersetzung, die diese
erfuhren, von seinen mineralischen Bei-
mengungen und den Lagerungsverhält-
nissen. — Um zu einer klareren Ein-
sicht über die Entstehung und das We-
sen des Torfes zu gelangen, haben wir
die Entstehung der Moore und dann die
des Torfes und die Moore bildenden
Pilanzen zu betrachten.
Die Moore sind das Terrain, welches
vermöge seiner günstigen Beschaffenheit
nicht allein als Standort der Torfbil-
dungspflanzen dient, sondern wo auch
die Verwandlung der abgestorbenen Ve-
getation in Torf vor sich geht. Damit
ist natürlich nicht gesagt, jedes Moor
muss Torf bilden oder es sei ein Moor
unbedingt zur Torfbildung nöthig, viel-
mehr hat Sendtner Fälle angeführt, die
beweisen, dass es Moore ohne Torf,
und Torf ohne Moore gebe. So z. B.
am Kochelsee ist der an den See gren-
zende Theil des Moores, dessen Vege-
tation vorzugsweise aus Schilf (Phrag-
mites communis) besteht ohne Torfbil-
dung, das Erdinger Moor bei Wasser-
burg, ein Wiesenmoor, der Sieder Filz
daselbst ein Hochmoor, entbehren gros-
169
sentheils des Torfes. Anderseits zeigt
sich echte Torfbildung auf höheren Ber-
gen unter dem Einflusse beständiger
Feuchtigkeitszufuhr aus der Atmosphäre.
Dergleichen Torflager finden sich,
z. B. am Gipfel des Hochfelle, des Gör-
gelstein auf Dolomit, am Untersberg
auf Kalk und sie erreichen mitunter
eine Mächtigkeit von mehr als 11],
Fuss.
Die angeführten Fälle sind jedoch
Ausnahmen; die meisten Moore bilden
Torf und vor nur einigermassen bedeu-
tenden Torfablagerungen ging Moorbil-
dung voraus.
Das der Moorbildung zuträglichste
Klima ist die gemässigte Zone. In den
heissen Gegenden giebt es gewöhnlich
nur auf den Hochplateau der Gebirge,
Torfmoore.
Die Ausdehnung dieser Torfmoore
ist sehr beträchtlich, z. B. machen die
Torfmoore in Bayern nach Sendtner 20
Quadratmeilen aus und im Königreich
Hannover besteht der sechste Theil des
Landes aus Torfmooren; wir finden sie
gleich ausgedehnt in Holland, Frank-
reich, besonders aber in Irland, wo sie
nach Griesbach einen Flächenraum
von 200 Quadratmeilen einnehmen. —
Viele Moorbildungen entstehen da-
dureh, dass sich eine grosse Zahl von
Seen verkleinert, dass sich Anfangs eine
schwimmende Pflanzendecke bildet, wel-
che nach und nach zu einer filzigen
Torfmasse wird.
Aus dieser schwimmenden Pflanzen-
decke können sich Inseln von bedeu-
tender Ausdehnung bilden und Senft
erwähnt eine derartige schwimmende
Insel bei Donges, 2 Meilen von Eisenach,
bestehend aus einer 3—5‘ dicken filzi-
gen Torfmasse, in welcher. man noch
deutlich Heidewurzeln und Wassermoose
erkennen kann; sie bietet auf der Ober-
170
fläche einen bunten Flor der verschie-
densten Moorpflanzen.
Ein schlammiger, wassergetränkter,
fahlgelber Filz von Wassermoosen bildet
den Grund dieses Pflanzenteppichs, auf
welchem bunt durcheinander die violet-
ten Sternblümehen der Moosbeere (Vac-
einium Oxycoce.) Die purpurhaarigen
von Wasserperlen glänzenden Blättchen
des Sonnenthaus (Drosera rotundifolia).
Die weissen Blumenstrausse des Fieber-
klees (Menianthes trifoliata). Die gelbe
Krone des Gifthahnenfusses (Ranuneculus
Lingua) ferner des Wasser-Schirlings
(Cieuta virosa), das Wollgras (Eriopho-
rum vaginatum), das Helmkraut (Sceu-
tellaria galericulata) und die Pfeilblätter
der Sagittaria hervorblieken, während
einzelne Birken und kümmernde Kiefern
die Masten und Segel bilden, durch
welche schon ein leiser Luftstrom diesen
Pflanzengarten in Bewegung setzt.
DerartigeInseln von mehr oder min-
der grosser Ausdehnung sind nicht sel-
ten, aber eine der grössten soll in dem
Neusiedler See in Ungarn sich befinden,
welcher einen Flächenraum von 6 Qua-
dratmeilen einnimmt; berühmt sind fer-
ner die schwimmenden Inseln auf den
mexikanischen Seen, auf denen die
schönsten Gemüsegärten gegenwärtig
prangen.
Die schwimmenden Inseln sind in-
dessen nicht mit den schwimmenden
Ländereien zu verwechseln, welche durch
Verwandlung der Moore zu trockenem
Lande entstehen.
Wenn nach schnee - und regenarmen
Wintern hejsse Sommer folgen, werden
die moorspeisenden Flüsse sehr wasser-
arm und zwar der Art, dass man trocke-
nen Fusses über sie gehen kann, Die
Folge davon ist, dass die Moospflanzen
ausbleiben und sich Süssgräser aller
Art einfinden, so verwandelt sich das
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Moor allmählig in eine Wiese, und je
nach Umständen über kurz oder lang
zum besten Ackerland.
Sendtner sagt, da der amorphen Form
des kohlensauren Kalkes die Eigenschaft
das Wasser nicht hindurchzulassen,
ebenso zusteht, wie den thonigen Bo-
denarten, ist es ohne Zweifel nicht die
hygroskopische , sondern die chemische
Natur der Alantschicht auf dem Kies,
welche im Territorium desselben eine
Moorvegetation von anderer Beschaffen-
heit hervorruft.
Wasser ist auf beiden das gleiche
Moment der Moorbildung; aber der che-
mische Gehalt desselben ist verschieden.
Man könnte auch dem Agregat-Zustande
des Bodens Einfluss beilegen; wenn nicht
unabhängig von diesen auch die Be-
schaffenheit der nicht mit Wurzeln in
den Boden eindringenden Flora gleich-
falls an dieser Veränderung betheiligt
wäre.
Durch den Unterschied der auf den
Mooren vorkommenden Vegetation ist
der Werth derselben zu beurtheilen,
und hievon die Vortheile ihrer Verwen-
dung zur Cultur zu ersehen, Ein Blick
der auf den Mooren vorkommenden Pflan-
zen beweist auf unzweifelhafte Weise
den Einflussder chemischen Beschaffenheit
auf die Bildung der Moore.
So sehr es von Interesse ist, den
Pflanzenwuchs der verschiedenen Moore
näher zu betrachten, möchte doch ein
genaueres Eingehen hierüber zu weit-
läufig erscheinen.
Was für die Verschiedenheit ent-
scheidet, ist nicht das Maass des Was-
servorrathes, nicht die physikalische Ei-
gensehaft der Unterlage, deren Modifi-
cation bei beiden Verhältnissen gleichen
Umfang haben, sondern allein das „che-
mische Element“ hier der Kalk, dort
das Thonsilieat.
l. Originalabhandlungen.
Diess wenn der Torf nicht gleich-
werthig als Brennmaterial ist, so ist er
auch hinsichtlich seiner Verwendung als
Erde ; ich werde später auf die verschie-
denen Wirkungen der Torfarten aus-
führlicher zurückkommen und damit die
wesentlichen Unterschiede genauer be-
zeichnen.
In den Mooren haben wir eine le-
bende und eine gestorbene, in Verwe-
Sung oder Vermoderung übergegangene
Vegetation zu unterscheiden und es ge-
. ben sich je nach der speeifischen Eigen-
schaft der Moore folgende Pflanzengrup-
pen: siehe pag. 627 Sendtner. Der cha-
rakteristische Bestandtheil in der leben-
den Vegetation aller Hochmoore sind
Moose aus der Gattung Sphagnum, die
sogenannten Torfmoose.
Nach Senft spielen diese Gewächse
eine höchst merkwürdige Rolle, bei der
Bildung der Hochmoore, deren überwie-
gender Theil sie sind.
Der Torf ist bezüglich seiner Ent-
stehung, das Product der Fäulniss und
langsamen Verwesung abgestorbener
Pflanzen und Pflanzentheile.
Durch den Einfluss des Wassers,
Sauerstoffs und einer gemässigten Tem-
peratur erleiden die abgestorbenen Moor-
pflanzen den Verwesungsprocess; sie
verlieren unter Auftretten von Kohlen-
säure und Wasser allmählig ihre Struc-
tur und ihren Zusammenhang, und
wandeln sich in eine braune’bis schwarz-
braune Masse in Humus (Moder) um.
Die Torferde ist, wie schon oben
bemerkt, sehr verschieden, und ihr
Werth hängt
1) von der mehr oder weniger weit
vorgeschrittenen Zersetzung ab;
2) von der Art der Pflanzen, aus
welchen er sich bildete.
3) Von den Lagerungsverhältnissen.
4) Von der Menge und Qualität der mi-
171
neralischen Beimengungen und seiner
Aschenbestandtheile.
Das Wasserhaltungsvermögen des
Torfes ist sehr bedeutend; er kann 80
bis 120 Theile Wasser binden.
Der Torf verhält sich hinsichtlich
seines Absorptionsvermögens wie die
Ackererde, er absorbirt grosse Mengen
von Kali, Natron, Ammoniak und Phos-
phorsäure.
Von seiner physikalischen Beschaf-
fenheit hängt es ab, in welcher Quan-
tität er die verschiedenen Stoffe festzu-
halten vermag. —
Durch die nebenstehende Tabelle
von deutschen und fremdländischen
Torfarten ist über die Verschiedenheit
ihrer BElementarzusammensetzung ein
guter Ueberblick geboten.
Die Quantität und Qualität der bei
dem Verbrennen des Torfes hinterblei-
benden Asche ist gleichfalls sehr ver-
schieden, denn sie besteht nicht allein
aus den Aschenbestandtheilen der Pflan-
zen, welche sich in Torf umwandelten,
sondern sie enthält auch die Mineral-
bestandtheile, welche sich aus dem das
Moor durchtränkenden Wasser mecha-
nisch absetzen oder aus ihm vom Torfe
absorbirt wurden.
Die Aschenmenge beträgt von 0,5
bis 60 und mehr Procente, jedoch sind
häufig in 100 Theilen Asche 70 Proc.
unlösliche Stoffe Thon und Sand ent-
halten.
Von den Aschenbestandtheilen, wel-
che die Moorpflanzen zu ihrem Gedeihen
bedurften, bleiben in dem aus ihnen
entstehenden Torfe fast nur die unlös-
lichen zurück.
Der grössere lösliche Theil geht bei
der Zersetzung der Pflanzen in das um-
gebende Wasser über, um aus ihm von
der Moorvegetation als Nahrung aufge-
nommen, oder von dem bereits gebilde-
172
ten Torf absarbirt oder endlich weiter
fortgeführt zu werden.
Die jüngsten Torfarten werden da-
her wenn sie anders nicht von
Schlamm ete, durchzogen sind — auch
nur die geringsten Aschenmengungen ent-
halten.
Mit ihrer fortschreitenden Zersetzung
wird jedoch ihr Aschengehalt ein grös-
serer. Einmal vermehrt er sich relativ;
indem die Menge der organischen Sub-
stanz durch Verwesung abnimmt; dann
erlangen aber auch die jüngeren Torfe
dureh ihre Umwandlung in eigentliche
Torfsubstanz die gehörige physikalische
Beschaffenheit und diese befähigt sie
aus dem umgebenden Wasser gelöste
Mineralbestandtheile zu absorkiren; zu-
-—
letzt gehen ihre saueren Zersetzungs-
producte noch mit Kalk u. s. w. unlös-
liche Verbindungen ein und vermehren
auch hierdurch den Aschengehalt.
Die Sphagnum-Arten sind der Masse
nach der überwiegende Theil der Hoch-
moore.
Die Sphagnum haben bekanntlich
unter allen Moosen einen eigenthümli-
chen Zellenbau, das Gewebe ihrer Blät-
ter in der äusseren Stengelschicht ent-
hält nämlich neben gewöhnlichen Zellen,
noch solche anderer Art, die sieh durch
ihre grossen runden Löcher auszeichnen,
bei den Blättern zugleich durch ring-
oder spiralförmige Fasern, welche gleich
Reifen von die zarte Zellhaut
schlauchförmig ausspannen.
Diese Eigenschaft macht die Sphag-
nen zu besonders hygroskopischen Kör-
pern.
Die Asche der Sphagnum cymbifo-
lium enthält nach der Analyse von
Wiegmann in 3,706 Gewichtstheilen nur
0,362 Kalk und 0,318 Alkalien, aber
2,289 Kieselerde.
Im Münchner botanischen Garten
innen
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
von Sendtner angestellte Versuche,
Sphagnum zu cultiviren, wobei die
ganz geeignete Unterlage Thon, an-
gewendet wurde, misslangen vollständig,
wenn zur Herstellung des künstlichen
Moor’s Münchener Quellwasser ange-
wendet wurde, während sich eine kleine
Quantiät, in destillirtes Wasser gebracht,
2 Jahre lang ohne Schwierigkeit er-
hielt. —
Das Fehlen der einen oder anderen
Moosarten beruht, nieht auf physikali-
schen Zuständen, die, wie wir oben
sahen, wenig abweichend sind und es
sind wohl lediglich die chemischen Ei-
genschaften im Auge zu haben.
Wir wissen, dass in Waldbuchten
die zahlreichen, in Verwesung begriffe-
nen Baumabfälle, viel desshalb zur Moor-
bildung beitragen, weil bekanntlich alle
Humussubstanzen die Meteorwassernie-
derschläge‘ äusserst gierig ansaugen und
festhalten.
Die Torferde, welche reich an
Säuren ist, soll nie frisch verwendet
werden, sondern muss längere Zeit ab-
gelagert und dann mit der Beimischung
von Stoffen, welche ihr fehlen, versehen
sein. ’
Die Verwendung der Moor- oder
Torferde ist mit der Bezeichnung Moor-
erde seit geraumer Zeit in unseren Gär-
ten bekannt und theilweise auch hoch
geschätzt, wohl sind aber hierunter in
den meisten Fällen die verwesten Stamm-
theile, oder der in hohlen Bäumen ge-
sammelte Humus gemeint, die gewöhn-
lich in der Weise gesammelt werden,
wie der sogenannte Eisenmoder.
Betrachtet man nur einigermassen
die Flora auf den verschiedenen Torf-
gründen und unsere Alptriften, ganz ab-
gesehen von den Pflanzungen, so, kön-
nen wir die Torf- und Moorerde nichts
weniger als steril nennen,
I. Originalabhandlungen.
Der Gedanke, die Moor- und Torf-
gründe zu cultiviren ist keineswegs alt,
denn es ist noch nicht gar lange, dass
man derlei Gründe halb geschenkt be-
kam, während dem sie heute enorme
Preise haben.
In unmittelbarer Nähe Münchens sind
verschiedene derartige Gründe, von wel-
chen sehr häuflg die oberste Schicht
zum Verkauf als Brennmaterial- abge-
räumt wurde, mit verschiedenen Bäumen,
meistens Obstbäumen, Gemüse, beson-
ders die Kohlarten, Kartoffel, Lein,
Runkelrüben bepflanzt, welche in einer
Ueppigkeit stehen, wie man sie in den
Gärten nicht schöner sehen kann.
Es kann nicht unsere Absicht sein,
über die derartige Verwerthung und die
Behandlungsweise dieser Gründe zu
sprechen, da wir dann sonst auf ein
unsern Absichten fremdes Gebiet kom-
men würden und es sei vorübergehend
nur bemerkt, dass die zur Pflanzung der
genannten Gewächse, verwendeten Torf-
gründe, mit Strassenstaub, Lehm ete.
gemengt werden und dass man dieselben
eine Weile brach liegen lässt und sie
je nach der Eigenschaft des Torfes ob
hoch oder Wiesen, mehr erhöht anlegt
und mit Gruben von Distanz zu Distanz
versieht, das letztere ist namentlich zur
nassen Jahreszeit für ein sicheres Ge-
deihen in allen Fällen von Wichtigkeit.
Wir haben seit drei Jahren sehr
ausgedehnte Versuche mit dieser Torf-
erde zu den verschiedenen Culturen ge-
macht und haben in der That alle Ur-
sache, hierüber Empfehlenswerthes zu
sagen; jedenfalls möchte sie selten so
ausgebreitet verwendet werden, wie das
im hiesigen botanischen Garten der
Fall ist.
Wir beschränken uns nicht allein
auf Topfeulturen, sondern auch für das
freie Land wird sie angewendet. So
173
befinden sich unter anderen sämmtliche
pontische Azaleen auf einem mit dieser
Erdegefülltem Beele, welcher etwas Quarz-
sand und eine kleine Menge von Laub-
erde, ein Viertel im Ganzen, beigemengt
wurde und uberdiess eine verhältniss-
mässig geringe Zugabe von kohlensau-
rem Kali.
Das Beet ist gegen’Morgen gelegen
und nach Norden ziemlich geschützt
und den Winter über mit einem Laub-
und Bretterverschlag versehen, der kei-
neswegs hinreichend gesichert ist, um
die Pflanzen vor Frost zu bewahren.
Dieselben sind nun bereits vier
Jahre an dieser Stelle, und wie bemerkt
dem Froste, anderweits im Sommer der
vollen Sonne ausgesetzt, und sie stehen
in einer Ueppigkeit, dass viele Fach-
männer, denen ich den Sachverhalt mit-
theilte, geradezu erstaunt waren, Bis
jetzt wurde denselben keine weitere Zu-
gabe von Mineraldünger zu Theil.
Für den Winter ist die Vorsorge
getroffen, dass die Pflanzen bisweilen
gelüftet werden können.
Bemerkenswerth ist, dass der Frost
keineswegs nachtheilig auf die Pflanze,
wohl aber auf die Blüthenknospen wirkte
und dieselben sich zwei Jahr hinter
einander nicht entwickelten. —
Das Beet ist während des Winters
mit Moos bedeckt.
Zum Verpflanzen der Neuholländer
Pflanzen gross und klein, zuden Warm-
hauspflanzen wird die Torferde von Has-
pelmoor im Gemenge mit anderen Erd-
arten, je nach Bedarf für die betreffende
Pflanze, ob Laub-, Lehm- oder auch
Mistbeeterde und selbst mit Heideerde
im grossen Maassiabe seit einiger Zeit
angewendet und es ist kein Zweifel,
dass wir in der Weise fortfahren kön-
nen. Die Hauptaufmerksamkeit beruht
auf der Mischung der Erdarten, wie
174
auf der Wahl der Torf- oder Moor-
erde.
Ihre Wirkungen sind sehr verschie-
den und es ist desshalb nöthig, immer
die chemische Zusammensetzung des be-
treffenden Torfes zu kennen.
So günstig wir z. B. über die Has-
pelmoor-Torferde sprechen können, so
ungünstig wäre. über die in unmittel-
barer Nähe Münchens gelegene Torferde
in Schleissheim zu berichten. —
Während Weizen, Rüben, Astern
in dem Schleissheimer Torf einen höchst
kümmerlichen Wuchs haben, die Kali-
pflanzen wie die Rübe kaum vegetiren,
der Weizen zur Blüthe kam, jedoch fast
Körnerleer blieb, stehen dieselben Pflan-
zen in der ungedüngten Torferde des
Haspelmoores um. vieles besser, und
man möchte beim ersten Anblick glau-
ben, es wäre eine Mineralsättigung bei-
gegeben, so auffallend sind die Unter-
schiede. —
Versuche mit Blumen, als Astern,
Geranien, Chrysanthemum und Bego-
nien, welehe dieses Jahr gemacht wur-
den, sollen bei nächster Gelegenheit,
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Gegenstand einer ausführlichen Bespre-
chung sein — es fehlt zur Stunde noch
die Analyse einer Pflanzenasche, welche
um einen verständigen Ueberblick zu
geben, beigegeben werden muss. —
Nicht ohne besonderen Werth ist
wohl noch, dass die Bodentemperatur
in dieser Moorerde um 5—8° R. höher
ist als die Temperatur des umgebenden
Bodens.
Messungen, die in diesem Jahre ge-
maeht wurden, ergeben Folgendes: Ein
Haufen der Torfkleie von Haspelmoor,
welcher 4° hoch und 8‘ lang angelegt
ist, ergab eine Wärme im Monat Juni
von 19° R., während die Erde gleich
sonnig gelegen und gleich tief gemessen
nur 100 R. zeigte,
Derselbe Torf, mit Lauberde gemengt,
ergab eine Wärmedifferenz von plus 50
gegen die reine Lauberde.
Indem wir die heutigen Mittheilun-
gen schliessen, behalten wir uns vor,
über weitere Versuche später noch ei-
nige Notizen zu geben.
München, im Februar 1866.
Max Kolb.
3) Berichtigungen einiger schönblühenden einjährigen Pflanzen,
welche während der Semmermonate 1865 im Kalis. botanischen
&arten zu St. Petersburg eultivirt wurden.
1) Arctotis acaulis L.y. undu-
lata D. ©. Cf. Jacg. hort. Schoen-
brunn. Il. t. 160. Von Benary unter
dem Namen A. breviscapa.
2) Boisduvalia Douglasii
Spach = Oenothera densiflora Lindl.
Ci. Bot. Reg. t. 1593. Von Huber
freres, ist zwar eine niedliche Pflanze
mit röthlich-lila Blümchen, aber als
Florblume durchaus nicht
pfehlen.
3) Browallia viscosa H,B.K.
Von Huber freres unter dem Namen B,
Czerwiakowskyana und von Moehring
unter dem Namen B. pulchella. Cf. Rgl.
Gartenflora t. 142. f. 2.
4) Callirho& pedata A. Gray.
Cf. A. Gray gen. t. 118. Von Moeh-
zu em-
I. Originalabhandlungen.
ring unter
mila.
5) Campanula linifolia Lam.
var. soldanellaeflora plena. Von
Haage und Schmidt unter dem Namen
C.rhomboidea var. soldanellaeflora plena,
ist eine allerliebste Varietät und sicht
ganz eigenthümlich und zierlich aus mit
ihren geschlitzten Petalen.
6) Capsicum pendulum W. Cf.
Fingerhut Monogr. t. VO. Von Haage
unter dem Namen C. mierophyllum.
7) Chrysanthemum carnosu-
lum D. C. Von Haage und Schmidt
unter dem Namen Ismelia coronopifolia,
8) Clarkia elegans Dougl. var.
fl. semipleno. Cf. Bot. Mag. t. 3592.
Von Haage und Schmidt unter dem Na-
men C. e. splendens.
9) Cleome pentaphylla L. CA.
Bot. Mag. t. 1681. Von Huber fröres
unter dem Namen C. muricata.
10) Collinsia bicolor Benth.,
Cf. Bot. Mag. t. 3488. Von Haage und
Schmidt unter dem Namen C. corym-
bosa, Bei unserer Pflanze ist die un-
tere Lippe bläulich-lila und die obere
weiss.
1l) Coreopsis Drummondii
Torr. et Gray. Cf. Bot. Mag. t. 3474.
Von F. A. Haage unter dem Namen C.,
D. grandiflora.
12) Delphinium grandiflorum
L. 8. chinense D. C. Cf. Bot. Reg.
t. 472. Von Moehring unter dem Na-
men D, sinense nanum.
13) Eudianthe
Rchbch. var, fimbriata. Von Be-
nary unter dem Namen Agrostemma
coeli rosa nana fimbriata, ist zwar eine
hübsche Varietät, aber offenbar nicht
constant, denn es finden sich an einer
Pflanze stärker ausgezackte und einfach
ausgerandete Blumenblätter, Den Bei-
namen nana aber verdient sie gar nicht.
dem Namen C. p. pu-
coeli rosa
175
14) Gilia capitata Sims (f.
Bot. Mag. t. 2698. Von Benery unter
dem Namen G. species californica.
15) Gilia lutea Steud. var,
brunnea. Von Benary unter dem Na-
men Leptosiphon hybridum, ist eine
schöne neue Varietät mit braunrothen
Blumen, welche bald ins Gelbbraune,
bald ins Graubraune spielen.
16) Gypsophila muralis L. var.
serotina Hayne. Von Haage und
Schmidt unter dem Namen G. Saxi-
fraga.
17) Helychrysum rupestreRaf,
Cf. Rehbeh. fl. germ, XVI. t. 952. Von
Haage unter dem Namen Elichrysum
elegans.
18) Iberis amara L. Cf. Rehbch.
fl. germ. I. t. 7. Von Benary unter
dem Namen I, pectinata, von Moehring
als I. coronaria und von Haage und
Schmidt als I. coronaria regia.
19) Iberis umbellata L. Von
Moehring unter dem Namen I. u. nana
superba.
20) Leontodon hispidum L.
Von Haage und Schmidt unter dem Na-
men Arnica montana,
21) Lupinus Barkeri Lindl. Cf.
Bot. Reg. XXV. t,56. Von F. A, Haage
unter dem Namen L. venustus tricolor,
22) Lupinus elegans H. B.K.
var. Dunetti. Cf. Bot. Reg. t. 1581.
Von F. A. Haage unter dem Namen
L. Dunetti atroviolaceus.
23) Lupinus elegans H,B.K,
var. hybridus, Von F. A. Haage
unter dem Namen L. albococeineus,
24) Lupinus Hartwegii Lind],
Cf. Bot. Reg. XXV, t.31. Von Moch-
ring unter dem Namen L. californieus.
25) Nemophila atomariaFisch.
et Mey. var. discoidalis. Von Be-
nary unter dem Namen N. discoidalis
elegans, vittata und marmorata; sind
176
Alles Formen und nicht einmal schöne
Formen der N. atomaria var. discoidalis
und weder durch Grösse der Blumen,
noch durch Reinheit der Farben und
der Zeichnung ausgezeichnet.
26) Nemophila insignisBenth.
var striata (Woher?) Die Zeichnung
der Blumenblätter ist unregelmässig und
unrein und daher die alte ächte N. in-
signis dieser neuen Varietät vorzu-
ziehen.
27) Nemophila maculata Benth.
Von Benary unter dem Namen N. ma-
culata „purpurea‘; ist aber weiter
nichts als eine N. maculata mit ver-
schwommenen Farben, von „Purpur‘“
war nichts zu sehen.
28) Nicotiana suaveolens
Lehm. €Cf. Bot. : Mag. t. 637. Von
Huber freres unter dem Namen N. vin-
caeflora.
29) Nigella hispanicaL, var.
alba von Haage und var. atropur-
purea von Benary. Diese beiden Va-
rietäten sind empfehlenswerth.
30) Nolana atriplieifolia Don.
Von Benary unter dem Namen N. lan-
ceolata; ist weiter nichts, ais eine Va-
rietät von N. atriplicifolia.
31) Oenothera amoena Lehm.
y. Lindleyi Dougl. Cf. Bot. Reg. t.
1405 und Bot. Mag. t. 2832. Von Haage
und Schmidt unter dem Namen ©. di-
versiflora, Godetia reptans alba und r.
purpurea und von Moehring unter dem
Namen G. rubicunda splendens.
32) Oenothera amoena Lehm.
n. rubicunda plena. Cf. Bot. Reg.
XXI. t. 1856. Von Benary unter dem
Namen Godetia Lindleyana.
33) Portulaca grandiflora Cam-
bess. var. fl. pleno carmineo. Von
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Haage und Schmidt unter dem Namen
P. fl. pleno extra.
34) Solanum Pterocaulon Dun.
Von Moehring unter dem Namen S. he-
terogonum.
35) Sphaerostigma bistortum.
Walp. = Oenothera bistorta Nutt. Von
Veitch, hat aber nur kleine gelbe Blu-
men und ist desshalb als Florblume
nicht zu empfehlen,
36) Sphenogyne anthemoides
R. Br. Cf. Bot. Mag. t. 544. Von
Haage und Schmidt unter dem Namen
S. versicolor.
37) Sphenogyne speciosa
Maund.'Cf. 'Paxt. Mag.” VE "12977.
Von Moehring unter dem Namen S$.
erocea.
38) Statice Bonduelli Lestib.
Cf. Ann. d. sc. nat. III. ser. t. XVI.
p. 81. t. 17. Bot. Mag. t. 5158. Von
Haage unter dem Namen St. B. alba;
ist aber die ächte St. Bonduelli Lestib.
und nicht abzusehen , warum Haage ihr
den Beinamen alba gegeben hat, denn
sie blüht schwefelgelb.
39) Tripteris cheiranthifolia
C. HB. Sch. Bip. Von Haage und
Schmidt, ist richtig, aber keine Zier-
pflanze und riecht ähnlich abscheulich
wie Chenopodium foetidum.
40) Verbena Spr. CH.
Sweet fl. g. t. 295. Von Moehring un-
ter dem Namen V. pulchella caerulea.
41) Vesicaria sinuata Poir. Of.
Rehbeh. fl. germ. II. t. 21. Von Huber
freres unter dem Namen V. grandi-
flora.
42) Vieia PseudocraceaBertol.
Von Haage und Schmidt unter dem
Namen V. tricolor.
tenera
(F, v. Herder.)
je)
N Ye
ee
=;
a.
Ru
Un
II. ‘Neue Zierpflanzen.
Abgebildet im Botanical-Magazine.
1) Palumbina candida Kchb. fil. Or-
chideae. — Die Gattung Palumbina ward
von Reichenbach von Oncidium nach dem
Typus der in Rede stehenden Art getrennt,
die Lindley (Bot. Reg. XXIX mise. 76. —
Folia orchid. N 53) als Oneidium candidum
beschrieben hat. Scheinknollen länglich,
zusammengedrückt, auf der Spitze einschwert-
förmiges Blatt tragend. Blumen stehen in
gracilen Trauben, die aus dem Grunde der
Scheinknollen entspringen und länger als
die Blätter sind. Jede Traube wird von
3—5 Blumen gebildet; deren jede ungefähr
1 Zoll im Durchmesser hat und gänzlich
weiss ist. Das obere Kelchblatt länglich,
fast spitz, die unteren Sepalen verwachsen
in eines von der gleichen Grösse, wie das
obere. Blumenblätter länglich und spitzlich.
Lippe: so lang oder wenig länger als die
Blumenblätter, aus abgerundetem Grunde
länglich 3seitig, am Grunde mit gelber roth
gefleckter Scheibe. Säule kurz, mit der
Lippe verwachsen, mit gespreizten häutigen
Flügeln. Pollenmassen, jede mit einer cau-
dieula versehen, die einer gemeinsamen,
abermals aufgewachsen. Aus Mexico, von
Hartweg eingeführt, blühete diese Orchidee
zuerst beim Hrn. Consul Schiller in voll-
kommener Schönheit. — (tab. 5546.)
2) Thibaudia jessicae Hook. Vacci-
mieae. — Linden in Brüssel führte diese
Art von den Gebirgen bei Caracas ein und
vertheilte sie als Thibaudia macrophylla.
Bei James Bateman kam solche im Septem-
ber des letzten Jahres in Blüthe. Eine
schöne, durchaus kahle Pflanze. Blätter
gross, oval und schwanzförmig zugespitzt,
am Grunde abgerundet, ganzrandig, fast
5nervig. Blüthentrauben kurz, einzel ste-
hend, viel kürzer als die Blätter, von kur-
zem dickem Blüthenstiel getragen.
gross, ungefähr 1!/, Zoll lang. Kelch
scharlachroth, mit stumpfen Zähnen. Blu-
menkrone länglich-walzlich, hellroth. Staub-
fäden kurz und dick. Antheren gehen in
VL 1866.
Blumen
17
Neue Zierpflanzen.
einen Schnabel aus, der kürzer als das An-
therenfach. — Von der ächten T. macro-
phylla unterscheidet sich diese neue Art
durch dünnere häutigere grössere Blätter,
grosse Blumen und kurze Blüthenstiele,
(Tab. 5547).
3) Calceolaria hyssopifolia Humb. Bompl.
Knth. (H.B.K. nov. gen. et spec. II. 386. —
Benth. in D. C. prodr. X, 222.) Scerophula-
rinae, — Eine strauchige Calceolaria aus
Chili mit gelben Blumen. Ein bis 4’ hoher
Strauch, der fast kahl und klebrig behaart.
Die unteren Blätter linien-lanzettlich und oft
klein sägezähnig, die obern linear und
ganzrandig, unterhalb weisslich. Blumen
in einer laxen doldenförmigen Rispe. Blu-
menkrone gelb, mit kleiner concaver Ober-
lippe und sehr grosser verkehrt-ovaler rund-
licher Unterlippe. Schöne Art im Sommer
für Blumengruppen im freien Lande. (tab.
5548).
4) Palafoxia Hookeriana Torr. ei Gray.
(Fl. of North. Am. I. 368. P. texana Hook.
ic. pl. tab. 148 non D. C) — Compositae.
Eine reizende perennirende Pflanze, die aus
Neu-Mexiko in den Garten zu Kew durch
Dr. Parry eingeführt wurde. In Petersburg
dürfte solche zu den Topfstauden zu rech-
nen sein. Blätter lanzettlich, 1—3 nervig.
Hüllkelch 12 bis mehrschuppig; Schuppen
zweireihig, die äusseren lanzettlich, die in-
neren verkehrt oval-lanzettlich oder läng-
lich. Strahlenblumen 8— 10, breit keilför-
mig, 3theilig, purpur, noch einmal so lang
als der Hüllkelch. Scheibenblumen röhrig,
4lappig, purpur. Federkrone der Frücht-
chen der Strahlenblumen besteht aus 6—8
lanzettlichen zugespitzten Schuppen, die so
lang als das behaarte Früchtchen. Die
Früchtchen der Scheibenblumen kahl und
mit sehr kurzen stumpten Schüppchen ge-
krönt. — Die Stengel dieser reizenden
Pflanze werden 2—4 Fuss hoch und tragen
auf der Spitze die 1'/, Zoll im Durchmesser
haltenden Blüthenköpfe in einer doldenför-
migen Rispe, (tab. 5549).
12
Bo,
5) Trichopylia Turialvae Rchb. fil.
(Hambrg. Grtztg. 1863. pag. 11.). — Epi-
phytische Orchidee aus den Gebirgen von
Veragaas, ähnlich der Tr. albida. Kelch-
und Blumenblätter linien-lanzettlich, grünlich
weiss. Lippe weiss, am Schlund roth punc-
tirt, innerhalb gelb. (tab. 5550.)
6) Dianella tasmanica Hook. (fl. tasm.
I. pag. 57. tab. 133. A.). Liliaceae.
Eine Perennie fürs Kalthaus. — Wurzel-
blätter lang und breit schwertförmig, an
den zurückgeschlagenen Rändern und dem
Kiel fein gesägt. Blüthenschaft 4—5 Fuss
hoch, trägt die Blumen in einer Rispe.
Blüthenstiele fast büschelförmig und vorn
die Blüthenstielchen zurückgebogen. Blu-
men blau, mit später zurückgeschlage-
nen Petalen. Antheren klein, kürzer
als der verdickte Theil der Staubfäden.
Beeren länglich -kugelförmig, violett. (tab,
5551.)
Abgebildet inIllustrationhorticole,
7) Allamanda Hendersoni h. Angl. Apo-
I.
1) Gartenbau-Akademie in Chis-
wick. Die Londoner Gartenbaugesellschaft
gründet in ihrem Garten eine Gartenbau-
Akademie zur Bildung von Gärtnern. Er-
fahrene Gärtner, die zugleich die Kenntnisse
besitzen, um Unterricht zu geben, stehen
den verschiedenen Abtheilungen des Gar-
tens vor.
Als Studenten des Gartenbaues werden
gesunde junge Leute aufgenommen, welche
die Examina bestehen können. Solche sollen
nicht unter 20 Jahren alt sein und müssen
mindestens schon 3 Jahre sich in einem an-
deren Garten beschäftigt haben.
Am Schlusse des Cursus werden zwei
Examina gemacht. Das eine als Gärt-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
cynaceae. Eine Allamanda aus Guiana mit
gelben Blumen. Warmhausstrauch der den
anderen Allamanda-Arten mit gelben Blumen
nah verwandt ist, und wie es scheint, sich
vorzüglich durch enorm grosse Blumen, de-
ren Saum bis 5 Zoll im Durchmesser hält
und am Schlund 5 weissliche Flecke zeigt,
unterscheidet. Ward vom Hrn. Bull in
London eingeführt und wird als eine Pflanze
empfohlen, die den ganzen Sommer hin-
durch blühet. (lab. 452).
8) Lantana. Die Tafel giebt die Ab-
bildung von 3 vorzüglich- schönen Garten-
varietäten von Latana, nämlich Lantana
Conqueror mit blutrothen Blumen, L. Rou-
gier-Chauviere mit leuchtend orangerothen,
im Aufblühen gelben Blumen und ZL. ele-
gantissima mit im Aufblühen gelblichen,
später schön rosa-lilafarbenen Blumen. (tab.
453).
9) Camellia Dionisia Poniatowsky.
Grosse milchweise vorzügliche Blumen von
dachziegelförmigem Bau. (tab. 454).
(E. R.)
Notizen.
ner,’das ausser Lesen, Schreiben und Arith-
metik in allen Theilen des practischen Gar-
tenbaues gemacht wird.
Das andere als Gehülfen der Ge-
sellschaft (Associates of the Society)
Ausser dem gleichen Examen ist noch ein
solches zu bestehen in Buchhaltung, Geo-
metrie, Messkunst, Planzeichnen, Theo-
rie der Gärtnerei, systematische Botanik
und Anlage von Gärten.
Die Gesellschaft ertheilt nach den be-
standenen Examen die Diplome. — Der
vollständige Plan findet sich in der Nummer
für August bis November 1865 der Procee-
dings of the Royal Horticultural Society. —
IH. Notizen.
179
1) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke.
(Fortsetzung.)
Veltheimia viridiflora, Jacq. (Aletris ca-
pensis, L.) Bot. mag. 501. ?I. Cap.
d. g. H. Schöner Wuchs. Blüthezeit.
R. Gen.
Lachenalia, unicolor, Jaeq. ie. c. br. t. 389.
%. Cap.d.g. H. Schön.
liliflora, Thbg. Jacg. ic. var. 387. Bot.
mag. 1373. 2]. Cap. d. g. H. Schön-
heit, Biume weiss.
-. tricolor,. Thbg.
Farbe. Blüthezeit,
Eucomis punetata , Ait.
21. Cap. d.lig. H.
Bot. mag, 1529 u.
913. 7]. Cap. d. g. H. Farbepuncte
der Blätter. Längere Traube als die
folgende.
regia, Herit. (A. undulata, Ait.) Bot.
mag. 1083. Cap. d. g. HB. Blattbüschel
oberhalb des Blüthenstandes. Blüthezeit.
Seilla Clusiana, Endl. (S. peruviana, L)
Bot. mag. 749. ?|. Portugal, Sardi-
Blüthenstand reich, pyramidal.
Urginia Seilla, Steinh. (Scilla maritima, L.)
Hayne Arzneipfl. Bd. 11. 21. Berg u.S.
Arzn.pfl. ?|. S.-Europa. Office.
Ornithogalum arabicum, L. Bot. mag. 728.
?!. Küsten des Mittelmeeres.
scilloides, Jacq. Hort. Schbr. 88. ?].
Cap. d. g. H. Oberirdische gr. Zwie-
beln. Entwicklung der Brutzwiebeln!
(s. Mohl bot. Ztg. 1859). Wird oft
irrig als Scilla (Urginea) maritima cul-
tivirt.
aureum, Curt. Bot. mag. 190.
d. g. H. Schönheit.
Albuca altissima, Dry. Jaegq. ic. rar. 441. ?].
Cap. d. g. H. 3! Staubfäden.
major, L. Bot. mag. 804. Jacg. ie.
rar. 443. ?]). Cap.d. g. H. 3! Staub-
fäden.
fragrans, Jaeg. Hort. Schbr. t. 84. ?}.
(Hierherein gehören zahlrreiche Arten
v. Allium, welche aber als Pflanzen
des freien Landes behandelt werden.)
nien.
?1. Cap.
Arthropodium eirrhatum, RBr. Bot. Mag.
2350. ?I. Felsen d. nördl. Neuseeland.
Staubfäden.
paniculatum, RBr. Bot. Mag. 1421.
’i. Oestl. Australien. Staubfäden! Zier-
licher Wuchs.
Chlorophytum inornatum, Ker. Bot. mag.
1061. 1223. I. Sierra Leone. Spros-
sung am Blüthenstengel.
Thysanotus junceus, RBr. Bot. reg. 656. ?%].
Oestl. S.-Australien. Kelch! Kronblät-
ter wimperig.
Echeandia terniflora, Ort. (Conanthera
Echeandia, Pers.) Link. u. O. ie. rar.
t. 3. #2 Mexico. Rp. g. et subfa-
milige?
Asparageae.
Dianella revoluta, RBr. ?[. Bot. Reg. 1120.
S.-O.- Australien. R. G. Kletternder
Wuchs.
Myrsiphyllum asparagoides, Willd. (Me-
deola .. .. L.) Redoute, Lil. 442. 9. 8.
N.-Seeland u. Norfolk. Ins. Phyllocla-
dien!
Beaucarnea tuberculata, Lemaire (Dasy-
lirion .... Scheidw. Pincenectitia...
Hort.) h. Mexico. Knollige Verdickung
des unteren Stammtheiles. Einhäusige
Blüthen. Auch die anderen Arten, B.
strieta (= glauca Hort.) B. recurvata
u. gracilis sind merkwürdig.
Cordyline *) ausiralis, Jacq. (Dracaena
*) 5. Planchon. nouveaux details sur la
synonymie des plantes connues sous le
nom de Dracaena et de Cordyline, in
v. Houtte fl. de serres Bd. VI. p. 132. —
Regel, die Arten der Gattung Dracaena
und Cordyline, in Gartenflora Bd. 8.
p: 320. Derselbe, in Koch’s Berliner
allgem. Gartenzeitung.
1275
480
. .. Forst. Dracaenopsis .... . Planch.)
h. Bot. mag. 2835. Ins. des stillen
Oceans. Schöner Wuchs, mit gedrängt
stehenden breiten Blättern.
heliconiaefolia, Ott. D. (Calodra-
con... Planch. Dracaena brasiliensis,
Röm. Sch. h. Bot. reg. t. 1749. Ab-
wärts steigendes Rhizom.
“Jaequini, Kth. (Calodracon ....
Plch.; Dracaena ferrea, L. D. termi-
nalis, Jacq.) H: Bot. mag. 2053. Jac-
quin ic. rar. 448. China.
var. foliis purpureis et variegatis.
—.. strieta, Endl. (Dracaena . ... Curt.
Charlwoodia . . . Pleh. D. paniculata,
Hort.) h. Bot. mag. 2575. Neu-Seeland.
Zierlicher Wuchs eines lang hinan be-
blätterten Stammes.
Dracaena Draco, L. h. Hayne, Arzn, Gew.
Bd.,2. 1.12: V..Houtte.fl. d.,5..6;1.28.
Berthelot. Nov. act. act. leop. 13. t. 35.
Webb. et Berth. hist. n. d. i. Canaries,
t. 8. Canarische Inseln. Rothes Harz;
Drachenblut.
fragrans, Gawl. H. Bot. mag. 1081.
(Aletris ... L. Cordyline ... Plch.)
Blüht leicht, wohlriechend.
Aphyllantheae.
Aphyllanthes monspeliensis, L. Reichb.
D. Fl. IX. tab. 418. ?|. S. Frankreich.
Xanthorhoea hastile, Sm. Bot. mag.
4722. .V. Houtte fl. d. S. IX. t. 868. }).
Seltsamer Wuchs. Harz.
—
Gilliesieae.
Gilliesia graminea aus Peru, Bot. Reg.
992, sollte in Gärten vorhanden sein.
Smilaccae.
Smilax Sarsaparilla L. Dass diese Spe-
cies keine offieinelle Wurzel liefert, ist
bekannt. Welche Species die in den
Gärten unter obigem Namen verbreitete
Pflanze sei, ist nicht bestimmt. Man
sollte Sm. mediea Schldl., aus Mexico,
in die Gärten einführen, weil deren
Wurzel im anatomischen Bau mit der
im Handel Veracruz Sorte genannten
übereinstimmt.
Gartenflora Deutschlands, ‚Russlands und der Schweiz.
Smilax aspera, L. ?|. Ob.-Italien. Stacheln.
Nebenblattranken.
Ruscus Hypoglossum, L. ?|. Reichb. D.
FI. X. tab. 437. h. Ob.-Italien, Ungarn.
— „aculeatus, L. Reichb. D. EI X t
437. &. Ob.-Italien u. westwärts.
androgynus, L. (Danaida racemosa, Lk.)
Bot. mag. 3029. h. $. Canar. Inseln.
Aspidistreae.
Rhodea japonica, Roth. (Orontium . ..
Thbg ) Bot. mag. 898. Japan. Naga-
saki, auf trockenen Hügeln.
Plectogyne variegata, Lk. (Aspidistra
elatior Blm.) Hoeven, Tydsch. 1854. t. 3.
?l. Japan. Blumen 8theilig, fast in
die Erde versenkt. Narbe schildförmig.
Macrostigma tupistroides, Kth. Regel, Gar-
tenfl. VI. t. 192. ?|. Vaterland ? Narbe!
Ophiopogoneae.
Ophiopogon spicatus, Gawl. (Convallaria
... Thbg.) Bot. reg. 593.
— Jaburan Lodd. 6 Cab. 1876. ?|. Hong-
kong.
Flüggea japonica, Rich. (Convallaria .. .L.
Ophiopogon .... Gawl. Diuris spiralis
Hort. Berol.) Bot. mag. 1063. ?|j. Ja-
pan; China.
Peliosanthes Teta, Andr. ?|[. Bot. mag.
1302. O.-Indien. Die Samen zerspren-
gen die Frucht und reifen blosgelegt.
Eriospermeae.
Eriospermum lancaefolium, Jacq. Ie. rar.
t. 421. |. Cap. d.g. H. Samen am
Grunde mit einem Haarkranz.
Herrerieae.
Herreria Salsaparilla, Mart. Flor. Brasil.
fasc. V. t. 4, 5: Bot. reg. t.. 1042. (H.
brasiliensis, Hort.) ?j. $. Rpr.
Roxburghiaceae.
Roxburghia gloriosoides, Lam. Bot.
mag. 1500. h. $. Ostindien. Rpr. 4zäh-
lige Blumen mit seltsamen Staubblät-
tern.
Philesia buxifolia, Lam. h. Magellans Bay.
IT. Notizen.
181
Lapageria rosea, Pv. Bot. mag. 4447. V. | Sisyrinchium maculatum, Hook. Bot. mag.
Houtte fl. d. s. V. t. 491. h. Chili in
Wäldern. Grosse schöne Blume. Frucht-
knoten einfächerig; Samen wandständig.
Dioscoreae.
Dioscorea sativa, L. Rheede hort. Malab.
8 t. 51.— Linne Hort. Cliff. t.28. ?1. $.
Diese ächte Art ist sehr selten, meistens
findet man statt ihrer D. bulbifera, L.
= Helmia . ... Kth. Rheed. h. Mal. t.
7. t. 56. Whigt. ie. pl. ind. or. t. 878.
— Beide werden in tropischen Ländern
vielfach cultivirt.
Dioscorea Batatas, Desn. v. Houtte fl. d.
s. X. 971. China. Nutzpflanzung mit
langkeuligen Knollen. Cultur, siehe v.
Houtte fl. d. s. 11. p. 26.
Testudinaria Elephantipes Burch. (Dios-
corea ... .Spr. Tamus. . . L’Herit. Bot.
reg. 921. Bot. mag. 1347. Capland. —
Knolliger Stock mit gefeldeter Rinde.
Taccaceae
Ataceia cristata, W. Jack. V. Houtte A,
d. s. ?j. Singapore. Rpr.! (Tacca inte-
grifolia der Gärten, ist entweder die
Pflanze Gawlsr’s in Bot, mag. 1488 od.
T. lancaefolia Zoll. Morr.).
Hydrocharideae.
Vallisneria spiralis, L. Rchb. fl. D. VII.
60. Südw. Europa. Die männliche Pf.
sollte auch vorhanden sein in Gärten.
Eine vielfach merkwürdige Pfl., wegen
der Befruchtung, Blüthenbau, Saftbewe-
gung in den Zellen sichtbar.
Burmanniaceae.
Aus dieser Familie ist wohl noch nirgends
eine Art in Gärten vorhanden.
Irideae.
Sisyrinchium Bermudiana, L. Cav. diss,
192. ?|. Bermudas-Insel.
— anceps, Lan. (S. gramineum, Ker. Bot.
mag. 464). N.-Amerika, geflügelter
Stengel. Blaue Blumen.
3197. Chili.
Sisyrinchium striatum , Smith. (Moraea ser-
tata, Jacg. Hort. Schnbr. t.11. Bot. mag.
701. Mexico.
Libertia paniculata, Spr. (Renealmia .
RBr.) ?[. S.-O.-Australien.
Marica Sabina, Lindl. ?|. Ins. St. Thomas.
Langgestreckte Ausläufer,
Cipura coerulea, Endl. (Marica.... Ker.;
Bot. reg. 713). Brasilien. R. G.
Moraea edulis, Ker. Bot. mag, 630. M. ve-
geta, Jacgq. ic. rar. t. 224. ?|. Capland.
— tricuspis, Gawl. Vieusseuxia glauco-
pis, D. C.) Bot. mag. 696 u. 772. Cap-
land. Blume weiss, mit azurblauen
Flecken.
— ciliata, Ker. Bot. mag. 1012. 7|. Cap-
land. Blume variirt in der Farbe gelb,
lila, karmoisin, Blume mit gelbem
Flecken.
Iris Xiphium, L. (J. variabilis Jacq.) Bot.
mag. 686. ?|. Spanien und Portugal. —
Rhizom.
— tuberosa, L. Bot. mag. 551. ?|. S.-Eu-
ropa. Rhizom.
— moracoides, Ker., (Moraea iridioides,
L. Jacq. H. Schnbr. 196.) ?j. Capland.
— chinensis, Curt.; Bot. mag. 373. (J.
fimbriata, Vent. Hort., Cels. t. 9). ?j.
Ostindien. Blüthezeit und Zartheit der
Blumen.
susiana, L. Bot. mag. 91. V. Houtte
fd. 8. 11.1.108722]2 Persien, Grösse,
und seltene düstere Farbe der Blumen.
Cypella plumbea, Seidl. (Bot. reg. 1838 und
Phallocallis — C. 3710. ?;. Mexico,
Rpr. gen, grosse Frucht.
TigridiaPavonia, Juss. (FerrariaPavoniaL.)
Bot. mag. 532. v. Houtte fl. d. s. X.
1632.
Ferraria undulata, 1. Jacq. H. Vindob. t.
63. Bot. mag. 144. Capland. Seltsame
Blume.
Pardanthus chinensis, Kees. (kxia...L.)
Bot. mag. 171. Rpr. gen. V. Houtte
fl. d. s. 1632 Trew. ic. sel. 52.
(Fortsetzung folgt.)
182
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
WW. Literatur
1) Verzeichniss mit kurzer Be-
schreibung über die Aussaat
und Zucht der beliebtesten Nutz-
und Ziergewächse, nebst Anlei-
tung zu verschiedenen anderen
Culturen, von Carl Schickler in Stutt-
gart. (Commission von Gustav Weiss
in Stuttgart).
Dieses Schriftehen von 190 Seiten (in
klein 8) ist eines derjenigen, welche Han-
delsgärtner zur Anweisung für ihre Kunden
und Ausbreitung ihres Rufs veröffentlichen,
zeichnet sich aber von ähnlicher Anleitung
durch eine grössere Menge von Specialeulturen
aus, indem jede Pflanze einzeln besprochen
wird. Die Culturanweisungen sind gut, na-
türlich sehr kurz. Schon erfahrene Blumen-
freunde können dieses Büchelchen mit Nutzen
gebrauchen und dem Anfiünger zeigt es we-
nigstens, was er mit den Samen oder Pflan-
zen ungefähr zu thun hat. Etwas sehr
kurz — 2 Seiten — ist die allgemeine Be-
lehrung weggekommen. J.
2) Taschenbuch für Pomologen,
Gärtner und Gartenfreunde, he-
rausgegeben von Ed. Lucas. V. Jahr-
gang. Ravensburg, Dorn’sche Buch-
handlung. 1865.
Der Werth eines Taschenbuches besteht
besonders in der Mannichfaltigkeit und Reich-
thum des Inhalts. Unter diesem Gesichts-
punkte übertrifft der vorliegende V. Jahr-
gang seine sämmtlichen Vorgänger,
wenn natürlich Vieles nicht neu ist, so wird
doch jeder Gärtner und Gartenfreund so
viel Brauchbares für sich finden, dass ihm
das Buch werthvoll wird. Wir können es
daher mit voller Ueberzeugung empfehlen.
Der Mehrzahl nach sind die in dem Taschen-
buche enthaltenen Aufsätze Arbeiten der
Zöglinge des Pomologischen Instituts in
Reutlingen. Von der Mehrzahl derselben
kann man keine botanischen Meisterstücke
erwarten, und es genügt auch, wenn bei
und
praktischen Sachen nur die Thatsachen rich-
tig angegeben sind. Aber der Herr Heraus-
geber hätte doch seine verbessernde Hand
an manche sehr schülerhafte Arbeit legen
sollen. Dergleichen mag als Examenarbeit
oder schriftliche Debung genügen, man darf
aber damit nicht vor das Publikum kom-
men, und erwartet mit Recht gutes Deutsch.
Dass dieser gerügte Mangel der Benutzung
des Buches keinen Eintrag thut, braucht
kaum erwähnt zu werden, denn wie gesagt,
der Inhalt ist im hohen Grade belehrend.
3) Kurze Anleitung zur Obstcultur.
Als Leitfaden bei Vorträgen über Obst-
bau an Seminarien, pomologischen- und
Gartenbau- Instituten, landwirthschaft-
lichen Lehranstalten und Fortbildungs-
schulen, wie auch zum Selbstunterricht.
Von Eduard Lucas. Ravensburg
1866. Verlag der Dorn’schen Buch-
handlung.
Wenn ein Schriftsteller, wie der Ver-
fasser, der schon Unübertroffenes in diesem
Fache geleistet hat, mit einem neuen Buche
hervortritt, so muss man es als ein beson-
deres Ereigniss betrachten. Diese neue
Schrift des berühmten Verfassers von nur
6 Bogen umfasst den ganzen Obstbau, mit
Ausnahme der künstlichen Baumzucht, dazu
noch die Obstbenutzung und die Obstsy-
steme. Es soll ein Schul- und Volksbuch
und Zwecke auf
höhere Veranlassung bearbeitet. Dass der
Verfasser die Abfassung in die Hände nahm,
ist um so höher anzuschlagen, als ähnliche
kurze Anleitungen von sehr untergeordnetem
Werth, viele sogar recht schlecht sind und
ganz falsche Lehren verbreiten. Daher wird
auch bald die Lacas’sche Anleitung zur Obst-
eultur alle kleineren Bücher dieser Art ent-
behrlich machen und verdrängen. Auf den
inhalt können und wollen wir nicht ein-
Es ist ein so durchdachtes Werk,
dass die Kritik alles als gut annehmen muss,
was darin steht. Dabei war Kürze und
sein, wurde zu diesem
gehen.
IV.
schärfste Fassung jeder Lehre das erste Be-
streben des Verfassers. Das kleine Buch
enthält auch 4 Tafeln über 100 sehr deut-
liche Abbildungen, darunter manches Neue.
Die Erläuterung der Abbildungen ist unge-
- wöhnlich ausführlich. J.
3) Der deutsche Pomologenver-
ein hat den Rechenschaftsbericht
von 1864-1865 veröffentlicht, und
wir erfahren daraus, dass sich die Zahl der
Mitglieder um 100 vermehrt hat, indem sie
jetzt 500 beträgt. J.
4) Vom Illustrirten Handbuch der
Obstkunde, herausgegeben von
Fr. Jahn, Ed. Lukas und J. G. C.
Oberdieck ist jetzt die vierzehnte
Lieferung (vierten Bandes III. Lieferung)
Aepfel enthaltend, erschienen.
Es wurden bis jetzt 541 Aepfel- und
442 Birnsorten, sowie 109 Kirschen und 117
Pflaumen beschrieben und in ihren Durch-
schnitten abgebildet. Welche Ausdehnung
das Werk erhalten soll, ist noch nicht be-
kannt geworden, auch ist kein Käufer auf
mehr als einen Band verpflichtet. Nach un-
serer Ansicht scheint es doch zweckmässig,
dem vortrefflichen Werke bestimmte Grenzen
zu setzen, denn wollte man so lange fort-
fahren, als sich noch unbeschriebene oder
nicht in diesem Werke beschriebene brauch-
bare Obstsorten finden, so würde das Werk
endlos werden. Nachträge oder Folgen
werden und können nicht ausbleiben; aber
neue Obstsorten gehören vorläufig nurin die
periodischen Schriften. Vor allen Dingen
dürfen die Besitzer einen Band über die
bisher noch nicht berücksichtigten Obst-
früchte: Beerenobst, Nüsse, Kastanien etc.
mit Recht erwarten, ehe man mehr neue
Kernobstfrüchte beschreibt. J.
4) Verhandlungen urd Mittheilun-
gen des Gartenbau-Vereins in
Erfurt, herausgegeben vonF. Jühlke,
bearbeitet von Th. Rümpler. Berlin
1862. Verlag bei G. Bosselmann. —
Ein Band voller interessanter und nütz-
licher Daten für Deutschlands Gartenbau.
Literatur.
183
Alle die tüchtigen Gärtner Erfurts geben da
ihre Voten über Culturen etc, ab, — und
der unermüdlich thätige, für die Interessen
des Gartenbaues immer mit Liebe und ge-
läuterter Intelligenz eintretende Jühlke, so-
wie Hr. Th. Rümpler, sie haben dem rei-
chen Stoff gerade die geeignete Form gege-
ben, damit die dort gesammelten Erfahrun-
gen für jedermann nutzbar werden können.
Zwei Gegenstände wollen wir aus diesem
Bericht hervorheben, nämlich eine Verhand-
lung im Schoosse ‘des Vereins über die in
Mitteldeutschland nocb ganz harten Conife-
ren, — und einen Artikel über Rosencultar
von Metz. —
Als im Thüringer Klima, wo die Win-
terkälte zuweilen auf — 20° R., ja selbst
bis — 26° R. fallen kann, erwiesen sich
als noch ganz harte Coniferen:
Biota orientalis Endl. nebst Abarten,
wie B. aurea, pyramidalis, tatarica, nepalen-
sis, chinensis ete.
Cephalotaxus drapacea Sieb. et Zuce.
Chamaecyparis nutkaensis Spach. (Thui-
opsis borealis.)
Cypressus Lawsoniana H. Angl.
Juniperus chinensis L.
Juniperus communis L.
täten.
Juniperus nana Wild. (alpina).
Juniperus Sabina L.
Juniperus virginiana L. und Varietäten.
Pinus mandschurica Rupr.
Pinus Pinsapo Boiss.
Pinus Pichta Fisch.
Pinus Nordmanniana Stev.
Taxus baccata L. und dessen Abarten
als T. fastigiata oder hybernica, elegans etc.
Thuja occidentalis L.
Wellingtonia gigantea Willd.
Zu diesen wollen wir neben den ein-
heimischen Tannen (P. Abies, Picea, syl-
vestris, montana, Larix L. und Pumilio)
als gleichfalls im mittleren und nörd-
lichen Deutschland durchaus dauerhafte Ar-
ten hinzufügen, Pinus Cembra L., pumila
Rgl., balsamea L., alba L., orientalis L.,
obovata Ledb., pendula Lamb., Ledebouri
Endl. (Larix sibiriea), microcarpa Lamb»
dahurica Fisch., nigra Ait,, rubra Lamb.
und Varie-
184
Strobus L., Juniperus prostrata Pers., Taxo-
dium distichum Rich. *) — Zu diesen tre-
*) Die eursiv gedruckten Arten sind noch
im Petersburger Klima _ hart.
sern
Unseren Le-
in Russland wollen wir noch bemer-
ken, dass Juniperus communis L. zwar in
den Laubwaldungen um Petersburg noch
stellenweis häufig wild wächst, dennoch
aber in Gärten oft erfriert, wenn er auf einem
feuchten guten Boden steht. Pflanzt man
solchen aber auf einem trockenen sandigen
Boden, oder in Schutz von Bäumen, so wi-
dersteht er unseren härtesten Wintern. In
dem harten Winter vor 3 Jahren, erfror
derselbe auch in solchen Waldungen um
Petersburg bis zum Schnee ab, die einen
nassen Untergrund besitzen. J. Sabina und
nana, bilden bei uns niedrige, dem Boden
nach kriechende schöne immergrüne Büsche.
Von den ächten Pinus-Arten mit langen
Nadeln ist P. Cembra L. die schönste un-
serer einheimischen Arten, die zu schönen
mächtigen Exemplaren erwächst, Sie ist
noch durch das ganze miitlere Sibirien ver-
breitet. P. mandschurica Rupr. gehört zu
den von Maximowicz im Amurgebiet ent-
deckten Kiefern, ist ähnlich der P. Cembra,
trägt aber noch grössere Zapfen. Es ist
das eine noch seltene Art, von der bis jetzt
nur sehr geringe Quantitäten Samen einge-
führt werden konnten. P. pumila Rgl. ist
auch als P. Cembra pumila Pall. bekannt.
Solche ist mehr im nördlichen Sibirien zu
Hause. Sie unterscheidet sich durch klei-
nere Zapfen, strauchigen Wuchs und durch
die Blätter von P. Cembra. P. sylWvestris
ist unsere gemeine Führe. P. Strobus L.,
die Weimuthskiefer Nordamerikas ist gleich-
falls in Petersburg noch ganz hart. P.
montana und Pumilio sind die der Föhre
verwandten niedrigeren Formen der Alpen
Europas. —
Die Fichten mit kurzen Nadeln und an
der Spindel sitzen bleibenden Schuppen des
Zaptens sind ausser der gemeinen Fichte
P. Abies L.nurnoch durch dieam Ural und in
Sibirien heimische P. obovata Ledb. vertre-
ten, welche der gemeinen Fichte ziemlich
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
ten längs der Ufer des Rheins, in Belgien,
Holland, der nördlichen Schweiz und Süd-
ähnlich ist. P. orientalis L., die von man-
chen für identisch mit letzterer gehalten
wird, friert in Petersburg immer wieder bis
zum Schnee ab und unterscheidet sich’ auch
durch den viel gedrungneren Wuchs.
Unter den eigentlichen Tannen mit kur-
zen Nadelnund von der Spindel abfallenden
Zapfenschuppen ist für Petersburg die Pinus
Pichta Fisch. vom Altai die wichtigste. Ein
hoher prächtiger, "ganz harter pyramidaler
Baum, von majestätischem Wuchse. Die
Edeltanne Deutschlands (P. Picea L.) friert
in Petersburg, wie die Tanne des Caucasus
(P. Nordmanniana Stev.) bis zum Schnee
ab. Dagegen sind P. alba L., P. balsamea
L., P. nigra Ait., die prächtigen Tannen
Nordamerikas noch durchaus hart, aber doch
nur sehr selten in unseren Parks und Gär-
ten anzutrefien.
Von Lärchen ist ausser der gemeinen
viel angepflanzten Art (P. Larix L), die
Pinus Ledebouri Endl. (Larix sibiriea) aus
Sibirien, nach unserer Ansicht von der Lär-
che Europas gar nicht verschieden. Eine
hübsche Abart mit hängenden Zweigen, ver-
dient allgemeinste Verbreitung (P. Larix
pendula). P. pendula Lamb. aus Nordame-
rika findet sich in Petersburgs Gärten in
einzelnen Exemplaren. Sie wächst ähnlich
wie das Knieholz (P. Pumilio), mit halb
niederliegendem gebogenem Stamme, die
Spitze gleichfalls hängend und mit auffal-
lend hängenden Zweigen. Es ist dies eine
sehr schöne Lärche für die Gärten, — leider
aber überzeugen müssen,
dass solche aus Samen nicht constant ist.
Unter Hunderten von Sämlingen behielten
nur wenige ihren eigenthümlichen Wuchs,
der grösste Theil wuchs gerade empor, —
und so halten wir diese Hinge-Lärche Ame-
rika’s gleichfalls nur für eine Form der
P. Larix L.
Zwei schöne Lärchen sind noch P. mi-
crocarpa Lamb. aus Amerika und P. dahu-
rica Fisch. aus dem südlichen Sibirien. Die
erstere besitzt einen dünneren Stamm und
haben wir uns
IV. Literatur.
deutschland noch eine Masse anderer Na-
delhölzer, von denen wir als sehr schöne
sehr kleine Zapten, die andere wird so hoch
und stark wie die gewöhnliche P. Larix,
und ihre Zapfen stehen in der Grösse ge-
rade zwischen P. mierocarpa und P. Larix.
Im Botanischem Garten befinden sich grosse
mächtige Exemplare von der letzteren aus-
gezeichneten Art. — Unter den Lebens-
bäumen erträgt nur Thuja oceidentalis Z.
aus Nordamerika, mit seinen Abarten,, das
Petersburger Klima, verlangt aber einen
wasserfreien Boden und etwas geschützten
Standort. — Ist auch die Zahl der in Pe-
tersburg noch aushaltenden Coniferen nicht
sehr gross, so könnte doch durch vermehrte
Anpflanzung der genannten Arten unseren
Gärten und Parks ein grösserer Reiz ver-
liehen werden.
Noch eine allgemeine Bemerkung, sei es
uns erlaubt, dem Obigen hinzuzufügen.
Wir haben der Abarten mit hängenden
Aesten, von der P. Larix erwähnt. Man
findet auch in den Waldungen und Parks
um Petersburg, einzelne Exemplare der
Fichte (P. Abies) mit auffallend hängenden
Zweigen. Aehnlich verhalten sich auch
viele unserer alten Birken, von denen man
häufig Exemplare, mit in viel höherem Grade
hängenden Aesten findet, wie dies z. B. in
Deutschland der Fall ist. Der Referent
machte ferner im Winter bei hoher Kälte,
wenn die Zweige der Bäume und Sträucher
nicht von Schnee belastet waren, so dass
also der Schneedruck keinen Einfluss aus-
üben konnte, wiederholt die Beobachtung,
dass nur durch den Einfluss der Kälte, die
Zweige sich auffallend stärker nach dem
Boden zuneigten. Diese Beobachtung wurde
an sehr verschiedenen Holzgewächsen,, be-
sonders aber an Alleen von Linden und an
grossen Exemplaren von Crataegus sangui-
nea gemacht. Die Veränderung der Rich-
tung der Aeste an Wegen wurde so bedeu-
tend, dass Zweige, die bei niedrigeren
Kältegraden gar nicht genirten, nur un-
term Einfluss der höheren Kältegrade, den
Weg theilweiss sperrten.
185
Arten hervorheben wollen: Cryptomeria
Japonica Don., Thuiopsis dolabrata Sieb. et
Zuce., Cunninghamia sinensis R. Br., Juni-
perus Oxycedrus L., recurva Hamilt., squa-
mata Don , Pinus cephalonica Endl., cana-
densis L., Cedrus L., Deodora, Massoniana
Lamb., nobilis Dougl., Thuja gigantea Nutt.
— und überhaupt die Coniferen aus dem
nordwestlichen Amerika und aus dem nörd-
lichen Japan und China. —
Wir gehen damit auf den Artikel des
Hrn. Metz über Rosencultur über. Derselbe
empfiehlt zunächst die Anzucht von kräf-
tigen Rosenwildlingen zu Hochstämmen aus
Samen, was in der Gartenflora schon ein-
lässlich besprochen ward. Zur Veredlung
zieht Hr. Metz das Oculiren auf’s schlafende
Auge im Spätsommer, allen anderen Vered-
lungsmethoden vor. Ueber die Veredlung
mittelst Copulirens ete. und die fernere
Cultur, sagt Hr. Metz wörtlich das Folgende:
„Das Pfropfen und Copuliren ist eine
Arbeit des Frühjahrs und kann auf ver-
schiedene Weise ausgeführt werden. Die
Sämlinge werden entweder im Herbst mög-
lichst zeitig in Töpfe gepflanzt, um später
veredelt und im Gewächshause oder Mist-
beete aufgestellt zu werden.
Die geeignetste Periode, diese Vered-
lung vorzunehmen, liegt zwischen Anfang
März und Anfang April. Zeitigere Vered-
lungen schlagen nicht immer gut an, es
müsste denn sein, man hätte die Sämlinge
schon ein Jahr lang in Töpfen eultivirt und
besässe zum Antreiben passende Räumlich-
Das Niederliegen der Stämme und
Zweige der Holzgewächse der höchsten Al-
pen und des hohen Nordens wird theils
durch den Schutz der Erdwärme, theils
durch den Schneedruck erklärt. Die obige
Beobachtung zeigt, dass aber auch lediglich
andauernde hohe Kälte, eine bedeutende
Neigung der Zweige bedingt.
Wir führen diese Thatsache hier nur
an und empfehlen solche der Beobachtung
der Herren Anatomen, um für diesen Ein-
fluss niedriger Temperaturen eine Erklärung
zu geben. (E. R.)
186
keiten. In diesem Falle kann man schon
im Januar zu veredeln anfangen.
Die Veredlung in Töpfen ist sehr be-
quem. Ehe man jedoch mit der Arbeit be-
ginnt, müssen die Wildlinge etwas angetrie-
ben worden sein, denn nur dann geht die
Granulation rasch und sicher von statten,
sofern die Unterlagen in lebhafter Vegeta-
tion sind. Man schneidet die Wildlinge
dicht über dem Wurzelkopfe ab, so dass
von diesem 1—2 Augen für den Zug stehen
bleiben. Je nach der Beschaffenheit der
Reiser wendet man verschiedene Methoden
an. Man pfropit entweder in den vollen
oder in den seitlichen Spalt, mit abgewor-
fenem Wildholze; oder man lässt den Wild-
ling ungekürzt und schiebt das keilförmig
zugerichtete Edelreis in den seitlichen Spalt.
Unter Copuliren fasse ich die eigentliche
Copulation, das Anschäften und das Anplat-
ten zusammen, da ein wesentlicher Unter-
schied in diesen verschiedenen Formen nicht
besteht. Alle Methoden sind gleich gut, und
wenn sie sorgfältig ausgeführt werden, so
sind die Resultate dieselben und man be-
merkt auch künftig Nichts, was zu Gunsten
der einen wie der andern spräche. Alle
offenen Stellen verstreiche ich mit kalt-flüs-
sigem Baumwachs. Zum Verbinden wähle
man ein gutes, festes Bast, was dem Garne
vorzuziehen ist. Sobald die Edelreiser an-
gewachsen sind, muss der Verband abge-
nommen werden. Die Granulation geht bei
Sämlingen überaus rasch von statten, und
wenn man nicht recht aufmerksam auf die
Fortschritte der Vernarbung ist, so ist das
Edelreis verunstaltet, ehe man es sich ver-
sieht. Besonders beim Oculiren ist die recht-
zeitige Entfernung des Verbandes von be-
sonderer Wichtigkeit. Hierbei ist für -die
Verwachsung ein Zeitraum von 2—3 Wo-
chen erforderlich; beim Pfropfen hingegen
dauert es bis zur vollständigen Vernarbung
3—4 Wochen.
Gleich nach der Veredlung werden die
in Töpfen befindlichen Rosen wieder in et-
was erhöhte Temperatur gebracht. Doch
hüte man sich vor zu hohen Wärmegraden
und einer dadurch. herbeigeführten Ueber-
reizung, da in Folge derselben das Edel-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
holz nicht selten zurückgeht. Man kann’
auch im ersten Frühjahr die Wildlinge aus
dem Boden nehmen, sie veredeln und sie
nach beendigter Arbeit in das freie Land
pflanzen und zwar so tief, dass das oberste
Auge hart über der Erde: steht. Feuchte
warme Luft ist die Hauptbedingung des An-
wachsens. Bei starkem Sonnenschein gebe
man dem Topf, wie den Handveredlungen
Schatten.
Zu den letzteren wähle man nur harte
Rosen. Ist die Witterung im Frühjahr warm
und feucht, so darf man auf das Gelingen
derselben rechnen; ist es aber rauh, kalt
und windig, so sind Verluste nicht zu ver-
meiden; für einen solchen Fall kommt ein
mässiges warmes Mistbeet trefflich zu stat-
ten Der Abstand, in dem die veredelten
Rosen gepflanzt werden müssen, betrage
mindestens 1 Fuss, da sie bald sehr kräftig
vegetiren; sollen sie hingegen an der Aus-
pflanzstelle bleiben, so müssen sie minde-
stens 2 Fuss Abstand erhalten. Je nach
der Starkwüchsigkeit der Sorten sind jäh-
rige Triebe von 2—6 Fuss gewöhnlich. Bei
einigen Sorten werden sie noch höher, zu-
mal dann, wenn der Boden gut zubereitet
und im Sommer fleissig bewässert wurde.
Für die Veredlung in Töpfen wähle man
weichere Rosen, als Thee-, Bourbon, Noi-
sette- und Bengal-Rosen. Auch diese pflanze
man von Anfang April bis Mitte Mai in
das Freie.
Dem Pflanzen der Rosen muss die
vollste Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Vor Allem setze man die Stöcke nie tiefer,
als sie vorher gestanden haben. Veredelte
Rosen möglichst tief zu setzen, um sie zu
wurzelächten zu machen, halte ich tür durch-
aus verkehrt, dain Ansehung der Schönheit
und des Reichthums der Blüthe, wie auch
in der Kraft des Wachsthums veredelte Ro-
sen die wurzelächten weit übertreffen. Will
man durchaus wurzelächte Rosen pflanzen,
so nehme man schon bei der Anzucht da-
rauf Rücksicht.
Wenn es auch bei der bisherüblich ge-
wesenen Benutzung unproductiver Ausläufer‘
bisweilen nothwendig war, tief zu pflanzen,
so sind wir doch bei. der Anwendung: vom
IV. Literatur,
Sämlingen dieser auf Erhaltung der Pflan-
zen. gerichteten Vorsichtsmaassregel über-
hoben; denn hier ist die Verwachsung der
edlen Rosen mit der Unterlage eine so in-
nige, dass
die Veredlungsstelle kaum mehr zu ent-
decken ist, und cin Absterben der edlen
Theile auf der kraftvollen Unterlage nur
ausnahmsweise vorkommen kann.
Grundsatz ist es bei mir, die frisch ver-
edelten Rosen so einzupflanzen, dass die
Veredlungsstelle hart über die Erde zu
stehen kommt. Die Wurzeln der Rose
gehen gern in die Tiefe, Bei einer zu tie-
fen Pflanzung würden sie entweder bald
auf ein starkes Erdreich stossen, oder sie
würden doch wenigstens des Einflusses der
Luft und der atmosphärischen Niederschläge
zu sehr beraubt werden.
Zu tief gepflanzte Rosen verrathen sich
durch minder üppiges Wachsthum und durch
kränkliches Aussehen. Beim Pflanzen selbst,
sehe man darauf, dass die Wurzeln gleich-
mässig ausgebreitet, mit lockerem gutem
Erdreiche überdeckt und gehörig einge-
schlämmt werden, gleichviel ob die Pflan-
zung im Herbst oder im Frühjahr geschieht.
Ein Festtreten des Bodens, wie es noch fast
überall üblich, halte ich für durchaus zweck-
widrig und nachtheilis. Die Wurzeln
schone man so viel als immer möglich und
setze das Messer nur an solche, welche be-
schädigt sind.
Harte Rosen kann man mit Vortheil
im Herbst pilanzen, die zarteren Sorten da-
gegen müssen im Frühjahre ausgesetzt wer-
nach einjährigem Wachsthum
den. Ein öfters wiederholtes Auflockern des
Bodens während des Sommers ist sehr
wichtig.
Der Schnitt der Rosen ist eine
Verrichtung, die eine längere Erfahrung und
genaue Kenntniss der Sorten erfordert. Man
kann im Herbste wie im Frühjahr schnei-
den. In Folge des Herbstschnittes bilden
sich während des Winters latente Augen
aus, und die Rosen blühen im nächsten
Jahre etwas zeitiger. Kräftige und schon
recht buschige Rosen, die zu den härte-
ren und weniger reizbaren Gruppen ge-
hören, schneide man: im Herbst, schwäch-
187
liche Rosen, und leicht austreibende Sorten,
erst im Frühjahre.
Im Uebrigen darf niemals vergessen
werden, dass die verschiedenen Wachs-
thumsweisen und sonstige charakteristische
Verschiedenheiten über die Art, wie über
die Zeit des Schnittes entscheiden.
Kurz vor oder nach der Ruheperiode
verträgt die Rose im Allgemeinen jeden,
selbst einen sehr starken Schnitt, weniger
gut dagegen im Sommer, und rathe ich Un-
erfahrenen, im Sommer lieber mit dem
Messer von den Rosen weszubleiben, und
sich darauf zu beschränken, die abgeblühten
Rosen zu entfernen. Starkes Schneiden im
Sommer reizt die Pflanzen zu unzeitigem
und übermässigem Wachsthume und bewirkt
Abschwächung und unter Umständen den
Tod. —
Möge man aber im Herbst oder im
Frühjahr schneiden, stets geschehe es mit
Rücksicht auf Formgebung der Pflanze. Zu
buschige Pflanzen dünne man gehörig aus,
indem man alles schwächliche und übelge-
stellte Holz beseitigt.
Ferner arbeite man auf beständige Ver-
jingung hin. Die jüngsten Triebe sind in
der Regel auch die kräftigsten und erzeugen
mithin auch die vollkommensten Blumen.
Hat man deshalb vieles junges Holz, so be-
seitige man das ältere gänzlich.
Bei noch jungen Rosen , welche in der
Regel nur einen Trieb machen, und doch
buschig werden sollen, ist das Einkneipen
des Triebes in krautartigen Zustande zu
empfehlen. Dadurch werden alle diejenigen
Augen, welche ausserdem latent geblieben
wären, angeregt, und erzeugen bald die ge-
wünschte grössere Menge von Trieben.
Als zum Schnitt gehörig kann man das
Ausbrechen der Knospen im Frühjahr be-
trachten, und als einen Gegenstand von
Wichtigkeit. Nur muss diese Operation
nach einem für jede Pflanze besonders zu
entwerfendem Plane ausgeführt werden.
Dann gewährt sie auch bedeutende Vor-
theile. Denn die so behandelte Pflanze wird
die in ihr aufgespeicherten Stoffe, nur auf
die Entwickelung eines Drittels oder. der
188
Hälfte der Augen verwenden, und also viel
kräftigere Triebe erzeugen können.
Im Klima von Nord- und Mitteldeutsch-
land verlangen die Rosen während des
Winters mehr oder weniger Schutz gegen
Frost. Die vorzüglichste Bedeckung ist
Erde. Hochstämmige Rosen werden zur
Erde gebeugt, hier, wenn es nöthig ist, mit
einem schief darüber in den Boden ge-
steckten Holze festgehalten und in allen ih-
ren Theilen, sowohl Stamm als Krone, mit
Erdreich gedeckt, stärker oder schwächer,
je nach dem Härtegrade der Sorte. Für die
Krone eine Höhlung aufzuwerfen, habe ich
durchaus unzweckmässig gefunden, da auf
solche Weise die Augen durch Feuchtigkeit
leiden. Bei den feineren Sorten ist es wohl-
gethan, wenn man sie erst mit Fichtenreis
deckt, und dann das Erdreich darüber wirft.
In jedem Falle aber lege man die Krone |
flach auf die Erde.
Ich konnte mich innerhalb der Gränzen,
die ich meiner Arbeit gezogen, nur auf das
Allgemeine der Rosencultur einlassen.‘
5) H. Karsten, Botanische Untersuchun-
gen aus dem Physiologischen Labora-
torium der landwirthschaftlichen Lehr-
anstalt in Berlin. Berlin 1865. Verlag
von Wiegand und Hempel.
Wir haben schon wiederholt
hingewiesen, dass der jetzige Herr Minister
der landwirthschaftlichen Angelegenheiten in
darauf
Preussen, Herr von Selchow, die hohe Wich- |
und Gar- |
tigkeit, welche Landwirthschalt
tenbau das staatliche Leben haben,
nicht blos in vollem Maasse würdiget, son-
dern auch in diesem Zweige bereits vieles
angebahnt hat, dessen segensreiche Folgen
ip der Zukunft nicht ausbleiben werden. So
ist an der landwirthschaftlichen Lehranstaltin
Berlin, auf Veranlassung des Herrn Ministers,
auch ein physiologisches Laboratorium ein-
gerichtet worden, welches unter der Leitung
des Herrn Professors H. Karsten steht,
während Hr. P. Sorauer als Assistent an
demselben fungirt. Zweck und Autgabe
dieses Laboratoriums ist es, mit Landwirth-
schatt, Forstwirthschaft und Gartenbau in
Verbindung stehende, noch ungelöste Fra-
für
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
gen wissenschaftlich zu prüfen und so die
Resultate der Wissenschaft der Praxis dienst-
bar und nutzenbringend zu machen. Eine
Anstalt, die in so tüchtige Hände gelegt
ist, kann nur die günstigsten Resultate zur
Folge haben
Die oben angezeigte, in ungebundenen
Heften erscheinende Zeitschrift macht es
sich nur zur Aufgabe, die im physiologi-
schen Laboratorium zu Berlin, — sowie die
von anderen Gelehrten Deutschlands, in Ver-
bindung mit Landwirthschaft, Forstwissen-
schaft und Gartenbau stehenden wissenschaft-
liehen Untersuchungen zu publiziren und
so zum Gemeingute aller zu machen. Wir
wünschen diesem nützlichen Unternehmen
den besten Fortgang und geben solchem
von unserer Seite die kräftigste Empfehlung
mit auf den Weg.
Das erste uns vorliegende, gut ausge-
stattete Heft enthält 6 Abhandlungen, näm-
lich:
1) P.Sorauer, über die Spaltöffnungen
der Liliaceen. Der Verfasser giebt zunächst
eine geschichtliche Darstellung der Ansichten
über die Spaltöffnungen. Nach den Uhnter-
suchungen derselben entstehen solche, indem
in einer Epidermiszelle 3 Tochterzellen ent-
stehen. Die seitlichen derselben stellen
nach Resorption der Mutterzelle, die die
Spaltöffnungen begränzenden Zellen dar,
aus der zentralen Zelle bildet sich aber die
Spaltöffinung selbst. — Der Verfasser geht
nun zur Zwiebelbildung der Liliaceen über
und zeigt, dass auch an den Zwiebelschup-
pen Spaltöffnungen vorkommen, wenn auch
nur einzelne und zwar an den Theilen der
Zwiebelschuppen am meisten, welche dem
Zutritt der Luft ausgesetzt sind. An den
jüngsten Schuppen der Zwiebel oder den
Blattbasen der Blätfer desgleichen Jahres
von Hyaeinthus machte der Verfasser seine
Beobachtungen über die Entwickelungsge-
schichte der Spaltöffnungen.
2) M. Willkomm, vorläufige Mit
theilung über die Rothfäule der
Fichte. Die Rothfäule der Fichte beginnt
in den mittleren Jahresringen mit einer
röthlichen Färbung, die immer dunkler und
zuletzt schwarzbraun wird, später tritt eine
IV. Literatur.
Lockerung und zuletzt sogar eine Verjau- |
chung der angegriffenen Holzschichten ein,
wobei jedoch die äusseren Holzschichten |
nicht angegriffen werden. — Das Mikroskop
zeigt nun, dass diese Krankheit mit einer
Pilzbildung in Verbindung steht. Zuerst
wird nur ein Fadenpilz nachgewiesen, der
die Zellen theils durchsetzt. Es ist dieser
Pilz noch nicht fructißzirend gefunden, ge-
hört also in die Reihe der noch in dem
ersten Stadium ihrer Entwickelung stehenden
Pilzformen. Hartig hat solchen Nyceto-
myces fuscus genannt. In einem späte-
ren Stadium der Krankheit des Holzes, geht
aus seinem sterilen Mycelium der fructifi-
zirende Fadenpilz hervor, den man in den
stark gebräunten oder jauchigen Holztheilen
findet. Dieser fructifizirende Pilz besteht
aus ungegliederten verästelten Fäden, die
stellenweis oder in den Spitzen ihrer Aeste
eine Menge kettenförmig neben einander lie-
gende Sporangien im Innern des Fadens ent-
wickeln. Mit der Entwickelung des fructi-
fizirenden Pilzes aus seinem sterilen Myce-
lium, (dem Nyctomyces fuseus) geht auch
die schnellere Yerderbriss und Fäulniss des
Holzes Hand in Hand. Neben diesem brau-
nen, später so massenhaft fruktifizirenden
Fadenpilze, dass es dessen Sporangien sind,
welche die dunkle Farbe des verdorbenen
Holzes bedingen, finden sich aber auch
weisse verästelte Pilzfäden eines anderen
Fadenpilzes, den Hartig Nyetomyces
eandidus genannt hat. Diesen, der ein
weisses schwammiges Gewebe bildet, sah
der Verfasser nie fructifiziren ,„ er sagt aber
selbst, dass wahrscheinlich ein Zusammen-
hang zwischen beiden Pilzformen bestehe,
den aufzudecken, durch fernere Untersu-
chungen, sick unser geehrter Freund noch
als Aufgabe stellt. Ebenso ist es zwar klar,
gass der fructifizirende Pilz die erste Ur-
sache der Krankheit ist, wie solcher aber
gerade in die inneren Stammschichten ge-
bracht wird, ist noch nicht aufgedeckt. Je-
denfalls dürfte solches, wie dies der geehrte
Verfasser vermuthet, durch keimende Sporen,
die mit ihren Fäden die lebendigen, äusse-
ren Holzschichten durchsetzen und erst in
den schon todten Schichten des inneren
189
S tammes, ihre verheerende Wirkung begin-
nen, sehr wahrscheinlich entstehen.
3) Beitrag zur Kenntniss der
Mohrrübe von Dr. Fröhde und P.
Sorauer. Ein interessanter Aufsatz über
Wachsthum der Möhren, über deren chemi-
sche Bestandtheile und über den Stärkege-
halt der verschiedenen Sorten.
4) Das Rothwerden älterer Kie-
begleitet von parasitischen
Pilzen von H. Karsten. Der geehrte
Verfasser hat die Entfärbung der Kieferna-
deln (Pinus-Nadeln), die vorzugsweise an
den jungen Trieben derselben ‚vorkommt,
einer einlässlichen Untersuchung unterwor-
fen. Er fand verschiedene Formen der Ent-
färbung, die stets mit Pilzbildungen in Ver-
bindung standen. Die . verschiedenen Pilze
sind nebst der Art ihres Wachsthums im
Innern des Blattes dargestellt. —
5) Ueber die Pilze, welche die
Trockentäule der Kartoffeln be-
gleiten, von H. Karsten. Die Trocken-
fäule der Kartoffeln beginnt mit einer Ver-
änderung der Knospen der Knolle und der
Entfärbung und Erkrankung der mit den
Knospen in Verbindung stehenden Gefäss-
bündel. Karsten lässt es unentschieden, ob
die an trockenfaulen Kartoffeln wachsenden
Schimmelpilze die Ursache oder Folge dieser
Krankheit und beschreibt mehrere Schimmel-
pilze, die er an trockenfaulen Kartoffeln
beobachtet hat. Dabei bestätigt derselbe
eine schon mehrfach ausgesprochene An-
sicht, dass ein und derselbe Schimmelpilz,
je nach der chemischen Beschaffenheit der
ihn ernährenden Flüssigkeit, sehr verschie-
denartige Formen annehmen könne.
6) Ursache einer Mohrrüben-
krankheit von H. Karsten. Der Ver-
fasser erhielt Exemplare der weissen grün-
köpfigen Möhre, die sich durch einen stel-
lenweis über die Oberfläche verbreiteten
gelblichen Anflug von gesunden Exemplaren
unterschieden und bei Durchschnitten kleine
bräunliche Stellen zeigten, die sich vorzüg-
lich zwischen Innen- und Aussenrinde ver-
breiteten. Als Ursache dieser Krankheit, die
beim Nebeneinanderliegen von einer Möhre
auf die andere übergetragen wird, weist
fern,
190
Karsten zwei Schimmelpilze, Sporides-
mium exitiosum Kühn, von Kühn auch
auf den Blättern der Mohrrübe beobachtet, --
und eine andere Gattung, die Karsten He-
licosporangium parasiticum nennt,
nach. Der erstere Pilz besetzt einfache
spitzenständige Sporangien und wird in ei-
ner anderen Form auch dem Raps sehr
schädlich, — der zweite Pilz trägt von einer
Gewebsschicht umhüllte Sporangien, deren |
jedes wieder viele Sporen enthält. Karsten
hält es für möglich, dass der letztere Pilz
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
nur die vollkommen ausgebildete Form des
ersten ist, hat den Zusammenhang zwischen
beiden aber noch nicht aufinden können.
7) Karsten, über die Geschlechts-
thätigkeit der Pflanzen. Man erhält
in diesem längeren Aufsatz eine schöne
klare Uebersicht der Geschlechtsorgane und
der Befruchtungsgeschichte, von den ein-
fachsten bis zu den vollkommensten Pflan-
zen, durch gute Figuren erläutert.
(E. R.)
V. Personalnotizen und Neuestes ete.
1) Magister Schmidt. Vom Hrn.Ma-
gister Schmidt
rien eingegangen. Derselbe ging den Jenis-
see aufwärts, hatte schon ein Stück Haut
von dem Mammuth erhalten, das er aufzu-
suchen, ausgesendet ist und hatte ausserdem
noch Nachrichten von einer zweiten Leiche
dieses mächtigen Thieres der Vorwelt er-
halten, das an der Bucht des Jenissee lie-
gen soll. —
2) Alwardt und Schröder. Der Tod
hat in dem letzten Winter unerbittlich unter
den älteren, allgemein geachteten Gärtnern
Petersburgs aufgeräumt. Wir meldeten den
Tod der Hofgärtner Bettzich und Erler.
Bald nach dem letzteren starb im März
Herr Schröder, ein geborner Schleswig-
Holsteiner, der schon seit 1850in Petersburg
einer Handelsgärtnerei vorstand und zugleich
die Gartenanlagen der Stadt Petersburg
beaufsichtigte. Derselbe war eines der thä-
tigsten Mitglieder des hiesigen Gartenbau-
vereins und war 6 Jahre Mitglied des Vor-
standes desselben. Strenge Rechtlichkeit,
eine seltene Milde und Freundlichkeit in sei-
nem ganzen Wesen zeichneten denselben
aus und hatten ihm die Liebe und Zunei-
gung aller seiner Collegen erworben.
Alwardt war in Rostock geboren. Er
kam 1819 nach Russland und erlernte beim
Handelsgärtner Marsell die Gärtnerei.
sind Nachrichten aus Sibi- |
Schon 1833 ward er als Hofgärtner in Ka-
menoi-Ostrow angestellt. Sein strebsames
Wesen und rege Thätigkeit sehnten sich aber
noch nach weiterer Thätigkeit und so grün-
dete er 1845 seinen eigenen Handelsgarten,
den er ais einen der reichsten an schönen
und seltenen Pflanzen aller Art seiner Fa-
milie hinterlassen hat. Gleich Schröder ge-.
noss er die Achtung und Liebe aller seiner
Collegen und hatte sich im Laufe seiner
Laufbahn als Gärtner ein so wohlbegründe-
tes Vertrauen in den weitesten Kreisen er-
worben, dass viele. sehr viele deutsche
Gärtner, die nach Russland kamen, sei-
ner Empfehlung gute Stellen und ihr spä-
teres Lebensglück verdanken.
Sein jüngster Sohn führt das Geschäft
seines Vaters fort —
3) Blumenausstellung des Gar-
tenbauvereins in St. Petersburg vom
23.—26. April (5.—8. Mai) in St. Pe-
tersburg. — Nur eine kleinere Frühlings-
ausstellung ward in dem grossen prächtigen
Saale des Stadihauses veranstaltet. Wir
wollen, um unsere Leser mit den wie-
derkehrenden Berichten über Ausstellungen
nicht zu ermüden, nur einige wenige der
interessanteren Pflanzen erwähnen.
Der Gemüsegärtner Gratschew hatte
prachtvolle Spargel und Champignon in
einer Vollkommenheit der Cultur ausgestellt,
V. Personalnotizen.
wie solche sicher noch auf keiner anderen
Ausstellung Europas gesehen worden sind.
Es waren das mächtige Nester dieses Pilzes,
in allen Stadien der Entwickelung, — nämlich
solche mit Tausenden kleiner Köpfchen
von der Grösse eines Stecknadelkopfes bis
zu dem einer Erbse. Dann Nester mit Hun-
derten vollständig gut erhaltener gesunder
kräftiger, weiter ausgebildeter Köpfe von
a Zoll bis 3 Zoll Durchmesser der Hüte
und bis 1!/, Fuss Höhe und Breite der Ne-
ster. In einer solchen Vollkommenheit der
Cultur dürften die Champignons noch kaum
jemals an anderen Orten produeirt worden
sein. —
Einen anderen hervorragenden Cultur-
zweig bilden jetzt die Rosen in St. Peters-
burg und auf unseren Ausstellungen. Wir
haben mehrere Gärtnereien, die sich fast
ausschliesslich mit der Anzucht der Rosen
beschäftigen, so in Petersburg die von
Charpentier, ferner der der Cultur der
Rosen fast ausschliesslich gewidmete Garten
des Herrn Stegemann in Paullowsk,
ferner gründet Herr Barlow in Zarskoe
Selo, jetzt einen der Rosencultur vorzugs-
weise gewidmeten Garten. Endlich hat sich
Herr Hofgärtner Freundlich in Zarskoe
Selo mit solcher Einsicht und Liebhaberei
mit der Rosencultur beschäftigt, dass wir
ihm die ausgezeichneten Resultate verdan-
ken, die wir, — wie Cultur desselben schon
wiederholt besprachen. Auch dieses Jahr
hatte Herr Freundlich wieder eine kleine
Rosengruppe gestellt, wie wir solche in sol-
cher Schönheit weder auf den Ausstellungen
zu Brüsselnoch Amsterdam sahen. Jedes
Exemplar ein Muster in Cultur, jede einzelne
Blume im vollkommensten Zustande der
Entwickelung. Unter den von ihm ausge-
stellten Sorten heben wir als ganz vorzüg-
lich schön hervor:
a) Blumen von schwarzpurpurner Fär-
bung mit hellerem Carminschiller.
R. Christian Püttner, Pierre Nottinger,
Maurice Bernardin. Triomphe d’Angers.
b) Blumen dunkelpurpur.
R. Senateur Vaisse.
c) Blumen von dunkelm feurigem
Rosa.
191
R. General Cavaignac, Veloute d’Or-
leans, John Hopper, Madame Furtado.
d) Blume sehr gross, zart weiss
mit rosa Nüancirung,
R. La Virginale, —
e) Blume hellpurpur.
R. Paul Feral. —
f) Blumen lichtrosa.
R. Soeur des anges. —
Eine zweite Gruppe von Rosen, die auf
jeder anderen Ausstellung als von ausge-
zeichneter Cultur qualifizirt worden wären,
hatte Hr. Stegemann ausgestellt. Solche
trat aber gegen die Rosen von Herrn
Freundlich zurück.
Aus dem Garten Sr. K. Hoheit des
Grossfürsten Nicolai-Nicolajewitsch waren
die besten Azaleen vom jetzigen Hofgärtner
desselben, Hrn. Grünewald eingesendet.
Die zweitbesten gehörten Hrn. Graub erg,
Gärtner bei Baron Hauff. Eine truchttra-
gende Vanilla planifolia, aus einem Garten
in Kiew eingesendet und ein blühendes Li.
lium giganteum in der gleichen Gruppe des
Herrn Grünewald erregten
Aufmerksamkeit.
Medinilla magnifica mit 10 Blü-
thenstauden vom Hrn. Jung in Oranien-
baum, schöne gemischte Gruppen von dem
Hofgärtner Ruck in Strelna, vom Herrn
Freundlich beim Hrn. Gromov und vieles
andere wäre noch zu nennen. — Aus dem
botanischen Garten war das Bildniss Sr.
Majestät mit Blumen von blühenden Rhodo-
dendron, Acacien, Ericen und Neuholländer-
Pflanzen decorirt. Hr. Höltzer hatte zahl-
reiche blühende Stauden aus dem K. Bot.
Garten eingesendet.
Als Seltenheiten in Cultur nennen wir
Calypso borealis, Pinguicula vulgaris,
Pyrola uniflora, Primula pycnorhiza
involucrata, Muretiana. —
Eine Monstrosität in der Gruppe des
Hrn. Hofgärtner Katzer in Paullowsk, eine
Richardia aethiopica, mit doppelter
Scheide, hatte ein wissenschaftliches In-
teresse. Die obere Scheide war steril und
nur die untere Innere umschloss den Blü-
thenzapfen.
Für die Jahreszeit ausserordentlich zahl-
allgemeine
192
reich und vollständig, war eine Sammlung
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
6) Herr Eckmann bisher in Oranien-
von 160 in voller Blüthe befindlicher Pelar- | baum ist als Hofgärtner “auf , Kamennoi-
gonien, von Capitain Germer.
Herr von Golubzoff hatte als eine
Glaskiste mit einem vollständigen Sortiment
von Anoectochilus eingesendet, die in Zim-
merfensterin diesem Kasten cultivirt worden
waren und vollständig gesund waren. Ebenso
stammte von demselben ein Rhododendron
Boothii mitkleinen schmutzig gelbenBlumen.
Herr Pertsch, Gärtner im Bot. Gar-
ten, hatte eine kleine Gruppe blühender
Bromeliaceen und Aroideen gestellt,
darunter Anthurium Scherzerianum, Vriesia
brachystachya, Piteairnia undulata, Puya Al-
tensteinii, Eckhidnium Spruceanum etc. —
4) Herr O. Pabst, bisher einer der
Obergärtner des K. Bot. Gartens, ist als
Hofgärtner im Kais. Garten zu Jelagim
Ostrow angestellt worden. —
5) Herr Grünewald ist bei Sr. K.
Hoheit dem Grossfürsten Nicolai-Nicolaje-
witsch in Snaminsk als Hofgärtner ange-
stellt worden.
Ostrow, bei Ihrer K. Hoh. der Grossfürstin
Helene Paulowna angestellt worden.
7) Herr Jung ist an Hrn. Eckmann’s
Stelle nach Oranienbaum als Hofgärtner an-
gestellt worden.
8) Herr Siessmeyer ist an Herrn
Nouvel’s Steile, (der nach Deutschland
zurückgegangen) beim Fürsten Beloselsky
in Krestofsky angestellt worden.
9) Herr Zabel, bis jetzt Bibliothekar
am K. Bot. Garten und Sekretär des Gar-
tenbauvereins in St. Petersburg , ist als Di-
reetor des Botanischen Gartens in Nikita,
in der Krim, angestellt worden.
10) Hr. Ender, zuletzt in Mullofka bei
Fürst Trubetzkoi, ist als Gelehrter
Gärtner am Bot. Garten zu St. Petersburg;
(neben den Herren Severin und Höltzer)
angestellt worden.
I. Originalabhandlungen.
1) Abgebildete Pflanzen.
a)
Corydalis Marschalliana Pers
(Siehe Tafel 511 Fig. 1.)
Fumariaceae.
C. Marschalliana Pers. syn. II. pag.
269. Ledb. fl. ross. I. pag. 98*). De-
less. ic. select. II. pag. 10.
Die beistehend abgebildete Art der
Gattung Corydalis ist im südlichen Russ-
land und im Caucasus zu Hause. Im
letzteren Gebiete sammelte solche Herr
von Ruprecht und sendete Knollen der-
selben an den Gartenbauverein in St.
Petersburg ein. Sie steht der in Deutsch-
land ziemlich allgemein verbreiteten C,
cava Schweigg. (C. tuberosa D. C. Fu-
maria bulbosa a Linn. spec. 983) zu-
nächst und unterscheidet sich nur durch
die zwei oberhalb der Mitte des Sten-
gels angehefteten Blätter und durch die
breiteren mehr ovalen Lappen derselben, |
die weniger eingeschnitten sind. Ge-
deihetin jedem Gartenboden, durchwintert
noch im Petersburger Klima ohne Deck-
ung im freien Lande und entwickelt die
Blumen im ersten Frühlinge. Vermeh-
rung durch Samen.
(E. R.)
*) C. Marschalliana; caule simplieissimo,
exquamato, supra medium diphyllo, fo-
liis biternatim sectis: segmentis ovalibus
integris ineisisve, bracteis elliptieis in-
tegerrimis, calcare apice incurvo ob-
tuso. — Glauca, glabra. Caulis 2/,—1"/,
ped. altus. Flores e roseo carnei.
VII, 1866.
13
194
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
b) Iris ehinensis Curt.
(Siehe Tafel 511 Fig. 2. 3.)
Pride are
J. chinensis Curt. in Bot. Mag. tab.
373*). Roem. et Schult. syst. I. pag.
463. J. fimbriata Tratt. tabular. pag.
668. Vent. jard. Cels. tab. 9. Redoute
Liliac. tab. 152.
Die auf der beiliegenden Tafel ab-
gebildete Iris chinensis ward im Jahre
1795 von Evans aus China in England
eingeführt und schon 1797 von Curtis
im Botanical Magazine abgebildet. Seit-
dem hat sich diese wahrhaft schöne
Pflanze in den Gärten verbreitet, Im
Jahre 1800 bildete selche Ventenatnoch
einmal in seinem über den Garten von
Cels (Description des plantes nouvelles
du jardin de Cels) veröffentlichten
Werke ab. Später aber trat solehe mit
so mancher schönen alten Pflanze in
unseren Gärten mehr in den Hinter-
grund, als dies sich rechtfertigen lässt,
Schon Curtis sagt bei der Beschrei-
bung der J. chinensis im Botanical Ma-
gazine, dass die Resultate, die man bei
der Cultur dieser schönen Iris in Eng-
land erhalten, je nach der Cultur sehr
verschiedene gewesen seien. Es sei sol-
che nämlich von den einen im Warm-
hause, von den andern im Kalthause,
von den dritten im freien Lande cultivirt
worden. Auf letzterem Standorte seien
die Pflanzen erfroren, doch lasse es sich
*) J. radice repente, caule paniculato mul-
tifloro, floribus cristatis, stigmatibus la-
einiatis.
vermuthen, dass solche in England aus-
dauern dürfte. — Nach unseren Erfah-
rungen eignet sich diese Iris am mei-
sten zur Cultur im temperirten Hause,
bei 6—8° R. Hier entwickelt sie im
Februar ihre Blumen in reichlicher
Menge und bildet einen wahrhaften
Schmuck der Gewächshäuser. Beson-
ders schön ist dieselbe in solchen deco-
rativ gehaltenen Häusern am Rande von
Bassins oder in Steinkanten, oder in
kleine Steinpartkieen eingepflanzt. Sie
zeichnet sich schon durch den Wuchs
von den andern Arten der Gattung Iris
aus, indem ihr das dicke kriechende
Rhizom oder die Zwiebelknolle fehlt.
An deren Stelle bildet sie am Stamm-
grunde Sprossen, die sich bewurzeln und
erhält man durch diese Eigenschaft bald
dichte Büsche mit vielen Blattrieben,
aus deren Mitte sich der Blüthenstengel
erhebt. Dieser letztere ist wenig länger
als die Blätter und trägt fast zweizeilig
traubenförmig gestellte Blüthenstiele, de-
ren jeder aus der spitzenständigen zwei-
blätterigen Scheide, zwei Blumen ent-
wickelt. Die schön himmelblauen Blät-
ter der Blumenkrone sind Rande
wellig und wimperartig gezähnt und die
3 äusseren tragen auf der Mitte nach
dem Grunde zu eine gelbe Zeichnung.
Die blattartigen Narben vorn zweitheilig
und wimperförmig eingeschnitten. —
Gedeihet in fast jeder etwas mit Lehm
versetzten Humuserde und wird durch
Theilung rasch vermehrt. (E. R.)
am
I. Originalabhandlungen.
cd) Almeidia rubra St.
195
Hilaire.
(Siehe Tafel 512.)
Rutacezae,
Almeidia rubra St. Hil. fl. bras. me-
rid. I. pag. 86. tab. 18.— D.C. prodr. 1,
pag. 729. — Hook. bot. mag. tab. 4548.
— A. macropetala F. et M. in Jardin
de St. Petersbourg 1845. cum icone.
Ein für die Cultur im Warmhause
sehr zu empfehlende Pflanze, denn sol-
che gehört einestheils zu den empfeh-
lenswerthesten Blattpflanzen, wie solche
anderentheils ihre spitzenständige Blü-
thentraube schöner rosenrother Blumen
im October und November entwickelt,
deren Blüthezeit zu dieser blüthearmen
Jahreszeit 4 Wochen und länger an-
dauert. Blätter zerstreut oder an der
Spitze der Zweige wirtelförmig zu 2—3
zusammen gedrängt, gestielt, länglich-
lanzettlich, 4—7 Zoll lang. Bildet 3—5
Fuss hohe verästelte Sträucher. Blü-
ihenrispe traubenförmig, kahl. Kelch
glockenförmig, in 5 aufrechte kurze
Zähne ausgehend. Blumenblätter ver-
kehrt-ovalspatelförmig, rosa, am Grunde
in eine kurze Röhre verwachsen.
Vermehrung durch Stecklinge im
Warmbeete. Cultur in lehmiger Rasen-
erde im Warmhause. Gehört zu den
von Riedel in den Botanischen Garten
zu Petersburg eingeführten und von da
verbreiteten Pflanzen. (E. R.)
dd Hypericum patulum Thbreg.
(Siehe Tafel 513 Fig. 1. 2.)
Hypetiricinae.
H. patulum 'Thbrg. fl. jap. pag.295. | aus kahl sind. Zweige stielrund, röth-
ie. 17. — H. Uralum Don. in Bot. Mag.
tab. 2375. — H. patulum D, C, prodr.
I. 545.
Das Hypericum, von dem Fig. 1 u. 2
der beistehenden Tafel, ein paar einzelne
Zweige mit Blumen in natürlicher Grösse
wiedergeben, ist in Nepaul und Japan
heimisch und bildet einen 11/,—2 Fuss
hohen, aus und über dem Wurzelhals
verästelten Strauch, mit einfachen, ru-
thenförmigen , etwas überhängenden
Aesten, die wie die ganze Pflanze durch-
lich. Blätter gegenständig, elliptisch-
lanzettlich, spitz, am Grunde verschmä-
lert, am Rande zurückgerollt und ganz-
randig, unter der Lupe schwach durch-
sichtig punctirt. Blumen goldgelb, über
1 Zoll im Durchmesser, in 1—2, —
seltener mehrblumigen Corymben auf
den Spitzen der Zweige. Bracteen lan-
zettlich, gegenständig, oberhalb der Mitte
des Blüthenstiels befestigt. Kelchblätter
rundlich-oval, schwach spitz, zweimal
kürzer als die fast kreisförmigen Petalen.
13 *
196
Herr Maximowiez sendete Samen die-
ses niedlichen Strauches aus Japan ein,
aus denen zahlreiche junge Exemplare
keimten, die schon im Laufe dieses Som-
mers, reichlich blüheten, In milderen
Gegenden Deutschlands dürfte dieser
kleine Strauch, auch den Winter im
Freien ohne zu leiden, überdauern. Im
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Petersburger Klima muss solcher als
Topfstrauch cultivirt werden, der in je-
der Gartenerde leicht gedeihet, den gan-
zen Sommer hindurch im Freien aufge-
stellt wird und hier dankbar blühet,
während solcher im Winter in einem
frostfreien Locale durchwintert wird. —
(E. R.)
ed) Sedum japoniceum Sieh.
(Siehe Tafel 513 Fig. 3. 4.)
Gr2assulare erae.
S. japonicum Sieb. in herb. Lugd.
bot. — Sedum Sect. Planifolia, floribus
luteis. — Glabrum, perenne, caulibus
diffusis; foliis sparsis v. oppositis, spa-
thulato-oblongis, acutis, basi solutis, sub-
reflexo - patentibus, subtus convexis, su-
pra excavatis, laete viridibus, margine
integerrimis; eymis terminalibus trifidis,
simplieibus, v. rarius ramosis; eymis la-
teralibus bi-trifidis, v. rarissime racemo-
sis; petalis lineari-lanceolatis, acutissimis,
luteis, carpellis in stylum acuminatis,
apice distantibus. —
Unsere Tafel giebt von diesem
durchaus kahlem Sedum, von dem Hrn.
Maximowicz die Samen bei Yakohama
noch eine Menge seitlicher achselstän-
diger, in 1—3 Aeste ausgehende Schein-
dolden trägt. Fig. 4 giebt eine einfache
spitzenständige Scheindolde , wie solche
am häufigsten vorkommt. Die Stengel
breiten sich
tragen zerstreute oder seltener gegen-
ständige flache Blätter, die länglich-
spatelförmig, ganzrandig, spitz, am
Grunde gelöst. Blumen gelb und in
reicher Fülle erscheinend. — Wir ceul-
tiviren diese Pflanze als Topfstaude im
Kalthause. Die Blumen von goldgelber
Farbe entwickeln sich in reicher Fülle
gegen den Herbst hin. Gedeihet ohne
jede Schwierigkeit, wird aus Samen
sammelte, unter Fig. 3 einen Stengel, | fortgepflanzt und scheint zu den zwei-
der ausser der spitzenständigen, in 3
Aeste ausgehenden Scheindolde, auch
jährigen Arten der Gattung zu gehören.
(E. R.)
2) Die Ueberwinterung und Vermehrung des Clianthus Dampieri.
Diese aus Westneuholland stammende, |
fand bis heute sowohl bei Gärtnern, als
in die Familie der Schmetterlingsblüthen | bei Liebhabern nicht die ihr gebührende
gehörende , prachtvoll blühende Pflanze | Aufnahme und meist aus dem Grunde,
nach allen Seiten aus und.
I. Originalabhandlungen.
weil bei öfterem Misslingen der Cultur-
versuche diese als zu viel Schwierig-
keiten darbietend betrachtet, gänzlich
aufgegeben wurden. —
Schreiber dieser Zeilen will es nun
versuchen, in möglichst wenigen Worten
seine Erfahrungen über genannte Pflanze
hier mitzutheilen.
Ein zur Anzucht von blumistischen
einjährigen Pflanzen bestimmtes Fenster
eines Kastens, welches leer geworden,
war mit gewöhnlicher Composterde an-
gefüllt und zufällig mit vielem Abzug
versehen.
In diese Erde nun wurde (Anfangs
Mai 1865) ein Sämling des Cl. Damp.
ausgepflanzt, welcher seinem Schicksal
überlassen, in kurzer Zeit zu wachsen
begann. Die ohnehin stets gleichmäs-
sige Feuchtigkeit eines derartigen mit
Erde angefüllten Kastens ersparte das
häufigere Giessen und scheint dieser
Umstand die Hauptursache des Gedeihens
genannter Pflanze zu sein. —
Auffallend war nun, dass während
der wärmeren Periode das Wachsthum
äusserst gering und erst gegen Anfang
des Monats September und mit Zunahme
der kühleren und feuchteren Nächte
bemerkbar wurde; ebenso zeigten sich
197
in dieser Zeit die ersten Blüthenknos-
pen. Bis spät in den Winter war diese
Pflanze mit Blüthen bedeckt (wozu al-
lerdings der überaus milde Winter viel
beigetragen hat) und liess durch An-
setzen von nur einer Schote (welche
endlich im März 1866 zur Reife ge-
langte) auf Samen hoffen.
Die späte Blüthezeit und das un-
sichere Resultat betreffs der Samenge-
winnung veranlasste mich, den Ver-
such der Vermehrung durch Stecklinge
zu machen; weil voraussichtlich auf
diese Weise erhaltene Pflanzen weit
kräftiger und somit auch Blüthe und
Fruchtzeit unbedingt früher eintreten
würde,
Der Eıfolg war ein günstiger. Die
Steeklinge in ein warmes Sandbeet ge-
bracht und öfters mit frischem Wasser
überbraust, bewurzelten sich nachkaum
14 Tagen und steht zu erwarten, dass
diese Pflanzen sich zu kräftigen Indivi-
duen heranbilden. — Sollte diese Mit-
theilung dazu beitragen, dein Clianthus
Dampieri eine allgemeinere Verbreitung
zu Schaffen, so ist der Zweck dieses
Schreibens vollständig erreicht.
Krieger,
(Obergärtner d. bot. Gartens in Basel).
3) Die Rose als Guirlande.
Für die Verwendung der Rosen kön- | waren im Bogen auf Latten oder Stan-
nen gar nicht genug Formen erfunden
werden, und es ist zum Verwundern,
dass man die in der Ueberschrift ge-
nannte Form noch nicht allgemein an-
wendet. Ich sah wohl schon Aehnliches
in plumper Weise ausgeführt, aber an
gen gebunden. Erst die Erziehung des
Apfelbaums an der Schnur (cordon ho-
rizontal) brachte mich auf den Gedan-
ken, wie reizend so gezogene Rosen
sein müssten und wie gut sie sich dazu
eigneten. Man denke sich eine Einfas-
die mit Recht zu erwartende Zierlichkeit |sung von Rosenguirlanden, etwa um
war nicht zu denken, denn die Zweige
einen Rasenplatz, um einen Sitzplatz
198
oder ein Gartengebäude, als Abgrenzung
eines Blumengartens — kann es etwas
Reizenderes geben? Bei dem verschie-
denen Wuchs der Rosen lassen sich
Guirlanden von jeder Höhe bilden, von
sogenannten Kletterrosen so hoch, dass
man darunter weggehen kann; fast
ebenso hohe von starktriebigen Hybriden
und Abarten der R. alpina. In süd-
lichen warmen Lagen würden die Rosa
multiflora, Banksiae und moschata un-
übertrefflich schöne Rosenguirlanden ge-
ben. Aber es eignet sich, mit Aus-
nahme der ganz kurztriebigen (schwach-
wüchsigen) Arten und Sorten, jede Rose
dazu, nur wird die Guirlande bei An-
wendung von langsam wachsenden Ro-
sen später fertig. Ganz besonders gün-
stig ist diese Form bei Sorten, welche
bei aufrechtem Wuchs zu stark wach-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
unten bildet, obsehon man, wenn blos
eine Einfassung beabsichtigt wird, die
Drähte ganz horizontal gespannt sein
können, wie beim Zwerch-Apfelbaum,
Diese Bogen werden auf zweierlei Weise
erreicht. Entweder man lässt den Bo-
gen der Guirlande bis nahe an den Bo-
den gehen, oder derselbe wird höher
gezogen. Im ersten Falle pflanzt man
die Rosen, ausser an den den Draht
haltenden Pfahl, auch an die Stelle, wo
die Guirlande am tiefsten wird. Man
bemerkt stehend kaum, dass die Guir-
lande hier mit der Erde in Verbindung
steht. Will man höher hängende Guir-
landen, so wählt man starktriebige Ro-
sen und zieht sie von den Pfählen aus
unter die horizontale. Das Wichtigste
bei der ganzen Zucht ist der Schnitt,
welcher hauptsächlich in der Erneuerung
sen und wenig oder nur an den Spitzen | des Holzes besteht, damit altes, abge-
blühen, weil die unteren Augen nicht
austreiben, gleichwohl den Schnitt nicht
vertragen. Durch Niederbinden in die
horizontale Lage kommen alle Augen
zum Austreiben und es werden sich
alle Zweige mit Blüthen bedecken. —
Es gehört zur Form einer Guirlande,
dass sie in der Mitte einen Bogen nach
blühtes ausgeschnitten und junges an
dessen Stelle gebunden werden kann.
Bestimmte Regeln lassen sich über die-
sen Schnitt nicht geben, und wer über-
haupt Rosen zu behandeln versteht,
wird bald den richtigen Schnitt heraus-
finden. J.
4) Ein Beispiel der Ausartung der Kartoffel.
Vor etwa 6 Jahren wurde durch
mich eine neue Frühkartoffel ‚die frühe
Schweizer-Kartoffel‘“ bekannt und durch
Herrn Ernst Benary in Erfurt in den
Handel gebracht. Dieselbe wurde bei
mir in den ersten zwei Jahren im Freien
ohne künstliche Vorrichtung schon ge-
gen den 20. Juni reif und zwar voll-
kommen mehlig. Da die Kartoffel sehr
verbreitete ich sie so vielich konnte und
wollte sie zu meinem Gebrauch sogar
als Wirthschaftskartoffel einführen. Aber
sonderbar: die Kartoffel verschlechterte
sich nicht nur der Art, dass sie nicht
mehr mehlig, sondern beim Kochen hart
blieb und dabei wässerig war, sogar in
trockenen Jahren, sondern sie wurde
auch nieht mehr früh reif, und während
ergiebig und gross war, so empfahl und |ich sie sonst vor der langen Sechswo-
I, Originalabhandlungen.
chenkartoffel benutzte,
Schweizerkartoffel erst im August be- | tert, gab ich sie ganz auf,
Nachdem ich mehrere Jahre
Versuche gemacht, endlich auch in Er-
‚fahrung gebracht hatte, dass diese Kar-
nutzen.
199
konnte ich die | toffel auch anderwärts sich verschlech-
habe aber
eine Nachzucht aus Samen, mit der ich
Versuche machen will.
J.
3) Helianthus salieifollus ®, et Diet.
Bei der allgemeinen Bevorzugung
der Blattpflanzen will ich auf die oben
genannte Staude des freien Landes auf-
merksam machen, als eine der schönsten
Blattpflanzen nicht nur unter den Stau-
den, sondern überhaupt. Eine hei mir
frei auf dem Rasen stehende Staude
wurde einst von einer Anzahl compe-
tenter Beurtheiler für die schönste Blatt-
pflanze des Gartens erklärt, — Helian-
thus salieifolius stammt aus dem Westen
Nordamerikas, ist daher gegen harte
Winter ohne Schnee etwas empfindlich
und liebt lockeren, mehr sandigen durch-
lassenden Boden. Die Pflanze wird 8
—10 Fuss hoch und bildet viele Sten-
gel, die sich überhängend nach allen
Seiten zu einem grossen Busche aus-
breiten. Die Blätter sind weidenartig,
bis 10 Zoll lang und etwas sichelförmig
nach unten gekrümmt. Die gelben Blu-
men, welche erst im Spätherbst erschei-
nen, sind unbedeutend und schaden nur
der Schönheit der Pflanze. Die ganze
Pflanze baut sich locker und durchsich-
tig. Die Wurzeln dringen tief ein, sind
stark und fest. Nach dem Verpflanzen
vergehen (wie bei Gypsophila panicu-
lata) zwei Jahre, ehe sich die Pflanze
wieder vollkommen entwickelt. H, sa-
licifolius ist in den meisten Gärten mit
Staudensammlungen zu haben.
J.
6) Die Hederaceen, bearbeitet von B. Seemann.
B. Seemann veröffentlicht in dem von
ihm herausgegebenen Journal of Bo-
tany eine Bearbeitung der Hederaceen.
In geschichtlicher Beziehung notiren wir
die folgenden allgemein intressanten An-
gaben, weil sie zeigen, wie enorm
schnell das Material angewachsen ist. —
Linne kannte nur die Gattungen
Hedera, Panax und Aralia. Von
teren Gattungen, wenn Sie auf ihre ur-
sprünglichen Charaktere beschränkt wer-
den, gar nicht zur Familie der Hedera-
ceen in Seemanns Sinne.
Die anderen Gattungen der Hedera-
ceen sind nun in folgender Reihenfolge
aufgestellt worden.
1756. Sciadophyllum R. Br.
1766. Schefilera Forst. Polyscias
diesen gehören jedoeh die beiden letz- | Forst. Meryta Forst.
200
1780. Cussonia Thbrg.
1789. Gastonia Commerson.
1791. Heptapleurum Gärtn.
1802. Gilibertia Ruiz. et Pav. Ac-
tinophyllum R. et P.
1806. Maralia Du Pet. Th.
1830. Toricellia D. C.
1840. Stellte Endlicher in seinen
Genera plantarum im Ganzen 16 Gat-
tungen auf, von denen Botryodendron,
Miquelia und Brassia neu waren. Von
diesen gehört jedoch Miquelia zu den
Olacineen und Botryodendron war schon
von Forster als Meryta beschrieben
worden.
1854, Fügte Asa Gray in der Bo-
tany of Wilkins Expedition die Gattun-
gen Reynoldsia, Tetraplasandra und Ple-
randra hinzu.
Im gleichen Jahre gaben Decaisne
und Planchon in der Revue horticole
die Uebersicht über einen Theil der Gat-
tungen der Araliaceen, Sie stellten hier
die neuen Gattungen Stylbocarpa, Echi-
nopanax, Fatsia, Brassaiopsis, Dendro-
panax, Oreopanax, Didimopanax und
Cuphocarpus auf, ohne solche jedoch
genauer zu beschreiben.
1856 fügte Miquel in der Bonplan-
dia wieder 5 neue auf den Inseln des
Indischen Archipelagus wachsende Ara-
liaceen hinzu, nämlich: Agalma, Eup-
teron, Aralidium, Macroponax und No-
thopanax, dann derselbe in seiner Flora
von Holländisch-Indien, die Gattungen
Actinomorphe und Parapanax.
Von diesen Gattungen gehört Ara-
lidium zu den Cornaceen.
Ebenfalls 1856 stellte Dalt. Hooker
die Gattung Tupidanthus.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
1858 Grisebach in der Bonplandia
die Gattung Sciadodendron.
1859 Maximowicz in der Flora amu-
rensis die Gattung Eleutherococeus.
Im gleichen Jahre gab C. Koch in
der Wochenschrift für Gärtnerei eine
Uebersicht der Gattungen der Araliaceen.
Zwei neue Gattungen wurden von ihm
vorgeschlagen: Pseudopanax und Tetra-
panax und von den anderen aufgeführten
42 Gattungen, werden 7, nämlich: Ara-
lidium,, Arthrophyllum, Cuphocarpus,
Panax, Aralia, Pukateria und Bursinope-
talum von Seemann nicht zu den Hede-
raceen gerechnet.
1863 und 1864 zeigte Seemann, dass
Horsfieldia, Hydrocotyle und Crithmum,
gleichfalls zu den Hederaceen gerechnet
werden müssen.
Dr. Seemann giebt nun in einer ein-
lässlichen Arbeit, die in seinem Jour-
nal allmählig veröffentlicht wird, die
Uebersicht sämmtlicher, zu den Hede-
raceen gehörigen Gattungen und lässt
dieser die Aufzählung der Arten folgen,
Jede Art ist ausserdem durch einen
Holzschnitt erläutert.
Das bis jetzt Gesagte zeigt, wie zer-
streut die Literatur über diese Familie
ist, so dass Seemanns Arbeit eine sehr
verdienstliche genannt werden muss.
Für den Gartenbau hat diese Arbeit
eben deshalb ein grosses Interesse, weil
die grosse Mehrzahl der Araliaceen
schöne Decorationspflanzen sind, von
denen schon ein grosser Theil in unsere
Gärten eingeführt worden ist. —
(E. R.)
I. Originalabhandlungen,
201
7) Tongressgedanken,
Die deutschen Naturforscher und
Aerzte, die deutschen Architeeten, In-
genieure, Landwirthe ete, nennen ihre
alljährliche Zusammenkunft einfach „‚Ver-
sammlung der deutschen Land- und
Forstwirthe, Naturforscher und Aerzte‘
etc. Die Gärtner begnügten sich nicht
mit einem so anspruchlosen Titel: sie
machten einen Congress der Gärtner
und Botaniker daraus. Wäre der Auf-
ruf von den Botanikern ausgegangen,
so würden diese wahrscheinlich das be-
scheidene Wort Versammlung oder ein
ähnliches gewählt haben. Mag auch im
Französischen gegenwärtig Congress das-
selbe bedeuten, was streng genommen
nicht der Fall ist, indem Congress eine
Versammlung von Fürsten oder Diplo-
maten bedeutet, so sind wir doch im
Deutschen gewöhnt, bei Congress stets
an Versammlung von Fürsten oder Ge-
sandten zu denken, und unwillkührlich
kommen uns die omineusen Namen
Wien, Verona, Olmütz ete. in den
Sinn. Jedenfalls soll ein Congress,
wenn wir das Recht der Fürsten und
Diplomaten in Anspruch nehmen wol-
len, eine beschliessende Kraft sein, Ist
dies aber bei einem der beiden Con-
gresse in Mainz und Erfurt der Fall
gewesen, oder kann es ein zukünftiger
sein® Nein! Beide haben auch nicht
das Geringste fertig gebracht und kön-
nen keine beschliessende Kraft haben,
denn hinter jedem Beschlusse muss eine
Macht stehen, sonst ist es leeres Ge-
schwätz. Das Wort Congress — ich
weiss nicht, wer es zuerst ausgespro-
chen hat — war jedenfalls zufällig ohne
Abwägung seiner Bedeutung gewählt.
Wäre es nicht besser, statt des aristo-
kratischen Wortes Congress das be-
scheidenere: Versammlung, oder Ver-
einigung oder Berathung zu wählen?
Doch das sind nur Gedanken und Wün-
sche eines deutsch Fühlenden, und im
Grunde kommt nichts darauf an, ob es
so oder so heisst.
Die Zeit von zwei Jahren ist im-
merhin ein sehr kurzer Zeitraum für die
Wiederkehr der Versammlung,
man auf eine allseitige Betheiligung
rechnet. Andere Versammlungen keh-
ren zwar jährlich wieder, aber sie be-
kommen dann eine locale Färbung, in-
dem die Mehrzahl der Mitglieder aus
der Umgegend ist. Diesen Gelegenheit
zur Theilnahme zu geben, ist auch der
Zweck dieser Wanderversammlungen.
Wenn man den Congress*) deutscher
Gärtner etc. alle drei Jahre, anstatt ein
Jahr um das andere abhielte, so wäre es
auch genug.
Ausstellungen und Congresse
passen eigentlich für die Besucher recht
schlecht zusammen, denn eins von bei-
den muss unbedingt zu kurz kommen.
Gleichwohl lassen sich beide nicht tren-
nen, denn wenn einerseits eine grössere
Ausstellung stets eine bedeutende An-
ziehungskraft auf die Besucher ausübt,
so giebt sie anderseits den Gärtnern
und Gartenfreunden der Gegend Gele-
genheit, sich zu zeigen. Da nun beide
unentbehrlich sind, gleichwohl in mög-
lichster Vollkommenheit sich gegenseitig
schaden, weil der eine Theil den Be-
such des andern kürzt, so muss das
ein unvollkommener bleiben. Dass die-
ses Schicksal den Congress treffen muss,
wenn
*) Man sieht, dass ich die officielle Be-
nennung nicht respeetwidrig verläugnen will.
DIVE
202
brauche ich wohl kaum zu sagen, denn
es wird Niemand den Gedanken denken,
man könne die Ausstellung so beschei-
den machen, dass sie vom Besuch des
Congresses nicht abzieht, denn eine
Ausstellung muss stets das möglichst
Vollkommenste bieten. Also muss der
Congress von der Höhe seines Ideals
herabsteigen und sich so beschränken,
dass den Besuchern Zeit zur Benutzung
der Ausstellung bleibt. Dass dies in Er-
furt nicht der Fall war, dass dort die
eifrigen Besucher der Ausstellung die
Congresssitzungen versäumten, während
die gewissenhaften Congresstheilnehmer
die Ausstellung nicht so benutzen konn-
ten, als sie wohl gewünscht haben,
wird Jeder zugeben. welcher die Tage
von Erfurt mitgelebt hat.
Dazu ein Drittes im
Bunde: Das Vergnügen. Ausstel-
und Vergnügen vertragen sich
ganz gut zusammen, nicht so Congress
und Vergnügen: folglich muss wiederum
der Congress nachgeben, denn das Ver-
gnügen lassen sich die aus allen Himmeis-
gegenden zusammenkommenden Fremden
nicht nehmen, noch weniger die Orte,
wo die Versammlung ist, dieses den
willkommenen Gästen zu bereiten, Er-
furt hat auch in dieser Beziehung das
Möglichste gethan, wie man sich nun,
wo die kleinen Nachleiden vergessen
sind, wohl mit grosser Freude erinnern
wird. Ich könnte eigentlich voraus-
setzen, dass Jeder die Gründe kennt,
wesshalb Congress und Vergnügen nicht
zusammenpassen; aber immer
Leute giebt, die alles begründet haben
wollen, so sage ich einfach: Kopfweh!
Wer soll klare Gedanken haben, wenn
man bis nach Mitternacht beim Glase
sitzen muss? Gute Frühstücke, Diners
und Nachtschwärmerei mit Gedanken-
klarheit zu vereinigen, ist nur eine Gabe
kommt noch
lung
da es
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
weniger Befähigter. Doch ich will auch
eine edlere Saite anklingen lassen: Die
Vereinigung alter Freunde, die Anknüpf-
ung neuer interessanter und nützlicher
Bekanntschaften, alles dies zieht ab
vom Congresse und zieht zum Vergnü-
gen. Und ich sage es offen; dieses ist
mehr werth, als die ganzen Congress-
verhandlungen, ja es ist das Beste in
der ganzen Versammlung und wahrhaf-
tig auch nicht ohne wirklichen Nutzen
für den Fortschritt. Wer mich und
meine Bestrebungen kennt, wird mich
nicht missdeuten oder mich für einen
Lebemann halten, der dem Vergnü-
gen nachjagt. Ich bedarf eigentlich
keines Rückhaltes für diese Behauptung,
äber da ein solcher vorhanden ist, so
will ich ihn benutzen. Ich stehe nicht
nur unter meinen Üollegen nicht ver-
einzelt in dieser Ansicht da, sondern
dieselbe ist auch schon von sehr ge-
wichtiger Seite wiederholt bei anderen
wissenschaftlichen Versammlungen aus-
gesprochen worden. Man hat die ge-
sellige persönliche Vereinigung der be-
sten Kräfte aus verschiedenen Gegenden
und deren Folgen geradezu für den
Hauptzweck der Versammlungen erklärt
und in diesem Sinne das Programm ein-
gerichtet. In allen Versammlungen, wo
ein grosses Programm aufgestellt worden
ist, ist nur Kleines geleistet worden,
Und doch haben meistens andere Ver-
samnmlungen keine Ausstellung oder we-
nigstens weniger reichhaltige und an-
haltende als Gegner der Verhandlungen.
Wenn die Congressverhandlungen
gekürzt und vereinfacht werden sollen,
wie ich annehme, dass es sein muss,
so haben wir zu untersuchen, worin die
Vereinfachung zu bestehen hat. Nach
meiner Ueberzeugung müssen die
Sectionen und ihre besonderen
Verhandlungen wegfallen. Man
I. Originalabhandlungen.
wird mit Recht den Beweis dafür ver-
langen, und ich werde ihn liefern. Es
ist mir gar wohl bekannt, dass bei sol-
chen Versammlungen in den Hauptver-
‚handlungen oder Plenarsitzungen kein
Beschluss durchgeführt werden kann,
keine Debatte fruchtbringende Erfolge
gehabt hat, weil die Gegenstände nicht
vorbereitet sind, Man lässt desshalb
in Sectionen verhandeln und in der
Schlussversammlung nur die Summe der
Einzelverhandlungen (das Resume) ge-
ben. Diese ganz aus der Erfahrung
entsprungene Einrichtung ist sicher vor-
trefllieh, wo es sich um wirkliche Be-
schlüsse und ernste Verhandlungen han-
delt, aber das Gegentheil, wo es her-
geht, wie bei den Gärtnercongressen,
und wo eine Ausstellung abzieht. Auch
müssen die Sectionen so eingerichtet
werden, dass man womöglich zwei be-
suchen kann. Dazu gehört wieder Zeit,
kein Abziehen durch Nebendinge. Wo
man für die Sectionssitzungen hinrei-
chend Zeit und keine Abhaltung durch
— etc. etc. hat, mag man immerhin
dieselben beibehalten. Aber Sections-
sitzungen und Hauptverhandlungen mit
Ausstellung und Vergnügen — das geht
nicht. Den Beweis hat Erfurt geliefert.
Was haben die Sectionssitzungen gelei-
stet? Nichts, wenigstens fast nichts!
Man konnte nur bedauern, dass die
Männer, welche zu Sections-, Vor- und
Beisitzenden erwählt waren, ihre schöne
Zeit versäumten, denn sie waren zum
grossen Theil allein. Ja die Section IV,
welche wahrhaftig interessant genug mit
Stoff bedacht war, war ganz ohne Theil-
nehmer geblieben, was Herr Dr. Neu-
bert, der ‘Vorsitzende derselben mit
gutem Humor „resumirte“, und in Sec-
tion VI hatten der Schreiber dieses und
Herr Professor Schleicher aus Jena in
der zweiten Sitzung nur den Vorsitzen-
203
den des Gartenbauvereins in Cassel,
Herrn Apotheker Gläser zum Theilneh-
mer ihrer — Langeweile, während unten
die Ausstellung lockte, wo noch so vie-
les zu sehen war. Und waren dann,
frage ich, etwa in Erfurt vorzugsweise
Nichtsnutzige oder Gleichgültige zusam-
mengeströmt, dass sie wie schlechte
Schüler den Congress schwänzten? Und
wird es an andern Orten besser sein?
Dass es ebenso sein müsse, wird frei-
lich nicht behauptet, denn der Geist
der Versammlungen ist nicht immer der-
selbe und der in Erfurt herrschende war
zufällig ein etwas unbändiger, besonders
aufgeregter, was zum grossen Theil der
festlichen Stimmung der Stadt und ihrer
freundlichen Theilnahme
war.
zuzuschreiben
Aber Niemand wird darüber Reue
fühlen, dass er die Congressverhandlun-
gen schwänzte, denn die Augenblicke
wurden gewiss gut angewendei. Was
besuchtere Sectionen leisteten, ist nicht
der Rede werth*). Man restumirte, dass
man über die Darvin’sche Theorie sich
noch nicht bestimmt aussprechen könnte,
berichtete über eine Zusammenstellung
von Zierpflanzen, deren Namen jeder
Zuhörer vergessen hatte, ehe er nur
den Saal verliess, und besprach die Aus-
bildung und Lebensstellung der Gärtner
in einer Weise, die nicht das Geringste
ändert, weil kein Beschluss dahinter
®) Das eben erschienene I. Heft der
Illustrirten Monatshefte für Obst- und Wein-
bau enthält wirklich ein nicht ganz unbe-
deutendes Protocoll von zwei Sitzungen,
und ich hätte also bei der Section für Obst-
bau Unrecht. Gleichwohl erinnere ich mich
genau, dass in der Hauptversammlung kein
Referat über die Sitzung der 11. Section ge-
geben werden konnte. Ob dies in der
Schlussitzung noch geschehen, bezweitleich.
DEV.
204
steht und stehen kann*). Soviel ich
weiss, ist die Anerkennung der Statuten
des Gärtner-Pensions-Vereins, welchen
der erzgebirgische Gartenbauverein ge-
gründet hat, das Einzige, was wirklich
fertig gebracht worden ist, also gerade
eine Sache, die nur als Anhang zum
Programm angenommen worden war.
Hierbei wusste man aber genau, was
man wollte, hatte bestimmte Vorlagen
und konnte ausführen, was beschlossen
wurde.
Wer meinem Gedankengange trotz
kleiner Absprünge gefolgt ist, wird fra-
gen: Da nun aber anerkannt ist, dass
Plenar- Versammlungen mit Debatten
nichts leisten, weil der Verhandlungs-
stoff nicht vorbereitet ist und durch
nutzlose Debatte die Zeit zersplittert
wird; wenn gleichwohl behauptet wird,
dass die Vertheilung des Stofles in Sec-
tionen zu nichts führt, — was bleibt
dann noch? Wohlan! es bleibt noch
genug, was Anziehungskraft für Besucher
*) Ich kann hier eine Bemerkung nicht
unterdrücken, welche im Text stört. Man
verlangte für einen Gärtner erster Klasse
die Schulreife von Tertia oder gar nur von
Quarta eines Realgymnasiums, im Allgemei-
nen aber blos die Bildung einer Bürger-
schule, vor allem Rechnen und Schreiben.
Dazu braucht es keiner Berathung; so be-
kommen wir die Gärtnerlehrlinge längst.
Man verlange ja nicht zu viel, und zur Auf-
nahme als Lehrling muss das Wenige ge-
nügen, weil man eben zufrieden sein muss
und auch bei schwacher Vorbildung tüchtige
Gärtner entstehen können. Aber wenn ein
Congress aussprechen soll, welche Bildung
Gärtner erster Klasse nöthig haben und man
verlangt kaum so viel, wie jetzt jeder intel-
ligente Handwerker lernt, — dann schämt
man sich, dass andere Leute als Gärtner
den Ausspruch mit angehört haben.
BET:
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
hat, genug wirklich Gemeinnütziges,
was in einigen allgemeinen Sitzungen
nicht verhandelt, sondern vorgetragen
werden kann, Es finden stets tüchtige,
der Rede fähige Männer, welche einen
Vortrag von allgemeinem Interesse hal-
ten können und werden, und man mag,
wie es bei andern Versammlungen und
auch in Amsterdam geschehen, zu Vor-
trägen recht zeitig auffordern, damit sich
Redner vorbereiten und anmelden kön-
nen. Handelt es sith um streitige Punkte,
so kann ein Gegenredner auftreten, und
dem ersten kann nochmals das Wort
gegeben werden. Wird dann die Zeit
bestimmt, wie lange gesprochen werden
darf, so lässt sich in einigen Stunden
schon manches gute Wort sprechen.
Hätte man anstatt der vielen bedeutungs-
vollen, mit grosser Umsieht aufgestellten
Fragen in Erfurt nur allein über die
Darvin’sche Theorie in Bezug auf die
Pflanzenwelt gesprochen, ja nicht einmal
über das Ganze, sondern nur über Dar-
vins Lehre in Beziehung auf die Gärt-
nerei, so hätte dies mehrere Verhand-
lungen ausfüllen können und die meisten
Versammelten würden mit grossem In-
teresse zugehört, manche sich durch
Angabe von Thatsachen betheiligt ha-
ben. Man halte sich also in Zukunft
an einige allgemein anziehende und
nützliche Vorträge in Hauptversamm-
lungen, und lasse Fragen, welche nie
beantwortet werden, weg, dann haben
Alle Nutzen und es bleibt Zeit genug
zum Besuche der Ausstellung und Gär-
ten des Ortes.
Zum Schluss noch ein Wort über
sogenannte internationale Congresse,
Man war bisher so höflich gegen die
Fremden, dass sie in ihrer Landesspra-
che Reden halten konnten, und es fan-
den sich auch wirklich Redner genug,
welche vor buchstäblich tauben Ohren
I. Originalabhandlungen.
predigten. Man muss eine fremde Spra-
che nicht nur sehr gut gelernt und et-
was gesprochen haben, sondern sie wirk-
lich lange und anhaltend mit Gebildeten
gesprochen haben, um einen wissen-
schaftlichen Vortrag mit seinen gewähl-
ten Redewendungen zu verstehen, na-
mentlich im Französischen, wo die
Sprache der Vorträge eine ganz beson-
dere gesuchte ist.
Internationale Congresse haben ih-
ren grossen Nutzen, aber man mache
zur Bestimmung, dass alle Reden nur
in der Sprache des Landes gehalten
werden dürfen, in welcher die Versamm-
205
lung berufen ist, denn es ist zuviel ver-
langt, dass %/), der Versammlung einer
Rede zuhören sollen, die sie nicht ver-
stehen. In Ländern, wo die französi-
sche oder deutsche Sprache von allen
Gebildeten gesprochen wird, müsste na-
türlich diese Bürgerrecht am Congresse
haben. Spricht man eine fremde Spra-
che auch schlecht, so haben die urtheils-
fähigen Zuhörer immer Geduld und
Nachsicht, und wenn man practisch auf
das Ziel losgeht und nicht blos in Re-
densarten sich bewegt, so wird man
auch verstanden. J.
8) Kurzer Bericht über den Anbau einiger Gemüsearten in der
Oekonomisehen Abtheilumg des Kaiserlichen Boianischen Gar-
tens in St. Peiershburg, vom Blerrm Severim
Es ist diesem Berichte vorauszusen-
den, dass der Sommer 1865 für Gemü-
secultur im Allgemeinen ungünstig war.
Auf einen kalten rauhen Vorsommer
folgte im Juli trockene und heisse Wit-
terung. Der August sehr kalt. Am
16. August (n. St.) erfroren Bohnen,
Gurken und das Kartoffelkraut. Die
Witterung im September war gut, aber
das Wachsthum durch vorausgegangene
kalte Witterung schon sehr beeinträch-
tigt. Ende September schon — 7° R.
einigemal des Nachts, so dass die fol-
gende milde Witterung im October kei-
nerlei Einfluss mehr haben konnte. Die
Aussaaten wurden den 5. (17.) April
gemacht. Verstopft wurden die jungen
Pflanzen den 18.—22, Mai (30. Mai bis
3. Juni). Auf das präparirte Land
konnte erst vom 15.—25. Juni (27. Juni
bis 7. Juli) ausgepflanzt werden, da das
Wasser gestanden hatte und zum zwei-
tenmale präparirt werden musste, Alle
Schattenseiten der Lage und des Klimas
unterm 60° N. Br. traten 1865 beson-
ders grell hervor. (E. R.)
Kohlarten.
1) Kraut, frühestes Zucker —
sehr früh und wohlschmeckend, verdient
den Namen Zuckerkraut; die erste Aus-
saat von Mitte März lieferte am 20. Juli
(1. Aug.) die ersten festen Köpfe, Sehr
zu empfehlen. Die erste Anpflanzung
lieferte vollen Ertrag. Die zweite An-
pflanzung den 1. Aug. (13.) nur %,
volle Köpfe.
2) Kraut, Erfurter kleines
weisses, — ebenfalls zu empfehlen,
schliesst sich zeitig und bildet feste
mittelgrosse Köpfe. War voriges und
dieses Jahr am ertragreichsten. Voller
Land in Folge der Sturmfluth ganz unter | Ertrag.
206
3) Kraut, Ulmer kleines frü-
hes, — dem vorigen ähnlich, kleiner,
aber feste Köpfe. °/, Ertrag *).
4) Kraut, Ulmer spätes Cent-
ner. — Giebt nur bei früher Aussaat
reichlichen Ertrag und grosse sehr feste
Köpfe. 2/, Ertrag.
5) Kraut, Griechisches Cent-
ner. — Niedrig, scheint sehr guten
Boden zu lieben und lieferte kaum: 2/3
Ertrag.
6) Kraut, Nürnberger niedri-
ges. — Sein Aussehen mehr des eines
Wirsings. Wird sonst empfohlen, lie-
ferte aber nur !/, Ertrag.
7)Kraut, Battersea. — Gewiss eine
sehr späte Sorte, von niedrigen Wuchs
und eigenthümlichem Bau. Die nach
innen gerollten Blätter bilden eine schöne
Rosette aber zeigen wenig Neigung, feste
Köpfe zu machen.
8) Kraut, Kalomenskaja.
Eine Russische beliebte Sorte. Bildet
hohe blattreiche Pflanzen, lieferte aber
bei zu später Anpflanzung nur etwas
mehr als !/, gute Köpfe. Bei früher
Aussaat wird es sehr empfohlen. Hoch-
stengelig und sehr grosse Köpfe.
9) Kraut, Ulmer blutrothes
Salat — und
10) Kraut, Holländiscehes klei-
nes schwarzrothes, — geben beide
dann nur reellen Ertrag, wenn sie schon
im März ausgesäet und spälestens Ende
Mai ausgepilanzt worden.
11) Kraut, Butter- oder Car-
ist mehr Blattkohl als
Scheint für Russland ganz
minat,
Kopfkohl.
untauglich zu sein. —
12) Kraut, Drumhead, niedriges
frühes.
*) Mit ®/, Ertrag wird bezeichnet, dass ®/,
der ausgesetzten Pflanzen gute Köpfe
bildeten.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
13) Kraut, Drumhead, Johan-
nistag.
14) Kraut, Drumhead, grosses
spätes.
Alle 3 von sehr reichem Ertrag und
schöne feste Köpfe liefernd. Die beiden
erstern niedrig und früh, das letztere
etwas höher und später. —
Wirsing oder Savoyerkohl.
1) Wirsing, Erfurter kleiner
früher fester, — extra früh, sehr
ergiebig. Voller Ertrag.
2) Wirsing, Erfurter neuer
goldgelber, — nur klein und unbe-
deutend.
3) Wirsing, Erfurter grosser
gelber, — alte bekannte gute Sorte.
Voller Ertrag.
4) Wirsing, Ulmer kleiner
früher, — empfehlenswerth wie Erfur-
ter kleiner früher. Voller Ertrag.
5) Wirsing, Ulmer grosser .
später, — nur ergiebig bei frühem
Anbau.
6) Wirsing, früher niedriger
Capuziner, — und
7) Wirsing, Wiener früher
Treib, — beide gut zum Treiben im
Frühbeete,
8) Wirsing, Non plusultra, —
neue Sorte, von grobnarbigen grossen
breiten Köpfen. Voller Ertrag.
9) Wirsing, Engl. kugelförmi-
ger, — neu, feiner genarbt als voriger
und ebenfalls ergiebig.
10) Wirsing, Engl. gelber, —
sehr späte Sorte, wohl blätterreich, doch
wenig geschlossen.
11) Wirsing, Engl. feingenarb-
ter Waterloo. — Zwar auch spät,
doch alle Pflanzen sich schliessend,
Schöne Rosetten bildend.
12) Wirsing, Strassburger
I. Originalabhandlungen.
langköpfiger.
gute Sorte.
13) Wirsing, Chou Marcelin,
Frühjahrsaussaat hier besser gedeihend
als in Deutschland und der Schweiz.
Zur Sommeraussaat in Petersburg nicht
geeignet, Eine gute ertragreiche Sorte.
14) Wirsing, Victoria. Vorzüg-
liche Sorte mit sehr grossen Köpfen.
15) Wirsing. Englischer Trom-
melkopf. Gleichfalls grossköpfig, aber
weniger zu empfehlen.
16) Wirsing, de Vertus. Gross-
köpfige vorzügliche Sorte.
1) Rosenkohl neuer engl. Cot-
tagers.
2) Grünkohl, hoher brauner krau-
Ser.
3) Grünkohl, hoher grüner krau-
ser.
Späte aber bewährte
4) Grünkohl, niedriger grüner
krauser.
5) Grünkohl, niedriger brauner
krauser.
6) Plumagenkohl, roth und weiss-
bunten Blättern.
7) Kohl von Neapel,
krausten weissrippigen Blättern.
Die genannten Rosen- und Blatt-
kohle gediehen alle gut und lieferten
guten Ertrag. Dürfen in Petersburg
nicht später als gegen Ende April (An-
fang Mai) ausgesäet werden.
8) Palmkohl. Wird hoch, reicher
Ertrag. Wird wie Grünkohl verspeist. —
9) Gelber Butterkohl. Zum Ge-
brauch im Sommer und gut von Ge-
schmack. —
mi ge-
Beta.
Beta brasiliensis in 4 Farben, nur
zur Zierde.
Erfurter Sorten.
Neue dunkelrothe runde, gut.
207
Von Bassano, mit rothgeadertem
Fleisch, nicht zu empfehlen,
Schwarzrotlie Crapoudine, ist mehr
Runkelrübe, nicht zu empfehlen.
Blutrothe zum Einmachen, lange
schwarzrothe Wurzeln, vorzüglich gut.
Neue dunkelrothe, von Castle Nau-
dary, kurzlaubig, schwarzroth,
gross, aber gut.
nicht
Aus Bucks Samerhandlung in Petersburg.
Whytes dunkelrothe.
Dunkelrothe Zwerg.
Lange rothe
Blutrothe holländische.
gut, besonders die letztere.
Sämmilich
Speise-Rüben. (Ausgesäet den 23.
Juni (7. Juli.)
1) Runde weisse Mai.
2) Runde gelbe Mai.
Beides gute alte Sorten, besonders
zur frühen Aussaat.
3) Gelbe frühe Altringham, eine gute
runde Sorte.
4) Petrowskaja, goldgelbe plattrunde,
ausgezeichnet, eine vorzügliche rus-
sische Sorte, fein zum Schmoren. —
5) Finnländische gelbe, ähnlich der
vorhergehenden,
6) Runde schottische weisse Stein und
7) Runde schottische gelbe Stein,
vortreflliche runde Sorten.
8) Gelbe frühe Maltheser, gut.
9) Robertson’s Stein, gelbe runde,
nicht zart im Essen.
10) Gelbe runde Wilhelmsburger,
wird gross, mehr zum Viehfutter.
11) Orangegelbe Gelee, gross, zur
Fütterung.
12) Lange gelbe Bortfelder, bekannte
Sorte zum Essen und Viehfutter.
13) Lange Boule d’Or; ähnlich der
Vorhergehenden.
14) Lange röthliche von Freneuse,
war gelb und nicht besonders,
208
15) Regensburger schwarze Pfätter,
ähnlich dem schwarzen Sommerrettig.
16) Längliche Teltauer, bekannte
kleine delicate Sorte.
Futterrüben.
1) Weisse rothköpfige.
2) Gelbe rothköpfige. Ausserordent-
lich ergiebig und sehr grosse Sorten.
3) Gelbe rothköpfige Bulloc.
4) Weisse grünköpfige Bulloc.
5) Runde schwarze Herbst-, ähnlich
der Regensburger.
6) Lange weisse rothköpfige Herbst-
oder Stoppel.
7) Runde weisse Herbst.
Nr. 3 bis 7 gut, aber viel kleiner
als Nr. 1 und 2.
Kohl- oder Steckrüben.
Mitte Mai.
Ausgesäet
1) Ulmer glatte goldgelbe.
2) Ulmer extra schöne goldgelbe.
3) Ulmer neue goldgelbe rothköpfige.
4) Ulmer neue Schmalz-, extra.
5) Ulmer rothgelbe runde Zucker.
6) Gelbe rothgrauhäutige Riesen.
7) Weisse rothgrauhäutige Riesen.
8) Bangholms purple top.
9) Skirvings purple top.
10) Cruikfields hybrid, Wurzel wie
Steckrübe, Laub- wie Mairübe.
Nr. 1—5 zum Essen die besten.
Nr. 6 und 7 die beiden grössten Sorten
und gleich $S—10 mehr nur zur Vieh-
fütterung.
Cichorienwurzel, lange Magdeburger,
zur Cichorienbereitung.
Cichorienwurzel, buntblätierige, zum
Treiben als Salat im Winter.
Scorzonerwurzel. Russ. Riesen, ausge-
zeichnet in Grösse und Geschmack,
schon im ersten Jahre bei zeitiger Aus-
saat. Bedeutend besser als die gewöhn-
liche Sorte,
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Sellerie, niedriger früher zarter.
Re Erfurter grösster Knoll-,
Beide als Knollsorten vorzüglich. —
Sellerie, Bleich, rother mit Wall-
nussgeschmack.
Sellerie, Bleich, weicher Turner
Imcomparable.
Sellerie, Bleich, rother grosser
Manchester. Alle 3 gut zum Nachblei-
chen für den Winter.
Rettig wurden am 21. Juni (3. Juli)
ausgesäet.
1) Chinesischer, weisser, rosenrother
und violetter, sehr saftig.
2) Chinesischer, weisser, mit langen
Blättern.
3) Runder und langer Sommer-.
4) Schwarzer runder Sommer-.
5) Grauer Riesen-Winter-
6) Rothschaliger Herbst-.
7) Gelber und weisser Wiener Mai-.
8) Langer und runder
Winter-.
9) Violetter runder Winter-.
10) Weisser Baschkiren oder Zucker-
hut.
11) Langer violetter Gonnay.
12) Schwarzrother länglicher Winter-.
Alle gut. Nr. 1 und 2 sehr saftig.
Nr. 5, 6, 10 besonders gross und gut.
Nr. 11 liefert im Ausehen sehr schöne
Knollen.
Porr&,
Gelber von Poitou, besonders gros-
ser, eine der besten Sorten,
Von Rouen, kurzer dicker; ebenfalls
gut.
Sehr grosser Müsselbourgh, gerieth
schlecht und blieb klein,
Spinatpflanzen.
Mesembrianthemum eristallinum, ge-
schwarzer
DL.
38,
7 ZIP 2
Aftorcum
OPLCHDIE-
DER
es
I. Neue Zierpflanzen.
deihet nur bei Aussaat im Mistbeete.
Liefert ein sehr zartes Gemüse,
Schnittpetersilien, spanische feine
Zweig.
Schnittpetersilien, Engl. Myatts.
Schnittpetersilien, Engl. Mitschells.
Matschless.
Die letztere im Aussehen die schönste,
Neuseeländer Spinat. Ein sehr
ertragreiches Gemüse. Der Same wird
im Wasser angeweicht, dann im Napf im
Warmbeet ausgesäet und später auf ein
sonniges Beet ausgepflanzt. Man schnei-
det die Spitzen der Zweige zum Ge-
brauche wiederholt ab. —
Carotten.,
1) Halblange Holländische
Douwicker. Ist eine der besten
frühen Sorten; besser als die anderen
Sorten. —
a) Abgebildet in „Flore des serres.“
1) Amorphophallus campanulatus Blum.
(Arum campanulatum Roxb.) — Eine sehr
interessante knollige Aroidee von den ostin-
dischen Inseln, nicht neu aber selten in un-
seren Warmhäusern. — Sie scheint selten
in den Sammlungen zur Blüthe zu kommen»
aber schon als Blattpflanze verdient sie alle
Beachtung. — Sie ist ein Seitenstück zu
dem im Januarhefte dieses Jahrganges ab-
gebildeten Sauromatum pedatum Schott.; aus
einer grossen plattrunden Knolle erhebt sich
pilzarlig auf sehr verkürztem Stiele die höchst
merkwürdig geformte Blüthe, die grosse
Scheide bildet eine flache Vase mit wellig
gefaltetem Rande, der Rand ist schön rosen-
roth, die Innenseite rein weiss, nach dem
Grunde zu in dunkelroth übergehend. Aus
209
2) Feine weisse zum Schmo-
ren. Frühe zarte Sorte zur Aussaat
im freien Lande.
3) Frühe rothe Horn’sche.
Gleichfalls zur Aussaat ins freie Land
sehr zu empfehlen.
4) Frühe feine Braunschwei-
ger. Liefert im freien Lande grosse und
wohlschmeckende Rüben.
5) Weisse grünköpfige Rie-
sen.
6) Rothe grünköpfige Riesen.
Beide als grösste Sorten, besonders
zum Anbau als Viehfutter,
7) Violette lange. Eine grosse,
von Aussehen schöne Sorte, Beim Ab-
kochen wird die Farbe unansehnlich,
der Geschmack nicht besonders.
Neue Zierpflanzen.
ein kurzer, dicker Kolben, der wie bei den
verwandten Gattungen am Grunde die weib-
lichen, höher hinauf die männlichen Blüthen
trägt und oben in einen dicken, unförmlich
knolligen Kopf endigt. Nach der schnell
vergänglichen Blüthe erscheint ein einzelnes,
selten zwei langgestielte Blätter, deren Stiel
schaftförmig, dick und gerade, etwa 11/, Fuss
hoch wird und oben das grosse, elegant
vieltheilige Blatt flach ausgebreitet trägt, in
der Tracht also palmenähnlich sich darstellt,
Der Blattstiel ist warzig rauh, braun und
grün marmorirt. — Die Pflanze verlangt
eine lange Ruhezeit, während welcher sie
im Warmhause durchaus trocken gehalten
wird; erst wenn sich aus dem Centrum der
Knolle der neue Trieb erhebt, wird umge-
pflanzt und wieder begossen, anfangs sehr
mässig, aber zunehmend mit zunehmender
dieser elegant geformten Vase, erhebt sich | Entwicklung des Blattes. (Taf. 1602—3.)
vo. 1866.
14
210
2) Vanda suavis Hrubyana Rchb. fil. —
Eine prächtige Varietät dieser schönen, so
sehr geschätzten ostindischen Orchidee; die
auf weissem Grunde sehr dicht rothbraun
gefleckte und marmorirte Innenseite der Blu-
menblätter contrastirt auf's Wirksamste mit
der rein porzellanweissen Rückseite und der
purpurrothen Lippe. Die Vanda suavis ist
specifisch nicht von der V. tricolor zu tren-
nen, nach Reichenbach existiren zahlreiche
Mittelformen, dagegen gesteht er gerne zu,
dass sie vom blumistischen Standpunkt aus
zu trennen sind, so dass zu suavis die
weissgrundigen, zu tricolor die gelbgrundigen
Varietäten gehören, auch durch die am
Grunde schmaleren und stärker gedrehten
Petalen unterscheiden sich die zu suavis ge-
hörigen Formen. (Taf. 1604—5.)
3) Rhododendron var. Madame Van
Houtte. — Eine liebliche, in ihrer zarten
Färbung vorzügliche und unübertroflene Gar-
tenform, mit sehr grossen, gutgeformten
Blumen, rein weiss, zart incarnatrosa geran-
det, mit wenigen kaum bemerkbaren Flecken
auf dem oberen Segment. — Von Rh. ma-
zimum abstammend, gehört diese Varietät
zu den härtesten, die wir besitzen und ist
daher doppeltempfehlenswerth.
(Taf. 1606—7.)
4) Eucodonopsis naegelioides V. Houtte.
— Das Etablissement Van Houtte hat seit
einer langen Reihe von Jahren in der Züch-
tung neuer Varietäten und Hybriden von
Gesneriaceen Vorzügliches geleistet. Der
frühere dortige Culturchef Roezl, (jetzt seit
Jahren in Mexiko als Pächter einer grossen
Plantage und so weit es Zeit und Umstände
ihm erlauben, auch jetzt noch eifrig bemüht,
unsere Gärten durch neue Einführungen zu
bereichern,) — nicht zufrieden mit seinen
Erfolgen in Züchtung neuer Varietäten und
Formen, versuchte Bastarde zu ziehen, nicht
nur zwischen Arten von gleicher Gattung,
sondern auch Bastarde von Arten, die zwei
verschiedenen Gattungen angehören, zu die-
sen Versuchen hauptsächlich ermuntert durch
die prächtige Gesneria Donckelaarü.
Diese wurde im botanischen Garten in Gent
von Herrn Donckelaar durch Befruchtung
der Gesneria discolor mit Gloxinia caules-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
cens gewonnen, Prof. Decaisne bezweifelte
zwar diese Abstammung, da er einen Ba-
stard zwischen 2 so verschiedenen und zu
2 Gattungen gehörenden Arten für ein Ding
der Unmöglichkeit hielt, — aber: diese Ab-
stammung steht über allen Zweifel erhaben
und wurde dadurch des Weiteren bestätigt,
dass @Gesneria Donckelaarii wiederum mit
Gloxinia befruchtet, die @esneria hybr. Miel-
lezii und hybr. pyramidalis lieferte, also
Bastarde 2. Generation, von denen wir sel-
ber durch fortgesetzte Befruchtung Bastarde
3. und 4. Generation züchteten, die fast ganz
ächte Gloxinien geworden sind, aber den-
noch die ursprüngliche Abstammung von
Gesneria discolorin Blatt, Blüthe und Wuchs
noch immer deutlich erkennen lassen.
Die Thatsache, dass Bastarde auch zwischen
Arten verschiedener, immerhin natürlicher
Weise nah verwandten Gattungen gewonnen
werden können, wurde durch Roezl’s Ver-
suche auf’s Schönste bestätigt, so erinnern
wir an seine Mandirola hybr. Roezliı, einen
Bastard von Mandirola Seemannı oder
Scheeria mezxicana und Naegelia zebrina
und an die schöne Tydaea hybr. gigantea,
die Roezl durch Befruchtung der T’ydaea
pieta mit Sciadocalyx Warscewiezii gewann.
— Nachdem er das Etablissement Van Houtte
verlassen, wurden seine Kreuzungsversuche
von seinen Nachfolgern eifrig fortgesetzt
und viele vorzügliche, blumistisch werthvolle
neue Formen gezüchtet; so erinnern wir an
die prächtigen Van Houtte’schen T’ydaeen,
Naegelien, Gloxinien ete., die sich überall
Anerkennung erworben haben. — Unter den
neuesten Züchtungen, die aus diesem renom-
mirten Garten hervorgingen, verdient die
Eueodonopsis naegelioides, mit deren Ab-
bildung der 16. Band der „Flore des serres
etc.“ würdig eröffnet wird, ganz besondere
Beachtung aller Freunde von wirklich schö-
nen und interessanten Neuheiten. — Sie
ist ein Bastard von Eucodonia Ehrenbergii
Hanst. (Mandirola lanata Planch. et Lind.)
befruchtet mit Naegelia zebrina splendens.
Das Laub gleicht mehr der mütterlichen
Pflanze, ist aber grösser, fester und weniger
wollig, der Habitus verräth dagegen die vä-
terliche Abstammung, sie bildet einen auf-
II. Neue Zierpflanzen.
rechten Stengel wie die Naegelien; bei der
Form der Blumen ist wieder der mütterliche
Antheil, bei der Färbung dagegen der vä-
terliche überwiegend. Die Farbe ist ein
schönes Rothviolett, der Saum auf der un-
teren Hälfte mit einem karmoisinrothem
Adernetze bedeckt, der Schlund eitronengelb
mit roth fein punktirt, — summa summarum
es ist eine wunderschöne Pflanze, die jeder
Freund der schönen Gesneriaceen in seine
Sammlung mit grosser Freude einreihen
wird. (Taf, 1608.)
5) Aucuba japonica Thnbrg. — Die
als immergrüne Decorationspflanze mit gelb
punktirten Blättern längst verbreitete Aucuba
japonica, die namentlich in England, als
Zierde auch der kleinsten Hausgärten unge-
mein viel verwendet wird, wurde gegen
Ende des vorigen Jahrhunderts nach Europa
von Japan eingeführt. Die Pflanze ist ge-
trennt geschlechtig und der Zufall wollte,
dass nur weibliche Pflanzen eingeführt wur-
den; nun sind die Blüthen allerdings sehr
klein und unbedeutend und vermögen den
decorativen Werth der Pflanze nicht zu er-
höhen, desto schöner sind aber die grossen
Rispen der korallrothen Beerenfrüchte , die
den ganzen Winter hindurch auf den Zweig-
spitzen sitzen bleiben, und herrlich mit dem
dunklen Laube contrastiren. Neuerdings
hat nun der berühmte Reisende Robert
Fortune die typische Art mit einförmig
dunkelgrünen Blättern in beiden Geschlech-
tern eingeführt, nebst einigen sehr schönen
panachirten Formen und der Handelsgärtner
Standish, dem Fortune die Pflanzen zur
Pflege und Vermehrung übergab, befolgte
den Rath des erfahrenen Fortune, indem
er eine Anzahl weiblicher Aucuba-Pflanzen
in Töpfen eultivirte, neben den männlichen
und sorgsam jede Pflanze befruchtete. Der
Erfolg war über, alle Erwartung günstig und
bald konnte Standish auf den Londoner
Ausstellungen Exemplare, bedeckt mit den
schönen Beeren, vorweisen, die allgemeines
freudiges Erstaunen erregten und zu fabel-
haften Preisen verkauft wurden. Für Eng-
land haben die Aucuba sehr grossen Werth,
weil sie dort auch unter den ungünstiesten
Verhältnissen, im Rauch und Staub der en-
211
gen Strassen noch sehr gut gedeihen; auch
in der Schweiz in niederen schattigen Lagen
auf Lehmboden sind sie noch vollständig
ausdauernd, in Deutschland werden sie an
günstigen Lagen unter leichter Deckung
ebenfalls vortheilhaft zu verwenden sein, in-
sofern der Boden ihnen zusagt, und als
harte, immergrüne Decorationspflanzen für
Orangerie und Kalthaus, wird ihr Werth
ebenfalls wesentlich erhöht werden durch
den Beerenschmuck. — Ob künstliche Be-
fruchtung durchaus nothwendig ist, um
Früchte zu erzielen, darüber fehlt noch die
Erfahrung; das Zusammenpflanzen beider Ge-
schlechter genügt bei den meisten getrennt
geschlechtlichen Pflanzen vollständig, um
einen normalen Fruchtansatz zu gewinnen.
(Taf. 1609.)
6) Amaryllis Gartenvarietäten.
— Auf 4 Doppeltafeln giebt die „Flore des
serres“ eine Auswahl von herrlichen Varie-
täten aus der Untergattung Hippeastrum,
die gewiss die Liebe zu diesen in früheren
Jahren mit Passion cultivirten, aber jetzt aus
der Mode gekommenen schönen Zwiebelge-
wächsen auf’s Neue anfachen wird. Van
Houtte steht unter den Handelsgärtnern
hoch da, weil er nicht nur der Modeströ-
mung folgt, sondern als wahrer Pflanzen-
freund mit harinäckiger Ausdauer, mit gros-
sen pecuniären Opfern alte schöne Pflanzen
fort und fort eultivirt, wenn sie auch lange
Jahre hindurch nicht rentiren. So hat
er auch von jeher den Amaryllis-Arten seine
Liebe treu bewahrt, nicht nur sammelte er,
was er von brasilianischen und peruanischen
Arten auftreiben konnte, sondern es wurden
Kreuzbefruchtungen mit vieler Sorgfalt ge-
macht und immer nur die schönsten und
grössten Blumen zur Züchtung benutzt, bis
er endlich nach Jahre langen still fortge-
setzten Aussaaten ein Sortiment zusammen-
brachte, das an Mannigfaltigkeit und Pracht
im Colorit nicht seines Gleichen finden
dürfte. Er hat das grosse Verdienst, die
schönen alten Arten und Varietäten nicht
nur sorgsam aufbewahrt zu haben, sondern
er hat sie fort und fort veredelt und in
mannigfaltigerem Farbenschmuck neu ge-
züchtet. — Die prächtige Amaryllis-Samm-
14 *
212
lung, die auf der grossen Brüsseler Ausstel-
lung den ersten Preis erhielt, bestand aus-
schliesslich aus Varietäten, die in Van Hout-
te’s Etablissement aus Samen erzogen waren.
Die Cultur betreffend, verweisen wir auf die
Rubrik „Notizen“ in der wir die Cultur van
Houtte’s Angaben einlässlich besprochen ha-
ben. — Die Stammarten dieser Gartenvarie-
täten stammen von Südamerika, wo sie in
den Urwäldern, entweder in Felsspalten,
oder und zwar meistens aufBäumen in rei-
nem Humus wachsen. Die alten Urwaldrie-
sen, mit Schmarotzern (Schlingpflanzen,
Orchideen, Bromeliaceen, Gesneriaceen und
s. w.) dicht überwuchert, bieten besonders
in den Vergabelungsstellen ihrer mächtigen
Kronen Lagerstäiten für Ansammlung von
Laub- und Holzmoder und dies sind die
Lieblingsstationen der Amaryllis.
(Taf. 1610—1617.)
7) Azalea indica punciulata V. Houtte.
— Eine prächtige bunte Varietät, von dem
Handelsgärtner P. Van Driessche in Ledeberg
bei Gent gezüchtet, auf rahmweissem Grunde
mit rosacarmin reich punktirt, gestrichelt
und bandirt, dabei sehr reichblühend, in
jeder Beziehung ersten Ranges.
(Taf. 1618— 1619.)
8) Azalea ind. punctulata variegata V.
Houtte. — Der intelligente Züchter der vo-
rigen Varietät, entdeckte an einem Exem-
plare dieser Varietät einen Zweig, dessen
Blüthen wohl die gleichen Farben, aber in
ganz anderer Zusammenstellung, zeigten; er
besann sich natürlich nicht lange, sondern
fixirte dieses Naturspiel durch Pfropfen, ver-
mehrte so schnell als möglich seinen Vor-
rath und konnte nun an Van Houtte das
Eigenthumsrecht zweier neuen schönen Aza-
leen verkaufen. — Obgleich nur eine Ab-
weichung, ist sie doch völlig verschieden
von der anderen, und Niemand würde den
gemeinsamen Ursprung errathen, wenn Van
Houtte nicht in offenherziger Weise ihn con-
statirte, um zu zeigen, in welcher Weise
sehr oft neue Sorten erzielt werden. — Diese
Abweichungen zeigen sich besonders häufig
an mehrfarbig gestreiften Blumen, die durch
Befruchtung von zwei einfarbigen Blumen,
einer rein weissen mit einer einfarbig rothen
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
u. s. w. erzielt wurden, es scheint, als ob
die gestreitten Varietäten entschieden unbe-
ständiger und zum Ausarten geneigter sind,
als die einfarbigen der gleichen Art. Wer
hat nicht die Unart der gestreiften Dahlien,
neben den schönsten gestreiften, ganz ein-
farbige oder auch halb bunte, halb einfar-
bige, ja oft ganz einfache Blumen zu brin-
gen, beklagt? — Wer sich nicht geärgert
über die Unbeständigkeit gestreifter Petu-
nien, gestreifter Pensees u. s. w.? — Es
ist eben das Bestreben aller Culturpflanzen,
sich der aufgedrungenen Culturbanden wie-
der zu entledigen, wie es das stete Bestre-
ben der Pflanzenzüchter ist, diese Banden
noch enger zu ziehen, und immer neue For-
men gleichsam zu erzwingen. — Bei der
Azalea punctulata variegata haben sich die
Farben getrennt in der Weise, dass das Roth
das Centrum der Blumen einnimmt und ge-
gen den Rand hin strahlenartig verläuft,
während das Weiss den Rand bildet. —
Eine sehr schöne Form, die an die alte va-
riegata erinnert, aber grossblumiger und
von weit intensiverer Färbung.
(Taf. 1620—1621.)
9) Azalea ind. punctulata omnicolar. —
Noch waren die beiden vorigen Formen
nicht in den Besitz Van Houtte’s übergegan-
gen, so zeigte sich noch eine weitere Ab-
weichung, indem ein Zweig nicht nur die
Blüthen der beiden vorhergehenden Formen
neben einander zeigte, sondern ausserdem
noch ganz einfarbig rothe Blüthen trug.
Dieser Zweig wurde die Mutter einer zahl-
reichen Nachkommenschaft, die seit 2 Jah-
ren bei Van Houtte in der Blüthe geprüft
wurden und die Eigenschaft dreierlei Blü-
then hervorzubringen, vollständig beibehal-
ten haben. Den blumistischen Werth dieser
Form noch besonders zu betonen, wäre über-
flüssig. (Taf. 1622—23.)
10) Odontoglossum Pescatorei Lind.
(0. nobile Rehb. £.) — Eine der schönsten
und seltensten Orchideen, von Funk und
Schlim schon im Jahre 1847 in Eichwäldern
in den kühlen Bergregionen der Provinzen
Pamplona und Ocana in Neu-Granada ent-
deckt, und seither vielfach aber selten lebend
importirt. Die verzweigten Blüthenrispen
IIT. Notizen.
erreichen an starken Exemplaren eine Länge
von 2—3 Fuss, bei fast gleicher Breite, und
bedecken sich mit schneeweissen,: nur am
Grunde der Lippe mit gelb und karmoisin
leicht gezeichneten Blüthen, die in Gestalt
und Färbung sehr an die asiatischen Pha-
213
laenopsis amabilis und grandiflora erinnern.
Die Blüthezeit dauert fast 3 Monate! — Cul-
tur in der kälteren Abtheilung des Orchi-
deenhauses, sehr starke Scherbenunterläge,
und sorgfältiges mässiges Begiessen.
(Taf. 1624.) (E. O.)
1) Hängevasen für Zwiebelbou-
quets. Wir geben beistehend die Abbil-
dung einer solchen Hängevase, deren Schale
aus einfachem Flechtwerk besteht. Im In-
nern derselben ist ein Zinkkasten mit dop-
peltem Boden.
Der obere durchbrochen
Notizen.
zum Ablauf des Wassers, der untere mit
einer Einrichtung, um das überflüssige Was-
ser herauszulassen. In derartige Vasen
pflanzt man die bereits blühenden Zwiebel-
gewächse mit den Wurzeln in Erde oder
Sand, nachdem vorher die Erde der Wurzel-
ballen vorsichtig ausgeschüttet wurde, und
bildet auf diese Weise reizende Bouquets
von blühenden Hyacinthen und Tulpen,
die im Zimmer oder Blumensalon fast unge-
stört weiter blühenundeine langeDauer haben.
2) Wellingtonia gigantea, das
Verpflanzen von Exemplaren des
freien Grundes. Diese schöne Conifere
bildet im freien Lande eine sehr starke Pfahl-
wurzel. Das Gelingen des Versetzens, von
starken, in der Baumschule vorgezogenen
Exemplaren, gelingt nach Mittheilungen
Stelzner’s in Gent nur dann, wenn bei Aus-
nahmen der Exemplare, diese Pfahlwurzel
möglichst unbeschädigt ausgegraben wird.
Derartig vorsichtig ausgegrabene Pflanzen
können sogar ohne Ballen, mit Wurzeln
zwischen Moos verpackt, noch ziemlich weit
versendet werden und gehen dennoch gut
an. Man hat beim Einpflanzen aber darauf
zu sehen, dass die Wurzeln nicht beschädigt
und gut nach allen Seiten ausgebreitet wer-
(Woch, f. G.)
3) Der Ombu-Baum. (Phytolacca
dioica L.). Die P. dioica wächst in unsern
Gewächshäusern nur als Strauch mit dickem
markigem Stamm. In den Pampas-Ebenen
des Staates Uruguay wächst derselbe als
ziemlich hoher Baum mit sehr dickem
Stamme und gibt einen dichten kühlen la-
benden Schatten.
den.
214
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
4) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke.
(Fortsetzung.)
Aristea eyanea, Ait. (Ixia africana L.) ?].|
Capland. Wimpern der Blattscheide,
besonders an den Hochblättern.
Witsenia corymbosa, Sm. Bot. mag. 895.
?|. Capland. Stamm erhebend.
Rigidella ortantha, Lemaire ?]. Mexico.
V. Houtte fl. d. s. I. p. 251. Innere
Blumenblätter sehr klein, äussere gross,
feuerfarb zurückgeschlagen.
Patersonia longifolia, RBr. 4. Rp. Gen.
Kleine innere Blumenblättehen. Auch
andere Arten: P. glauca, bot. mag.
2677, sericea, bot.mag. 1041. sind eben
so lehrreich und hübsch.
Anomatheca eruenta, Lindl. (Lapeyrousia,
...Pourr.) Bot. Reg. 1569. ?|. Capland.
Rpr. G. Zierlichkeit.
Babiana tubiflora, Ker.
?|. Capland. Langes Rohr der Blume.
disticha, Ker. Bot. mag. 626. (Gladio-
lus plicatus, Jacg. ie. rar. 237. Gla-
diolus fragrans, Jacqg. H. Schnbr. t. 14.)
?|. Capland. Seltsame Blattbildhng.
Babiana strieta. Bot. mag. 1052. Blumen
purpur.
Gladiolus tristis, L. Bot. mag. 1098.
Capland. Kleinblumig,
Farbe.
Cunonia, Gärt. (Antholyza Cunonia
L.) 2}. Capland. Lippenförmige Blume.
cardinalis, Curt. Bot. mag. 135.
psittacinus, Hook: Bot. mag. 3032.
carneus, Jacg. (8. grandiflorus). Bot.
mag. 591.
tubulosus Jacq. ic. rar. 229. Blumen-
form.
cripus, L. f. Jacq. ic. rar. t. 267. Cap-
land. Blätter flach, dolchförmig, am
Rand gekräuselt. Blumen gelblich.
fissifolius Jacgq. ic. rar. 268. Capland.
Blätter flach länglichrund, am Rand
wellig; Blumen klein, langröhrig, fast
regelmässig, lila.
Bot. mag. 847.
2].
von düsterer
Gladiolus striatus Jacq. 10, 260.
Watsonia Meriana, Mill. (Antholyza, ... L.)
Bot. mag. 1194. Jacq. ie. rar. 230. ?[.
Capland. Rp. G.
Sparaxis bulbifera, Ker.(Ixia .... L.); Mor-
raea.. . Jacg. H.Schbr.t. 197. ?[. Cap-
land. Rp. G.
Monibretia crocata, Endl. (Ixia...L.)
Tritonia .... Ker. Bot. mag. 184. Va-
riirt mehrfach in Farbe der Blume.
Ixia capillaris, Thbg. Bot. mag. 617. (Ixia
lancea, Jacq. ic. rar. 281). ?|. Cap-
land. Rp. G.
Diascia iridifolia, DC. (Gladiolus gramineus
Andrw. Melospherula . . Ker.) Bot.
mag. 615. ?|. Capland. Rp. G.
Trichonema ceruciatum, Ker. (Ixia....
Jacq. ic. 290. ?|. Cap. d. g. H. Blatt-
form und Querschnitt derselben.
Fam. Haemodoraceae.
Xiphidium albidum, Lam. ?]|. Rpr. G.
Wachendorfia thyrsiflora, L. Bot. mag.
1060. ?[. Cap. d. g. H. Rpr. G. Rothe
Wurzeln.
paniculata. Bot. mag. 616. 2. Cap. d.
g. H. Blumen grösser als bei voriger.
Anigozanthes Manglesii, D. Don. Bot. reg.
2012. ?|. West-Australien. Blume grün,
unregelmässig, mit sehr schönen pur-
purnen ästigen Haaren besetzt.
pulcherrima, Hook. Bot. mag. 4180.
?]. West-Australien. Blüthenstand reich
mit gelben Blumen, Zweige roth behaart.
Conostylis dealbata. Australien. Merkw.
ovulum.
Fam. Vellozieae.
Barbacenia purpurea, Hook.; Bot. mag.
9777. V. Houtte fl. d. s. IV. 348. (Pe-
talandra ..... .. Hort.) Brasilien. Rpr. F.
Staubblätter mit einem Anhängsel. Eine
hybride Form ist B. Rogieri.
III.
Fam. Hypoxideae.
Cureuligo recurvata, Dry. Bot. reg. 770.
?[. Ostindien. Habitus. Blattform.
Rpr. @.
.Hypoxis villosa, L. Jacq. ic. r. 370. Cap.
dp: HE,
Fam. Amaryllideae.
Trib. 1. Amarylleae.
Amaryllis (Zephyranthes) tubispatha, Herit.
Bot. mag. 1586. 2]. Buenos Ayres.
Rpr. Sect. Blm. weiss u. grünlich.
— (Z.) Atamasco, L. Bot. mag. 239. ?].
Virginien.
(Habranthus) versicolor, Sprng. Bot.
mag: 2485. S.-Amerika. Rpr. Sect.
— (Spreckelia) formosissima, L. ?].
Bot. mag t. 47 u. 1450. S.-Amerika.
Rpr. Sect. Schönes Roth.
— (Hippeastrum.) Reginae, L. ?]. Bot.
mag. 455. W.-Ind., Mexiko.
— (H.) aulica, Gawl. ?J. Bot. reg. t.
444. Bot. Mag. 454. 3311. 2983. 1038.
Brasilien. Hat mehrere Varietäten.
Grosse Blumen. Blüthezeit im Winter.
— (Vallota) purpurea, Ait. (A. speciosa,
Herit.) ?|. Bot. mag. 1430. C. d. g. H.
(Belladonna) Belladonna, L. 2]. Bot.
mag. 2113. Cap. d. g. H.
(Nerine) sarniensis, L. ?|. Bot. mag.
294. Cap. d. g. H. Rpr. Sect.
Brunsvigia Josephinae, Ker. ?|‘. Bot. mag.
923. Cap. d. g. H. (Amaryllis .. . Re-
doute). Lange Blüthenstiele; unregel-
mässige Blume.
Crinum amabile, Edw. ?|. (e. var. Cr. au-
gustum Herb.) Bot. Reg. 679. Bot. mag.
1605. O.-Indien. Mächtige Zwiebel u.
Pfl. mit aussen rothen, innen weissen Bl.
Blättern.
— americanum, L. ?|. Bot. mag. 1034.
W.-Indien. Repr. der Abth. mit weissen
kleineren Blumen.‘
Haemanthus puniceus, I.. ?|. Bot. mag.
1315. Cap. d. g. H. Hochrothe Hüll-
blätter! ähnlich wie H. hyalocarpus, H.
moschatus, H. crassipes etc.
— virescens, Herb. (H. pubescens L.)
Notizen.
215
2). Bot. rep. 382. Cap. d. g. H. Weisse
Blumen und grüne Hüllblättchen.
Chlidanthus fragrans, Lindl, Bot. reg. 640.
Peru.
Trib. 2. Narcisseae.
Pancratium caribaeum, L. (Hymenocallis
... Herb.) ?[. Bot. Mag. 826. W.-Ind.
Repr. d. weissblüthigen Arten, mit trich-
terförmigem Staubfadenrohr und langen
Trägern.
maritimum, L. Bot. reg. 161: ?]. S.-
Europa. Staubfadenrohr eng, Träger
kurz.
— Amancaös, (Ismene ... Herb.). ?].
Bot. reg. 600. Bot. mag. 1224. Peru.
Blumen hellgelb mit weitem Staubfa-
denrohr. Knollige Samen!
Nareissus Jonquilla, L. (Queltia .
Herb.) Bot. mag. 15. Reichb. D. Fl. Fig.
811. ?1. S.-Europa. Repr. Sect. Wohl-
geruch.
— Tazetta L. ?|. Reichb. D. Fl. Fig. 813.
S.-Europa. Variirt sehr, mit weissgrau-
gelber Blume, Grösse und Zahl der Blü-
thenzweige.
Trib. 3. Anomalae.
Placea ornata Miers. Bot. reg. Bd.50. Chili.
?|: Merkwürdige Nebenkrone.
Clivia nobilis, Lindl. (Imatophyllum Ai-
ton. Hook.) ?|. Cap. d. g. H. Blüthe-
zeit; grosser Keim; Blatt für das Mi-
kroscop lehrreich.
Alstroemeria peregrina, L. Bot. mag. 139.
Chili u. Peru. ?|. Drehung der Blätter.
Lightu, Bot. mag. 125. Bot. reg. 1839.
Chili. Blume sehr unregelmässig, fast
lippenförmig.
psittacina, Lehm. Bot. mag. 3033. —
Chili. Blumen grün und roth.
aurea, Grah. Chili.
Doryanthes excelsa, Corr. Linn. Trans. t. 23.
Bauer, ill. fl. N.-Holl. t. 12—14. Bot.
mag. 1685. ?j. N.-Holland. Kolossales
Knollengewächs, prächtige Blumen.
Agave*) filamentosa, L. Dyk. 5. Mexiko
*) Die Agava-Arten des kais. bot. Gartens
216
Gartenflora Deutschlands,
Rand ohne Zähne mit abschlitzendem
Gefässbündel.
— americana, L. Bot. mag. 3654.
— potatorum, Zuec. Nov. act. Leop. Car.
16. Mexico. Blattform.
— Jlurida, Ait. Bot. mag. 1522. Vera Cruz.
Blatt schmal, herabgebogen.
— micracantha, $. Dyk. (A. glauces-
cens, Hort.) Stacheln hornartig.
— dealbata, Lem, Blatt riemenförmig.
— geminiflora, Brds. (Littaea ... Bo-
napartea juncea Willd.) Bot. reg. t. 1145
Mexico. Wuchs; Blätter pfriemenförmig.
— bromeliaefolia. S. Dyk. Sect. Blatt le-
derig, schmal.
— attenuata, Hort. Bero)].
Stacheln.
— revoluta, Klsch. Krautartig.
Fourcroya gigantea, Vent. (Agave foetida,
L.) h. Mexico. Bot. mag. 2250.
Blatt ohne
Fam. Bromeliaceae *).
Bromelia Pinguin, L. Hort. Eltham. 211.
W.-Indien. Typus, Grösse.
Nidularium Meyendorfii, Rgl. (Nid. splen-
dens, Hort. (Bromelia Carolinae Beer.
Billbergia . . . v. Hit.) Regel, Gartenfl.
t. 211. Blüthenstand eingesenkt, Hoch-
blätter am Grund blutroth.
Anoplophyllum dianthoideum, Beer (Til-
landsia ..... Rossi). ?|. Regel, Gartenfl.
Lebt und hlüht ohne Wurzelbildung
mehrere Jahre.
Phlomostachys gigantea, Beer (Neumannia
... Brong). S.-Amerika? Stamm bis
7' hoch.
— Altensteinii, Beer (Puya ... Lk. Kl.-O.
ie. t. 1. Stamm; Bracteen hochroth,
Blumen weiss.
in St. Petersburg; Regel, Gartenflora
1858. — C. Koch, Agaveenstudien, in
der Wochenschrift 1865. — Es sind
hier wegen der gemachten Abtheilungen
mehr Repräsentanten als sonst.
*) J. G. Beer, Die Familge der Bromelia-
ceen, Wien 1857. Auch: Appendix
horti bot. Berol. 1856.
#
Russlands und der Schweiz.
Pitcairnia furfuracea, Hort. (P. latifolia,
Hook.) ?|. Bot. mag. 856. 2657. Wuchs
characteristisch. Zellschuppen der Ober-
haut.
— bracteata, Ait. (P. latifolia, Hort.) Bot.
mag. 2813. ?].
— ringens, Klsch. ?|. Lk. Kl. O. ic. rar.
t. 25. Demerara Refr. Sect. mit langen
Deckblättern.
— undulata, Scheidw. (Puya gigantea Hort.)
V. Houtte fl. d. s. 2. 162. S.-Amerika.
Blatt zum Theil filzig, am Grunde ein-
geschnürt, gestielt, bis 8° lang!
Hohenbergia strobilacea, Schult. (Acantho-
stachys .... Klsch.) Lk. Kl.-O. ie. rar.
t. 9. S.-Amerika. Rpr. Gen.
Cryptanthus zonatus, Vis (Pholidophyllum
.. Vis.; Tillandsia zebrina, Hort.)
?]. Querstreifen der Blattschuppen. Bra-
silien.
Platystachys anceps, Beer (Tillandsia .
Lodd.) Bot. Cab. t. 771. Rpr. Gen. mit
vielen Arten.
Guzmannia tricolor, Ruiz. P. ?|. v. Houtte
fl. d. g. IX. t. 918. "Peru. Bracteen
violett. Blumen weiss.
Lamprococeus fulgens, Beer (Aechmea...
Brong.) ?|. var. discolor. Bot. mag.
4293. Peru. Kelch blau. Krone violett.
Billbergia_pyramidalis, Ldl. (et Var. disco-
‚lor, minor; Bromelia nudicaulis, Bot.
Rp. t. 1181 u. 203. ?]. Brasilien, auf
Felsen.
— zebrina, Ldl. (Billb. farinosa Hort.
pro. prt.) Bot. Cab. 1912. Brasil. Schup-
pen der Oberhaut.
Macrochordium pulchrum, Beer (Brome-
lia tinetorum Hort. Par. non Mart).
Schönster Repräsentant der Gattung.
Bracteen blutroth.
Ananassa lucida, Dill. hort. Elth. t. 22. S.-
Amerika? Blätter ohne Stacheln, am
Grund, gelbroth.
— sativa, Ldl. (Bromelia Ananas, L.) ©).
S.-Amerika? Blattschopf über dem Blü-
thenstand mit seinen verwachsenden
wohlschmeckenden Früchten, deren es
über 50 Varietäten gibt.
(Fortsetzung folgt.)
IV. Literatur.
217
VW. Literatur.
1) Journal of the Royal Horticul-
tural Society of London. London
1866. Edited by M. J. Berkeley. —
Die Londoner Gartenbau - Gesellschaft,
hat ihren Publicationen eine neue Form ge-
geben.
Die die Gesellschaft näher betreffenden
Gegenstände werden von derselben in den
Proceedings of the Royal Hort. Soc. veröf-
fentlicht. Abhandlungen erscheinen aber in
dem oben angezeigten Journale, dass unter
der Leitung des bekannten Botanikers M. J.
Berkeley stehend, seine Aufgabe in rühm-
lichster Weise lösen wird. Ausser Original-
artikeln gibt das Journal auch die wichtig-
sten Abhandlungen aus dem Gebiet des
Gartenbaues anderer Länder in Uebersetzung,
und erwirbt sich so das Verdienst, die Eng-
länder auch mit dem bekannt zu machen,
was ausserhalb Englands geleistet wird. Das
Journal erscheint in Vierteljahrheften und
kostet bei Vorausbezahlung 6 Schilling der
Jahrgang. —
Als allgemein interessante Artikel dieses
ersten Heftes, nennen wir eine Abhandlung
von Broome über Trüffeln und Trüffeleultur.
Derselbe beschreibt zunächst die verschiede-
nen Trüffeln (Tuber aestivum, brumale, me-
lanosporum ete.) und zeigt, dass solche auf
Kalkboden vorzugsweise unter Eichen vor-
kommen. Trüffeleultur würde nach ihm nur
unter ähnlichen Verhältnissen möglich sein.
Einer rationellen Cultur würde keine Schwie-
rigkeit im Wege stehen, da die Trüffeln
keine Schmarotzer auf den Wurzeln der Ei-
chen sind, wie man früher annahm. Den-
noch ist Trüffeleultur bis jetzt noch nirgends
gelungen. —
Berkeley über den Pilz, der eine
Krankheit der Blätter der tropischen Orchi-
deen erregt. Das Blatt, welches dieser Pilz,
den Berkeley „Leptothyrium pernieiosum‘“
nennt, wird entweder vom Pilze schnell ver-
nichtet, oder bekommt noch häufig hellere,
von einem dunkleren Rande umgebene
Flecken, auf denen die schwarzen Perithe-
cien sichtbar werden. —
Endlich erwähnen wir noch eines Ar-
tikels des Hrn. W. Ingram über Cultur von
feinerem Zwergobst in einem ungünstigeren
Klima. Derselbe schlägt vor, Heizkanäle von
40' Länge im Freien zu construiren. Auf die-
sen werden 4 Pfeiler errichtet, die 5 Fuss
hoch und innen hohl sind. Der letzte der-
selben dient zugleich als Kamin. Vor dem
Heizkanal, wird ein ungefähr 2 Fuss über
dieOberfläche des Bodens aufsteigender Erd-
wall von guter Erde aufgeführt, nachdem
man für guten Abzug des Wassers und im
Ganzen für eine Tiefe der Culturschicht der
Erde von 3 Fuss gesorgt. Auf dem Walle
werden nun vor den Pfeilern die Zwerg-
stimme gepflanzt. Es liegt auf der Hand,
dass mittelst besseren Abzug des Wassers
und der Möglichkeit der Erwärmung des
Bodens und der hohlen Pfeiler durch Hei-
zung des hinter liegenden Kanals, sowohl
schnellere Zeitigung von Holz und Früchten
erzielt werden kann, während andererseits
dem schädlichen Einfluss von Früh- und
Spätfrösten begegnet werden kann. Mit an-
deren Worten, es ist diese Walleultur, eine
veränderte Hügelpflanzung, mit künstlicher
Erwärmung des Bodens und der Pfeiler, an
denen die Bäumchen stehen. Gut und vor-
theilhaft ist das jedenfalls, — aber auch so
theuer, dass diese Methode wohl selten Nach-
ahmung finden dürfte. (E. R.)
2) Rudolf Geschwind, die Hybridation
und Sämlingszucht der Rosen. — Wien
1864. Druck und Verlag der typ. liter.-
artistischen Anstalt. Preis 1 Rchsthlr,
20 Sgr.
Dieses in 5 Lieferungen herausgegebene
Werk ist jetzt vollständig erschienen und
kann allen Rosenfreunden nachdrücklich em-
pfohlen werden. Wir erhalten zuerst eine
Aufzählung und Characterisirung der ceul-
tivirten Rosen, dann folgt eine einlässliche
Anweisung zur Erziehung neuer Rosen mit-
[4
218
telst gegenseitiger Befruchtung und schliess-
lich folgt die Anleitung zur Erziehung der
Rosen aus Samen in Fensterbeeten , Ge-
wächshäusern und im Zimmer. Der Rosen-
freund erhält in diesem Werke sowohl die
Resultate der Beobachtung, sowie der lang-
jährigen Cultur eines Freundes der Rose und
wird mit Benutzung dieses Werkes leicht
den Weg finden, in rationeller Weise selbst
neue Rosensorten zu erziehen. Die
Sprache des Buches könnte kürzer und
bündiger sein, wodurch dessen Benutzung
noch erleichtert werden würde.
(E. R.)
3) Oscar Teichert, Geschichte der Zier-
gärten Deutschlands, während der Herr-
schaft des regelmässigen Gartenstyls.
Berlin 1865. Verlag von Wiegandt und
Hempel.
Wir können uns nur mit vollster Aner-
kennung aussprechen, über Geschick und
Fleiss, mit dem das Werk vom Hrn. Teichert
zusammengestellt ist. Ein gutes Werk über
allmälige Entwickelung des Gartenbaues in
Deutschland, besassen wir noch nicht und
so füllt dieses Werk eine wahre Lücke in
der Literatur aus.
Die historischen Daten gründen sich
auf Quellenstudium, dieSprache ist gut und
gewandt und der Inhalt des Buches für je-
den Gartenfreund eine interessante Lectüre.
Natürlich kann dieses als erstes tüchtiges
Werk der Art noch nicht erschöptend sein,
— der Anfang ist aber das Schwerste und
so dürfte theils vom Verfasser, theils von
anderen auch der historische Theil unseres
deutschen Gartenwesens, nun immer weiter
ausgebaut werden.
Das Buch gibt als Einleitung eine all-
gemeine Geschichte des deutschen Garten-
wesens von den Zeiten Karls des Grossen
an. Dieses erste Capitel dürfte wohl in der
Folge nach alten Quellen und Urkunden
noch vollständiger auszubauen sein.
Es folgt nun die Schilderung der Ge-
schichte des regelmässigen Garten-
styls der Italiener, Franzosen und Hollän-
der; — sowie eine Uebersicht über die äl-
tere Gartenliteratur Deutschlands.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Im zweiten Abschnitte wird die Ge-
schichte der deutschen Ziergärten zur Zeit
des regelmässigen Gartenstylsin einlässlicher
und allgemein-interessanter Schilderung be-
handelt. Dieser Abschnitt bildet den 'gröss-
ten Theil des Buches und zwar werden die
Gärten Oesterreichs, — Preussens, — Bay-
erns, — Hannover’s, — Sachsen’s, — Wür-
temberg’s, — Baden’s, — Mecklenburg’s, —
Braunschweig’s, Oldenburg’s und Schleswig-
Holstein’s, — der Sächsischen Herzogthü-
mer, — der Freien Städte und der Schweiz.
— besonders besprochen.
Den Schluss bildet eine chronologische
Uebersicht der wichtigsten Begebenheiten
in Bezug aut den Gartenbau vom 16. bis
zum Schluss des 18. Jahrhunderts.
Wir freuen uns, dass die Geschichte des
deutschen Gartenbaues einen fleissigen
gründlichen und tüchtigen Bearbeiter gefun-
den hat. Wir empfehlen das Buch zur all-
gemeinen Anschaffung, — wir empfehlen
aber auch dringend denen, die solches mit
Interesse lesen und Gelegenheit haben, aus
den Chroniken der Geschichte der einzelnen
Länder, — oder aus alten wenig gekannten
Schriftstellern, geschichtliche Daten über den
Gartenbau Deutschlands zu finden, — solche
dem Verfasser oder der Gartenflora zur
nachträglichen Veröffentlichung zu gehen
zu lassen. Nur wenn die Männer sich be-
theiligen, welche wie Bibliothekare und Ar-
chivare Gelegenheit haben manches andere
Unzugängliche einzusehen, kann auf diesem
Felde allmählich Vollständigkeit erreicht wer-
den. (E. R.)
4) Cohn, Dr. Ferd., der Pflanzenka-
lender.
Cohn zeigt in diesem Schriftehen, dass
die Periode der Entwickelung von Blume
und Blatt, die Reife der Frucht und der
Fall des Laubes der verschiedenen Gewächse,
als Anhaltspunkte dienen können, um dar-
nach einen Pflanzenkalender zu bilden. Je
nach der Lage des betreffenden Ortes sind
natürlich die Entwickelungsperioden der
gleichen Pflanzen verschieden und ebenso
wechselt dies nach der Jahreswitterung, 80
dass durchaus sichere Anhaltspunkte zur
IV. Literatur.
219
Zeiteintheilung durch die Pflanzen nicht | ren Vegetation, die die Bildung jener mäch-
gewonnen werden können.
5) Cohn, Dr. Ferdinand, die Entsteh-
ung des Travertin in den Wasserfällen
zu Tivoli. —
Am Westabhange des sabinischen Appe-
nins liegt das wegen seiner malerischen
Lage seit alten Zeiten berühmte Tivoli. Von
‘dem aus der Ebene sich 2000 Fuss hoch
erhebenden Gebirge, stürzt der Anio in man-
nichfachen Cascaden herab. Das Flussbett
bilden pittoreske, weit vorspringende Fel-
sen, die in Form von Kuppen, Zacken und
Pfeilern gestaltet, stellenweis weit überhän-
gen.oder Grottenaufbauen, aus deneneinzelne
Wasseradern hervorbrausen. Das Gestein,
welches das Flussbett bildet und überhaupt
die ganze Schlucht auskleidet, in der der
Anio herabstürzt, das ist der Travertin,
von dem die Schrift unseres geehrten Ver-
fassers handelt.
Schon L. v. Buch untersuchte das Ge-
stein dieser theils bis 600 Fuss hohen Fel-
sen und zeigte, dass solches aus einer Masse
ohne besondere Anordnung übereinander
gehäufter Cylinder bestehe. Diese Cylinder
bestehen aber wieder aus concentrischen
Kalklagen, die in der Mitte einen vegetabi-
lischen Stengel enthalten, den L. v. Buch
für Rohr, Schilf oder Baumäste deutete.
L. von Buch legt nun die Bildung dieser
mächtigen pittoresken Travertin-Felsen auf
die Vorwelt zurück. Cohn zeigt nun in dem
in Rede stehenden interessanten Schriftchen,
dass auch jetzt noch beständig dort Traver-
tin entstehe. Auf dem Boden des Wassers
wachsende Moose und Algen, in das Wasser
hängende oder gefallene Aeste von Schling-
pflanzen, sind die primäre Ursache der Tra-
vertinbildung, indem sich in Folge des Le-
bensprozesses der Pflanzen, concentrische
Kalkschichten , um deren Stengel und Blät-
ter absetzen. Besonders thätig sind die
unterm Wasser wachsenden Moose (Hypnum
rusciforme, Fissidens erassipes, Hypnum ir-
riguum) in dieser Beziehung, indem deren
untere Theile inerustiren und absterben,
während die Spitzen stets unbegränzt fort-
- wachsen, So sind es also Pflanzen und de-
tigen Travertin-Felsen veranlasst haben.
(E. R.)
6) Klatt, Dr. Wilhelm, Flora des
Herzogthums Lauenburg. Ham-
burg 1865, Verlag von W. Jowien.
Dieses Werk enthält eine Aufzählung
der im Herzogthum Lauenburg wild wach-
senden Pflanzen, mit kurzen vortrefflichen
Diagnosen der Gattungen und Arten, Auf-
zählung der Standorte. Angehängt ist eine
Uebersicht der Gattungen nach dem Linnäi-
schen System, behufs der leichteren Be-
stimmung derselben. Der Text ist deutseh.
— Zur Anschaffung sehr zu empfehlen.
7) Klatt, Dr. Wilhelm, Norddeut-
sche Anlagen-Flora, Hamburg 1865,
Verlag von W. Jowien.
Es ist das gleichsam eine Ergänzung
zu dem vorhergehenden Werke, in dem die
gewöhnlichsten in öffentlichen Gartenanlagen
vorkommenden Zierbäume und Ziersträucher
zusammengestellt sind. Vorausgesendet ist
eine nach dem Linnäischen System geord-
nete Uebersicht der Gattungen und Arten
zur leichteren Bestimmung, die gut und vor-
züglich zu nennen ist. Es folgt die Aufzäh-
lung und genauere Beschreibung nach dem
natürlichen Systeme. Den Schluss bildet
eine Zusammenstellung der Bäume und
Sträucher, welche eine technische Anwen-
dung finden. Auf 30 beigegebenen lithogra-
phirten Tafeln sind die Blätter der beschrie-
benen Bäume und Sträucher in Umrissen
wieder gegeben. Gestalt und Umrisse der
Abbildungen ist vortrefflich, die Ausführung
ist aber roh.
Zu bemerken ist es noch, dass dieses
Werk nur einen kleineren Theil der eulti-
virten Holzgewächse herausgreift, also den
Anspruch vollständig zu sein, durchaus
Was dieses Buch aber ent-
hält, ist gut, wesshalb wir es wirklich be-
dauern, dass solches nicht etwas vollstän-
diger, da es seinen Zweck, die eultivirten
Holzarten schnell und leicht zu bestimmen,
bei ähnlicher Bearbeitung, wirklich erreicht
haben würde — (E. R.)
nicht macht.
220
8) Bulletin de la Societe imperiale
des naturalistes de Moscou. 1865.
Nr. 608 Se
Enthält nur zweiBotanische Abhandlun-
gen. In einer derselben stelltHr. Lindemann
noch eine neue Fragaria nämlich Fragaria ne-
glecta auf, die sich durch den der Frucht ange-
drückten Kelch und abstehende Behaarung der
Blatt- und Blüthenstiele von Fr. vesca und Fr.
collina unterscheidet. Nach unserer Ansicht
ist Fr. collina nur eine Form vonFr. vesca,
also auch die neu aufgestellte Art, die je-
denfalls überall vorkommt, — denn der
Character der abstehenden oder angedrück-
ten Behaarung ist inconstant und kann keine
Art unterscheiden. (E. R.)
10) Bulletin de la Federation des
Societes d’horticulture de Bel-
gique. 1865. —
Von 23 verschiedenen Gartenbau-Gesell-
schaften Belgiens gibt dieser voluminöse,
von dem in den Angelegenheiten des Gar-
tenbaues so ausserordentlich thätigen E.
Morren redigirte Band den Bericht über
deren Verhandlungen, Ausstellungen und
Arbeiten zur Hebung des Gartenbaues in
Belgien. E. Morren, unser gelehrter und
thätiger Freund, gibt, nachdem die Arbei-
ten der einzelnen Gesellschaften aufgeführt
sind, einen kurzen Bericht über den Fort-
schritt des Gartenbaues in Belgien. Darnach
fanden dort 1864 im Ganzen 27 Blumenaus-
stellungen in den verschiedenen Städten die-
ses Landes, das allen andern Ländern Eu-
ropas mit gutem Beispiel in Bezug auf den
Gartenbau vorausgeht, statt. — Belgien
hat den ersten Anstoss zu den internatio-
nalen Ausstellungen und Congressen gege-
ben, jenen unvergesslichen Tagen, während
deren sich die Vertreter des Gartenbaues
aller Länder Europas versammeln, kennen
lernen und Muth erneuter Thätigkeit
nebst vielen gesammelten Erfahrungen mit
heim nehmen.
Die Regierung unterstützt aber auch in
Belgien den Gartenbau in der anerkennend-
sten Weise. Vier dem Gartenbau und der
Landwirthschaft gewidmete Schulen, die
zu
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
zu Gendbrugge les-Gand, Vilvorde Gem-
bloux (Nemur) und Brüssel, werden von
derselben unterhalten. Zu Bouillons ist fer-
ner eine Forstschule gegründet worden.
Gartenbau-Gesellschaften gibt es in Belgien
im Ganzen 37. Welches Land der Erde
hat eine gleiche Zahl auf eine im Verhält-
niss zu Belgien stehende Population aufzu-
weisen ?
An Gartenzeitschriften erscheinen in Bel-
gien 3 der wichtigsten für Europa, die
Flore des serres von Van Houtte in Gent
herausgegeben, die Illustration horticole,
herausgegeben von A. Verschaffelt und re-
digirt von Ch. Lemaire, und endlich Belgi-
que horticole, herausgegeben von E. Morren.
Ausser dem in Rede stehenden Bulletin
der Verhandlungen von 23 Gesellschaften
geben noch die Gartenbaugesellschaften zu
Lüttich, Huy und Gand besondere Jahres-
berichte heraus.
In der letzten Abtheilung enthält das
in Rede stehende Bulletin die den vereinig-
ten Gesellschaften eingesendeten und mit
Preisen bedachten Arbeiten. Es 'sind hier
zu nennen:
1) Wesmael, Monographie der in Bel-
gien wild wachsenden und am häufigsten
eultivirten Weiden. Es ist das eine gute
und klare Aufzählung.
2) A. Dubois, Aufzählung der schäd-
lichen und nützlichen Irsecten. Mehrere
colorirte Tafeln sind beigegeben. — Ein
gutes nützliches Buch für sich, dem noch
ein kleines Lexikon der gebrauchten Termi-
nologie mit der Erläuterung beigegeben
ist. —
3) Endlich ist noch zu erwähnen eines
höchst interessanten Aufsatzes des Herrn
E. Morren, in welchem derselbe seine Noti-
zen mittheilt, die er auf einer Reise durch
Deutschland gesammelt hat. Wir behalten
uns vor, einiges aus diesem letzteren Be-
richt später noch mitzutheilen.
(E. R.)
9) Bulletin de la Societe d’horti-
eulture d’Hyeres. 1864.
Der Gartenbauverein in Hyeres arbeitet
! unterm Einfluss des mildesten Klimas, welches
IV. Literatur.
Frankreich bietet. Selten fällt im Winter
das Thermometer unter den Gefrierpunkt.
Es gibt aber Jahre, wo die Witterungsver-
hältnisse ungünstiger sind und so zeigte im
Winter von 63 zu 64 das Thermometer ein-
_ mal den ausserordentlich tiefen Stand von
— 5°R., durch welchem in den dortigen Gär-
ten viele Verwüstungen angerichtet wurden.
Einige grössere, dort etablirte Handels-
gärtnereien, wie z.B. die von Huber Freres
et Comp. beschäftigen sich vorzugsweise
mit der Anzucht von Samen der Pflanzen
milderer Länder und versenden diese an ei-
nen grossen Theil der Samenhandlungen
Europas zur weiteren Verbreitung.
In dem oben genannten Bulletin der
Gesellschaft finden sich die Verzeichnisse
der Pflanzen, die in den Gärten der Herren
Denis, — Huber Frerer et Comp. und Gou-
tant, dem Einfluss von — 5° R. getrotzt
haben. Als solche wollen wir Chamaerops
humilis und excelsa, Elais melanococca,
Latania borbonica, Saribus olivaeformis,
Chemaedorea elegans, Corypha australis,
Phoenix dactylifera, Rhapis flabelliformis,
Sabal Adansoni, und Jubaeı spectabilis
aus der Familie der Palmen, — Cycas re-
voluta und eircinalis, Dioon edule und Ce-
ratozamia mexicana aus der Familie der
Cycadeen, — Araucaria excelsa, Cunnighami,
Bidwilli, brasiliensis und imbricata aus der
Familie der Coniferen bemerken.
Ausserdem heben wir noch hervor:
Dracaena australis und calocoma, Camphora
offieinalis, Pittosporum undulatum, Aralia
papyritera, Dammara australis, Libocedrus
chilensis, Abutilon venosum; 42 Arten der
Gattung Acacia aus Neuholland, Aralia tri-
foliata und crassifolia, Camellia und über-
haupt die meisten Pflanzen unserer Kalt-
häuser und temperirt warmen Häuser. —
10) G. Mettenius, über die Hymeno-
phyllaceae. Leipzig bei Hirzel 1864.
Der gelehrte - Verfasser, bekannt als
einer der genauesten Kenner und im wahren
Sinne des Wortes, — der wissenschaftliche
Bearbeiter dieser Familie, — hat in der
221
vorliegenden Arbeit die Gruppe der Hyme-
nophyllaceae zum Gegenstand seiner Beobach-
tung gemacht. Die eigenthümlichen dünnen
durchsichtigen Wedel charakterisiren diese
Gruppe. Wirklich zeigen solche bei der
mikroskopischen Untersuchung, dass sie nur
aus 2—4 übereinander liegenden Zellschich-
ten bestehen, was unter allen andern Ge-
fässpflanzen nur in dieser Gruppe vorkommt.
Der Herr Verfasser gibt nun in der
vorliegenden Arbeit den Nachweis über den
Aufbau der vegetativen, wie der Fructifica-
tionsorgane dieser Gruppe, sowie schliesslich
auch die Beobachtungen über das Keimen
und Geschlechtsorgane derselben. In letz-
terer Beziehung stellt der Verfasser als in-
teressante Thatsachen fest: dass alle Hyme-
nophyllaceen mit confervenartigen Schläu-
chen keimen, — dass dieses confervenartige
Stadium bei den einen Arten länger, — bei
den anderen Arten kürzer währt, — dass
aus den confervenförmigen Fäden sich spä-
ter seitlich eine blattartige Ausbreitung des
Vorkeimes sich bildet, dass die Haarwur-
zeln nur aus den Randzellen der blattartigen
Ausbreitung des Vorkeimes hervorgehen, —
dass Antheridien (die männlichen Organe)
sowohl an den confervenförmigen Fäden,
wie an denRandzellen der blattartigen Aus-
breitung des Vorkeims sich finden, — und
dass Archegonien (die weiblichen Or-
gane) nur an den Randzellen der blattartigen
Ausbreitung auftreten. (E. R.)
11) Czerwiakowski et Warszewiez,
Enumeratio plantarum quaein horto bota-
nico Oracowiensi 1864 coluntur. Craco-
wiae 1864.
Es ist das die systematische Aufzählung
von 8911 Pflanzenarten, die der botanische
Garten in Krakau im Jahre 1864 cultivirte,
Leider fehlen Citate und Bemerkungen von
wissenschaftlichem Interesse. Dagegen sind
einzelne Synonyme und das Vaterland hin-
zugefügt. Ebenso sind einige Pläne und
Ansichten vom Garten hinzu gegeben und
ist dieses Buch also als ein wichtiges Be-
legstück zur Geschichte der Botanischen
Gärten zu betrachten. (E. R.)
222
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
V. Personalnotizen und Neuestes etc.
1) Sehlesische Gesellschaft für
vaterländische Cultur. Section für
Obst- und Gartenbau. Sitzung am 14.
Februar 1866. Nachdem der Secretär spe-
cielle Mittheilung des durch den Sections-
gärtner aufgestellten Bewirthschaftungsplanes
für 1866 für den Garten der Section vorge-
tragen, derselbe in allen Theilen für zweck-
mässig anerkannt und über einige innere
Angelegenheiten der Section berathen und
beschlossen worden war, kam eine
durch Herrn Hofgärtner Peicker in Rauden
0S. gütig eingesendete Abhandlung zum
Vorirage über die Cultur der Zwerg-Banane,
Musa Cavendishii Paxt. (M. chinensis Sweet.)
in einem Aquarium. Aus derselben können
wir an dieser Stelle nur hervorheben, dass
die junge, zu diesem Behufe in einen höl-
zernen Kübel versetzte Pflanze ohne Weiteres
bis an den Wurzelhals in Wasser gestellt
wurde, welches während des Sommers eine
Temperatur von + 20—25° R., während
des Winters aber nicht unter + 15° R. hielt;
im nächsten Jahre wurde die Pflanze in ei-
nen grösseren hölzernen Kasten versetzt,
wuchs ungestört weiter und entwickelte im
April des dritten Jahres ihre Blüthenähre,
welche im September 30 und einige lieblich
aromatische, sehr wohlschmeckende Früchte
von je 6 bis 8“ reifte. Der Stamm der
Pflanze hatte an seinem stärksten Theile ei-
nen Durchmesser von 9“ beieiner Höhe von
5‘ bis zum Austritt der Blüthenähre und der
4'/' langen und bis 30“ breiten, im üppig-
sten Grün strotzenden Blätter gerechnet, er-
reicht. Das Ornamentale dieser prächtigen
Pflanze wurde noch gehoben durch drei um
die Mutterpflanze stehende zweijährige
Schösslinge in gleieher Lebensfrische und
Blätterreichthum. Auch ein Exemplar der
Musa zebrina wurde dieser Wassercultur un“
terworfen, musste aber seines höheren Wuch-
ses wegen mehrmals eingestutzt werden,
gibt daher wohl den Beweis, dass sämmt-
liche Musa-Arten den Standort im Wasser
|
vertragen, wofür auch der Umstand spricht, |
dass ein aus gemeinsamem Mutterstock ent-
sprossenes Conglomerat von vier Schöss-
lingen der M. Cavendishi seit länger als
einem Jahre gänzlich ohne Gefäss und voll-
ständig frei schwimmend erhalten, in üppig-
ster Vegetation sich befinden. Ausser diesen
Musa zieren Nymphaeen , Pontederien etc.
nebensächlich jenes Aquarium, Nelumbium
speciosum entfaltet jeden Sommer seine co-
lossalen Blätter und prächtigen Blumen,
welche auch Samen von nussähnlichem Ge-
schmack reifen. Cyperus Papyrus erreichte
in demselben Bassin ebenfalls hohe Voll-
kommenheit.
Herr Kunst- und Handelsgärtner Guil-
lemain knüpfte an diese und die Mitthei-
lung des Secretär, dass in Herrenhausen bei
Hannover auch mehrere Palmenarten, mit
dem Fusse ihrer Gefässe im Aquarium ste-
hend, erfolgreich eultivirt werden, noch die
Bemerkung, dass derartige Culturen im
Kleinen in dem Wohnzimmer lungenleiden-
der Personen betrieben, wohl auf diese gün-
stigen Einfluss üben dürften, da solche bei
nicht eigentlichen Wasserpflanzen eine hö-
here Temperatur des Wassers und der Luft
erfordern, aber besonders Pflanzen
mif grossen Blättern, welche das Wasser
schneller absorbiren, z. B. Strelitzien und
fast alle Aroideen geeignet seien.
hiefür
Endlich wies Hr. Guillemain noch da-
rauf hin, wie es kürzlich hierorts einem
französischen Gärtner durch colossale Fan-
faronaden gelungen sei, Verkäufe zu fabel-
haft hohen Preisen zu machen, z. B. von
Rosen nach Bildern mit unglaublichen Far-
benzusammenstellungen, Acer striatum unter
dem Namen Styphelia purpurea, ja sogar
Aesculus- und Pavia-Sämlinge, als Maron-
nier de la Nouvelle Hollande mit essbaren
Früchten und Yucca gloriosa mit roth und
himmelblauer Blüthe, ferner Pfrsiche auf
Mandel veredelt, welche Unterlage unsere
Winter nicht aushält, so wie allerdings sehr
üppig gewachsene und gut gezogene Birn-
bäumchen, aber mit der Bezeichnung „Belle
V. Personalnotizen.
Angerine‘‘, welche Sorte, wie bekannt, je-
doch ein ganz kümmerliches Wachsthum
hat und nur aus einem in einen Wildling
oeulirten Fruchtauge bei angemessener War-
_ tung die zwar bis 8 Pfund schweren, aber
‘ nicht edle Birnen liefert, welche in Paris
nicht unter 2—3 Francs das Stück verkauft
werden. E. H. Müller.
Anmerkung. Die Garienflora hat sol-
chen Schwindel schon oft genug gebrand-
markt. Ist es möglich, dass es immernoch
genugsam Leichtgläubige gibt, die sich
durchaus betrügen lassen wollen ?
(E. R.)
2) Nicolai Gegorewitsch Zabel,
bis jetzt Bibliothekar am Kais. Bot. Garten
zu St. Petersburg und Sekretär des Garten-
bauvereins, ist als Director des Gartens
zu Nikita in der Krim angestellt worden,
Seitdem Hartwiss jenen alten berühmten
Garten verlassen, war solcher bedeutend
zurückgegangen. Ein Mann von der Um-
sicht und energischen Thätigkeit wie Herr
Zabel dürfte auch jenem Institut bald wie-
der neuen Glanz nnd segensreiche Wirksam-
keit verleihen. In Nikita ist eine Schule
für Wein- und Obstbau. Weinbau und
Weinbereitung soll für die Folge die her-
vorragendste Thätigkeit dieses Institutes bil-
den.
3) Als Bibliothekar am K. Bot. Garten
zu St. Petersburg, ist Herr Rosanow an-
gestellt worden.
4) Aus Tiflis (Mitte April a. St.) Eine
Bitte anderer Art möchte ich mir heute er-
lauben, und zwar was ist von dem neu an-
gekündigten Dünger des Baron-Chartier
zu halten, sollte er sich nicht auch gegen
die Maulwurfsgrille bewähren, diese ist hier
der furchtbarste Feind aller Culturen, be-
sonders der Aussaaten und aller Anpflan-
zungen, Nur in hochgestellten Kästen sind
Sommersaaten möglich, selbst ausgepflanzte
Ananas, Phoenix und Chamaerops, Myrthen,
kurz Alles, was in den Grund des Mistbee-
tes gesetzt wird, ist unrettbar verloren.
223
Weder Blumenkohl noch Gurken oder
Melonen kann ich mehr erhalten, die Maul-
wurfsgrille vernichtet Alles mit Stumpf und
Stiel. Gibt es gar kein Mittel dagegen.
Ich habe versucht, Naphta, Schwefel, Salz,
heisses Wasser , alles ohne durchgreifenden
Erfolg.
Der Winter ist hier ziemlich normal
verlaufen, Kälte bis — 13!/, Grad R., —
Schnee und Regen nicht nennenswerth, in
Folge dessen überall der traurigste Wasser-
mangel, bis heute seit September 1865 der
zweite Tag, dass ein wirklicher Regen fällt,
in Folge dessen sind viele Pflanzen, beson-
ders immergrüne hart mitgenommen, wo
der Boden zu sehr austrocknete, an anderen
Orten, die noch eine geringe Feuchtigkeit
auf künstlichem Wege hatten, hielten sich
viele vortrefflich. So hielten gut aus und
blühen jetzt Camellia jap. fl. pleno, leicht be-
deckt, Aucuba, die an anderen Orten total
erfror. Hydrangea hortensis, dagegen fror
Eucalyptus globulus, Pittosporum Tobira,
Nerium Olcander, Olea fragrans u. A. bis
oder fast bis zur Erde ab, treiben aber un-
ten aus.
Am 23. Februar und Anfangs März
a. St. blüheten Cornus mascula, Amygdalus
communis, am 10. März (a. St.) Apricosen,
14. März Pfirsichen, 22. März Birnen und
Kirschen, vor Ostern schon Schwalben ge-
sehen. Am 29. März bis 2. April starker
Sturm, Schneegestöber und Nachtfröste,
3. April Regen doch wenig.
Am 5. April blüheten Syringa, Mahonia
aquifol., Cereis Siliquastrum, Evonymus lati-
folia, Ribes aureum, rubrum, Grossularia,
Glyeine chinensis, Photinia, die niedrigen
Cytisus, Aquilegia in Knospen,
vesca in voller Blüthe. Die Eichenarten ent-
falten heute 13. April erst ihre Blattknos-
pen, desgl. Ailanthus und Fraxinus, letztere
stehen noch fast todt, während die Aescu-
lus und Robiniaarten schon kurz vor dem
Aufblühen sind und Rhododendron, Azalea,
Paeonia arborea gleichfalls kaum Leben
zeigen. Erscheinungen, die ebenfalls dem
Mangel an Feuchtigkeit zuzuschreiben sind.
Die Robinia blühen hier immer vor der
Blattentfaltung.
Fragaria
224
Besonders wurden alle Gehölzpflanzun-
gen auf exponirten Plätzen erschwert, die
trockenen Stürme verweheten in einer Nacht
die Pflanzlöcher und Pflanzerde fast bis zur
Unkenntlichkeit. Welche Wassermasse war
nöthig, um diesen Staub zur Aufnahme der
Pflanzen fähig zu machen. Trotzdem sind
in dem öffentlichenGarten gegen 5000 Stück
starke Gehölze nachgepflanzt. Die Obst-
blüthe war überall reichlich und der Frucht-
ansatz über Erwarten gut. Nur der Wein
zögert noch und zu seinem Vortheil. Wie
mit Zauberschlage sind alle Steppen jetzt
grün und die Preise von Heu und Gerste
werden fallen. Der Futterbau macht bei
den Landbesitzern endlich auch langsame
Fortschritte und der Nachfrage nach Obst-
bäumen zu Anpflanzungen kann nicht mehr
genügt werden, während man zu Fürst Wo-
ronzoffs Zeiten nur selten Leute fand, die den
geschenkten Baum nur pflanzen wollten.
In Eriwau, Baku, Kutais, Telaw und
anderen Städten sind Öffentliche Gärten an-
gelegt oder im Entstehen und zum Theil
beträchtliche Sendungen von Tausenden von
jungen Bäumen von hier und der neuer-
richteten Baumschule und Gartenanstalt bei
Tiflis abgefertigt. Auch die Hauptstrassen
von Tiflis sind mit Baumpflanzungen besetzt,
wozu vorzugsweise Ailanthus und gemeine
Akazie verwandt sind, die vortrefilich ge-
deihen. Bei der nächsten Pflanzung werde
ich Ulmus campestris und Acer Pseudopla-
tanus verwenden, ersterer hat sich in Paris
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
treffllich bewährt und letzteren finde ich in
Hinsicht der Genügsamkeit an Wassergabe
ihm ebenbürtig. (Scharrer.)
Nachtrag. Auch wir vereinen uns
mit Hrn. Scharrer, in der Bitte an die-
jenigen, welche Erfahrungen mit dem Dün-
ger des Baron Chartier gemacht haben,
solche uns mittheilen zu wollen. Wir ge-
stehen, dass wir von all den mit Geheimniss
umgebenen Düngerarten und Geheimmitteln
gegen Ungeziefer, sehr wenig halten, —
sondern darin stets nichts anderes als eine
Beutelschneiderei zu suchen gewohnt sind.
Einzelne seltene Ausnahmen mag es ge-
ben, aber der gemeinnützige rationelle Gärt-
ner, Landwirth oder Freund des Pflanzen-
baues wird aus zufälligen Entdeckungen
und Erfahrungen in dieser Richtung kein
Geheimniss machen, — sondern das was
er gefunden, zum Nutzen Aller mittheilen. —
Welche sichere Mittel, fragen wir ferner,
gibt es gegen die Maulwurfsgrille? Das
Eingraben von Töpfen, das Suchen der Ne-
ster zur Zeit des Ablegens der Eier, — das
könnten wir wohl als bekannt voraussetzen.
Ebenso haben wir des Eingiessens von Was-
ser und von etwas Oel in die begangenen
Löcher früher erwähnt. — Wir bitten aber
Praktiker, die überhaupt mit Erfolg gegen
die Maulwurfsgrille gekämpft, so freundlich
zu sein, das Resultat ihrer Bemühungen
in dieser Beziehung zum Nutzen Vieler, uns
zur Publication in diesen Blättern einsenden
(E. R.)
| zu wollen.
I. Originalabhandlungen.
1) Abgebildete Pflanzen.
a) Billbergia Liboniana Lem.
(Siehe Tafel 514.)
Bromeliaceae.
B. Liboniana Lem. jard. fleur. II.
tab. 197. — Bot. Mag. tab. 5090. —
Flore des serres tab. 1048.
Foliis ligulatis, basi amplectentibus
aequilatis, erectis et apice recurvis, mar-
gine spinuloso-serrulatis, acuminato -mu-
eronatis 2—21/, ped. longis, 11, —
13/, poll. latis, supra viridibus, infra
squamuloso-canescentibus; scapo foliis
breviore, gracili, tenuiter lanuginoso, ra-
cemo 6—8 floro terminato, foliis brac-
teiformibus pallide fuscescentibus ınem-
branaceis basi amplectentibus apicem
versus subulato -linearibus vestito; brac-
teis lanceolato -subulatis, germini bre-
vioribus, virescentibus v. rufescentibus;
floribus sessilibus, circiter bipollicaribus;
ovario einnabarino, obtuse trigono, basi
sursum subgibboso; sepalis tribus ligu-
lato-lanceolatis, adpressis, acutiusculis,
einnabarinis, quam petala duplo brevio-
ribus; petalis tribus, in tubum eonni-
ventibus, superne patentibus spathulatis
VUI, 1866.
et pulchre atrocaeruleis, basi albis et
in ipsa basi intus squamis duabus cris-
tato-laciniatis ornatis; staminibus 6, tri-
bus interioribus petalis alternantibus li-
beris, tribus interioribus petalis adnatis
et apice tantum liberis; stigmate cya-
neo, tripartito, lobis revolutis. —
Wenn gleich der beistehend abge-
bildeten Billbergia aus Brasilien die
grossen lebhaft gefärbten Brakteen feh-
len, die viele der Arten dieser Gattung
auszeichnen, so ist solche doch wegen
der schönen Färbung vom Fruchtknoten,
dem Kelch und der Blumenkronen nicht
minder schön als die schönsten Arten
dieser Gattung. Dazu gehört, dass
solche zu den sehr dankbar blühenden
Arten gehört, sich durch Sprossung
schnell vermehrt und in jedem niedri-
gen Warmhause leicht gedeiht. Eignet
sich ebensowohl zur Cultur im Topfe,
wie zur Cultur an Baumstämmen. Bei
ersterer Culturmethode giebt man sol-
15
226
cher eine lockere Heideerde, die mit
Lehmerde schwach vermischt wird, —
über die letztere Culturmethode folgt am
Schlusse eine ausführlichere Anleitung.
Zur Zeit des Wachsthums sol! häu-
fig gespritzt und begossen werden.
Entwickelt die Blumen im Dezem-
ber und Januar und erhält dadurch
einen um so höheren Werth für unsere
Culturen. Libon fand in Brasilien ein
einziges Exemplar von dieser Pflanze
und führte dies im Jahre 1850 in die
Gärten Belgiens ein,
Erklärung der Tafel 514.
a. Eine Blattrosette mit dem abge-
schnittenen Blüthenschaft. b. Blüthen-
stand. c. Ein Blumenblatt und Staub-
faden. d. Der innere Grund des Blu-
menblattes mit den geschlitzten Schup-
Staubfaden und Aethere.
g. Griffel. h. Durchschnitt durch den
Fruchtknoten. Fig. d bis h sind Ver-
grösserungen, —
pen. ee.
der Bromeliaceen an
Baumstämmen.
Cultur
Die Cultur der Bromeliaceen an Baum-
stämmen soll theils den natürlichen
Standort dieser Pflanzen nachahmen,
theils zur geschmackvollen Decoration
von Warmhäusern einen Beitrag liefern.
Die grösste Zahl der Arten dieser Fa-
milie siedelt sich nämlich im Vaterlande
auf den Aesten und Stämmen lebender
Bäume, oder auch auf alten umgestürz-
ten Bäumen an, wo solche ähnlich wie
so manche Moose und Flechten in un-
sern Breitegraden als Epiphyten leben.
Zu den auf lebenden Bäumen le-
benden Bromeliaceen gehören vorzugs-
weise die in den Gebirgswaldungen des
tropischen und subtropischen Amerikas
in reichlicher Menge vertretenen Arten
der Gattung Tillandsia, die mit ihren
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
langen, weissen, oft fadenartigen Blät-
tern gleich weissen Flechten von den
Baumästen herabhängen und hier in
dichten Colonien gesellschaftlich leben.
Die Bromelien, Piteairnien, Billbergien,
Nidularien etc., siedeln sich dagegen
mehr auf alten umgestürzten Bäumen
an, wo solche zugleich aus dem aufge-
speicherten Humus und dem faulenden
Holze ihre Nahrung beziehen.
Im Gewächshause gelingt eine ähn-
liche Cultur ganz vorzüglich und giebt
zugleich dem Pflanzenfreund ein Charak-
terbild der eigenthümlichen Ueppigkeit
der Vegetation der Tropen, wo Farn,
Orchideen, Aroideen und Bromeliaceen
die Stelle der Moose und Flechten un-
serer Wälder vertreten.
Man lässt zu diesem Zwecke stark
verästelte Bäume, am besten Eichen
oder Ahorne, oder selbst auch Weiden
oder Pyrus-Arten fällen, deren Stämme
nicht mehr als höchstens 1 Fuss Durch-
messer haben und ungefähr 2—83 Fuss
unterhalb der untersten Verästelungen
abgeschnitten werden. Nun stutzt man
auch noch die Haupt- und Nebenäste
so weit zurück, dass nur einige Fuss
lange Stummel stehen bleiben, und
gräbt dann diese Stämme in der Weise
in einem niedrigen Warmhause ein, dass
die oberste Aeste noch 2—3 Fuss vom
Glase entfernt bleiben,
Diese Stämme sind dazu bestimmt,
um als Träger von Bromeliaceen, oder
auch wohl Aroideen, Orchideen und
Farnen zu dienen, welche theils auf die
Spitzen der Aststummel, theils in die
Winkel der Aeste, theils seitlich an die
Stämme und Aeste so gepflanzt werden,
dass der ganze Stamm von verschieden-
artigen Pflanzenformen belebt wird, die
unmittelbar aus dem Holze desselben
hervorzukommen scheinen und vom Un-
kundigen häufig für die Blätter und
I. Originalabhandlungen.
Blumen des todten Stammes genommen
werden, der solche nur trägt. —
Wie aber, wird mancher unserer
Leser fragen, können wir solche Pflan-
zen auf die Aeste und Stämme solcher
Bäume pflanzen ?
Das ist ganz einfach, Man nimmt
im Topfe vorgezogene Pflanzen, entfernt
den Topf derselben, umwickelt den
Ballen mit einer dieken Moosschicht, be-
festigt das Moos mit Draht und befestigt
nun wieder zugleich mit neuen Moos-
schichten die betrefienden Pflanzen mit
Draht an diesen Baumstämmen. Diese
Manipulation ist viel leichter als es der
Beschreibung nach erscheinen könnte
und bei einiger Geschicklichkeit bei der
Anheftung wird es Manchen täuschen,
der diese nur angehefteten Pflanzen als
die vegetativen Organe der Baumstämme
ansieht.
ART
Die fernere Cultur ist nun ganz ohne
Schwierigkeit, indem nur zur Zeit der
Vegetation täglich ein- bis zweimal
tüchtig gespritzt wird. Die angehefteten
Pflanzen gehen nun aus ihren Ballen
mit den Wurzeln in die umgebende
Moosschicht und unsere in Rede stehen-
den Bromeliaceen vegetiren hier sogar
noch üppiger und blühen noch reich-
licher als in Töpfen eultivirt. So na-
mentlich die schönen Arten der Gat-
tungen Nidularium, Puya, Vriesia, Bill-
bergia, Funkia u. s. f£. — Gewöhnliche
Warmhaustemperatur, reichliches Ueber-
spritzen während der Frühlings- und
Sommermonate, seltneres Ueberspritzen
im Winter, im Sommer leichte Beschat-
tung und etwelche Lüftung sind die
einzigen leicht zu erfüllenden Cultur-
bedingungen.
(E. R)
bp) Calathea Warscewiezii KlL?*.
(Siehe Tafel 515.)
Marantaceae
Calathea Körn. in Nouv. Mem. de
la soec. des nat. de Moscou tom. 11.
pag. 352. — C. Warscewiezii Körn. in
Mitth, d. Russ. Grtbv. zu St. Petersb.
pag. 88. — Körn. Monogr. Marant.
pag. 133. — Phrynium Warscewiezii
Kl. in Otto et Dietr. Allg. Grtztg. 1855.
pag. 89. Maranta Warscewiezii
Flore des serres tab. 939 — 940, —
Die Calathea Warscewiezii ward
schon im Jahre 1854 von unserem viel-
verdienten Freunde, J. v. Warsce-
wiez, gegenwärtig Inspector des Bota-
nischen Gartens in Krakau, aus Mittel-
—
amerika eingeführt und vom Garten-
Etablissement des Herrn Mathieu in
Berlin, als Maranta Warscewiezii in
den Gärten verbreitet.
Klotzsch nannte solche Phry-
nium Warscewiezi, bis endlich Pro-
fessor Körniecke in Waldau, damals
*) Caulibus vaginis petiolis foliisque
subtus brevissime velutino puberulis, foliis
oblongo -elliptieis acutis, bracteis latissime
amplectentibus apice obtusis v. breviter acu-
minatis, caule florifero 2!/,—3 pedali.
15 *
228
noch im Botanischen Garten zu Peters-
burg angestellt, die ganze Familie der
Marantaceen einer genauen Untersu-
chung unterwarf, die ziemlich schwieri-
gen Gattungen derselben fester begrün-
dete und dabei die in Rede stehende
Pflanze zu Calathea brachte.
Solche gehört zu den geschätztesten
Decorationspflanzen des Warmhauses,
sie blühet aber selten. Die Abbildung
in Flore des serres stellt eine Pflanze
ohne Blumen dar und andere Abbil-
dungen existiren nicht.
Die beistehende Abbildung ist nach
einem Exemplar gemacht, das Herr
Ruck, Hofgärtner Sr. K. H. des Gross-
fürsten Constantin Nicolajewitsch in
Strelna bei Petersburg, zur Blüthe
brachte. In üppigem Culturzustande
werden die Blätter dieser schönen
Pflanze sammt dem Blattstiele bis
21), Fuss lang. Die Blätter selbst sind
gestreckt elliptisch und beiderseits ver-
schmälert, unterhalb tief purpurroth,
oberhalb dunkelsammtgrün und längs
der Nerven heller gezeichnet. Der Blü-
thenstengel wird bis 3 Fuss ‚hoch und
trägt auf der Spitze die dichte Blüthen-
ähre, die gestielt und am Grunde des
Stiels von 2 gegenständigen oder auch
nur von einem Blatte gestützt sind, die
von nur einem sehr kurzen Blattstiel
und einer stark aufgetriebenen Scheide
getragen werden. Bracteen dachziegel-
förmig übereinander liegend, mit den
Spitzen nur abstehend, von aussen gelb,
von innen weiss und rosa nuancirt. Die
Blumen stehen in Büscheln am inneren
Grunde der Bracteen und überragen
solche kaum. Sie sind von lancettför-
migen weissen Bracteen gestützt. Der
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Kelch besteht aus 3 linien - lancettlichen
weissen Blättehen, die sich mit ihren
Rändern gegenseitig umwickeln (anders
sahen wir solche nicht) und länger als
die Blumenkrone sind. Blumenkrone
am Grunde röhrig, mit dreitheiligem
Saum und lancettlichem Saumlappen.
3 Staminodien, von denen das äus-
serste ein länglich spatelförmiges blu-
menblattartiges Blättchen ist. Das mitt-
lere verkehrt, oval, gehöhlt, an dem
einen Rand noch mit 2 buchtigen Lap-
pen, von denen der obere gestreckt
und eine fehlgeschlagene Anthere dar-
stellt. Das innerste gleichfalls verkehrt
oval, an der Spitze zurückgedrückt und
an dem einen Rand oberhalb des Grun-
des den kurz gestielten Staubfaden tra-
gend. Der Fruchtknoten nach vorn
bauchig angeschwollen, in einen kur-
zen knieförmig gebogenen Griffel aus-
gehend, der eine blattartig ausgebreitete
Narbe trägt. —
Liebt einen Standort auf einem
warmen Beete im niedrigen feuchten
Warmhause.
Erklärung der Tafel,
1. Die blühende Pflanze verklei-
nert. 2. Der oberste Theil des Blü-
thenstengels mit der Blüthenähre. 3. Ein
Blatt von der untern Seite. 4. Kelch
und Blumenkrone. (N. 2—4 in natür-
licher Grösse). 5. Die Staminodien.
6. Das äusserste Staminodium. 7. Die
beiden innern Staminodien und Griffel.
8. Das mittlere Staminodium. 9. Das
innerste Staminodium. 10. Der Griffel.
(Fig. 5—10 schwach vergrössert.)
(E. R.)
I. Originalabhandlungen.
229
co) Platyerater arguta Sieb. et Zuc«
(Siehe Tafel 516.)
Hydrangeaceae.
Platyerater arguta Sieb. et Zuce. fl.
jap. pag. 61. tab. 27. — Ejusdem fi.
jap. in Nova acta Leopold. XIV. p. 692.
Walp. rep. II. pag. 377. —
Die Gruppe der Hydrangeaceen ist
durch zahlreiche Arten und Gattungen
in der Flora Japans vertreten, Unsern
Gärten fehlen noch viele der dort le-
benden Arten, weshalb die Einführung
der. bis jetzt noch nicht cultivirten Ar-
ten ein grosses Interesse hat. Die bei-
stehend abgebildete Art brachte der
Herr C. Maximowicz bei seiner An-
kunft lebend aus Japan nach Peters-
burg, und blühte solche schon im Laufe
des vergangenen Sommers. Auf der
von uns citirten Abbildung Siebold’s
und Zuccarini’s sind die Zähne des
Blattes viel grösser und die Blüthen-
eorymbe ist mit 12 Blumen dargestellt,
wie solches an wildgewachsenen, von
Herrn Maximowiczgesammelten Exem-
plaren auch der Fallist, während wir solche
in den ceultivirten frischen wie getrock-
neten zahlreichen Exemplaren nur zwei-
bis zehnblumig sahen,
Bildet im Vaterlande einen 2—3 Fuss
hohen stark verästelten Strauch mit
kahlen hin und her gebogenen Aesten.
Blätter gegenständig, gestielt, lancett-
lich oder oval-lancettlich zugespitzt,
am Rande scharfe vorwärts gebogene
Zähne tragend, beiderseits mit zerstreu-
ten kurzen Haaren besetzt oder auch
kahl. Blumen an jungen Exemplaren,
einzeln auf den Spitzen der Aeste, spä-
ter in 2 — lOblumigen, spitzenständigen
Corymben. Fruchtbare Blumen.
Kelch mit verkehrt kegelförmiger, dem
Fruchtknoten verwachsener Röhre, an
der zuweilen auch noch 1—2 linear-
pfriemliche Bracteolen stehen. Kelch-
saum in 4, seltner in 5 eiförmig zu-
gespitzte oder auch wohl pfriemlich-
lancettliche Lappen gespalten. Blumen-
menblätter 4, seltner 5, weiss, eiför-
mig, Spitz, dick, so lang oder länger
als die Kelchlappen. Viele auf dem
Kelchrande befestigte Staubfäden, de-
ren Träger fädich und am Grunde
schwach mit einander verwachsen. An-
theren oval, am Grunde angeheftet,
4fächrig und mit 4 Längsspalten auf-
springende Fruchtknoten mit dem Kelche
verwachsen, 2 divergirende Griffel auf
der Spitze tragend, —
In den mildern Gegenden Deutsch-
lands und dem westlichen Russland
als hübscher Strauch fürs freie Land
zu empfehlen. In Petersburg muss sol-
cher im Topfe eultivirt und im Kalt-
hause durchwintert werden. Blühet im
Juni und Juli. Vermehrung durch
Stecklinge im Frühling und Sommer,
die unter Glocken oder im kalten Ver-
mehrungsbeete, ebenso leicht wie die
unserer Hortensien, Wurzeln bilden,
(E. R.)
230
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
*%) Die buntblätterigen Scarlet-Pelargonien, deren Cultur, Ver-
mehrung und Anzucht aus Samen.
Die buntblätterigen Scarlet-Pelar-| Tom Thumb und Yellow bell, sind
gonien, oder die Abarten vonP. zonale,
inguinans etc., mit panachirten Blättern,
sind dazu bestimmt, in unseren Cultu-
ren eine sehr wichtige Rolle zu spie-
len, da sie als Pflanzen fürs Zimmerfen-
ster, sowie als Flor- und Gruppenblumen,
eine gleiche Bedeutungbesitzen und vollste
Empfehlung zu diesen Zwecken verdienen.
Die ältesien Spielarten sind die
weiss- oder silberfarben gerandeten. Die
verbreitetste und gemeinste Sorte ist hier
P. Silver Bedding. Es ist das eine
Sorte von sehr schnellem üppigem Wuchse,
aber nur mit kleinen unbedeutenden Blu-
men ohne Effect. Zu massigen Grup-
pen im freien Lande während des Som-
mers eignet es sich aber dennoch,
einmal, weil es im freien Lande leicht
und üppig gedeiht und dann, weil es
sich in Folge des schnellen Wuchses
leicht und gut vermehren und so am
ehesten massenweis beschaffen lässt.
Wenn man diese Sorte zu Gruppen im
freien Lande anpflanzt, müssen deren
sich selbst überlassene, dünn und lang
wachsenden Aeste häufig an der Spitze
ausgekneipt werden, dann bildet es
schöne dichte Pflanzen. Als neuere,
viel schönere Sorten der gleichen Ru-
brik, von dichterem kräftigem Wuchse,
mit grösseren und sehr breit glänzend
silberfarben gerandeten Blättern und end-
lich auch grösseren feuernd rothen Blu-
men sind zunennen: P. Alma, Bijou,
Daybreack, Silver Chain, Silver
Queen, und Flower of spring, alle
ebenfalls zu Gruppen im Freien geeignet.
Eine zweite Gruppe bilden die Sor-
ten mit goldgelbem Rande. P. Golden
chain, Golden Fleece, Golden
würdige Vertreter dieser Gruppe. Nie-
driger buschiger Wuchs und mittelgrosse
schöne rothe Blumen empfehlen solche
ebenfalls zu Gruppen während des Som-
mers im freien Lande. Zwei vielfach
angepriesene Sorten, deren ganze Blatt-
fläche im Sommer unter dem Einfluss
der vollen Sonne eine gelbe Farbe er-
hält, sind P. Golden leaf und Cloth
of gold. Wir können solche nicht em-
pfehlen, da diese Sorten stets den Ein-
druck kranker Pflanzen machen. —
Die 3. und schönste Gruppe der
buntblätterigen Pelargonien, das sind die
4farbigen, Meist niedriger, stark ver-
ästelter Wuchs ist denselben eigen. Die
Blätter besitzen eine grüne Scheibe um
den Blattstiel herum, dann folgt eine
braunrothe Zone, die nach aussen regel-
mässig oder unregelmässig in eine leuch-
tend rothe Färbung übergeht und end-
lich folgt der schön gelbweis oder weiss
gefärbte Rand. Die Blumen scharlach-
oder kirschroth.
Die beiden ausgezeichnetsten Ver-
treier dieser Gruppe sind P. Mistress
Pollok und Sunset. Unter den vie-
len anderen schönen, hierher gehörigen
Formen nennen wir noch P. Glow-
worm, Fontainebleau, Pictura-
tum, Attraction und Quadricolor.
In der Cultur sind diese prächtigen
Sorten, deren Blätter die ganze Farben-
pracht nur in voller Sonne während des
Sommers entwickeln, die zärtlichsten
und sie eignen sich daher vorzugsweise
zur Topfeultur.
Seit zwei Jahren hat der Referent
diese buntblätterigen Pelargonien im
Winter im Zimmerfenster, im Sommer
I. Originalabhandlungen.
auf dem Balkon selbst cultivirt und er-
laubt sich den geehrten Lesern im Fol-
genden die Resultate seiner Oultur mit-
zutheilen,
Alle buntblätterigen Scarlet - Pelar-
gonien verlangen einen sonnigen Stand-
ort und eine trockene Luft zu ihrem
vollkommenen Gedeihen, weshalb sie, in
sonniger Lage im Zimmerfenster eulti-
virt, noch besser als im Gewächshause
gedeihen. Als Erde wende man eine
mit Sand und etwas Lehm gemischte
Lauberde, — oder 2 Theile Torf- oder
Heideerde, 2 Theil lehmige Wiesenerde
und !/, Theil Sand an. Verpflanzt wird
Anfang März oder beim Standorte im
warmen Zimmer auch schon im Februar.
Dabei wird ein Theil der alten Erde
und die etwa verdorbenen Wurzeln ent-
fernt und verhältnissmässig kleine Töpfe
-gegeben. Für guten Abzug des Was-
sers ist durch Unterlage einer Schicht
Scherben auf dem Boden des Topfes
besonders aufmerksam zu sorgen,
Mit dem Begiessen sei man sehr
vorsichtig. Den Winter hindurch wird
nur soviel begossen, um das Leben der
Pflanzen zu erhalten. Man überzeuge
sich zu dieser Jahreszeit stets auf das
Genaueste, ob der Ballen gehörig aus-
getrocknet, bevor man eine neue Was-
sergabe reicht. Es ist dies schon bei
der Cultur im Zimmer nothwendig, wo
die trockenere Stubenluft ein häufigeres
Austrocknen der Pflanzen bedingt, in
höherem Grade aber bei der Cultur im
Gewächshause, wo man diesen Pflanzen
einen durchaus lichten und trockenen
Standort auf einem Fensterbrett des tem-
perirten Kalthauses, bei 4—6° R. an-
weist, Die gefährlichste Zeit in Bezug
auf das Begiessen ist die von Mitte
November bis Mitte Februar. Im Zim-
mer entferne man um diese Zeit die
Untersätze ganz oder giesse wenigstens,
231
wenn man zu begiessen gezwungen war,
nachher das ablaufende Wasser vorsich-
tig aus. Ebenso müssen wöchentlich
einmal alle schlechten Blätter entfernt
werden.
Auch nach dem Verpflanzen hat
man nicht minder vorsichtig zu begies-
sen, bis zu dem Zeitpunkt, wenn unterm
wohlthätigen Einfluss der Frühjahrssonne
ein neuer kräftiger Trieb sich bereits
ausgebildet hat.
Von diesem Zeitpunkt an wird nur
bei trübem kühlem Wetter so vorsichtig
wie früher begossen, — bei hellem son-
nigem Wetter schadet es aber auch
niehts, wenn dann einmal zuviel begos-
sen wird. In zweifelhaftem Falle be-
siesse man bei hellem warmem Wetter un-
bedenklich, bei kühklem nassem Wetter
unterlasse man dagegen das Begiessen.
Jetzt beginnt nun auch die Cultur,
um buschige dichte Exemplare in voller
Schönheit zu erziehen. Zu diesem
Zwecke wendet man die folgenden Mit-
tel an.
So lange die Pflanzen im Zimmer-
fenster oder in einem einseitig erhell-
ten Gewächshause stehen, werden sol-
che mit ihren Triehen dem Lichte zu-
wachsen. Um dieses einseitige Wachs-
thum zu vermeiden, dreht man die
Töpfe alle 1—2 Wochen so, dass immer
die Rückseite wieder dem Lichte zuge-
kehrt wird.
Ferner überzeugt man sich von
Zeit zu Zeit, ob der Ballen der Töpfe
stark ausgewurzelt. In diesem letzteren
Falle werden die Pflanzen, — jetzt
ohne den Ballen zu schädigen, in etwas
grössere Töpfe, in die gleiche aber et-
was mit Düngererde oder Hornspänen
vermischte Erde umgeptlanzt.
Wenn die Blumenstiele aus den
Achseln der Blätter sich zu erheben be-
ginnen, dann kneipt man die betreffen-
232
den Triebe immer oberhalb des Blattes
aus, in dessen Achsel sich der zweite
Blüthenstiel entwickelt. Auf diese Weise
erzweckt man gleichzeitig vollkommene
Entwickelung der Blumen und erneute
Verästelung oder schönes buschiges
Wachsthum. Zur Zeit, wenn die Blu-
menstiele sich zu entwickeln beginnen,
erhalten die Pflanzen auch alle 2 Wo-
chen einen Dungguss von Wasser, in
dem man Kuhdünger, Taubendünger
oder Hornspäne oder einige dieser Stoffe
gähren liess. Es versteht sich, dass ein
derartiger Guss stets Abends oder früh
am Morgen gegeben wird, dass er na-
mentlich anfänglich nicht zu stark con-
centrirt gegeben wird und dass man einen
solchen Dungguss um so häufiger anwen-
den kann, je üppiger das Wachsthum,
je kleiner die Töpfe und je weniger die
Erde mit düngenden Bestandtheilen ver-
mengt ist. —
Es ist eine Eigenthümlichkeit der
buntblätterigen Pelargonien, dass solche
die schönen Farben auf den Blättern
um so intensiver entwickeln, je kräftiger
das Wachsthum und je mehr die freie
Luft und das direete Sonnenlicht auf
die Pflanzen influirt, und je jünger und
kräftiger die Blätter sind. Ein öfter wie-
derholtes Einkneipen der Spitzen der
jungen Triebe, bedingt daher bei diesen
Pflanzen nicht blos dichteren Wuchs,
sondern namentlich auch, schönere Fär-
bung des Laubes.
Wenn nun zu Mitte des Monats
Juni das Wetter hinlänglich warm ge-
worden, dann kommt die Zeit, wo man
solche ins Freie bringt.
Beim Uebersiedeln ins Freie für
den Lauf des Sommers, ist jedoch wohl
zu beachten, dass die eigentlich bunten
Sorten, die mit 3 und 4 verschiedenen
Färbungen colorirte Blätter besitzen,
zarter als die anderen.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Der Referent hatte alle diese Pe-
largonien, die den Winter hindurch im
Zimmer cultivirtt worden waren, von
Mitte Juni bis Ende August auf der
Brüstung eines nach Osten liegenden,
oben mit Fenstern gedeckten Balkons
aufgestellt, wo solche vor Regen gänz-
lich geschützt waren, die Sonne von
Morgens bis Nachmittags 2 Uhr erhiel-
ten und übrigens vor starkem Windzug
geschützt, der Einwirkung der freien
Luft von allen Seiten ausgesetzt waren.
Die Töpfe der Pflanzen waren von der
Brüstung des Balkons vor der unmittel-
baren Einwirkung der Sonne geschützt.
Sämmtliche Varietäten, die gerandeten,
wie die mehrfarbigen wuchsen hier un-
ausgesetzt gut und kräftig.
Ersetzt wird eine Localität wie die
besprochene, entweder durch einen
Standort im gegen Süd-Osten oder Süd-
Westen gerichteten niedrigen Gewächs-
hause oder Fensterbeete, wo man die
Fenster nur bei Regenwetter unter Zu-
tritt von reichlicher Luft auflegt — oder
durch einen Standort im stark gelüfteten
Kalthause, oder durch einen solchen
auf einem Tisch oder Sandbeet, wo die
Pflanzen mittelst beweglicher Ueberda-
chung vor Regen geschützt werden kön-
nen. Wo an derartigen Standorten die
Pflanzen den ganzen Tag der Sonne
ausgesetzt sind, thut man wohl, deren
Töpfe vor der unmittelbaren Einwirkung
der Sonne zu schützen. Auf Tischen,
wo sie sich am schönsten präsentiren,
construirt man den Tisch mit einem
Rande von der Höhe der Töpfe, auf er-
höhten Sandbeeten schützt man die
Töpfe durch vorgestellte Tuffsteine oder
andere Bordüren.
Sollen diese Pelargonien zur Aus-
pflanzung auf Gruppen im Rasen ver-
wendet werden, so wähle man zur Aus-
pflanzung in den Boden selbst, nur die
I. Originalabhandlungen.
robusteren gerandeten oder zweifarbigen
Sorten. Der Boden soll locker und
leicht und über die Fläche des Rasens
emporgehoben sein. Um das schnelle
Abziehen des Wassers zu vermitteln,
bringe man in den Untergrund eine
6 Zoll hohe Schicht von zerschlagenen
Backsteinen oder strohigem Dünger und
über diese die ungefähr 8 Zoll hohe
lockere und dungreiche Erdschicht. Der
Rand des ungefähr 8 Zoll über den
Boden gehobenen Beetes wird am ge-
eignetsten aus Tuffsteinen gebildet.
Die vierfarbigen zarteren Pelargo-
nien senke man dagegen für den glei-
chen Zweck in ähnlich construirte Sand-
beete, sammt den Töpfen cin und sorge
dafür, dass unterhalb des Topfes noch
eine Höhlung bleibt, damit das Wasser
leicht abfliessen kann und keine Regen-
würmer in den Topf eindringen. Soll-
ten dann bei vorherrschend nassem
kühlem Wetter diese zarteren Sorten
unansehnlich werden, dann thut man
wohl, sie in ein Gewächshaus oder auf
geschützten Standort zurückzubringen
und die Gruppe mit anderen Pflanzen
zu decoriren.
Wer es gesehen, zu welcher Pracht
unter derartiger sorgfältiger Behandlung
die buntblätterigen Pelargonien sich ent-
wickeln, der begreift es, dass solche
jetzt zu den beliebtesten Modepflanzen
in England und auch theils schon in
Deutschland geworden sind, — aber
ohne Mühe und Sorgfalt auch keine
Freude an so schönen zarten Pflanzen.
Die Vermehrung wird aus Steck-
lingen und Samen bewerkstelligt. Die
Stecklinge werden vom Monat März an
den ganzen Sommer hindurch, bis zu
Anfang Augusts geschnitten, da sie gut
bewurzelt eingewintert werden müssen,
sollen sie im Winter nicht wieder zu-
233
rückgehen. Man benutzt zu denselben
junge Triebe mit 4—5 Blättern, welche
unterhalb des untersten Blattes abge-
schnitten werden. Man steckt dieselben
aber nicht etwa in feucht gehaltene Ver-
mehrungsbeete oder unter Glocken, son-
dern vielmehr auf einem der Sonne aus-
geselzten Standorte hinter dem Fenster
des Zimmers oder im gelüfteten Kalt-
hause in Töpfe oder Näpfe, die mit
einer Mischung von 2 Theilen Sand und
1 Theil Heideerde gefüllt sind. Nach
dem Stecken werden diese mit Stecklin-
gen bepflanzte Töpfe einmal angegos-
sen, — dann aber giesst man nicht
früher wieder, bis die Erde trocken wird
und überspritzt auch die Blätter nur
Morgens bei hellem Sonnenschein. Wenn
auch anfänglich die Stecklinge etwas
zu welken beginnen und die unteren
Blätter allmälig abtrocknen, so werden
sie dennoch auf diese Weise bald und
kräftig sich bewurzeln, während alle
unter Einwirkung feuchter Luft gesteck-
ten buntblätterigen Pelargonien bald
von unten her abfaulen. Auch kleine
schwache Aestchen, wähle man nicht
zu Stecklingen, indem diese selten an-
wachsen.
Dass die Stecklinge der buntblätte-
rigen Pelargonien, ja auch die Pflanzen
selbst, so häufig in feuchten Warmhäu-
sern ähnlich anderen Pflanzen, die man
schnell zu vermehren wünscht, foreirt
werden, — das ist einer der Haupt-
gründe, weshalb diese Pflanzen sich
noch so wenig verbreitet haben und wes-
halb die besseren sehönsten Sorten, wie
Mr. Pollok, Sunset ete., noch immer in
so hohen Preisen stehen. Behandle
man solche als Pflanzen und Stecklinge
ähnlich wie Mesembrianthemum und an-
dere dicklaubige Pflanzen, schwäche man
die Pflanzen nicht durch zu zeitiges
und ganz unnützes Abschneiden der
234
Stecklinge, — und man wird bessere
Erfolge haben. —
Samen der buntblätterigen Pelar-
gonien kommen noch gar nicht in den
Handel, ja man erntet auch bei der
Cultur, wie wir solche so eben schil-
derten, nicht einmal Samen; wenn der
Cultivateur nicht für das Ansetzen von
Samen sorgt. Der Mittel zu letzterem
Zweck sind zwei. Das eine gaben wir
schon an, es besteht darin, jedem Blü-
thenast oberhalb des 2. Blüthenstiels
die Spitze auszukneipen, um die kräf-
tigere Entwickelung der Blumen zu be-
fördern. Das zweite Mittel ist die
künstliche Befruchtung.
Wer seine buntblätterigen Pelargo-
nien, mit der einfachen Lupe in der
Hand, in der Zeit der Blüthe täglich
beobachtet, der nimmt wahr, dass sol-
che sich ähnlich wie so manche andere,
mittelst fortgesetzter künstlicher Bastar-
dirung erhaltene Spielarten: oder Einzel-
formen von hybriden Racen sich ver-
halten. Die Antheren derselben enthal-
ten nämlich nur in seltneren Fällen in
einzelnen Blumen gut ausgebildeten Pol-
len. Dazu tritt noch ein anderer Um-
stand, der die Selbstbefruchtung fast
unmöglich macht. Zur Zeit nämlich,
wenn die wenigen fruchtbaren Anthe-
ren ihren Pollen entleeren, dann ist das
Pistill der gleichen Blume noch nicht
befruchtungsfähig.
Das Pistill der Gattung Pelargo-
nium hat nämlich eine eigenthümliche
Bildung. Um ein Mittelsäulchen im
Herzen der Blume herum stehen am
Grunde desselben 5 Fruchtknoten, jeder
dieser Fruchtknoten geht in einen lan-
gen Griffel aus, der mit dem Mittelsäul-
chen bis Spitze verwachsen ist.
Wenn dasPistill fruchtbar wird, trennen
sich die über das Mittelsäulchen etwas
emporragenden und ebenfalls nach Innen
zur
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
unter einander verwachsenen Spitzen
der 5 Griffel, stehen nun sternförmig
nach allen Seiten ab und nun erst tritt
deren an der inneren Seite liegende
Narbenfläche zu Tage, wo die Befruch-
tung mittelst des Pollens allein statt-
finden kann. Zur Zeit des Verstreuens
des Pollens durch die Antheren sind
bei den in Rede stehenden Pelargonien
die Griffelspitzen mit ihren Narben noch
mit einander vereiniget und noch nicht
ausgebreitet, also auch noch nicht be-
fruchtungsfähig. —
Wer daher von seinen buntblätte-
rigen Pelargonien Samen ziehen will,
verfahre auf die folgende Weise. Auf
einen besonderen Tisch des gelüfteten
niedrigen Kalthauses oder auch im Freiem,
stelle er eine Auswahl der schönsten
Sorten, von denen er Samen erziehen
will, zusammen. Täglich werden diese
Pflanzen einmal durchgangen und zu-
nächst die Spitzen der Triebe nach dem
Hervortreten der ersten Blumen über
dem zweiten sich entwickelnden Blüthen-
stand, sobald solcher bemerklich ist,
ausgekneipt. Sobald nun die Blumen
sich zu öffnen beginnen, müssen täglich
Morgens zwischen 9—12 Uhr, die
sämmtlichen Blumen durchmustert wer-
den. Wo man eine Anthere erblickt,
die sich geöffnet hat, und das geschieht
gerade zur angegebenen Tageszeit, da
muss deren Pollen benutzt werden, um
die schon ausgebreiteten Griffel anderer
Blumen zu befruchten. Anfänglich nehme
man zu dieser Besichtigung die einfache
Lupe zur Hülfe, später, sobald man
einmal erst die fruchtbaren geöffneten
Antheren und die ausgebreiteten be-
fruchtungsfähigen Narben erkannt hat,
hat man die einfache Lupe nicht mehr
nothwendig, sondern erkennt das schon
mit unbewaffnetem Auge hinlänglich ge-
nau, Das Aufnehmen des Pollens ge-
I. Originalabhandlungen.
schieht ganz einfach, indem man mit
der linken Hand die betreffende Blume
hält und mit der Spitze eines Fingers
der rechten Hand vorsichtig die geöff-
neten Antheren berührt. Dabei hängt
sich schon eine hinlängliche Masse Pol-
len an der Fingerspitze fest, um solche
nun auf die Narbenflächen eines be-
fruchtungsfähigen Pistills einer anderen
Blume übertragen zu können.
Anstatt mit dem Finger, kann man
auch mit einem feinen Pinsel oder einem
kleinen zugeschnittenem Stückchen Holz
den Pollen aufnehmen, — der Referent
hat aber diese Operation stets mit der
Fingerspitze schnell und sicher ausge-
führt. —
Diese Operation geht bei einiger
Uebung verhältnissmässig ziemlich schnell
vor sich und die Mühe belohnt sich
reichlich, denn jede im Juli und selbst
bis Ende August in dieser Wiese be-
fruchtete Blume wird 5 reife Samen
bringen, während man von ganzen Col-
leetionen nicht befruchteter Blumen oft
nicht einen einzigen Samen erhält. Zu
bemerken ist noch, dass bei sonnigem
Wetter mehr Antheren platzen und also
da besonders aufmerksam zu durchgehen
ist. —
Auch das Sammeln des Samens er-
fordert eine tägliche Durchsicht der be-
fruchteten Pflanzen. Wenn das Mittel-
säulchen oder die schnabelförmige Ver-
längerung an deren Grunde die Samen
sich ausbilden, trocken zu werden be-
ginnt und die 5 Samenkapseln selbst
sich schwärzlich färben, dann sind die
Früchte reif und man kann solche mit
dem Blüthenstiel abbrechen und in einer
Papierkapsel zum vollständigen Abtrock-
nen aufbewahren. Wenn die volle Reife
eintritt, dann springt die Samenkapsel
von dem Grund des Säulchens ab und
hebt sich an dem noch am Säulchen
235
befestigten Griffel spiralig empor. Die
beste Zeit zum Sammeln des Samens
ist also eigentlich die, wenn die erste
Kapsel sich auf diese Art hebt. Es ist
das aber auch der letzte Moment, indem
namentlich bei heissem trockenem Wet-
ter bald darauf die Samenkapsel nebst
der Fortsetzung ganz abfällt und so die
Frucht der Arbeit verloren gehen könnte.
Damit aber die Früchte nicht zu früh
gesammelt werden, rathen wir anfäng-
lich den Moment des Lösens der ersten
Kapseln abzuwarten und erst wenn man
die Zeichen der Reife genau kennt, etwas
vorher die Früchte mit dem Blüthenstiel
zu pflücken, die dann in der Papierkap-
sel, welche man an einem trockenen
schattigem Ort aufbewahrt, vollkommen
nachreifen. —
Der Referent erhielt auf diese Weise
im vergangenem Sommer von wenigen
Pflanzen einige Hundert vollkommen rei-
fer Samen und hofft daraus manche hüb-
sche neue Form, oder auch nur ähnliche
Formen neben andern zurück gehenden
Formen zu erhalten, da er zur Befruch-
tung auch einzelne der grünblätterigen
Pelargonien mit grösseren und verschie-
denfarbigen Blumen mit benutzte.
Die Samen werden im März im
Gewächshause oder Zimmer auf einem
sonnigen Ständorte nahe am Fenster
ausgesäet. Die Erde, in die man aus-
säet, wird stark mit Sand untermischt
und erhält keinen Zusatz von Dungerde.
Nach dem Aufgehen verstopft man die
jungen Pflänzchen zeitig, entweder ein-
zeln in kleine Töpfchen oder in flache
Näpfe in ähnliche Erde und bringt sol-
che beim Einpflanzen bis an die Coty-
ledonen in die Erde. Die Samenpflan-
zen faulen als kleine oder auch noch
als halb erwachsene Pflanzen, bei einem
Standorte in feuchter Luft oder in Folge
unvorsichtigen Begiessens, leicht ab.
236
Es muss also sehr vorsichtig begossen
werden und ebenso müssen dieselben
einen Standort im Zimmerfenster oder
auf einem Brett unter’m Fenster des
temperirten Kalthauses erhalten, wo
nicht beschattet und bei mildem
Wetter reichlich gelüftet wird. Wenn
man solche aus dem Gewächshause in
ein kaltes Fensterbeet bringt, so stelle
man sie auf Brettern dieht unterm
Fenster auf und gebe reichlich Luft,
ohne zu beschatten. In warmen dunsti-
gen Mistbeeten würde man Gefahr lau-
fen, die Frucht der Arbeit und die Hoff-
nung auf schöne neue Formen zu ver-
lieren. —
Dies im Allgemeinen über die Aus-
saat, im Speciellen noch Folgendes.
Die Aussaat ist nach den Erfah-
rungen des Referenten bei den bunt-
blättrigen Scarlet- Pelargonien der eine
Punkt, der als der schwierigste zu be-
zeichnen ist.
Die Samen gehen nämlich nicht
gleichzeitig auf. Die einen bald, die
andern folgen immer später und später
nach, so dass in ein und demselben
Samennapf mehrere Monate lang stets
eine Pflanze nach der andern aufgeht.
Es folgt daraus, dass die Pflänzchen
unmittelbar nach dem Aufgehen mit
einem Hölzchen vorsichtig ausgehoben
und in einen andern Napf oder in ein
Töpfchen verpflanzt werden müssen.
Junge Pflänzchen, die nur einige Tage
zu lang in dem Aussaatsnapf, der meh-
rere Monate stets gleichmässig feucht
gehalten werden muss, stehen bleiben,
— bekommen faule Wurzeln und sind
unrettbar verloren.
Die zuerst aufgehenden Samen lie-
fern meist kräftige Pfanzen mit grünen
oder gezonten Blättern, die an einem
hellen warmen Standorte verhältniss-
mässig leicht aufgebracht werden, —
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
aber in feuchter Luft oder bei unvor-
sichtigem Begiessen gleichfalls leicht
faulen.
Ganz anders verhält sich aber die
Mehrzahl der nachträglich aufgehenden
Pflanzen. Haben dieselben grüne ge-
streifte Cotyledonen, »so ist bei steter
Sorgfalt noch mit einiger Sicherheit da-
rauf zu reehnen, diese empor zu bringen
und buntblättrige Formen daraus zu er-
ziehen.
Viel schwieriger noch ist es aber,
die Mehrzahl der andern später auf-
gehenden Pflänzchen mit schwächlichen
gelben Cotyledonen aufzubringen. Diese
sind es. gerade, welche die schönsten
buntblättrigen Abarten liefern, aber sie
sind nur zum sehr kleinen Theil empor
zu bringen, indem sie meist gar nicht
dazu kommen, das erste Blatt zu bilden.
Werden sie feucht gehalten, so werden
solche sehr schnell von unten abfaulen,
Trocken gehalten halten sie sich 8 bis
12 Tage, dann trocknen die Cotyledo-
nen ein, bevor sich ein erstes Blättchen
gebildet hat, und das Pflänzchen ist
verloren. Trocken gehalten und mit
Glasglocken bedeckt verderben sie ge-
wöhnlich, nachdem man zum ersten
Male wieder giessen musste. In feuch-
ter Temperatur gedeihen sie noch we-
niger, kurz man sieht es diesen
Schwächlingen an, dass sie gleichsam
nicht zum Leben bestimmt sind. —
Dennoch gelingt es einzelne aufzubringen.
Diese bleiben aber ihrer Mehrzahl nach
schwächlich und klein und sind sowohl
beim ersten Verpflanzen dem Absterben
ausgesetzt, wie sie auch oft plötzlich
wurzelfaul werden und absterben. Eben-
so verändern manche später ihr Wachs-
thum, indem sie kräftiger und ganz
grün oder einfach gezont werden.
Der Referent hat unter den von ihm
gezogenen Pflanzen mehrere ganz aus-
I. Originalabhandlungen.
237
gezeichnete Neuigkeiten, — es fragt sich | niss setzen und bemerken heute nur,
aber einerseits, ob solche ganz empor
kommen, — oder ob sie beim spätern
Wachsthume sich nicht verändern, —
denn erst nach der erwachsenen Pflanze
kann man den Werth der Spielart fest-
stellen. —
Wir werden unsere Leser von un-
sern weitern Erfolgen später in Kennt-
dass wir unter unsern Sämlingen meh-
rere rein silberfarbene sowie dreifarbige
hatten. Von silberfarbenen haben sich
einzelne verändert, andere sind abge-
storben, eines aber dürfte sich vielleicht
halten und als eine der ausgezeich-
netsten Neuigkeiten in den Gärten sich
Eingang verschaffen. (E. R.)
3) Die internationale Gartenbau- Ausstellung in London vom
22. bis 31.
Mit nicht geringer Erwartung folgte
Referent dem an ihn ergangenen Rufe
in’s Preisgericht zur internationalen
Ausstellung nach London. Vom
Jahre 1848 bis 1354 war es ihm bei
seinem damaligen Aufenthalte in Lon-
don und Gent vergönnt gewesen, all-
jährlich die grossen Ausstellungen in Re-
gents-Park und Chiswick zu besuchen,
aber seither waren doch 12 Jahre ver-
flossen, und es war daher von beson-
derem Interesse für Ref. diese erste
Londoner internationale Ausstellung in
ihren Leistungen zu vergleichen mit den
Ausstellungen, wie sie vor 12—18 Jah-
ren in London Statt fanden. Abgesehen
von der bedeutend grössern Ausdehnung
der internationalen Ausstellung gegen-
über früheren zeigte sie besonders nach
3 Richtungen hin einen entschiedenen
und sehr erfreulichen Fortschritt, ein-
mal in der weit grössern Mannig-
faltigkeitder ausgestellten Pflan-
zen, dann in dem freiern, weitaus
geschmackvolleren Arrangement
und drittens in der für England
bisher ganz unerhörtenlängeren
Dauer der Ausstellung. — Wäh-
rend früher die Londoner Ausstellungen
Mai 1866.
an einer gewissen Monotonie und Ueber-
ladung litten, weil stets nur wenige
Pflanzenfamilien einberufen und vertre-
ten waren (auf den Frühjahrsausstel-
lungen lieferten Azaleen und Rhododen-
dron, Cinerarien und Oalceolarien, Orchi-
deen, Eriken, Epacris und Neuholländer
fast ausschliesslich das Contingent, auf
den Sommerausstellungen dagegen bil-
deten Pelargonien, Rosen und Fuchsien
die Hauptmasse, und Orchideen, Eriken,
Neuholländer und diverse Warmhaus-
Schaupflanzen brachten nur neue Blü-
thenmassen zu den schon vorhandenen,
aber keine wohlthuende Abwechslung),
so zeigte die diesjährige Ausstellung
einen ganz anderen Charakter. Neben
den obigen Pflanzengattungen waren
Blatt- und Decorationspflanzen aller Art
einberufen worden. Der Pflanzenkenner,
der früher entzückt beim Anblick der
ersten Ausstellung, des brillanten Far-
beneffeets, der vorzüglichen Cultur ete.
schon bei der zweiten unbefriedigt sich
abwenden musste, weil er ausser eini-
gen wenigen, zum ersten Male als Neu-
heiten sich producirenden Pflanzen, nichts
fand als die gleichen Pflanzengattungen,
meistens sogar in den ganz gleichen,
238
nur um 1 oder 2 Jahre älter und
grösser gewordenen Exemplaren, konnte
jetzt mit grösster Befriedigung stunden-
ja tagelang die Ausstellung durchwan-
dern und seine Pflanzenkenntniss we-
sentlich bereichern; Liebhaber von Spe-
cialitäten aller Art, von Palmen, Cy-
cadeen, Farnen, Coniferen, Agaven und
Yueca-Arten, Dracänen, Cacteen, Ara-
lien, Caladien, Blattpflanzen des Warm-
und Kalthauses, von buntblättrigen Pflan-
zen u. 3. w., jeder konnte das Schönste
und Werthvollste seiner speziellen Lieb-
haberei in prächtigen Exemplaren und
gewählten Colleetionen vertreten finden.
Das Ausstellungs-Comite hatte in sei-
nem Programm, ganz entgegen dem
früheren langjährigen Gebrauche, eine
möglichst vielseitige Vertretung aller
Garten- und Gewächshauspflanzen an-
gestrebt, und damit einen wahren Fort-
schritt erzielt, den auch das englische.
Gartenpublikum, so conservativ dasselbe
im Allgemeinen ist, vollständig aner-
kannte *). Dieser erste Fortschritt
*) Um den Lesern einen Begriff von
der Grossartigkeit dieser Ausstellung, von
der Mannigfaltigkeit der eingesandten Pflan-
zen ete. zu verschaffen, deutlicher
scheinlich als unsere unbeholfene Feder es
vermöchte, — warum musste auch Dr. Re
gel zum allgemeinen Bedauern seiner zahl-
reichen Bekannten und Freunde bei diesem
grossartigsten aller Gartenfeste fehlen und
uns die Berichterstattung überbinden?! —
wollen wir hier einige statistische Notizen
folgen lassen; die Zahlen werden verständ-
lich genug reden: — Das Programm stellte
im Ganzen 238 Concourse (Klassen) auf, da-
runter 41 für Früchte, 20 für Gemüse, 10
für Bouquets etc. und 7 für Gartengeräthe,
Maschinen, Gartenpläne etc., alle übrigen
(160) für Zierpflanzen aller Art. In jedem
Concourse waren mindestens 2, meistens
3—4 Preise ausgesetzt; alle Preise waren
wahr-
Garteuflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
machte auch den zweiten, den eines
weit natürlicheren und geschmackvol-
Geldpreise, der höchste einzelne Preis be-
trug 30 Pfund Sterling (1 Pfund Sterling
= 7 Thlr. Courant oder 25 Franken), der
niedrigste 5 Schilling (etwa 1°), Thlr.). Die
Gesammtsumme der ausgesetzten Preise be-
trug 2500 Pf. St. (= 17500 Thlr. oder 62500
Franken). Es ist nicht ohne Interesse, et-
was näher auf die Vertheilung dieser grossen
Summe unter die einzelnen Pflanzengat-
tungen einzugehen, da daraus sich we-
nigstens relativ die Gunst ermessen lässt,
welcher sich jede dieser Gattungen jetzt in
den englischen Culturen erfreut. So wur-
den ausgesetzt: Für neue Einführungen
61 Pf. St., nach unserer Meinung wohl we-
nig für die Wichtigkeit dieses Concourses,
für Collectionen blühender Schaupflanzen
190 Pf. St., für Collectionen von decorativen
Blattpflanzen 120 Pf. St. (Begonien und Ca-
ladien ausgenommen, die besondere Con-
course bildeten), für Collecetionen ausdau-
ernder Bäume und Sträucher (Azaleen und
Coniferen nicht inbegriffen) 100 Pf. St., für
Stauden, Alpenpflanzen und Annuelle nur
26 Pf. St., für exotische Orchideen 239 Pf. St.
in 9 Concoursen! für Palmen, Cycadeen
und Pandaneen zusammen dagegen nur
8ı Pf. St., für Farne (Baum-, Gewächshaus.
und Landfarne) 146 Pf. St., für Aroideen
(ohne Caladien) 15 Pt. St., für Araliaceen
6 Pf. St, für Marantaceen 10 Pf. St., für
Cacteen 24 Pf. St.!, für Taxineen und Coni-
feren 78 Pf. St., für Caladien 15 Pf. St., für
Nepenthes 18 Pf. St., für Sarracenien 22 Pf.
Sterl.!, für Begonien 16 Pf. St., für Eriken
63 Pf. St., für Yucca, Beaucarnea, Da-
sylirium etc. 25 Pf. St., für Dracänen eben-
falls 25 Pf. St., für Agaven 35 Pf. St., für
Amaryllis 15 Pf. St., für Cap-Pelargonien
9 Pf. St.!, für Land-Rhododendron 68 Pf. St.,
für Haus-Rhododendron nur 6 Pf. St, (die
Himalaya-Rhododendron haben also in
England ihre Rolle auch ausgespielt!), für
indische Azaleen 143 Pf. St!, tür Topf-Ro-
sen 70 Pf. St., für Scharlach-, Bouquet-
und buntblätterige Zonalpelargonien 51 Pf. St.,
I. Originalabhandiungen.
leren Arrangements möglich. — Die
früheren Ausstellungen, auf enge Räum-
239
lichkeiten beschränkt, boten den bril-
lanten, beim ersten Beschauen wirklich
für grossblumige, 5fleckige und Phantasie-
Pelargonien 95 Pfd. St., für Fuchsien (auch
ihr Reich geht auf die Neige, ebenso das
der Verbenen, die gar nicht einberufen wa-
ren), nur 27 Pd. St., für Orangenbäume
27 Pid. St. und für andere hochstämmige
Kübelpflanzen (Lorbeeren, Ilex etc.) 42 Pf. St.
Für Früchte und Obstbäume waren
248 Pf. St. ausgesetzt, davon fiel der Lö-
wenantheil mit 82 Pfd. St. auf Weintrauben,
15 Pid. St. auf Ananas, 24 Pfd. St. auf Pfir-
sich, nur 41/, Pf. St. auf Melonen, dagegen
25 Pf. St. auf Erdbeeren. — Die Gemüse
sind recht stiefmütterlich hehandelt worden,
denn die ganze Prämiensumme für diese
wichtige Abtheilung betrug nur 38 Pf. St.,
also noch nicht die Hälfte der Summe, die
allein für Weintrauben ausgeworfen war!
Die englische Kochkunst ist in Betreff der
Gemüsebereitung bekanntlich noch sehr pri-
mitiv, alle Gemüse werden in Salzwasser
abgekocht und ohne jede weitere Zu-
bereitung servirt, — kein Wunder also,
wenn die Engländer sich daher an ihre treff-
lichen Fleischspeisen halten und das Ge-
müse nicht die gleiche Wichtigkeit hat, wie
auf dem Continent. Dennoch würde man
sehr irren, wenn man daraus folgern wollte,
der Gemüsebau würde in England vernach-
lässigt, ganz das Gegentheil ist der Fall
und eben deshalb wundern wir uns, dass
nicht höhere Preise ausgesetzt waren. —
Bouquets, Tafelaufsätze, Blumentische etc.
waren unserer Ansicht nach dagegen mit
55 Pf. St. wieder zu reichlich bedacht, wäh-
rend für Gartengeräthe, Maschinen, Pflan-
zenkübel, Vasen, Gartenmöbeln, Garten-
pläne etc. nur 50 Pf. St. ausgesetzt waren. —
Doch „Kritisiren ist leichter als Besserma-
chen“, und der beste Beweis, dass das
Programm mit grosser Sachkenntniss und
vollständigem Vertrautsein mit dem herr-
schenden Geschmack im Gartenpublikum
aufgestellt worden, liegt darin, dass von
den 238 Concoursen nur 13 ohne Bewerber
geblieben sind! — Die Zahl der Aussteller
belief sich auf 360, darunter viele Mitglie-
der der höchsten englischen Aristokratie.
Leider war die Betheiligung des Auslandes
eine sehr geringe! 9 Franzosen, 7 Belgier,
4 Deutsche und 1 Holländer hatten sich als
Aussteller betheiligt, und von diesen nur
die Belgier in einiger Massen bedeutender
Weise. Es ist und wird immer eine miss-
liche Sache bleiben, eine Pflanzenausstellung
zu einer wirklich internationalen zu machen;
denn grosse blühende Exemplare lassen sich
schlechterdings nicht auf grössere Entfer-
nungen so transportiren, dass sie auch noch
ausstellungsfähig ankommen, ganz abge-
sehen von den grossen Transportkosten und
von dem noch grösseren Risiko. — Einen
wirklich internationalen Charakter hatten
dagegen der mit der Ausstellung verbun-
dene Congress und das zu Ehren der frem-
den Gäste gegebene Banket, denn hier wa-
ren die Ausländer zahlreich vertreten; auch
in der Ausstellung selbst traf man fast auf
jeden Schritt auf Fremde: Franzosen, Bel-
gier und Holländer waren sehr zahlreich
erschienen, auch Deutschland hatte ein ganz
artiges Contingent gestellt, und würde je-
denfalls ganz anders vertreten gewesen sein,
wenn nicht unglücklicher Weise der Krieg
schon an die Thüren geklopft hätte,
Der Ausstellungsraum hatte eine Länge
von 440 Fuss, bei 293 Fuss Breite, also
128,920 []‘ oder über 3 Morgen Flächen-
inhalt. Die Eintrittspreise für das Pu-
blikum (die Aussteller und eingeladenen
Fremden hatten stets freien Eintritt) waren
nach englischer Sitte festgestellt wie folgt:
am ersten Tage 1 Guinea (7 Thaler Crt.),
am zweiten Tage 10 Schilling (31/, Thlr.),
am dritten 21/, Schilling (25 Sgr.), am vier-
ten und den folgenden Tagen nur 1 Schil-
ling (10 Sgr. oder 11/, Franken). Die Dauer
der Ausstellung war anfänglich auf 4 Tage
angesetzt worden, wurde aber auf allge-
meinen Wunsch noch um 5 Tage verlängert
(am dazwischen fallenden Sonntag blieb sie
geschlossen, die Engländer können noch
240
feenhaften Anblick eines ununterbroche-
nen Blumenteppichs, das Auge wurde
immer nicht von ihrer judaisch strengen
Sonntagsfeier ablassen). — Diese Verlän-
gerung hat .besonders auch ein Deficit ver-
hütet, denn in den letzten 4 Tagen wurde
die Ausstellung noch von 82000 Personen
besucht. Die Gesammtzahl der Besucher
darf danach auf mindestens 200,000 ge-
schätzt werden! — Die Gesammtkosten der
Ausstellung (und des damit verbundenen
Congresses von Botanikern, Gärtnern und
Gartenfreunden ?) beliefen sich auf 13000 Pf.
Sterl. (91,000 Thlr.) und wurden vollständig
durch die Einnahmen an Eintrittsgeldern
gedeckt! Diese grosse Ausstellung, nach
allgemeinem Urtheil die grossartigste, die
je Statt gefunden, war also auch in finan-
zieller Hinsicht vom besten Erfolge gekrönt,
Dank der energischen, umsichtigen, in je-
der Beziehung vortrefllichen Leitung und
Ueberwachung des Ganzen von Seiten des
Executiv-Comite. — Dasselbe bestand un-
ter dem gewandten und geschäftstüchtigen
Präsidium des Sir C. Wentworth Dilke,
Bart., M. P., aus 20 Mitgliedern, darunter
8 der ersten englischen Handelsgärtner;
auch der berühmte Reisende, Robert For-
tune, war Comitemitglied.. Neben dem
Präsidenten sind noch ganz besonders die
3 Secretaire dankbar zu nennen; die ihnen
aufgebürdete Arbeit muss colossal gewesen
sein. Es die Herren Thomas
Moore, Curator des botanischen Gartens
in Chelsea, Dr. Masters, mit dem Vori-
gen seit Dr. Lindley’s Tode Hauptredac-
teur des „Gardener’s Chronicle“, des
grössten aller existirenden Gartenjournale,
und Dr. Robert Hogg, Redacteur des
„Journal of Horticulture and Cot-
tage Gardener“, einer in England eben-
falls sehr verbreiteten Zeitung. — Da diese
Herren auch noch speciell mit dem Em-
pfange der fremden Preisrichter und Con-
gressmitglieder betraut waren, so benutzt
Ref. gern diesen Anlass, ihnen den wärm-
sten Dank auszusprechen für die liebens-
würdige Zuvorkommenheit, für das Frem-
waren
®
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
aber bald geblendet und ermüdet und
suchte vergebens nach Ruhepunkten,
nach der wohlthuenden Abwechslung
grüner Laubmassen, der ästhetisch ge-
bildete Geschmack fühlte sich verletzt
durch diese Ueberladung greller Farben-
massen. Die Engländer haben of-
fenbar die continentalen Ausstellungen
dieses Mal und in dieser Beziehung
hoffentlich für immer zum Vorbild ge-
nommen; was einfaches und doch ge-
schmackvolles Arrangement betrifit, so
darf diese Ausstellung als vorzüglich
gelungen genannt werden, und als für
England von bahnbrechender Bedeutung.
Herr Gibson, Director des berühmten
Battersea Parks bei London, von früher
her rühmlich bekannt durch zahlreiche
Einführungen schöner Orchideen u. 8. w.
(er reiste seiner Zeit im Auftrage des
Herzogs von Devonshire nach ÖOstin-
dien, um in erster Linie die prachtvolle
Amherstia nobilis lebend einzufüh-
ren, was ihm auch glücklich gelang;
zugleich brachte er eine Menge der
schönsten Orchideen, so z. B. Den-
drobium Devonianum, D. Pax-
toni, Dalhousieanum und Gibsoni
etc, mit zurück) — war mit der Anle-
gung und dem Arrangement des Aus-
stellungsraumes betraut worden, und er
hat diese Aufgabe meisterhaft gelöst.
Die grosse Fläche (von über 3 Morgen
Flächeninhalt) zwischen dem Garten der
k. Gartenbaugesellschaft in Kensington
und Cromwell Road gelegen, war unter
dem Schutze eines riesigen Zeltdaches,
das in 7 parallellaufende Dächer getheilt,
auf hohen schlanken Pfeilern ruhte, die
nur wenig störend wirkten, in ein Blu-
den so besonders wohlthuende offene, freund-
liche Entgegenkommen, mit denen sie sich
dieser Aufgabe entledigten. (E. ©.)
Taf. 516
Featyerater Zr PRSER ee nn
IL. Originalabhandlungen.
menparterre im besten englischen Style
verwandelt. Schön gewundene breite
Kieswege führten durch ein welliges
Terrain, das nach der Mitte zu, sich
muldenartig senkte, um von den End-
punkten aus weitere Ueberblicke und
Durchsichten zu gestatten; die Terrain-
bewegungen waren meisterhaft durch-
geführt. Die Pflanzen waren meistens
auf terrassirten Grasböschungen sehr
vortheilhaft aufgestellt, das Zusammen-
gehörige so viel als möglich nebeneinan-
der; eine richtige harmonische Verthei-
lung von Laub- und Blüthenmassen war
überall so weit möglich sorgfältig be-
obachtet worden, nirgends Ueberfüllung,
nirgends Leere; zwei kleine Seen von
Felsparthien begränzt trugen ihrerseits
zur Abwechslung und Belebung dieses
Feengartens bei, — wir wiederholen
und betonen ausdrücklich, im Arrange-
ment gab sich ein iınmenser Fortschritt
kund, den wir gerne als Sieg des con-
tinentalen Ausstellungssystemes procla-
miren möchten, der aber richtiger als
eine glücklich gelungene Verbindung der
continentalen und englischen Systeme
bezeichnet werden muss; denn die locker
aufgestellten Gruppen, in denen sich
jede Pflanze als Einzelnes geltend ma-
chen konnte und zur Geltung gelangte,
die Abwesenheit jeder Effecethascherei
durch Extradecorationen, wie Brücken,
Springbrunnen, (Cascaden, Pavillons,
Ampeln, Festons ete., die auf continen-
talen Ausstellungen so oft den Mangel
an Schönen Schaupflanzen verdecken
müssen, waren Beweis dafür, dass die
Engländer keineswegs gesonnen sind,
die Vorzüge inrer Methode blind zu
opfern und daran haben sie vollständig
recht. — Referent hat leider die ersten
internationalen Ausstellungen in Brüssel
und Amsterdam nicht gesehen und kann
daher mit diesen keine Parallele ziehen,
VIII, 1866,
241
aber jedenfalls haben sie in dieser Be-
ziehung auf’s Vortheilhafteste eingewirkt
und einer gesunderen Geschmacksrich-
tung, einer weitherzigern Auffassung
der Zwecke einer Pflanzenausstellung
Bahn gebrochen in England. —
Die noch kalten Nächte hatten es
nothwendig gemacht, für Orchideen und
andere zarte Warmhauspflanzen einen
besondern Raum abzutrennen, der durch
Wasserröhren geheizt wurde; hier wa-
ren auch die neuen Pfianzen, der Haupt-
anziehungspunkt für Fachmänner, aus-
gestellt. Diese Abtheilung war in al-
ter, gewohnter Weise arrangirt worden
und konnte desshalb trefflich dienen,
den Fortschritt im Arrangement klar zum
Bewusstsein jedes Besuchers zu bringen.
Die Früchte und Gemüse waren eben-
falls in einen besonders abgetrennten
Raum verwiesen, wo sie, ohne den
grossartigen Totaleindruck zu stören,
zugleich zweckmässiger placirt werden
konnten. Sehr vortheilhaft erwies sich
die Verbindung des Ausstellungsraumes
mit dem grossen, aufs Eleganteste un-
terhaltenen Garten der Gartenbau - Ge-
sellschaft, der den Besuchern ebenfalls
geöffnet war, wodurch, trotz der vielen
Tausende Besucher, grosses Gedränge in
den Wegen vermieden wurde. Man sah
sich eine oder einige Stunden in der
Ausstellung um, ging dann hinaus in
den Garten, um frische Luft zu ge-
niessen, die empfangenen Eindrücke zu
verarbeiten, den Vorträgen der Militär-
musiken zu lauschen, die eleganten Toi-
letten und selbstverständlich auch die
Trägerinnen derselben zu mustern, kehrte
dann in die Ausstellung zurück oder
stattete vorerst noch einem Restaurant
oder einem Büffet einen Besuch ab, am
Ein- und Ausgange in unmittelbarer
Verbindung mit der Ausstellung errich-
tet, um Sich für neue Strapazen zu
16
242
stärken, denn dass auch diese höchst
nützlichen Institute nicht fehlen durften,
liess sich bei dem praktischen Sinne der
Engländer wohl erwarten. Auf diese
Weise konnte man ohne Ermüdung
ganze Tage in den Ausstellungsräumen
verleben, sich in aller Musse die aus-
gestellten Pflanzenschätze ansehen, und
das ungeheure Material nach und nach
doch bewältigen, das auf den ersten
Anblick jedes Eingehens auf Einzelhei-
ten zu spotten schien.
Ehe wir auf Näheres eintreten, bleibt
uns noch übrig, den dritten Fortschritt,
die längere Dauer der Ausstel-
lung, näher zu begründen. Für con-
tinentale Anschauung erscheint es fast
unglaublich, dass die früheren grossen
Londoner Ausstellungen nur einen Tag,
oder richtiger nur einen halben Tag
dauerten, und zwar war der Hauptgrund
das allgemeine Vorurtheil, die Pflanzen
würden bei einem längeren Verweilen
im Ausstellungsraume zu sehr leiden,
oder wohl ganz zu Grunde gehen, Die
Pflanzen wurden Tags vorher in grosse
gedeckte Möbelwagen oder dergleichen
verpackt, und die Abfahrtsstunde so be-
stimmt, dass man Morgens Früh 4 Uhr
im Ausstellungsraume anlangte. Jeder
Aussteller musste eine hinreichende An-
zahl Leute denn für die
Aufstellung waren nur wenige Stunden
eingeräumt, um 9 Uhr musste Alles
fix und fertig und das Ausstellungslokal
geräumt sein, da nun die Preisrichter,
immer nur einige wenige der tüchtigsten
Pilanzeneultivateure, deren Namen gar
nicht bekannt wurden, ihr Amt began-
nen, Auch sie mussten sich sehr be-
eilen, nur 3, höchstens 31/, Stunden
waren ihnen zur Besichtigung und Be-
urtheilung gestattet; denn um 121/, Uhr
kam die Königin mit ihrer Familie und
Hofstaat angefahren, um als hohe Pro-
mitbringen,
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
teetorin der Gartenbau - Gesellschaft die
Ausstellung zu besichtigen. Sie liess
sich von einigen begleitenden Mitglie-
dern des Comit& die besonders bemer-
kenswerthen Pflanzen zeigen und ver-
weilte etwa eine Stunde. Erst nach
ihrer Abfahrt durfte das Publikum ein-
gelassen werden, also um IY,—2 Uhr
Nachmittags und um 6 Uhr, also nach
kurzen 4—4!/, Stunden wurde die Aus-
stellung schon geschlossen. Kaum war
das Lokal polizeilich, allerdings unter
Beobachtung der grössten Höflichkeit,
vom Publikum geräumt worden, so
stürzte auch schon der Schwarm der
Aussteller und ihrer Gehülfen in die
Räume, um die Pflanzen wieder in die
Wagen zu bringen und abzufahren. Um
S Uhr Abends war der ganze Feengar-
ten wieder verschwunden, ebenso rasch
wie er entstanden. — Allerdings hatten
auf diese Weise die Pflanzen nur 11],
bis 2 Tage ausserhalb ihres heimathli-
chen Gewächshauses zugebracht, aber
man darf dreist behaupten, dass nicht
das längere Verweilen in der Ausstel-
lung, vorausgesetzt, dass sie hier ge-
gen Staub, Zugluft u. 8. w. hinreichend
geschützt sind, wie diess selbstverständ-
lich eine Hauptbedingung ist, sondern
die raschen Temperaturwechsel und vor
Allem das nicht zu vermeidende Rüt-
teln und Schütteln auf dem. Hin- und
Hertransport und bei der Aufstellung
am nachtheiligsten wirken. Und nun
gegen diesen noch sehr problematischen
Vortheil des alten Systems, die vielen
grossen Nachtheile. Das Ganze war
eigentlich für Aussteller und Publikum
eine Hetzjagd, die Zeit war für Alle so
kurz zugemessen, dass Niemand zu
einem ruhigen Genuss kam. Der Aus-
steller fand kaum Zeit, mit seinen eige-
nen Pflanzen fertig zu werden, wie
hätte er sich die seines Concurrenten
I. Originalabhandlungen.
anders als in flüchtigster Weise ansehen
können? — Welchen Gewinn trug er
nach Hause, als im glücklichen Falle
den, den ersten Preis erhalten zu ha-
ben, ohne eigentlich zu wissen wa-
rum? — Um die bedeutenden Kosten
zu decken, mussten die Eintrittspreise
hoch angesetzt werden, nur die rei-
cheren Klassen besuchten daher die
Ausstellung; aber auch sie hatten we-
nig Gewinn davon, denn da das ganze
Publikum zu gleicher Stunde die Aus-
stellung betreten musste, war bei schö-
nem Wetter stets eine solche Menschen-
masse in den Räumen, dass von einem
näheren, ungestörten Beschauen keine
Rede sein kennte. Ein breiter Men-
schenstrom wälzte sich langsam fort, da
half kein Widerstreben, man konnte
nicht stehen bleiben, zurückgehen oder
vorauseilen, man musste sich willenlos
vom sStrome fortführen lassen, glück-
lich, wenn man sich so placirt fand,
dass man doch Etwas sehen konnte! —
Um diesem Uebelstande möglichst ab-
zuhelfen und einen Theil der Besucher
abzulenken, wurden mehrere Musikcorps
im angrenzenden Garten placirt, die ab-
wechselnd ihre lockenden Syrenentöne
erschallen liessen, und allerdings wa-
ren sie bald umringt von Schaaren Pro-
menirender, denn jeder war froh, mög-
liehst bald aus dem Gedränge der Aus-
stellung sich hinauszuretten ins Freie,
— aber war damit ein wesentlicher
Zweck der Ausstellung gewonnen? —
Die früheren Londoner Ausstellungen
waren eigentlich nichts mehr und nichts
minder als fashionable Promenaden der
vornehmen Welt: es gehörte zum guten
Ton, sie gesehen zu haben, sie mitzu-
machen, die Toiletten der Damen spiel-
ten eine ebenso grosse, ja grössere
Rolle als die brillantesten Toiletten der
Kinder Flora’s, denn jene waren nicht
243
an den Platz gebannt, wie diese, und
konnten sich in grösserer Freiheit prä-
Sentiren. War dagegen unglückli-
cher Weise der Nachmittag gar regne-
risch, und bekanntlich sind die schönen
Tage in London nicht zu häufig, so
war der Zweck der Ausstellung ganz
verfehlt, und die Gesellschaft hatte
schwere Verluste in den Kauf zu neh-
men, Diess das Bild der früheren
Ausstellungen, die hoffentlich nach dem
glänzenden Erfclge der internationalen
Ausstellung, die zuerst auf 4 Tage an-
gesetzt, volle 9 Tage dauerte, ohne
dass die Pflanzen wesentlich gelitten
hätten, nın für immer zu den über-
wundenen Standpunkten gehören wer-
den. In den letzten 4 Wagen wurde
die Ausstellung noch von 82,000 Per-
sonen besucht! — Man hatte den Aus-
stellern gestattet, solche Pflanzen, die
offenbar leiden würden, zurückzuneh-
men, dabei aber gebeten, die Lücken
wieder möglichst mit andern ähnlichen
Pflanzen auszufüllen, aber nur sehr
wenige Aussteller und diese nur im
beschränktesten Maasse, machten Ge-
braueh von dieser Erlaubniss; die Aus-
steller waren selber zur Einsicht ge-
kommen, dass die Pflanzen sich ganz
vortreflliich hielten, und dass der eigent-
liche Hauptzweck und grösste Nutzen
solcher Ausstellungen nur der sein könne,
durch niedrige Eintrittspreise und längere
Dauer einem möglichst zahlreichen Pu-
blikum aus allen Klassen Gelegenheit
zu geben, dieselben besuchen zu kön-
nen.
Haben wir bisher lobend der grossen
Fortschritte gedacht, die jeder Besucher,
der mit den Verhältnissen von Einst
und Jetzt in London einigermassen ver-
traut ist, auf’s Angenehmste überrasch-
ten, so ist es auch Pflicht eines wahr-
heitliebenden Referenten, Rückschritte
16 *
244
»
zu constatiren, insofern solche vorlie-
gen. Referent hatte seit 12 Jahren keine
Londoner Ausstellung mehr gesehen,
aber frisch waren ihm noch im Ge-
dächtniss die herrlichen Schauexemplare
von den schwierigsten Eriken nnd
feinsten Neuholländern, die jeden Gärt-
ner, der die delikate Constitution, die
diffieile Behandlung dieser Pflanzen aus
eigener Erfahrung kennt, mit Erstaunen
und Entzücken erfülllen. Wo sind sie
geblieben die herrlichen Culturexemplare
von Erica aristata, ampullacea,
jasminiflora, Massoni, Savillei,
tricolor und so viele andere?! Wo
sind die prächtigen Schaupflanzen hin-
sekommen von Burtonia conferta
und violacea, Lechenaultia for-
mosa, von den schönen Arten der Gat-
tungen Chorizema, Crowea, Da-
viesia, Dillwynia, Gompholo-
bium, Hovea, Zychia u. s. w.?!
Wir suchten sie vergebens, und auch
die noch vorhandenen Schaupflanzen von
Eriken und Neuholländer, auch
nicht minder schön als die genannten,
so doch minder diffieill und daher min-
der verdienstlich als
schienen uns nicht mehr mit der vol-
lendeten Meisterschaft herangezogen zu
sein, wie in früheren Jahren, hier
ist ein wirklicher Rückschritt nieht ab-
zuleugnen. — Pelargonien, Orchideen ete.
und vor Allem die Topfrosen, von je-
her der Stolz der englischen Ausstel-
lungen, waren in schönstem Culturzu-
stande, aber keineswegs schöner, als
sie schon vor 15— 20 Jahren in Lon-
don gesehen wurden, — es soll diess
kein Tadel sein, wir wollen damit nur
constatiren, dass der damalige Qultur-
zustand dieser Pflanzengattungen schon
die Höhe der Vollkommenheit erreicht
wenn
Culturleistung,
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
hatte, die schlechterdings nicht mehr
überschritten werden kann, eine Höhe,
die von continentalen Gärtnereien im
Allgemeinen noch längst nicht erreicht
worden ist, nicht sowohl, weil Klima,
Erde und Wasser in Deutschland, Bel-
gien etc. solche Culturvollkommenheit
nieht gestatten, wie dies so vielfach an-
genommen wird, sondern weil auf dem
Continent die Gärtnerei in ganz anderen
Bahnen wandelt. — Dass die engli-
schen Culturen auch in Deutschland
möglich sind, das haben in den Vier-
ziger Jahren u. A. die Herren Goode
in der berühmten Gärtnerei des Herrn
Booth in Flottbeck bei Hamburg, und
Peter Smith bei Herrn Steer in
Ham bei Hamburg bewiesen, das hat
unser Freund Gireoud auf den früheren
Berliner Ausstellungen durch lange Jahre
zur Evidenz gebracht. — Auch die
Orchideen eines Consul Schiller in
Hamburg, der Gebrüder Reichenheim
in Berlin, die Warmhaus- Blattpflanzen
Laurentius in Leipzig und
manche andere deutsche Leistungen
dürfen sich ebenbürtig den besten eng-
lischen zur Seite stellen und beweisen
hinlänglich, dass die deutschen Gärtner
auch in Cultur von Schaupflanzen Vor-
zügliches leisten können, wenn sie die-
ser Richtung ihre ganze Energie zuwen-
den und ihnen die nöthigen Mittel an
zweckmässigen Räumlichkeiten, Arbeits-
kräften ete. zur Verfügung stehen. Im-
merhin wird das reiche England in die-
ser Beziehung stets eine vorzügliche
Schule für junge deutsche Gärtner blei-
ben, deren Besuch auf 1—2 Jahre wir
unsern jungen, strebsamen Collegen
dringend anempfehlen.
eines
(E. ©.)
(Fortsetzung folgt.)
II. Neue Zierpflanzen.
ll.
a) Abgebildet in Belgique horticole.
1) Azalea indica vittata Bealüi,. —
Wohl die eleganteste der auf weissem
Grunde carminroth gestreiften Sorten. Ist
1855 von Fortune direkt aus China ein-
geführt worden.
2) Dianthus multiflorus Hort. var.
Emile Pare. — Der D. multiflorus ist einer
der von der gewöhnlichen Gartennelke ge-
fallenen Bastarde. Die gut gefüllten Blu-
men sind auf fleischfarbenem Grunde ähn-
lich den Flamänder Nelken gestreift.
Der D. multiflorus mit seinen Formen
blühet, im freien Lande cultivirt, vom Mai
bis Oktober. Im Topfe cultivirt kann sol-
cher Mitte Winter zu vollkommener Blüthe
gebracht werden, deshalb als harte Topf-
staude, wie zur Oultur auf Blumengruppen,
zur Bekleidung von Felsenparthien ete.,
gleich empfehlenswerth. Vermehrung durch
Ableger und Stecklinge im Herbste.
b) Abgebildet im Botanical Magazine.
3) Rhododendron Hodgsoni Hook. fil.
(Sikkim Rhod. tab. 15. Bot. Mag.
tab. 5552). Von Dalton Hooker
im Sikkim Himalaya und Ost-Nepal in
einer Höhe von 10—12000 Fuss entdeckt.
Bildet baumartige Sträucher mit dickem
Stamme von 10—20 Fuss Höhe. Aestchen
filzig. Blätter gross und lederartig, läng-
lich-verkehrt-oval, stumpf, oberhalb kahl,
unterhalb mit einem weissen oder röthli-
chen Filz bekleidet. Blattstiele dick. Blu-
men in grossen vielblumigen dichten Köpfen.
Kelch sehr undeutlich., Blumen glockig,
licht purpur, mit 8— 10lappigem Saume.
Staubfäden 16—18. Fruchtknoten weich-
haarig, 10—16fächrig. Eine schöne Art,
mit grossen decorativen Blättern- Scheint
erst in späterem Alter dankbar zu blühen.
4) Laelia grandis Lindl. (Lindl. et Paxt.
Fl. Gard. I. n. 91 cum xylogr. — Bot. Mag.
tab. 5553. Schöne epiphytische Orchi-
dee aus Bahia. Scheinknollen keulenförmig,
ein lederartiges längliches Blatt tragend.
245
Neue Zierpflanzen.
Blüthentraube
Kelch -
2blumig. Blumen gross,
Blüthenblätter lanzettlich,
kraus, bis 2 Zoll lang, ledergelb, Lippe
wellig, 3lappig, die Seitenlap-
pen die Stempelsäule umhüllend, Mittel-
lappen rosa angehaucht und carmin ge-
streift.
5) Begonia baccata Hook. (tab. 5554).
Eine Begonia, die Gustav Mann auf der
Insel St. Thomas entdeckte. Stengel, Blatt-
stiele und Blüthenstiele kurzfilzig.. Blätter
von rundlicher breit-herzförmiger Gestalt,
vorn plötzlich in eine Spitze vorgezogen,
ungleich buchtig gezähnt. Nebenblätter sehr
gross, breit länglich, stumpf, bald abfal-
lend. Trugdolden achselständig, kurz ge-
stielt, 6—8blumig. Blumen gross, weiss,
jede einzelne beiderlei Geschlechts mit 2
grossen elliptischen Blumenblättern. Frucht-
knoten 5—6furchig, 5—6fächrig. Frucht
beerenartig, nicht aufspringend, fast kuge-
lig.. — DBegonien mit beerenartigen 5 —
6fächrigen Früchten sahen die beiden Be-
arbeiter der Begoniaceen, Klotzsch und
A. Decandolle gar nicht, — Mann ent-
deckte aus dieser Gruppe nicht blos die
oben eitirte, sondern noch 3 andere Arten
an der Ostküste von Afrika. —
6) Sparaxis pulcherrima Hook. Irideae
(tab. 5555). Ein Zwiebelgewächs vom Vor-
gebirge der guten Hoffnung. Der schlanke
Schaft wird im Vaterland bis 6 Fuss hoch
und trägt auf seiner Spitze die gracil über-
hängende einfache traubenförmige Rispe von
Blumen. Blätter schmal schwertförmig.
Bracteen gestreckt pfriemlich, fast ganz-
randig. Blumen gross, purpurroth, glocken-
förmig, 1", Zoll lang. Vorzüglich schönes
neues Zwiebelgewächs, welches mit den
andern Capzwiebeln die gleiche Cultur
theilt. —
7) Epidendrum myrianthum Lindl.
(Lindl. Fol. Orchid. Epidendrum. Bot. Mag.
tab. 5556), Eine liebliche ausgezeichnet
schöne Orchidee, entdeckt vom Herrn
Skinner in den Anden Guatemala’s. Blätter
linien- lanzettlich, spitz, mit schwarz punk-
und
weiss,
246
tirten Scheiden. Stengel hoch und zweizei-
lig beblättert, auf der Spitze die mäch-
tige pyramidale Rispe tragend, in der Tau-
sende dicht gedrängter schön carminrother
Blumen gleichzeitig blühen, Bracteen pfriem-
lich, DBlüthenstielehen und Fruchtknoten
sehr lang. Kelchblätter länglich, stumpf.
Blumenblätter linear-spathelförmig. Lippe
länger als Blumenblätter, 3lappig, mit läng-
lichen abstehenden stumpflichen Seitenlap-
pen und vorn verbreiterten gespreizt zwei-
lappigem Mittellappen. —
Diese herrliche Art muss in der küh-
lern Abtheilung des Orchideenhauses culti-
virt werden. —
8) Chamaeranthemum Beyrichii Nees. ß.
variegatum (Tab. 5557). Wir werden bald
bei einer Abbildung der Gartenflora Gele-
genheit haben, über diesen hübschen klei-
nen Decorationsstrauch fürs Warmhaus,
mit silberfarben gezeichneten Blättern, zu
sprechen. Die Blumen auf der Abbildung
des Bot. Mag. haben fast die doppelte Grösse
derer, wie solche im hiesigen Garten an
kräftigen Exemplaren sich entwickelten.
9) Luisia Psyche Rchb. fil. — Orchi-
deae (tab. 5558). Eine Orchidee aus Ost-
indien, mit kletterndem fusshohem Stengel
und stielrunden Blättern, von der Tracht
der Vanda teres. Blumen in kurzen achsel-
ständigen I—3blumigen Trauben. In jeder
der kurzen Trauben entwickeln sich die
Blumen nach einander, so dass in jeder
derselben stets nur eine Blume blühet.
Kelch- und Blumenblätter gelbgrün, keil-
förmig-länglich und nur das nach oben
stehende Kelchblatt etwas breiter. Lippe
ungetheilt, oval, am Grunde beiderseits mit
ohrenförmigen schwarzbraun
und netzförmig grüngelb gezeichnet. Ward
von Low u. Comp. in Gärten Englands
eingeführt.
10) Thibaudia cordifolia Humb. Bonpl.
Knth. (tab. 5559. — Humb. Bonpl. Knth.
nov. gen. et spec. Ill. 271. tab. 255.) Vaec-
ceinieae. Eine der schönen Vaccinieen
von den Gebirgen des tropischen Amerika.
Ein Strauch mit kurz gestielten, aus herz-
förmigem Grunde ovalen 5—7nervigen Blät-
tern, und in kopflörmige Trauben zusam-
Anhängseln,
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
men gedrängten kurz gestielten Blumen,
die mit aufgeblasener hellrother zolllanger
Röhre und hellem Saume. —
11) Bauhinia tomentosa L. var. glabra.
L. spec. 536. — D. C. prodr. I. 514. —
Bot. Mag. tab. 5560. — Strauch aus Ben-
galen, mit den eigenthümlichen herzförmi-
gen und vorn zweilappigen Blättern aller
Bauhinia- Arten. Dünnfilzig -weichhaarige
Bekleidung und schöne grosse gelbe Blu-
men zeichnen diese Art aus. —
12) Eulophia euglossa Rchb. fil. Rchb.
fil. in Bot. Zeitg. 1852. tom. IX. pag. 35. —
Bot. Mag. tab. 5561. — Orchideae. Vom
„Old Calabar river‘ in Westafrika durch
Mann in England eingeführt. — Schein-
knollen spannen lang und vom Grunde nach
der Spitze zu allmälig abnehmend, walz-
lich. Blätter länglich-lanzettlich, 1 Fuss
lang. Blüthenschaft“ entspringt am Grunde
der Scheinknollen, eine fusslange Traube
grünlicher Blumen tragend, die keinen Ef-
fect machen. Bracteen linear-lanzettlich,
länger als die Blumen. Kelch- und Blu-
menblätter schmal bandförmig zugespitzt.
Lippe 3lappig; die Seitenlappen hüllen die
Griffelsäule ein, der Mittellappen weiss und
am Grunde purpur. Spore kurz, fast keu-
lenförmig. —
13) Tillandsia xiphioides Ker. Brome-
liaceae. (Bot. Reg. tab. 105. — Bot. Mag.
tab. 5562). Von Dr. Gillies in den Cor-
dilleren bei Mendoza gesammelt, hat diese
schöne Bromeliacee mit grossen weissen
herrlich duftenden Blumen noch wenig Ver-
breitung gefunden. Blätter und Stengel
sind mit einem silberweissen Filz dicht
überzogen. Blätter aus breitem umfassen-
dem Grunde allmälig pfriemlich verschmä-
lert, 2—3 Zoll lang, gehöhlt und dem
Rande eingekrümmt, Blüthentraube zweizei-
lig, vielblumig. Bracteen schmal länglich-
lanzettlich, dachziegelartig übereinanderlie-
gend, zugespitzt. Kelchblätter pfriemlich-
lanzettlich, die ziemlich grossen weissen
Blumenblätter mit linearem langem Nagel
und verkehrt-ovaler am Rande krauser
Platte.
14) Habranthus fulgens Hook. Amaryl-
lideae (tab. 5563). — Zwiebelgewächs aus
Il. Neue Zierpflanzen.
dem tropischen Amerika von der Tracht
einer Amaryllis. Eine robuste Pflanze mit
blaugrünen 10—12 Zoll langen bandförmi-
gen stumpfen zurückgekrümmten Blättern.
Schaft stielrund, am Grunde purpur, trägt
auf der Spitze 6—8 doldenständige gestielte
Blumen, deren Blumenkrone je 4—5 Zoll
im Durchmesser besitzt. Blumenkrone röh-
rig-glockenförmig, mit kurzer goldgelber
Röhre und Schlund und 6theiligem schar-
lachrothem Saume, dessen Lappen länglich
und zurückgebogen abstehen. Am innern
Grunde jedes Blumenblattes stehen zwei
fleischige 2spitzige Schuppen.
15) Dendrobium dixanthum Behb. fil.
Orchideae. (tab. 5564). Stengel aufrecht,
stielrund, nach dem Grunde verschmälert,
1!/, Fuss hoch. Blüthentrauben 2—-5blu-
mig, kurz, aus den Knoten der blattlosen
alten, Stengel seitlich entspringend. Kelch-
blätter lanzettlich, spitz. Blumen goldgelb,
Petalen länglich, spitz, wenig länger als
Kelchblätter, am Rande klein gezähnelt.
Lippe rundlich-oval, an der Spitze schwach
ausgerandet, am Rande klein gezähnelt, am
Grunde in den kurzen stumpfen kinnförmi-
gen Sporn ausgehend. Die schmal lanzett-
lichen 3—4 Zoll langen Blatter fallen lange
vorher ab, bevor die Blumen erscheinen.
16) Gladiolus Papilio Hook. Irideae.
(tab. 5565). Ein reizendes neues Zwiebel-
gewächs vom Vorgebirge der guten Hofi-
nung, welches von D. Arnott an den Bo-
tanischen Garten in Kew eingesendet wurde.
Durchaus kahl, Blätter 2—3 Fuss lang, li-
near-schwertförmig. Blüthenähre fusslang,
spitzenstängig. Blumen von einander ent-
fernt. Bracteen scheidig, länger als die
Röhre der Blumen. Blumenkrone glocken-
rachenförmig, mit fast gleichlangen breit
verkehrt-ovalen Lappen, von denen die 3
2AT
äusseren und der obere innere blasspurpur
und am Grunde gelb, während die beiden
seitlichen inneren auf ähnlicher Grundtarbe
mit je einem centralen dunkelpurpurnen
Fleck, das von einer gelben Zone umgeben
ist, gezeichnet sind. Narbe kurz 3lappig.
17) Peristrophe lanceolaria Nees. —
Acanthaceae (tab. 5566. — Nees in Wall.
pl. as. rar. pag. 111-114. — D. C. prodr.
XI. 496). — Halbstrauch aus Moulmein,
welcher während 6 Wochen zur Winterzeit
im Palmenhaus in Kew in voller Blüthe
stand und gleichsam ein Seitenstück zu
Justicia speciosa bildet. Strauch von 2
—4 Fuss Höhe. Blätter länglich- oder
oval-lanzeitlich, zugespitzt, kahl, 3—5 Zoll
lang. Blumen in spitzenständigen Rispen,
schön purpurrosa, mit schlanker langer
Röhre und zweilippigem Saume. Obere
Lippe länglich-oval, 1 Zoll lang, am Grunde
mit weissem Fleck gezeichnet, grösser als
Unterlippe. — Eingelführt durch Herrn Pa-
rish. —
18) Batemannia grandiflora Rehb. fü.
Orchideae. — (tab. 5567. — Rechb. fil. in
Bompl. 1856. (IV.) pag. 523). — Galeottia
grandiflora Rich. et Gal.). — Epiphytische
Orchidee, welche von Linden aus Neu-
Granada eingeführt wurde. Scheinknollen
oval, 2 Blätter tragend. Blätter lederartig,
lanzettförmig, spitz, 3mal länger als die
2—5blumigen grundständigen Blüthentrau-
ben. Kelchblätter gleichlang (fast 2 Zoll
lang), lanzettlich, zugespitzt, abstehend,
auf grüngelbem Grunde der Länge nach
purpurbraun gestreift. Die Blumenblätter
ähnlich aber kleiner. Lippe 3lappig. Mit-
tellappen länger als die aufwärtsgebogenen
Seitenlappen, vorn zugespitzt, weiss mit
Purpur-Streifen, am Rande gewimpert. —
(E. R.)
In.
1) Die Rasendüngung mit Asche.
Holzasche gilt als ein vortrefilicher Rasen-
dünger, und hat die Eigenschaft, das Moos
zu vertilgen und den Kleewuchs zu beför-
dern. Für Wiesen ist daher Asche unüber-
Notizen.
trefflich, aber aus demselben Grunde für
Gartenrasen, welcher kurz gehalten werden
soll, ganz verwerilich. Man kann fast be-
haupten, dass jeder Boden kleeartige Pflan-
zen enthält, wenn sie auch nicht absichtlich
248
angesäet wurden. Düngt man nun mit
Asche, so erscheinen die verkümmerten,
kaum bemerkbaren Kleepflanzen plötzlich
in Folge der Kali-Nahrung und werden so
üppig, dass die glatte Schönheit des Gar-
tenrasens verloren ist, bis die Asche end-
lich nicht mehr wirkt. Ich habe selbst üble
Erfahrung gemacht, indem ich Rasenstücke
mit Asche düngen liess, in welchen ich
keinen Klee vermuthete. J.
2) Eineungewöhnliche Art Topf-
pflanzen zu begiessen wird in der
grossen Pariser Stadtgärtnerei im Bois de
Boulogne, wo die Blumen für die öffentli-
chen Anlagen gezogen werden, angewendet.
Um Zeit zu ersparen werden die Pflanzen,
welche eine solche Behandlung vertragen,
z. B. die Scharlach-Pelargonien, von denen
10,000 Stück von einer Sorte in einem Hause
stehen, im Frühjahre bis zur Zeit, wo sie
in das Freie kommen, mittelst eines Spri-
tzenschlauchs begossen, indem man die
Pflanzen förmlich überspritzt, so viel wie
etwa ein starker Regen wirkt. Das Giess-
rohr am Schlauche hat keine Brause, son-
dern wird mit dem Finger so zugehalten,
dass ein feiner Regen fällt, bald feiner,
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
bald stärker, was sich bald aus der Uebung
lerst. Auf gleiche Weise werden im Som-
mer alle in Töpfen stehenden Pflanzen be-
gossen, und wahrscheinlich fliesst das Was-
ser aus höher liegenden Behältern von selbst
zu. Dass nicht nur in Paris, sondern auch
bei uns in vielen Handelsgärtnereien die
kleineren Topfpflanzen im Sommer mit der
Brause aus grossen Kannen begossen wer-
den, weiss Jeder, der in Handelsgärtnereien
war. Es geht bei diesem Verfahren aller-
dings manche Pflanze zu Grunde, aber dies
ist im Verhältniss zur Arbeitsersparniss kein
Verlust. Auch gedeihen die nicht krank
werdenden Pflanzen durch das tägliche starke
Ueberspritzen und die durch die Anfeuchtung
des Materials, worin sie eingegraben sind,
entstehende feuchte Luft desto üppiger.
Nothwendig ist, dass die Pflanzen guten
Wasserabzug haben. Wer diese Behandlung
anwenden will, (die übrigens beschränkte
Grenzen hat), giesse vorher die trockensten
Pflanzen einzeln, und gehe einige Minuten
nach dem Giessen die Pflanzen durch, um
von denen, wo das Wasser stehen geblie-
ben ist, dieses abzugiessen und zugleich
das verstopfte Abzugsloch zu öffnen. J.
3) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke,
(Fortsetzung.)
Ist noch nicht in
verdient aber die
Einführung, wegen ihrer eigenthümlichen
Lebensweise und Ansehens.
Dyckia rariflora, Schult. Bot. mag. 3449.
Bot. Reg. 1782. Brasilien. Serra de Villa
Ricca. — Habit. Rpr. G.
Disteganthus basilateralis, Lemaire. v. Houtte
fl. d. s. TI 227. Cayenne. Zierlicher
Wuchs mit Ausläufern. Rpr, gen.
Tillandsia usneoides, L.
Gärten vorhanden,
Fam. Orchideae *).
Trib. Malaxideae.
Pleurothallis prolifera, Ldl. Bot. mag. 3261.
*) Bei keiner anderen Familie sind Be
Blatt aufr. kapuzenf. Kleiner violetter
Kelch, Blume versteckt, rosa. — Wuchs.
Rpr. Trib.
teres. Blatt aufrecht.
Physosiphon Loddigesii, Lind]. (Stelis tu-
bata, Lodd. bot. cab. 1607. Kleine,
aber höchst merkwürdige Blumen, Kelch
in ein Rohr verwachsen.
Oberonia brevifolia. Habitus; gestreckter
beblätterter Stengel.
von Dilettanten unscheinbar genannten
Formen in Wahrheit mehr interessant
als hier. Die spärliche Auswahl möge
man mit der gebotenen Beschränkung
des Raumes entschuldigen.
II.
Megaclinium falcatum, Lindl. Bot. Reg. t.
989. Bewegung der Lippe!
Bolbophyllum umbellatum, Ldl. Bot. reg.
1845 t. 44. Nepal. Blüthenstand '!
— barbigerum Ldl. Sierra Leone. Bot.
mag. 5288. An der Lippe wird ein
Kranz von langen Haaren mit Drüsen-
knöpfehen durch geringen Luftzug
bewegt.
Dendrobium nobile, Ldl. Sert. t. 3. China.
Knollstamm bis 2‘ lang; Blüthen zahl-
reich gross, rosa und purpur,
fimbriatum, Hook. Bot. mag. 4160.
Nepal. Inflorescenz an blattlosen Zwei-
gen.
— ceucullatum‘, RBr. Bot. mag. 2242. In-
florescenz je 1blüthig dem Blatt gegen-
über, und am blattlosen Ende.
Eria rosea, Lindl. Bot. Reg. 978.
Trib. Epidendreae.
Coelogyne fimbriata, Lindl. Bot. Reg. 868.
China. Wuchs fast rasenartig. Blüht
leicht und reichlich.
Wallichiana, Lindl. (C. undulata Hort.)
Bot. mag. 4496. %. O.-Indien, Blüthen-
stand reichblüthig, zweizeilig, nickend.
Pholidota imbricata, Lindl. Bot. Reg. 1213.
Lange Blüthenähre mit kleinen, den
Maiglöckchen ähnlichen Blumen. Knoll-
form!
Epidendron cochleatum, Lindl. Bot.
mag. 572. O.-Indien. Richtung der
Blumenormal oben bleibend. Lippe violett
fleckig.
eiliare, Lindl. Bot. Reg. 463. W.-Indien.
Blumen gelblich, gross, schmalblätterig,
Lippe zerschlitzt.
— elongatum, Jacq. Bot. mag. 611. W.-
Indien. Blüthenstand fast ebenstraussig,
Lippe nach oben gekehrt. — Wuchs.
— aloifolium Läl. (nonL.) Batem, Orch.
25. O.-Indien. Wuchs; Blätter dick,
lang, hängend, Blumen gross, gelb;
Fruchtknoten 5‘ lang.
Laelia anceps, Lindl. Bot. mag. 3864. Me-
xico. Knolle 4kantig. Blume gross.
Brassavola cuspidata, Hook. (B. odo-
ratissima, Rgl.) Bot. mag. 3722. Trini-
dad. Blatt dick pfriemenförmig. Frucht-
Notizen.
249
knoten der einsamen Blume 6” lang;
ähnlich ist B. tuberculata.
— glauca, Lindl. Bot. reg. 18 t. 44. Me-
zico. Grosse grüne Blume mit weisser
Lippe. Blatt breit,
Cattleya erispa L.(Laelia.. . Rchb.j.) Bot.
Reg. 1172. Brasilien. Grosse zarteBlume,
Lippe violett, wellig.
labiata Ldl. besond. var. Mossiae. Bot.
Reg. t. 58. Brasilien. Lange keulige
Knolle. Sehr grosse blassrothe Blume.
— indermedia, Grah. Bot. mag. 2851,
Brasilien. Farbenwechsel. Leichte Cul-
tur; gr. Blume ‚mit sich verändernder
Farbe.
Bletia florida, RBr. Bot. Reg. 1401. O.-Ind.
Knolle kuchenförmig. Habitus.
Phajus grandifolius, Willd. (Bletia Tan-
kervillae Sw.) Bot. Reg. 1924. O.-Ind.
Breitestes und grösstes Blatt unter der
Familie, grosse Blume auf 2’ langem
Stiel.
— mäculatus. Grösste Knolle!
Trib, Vandeae.,
Angraecum bilobum. Bot. reg. 1841. t. 35.
Blätter mit 2 Spitzen.
— distichum, Ldl. Bot. mag. 4145.
Afrika. Klein, dicht, zweizeilig be-
blättert.
Catasetum tridentatum, Hook. Bot. mag.
2559. Trinidad. Seltsame grosse Blu-
men, zeigen bisweilen dreierlei Formen
derselben! als Monachantus viridis und
Myanthus barbatus.
— saccatum Ldl. Sert. 61. Darw. 1. c. pag.
134. c. fig. „Die Catasetideen sind die
merkwürdigsten aller Orchideen‘, Dar-
win *)!
Stanhopea tigrina, Batem, Bot. Reg. 1839.
{.1. Bot. mag. 4197 Mexico. Sehrgrosse,
violettfleckige Blumen, Wuchs der Blü-
thenstengel!
— insignis, Frost. Bot. mag. 2948. Bra-
siliien. Grosse Blumen mit violetter
getupfter Lippe undKelchblättern. Noch
*) Darwin, über die Einrichtung zur Be-
fruchtung der Orchideen. Stuttg. 1862.
250 Gartenflora Deutschlands,
mehrere andere: St. oculata, bucepha-
lus sind ebenfalls werthvoll.
Gongora atropurpurea, Hook. Bot. mag.
3220. Demerara. Habitus; düstere
Blumen.
maculata. Ldl. Bot. mag. 3687. De-
merara. Knolle gross, tief rippig.
Acropera Loddigesii, Ldl. Bot. mag.
3563. Demerara. Aehre herabhängend,
Fruchtknoten zurückgebogen.
Cymbidium giganteum, Wall. (non Sw.)
Lindl. Sert. 4. Nepal. Buschiger Wuchs,
reichliches Blühen im November.
aloifolium, Sw. Bot. mag. 3897.
(Epidendron . . . L) Malabar. Harte
Blätter. Wuchs, leichte Cultur.
triste Willd. Bot. mag. 3648. Zeylon.
Sehr kleine Form.
Maxillaria picta, Hook. Bot. mag. 3154.
Brasilien. Leichte Cultur, reichliches
Blühen.
Harrisoniae (Ldl. (Lycaste
Lal.) Bifrenaria ..... Colax
mag. 2027. Brasil. April.
gelbe Blume, violette Lippe.
tenuifolia, Ldl. Bot. Reg. 1839 t. 8. Ve-
racruz. Wuchs; blüht reichlich.
Eulophia streptopetala Ldl. Bot. mag. 2931.
Habitus. Cap. d. g. H.
Cyrtopodium punctatum, Ldl. Bot. mag.
3507 (Epidendron .. . L.) Guatemala.
Stamm dick bis 5’ hoch, blüht selten,
aber prachtvoll.
Zygopetalum Mackayi, Hook. (Eulophia
... Ldl.) Bot. Reg. 1433 und 2748.
Brasilien. Leichte Cultur;
Blume mit weiss und violetter Lippe.
Triehopilia tortilis, Ldl. Bot. mag. 3739.
Mexico. Habitus; glockenförmige grosse
Lippe, gedrehte Kelchblätter.
Oncidium altissimum, Sw. Bot. mag. 2990.
(Epidendron . . . Jacq.) W.-Indien. Blü-
thenstand reichblüthig, in bis 6‘ langer
Rispe. Knolle gross.
Papilio, Ldl. Bot. mag. 2795. Trini-
dad. Höchst seltsame Blume mit gros-
ser gelber Lippe und langen schmalen
Kelchblättern. Knolle rundlich.
flexuosum, Sims. Bot. mag. 2203.
Bol
Grosse zart
schöne gr.
Russlands und der Schweiz.
Brasilien. Leichte Cultur.
hellgelb.
Oneidium spilopterum, Ldl. Bot. reg. 1845. t. 40.
Grosse gelbe Lippe, kleine Kelchblätter.
Wuchs zierlich.
leucochilum Batem; Orch. t.1. Pax-
ton, Mag. 7. 241. Mexico. Repr. der
Blumen mit weisser Lippe, übrige Bl.
Blätter grünlich mit rothen Flecken.
Brassia macrostachya,Ldl. (B. striata, Hort.)
Lindl. sertum, t. 6. Demerara auch B.
cordata. Bot. mag. 3451. u. a. sind
schön. Grosse Blumen mit langen
schmalen Blättchen.
Miltonia spectabilis, Ldl. Bot. mag. 4204.
Brasilien. Knollesehrflach. Blume gross,
zartgelb, Lippe violett.
Renanthera coceinea, Lour. Bot. mag. 2997.
China. Grosse Pfl., mit reichbl. Rispe.
von hochrothen Blumen.
Vanda tricolor. Ldl. Bot. mag. 4432. Java.
Grösse (noch grösser ist die kostbare
V. Batemanni).
suavis Ldl. Java. Grosser Stamm, Blu-
men braun, weiss und violett.
Zierlich,
Trib. Ophrydeae.
Habenaria macroceras Spr. (Orchis Habena-
ria, L.) Bot. mag. 2947. Jamaica.
Sporn der Blume 4—5” lang. Kelchbl.
sehr schmal.
Goodyera discolor, Kes. (Haemaria .. . Ldl.)
Bot. mag. 270. Brasilien. Wuchs krie-
chend.
Trib. Arethuseae.
Sobralia macrantha, Ldl. Bot. mag. 4446;
v. Houtte fl. d. s., VII. 669. Mexico.
Wuchs, schilfartige Stengel bis 6° hoch;
Grosse purpurne Blumen.
Evelyna Caravata, Ldl. (Cymbidium hirsu-
tum Willd.) Bot. mag. 5741. v. Houtt.
fl. d.S. XIV. 1427. Guyana. Deckblätter
gross, rosenf., Lippe sehr gross gelb;
Stengel rauhhaarig.
Vanilla planifolia, Andrw. Hayne, Arz.
14, 22. Berg u. Schm. Arzn. Surinam.
Nutzpfl.
Cheirostylis marmorata Ldl. (Anoecochylu #8
S
|
|
III.
Lowii Hort). Java. Braungrün. Blatt
mit querlaufenden gelben Leisten,
Physurus pietus, Hort. (Anoecochilus .
Ld.) Brasilien. Blätter hellgrün, mit
silberartigen Streifen.
Anecochylus setaceus, Blm. (Dazu ge-
hört wohl auch A. Roxburghii u. A.
intermedius Hort.) Bot. mag. 4123,
v. Houtte fl. d. s. 2, 15. Sammetig
bläulichgrün, mit hochgelben Rippen.
Java.
Trib. Cypripedieae.
Cypripedium insigne, Wall. Bot. mag.
3412. Nepal. Leichte Cultur; Blüthe-
zeit, Haare. Schönheit.
— venustum, Wall. Bot. mag. 2129. Nepal.
Wuchs. Blüthezeit.
— caudatnm Ldl. v. Houtte fl. d. s. X.
t. 566. N.-Granada. Kronblättchen
schmal bis 8 lang. (Andere Orchi-
deen mit sehr langen Blumenblättern
sind: Uropedium Lindenii, Cypripedium
caricinum, Brassia — Cirrhopatalum —
Habenaria - Oncidum Arten.)
Fam. Zingiberaceae (Scitamincae jupt.)
Globba saltatoria R. Sch. (Mantisia ....
Bot. mag. 1320. O.-Indien. Sehr selt-
same Blume.
Zingiber officinale Rosc. (Amomum Zin-
giber, L.) Jacq. h. vind. 75. Berg und
Sch. Arzneipfl. IV. 34. b. Ostindien.
Erdstock „Ingwer“.
Curcuma aromatica, Salisb. Rosc. Seit.
t. 103. Nees, Arznpfl. Sppl. t. 10. Berg
u. Sch. Arznpfl. 34. a. (Curcuma Zedoa-
ria, Roxb.) Bot. mag. 1546. O.-Indien.
Nutzpfl.
Kämpferia rotunda, L. Bot. mag. 920. O.-
Indien. Wuchs; blüht vor Entfaltung
der Blätter. Rp. gen.
Amomum Cardamomum. Fl. ind. Rumph.
Amb. V.t. 95. Nees, Arzn. 64. O.-Ind.
Nutzpfl.
— granum Paradisi Willd. Nees, Arznpfl.
65. O.-Ind. Nutzpfl. Rp. g.
Elettaria Cardamomum, Woght. Mat. (Amo-
num u. Alpinia.... Roxb. Corom.pl.
Notizen.
251
t. 226. Berg. Arznpfl. II. 34. Malabar.
Nutzpfl. R. g.
Hedychium Gardnerianum, Rose. Bot. reg.
771. Nepal. Sehr schöner Wuchs, zarte
grosse Blumen.
— coronarium, Kön. Bot. mag. 708.
Jacq. fragm. 130. O.-Indien. Sehr gros-
ser Wuchs und eben solche, hochgelbe
Blumen.
Alpinia nutans, Rosc. Globba... L; Ren-
ealmia ... And) Bot. mag. 1903. O.-
Indien. Grosser Wuchs, schöne Blume,
aber selten erscheinend.
Costus speciosus, Sm. Jaeq. ie.
O.-Indien. Blattstellung! Rp. g.
Thalia *) dealbata, Fras. Bot. mag. 1690.
Carolina. Leichte Qultur. Rp. g.
sanguinea Lem. (Stromanthe . . . Sond.)
V. Houtte fl. d. s. 8. 785. O.-Indien.
Besitzt ein einziges Ei in dem einzigen
vollständigen Fache.
Maranta arundinacea, L.) Bot. mag. 2307-
O.-Indien. Nutzpfl. Arrow-root.
— setosa. Dietr. (Phrynium .... Rose.)
scit. 41.) Brasilien. Behaarung.
Calathea zebrina, Don. (Maranta .
Sims.) Brasilien, Bot. mag. 385. Fär-
bung des Blattes. R. gen.
Tan.
Fam. Cannaceae (Marantaceae) **).
Canna iridiflora, RzPv. Bot. mag. 1698.
Bot. Reg. 609. Peru Habitus, gr. pur-
purne Trompentf. hängend. Blm.
Canna gigantea, Dsf. Bot. reg. 206. Bot.
mag. 2316. Amerika. Sehr gross, 6‘
hoch; Blätter bis 2° breit; Blume ge-
bogen.
-—- orientalis, Rose. (C. indica, Roxb.; C.
chinensis, Willd.) Rose. Seitam. ic. 12,13.
O.-Indien.
edulis, Ker. (C. indica, RzPv.) Bot.
mag. 2948. Peru. Nutzpflanze.
—
*) Thaliae species cultae in hort. Berol.
Appendix Catalogi 1857.
Körnicke, die in unseren Gärten culti-
virten Marantaceen, in Regel Gartenfl.
1858. p. 76.
(Schluss folgt.)
**)
nennen
e
252
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
W. Literatur.
1) Norddeutsche Anlagen-Flora, oder
Anleitung zur ‚schnellen Bestimmung der
in den öffentlichen Anlagen, sowie in
den gewöhnlichen Lustgärten vorkom-
menden Zierbäume und Ziersträucher.
Von Dr. Wilhelm Klatt.
1865.
Hamburg
Verlag von Wilh. Jowien.
Annehmend, dass in den Hamburger
Anlagen mehr Ziergehölze vorkommen, als
in den Anlagen und gewöhnlichen Lustgär-
ten Kiels, Eutins, Ratzeburgs uud selbst
Berlins, glaubt der Verfasser, dass jene
Anlagen von Hamburg als Vertreter der
Flora norddeutscher Anlagen gelten kön-
nen. Der Verf. beruft sich dabei auf die
Flora von Dr. Ascherson, die wir nicht
kennen, die aber jedenfalls in einem grossen
Irrthum und mangelhaft ist, wenn sie meint,
dass in den genanten Orten keine andern,
oder wie man schliessen muss, weniger Ge-
hölze vorhanden sein sollen, als in den Ham-
burger Anlagen. Wir getrauten uns allein
aus den Gärten Berlins und der Umgegend |
wenigstens !/, mehr Gehölze aufzufinden,
als in der „Norddeutschen Anlagen -Flora‘
beschrieben sind, und zwar gute Arten und
ebenso scharf bezeichnete Spielarten,
der
als
Verf. aufgenommen hat, die neuen,
seit etwa 5 Jahren angepflanzten gar nicht
berücksichtigend. Ja wir behaupten sogar,
dass selbst die Hamburger Gärten (aus-
schliesslich des botanischen Gartens und
der Booth’schen und Ohlendorfi’schen Baum.
schulen) noch 100 Gehölze mehr hätten lie-
fern können. Dass die Hamburger Anlagen
noch andere Gehölze enthalten, als Herr
Dr. Klatt beschrieben hat, wollen wir
nicht behaupten, weil wir es nicht bewei-
sen können und wir verpflichtet sind, die
Wahrheit von des Verf.'s Angabe zu glau-
ben; allein wenn man bedenkt, dass die
dortigen Gehölze aus den dortigen reichen
Baumschulen hervorgegangen sind, so muss
man sich billig wundern, dass die Anlagen
so arm in mancher Beziehung sein könnten.
Sollten wirklich in Hamburgs Anlagen nur
6 Spiraea vorkommen, und nur 2 Phila-
delphus, nur 4 Salix? kein Juglans u. a. m.
Dies ist unser Bedenken in Bezug auf den
Inhalt des Buches an Gehölzen. Was diese
selbst betrifft, so können wir , soweit unser
Urtheil reicht, nur Lob und Anerkennung
aussprechen. Die Methode ist gut und
praktisch, die Beschreibung gut und aus-
führlicher, als man bei dem geringen Um-
fange des Buchs glauben sollte. Die Ein-
theilung und Bestimmung nach Blättern ist
gar nicht übel, und kann dem Suchenden
schon etwas auf die Spur helfen. Wün-
schenswerth wäre eine eben so eingehende
Berücksichtigung der Knospen und Knos-
penstellung gewesen, auf welche im blatt-
losen Zustande. Alles ankommt. Den An-
fang die Bestimmungstabelle
nach den Blättern, worauf sich die Ab-
bildungen beziehen (was man übrigens erst
nach langern Suchen herausfindet). Dann
folgt die Uebersicht nach dem Lin-
neischen System, mit kurzer Blüthen-
beschreibung. III. Die Uebersicht nach
natürlichen Familien mit genauer
Beschreibung. Endlich wird IV. die
technische Benutzung von 94 Gehöl-
zen angegeben. Die Zeichnung der 154
Blattumrisse ist deutlich und gut, nur et-
was zu stark aufgetragen, als wären die
Bilder Nafurabdrücke mit Druckerschwärze.
Wir empfehlen das kleine Buch allen Gärt-
nern und Gartenfreunden, denen Jäger’s
„Ziergehölze“ oder das „Arboretum musca-
viense‘‘ von Petzold und Kirchner zu
theuer sind, ja selbst solchen, welche beide
Bücher besitzen. (J.)
2) R. W. A. Wörmann: der Garten-
ingenieur. Sechste Abtheilung. Die
Cireulations- Wasserheizungen, mit Nie-
der- und Hochdruck in ihrer Anwen-
dung auf die Gärtnerei.
macht
Diese sechste Abtheilung des von uns
wiederholt empfohlenen Werkes kritisch zu
besprechen, verlangt mehr Erfahrung und
IV. Literatur.
Kenntnisse, als der Verfasser selbst hat,
und da dies bei uns, offen gestanden, nicht
der Fall ist, so wollen wir uns auf eine
Kritik nicht einlassen, sondern dieses Buch
- einfach empfehlen, indem wir es in jeder
Beziehung seinen Vorgängern ebenbürtig
erklären. War der Inhalt der früheren
Bändchen den intelligenten Gärtnern mehr
oder weniger bekannt, so ist die Wasser-
heizung ein Feld, worin nur wenige Gärt-
ner Bescheid wissen, und dann immer nur
so viel, als sie selbst in der Heizung ihrer
Glashäuser erfahren haben. Derselbe Fall
besteht bei den Architekten, von denen
unter Hunderten kaum einer eine Wasser-
heizung anzulegen versteht, jedenfalls die
bei der Gärtnerei vorkommenden Abwei-
chungen nicht kennt. Diese Abtheilung ist
aus diesem Grunde viel wichtiger und un-
entbehrlicher als jede andere von Wör-
mann’s Garten-Ingenieur. Die Abbildungen
dieses Bändchens sind besonders zahlreich»
was auch nöthig war. (J.)
3) Nestel’s Rosengarten.
Unter diesem Titel erscheint in der
E. Schweizerbart'schen Buchhandlung in
Stuttgart in zwanglosen Heften eine Art
Rosenzeitung, in welchen die schönsten neuen
und älteren Rosen in Oelfarbendruck aus-
geführt abgebildet und beschrieben werden.
Die erste Lieferung mit 4 Abbildungen ist
bereits erschienen geeignet,
dem Unternehmen Freunde zu erwerben,
denn die Abbildungen sind wirklich ausge-
zeichnet schön. Ausserdem wird die Ro-
sencultur nach allen Seiten hin in beson-
deren Artikeln besprochen. Bei den vielen
Verehrern der Rosen wird das Werk vor-
aussichtlich grossen Beifall finden, um so
mehr, da wir in dieser Beziehung völlig
vom Auslande, namentlich Frankreich ab-
hängig gewesen sind. (J.)
und ganz
4) A. de Bary, neue Untersuchungen
über Uredineen, insbesondere über Puc-
cinia graminis. Berlin 1865.
Durch die gründlichen Untersuchungen
A. de Bary’s, Tulasne’s und anderer
ee =
233
tüchtiger Forscher in dem Gebiet der nie-
dern Pilze sind die meisten Rostpilze
nur zu Entwicklungstadien höherer Pilze
geworden. Eine eigenthümliche Erscheinung
ist dabei die, dass der höhere Pilz meist
nicht auf der gleichen Pflanze, die den nie-
driger entwickelten Pilz
wickeln kann. ——
trägt, sich ent-
Ein derartiges Verhältniss besteht zwi-
schen dem Rost der Gräser und des Ge-
treides (Puccinia graminis, straminis und
Uredo linearis) und dem kleinen gelben
Schüsselpilz der Berberis (Aecidium Berbe-
ridis). Den Landwirthen war es schon lange
bekannt, dass da, wo Berberis- Sträucher
um die Felder gepflanzt wurden, der Ge-
treiderost in höherem Grade auftrat. — Den
innern Zusammenhang zwischen beiden Pil-
zen, von denen der Rost nur ein Entwick-
lungstadium des Aecidium Berberidis ist,
zeigt nun A. de Bary in anschaulicher
Weise und auf zahlreiche gründliche Unter-
suchungen und Versuche gegründet.
(E. R.)
5) Charles Baltet, Praktische Anlei-
tung zur Baumzucht, übersetzt von
C. Lade. Ravensburg.
Das hier von Ballet ins Deutsche
übergegangene Werk ist eine kurz und
bündig geschriebene Anweisung zur Ver-
mehrung der im freien Lande aushaltenden
Holzgewächse, — zur Anlage einer Baum-
schule und der Pflege der Pflanzen in der
Baumschule, — und endlich Aufzählung
der verschiedenen Baum- und Strauchge-
wächse, die in der Baumschule erzogen
werden, nebst kurzen Angaben über deren
Cultur und Vermehrung,
Alles was in der Schrift gesagt ist, das
ist das Resultat einer geläuterten Erfahrung,
so dass wir dem Herrn E. Lade verbun-
den sein müssen, dass er durch seine Ue-
bersetzung die Ansichten und Erfahrungen
eines der tüchtigsten Pomologen Frank-
reichs auch für Deutschland nutzbar ge-
macht hat. —
(E. R.)
254 Gartenflora Deutschlands,
6) Der Erzgebirgische Garten-
bau-Verein in Chemnitz. Es liegt uns
der fünfte Bericht dieses Vereins vor, der
sich Hebung des Obst- und Gartenbaues im
Erzgebirge zur Aufgabe gestellt hat. Fünf-
unddreissig Sitzungen hielt der Verein im
Jahre, in welchen Gegenstände des Garten-
baues besprochen wurden. Einige dersel-
ben von allgemeinem Interesse wollen wir
erwähnen.
1) Gerberlohe als Bodenverbes-
serungsmittel. Die Allg. Deutsche Gar-
tenzeitung hat früher einen Artikel gebracht,
in welchem die Gerberlohe als Dung- und
Bodenverbesserungsmittel empfohlen wurde.
In den meisten Gärtnereien wird Lohe zur
Erwärmung von Warmbeeten gebraucht.
Lang anhaltende und nie zu hohe Wärme,
die solche erzeugt, empfehlen solche zu
diesem Zwecke. Es liegt daher auf der
Hand, dass es nützlich sein würde, wenn
man die alte halb verweste und theils zur
Erde gewordene Lohe in obiger Weise ver-
wenden könnte. Die Mitglieder des Erzge-
birgischen Gartenbauvereins sprachen sich
dahin aus, dass die Lohe keinen Nutzen
als Bodenverbesserungsmittel besitze. Wir
schliessen uns dieser Ansicht an, denn Erde,
die aus Lohe entstanden ist, ist in Wahr-
heit an Pilanzennahrstoffen ausserordentlich
Es giebt nun allerdings Gärtner, die
als Vertheidiger derselben auitreten
namentlich für diese anführen, dass manche
Pflanzen und namentlich Palmen aus den
Töpfen in die Lohe des Beetes durchwur-
zeln und starke gesunde Wurzeln in sol-
cher bilden.
arm.
und
Das spricht aber noch lange nicht für
die Nahrungsfähigkeit der Lohe, sondern
nur dafür, dass auf kleine Gefässe be-
schränkte Pflanzen, die die Neigung haben,
weit ausgebreitete Wurzeln zu bilden, wo
ihnen Gelegenheit geboten wird, mit den
Wurzeln aus den Töpfen heraus in die um-
gebenden Schichten gehen. Dies findet im
nahrungslosen Sand, im Kohlenlösche in
gleichem oder noch höherem Maasse wie in
Lohe statt. Wo man von dieser Neigung
der Pflanzen für diese selbst Vortheil ziehen
will, wie z. B. bei der Cultur der Topfobst-
Russlands und der Schweiz.
bäume, die in möglichst kleinen Gefässen
gehalten, doch kräftige Triebe bilden soll,
da wird es keinem Cultuvateur einfallen,
Lohe als Einfutterungsmaterial zu benutzen,
— sondern man wählt dann eine kräftige
dungreiche Erde, in die man solche im
Sommer durchwurzeln lässt.
Der Referent hat im Laufe seiner langen
Praxis oft den Versuch gemacht, alte Lohe
nur als Mischtheil von Composterde anzu-
wenden, und er kann versichern, dass die
Lohe auch da nur die Erdmasse vermehrt,
ohne ihr erhebliche Nahrungstheile zuzu-
führen, so dass nicht mit Lohe versetzte
Erde stets bessere Resultate giebt, als mit
Lohe versetzte.
Der Referent kennt ferner keine Pflan-
zengattung, die auf alter Lohe vorzugsweise
gedeihe, — sofern solche darauf angewie-
sen ist, nur aus dieser ihre Nahrung auf-
zunehmen. —
Also in allen den Fällen, wo es sich
darum handelt, der Pflanze Nahrung zuzu-
führen, ist alte Lohe ein unnützer, oder in
schon armem Boden selbst schädlicher Misch-
theil, da sie im Verhältniss zur Masse die
Nahrungsfähigkeit des Bodens noch ver-
mindert.
Damit will der Reierent aber nicht für
alle Fälle über alte erst theils zur Erde ge-
wordene Lohe den Stab brechen. Sie mag
in solchen Fällen zum Beispiel gute Dienste
leisten, wo es sich darum handelt, nicht
Nahrung zuzuführen, sondern die Masse zu
vermehren und entweichende Dungstoffe
aufzunehmen, so zur Ueberdeckung von
Dunghaufen, die dazu bestimmt, Dungerde
zu liefern, zur Untermischung mit an und
für sich zu kräftigem Cloaken- Dünger etc.
Sie wird ferner gute Dienste leisten, wenn
ein roher Untergrund für Obstbäume nutz-
bar gemacht werden soll, indem die Unter-
mischung derselben zwischen einem schwe-
ren bindigen Untergrund letzteren lockerer
macht und dem befruchtenden und zer-
setzender. Einfluss der Luft zugänglich macht.
Auch in den obern Culturschichten eines
zähen bindigen, an und für sich schon an
Nahrungstheilen reichen Thonbodens, dürfte
sie in ähnlicher Weise vortheilhaft für die
IV. Literatur.
Pflanzencultur einwirken, indem sie ein-
fache mechanische Lockerung solchen Bo-
dens bedingt. —
Endlich gibt es noch eine von Allen
anerkannte vortheilhafte Verwendung aus-
gebrannter und zum kleinen Theil nur ver-
wester oder auch ganz frischer Lohe. Es
ist das die der Deckung des Bodens in
Baumschulen, um Erdbeeren und anderes
Beerenobst ete. Nur zur Deckung des Bo-
dens verwendet befördert sie die Erhaltung
einer gleichmässigeren Feuchtigkeit der Ober-
fläche des Bodens, sowie einer gleichmässi-
geren Bodentemperatur in sonnigen Lagen,
da sie als schlechter Wärmeleiter die Ex-
treme in dieser Beziehung ausgleicht. Da
Deckung mit Lohe dem Boden den Zutritt
der Luft nicht entzieht, so bleibt auch die
Oberfläche des Bodens unter derselben
locker und dem Zutritt der Luft zugänglich.
Endlich enthält die Lohe keinen Unkraut-
saamen. und hält somit den Boden reiner
von Unkraut, sowie sie bei Erdbeercultur
angewendet im Winter vor der schädlichen
Einwirkung des Frostes schützt und im Som-
mer das Beschmutzen der Früchte verhindert.
Nach diesen aus der Deckung des Bo-
dens mit Lohe gefolgerten Vorzügen wollen
wir aber auch einen Nachtheil nicht ver-
schweigen, — dass man nämlich beim Um-
arbeiten des Bodens meist diese Deckung
wegnehmen muss, damit solche nicht in
den Boden kommt und die oberste wich-
tigste Culturschicht an Nahrungstheilen ver-
hältnissmässig ärmer macht. —
2) Cultur der gefüllten Nacht-
viole (Hesperis matronalis fl. pleno). Es
ist eine Bemerkung, die allgemein gemacht
wird, dass ein früherer allgemeiner Lieb-
ling in unsern Gärten, die schöne gefüllte
Nachtviole mit ihren köstlichen duftenden
Blumen immer seltner wird. Mehrere Mit-
glieder sprachen sich darüber aus. Wir
schliessen uns dem an, was vom Herrn
Hertzsch über deren Cultur gesagt wurde:
Ein nicht gedüngter Lehmboden ist der
zur Cultur günstigste, sofern für guten Ab-
zug des Wassers gesorgt ist. In schwerem
Boden kann die Lage durchaus sonnig sein,
255
in leichterem Boden ist dagegen eine von
Bäumen halb beschattete Lage günstiger.
In Bezug auf Vermehrung durch Theilung
halten wir mit Herrn Hartmann die Thei-
lung nach der Blüthe für günstiger als im
Herbste.
3) Ueber Bebauung kleinerer das
Haus umgebender Gärten (bürgerliche
Gartenkunst) hielt Herr Hertzch mehrere
praktische gut gehaltene Vorträge, wobei
den lokalen Verhältnissen um Chemnitz
Rechnung getragen wird. Einem Irrthum,
der gerade geeignet ist ein Vorurtheil fort-
zupflanzen,, sei es uns erlaubt, entgegen zu
treten. Der Verfasser räth nämlich davon
ab, Menschendünger beim Gemüsebau anzu-
wenden, weil viele Gemüse von solchem
einen scharfen Geschmack erhielten. Ein-
mal verstehen wir nicht, was durch „schar-
fen Geschmack“ bezeichnet werden soll, —
und ferner ist der besprochene Dünger für
Sellerie, Kohlarten, Salate ete. sogar der
beste, unter dessen Anwendung man das
schönste ganz wohlschmeckende Gemüse
erzieht. Die Pilanze zerlegt den aus fau-
lenden Stoffen aller Art aufgenommenen
rohen Nahrungssaft wieder so, dass von
einer Uebertragung des Geschmaekes nicht
die Rede sein kann, sonst würden wir über-
haupt keine gedüngte Pflanze, sei es Dünger
von Menschen oder Thieren, der angewandt
wurde, essen können.
solches Vorurtheil aber, dies noch
dazu beitragen hilit, dass der beste kräf-
tigste Dungstoff ott nutzlos verloren geht.
In dieser Beziehung mag Nord- und Mittel-
Deutschland von der Schweiz lernen, wo
der in Rede stehende Dünger in jedem klei-
nen Hausgarten als flüssiger Guss mit dem
besten Erfolge zur Düngung des Gemüses
jährlich angewendet wird.
Schädlich ist ein
weil
4) Ueber Obstbau waren wiederholt in-
teressante Verhandlungen im Schnosse der
Gesellschaft. Einige interessante geschicht-
liche Daten entnehmen wir
selben:
einer der-
1768 ward das erste Werk herausge-
geben, das die genauere Bestimmung der
Obsorten anregte, es war das das Werk
von Dahumel über Obstarten, 1794 ver-
256
öffentlichte Sickler sein Werk über die
Pflaumensorten. 1795 gab der Vater des
gefeierten Dichtere Schiller ein Obst-
büchlein heraus. 1799 begann Diel die
Veröffentlichung seines Werkes über die
Kernobsorten und 1802 erschien das pomo-
logische Handwörterbuch von Christ.
Pomologische Vereine thaten gleichfalls
das Ihre zur Hebung der Obstbaumzucht.
Auf Anregung von Diel und Christ, den
Vätern unseres deutschen Obstbaues, ent-
stand 1796 die erste Pomologische Gesell-
schaft in Deutschland. 1802 ward die Po-
mologische Gesellschaft in Altenburg ge-
gründet, 1814 die Landesbaumschule in
Dresden, 1817 die zu Frauendorf in Bayern.
Eine gute auf Quellen gestützte Geschichte
des deutschen Obstbaues wäre ein für Viele
interessantes Unternehmen!
5) Ein Capital, das alle Gartenbauvereine
mit Flammenschrift auf ihr Panier schreiben
sollten, einem jeden so recht
dringend ans Herz zu legen, das ist Scho-
nung der nützlichen Thiere. Welch
enormen Schaden haben wir uns selbst
durch deren Vertilgung schon geschlagen
und unmässige Ueberhandnahme des Unge-
ziefers, gegen das der Mensch mit allen
seinen Abwehrungsmitteln doch nichts aus-
richtet, ist nur die Folge der schändlichen
Vertüguang der nützlichen Thiere. Auch
diese fanden im Schoosse der Gesellschatt
um es
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
ihre eifrigen Freunde. Maulwürfe und Fle-
dermaus soll man schonen, denn ersterer
ist durch Vertilsung des Ungeziefers im
Boden nützlicher als schädlich, letztere nur
nützlich. Selbst die kleineren Raubvögel
sind als Feinde der Mäuse mehr nützlich als
schädlich. Krähen, Spechte und Enten sind
fast nur nützlich, — aber Hühner und Tau-
ben würden wir doch nicht empfehlen, in
dem Garten "zu dulden, da sie da mehr
schaden als nützen. —
Dagegen sind fast alle kleineren Vögel
nützlich, und es ist gar nicht zu entschul-
digen, dass diese befiederten Sänger noch
so oft zu einem Kitzel des Gaumens ge-
schossen und verscheucht werden, — schänd-
lich aber ist es, wie sie zur Zeit ihrer Wan-
derung in Norditalien und auch noch an
einzelnen Orten Deutschlands jetzt noch
massenhaft geschlachtet werden. Das wäre
ein Thema der Besprechung auf deutschen
Garten-Congressen. Was hilft’s uns, wenn
wir in einzelnen Gegenden soweit gekom-
men, dass man diesen nützlichen Thieren
Brütekästen in den Gärten einrichtet und
solche schützt und schirmt, wenn solche an
andern Orten wieder auf ihrer Wanderung
zu Hunderttausenden geschlachtet werden. —
Wir wünschen dem Vereine, der so
alle Zeitfragen in seiner Mitte bespricht, fer-
neres segensreiches Wirken in unserem ge-
segneten Sachsenlande. (E. R.)
Y.
1) Die 41. Versammlung der Deutschen
Naturforscher und Acrzte, welche in den
Tagen vom 17. bis 22. September in Frank-
Personalnotizen und Neuestes etc.
einem Schreiben aus Galabat vom 10. Juni
1865, dass Schimper, der bekannte Bota-
niker aus Mannheim, in Abessinien bei dem
furt a. M. abgehalten werden sollte, wird | Kaiser Theodor in Ehren stehe und sich
in Anbetracht der politischen Verhältnisse
dieses Jahr nicht stattfinden.
2) Dr. Schweinfurth berichtet in
gegenwärtig in Gaflat mit Kalkbrennen be-
schäftige. (Petermann’s Mittheil.)
I. Originalabhandlungen.
1) Abgebildete Pflanzen.
a) Rhododendron Aucklandi Hook fil.
(Siehe Tafel 517.)
Erieaceae
R. Aucklandi Jos. Dalt. Hooker the
Rhod. of the Sikkim Himalaya tab. 11.
— Revue hort. 1855. pag. 81. —
Frutex, cortice laevi pallido subpa-
pyraceo; foliis amplis, petiolatis, ob-
longo-ovalibus v. oblongis, basi corda-
tis, acutis, margine planis, coriaceis,
utrinque viridibus glabris, subtus palli-
dioribus reticulato - venosis; floribus ma-
ximis, 3—5 terminalibus, albis, pedun-
ceulis longiusculis, glaucescentibus, pilis
glanduliferis raris adspersis; calyce pa-
telliformi, inaequaliter 5-lobo; corollae
tubo late campanulato; limbo amplis-
simo patente, 5-lobo, lobis emarginatis;
staminibus 12— 18; antheris sub apice
affixis; ovario glanduloso, 12 loculari;
stylo valido, curvato; stigmate magno,
disciformi. —
Bildet nach Hooker 4—11 Fuss hohe
schönsten von ihm entdeckten Arten
und nannte es deshalb zu Ehren des
Lords Auckland, der damals Gouver-
neur von ÖOstindien war. In Cultur
scheint diese Art noch selten geblüht
zu haben. Wir waren daher sehr ge-
spannt, als eines unserer Exemplare
dieses Jahr eine Blüthendolde ent-
wickelte. Hooker bildet diese Pflanze
mit röthlichen Kelchen und fast 6 Zoll
im Durchmesser haltenden Blumen ab,
An unserer Pflanze waren die Kelche
grün und die einzelnen Blumen hielten
nur 31/, Zoll im Durchmesser. —
Wir bemerken dazu, dass unser
Exemplar kräftig und gesuud und un-
gefähr 5 Fuss hoch ist. Vielleicht dass
an älteren Exemplaren die Blumen
grösser werden.
Aber auch wenn die Blumen nicht
Büsche und wächst im Himalaya ober- | jene enorme Grösse erreichen sollten,
halb des Dorfes Choongtam.
IX. 1866.
Hooker
hält dieses Rhododendron für eine der
wie solche von Hooker abgebildet wer-
den, ist das Rh, Aucklandi eine sehr
17
258
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
schöne und ausgezeichnete Art, die in | Staubfaden mit Anthere, gleich den fol-
grösseren reich blühenden Exemplaren | genden Figuren vergrössert,
eine wahrhaft glänzende Erscheinung | knoten und Griffel.
darbieten muss.
Erklärung der Tafel,
(E. R.)
2. Frucht-
3. Querdurchschnitt
des Fruchtknotens. 4. Die aufgesprun-
1. Ein | gene Frucht. —
b) Vriesia brachystachys
(Siehe Tafel 518.)
Bir onmleniTmagerenare:
V. brachystachys; glabra; foliis
late ligulatis, integerrimis, utrinque vi-
ridibus, basi latioribus amplectentibus,
apice acuminatis; scapo folia paullo su-
perante, vaginis appressis involuto;
spica abbrevita, disticha, bracteis com-
presso - carinatis, patentissimis, approxi-
matis, oblongo subfalcatis, basi cocei-
neis, apice luteis, unifloris; floribus tri-
gonis, luteis, bractea vix excedentibus;
petalis calycem paullo superantibus. —
Die beistehend abgebildete eigen-
thümliche Pflanze haben wir unter dem
Namen Vriesia brachystachys aus
dem Gärten des Herrn James Booth
und Söhne erhalten.
Zweizeilig gestellte in eine Aehre
vereinte Blumen, die von einer gekiel-
ten Braktee gestützt werden, zeichnen
in der Familie der Bromeliaceen die
Gattungen Vriesia Lindl, und Platy-
stachys C. Koch aus. Bei den Ar-
ten der letzteren Gattung stehen am
Blüthenschafte eigentliche Blätter, wäh-
rend der Schaft der ersteren Gattung
nur mit Brakteen besetzt ist. Wir sind
daher der Ansicht, dass die in Rede
stehende Art, von der wir nirgends
eine Beschreibung finden können, wirk-
lich zur Gattung Vriesia gehört, obgleich
solche noch von dem Gattungscharakter,
wie solchen Lindley von Vriesia gibt,
durch die abstehenden einander nicht
umwickelnden Narben sich unterscheidet.
Die Blumen selbst bleiben sehr lange
im Knospenzustand, und umschliessen
in diesem schon vollständig ausgebil-
dete Antheren und Griffel. Sie sind so
lang oder wenig länger als die Brak-
teen. Kelchblätter gekielt, bis zur Mitte
roth, nach der Spitze zu gelblich. Blu-
menblätter 3, gelb uud mit grünen
Spitzen, bei der entwickelten Blume we-
nig länger als der Kelch, in den unent-
wickelten Blumen bedeutend kürzer als
der Kelch, am Grunde Schuppen tragend.
Blühet im April und Mai, bildet eine
Masse junger dicht stehender Blattro-
setten und pflanzt sich in Felge dessen
schnell und leicht fort.
Unsere Abbildung zeigt, dass die in
Rede stehende Pflanze eine nette zier-
liche Art ist, deren Blätter und Blü-
thenschaft inelus, der Blüthenähre span-
nenlang oder etwas weniger länger wer-
den. Die kurze kaum 2 Zoll lange Blü-
thenähre und die stark abstehenden
dicht zweizeilig gestellten Brakteen, die
einander nicht decken, kurze Blume
etc., zeichnen diese Art von den an-
dern bekannten Arten der Gattung aus,
Cultur im niedrigen Warmhause. —
I. Originalabhandlungen.
Erklärung der Tafel.
Blume in natürlicher Grösse,
einzelnes Kelchblatt.
öffnete Blume. 4,
Griffel mit Narben.
Fig. 1.
Fruchtknoten und
5. Ein Blumenblatt
2. Ein
3. Eine nicht ge- | Grund eines Blumenblatts mit Schuppen
259
nebst den 2 Schuppen am innern Grunde
derselben und einem Staubfaden. 6. Der
und Anthere vergrössert.
(E. R.)
cd) Authurium reflexum .h Par.
(Siehe Tafel 519.)
i
Aroideae
Caudice brevi; petiolo elongato, se-
mitereti, antice excavato; geniculo pol-
licari, sulcato; lamina elongato- cordi-
formi, crasse coriacea, basi profunde
cordata, apice acuminata; pseudoneurv
intimo a margine late remoto, altero
margini approximato; pedunculo recurvo,
petiolo multoties breviore; spatha ovata,
acuminata, Spadicem crassum cireiter
aequans. —
Der hiesige Garten hat das bei-
stehend abgebildete Anthurium unter
dem obigen Namen aus dem an neuen
seltenen Pflanzen so reichen Garten des
Museums zu Paris erhalten. Dasselbe
gehört in die Gruppe der stammlosen
Arten mit ungetheilten herzförmigen
Blättern, die von 7—9 fussförmig ge-
theilten Längsnerven durchzogen sind.
Von diesen Längsnerven verlaufen die
innersten gleich aufsteigend bis zur
Spitze des Blattes und bilden einen vom
Blattrand weit entfernten Nerven, mit
dem die aus dem Mittelnerv abgehen-
den Seitenneryen anastomosiren. Die
2—3 äussern Längsnerven sind vom
Ursprung an rückläufig und anastomo-
siren dann zusammen in einem vor dem
Blattrande liegenden Nerven,
Schott hat diese Gruppe der stamm-
losen herzblättrigen Anthurien mit der-
artigem Nervenverlauf „Chondrophyl-
lium“ genannt. Der kurze zurückge-
bogene Blüthenschaft, der 4—6mal
kürzer als der Blaitstiel, unterscheidet
ausserdem diese Art von allen andern
verwandten.
Den Namen scheint der berühmte
A. Brongniart gegeben zu haben, wir
finden aber auch in den Schriften der
Pariser Akademie noch keine Beschrei-
bung dieser schönen Deeorationsptlanze.
Unsere Abbildung stellt diese prächtige
Pflanze in 1/, der natürlichen Grösse
dar. Dieselbe stammt aus dem tropi-
schen Amerika.
is stammlose Art vermehrt sich
solche etwas langsam, wenn man aber
erst einmal ein kräftiges Exemplar be-
sitzt, dann nehme man solchem den
Kopf ab und der alte Stummel wird
bald Seitentriebe bilden, die dann zu
Abnehmern benutzt werden künnen, Das
Stutzen oder Wegnehmen der Köpfe
nehme man vom März bis Mai vor,
weil zu dieser Zeit der alte Strunk am
schnellsten und leichtesten Seitentriebe
bildet. Vor dem Abnehmen lasse man
den Ballen etwas austrocknen und giesse
gar nicht oder nur sehr vorsichtig,
17 *
260
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
bis der alte Strunk neue Augen zu trei- | Decorationspflanzen in jedem Warmhause
ben beginnt.
kann meist gleich als eigne Pflanze ein-
zeln in einen Topf gepflanzt und unbe-
deckt im niedrigen Warmhause aufge-
stellt werden, da er meist schon eigne
Wurzeln beim Abnehmen besitzt, —
oder solche doch sehr bald bildet. —
Erwachsene Exemplare dienen als schöne
Der abgenommene Kopf | und im Zimmer.
(E. R.)
' Erklärung der Abbildung,
1. Eine Pflanze in 4facher Verklei-
nerung. 2. Ein Blatt, in der Hälfte der
Grösse. 3. Eine Blume von eben ge-
sehen, vergrössert.
2) Evonymus japonicus Thhrg. und dessen Abarten.
Vom Evonymus japonieus Thbreg.
(fl. jap. pag. 100) waren bis vor weni-
gen Jahren ausser der grünblätterigen
Stammart nur 2 Formen bekannt. Seit-
dem nun zahlreiche Reisende ausser
Siebold die Schätze der Japanischen
Gärten in Europa eingeführt haben, sind
auch von E. japonicus viele andere Ab-
arten in Europa’s Gärten eingeführt
worden, die sämmtlich als hübsche im-
mergrüne Decorationspflanzen für’s Kalt-
haus um so mehr Werth haben, als
. solehe theils schön bunt gefärbte Blät-
ter besitzen,
Unter diesen zahlreichen Formen
haben wir zunächst 2 Gruppen zu un-
terscheiden. Von diesen theilen die
einen den Wuchs von der schon lang
bekannten Stammform, indem sie steif
aufrechte Aeste bilden, die sich spar-
sam verästeln. Die andern besitzen da-
gegen einen niedrigen Wuchs, verästeln
sich stark und sparriger, bilden aus
dem Grunde ihrer Aeste von selbst Wur-
zeln und klammern sich mit denselben
in ihrem Vaterlande an Mauern und
Stämmen ähnlich wie unser Epheu an.
Die Formen dieser zweiten Gruppe
gehen in unsern Gärten als Evonymus
radicans und E. gracilis. Nach den Be-
obachtungen des Herrn Maximowiez ist
dieses aber nur die junge aus Samen
erzogene Pflanze in dem ersten Lebens-
eyclus. Später erhoben sich aus der-
selben aufrechte robuste Stengel und
Aeste, die gänzlich der bekannten
Stammart gleichen. Wir haben es also
hier mit 2 Formen der Entwickelung
zu thun, die der sterilen und frucht-
baren Form unseres Epheus gleichen
und die beide ungeschlechtlich vermehrt,
ihre Art des Wachsthums wenigstens in
der ersten Zeit beibehalten und so das
scheinbare Verhalten von 2 verschie-
denen Arten zeigen. Wir weisen darauf
hin, dass die fruchtbaren Aeste mit an-
derer Blattform unseres Epheus unge-
schlechtlich fortgepflanzt, gleichfalls
Wachsthum und Blattform beibehalten
und in den Gärten gleichfalls mit ver-
schiedenen Namen belegt worden sind.
Die uns bekannt gewordenen For-
men des Evonymus japonicus Thbrg,
sind die folgenden.
I. Formen mit aufrechten wenig
verästelten Zweigen von hohem
Wachsthume, mit Blättern von
1 vis 21/, Zoll Länge.
1) E. japonicus Thunbrg. var.
I. Originalabhandlungen.
typicus,
und wie der Stengel grün.
2) E. jap. var. argenteo-varie-
gatus. Aeste grünlich. Blätter oval-
elliptisch, silberfarben gerandet.
3) E. jap. var. aureo-variega-
tus. Aeste goldgelb, Blätter länglich-
oval, in der Mitte und nach dem Grunde
zu nebst Blattstiel goldgelb.
Nr. 1—3 sind die schon lange in
unsern Gärten bekannten Formen,
4) E. japonicus var. crispus.
Aeste grünlich-weiss. Blätter länglich-
oval, kraus, silberweiss gerandet und
nüancirt,
5) E. jap. var. ovatus. Aeste
goldgelb. Blätter oval, schwarzgrün,
in der Mitte vorzugsweise nach dem
Grunde zu goldgelb.
Von Maximowiez eingeführt und als
E. japoniceus fol, ovatis luteo -variegatis
vom Botanischen Garten in St. Peters-
burg, sowie als E. japon. fol. ovatis
aureo-variegatis von Mackoy in Lüttich
und aus Gärten Englands abgegeben.
Eine der schönsten Abarten,
6) E. japonicus Thbre. var,
sulphureo-variegatus. Aeste grün,
Blätter oval-lanzettlich, breit schwefel-
gelb gerandet und nuaneirt. — Als
E. japonieus striatus von Mackoy und
als E. jap. fol. sulphureo-marginatis
von Van Houdte erhalten. —
II. Blätter sehr gross, bis 3 Zoll
lang, sonst gleich Abth, I.
7) E. jap. macrophyllus. Aeste
grün, Blätter sehr gross, oval, gegen-
ständig oder an kräftigen Trieben auch
zu 3 gestellt, grün. — E, japonicus
maerophyllus h. Sieb. —
III. Stengel und Aeste dünn, ge-
bogen, am Grunde oft wurzelnd,
stark verästelt. Wuchs buschig
Blätter länglich elliptisch |und niedrig.
nissmässig klein.
| grün.
gerandet. —
marginatis van Houtte, —
fol. argenteo - variegatis h. Sieb. —
grün.
ben und rosenroth gerandet, — E. ra-
dicans roseo -marginatus H. Mack,
261
Blätter verhält.
8) E. jap. gracilis,. Aeste weiss-
Blätter elliptisch, silberfarben
E. radicans fol. argenteo-
E. gracilis
9) E. jap. radicans, Aeste weiss-
Blätter rundlich - oval, silberfar-
10) E. jap. tricolor. Aeste grün,
Blätter elliptisch- oval, silberfarben gelb
und hellgrün gerandet und gescheckt. —
E. trieolor h, Mack. — E, radicans fol.
aureo-pietis h. Van Houtte — E. ra-
dicans var. pietus h. Sieb. et h. Laur. —
11) E. jap. reticulatus. Aeste
Blätter länglich-oval, grün, mit
E. gra-
grün.
weissen Adern gezeichnet, —
cilis h. Sieb,
12) E. jap. radicans viridis,
Blätter oval- elliptisch, grün. — E. ra-
dieans h. Sieb. —
Sehliesslich wollen wir noch bemer-
ken, dass die Cultur des Evonymus
leicht ist und nur in zweierlei Bezieh-
ungen Aufmerksamheit erfordert. Den
steif aufrecht wachsenden Formen müssen
rämlich während der Wachsthumspe-
riode die Spitzen häufig ausgekneipt
werden, um schöne buschige Exemplare
zu erziehen. Ferner ist es nothwendig,
die buntblätterigen Formen von Zeit zu
Zeit zu durchgehen und diesen alle etwa
erscheinenden grünblätterigen Triebe
auszuschneiden, da diese nicht blos die
Pflanze entstellen, sondern auch ein
viel üppigeres Wachsthum zeigen, so.
dass man, so fern es versäumt wird,
solche fort zu schneiden, bald ausgear-
tete Exemplare erhält. —
(E. R)
262
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
3) Unnatürliche Culturformen.
Die Gärtner haben sich von jeher
nicht mit denjenigen Formen begnügt,
welche der natürliche Wuchs der Pflanze
bildet, sondern dieselben in gezwungener
Weise gezogen. Pflanzen, welche sich
naturgemäss ausbreiten oder gar am Bo-
den liegen, werden zu Bäumchen auf-
gekünstelt, und aufrecht wachsende
werden mit Gewalt niedergehalten, da-
mit sie sich am Boden streeken und
Einfassungen oder sogenannte Teppig-
beete bilden. Beides kann nicht ganz
verworfen werden, denn diese gekünstel-
ten Formen vermehren die Abwechslung
und können recht hübsch sein. Solche
sind ausgebreitete Sträucher, welche,
ihrem natürlichen Wuchse überlassen,
sich wenig über den Boden erheben,
aber auf Stämmehen veredelt Kronen
mit hängenden Zweigen bilden. Wer
kennt nicht die auf solche Art zu Bäum-
chen gezogenen niedrigen Cytisus, Ca-
ragana, Cctoneaster, Juniperus, Evo-
nymus radicans, Cerasus, Rosen u. a. m.;
wer freut sich nicht über ein hübsch
gezogenes Bäumchen von Heliotrop und
andern halbstrauchigen Blumen? Da-
gegen kann sich an mühsam in die
Höhe gezogenen Veilchen (sogenannte
Viola odorata arborea), Petunien, Re-
seda u. a. m. nur der Züchter erfreuen,
weil er damit ungewöhnliche Schwierig-
keiten überwunden hat.
Gleiche Bewandtniss hat es mit den
von Natur aufstrebenden, künstlich nie-
dergehaltenen Pflanzen, welche die
Mode der Teppigbeete auf eine bedenk-
liche Weise für den guten Geschmack
vermehrt hat. Diese Pflanzen sind al-
lerdings für unsere jetzigen Bedürfnisse
nicht zu entbehren, auch muss man
gestehen, dass viele davon nicht nur | nige aufrecht.
niedergehakt oder gebunden sehr hübsch
aussehen, sondern auch sehr reich
blühen. Ich erinnere nur‘ an Rosen,
Heliotrop, Plumbago coerulea, Anagal-
lis u. a. m., welche wirklich für nie-
drige Beete wertlivoll sind. Aber man
zieht Pflanzen zu Boden, deren ganze
Natur einer solchen Behandlung wider-
strebt, und hat davon unsägliche Mühe
bei wenig Gewinn, der hauptsächlich
in der Bewunderung von Leuten mit
wenig Geschmack besteht. Den Gärt-
ner selbst kann nur der Reiz des Un-
sewöhnlichen und die Sucht, sich aus-
zuzeichnen, zu solchen Ungehörigkei-
ten fükren, denn er muss sich selbst
sagen, dass er dieselben Farbeneffecte
durch Anwendung anderer Blumen viel
leichter hätte erreichen können. Ich
ziele hier hauptsächlich auf zwei Pflan-
zen, welche man in so unnatürlicher
Weise verwendet: die Georgine oder
Dahlie und Delphinium formosum. Die
erstere sah ich schon vor etwa 15 Jah-
ren von einem böhmischen Gärtner 20
behandelt, und er bildete sich natürlich
viel darauf ein, dass es ihm gelungen
war, die steifen, so leicht zerbrechli-
chen Zweige an den Boden zu heften.
Derselbe Gebrauch ist aber, nach einer
Bemerkung in Professor K. Koch’s Wo-
chenschrift (wo er ebenfalls getadelt
wird), gegenwärtig im Auslande beliebt
geworden. Die Pflanzen, welche ich
sah, lagen nicht ganz am Boden, son-
dern waren 6— 8 Zoll über demselben
an eine Art Gitter geheftet. Obgleich
meist eine kurzstielige Sorte verwendet
war, so sah es doch nicht schön aus,
denn die keineswegs häufigen Blumen
standen nach allen Richtungen nur we-
Wollte man diese Ver-
I. Originalabhandlungen.
kehrtheit nachmachen, so müsste man
dazu Sorten mit ganz aufrecht stehen-
den Blumen wählen. Delphinium for-
mosum wird besonders in England, wo
man jetzt in Unnatürlichkeiten Grosses
leistet, als Einfassung verwendet. Man
pflanzt die schon Stengel bildenden
Stauden schräg und hakt sie stets nie-
der. Dies hat allerdings den Vortheil,
dass sich die Nebenzweige besser aus-
bilden und ziemlich zu gleicher Zeit
mit der Hauptblume zur Blüthe kom-
men, und es sieht eine solche Einfas-
sung, wenn die Stauden recht dicht ge-
pflanzt wurden, auf kurze Zeit prächtig
aus. Aber sind aufrecht wachsende
Delphinien nicht schon prächtig genug?
muss gerade die Einfassung aus dieser
Pflanze bestehen? Wir haben zwar zur
Sommerzeit keine blaue Pflanze von
solchem Effect, aber wer wollte nicht
mit den reizenden grossblumigen blauen
Lobelien zufrieden sein, die den gänzen
Sommer blühen? Etwas Anderes wäre
es, wenn man durchaus eine blaue Ein-
fassung haben wollte und müsste, ohne
263
von einer anderen geeigneten Pflanze
Vorrath genug zu haben. Dann würde
Delphinium ein willkommener Ersatz
sein. Wenn dieselben verblüht haben,
so können unterdessen im Topf angezo-
gene Nemophila insignis oder Zwerg-
astern aus dem Lande ihre Stelle er-
setzen. Uebrigens sieht man dem Del-
phinium bei aller Pracht immer das
Gezwungene an, und die Blüthenstengel
haben sehr ungleiche Höhe,
Es gibt eine sehr bestimmte Richt-
schnur, welche Pflanzen zum Nieder-
ziehen geeignet sind: erstens, dass die-
selben sehr biegsam sind, zweitens,
dass die Zweige sich stark und seit-
wärts verästen. Bei der Rose und ähn-
lichen Blumen werden die Hauptäste
gezwungen niedergehalten, während die
Zweige mit Blüthen sich wieder auf-
richten. Bei Delphinium ist es anders,
denn hier wird der eigentliche Blüthen-
stengel niedergehalten und dieser muss
sich krümmen, um die natürliche Rich-
tung wieder zu erhalten.
JE
4) Die internationale Gartenbau- Ausstellung in London vom
22. bis 31. Mai 1866.
(Fortsetzung.)
Gehen wir nun an der Hand des
ofieiellen Cataloges *) und unserer eige-
nen Notizen auf eine nähere Bespre-
*) Der officielle Ausstellungs-Catalog,
der schon am ersten Tage der Ausstellung
publieirt wurde und dann in mehreren Auf-
lagen erschien, enthält auf 144 Seiten:
1) den Grundplan der Ausstel-
lung;
chung der ausgestellten Pflanzen ein, so
haben wir in erster Linie die neuen
Einführungen zu besprechen. J. Lin-
9) die Liste der Patrone (I. M. die
Königin Victoria, der Kronprinz, der
Herzog v. Cambridge, die Herzogin von
Cambridge und Prinzessin Marie von
Cambridge) und Vicepräsidenten, un-
ter diesen 1 Erzbischof, 4 Bischöfe, 4 Her-
264
den von Brüssel und J. Veiteh u.
Söhne, beide längst bekannt als die
bedeutendsten Pflanzenimporteure der
zöge, 13 Grafen und viele Mitglieder des
hohen Adels etc.;
3) die Liste der Mitglieder des Ex-
ecutiv-Comite, von dem wir schon ge-
sprochen haben;
4) die Liste der Mitglieder des Co-
mit& für den botanischen Congress
(Präsident: Professor Alph. DeCandolle,
32 englische Botaniker als Mitglieder, von
Coryphäen in der Botanik vermissen wir
ungern die Namen eines Dr. J. D. Hooker
und Bentham);
5) die Liste der Abhan’dlungen, die
im Congress vorgetragen und dis
cutirt werden sollten; wie auch bel
den früheren Congressen war Ueberfluss an
Stoff, Mangel an geduldigen, bis an’s Ende
ausharrenden Zuhörern;
6) die Programme der Musik-
chöre, die aufgeführt wurden a) während
der Dauer der Ausstellung im angränzenden
Garten der Gartenbau-Gesellschaft, b) beim
grossen Bankett (weniger grossartig und
ceremoniell hätte das Bankett sicher an
Gemüthlichkeit gewonnen) in der Guild-
hall (dem Rathhause der Stadt London)
und c) bei der Abendunterhaltung (Con-
versazione oder vielmehr Toilettenrevue,
denn in den überfüllten Sälen war von Un-
terhaltung kaum die Rede; man müsste
denn Unterhaltung finden im Drängen und
Gedrängtwerden) in den prächtigen Bilder-
gallerien des Museums von Süd - Kensington.
Die Musik wurde ausgeführt von den Mu-
sikcorps der königl. Artillerie, der schot-
tischen Füsilier- Garde und der Leibgarde;
7) die Anordnungen die Ausstellung
betreffend;
8) die Liste der Concurse oder
das Preisprogramm, mit Angabe der
ausgesetzten Preise, der Namen der Ein-
sender, und was uns das Wichtigste scheint,
auch mit detaillirter Anfzählung der
einzelnen Pflanzen jeder Einsendung,
soweit die Einsender die Listen rechtzeitig
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Gegenwart, standen als die Hauptriva-
len da, und dem Belgier wurde die Ge-
nugthuung, auf der grössten Ausstel-.
eingereicht hatten, dadurch erhält der Ca-
talog einen bleibenden Werth. Jeder Sec-
tion sind ausserdem die Namen der Preis-
richter vorgedruckt, die diese Section zu
beurtheilen hatten. Das Preisgericht war,
entgegen dem Gebrauche auf continentalen
Ausstellungen, fast nur aus Gärtnern von
Profession zusammengesetzt, und zu 98 Eng-
länder nur 10 Ausländer zugezogen wor-
den. — Mit der Einladung in’s Preisgericht
erhielt jeder Eingeladene schon die Anzeige,
welcher Section er vom Executiv- Comite
zugetheilt sei. Jede Section, aus 3, höch-
stens 4 Mitgliedern bestehend, handelte
durchaus selbständig und unabhängig von
den übrigen, und da auch vom Büreau aus
alles Nöthige auf’s Beste vorbereitet war,
so wurden eine Menge Formalitäten und.
Diseussionen erspart. und in wenigen Stun-
den war Alles beendet. Als die Preisrichter
am Vormittag des Eröffnungstages die Aus-
stellung betraten, war das Lokal für Jeder-
mann geschlossen, das ganze Arrangement
war vollständig beendet, die Namen der
Aussteller durften nirgends an den Gruppen
angebracht sein: dagegen waren die Grup-
pen vom Büreau aus mit 2 Nummern be-
zeichnet, der Classennummer und der Num-
mer der Reihenfolge in der Anmeldung.
Unmittelbar nachdem die Sectionen des
Preisgerichts ihr Urtheil dem Büreau abge-
geben, eine Sitzung des Preisgerichts in
pleno fand gar nicht Statt, — wurden Kar-
ten mit dem Namen des Einsenders und
dem gewonnenen Preise zu jeder Gruppe
gesteckt. Die einzelnen oft sich nahe be.
rührenden Gruppen waren sehr zweekmässig
durch schmale rothe Bänder getrennt, so
dass Preisrichter wie Publikum bei einiger
Aufmerksamkeit die Grenzen jeder Einsen-
dung leicht auffnden konnten, ohne dass
durch diese Begränzung das Ensemble ir-
gendwie gestört worden wäre;
9) enthält der oficielle Catalog die Na-
men und Adressen der Aussteller;
I. Originalabhandlungen.
lung Englands den Engländer zu be-
siegen: Herr Linden erhielt in 3 Con-
eursen für neue, durch den Aussteller
selber importirte Pflanzen die ersten
Preise,
Es würde natürlich zu weit führen,
alle die ausgestellten Neuheiten auch
nur mit Namen aufzuführen, — wir
wollen nur die vorzüglichsten kurz er-
wähnen und im Allgemeinen noch be-
merken, dass es fast sämmtlich Blatt-
pflanzen des Gewächshauses waren, die
als solche, und wenn sie auch noch so
schön sind, nie eine so allgemeine Ver-
breitung finden können und relativ da-
her auch nicht denselben Werth haben,
als eine „plant for the million“,
wie der Engländer sagt, oder zu deutsch
wie eine „Jedermannspflanze‘“, an der
sich auch der Besitzer des kleinsten
Hausgartens noch freuen kann. Nach
einer solchen robusten, ausdauernden,
schön blühendeu und wirklich distineten
Neuheit sahen wir uns vergeblich um,
und waren insofern auch nicht recht
befriedigt von diesem Theile der Aus-
stellung. Gerne hätten wir ein Dutzend
der vorhandenen Neuheiten hergegeben
für eine einzige solche Neuheit wie
wir haben schon erwähnt, dass unter den
360 Ausstellern nur 21 Ausländer figuriren,
und nur Belgien würdig vertreten war;
10) die Liste der zuerkannten
Preise; die Preisrichter hatten sich strenge
an den Wortlaut des Programms zu halten,
und so konnten bei grösserer Anzahl von
Coneurrenten in jeder Classe nur die vor-
geschriebenen Preise vertheilt werden und
manche sehr preiswürdige Einsendung musste
unprämürt bleiben;
11) ein Anhang mit Annoncen aller
Art schliesst, wie in einer englischen Publi-
eation kaum anders zu erwarten, diesen
musterhaft und wunderbar rasch abgefassten
interessanten Ausstellungs- Catalog.
265
z. B. eine Dielytra spectabilis,
eine Spiraea prunifoliafl,pl., eine
Deutzia graeilis u, s. w. ihrer Zeit
waren.
Unter den vielen neuen Pflanzen des
Herrn Linden heben wir als ganz vor-
züglich hervor die Dichorisandra
musaica Lind., eine auffallend schöne
Blattpflanze des Warmhauses, mit breit-
eirunden, glänzend dunkel-olivengrünen
Blättern und ganz ungewöhnlicher mo-
saikartiger Zeichnung, in kleinen weissen
Striehen, wohl die werthvollste aller sei-
ner diesjährigen Neuheiten. In zweiter
Linie stellen wir die Tradescantia
undataLind., eine sehr hübsche Blatt-
pflanze mit langen, schmalen, stark
wellig gerandeten Blättern, auf hellgrü-
nem Grunde mit dunkelgrünen Streifen.
Das Philodendron Lindeni Wallis,
ist eine hübsche, neue Art mit ziemlich
kleinen herzförmigen, braungrün bron-
zirten Blättern, die Blattstiele mit brau-
nen weichen Borsten besetzt. — An-
thurium regale Lind. scheint uns
speeifisch nicht verschieden von dem
prächtigen A. magnificum oder
grande Hort., welches unter den
Aroideen anderer Sammlungen in grossen
herrlichen Exemplaren allgemeine Be-
wunderung erregte und warme Empfeh-
lung verdient. Cyanophyllum
speetandum Lind,, an und für sich
sehr schön, kommt leider zu spät, —
vor Einführung des schöneren C. mag-
nificum und der noch schöneren
Sphaerogyne latifolia würde es
Furore gemacht haben, jetzt wird es
ziemlich unbeachtet mit so vielen an-
deren kaum eingeführten Pflanzen den
Weg zur Vergessenheit wandeln. Das
ist ein traurig unverdientes Loos, —
aber Undank ist nun mal der Weit
Lohn! Dasselbe Loos kann man der
Bignonia ornata Lind. und dem
u
266
Eranthemum igneum Lind. pro-
phezeien, ihre sehr ähnlichen Rivalen
Bignonia argyraea und Eranth.
sanguinolentum haben schon den
Vorsprung und werden von den neuen
Ankömmlingen kaum verdrängt wer-
den. — Von Maranta hatte Linden
nicht weniger als 25 (!) neue noch
nicht im Handel befindliche Arten, oder
vielmehr Formen einiger Arten, denn
die grosse Aehnlichkeit in Habitus und
Zeichnung deutet schon darauf hin, dass
hier ein Botaniker noch eine wünschens-
werthe Arbeit des Aufräumens_ findet.
Es sind manche ganz vorzüglich schöne
Sorten darunter, aber nur des Guten
fast zu viel! Wir kennen als zur Elite
gehörend nur die Maranta illustris,
Legrelleana, Lindeni, princeps,
roseo-pieta und virginalis.— Als
neue blühende Pflanze, durch den Aus-
steller eingeführt und noch nicht im
Handel befindlich, erhielt die Psycho-
tria nivosa von Linden den ersten
Preis. Hier überwog wohl die bota-
nische Richtung bei den Preisrichtern,
denn die mit dem zweiten Preise be-
dachte, vom Handelsgärtner J. Stan-
dish ausgestellte Clematis Fortu-
nei coerulea war ohne Zweifel gärt-
nerisch schöner und werthvoller, denn
die Psychotria nivosa mit ihren
Rispendolden kleiner weisser mit dich-
ten weissen Zottenhaaren besetzten Blü-
then, so interessant sie auch ist, hat
doch mehr nur botanisches Interesse.
Bevor wir die Neuheiten des Herrn
Linden verlassen, wollen wir noch
dankbar des fleissigen Sammlers geden-
ken, dem unsere Sammlungen schon so
viele schöne Pflanzen verdanken, Es ist
ein dentscher Gärtner, Gustav Wallis,
der jetzt schon seit Jahren für das
Etablissement des Herrn Linden die
entlegensten Winkel der wenig bekann-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
ten immensen Gebiete des obern Ama-
zonenstromes, von Ecuador und Peru
unermüdlich nach neuen Pflanzen durch-
forscht. Möge er, glücklicher als so
viele seiner Vorgänger, gesund einst
wieder zurückkehren und dann einen
seinen Verdiensten und Kenntnissen ent-
sprechenden Wirkungskreis erhalten!
Die neuen Pflanzen aus der berühm-
ten ‘Gärtnerei der Herren J. Veitch
u. Söhne enthielten ebenfalls manche
ausgezeichnete Neuheiten, theils von
dem erst kürzlich von seinen Reisen in
Japan, Australien, Neu-Caledonien etc.
zurückgekehrten Sohne John Gould
Veitch gesammelt, theils von dem Rei-
senden dieser unternehmenden Firma
Mr. Pearce aus Peru eingesandt. Als
wahre Perlen heben wir hervor: Ma-
ranta Veitchii (Phrynium Veit-
chii C. Koch) von Peru, Begonia
Pearcei Hook. ebenfalls von Peru
und Primula cortusoides amoena
Hook. von Japan. Alle drei sind die- -
ses Frühjahr in den Handel gekommen
und konnten daher nach dem Wortlaut
des Programmes nicht in den ersten
Classen coneurriren, sonst würden die
ersten Preise wohl ohne Zweifel anders
gefallen sein. Maranta Veitchii
prangte schon auf den Ausstellungen in
Brüssel und Amsterdam als Stern erster
Grösse, sie war damals und ist auch
heute noch die schönste aller Ma-
ranten, und das will zumal jetzt nach
den obenerwähnten neuen Einführungen
Linden’s nicht wenig sagen. Man
könnte jetzt allein mit den Maranta-
Arten, wie mit den Begonien und Ca-
ladien, ein ganzes Warmhaus besetzen,
und wohl über Monotie in der Tracht,
aber nicht in der Zeichnung und Fär-
bung der Blätter klagen können. Die
Maranten erfordern zu ihrem freudigen
Gedeihen eine gelinde, nachhaltige Bo-
L Originalabhandlungen.
denwärme, daher eignen sie sieh be-
sonders gut für Warmhäuser älterer
Construction, die mit Lohbeeten ver-
sehen sind. Wir wollen hier gelegent-
lich bemerken, dass die alten Lohbeete
übrigens sowohl in den belgischen, als
in den englischen Handelsgärten wieder
entschieden in Aufnahme kommen, es
scheint, dass die durch Wasserröhren
erwärmten Beete auch ihre Nachtheile
haben und für manche Culturen doch
guten Lohbeeten nachstehen. — Die
Begonia Pearcei Hook. ist sehr
distinet und ausgezeichnet schön, sie
gehört zu den einziehenden Arten mit
knolligen Rhizomen, Wuchs niedrig
und buschig, Blätter sehr hübsch dun-
kelgrün marmorirt auf hellgrünem Grunde,
jung braungrün hell gefleckt, Blumen
frei über das Laub hervortretend, gross
und schön goldgelb. — Die Primula
eortusoides amoena Hook. mit
grossen Blüthendolden, die einzelnen
Blumen wohl 3mal grösser als die der
Pr. cortusoides, schön lilarosa mit weissem
Auge, gefiel dem Referenten am besten
von den blühend ausgestellten Neuhei-
ien, wir wollen natürlich unsern Ge-
schmack und unsere specielle Liebha-
berei für solche kleine, hübsch blühende
Stauden und Alpenpflanzen nicht als
massgebend erachten, wir waren aber
wirklich entzückt von dieser reizend
koketten Japanesin, die hoffentlich in
der Gesellschaft ihrer europäischen
Schwestern sich gefallen und wie es
scheint dankbarer blühen wird, als meh-
rere dieser spröden Schönen.
Von andern neuen Pflanzen der
Herren Veitch u. Söhne nennen wir
noch folgende: Aphelandra nov. sp.
von Peru an A. Leopoldi erinnernd,
aber jedenfalls ganz distinet und der
Tracht nach vielleicht nicht zur Gattung
Aphelandra gehörend, mit breiten
267
goldgelben Streifen längs der Blattrip-
pen, eine viel versprechende Neuheit;
Aralia nov. sp. von Neu-Caledonien,
mit fingerförmigen Blättern, aus 11 sehr
schmalen, am Rande zierlich gekräu-
selten Blättchen zusammengesetzt, von
allerliebster eleganter Tracht; Darwi-
nia fimbriata von Australien, ein
hübscher Kalthausstrauch, den Gene-
tyllis- Arten ähnlich, mit rothen Deck-
blättern, die überhängende tulpenähn-
liche Glocken bilden; Bertolonia gut-
tata von Madagascar ist eine jener rei-
zenden, zarten Blattpflanzen, die nur
unter sorgfältiger Pflege, in niedrigen,
feuchten und schattigen Warmhäusern
gedeihen, ihre dunkelbronzegrünen Blät-
ter sind dem Rande nach von kleinen
runden Flecken von rosaweisser Farbe,
wie von einer lockeren Perlenschnur
eingefasst; eine andere Bertolonia sp.
mit breitem Silberbande auf den schwarz-
grünen Blättern schien uns nicht ver-
schieden von der älteren B. marmorata
(Erioenema marmorea), wir haben
sie jedoch nur flüchtig angeschaut und
können unsirren; Coleus sp. von Neu-
Caledonien ist dem C, Verschaffeltii
ähnlich und wohl weniger schön; Co-
leus Gibsoni, ebenfalls von Neu-Cale-
donien mit schwarzbraunen, schmal grün
gerandeten Blättern ist wohl nur eine
Form des C. scutellarioides, wie
des C. nigricans der Gärten, und von
diesem durch niedrigeren Wuchs und
kleinere Blätter unterschieden.
Der Handelsgärtner W. Bull in
Chelsea bei London hatte unter seinen
neuen Pflanzen eine Bertolonia mar-
garitacea, die der B. guttata von
Veitch sehr ähnlich, wenn nicht mit die-
ser ganz identisch war. Seine Malope au-
stralis hat den ausgesprochenen Typus
eines Proletariers, es ist ein Unkraut,
von dem wir nicht begreifen, wie er
268
wagen mochte, eine solche Pflanze aus-
zustellen; sehrhübsch dagegen war sein
Eranthemum argyroneuron, ein
hübsches Seitenstück zum Er. rubro-
venium, (Gymnostachyum Ver-
schaffeltii Lem.), ganz der gleiche
Habitus und die gleiche Zeichnung, nur
hier das Adernetz auf dunkelgrünem
Grunde silberweiss, anstatt roth, es
dürfte daher auch kaum specifisch von
diesem verschieden sein; auch
Phajus grandiflorus mit panachir-
ten Blättern mag hier noch erwähnt
werden als ansehnliche Blattpflanze, die
zugleich schön blühend ist. —
Vom Handelsgärtner Standish war
die schon erwähnte Clematis Fortu-
nei coerulea und ein japanesisches
Farn, Athyrium Goeringianum
tricolor, ausgestellt, beide verdienen
als sehr schöne und distinete Neuheiten
empfohlen zu werden, die erstere wird
unstreitig sehr gesucht werden als die
schönste der getüllten Clematis, das
Athyrium hat schön geformte, praun-
grün gefärbte Wedel mit heller Aderung,
von derber lederiger Textur und soll in
England Freien
halten.
Unter den übrigen als neu aus-
gestellten Pflanzen verschiedener Ein-
sender nennen noch als be-
sonders ein Adian-
tum Farlayense aus Westindien,
ungemein starkwüchsig und gedrängt
buschig, in der Wedelform an A. cur-
vatum erinnernd, wahrscheinlich für
Zimmereultur sehr gut geeignet, und
einige interessante Pflanzen von Canada,
eingeführt durch den Handelsgärtner
R. M. Stark von Edinburg,; der seit
Jahren die seltneren Stauden, Alpinen,
Erdorchideen und Landfarne mit beson-
derer Vorliebe sammelt und cultivirt,
Es waren dies Pyxidanthera barbu-
sein
vollkommen im aus-
wir
bemerkenswerth
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
lata, Viola delphinifolia und As-
pidium fragrans, die Wedel dieses
letzteren haben einen sehr prononeirten
Veilchenduft, der auch im Herbar sich
erhalten soll. — Wir wunderten uns,
auf einer Ausstellung, wie die Londoner,
unter den neuesten Pflanzen auch eini-
gen schon „alternden“ Neuheiten zu
begegnen, wie z. B. der schon sehr
verbreiteten Bambusa Fortunei va-
riegata, dann Rhapis flabellifor-
mis fol. var., Pinus tabulaeformis
ete., — So etwas mag passiren auf Pro-
vinzial- Ausstellungen, soll aber: hier
doch nicht ungerügt bleiben. —
Unser Bericht würde ermüdend lang
werden, — möge er es nicht jetzt schon
Maänchem geworden sein! — wollten
wir nun auch die andern Concurse mit
gleicher Einlässlichkeit durchmustern;
sie hätten es allerdings wohl verdient,
denn fast in jeder Classe wäre manches
Vorzügliche zu erwähnen, — aber wir
müssen uns doch summarischer Kürze
befleissen und nur im Fluge noch diese
herrlichen Culturen, diesen Reichthum
der seltensten und schönsten Pflanzen
aller Arten Revüe passiren lassen.
Die gemischten Gruppen von
blühenden Schaupflanzen des
Warm- und Kalthauses waren sehr
zahlreich und zeigten eine Cultur, die
bisher nur ausnahmsweise von einzel-
nen Gärtnern des Continents erreicht
worden ist, die aber in England selbst
nicht mehr ihren früheren Höhepunkt
zu erreichen scheint, Wir erwähnten
schon in der Einleitung, dass in Neu-
holländern und Eriken nicht mehr die
gleichen Leistungen zu Tage treten wie
vor 15 und mehr Jahren. Es herrschte
in diesen Gruppen bei aller Pracht eine
unläugbare Monotie, weil die gleichen
Pflanzenarten zu häufig wiederkehrten,
So fehlten fast in keiner dieser Grup-
I. Originalabhandlungen.
pen: Erica Cavendishiana, Aero-
phyllum venosum, Adenandra
fragrans, Aphelexis macrantha,
Dracophyllum gracile, Polygala
Dalmaisiana, Genetyllis tulipi-
fera, Pimelea Hendersoni und
Rhynehospermum jasminoides, —
es sind dies natürlich vorzüglich schöne
und für Erziehung grosser Qulturexem-
plare ganz besonders geeignete Arten,
deshalb nennen wir sie auch gerne,
aber wo die Auswahl so unendlich gross
ist, sollte nicht jeder Gärtner die glei-
chen Arten cultiviren, die sein Nach-
bar auch zieht, sondern im Gegentheil
seine Ehre darin suchen, andere wo-
möglich noch difficilere Arten zu glei-
cher Vollkommenheit zu bringen.
Die gemischten Gruppen von
Blattpflanzen waren ebenfalls sehr
zahlreich und von vorzüglicher Cultur,
besonders waren auch viele Palmen,
Cyeadeen und Pandaneen darunter und
bekundeten deutlich den Einfluss der
vorhergegangenen internationalen Aus-
stellungen von Brüssel und Amsterdam
auf die englischen Besucher und den
dadurch bewirkten Umsehwung in der
Geschmaeksrichtung, denn noch vor we-
nigen Jahren hätte man diese so äus-
serst decorativen Pflanzen vergeblich
auf einer englischen Ausstellung ge-
sucht.
Von besonderem auch morpholo-
gischem Interesse war eine monströse
Form des Pandanus utilis, von
Veitch als P. Veitehii ausgestellt
und neuerdings in der Revue horti-
cole von Carriere als P. flabelli-
formis *) beschrieben und abgebildet.
*) Warum nicht richtiger als P, utilis
var. flabelliformis? Carriere,
bekanntlich einer der tüchtigsten und geist-
reichsten französischen Gartenschriftsteller,
269
Die bei allen Pandaneen ausschliesslich
vorkommende Spiralstellıng der Blätter
war hier vollständig
einer streng
ist ein enthusiastischer Anhänger der Dar-
win’schen Theorieen über Entstehung und
Umwandlung der Species, — als solcher
behauptet er, dass fortwährend noch neue
Arten entstehen können und wirklich ent-
stehen. — Der gleiche Mann, der mit so
viel Scharfsinn in früheren Artikeln der
Revue horticole die Speciesmacherei
mancher Botaniker so oft und so treffend
getadelt hat, der das Lächerliche nachweist,
eine Viola tricolor z. B. in einige und
20 Species, ein Leontodon Taraxacum
in 30 oder mehr Species zersplittern zu
wollen, — der noeh ganz kürzlich nach-
zuweisen sucht, dass Pfirsiche, Nectarinen
und Mandeln nur Formen einer gleichen
Art sind, — er verfällt jetzt in den ganz
gleichen Fehler, wenn er eine monströse
Form, wie die obige, als Art beschreibt,
wenn er eine Cypresse, die in einem fran-
zösischen Garten entstanden ist, und von
der er selber sagt, sie sei sehr wahrschein-
lieh von Cupressus Goveniana gefal-
len, als neue Art hinstellt. (Vide Revue
horticole Jahrgang 1866 Nr. 13 u. 14). —
Glaubt Carriere wirklich, dass die Nach-
kommenschaft durch Samen von jenem
Pan danus, oder von dieser Cupressus
cornuta den von ihm gegebenen Artcharak-
ter getreu beibehalten werde? — Nein, er
ist zu tüchtig und zu erfahren als Gärtner,
— er weiss recht gut, dass solche Formen
nur durch ungeschlechtliche Fortpflanzung
constant erhalten werden können, — grade
so wie jene Formen von Viola tricolor,
Leontodon etc. — Aber wo sind seine
neuen Arten dann geblieben, wenn die ge-
schlechtlichen Nachkommen in ihrer grossen
Mehrzahl voraussichtlich wieder die alten
Pandanus utilis und Cupressus Go-
veniana darstellen? — Sind solche Arten
nicht vollständig gleichwerthig mit jenen
viel getadelten Arten?! — „Les extremes
se touchent‘‘ — das zeigt sich auch hier
wieder als wahr! —
270
zweizeiligen gewichen,
plar bildete daher einen colossalen Fä-
cher von regelmässigster Form, etwa
6 Fuss hoch und 10 Fuss breit, eine
wahrhaft frappante Erscheinung! Wir
kennen keine ähnliche morphologische
Missbildung, wo eine spiralige Blatt-
stellung bei sehr verkürzten Interno-
dien zu einer zweizeiligen geworden.
Es liefert dieser seltsame Pandanus un-
serer Ansicht nach den schlagendsten
Beweis für die Richtigkeit der Behaup-
tung, dass die spiralige Blattstel-
lung nur Folge einer Achsen-
drehung der Pflanze sei, unter-
bleibt diese Achsendrehung durch ir-
gend welehen uns unbekannten Grund,
so ist allerdings leicht zu begreifen, dass
nun die Blattstellung zweizeilig sein
muss. —
Ein Thamnopteris Nidus (As-
plenium Nidus), das bekannte Vo-
gelnestfarn, hatte wahrhaft gigantische
Grösse erreicht, ebenso eine Gleiche-
nia Speluncae und manche Aroideen.
Phormium tenax variegatum, der
Neuseeländer Flachs, mit schön gelb
gebänderten Blättern, ist als werthvolle,
sehr decorative Neuheit zu erwähnen.
Von technisch und officinell
wichtigen Pflanzen waren 4 interes-
sante Sammlungen ausgestellt; die des
Herrn Linden erhielt den ersten Preis
und enthielt manche Seltenheit, so z.B.
das Exem-| chaerium firmum),
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
die Cocanuss
(Erythroxylon Coca) u. Ss. w.
In den Sammlungen ausdau-
ernder Ziersträucher und Bäume
fanden wir manche nicht nur durch Neu-
heit, sondern auch durch Schönheit
ausgezeichnete Sachen. Deutzia cere-
nata fl. pl. und Weigelia horten-
sis nivea sind die schönsten der neu-
eren laubabwerfenden Ziersträucher. Vi-
burnum plieatum von Japan ist
nicht mehr neu, darf aber als noch we-
nig verbreitet und sehr reichblühend
und schön erwähnt werden; hier in
Zürich hält es ohne Bedeckung recht
gut aus. — Osmanthus ilieifolius
mit seinen buntblätterigen Varietäten
ist ein allerliebster immergrüner Strauch,
bezüglich seiner Ausdauer aber erst
noch zu erproben; als niedrig und
buschig wachsend aber auch für Topf-
eultur zu empfehlen. — Von Aucuba
japonica, diesem Lieblinge der Eng-
länder, und ihren neuen Varietäten wa-
ren sehr schöne mit Früchten bedeckte
Exemplare ausgestellt, wo sie in ge-
schützten Lagen (nördliche Exposition
und Lehmboden) noch ausdauert, sollte
man ihre Anpflanzung nicht versäumen.
Das Gleiche gilt von den schönen Ilex-
Arten und Formen und von Buxus,
immergrüne Gruppen haben im Winter
besonders unendlichen Reiz, und die
Auswahl ist jetzt gross genug, umauch
die edle Chinarinde (Cinchona nobi-|in kälteren Gegenden das belebende
lis), die Guttapercha (Sapota Mül- | Grün im Winter nicht entbehren zu
leri), die Brechnuss von Chiapas
(Strychnos Cabalonga), das ächte
Palisander- oder Jacarandaholz (Ma-
müssen. —
(Fortsetzung folgt.)
(E. O0.)
L Originalabhandlungen.
271
5) Cultur des Blumenkohls in Petersburg.
Von Herrn Gratscheff, Gemüse - Gärtner,
1. Anzucht aus Samen.
Der Same wird auf dieselbe Weise
ausgesäet, wie bei andern Kohlsorten.
Die frühesten Saaten säet man im Ja-
nuar im Treibhaus und im Februar in’s
früheste Mistbeet aus; bei der Aussaat
der übrigen Sorten in’s Treibbeet richtet
man sich meistens nach der Zeit, in
der man die Blumen haben will. Die
am frühsten ausgesäeten Sorten zieht
man im Treibbeet auf. Wegen des
hohen Preises des Blumenkohlsamens
soll man bei der Aussaat nicht allzu
verschwenderisch sein; man säe etwas
weit, und wenn es beim Aufgehen doch
noch überschüssige Pflänzchen gibt, so
ziehe man solehe aus, verstopfe sie un-
ter Fenster eines anderen Mistbeetes
und pflanze sie dann in’s Land. Wird
die Aussaat im Mai vorgenommen, so
thut man besser, dazu ein kaltes Mist-
beet zu wählen, indem sich zu dieser
Zeit im freien Lande grosse Mengen
Erdflöhe zeigen. Im Treibbeet kann
man die aufgehenden Pflanzen durch die
Fenster schützen, welche man jedoch
am Tage der Lufteirculation halber un-
gefähr einen Zoll hoch auf Kerbhölzer
hebt. Ausserdem wird täglich ein- bis
zweimal gespritzt, was die Erdflöhe
ebenfalls fernhält. Wenn der Sämling
erst einmal eigentliche Blätter bildet,
richten die Erdflöhe weiter keinen er-
heblichen Schaden an; überhaupt ist es
unstatthaft, die Samenpflanzen zu lange
unter Glas zu halten, da sie sonst beim
Versetzen in’s freie Land schlecht fort-
kommen. Den in’s Treibbeet ausge-
säeten Samen deckt man !/, Zoll hoch
mit feingesiebter Erde, und um das Aus-
trocknen der Erde zu verhüten, deckt
man noch DBastmatten darüber; bei
trockenem Wetter werden diese Bast-
matten jeden Abend durch Giessen an-
gefeuchtet. Nach drei oder vier Tagen
muss jede derselben vorsichtig aufgeho-
ben werden, damit man nachsehen
kann, wie weit die Aussaat gediehen,
Zwei Manı müssen dabei, der eine oben,
der andere unten vorsichtig anheben,
damit die jungen keimenden Pflanzen
nicht abgebrochen werden. Von äus-
serst wohlthätiger Wirkung ist es, wenn
man gleich nach dem Abnehmen der
Bastmatten ein wenig spritzt. Regnet
es übrigens um diese Zeit einmal, so
ist das Aufiegen von Fenstern und Bast-
matten, sowie das Spritzen überflüssig
und kann sogar schädlich werden, da
durch zuviel Feuchtigkeit das Abfaulen
der Würzelchen bedingt wird.
Gute Keimpflanzen besitzen einen
kurzen Stengel und fleischigen Samen-
lappen, und solche nur berechtigen zur
Hoffnung auf erfoigreiche Blumenkohl-
ernte, indem sich dann die Spitzen-
oder Herzknospen gemeiniglich gleich-
falls kräftig entwickeln.
2. Specielle Cultur.
Die Lage des zur Cultur bestimm-
ten Landes soll zur Frühpflanzung von
mittlerer Höhe, bei Spätpflanzung aber
weniger hoch sein. Der Boden des
Landes soll ein nahrhafter schwarzer
Culturboden, der vorher gut gedüngt
wurde, sein. Den Beeten gibt man nur
geringe Höhe, nicht über 7—10 Zoll,
und werden solche mit drei Reihen
272
Pflanzen im Verband bepflanzt. Frühe
Sorten setzt man wegen ihres geringen
Umfanges nur 10—12 Zoll auseinander;
bei späten Sorten, die mehr Blätter bil-
den, lässt man einen Zwischenraum
von 14 Zoll. Auf Gemüsländern benutzt
man in der Regel den übrigen Raum
bis zum Grösserwerden des Blumenkohls
zur Anzucht von Spinat, da dieser drei
Wochen nach der Aussaat zum Verkauf
kommen und oft schon für sich allein
die Auslagen für Unterhaltung der Blu-
menkohlpflanzung bezahlt machen kann,
Nach Ausnehmen des Spinats wird das
Beet gejätet; darnach giesst man die
beim Einpflanzen um jede Blumenkohl-
pflanze gebildete Vertiefung voll Was-
ser und füllt sie darauf mit Erde. So
verfährt man bei der Zucht des Blu-
menkohls in grösserem Massstabe; hat
man nur 5—10 Beete, so thut man
besser, die Höhlungen um die Pflanzen
den ganzen Sommer hindurch zu lassen,
da sie bei trockenem Wetter das beste
Mittel zum gründlichen Begiessen an
die Hand geben. — Sobald alle Blätter
entwickelt sind, beginnt die Blumenbil-
dung, Bei frühen Sorten reichen die
Blätter kaum über die Blume hinaus;
bei späten bedecken sie solche
vollständig. Bei mittlerer Temperatur
erwachsener Blumenkohl wird voll, gross
und weiss; bei grosser Hitze wachsen
aber überall zwischen den Blüthentrie-
ben junge Blättchen heraus und machen
die Blume unschön; ja oft entwickelt
sich dann die Blume beinahe gar nicht,
so dass er zum gewöhnlichen Gebrauche
beinahe völlig untauglich wird. Wenn
sich die Blume zeigt, knicken die meisten
Gemüsegärtner, um solche zu decken,
ein paar Blätter ein, da sie sonst bei
ihrer Zartheit leicht gelb und unansehn-
lich wird. Zudem schützt sie besagtes
Mittel vor dem nicht weniger schädli-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
chen Staub und Schmutz. Vortheil- _
hafter wäre es noch, die Blätter gleich
nach dem Erscheinen der Blume über
derselben zusammenzubinden, wenn das
nicht bei Massencultur beinahe unmög-
lich erschienee Der Blumenkohl wird
übrigens dadurch ungemein gross, zart
und weiss; nur darf man nicht verges-
sen, bei trockenem Wetter Abends zu
giessen.
3. Ernte und Aufbewahrung.
Die Ernte des Blumenkohls zieht
sich von Mitte September bis gegen
Mitte October. Man schneidet alle
Köpfe, die genügende Grösse erlangt
haben, ab, wirft sie auf einen Haufen
und fängt nun an, die nicht vollkom-
men geschlossenen Köpfe herauszusu-
chen, um sie noch im Laufe des Herbstes
zu verkaufen. Es besteht nämlich die
Masse des sogenannten Käses des Blu-
menkohls aus einer Menge vom Strunke
ausgehender Seitenäste und Aestchen,
die zufolge monströser Umbildung so
dicht an einander. gedrängt sind, dass
sie gleichsam ein Ganzes bilden; beim
Eintritte der Ueberreife jedoch gehen
diese Aeste auseinander. Solche aus-
einandergegangene Köpfe soll man gleich
verkaufen oder sie wenigstens nicht
länger als 2—3 Wochen aufbewahren;
denn das Auseinandergehen, wenn es
einmal angefangen, nimmt äusserst
raschen Fortgang. Die geschlossenen
Köpfe können bis in den März aufbe-
wahrt werden.
Nach dem Sortiren schneide man
den Strunk soweit ab, dass die Blume
noch zur Genüge von Blättern bedeckt
bleibt; darnach spalte man den übrig-
bleibenden Theil des Strunkes 2 Zoll
weit über’s Kreuz und stutze zugleich
die Blattenden auf einen Abstand von
2—31/, Zoll von der Blume, Das Spal-
U ÜTIL % ROCK, 7%
/
Le a
BL ven
a Der pi
I. Originalabhandlungen.
ten des Strunkes hat den Zweck, den
Saftumlauf und somit das weitere Wachs-
thum des Blumenkohls aufzuheben. Es
ist eine gewöhnliche Erfahrung, dass
‚ohne diese Vorsichtsmassregel die Blume
selbst im Eiskeller weiter wächst und
auseinandergeht. Die so behandelten
Köpfe werden nun in Körbe gelegt und
zwar ziemlich gedrängt und mit der
Blume nach unten; die Körbe stellt
man darauf einen neben den andern in
den Eiskeller auf das Eis, Sind nicht
genug Körbe da, so legt man die Köpfe
den Strunk nach oben in zwei oder
besser nur in einer Lage direct auf's
Eis,
Während die Mehrzahl der Blumen
gerade in der Zeit vom letzten Drittel
des Monats September bis gegen Mitte
October die grösstmögliche Fülle und
Dichtigkeit erreicht, bleibt in der Regel
ein Theil in der Entwiekelung zurück,
sei es nun, dass er zu spät gesetzt
wurde, sei es auch zufolge der Unbill
der Witterung. Diese kleineren Köpfe
nimmt man nach Mitte Oktober, oder
falls es frieren sollte, bald nach Anfang
Oktober sammt Wurzeln aus und bringt
sie in den Keller oder in einen Schup-
pen. Da Letzteres bei der Cultur im
Grossen nicht leicht angewendet wer-
den kann, so legt man in diesem Falle
die Köpfe auf einen 5 Fuss hohen und
ebenso breiten Haufen zusammen, wo-
bei man die Wurzeln nach der Mitte
des Haufens, die Blattenden nach der
Aussenseite schauen lässt. Die Haufen
werden mit Bastmatten gedeckt, und
diese der grössern Festigkeit halber mit
etwas Erde überschüttet. Den ersten
warmen Tag benutzt man zum Sortiren
und bringt dann die genügend ausge-
reiften Köpfe nach Zurückschneiden und
Spalten des Strunkes und Stutzen der
Blätter in den Eiskeller, die kleinen
IX. 1866.
213
Köpfe aber, die noch wachsen können,
in den Gemüsekeller oder in einen
Schuppen, indem man nur die Blatten-
den wegschneidet, die Wurzel jedoch
nicht beschädigt, Reihenweise in den
Boden eingegraben wächst der Blumen-
kohl selbst im Aufbewahrungsorte fort,
indem die Nahrungssäfte immer noch
von der Wurzel zu den oberen Theilen
steigen können; ja es kommt vor, dass
sogar die Wurzeln weiter wachsen. Im
Gemüsekeller und Schuppen soll die
Temperatur nicht über — 1° steigen
und nicht unter — 1° fallen; an der
freien Luft dagegen hält der Blumen-
kohl selbst — 20 aus, verliert jedoch
bei starken oder wiederholten Herbst-
frösten seinen Wohlgeschmack und kann
in manchen Fällen beim Kochen völlig
schwarz und ungeniessbar werden. In
der gleichmässigen Temperatur des Eis-
kellers hält sich der Blumenkohl ausge-
zeichnet, während plötzliche Uebergänge
sein Faulen sehr begüustigen.
4. Samenproduction.
Der Blumenkohlsamen wird hier ge-
wöhnlich aus England und aus Erfurt
bezogen; in neuester Zeit bezieht man
denselben auch aus Paris. Der Versuch,
am Orte selbst vom Erfurter Zwereblu-
menkohl und dem englischen späten
Blumenkohl Samen zu erziehen, gelang
nicht völlig; die aus solchem Samen er-
zogenen Blumen wurden unansehnlich.
Bei von mir selbst mit dem Erfurter
Zwergblumenkohl angestellten Versuchen
säete ich die Samen im Januar im Treib-
haus aus und versetzte dann die jungen
Pflanzen in’s Mistbeet. Im Mai nimmt
man die Fenster fort, errichtet aus ein-
geschlagenen und übergebundenen Stä-
ben ein Lattengerüst über den Pflanzen
und deckt bei etwaigen Spätfrösten
über dieses Gerüst Bastmatten. Die
18
274
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
schlechteren Blumen wurden Ende Som- |in einem trockenen Raume an Stangen
mer verkauft, die schöneren zum Be- | auf und legt zum Aufsammeln früher
hufe des Samentragens im Beete ge- | herausfallender Samen ein Tuch unter,
lassen.
über dem Rande des Beetes ein Latten-
gerüst machen, dessen ()Juerlatten 7 Zoll
von einander entfernt waren. Durch
letztere sollten die Pflanzen gestützt
und vor dem Abbrechen bewahrt wer-
den. Im Ganzen schliesst sich nun die
Cultur der zum Samentragen bestimm-
ten Pflanzen der Cultur der Kopfkohl-
samenpflanzen an. Wenn die Schoten
gelb werden, schneidet man die frucht-
tragenden Stengel ab und hängt sie bis
zum völligen Austrocknen in Bündeln
Il.
Ich liess nun 10 Zoll hoch | Wenn die Samenstengel und Schoten
hier vollstängig ausgetrocknet sind, so
breitet man sie auf ein Tuch und geht
mit einer Walze leicht darüber hiu, da-
mit die Körner von der Hülle befreit
werden. Am Ende reinigt man den
Samen mit einem Siebe und bewahrt
ihn während des Winters in Papierbeu-
teln oder in Säcken auf. Die Säcke
stelle man in ein trockenes mässig war-
mes Zimmer, nur nicht direct auf den
Boden desselben.
Notizen
1) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke.
(Schluss.)
Canna patens, Rosc. (C. indica, Curt. C. coc-
cinea, Lk.) Bot. mag. 756. China. Blu- |
men mit viel gelb, gross, Kronzipfel
grünlich.
glauca, L. Bot. mag. 2302. S.-Amerika.
Gelbliche Blumen, graugrünes Laub.
speciosa, Ker. Bot. mag. 2317. Ne-
pal. Zeigt nur 2 breite Blumenblätter,
mit je 2 Zähnchen.
discolor, Ldl. Bot. Reg. 1231. Trinidat.
Sehr grosses braunroth gerandetes Blatt;
blüht selten.
Warszeivizii, Otto Dtt. Bot. mag.
4854. Costa rica. Habitus, violette
Stengel, Blumen tiefroth.
lutea, Rosc. Bot. reg. 773. O.-Indien.
Ganz gelb.
Fam. Musaceae.
Heliconia Bihai, L. Bot. mag. 374. Cara-
cas, Hochrotlie grosse Deckblätter.
Heliconia psittacorum, Curt. Bot. mag. 502.
S..Amerika. Gelbrothe Deckblätter und
Blumen, mit fast schwarzem Flecken.
Musa ornata, Roxb. (M. rosacea Hort.)
Bot. reg. t. 706. Lodd. bot. cab. 615.
Madagascar. Blüht schr oft, und ist für
kleine Gewächshäuser am besten ge-
eignet.
Cavendishii, Paxt. Magaz. III 51.
(M. sinensis, Hort.) China. Nutzpfl. Kann
in einem warmen freien Grunde der Ge-
wächshäuser zur Fruchtreife kommen.
coccinea, And. Bot. mag. 1559. China.
Hochrothe Deckblätter,
paradisiaca L.*). Tilesius Musa 1—4,
Trew. Ehret. t. 18. O.-Indien. Nutzpfl.;
für die meisten Gewächshäuser zu gross;
eben so M. Ensete, Bruce.
*) C. Koch, die Paradisfeigen, Wochen-
schrift f. Gärt. 1863.
I. Notizen.
Strelitzia parvifolia var. juncea, Lk. Cap-
land. Bot. reg. 516. Verkleinerung der
Blattfläche! Blüht kaum.
Reginae, Banks. Bot. mag. 119. 120.
Capland. Leichte Cultur und Blüthe,
doch selten Fruchtreife.
Fam. Aroideae.
Trib. Araceae. C. Koch.
Ambrosinia Bassii, Murr. Linnaea XI. t.5.
Schott. gen. t. 3. Italien. Sehr merkw.
Einrichtung des Blüthenstandes.
Arisarum vulgare, Targ. (Arum Arisarum,
L.) Schott. gen. t. 5. Reichb. D. Fl.
VII. 7. Italien. R. gen.
Pinellia tuberifera, Ten. (Atherurus ter-
natus, Blm. Arum ternatum, Thbg.)
Schott. Aroid. t. 4 Japan, O.-Indien.
Knollen am Blattstiel; hält im Freien
aus.
Arum italicum, Mill. Bot mag. 2432. Rchb.
D. fl. VII. 11. Italien.
Typhonium trilobatum, Schott. (Arum...
A. orixense, Roxb.) Bot. mag. 339.
Ceylon. Braune Blumenscheide, übel-
riechend.
Helicodiceras erinitus, Schott (Arum ...
Ait.) v. Houtte fl. d. s. 445. Bot. Reg.
831. Balear-Insel. Merkw. Blattform
und Blattscheide.
Dracuncnlus vulgaris, S. (Arum Drac.L.)
Schott. gen. t.22. Griechenland. Rpr. G.
Sauromatum pedatum, Schtt. gen. t. 11.
Link u. ©. t. 8. O.-Indien. Rpr. g.
Conophallus bulbifer Sch. (Amorphophallus
-.. Blm.) Arum bulbiferum, Roxb.
Bot. mag. 2072 und 2580. O.-Indien,
Sehr grosse Blumenscheide, vor Entfal-
tung der Blätter blühend. Knollen am
Blatt,
Trib. Caladieae.
Colocasia antiquorum, Schtt. (C. nym-
phaeifolia, Kth.; C. esculenta, Schtt.)
Schott gen. t. 37. Ost.-Indien. Nutzpfl.
Habitus, kolossales Blatt.
Ariopsis peltata, Grah. Bot. mag. O.-Ind.
Klein, Blattform.
Remusatia vivipara, Schtt. gen. t. 36. (Col-
275
ocasia asamica, Hort.) O.-Indien. Blüht
vor Entfaltung der Blätter.
Alocasia macrorhiza, Schtt. gen.t. 40. (Arum
eregrinum, L. Colocasia odora, Brong.;
C. indica Kth.) O.-Indien. Mächtiger
Wuchs, Stamm 6° hoch, 4--6° dick.
eueullata Schtt. (Colocasia Wight. pl.
ind. or. Il. 787.) Schit. Arum ram-
cosum, Hort.) Ostindien. Stammbildung.
odora C. Koch. (C. Coladium .
Bot. reg. 641). O.-Indien. Wärme beim
Blühen. Geruch.
Caladium pietum, DC. (C. bicolor, Kth.)
Brasilien; mit vielen Varietäten. v. Houtte
“fl. d. s. 1346. 1347. Illustr. horticole
t. 252, 316, 322.
bicolor, Vent. hort. Cels. t. 30. Bot.
mag. 820, 2543. Brasilien, Guiana.
Hat viele Variet. s. v. Houtte fl. d. s.
1348, 1349. 1350. und Ilustr. hortic.
257. 322.
haematostigma, Hort. Berol. Brasilien.
Hierher viele Variet. mit versch. rothen
Flecken; s. v. Houtte fl. d. s. 1352.
Ill. hortic. 293, 294, 185.
— Poecile, Schott. Brasil. Guiana. Hier-
her mehrere Varietäten mit weissen
Flecken auf den Blättern. Illustr. hortic.
354.
appendiculatum, Schtt. (Arum ...
Hort.) Vaterland? Erhebungen der Blatt-
fläche!
Syngonium auritum, Schott. gen. t. 48.
(Arum ... L. Jacg. H. Schönbr. t. 186.
S.-Amerika. Blattbildung.
Anchomanes Hookeri, Schtt. gen. t. 34.
W.-Afrika. (Caladium petiolatum, Hook.
Bot. mag. 3728 u. 5394 — Pythonium
Hookeri, Kth.) Blattform !
Trib. Philodendreae.
Philodendron cannaefolium, Mart. (Bauersia
ventricosa, Hort.; Caladium crassipes,
Hort.) Brasilien. Blattstiele!
squamigerum, Pöpp. E. (C. crinipes,
Brongn.) Hortic. univ. V. e. ic. Herb.
gen. d. l’am. 2. ser. IV. t. 46. Peru.
Blattstiel mit Schuppen.
Imbe, Kth. non Schott (Philodendron
imboides, C. Koch), grosser Wuchs.
18 *
276
Philodendron coriaceum, Endl. Hook. ex. fl.
210. Brasil. Habitus.
tripartitum , Schtt. Jacqg. H. Schbr. 190.
Caracas. Blattform. Luftwurzeln.
Pinnatiidum, Kth. Jacg. H. Schbr. 187.
Caracas. Blattform.
bipinnatifdum , Schtt. (Sphinctostrigma
. .. Schtt. Blattform.
Pothos scandens, L. Bot. Reg. 1337. O.-Ind.
Habitus, Blatt.
Anthurium violaceum, Schtt. Lodd. Bot.
Cab. 632. Schott. gen. Ar. t. 94. S.-
Amerika. Frucht violett, bisw. weiss.
caudatum, Kth. Caracas? Stamm,
Blätter fingerig; Randberippung!
acaule, Schott. (Pothos Jongifolia Hort.,
P. acaulis, Jacq. Am. 231. Hook. ex.
Bot. 122. S.-Amerika. Blattform.
lanceolatum, Kth. (Pothos ... .
S.-Amerika.
crassinervium, Schott. ic. 11. 4. Bot.
mag. 2981. Jacg. ic. r. 609. Pothos
maxima, Dsf. — Caracas. — Wuchs.
macrophyllum, Endl. Pothos .... . Sw.
non Willd. W.-Indien. Blätter gestielt
aber pfeilf., sehr gross.
digitatum, Kth. (Pothos .
ic. 611.) Caracas. Blattform.
wurzeln.
Scherzerianum, Schott. Regel, Gfl.
1865. t. 482. Bot. mag. 5319. Costa-
rica. Blüthenscheide hochroth.
obtusatum. In Kewgesehen.
gross herzförmig.
Dracontium polyphyllum, L. Bot. Reg. 700.
Surinam. Blattform vielfach zerschlitzt.
5)
. Jacq.
Luft-
Blätter
Trib. Anaporeae.
Aglaeonema commutatum, Sch. (A. maran-
tifolium). Blume Rumphia 66. — Am-
boina.. Same ohne Eiweiss.
Dieffenbachia Seguine Sch. (Arum ... L.
Caladium . . . Sect.) Bot. mag. 2606.
W.-Indien. Scharfer Saft.
Spathiphyllum longirostre Schott. Mexico.
cannaefolium, Schott. Aroid. t. 1.
(Massowia . . . C.Koch); Pothos . .
Bot. mag. 603. — Scheide inwendig
weiss.
lancaefolium, Schtt. Aroid. t. 3. Jacq.
ic. rar, 612. Caracas. Grüne Scheide.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Orontium aquaticum L. amoen. III. 1. Lodd.
6. Cab. 402. Carolina.
Richardia africana, Kth. (Calla aethio-
pica L. Zantedeschia ... Sprg.) Bot.
mag. 832. Cap. d. g. H. Sehr lehr-
reiche Pflanze für den Unterricht.
Stylochiton hypogaeum, Lepr. Anm. d. sc.
nat. I. 2, 5. Merkw. Bau des Blüthen-
standes. O.-Indien.
Trib. Monstereae.
Monstera deliciosa, Liebm. (= ? M. Len-
nea, ©. Koch. Philodendron pertusum,
Kth.) S.-Amerika, Cumana. Blätter fie-
derspaltig, durchbrochen. Wohlgeruch
der Früchte! Rhap hiden derselben.
— pertusa, Adams. (Dracontium „..L.)
Jacg. H. Schönbr. 184. Columbia. Blatt
einfach, durchbrochen.
Scindaspus pertusus, Schtt. (Pothos....
Roxb. Wight. ic. pl. 3, 781. Rheed. H,
mal. XII. 20. Coromandel. Blätter in
der einen Hälfte durchlöchert. —
Fam. Pistiaceae.
Pistia stratiotes, L. Bot. mag. 4564. V.
Houtte fl. d. s. 6, 625. Klotzsch. Abh.
d. Ak. z. Berlin 1852. W.-Indien. Sehr
merkw.! aber schwer zu cultiviren.
Fam. Pandaneae.
Pandanus pygmaeus, Thouars. (P. gramini-
folius Hort, pr. pt. Freyeinetia gramini-
folia, Hort.) Bot. mag. 4736. J. Mauri-
tius. Blüht nicht selten.
inermis, Roxb. (amaryllidifolius, Hort.
P. javanicus, Hort. pr. pt.) Java. Statt-
lich und doch für kleinere Häuser ge-
eignet, für welche P. utilis, Bory und
odoratinimus zu gross werden.
Freyeinetia imbricata, Blm. (F. javanica
Hort) Blume, Rumphia 41. Java. —
Habitus. R. gen.
Cyelanthus Plumieri, Poit. Mem. Mus. 9, 3.
Martinique. Morphologisch höchst merk-
würdig, aber schwer zu cultiviren.
(Vergl. auch C. bipartitus, Poit. Diet.
sc, n. D, 6.)
II. Notizen.
Ludovicialancaefolia(Carludovica.... . Hort.)
V. Houtte fl. d. s. 1515. Guiana. Blüht
leicht, morphologisch sehr merkwürdig.
Carludovica palmata, RzPv. W.-Indien. Ha-
bitus. Nutzpfl
Hookeri. Blüht leichter als
ebenso C. plicata, H. Berol.
Phytelephas macrocarpa, RzPv.
fl. d. S. V. 496. Peru.
„vegetabilisches Elfenbein“.
_ vorige,
V. Houtte
Nutzpflanze,
Fam. Palmae”).
Trib. Arecinae,
Chamaedorea elatior, Mart. (1834) Palm.
126. (Ch. Karwinskiana, Wendl.)
Ernesti Augusti, H. Wendl. Gua-
temala. Ausgezeichnet durch verdickte
rothgelbe Fruchtzweige.
Lindeniana , Wendl. (Ch. elegans, und
gracilis Hort. plur.) Blüht reichlich.
desiımoncoides, Wendl. (Ch. repens,
und elatior, u. scandens Hort.) Mexico.
Wuchs; Blattspitzen.
Malorties gracilis, Hr. Wndl. (Chaemado-
re& fenestrata Hort.) Mexico. — Sehr
klein, durchlöcherte Blätter.
Livistona humilis, RBr. Mart. Palm. 109.
Trop. Australien.
chinensis, RBr. Mart. Palm. 146. (La-
tania borbonica Lam. Saribus chinensis,
Wall.) S. China. Leichte Cultur, schö-
nes Ansehen.
Areca rubra, Bory. (Euterpe pisifera, ß,
Gärtn.) Mart. P. 154. Mascarenen-Ins.
Sehr empfehlenswerth durch den zier-
lichen Stamm.
Seaforthia elegans, RBr. (Ptychosperma....
Wndli.) Mart. P. 105. Trop. Australien.
Zierlicher Wuchs.
Caryota urens, L. Mart. P. 107. O.-Indien.
Unentbehrlick für eine morphologische
Sammlung, durch die Blattform. Staub-
fäden zahlreich!
®) S. Wendland, Index Palmarum, Cyclan-
thearum, Pandanearum, Cycadearum quae
in nostis europaeis coluntur.: Hannover
1854.
| Elais guineensis,
277
Trib. Calameae.
Calamus Rotang, L. Rumph. Amb. V.
61--58. Grifith. P, M2. Schlingender
Wuchs. Nutzpfl.
— anceps. O.-Indien. Wuchs.
— refractus. O.-Indien. Stacheln flach.
3 gabelig.
Metroxylon laeve, Mart. (Sagus ...
Rumph.) Griff. Palm. 182. China, Nutz-
pflanze „Sagopalme‘‘.
Trib. Borassineae.
Geonoma simplicifrons, Willd. (G. Will-
denowii, Klz.) Mart. P. 15. Venezuela.
Blattbildung.
Trib. Coryphinae.
Sabal Adansonii, Guers. (Corypha pu-
mila, Walt.) Bot. Mag. 1434. Mart. P.
103. Carolina. Für kleine Gewächs-
häuser ein passender Repräsentant der
Fächerpalmen. Blüht leicht und trägt
Früchte.
Chamaerops humilis, L. S.-Europa, N.
Afrika. Bot. Mag. 2152. Mart. P. 120
Repr. g.
— excelsa, Thbg. Mart. Palm. 125. China
Japan. Habitus, leichtes Gedeihen.
Rhapis flabelliformis, Ait. Bot. mag.
1371. Mart. P. 144. China, Sehr guter
Repräsentant des Habitus der kleinen
Strauchpalmen. Blüht leicht.
Corypha umbraculifera L. O.-Indien. Illustr.
hostie. 337. Mart. P. 118. Zwar pracht-
voll aber nur leicht allzugross.
Phoenix dactylifera, L. Mart. P. 120. N.-
Afrika. Rpr. gen. M.-Afrika. Nutzpflanze.
Blüht bei uns nie.
Trib. Cocoinae.
Astrocaryum Ayri, Mart. Palm. t. 59. Bra-
siiien. Schöner Stamm mit Stacheln
und kleinen Blättern.
mexicanum. sStacheln sehr gross.
Jacg. Mart. P. 54. W.-
Afrika. Nutzpfl. „Palmöl“.
Diplothemium maritimum, Mart. Palm. 75.
Brasil. Blattfiederungin Büscheln; Stamm
niedrig.
278
Cocos oleracea, Mart. Palm. 82. Brasilien.
Rpr. gen. Leichtere Cultur als C. nu-
citera.
Syagrus plumosa, Wndl. (Cocos . . . Lodd.)
Nördl. Brasilien. Sehr zierlicher Wuchs.
Desmoncus macroacanthus Mart. Wallace.
Palms. 27. Surinam. Hübsche Stamm-
bildung und schwarze Stacheln.
Jubaea spectabilis, Humb. Kth. Mart.
P.. 151. (Cocos chilensis, Mol.) Chili.
Leichte Cultur, schöner Wuchs.
Schlusswort
Der Raum der „Gartenflora‘“ erlaubt
nicht diese Aufzählung weiter fortzuführen,
wesshalb dieselbe hiemit abgeschlossen wer-
den muss. Ein solches kritisches, mit Ci-
taten der Abbildungen, und andern Bemer-
kungen versehenes Verzeichniss, der für
Gärten wahrhaft wichtigen und merkwür-
digen Vertreter des Pflanzenreiches, aus der
grossen Reihe der Dicotylen, muss daher
unterbleiben, und erst hoffen auf eine an-
dere Weise in dieHände und zum Gebrauch
der Liebhaber zu kommen. Möge dieser
Versuch erst zeigen, dass sehr viele Pflan-
zen unserer Gärten der Cultur nicht werth
sind, und deren Entfernung für diejenigen
Raum schaffen, welche als werthvolle Formen
erkannt werden. (Schnizlein.)
2) Culturen um Palermo. Das
Terrain der Provinz Palermo wird in drei
Zonen getheilt; in die „Meereszone‘* bis zu
500 Mct. Meereshöhe, in die „Mittelzone‘
bis zu 1000 und die „‚Gebirgszone‘“ bis zu
2100 Met., bis zu welcher Höhe sich die
höchsten Gebirge der Provinz erheben und
in welcher der Schnee sich bis April, ja in
einigen mehr nördlichen Punkten auch bis
Ende Juni erhält.
In der ersten Zone gedeihen: die in-
dische Feige, der Summach, der Oelbaum,
die Weinrebe, die Mannaesche, der Maulbeer-
baum, die Pomeranze, die Limonie und in
manchen Jahren trägt auch die Palme ihre
reifen Früchte. In der zweiten Zone wer-
den cultivirt der Oel-, der Mandel-, der
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Nussbaum, die Haselnuss, die Kastanie, der
Maulbeerbaum, die Weinrebe und in der
dritten Zone kommen vor die Buche, die
Tanne und dic Stechpalme.
Die Pomeranzen- und Limonie-Pflan-
zungen haben sich seit zwanzig Jahren auch
in die zweite Zone ausgedehnt; gedeihen
sehr gut und geben bessere Früchte, wenn
nur die Lage vor den Nordwinden geschützt
ist. Die Früchte der in Kalk- und Sand-
boden cultivirten Pomeranzen- und Limo-
nienbäume kommen am frühesten zur Reife;
lässt man aber dieselben über die gehörige
Zeit am Baume, oder fallen sie zu Boden,
so sind sie zu keiner Seefracht geeignet.
In thonigem Boden hingegen kommt die
Frucht später zur Reife, und ist wie jene
von in höheren Lagen cultivirten Bäumen,
wo man sie bis im April abnehmen kann,
zu jeder weiten Seereise nach England oder
Amerika verlührbar. In solchem Boden
und hohen Lagen kann man die Frucht
auch bis im Juli am Baume lassen und es
gewährt jedenfalls prachtvollen Anblick, die
reifen Früchte unter den neu entwickelten
Blüthen und neuen Früchten hängen zu
sehen. — Solche in wärmster Jahreszeit
gepflückte Pomeranzen haben in Sicilien
den grössten Anwerth. — Am theuersten
werden gezahlt die Pomeranzen, die im
November und im März in Handel kommen,
am wohlfeilsten sind die von December und
Januar, weil sie da am meisten vorkom-
men; das nehmliche gilt auch von den Li-
monien.
Die edle Pomeranze und die Limonie
werden auf die wilde Pomeranze (Citrus bi-
garadia Riss.) gepfropft — auf diese Art
widerstehen die Bäume leichter den Ein-
flüssen des Schnees und des Windes. Aus
Saamen werden höchst selten Pflänzlinge
gezogen — die Vegetation ist sehr lang-
sam, an den Zweigen zeigen sich Dornen,
welche bei heftigen Winden durch. starke
Bewegung der Zweige die Früchte beschä-
digen und dadurch zur Versendung untaug-
lich machen.
Die in Rede stehenden Pflanzungen be-
nöthigen für gewöhnlich von Anfang Mai
bis Ende September eine wesentliche Be-
II. Notizen.
wässerung, und nur bei starker Belaubung,
wenn die Sonne nicht bis zum Fuss des
Baumes durchdringt, genügt selbe alle 14
bis 15 Tage zu bewässern.
Die Bäume werden in vier- oder fünf-
eckigen Zeilen gepflanzt, 4—5 Meter von
einander entfernt — jeder Pomeranzenbaum
gibt 4—600, der Limoniebaum 600—1000
Früchte. Zur Verfrachtung dürfen nur gänz-
lich unbeschädigte Früchte genommen wer-
den, und man rechnet 1200—1400 Stücke
zu 12—19 Francs. In der Provinz Palermo
umfassen beidartige Pflanzungen eine Fläche
von 8—10000 Hectaren, die einen Ertrag
von 30—36 Millionen Francs geben — und
von Jahr zu Jahr dehnt sich die Cultur der-
selben immer mehr aus.
In den letzten zehn Jahren hat sich in
einigen Localitäten eine Cryptogame an den
Limonienbäumen, — S*’amm, Blätter und
Früchte — gezeigt, welche „schwarze Krank-
heit“ grossen Schaden gemacht hat; als
Gegenmittel bewährten sich der Schwefel,
‘das Kohlenpulver und ein Gemenge von
ungelöschtem Kalk, Lehm und Kuhmist in
gleichen Theilen in wenig Wasser aufgelöst.
(N. Turrisi-Colonna appunti sulla col-
tura e commercio degli agrumi. Giorn. di
sc. nat. ed econ. I. i. Palermo 1865.),
3) Seetion für Obst- und Garten-
bau der schlesischen Gesellschaft.
Sitzung vom 17. Februar 1864. Herr
Geheimer Medizinalrath Prof. Dr. Göppert
lieferte Beiträge zur Geschichte der
Gärten, insbesonderein Schlesien;
auszüglich hiervon Folgendes:
Vielfach knüpfen sich an die Riesen
der Vegetation, an die Bäume, Erinnerungen
merkwürdiger Begebenheiten, so dass viele
von ihnen mit Recht schon längst in die
Reihe der historischen Denkmäler getreten
sind. Jedoch auch die zarteren Bürger des
Gewächsreiches erlangen oft historische Be-
deutung, wenn es sich, wie bei Oulturpflan-
zen, um Erforschung ihres Ursprungs oder
vielmehr ihrer Urheimath handelt. Die Völ-
ker haben sie einst auf ihren Wanderungen
mit sich geführt und in ihre neue Heimath
verpflanzt, Daher die wichtigen Aufschlüsse,
279
die solche Untersuchungen über jene zu ge-
ben vermögen, wobei zu bedauern ist, dass
das Glück bisher solche Forschungen nur
wenig begünstigte. Denn noch ruht ein
dichter Schleier über den heimathlichen Ver-
hältnissen vieler und gerade der wichtigsten
Culturpflanzen, wie z. B. der Getreidearten
u. m. a. Ich habe mich mit diesem Gegen-
stande oft und gern beschättigt. So erregte
u. a. stets meine Beachtung die Zusammen-
setzung der Flora der Gärten unserer Land-
bewohner, namentlich im Gebirge, die
sich in seltener Uebereinstimmung mit der
von ganz Deutschland, ja selbst des fernen
Norwegens, und wieder mit dem Inhalt der
Gärten der klassischen Zeit der Griechen
und Römer befindet, in sofern diese schon
zu den Zeiten von Theophrast, später
Virgil, Columella, Plinius, Diosco-
rides, Galen ein Gemisch von fast den-
selben Küchen-, Arznei- und Zier-
pflanzen cultivirten.
Als die Ursache dieser jedenfalls höchst
merkwürdigen Thatsache stellt sich eine
Verordnung Karls des Grossen heraus,
wie Prof. Dr. Kerner in Innsbruck zuerst
nachgewiesen hat. Karl der Grosse be-
fahl nämlich, den Anbau des Landes, ins-
besondere aut den zahlreichen, in seinem
weiten Reiche zerstreuten Meiereien, nach
römischem Muster zu betreiben, und erliess
im Jahre 812 höchst wahrscheinlich von
den an seinem Hofe sich aufhaltenden Be-
nedictinermönchen mit Benutzung der be-
kannten Schrift von Columella „De re rus-
tica‘‘ verfasste Vorschriften, sogenannte Ka-
pitularien, in denen auch die Pflanzen an-
geführt werden, die man in den Gärten zu
medicinischen und ökonomischen Zwecken
erziehen sollte; merkwürdigerweise stimmen
sie genau mit den ober genannten überein,
welche wir heut noch in unseren Bauern-
gärten antrefien. Durch Geistliche und
Klöster, die Träger der damaligen Cultur,
wurden sie bei neuen Stiftungen immer wei-
ter verbreitet und gelangten so ohne Zwei-
fel auch in unsere Provinz, deren Anbau
insbesondere durch den vom 11.—13. Jahr-
hundert berufenen Cisierzienserorden sehr
gefördert ward. Sichere schriftliche oder
280
urkundliche Belege lassen sich meines Wis-
sens hierüber wohl nicht ermitteln, wohl
aber zeigen einzelne Notizen und spätere
Nachweisungen über den Inhalt unserer da-
maligen Gärten den hier angedeuteten Zu-
sammenhang.
Die ersten sicheren Nachrichten über
dieselben, und zwar Breslau’s, finden wir
schon bei Eschenloer (1490), jedoch
ohne Angabe des Inhalts, was auch von
einem andern auf der Dominsel im J. 1489,
von dem Canonicus zu St. Johann und prak-
tischen Arzte Bartolomäus Mariensüss
angelegten Garten gilt. Er beschäftigte sich
viel mit Blumencultur, wie dies auch seine
in der hiesigen Domkirche noch vorhan-
dene Grabschrift v. J. 1804 besagt. Unser
verdienstvoller Henschel betrachtete ihn
als den ersten bekannten Pflanzenkenner
unserer Provinz. Mit noch grösserer Ge-
wissheit haben wir dafür Achilles Cro-
merus (nach Clusius fürstbischöflicher Ge-
heimerrath in Neisse) anzusehen, welcher im
mährischen Gesenke etwa im J. 1578 bota-
nisirte und mehrere der interessantesten
Pflanzen desselben, wie den punktirten En-
zian, das gelbe Aconit, entdeckte und an
Clusius, den berühmtesten Botaniker jener
Zeit, nach Wien für dessen Flora Oester-
reichs, Ungarns etc. sendete. Unser Rie-
sengebirge wurde zuerst von A. Matthio-
lus, Leibarzt des Kaisers Rudolph II., be-
sucht. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts
erfreuten sich noch mehrere Breslauer Gär-
ten eines grossen Rufes, wie aus der von
Conrad Gessner gelieferten Beschrei-
bung der Gärten Deutschlands vom J. 1560
sich ergiebt. Namentlich erwähnt er den
Garten eines gewissen Vuoissel in Bres-
lau. Weit übertraf ihn aber der Garten des
Dr. Laurentius Scholz sowohl an In-
halt, wie an Originalität der Anlagen. —
Ueber Getreidearten, Landbau, Viehzucht,
Ackerinstrumente giebt eine von mir aufge-
{undene Schrift vom J. 1590 nähere Aus-
kunft, von Martin Grosser, Pastor zu
Schebitz. Auch der Inhalt dieser Schrift
erinnert an Einrichtungen Karls des Grossen,
die fast unverändert bis in das vorige Jahr-
hundert hinein sich erhalten haben, ja zum
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Theil heut noch bestehen. Dem ersten
Werke über Gärtnerei begegnen wir erst
später, im 17. Jahrhundert, verfasst von
J. Chr. Hübner, fürstl. Lustgärtner in Ohlau,
unter dem Titel „Horticultura“, d. i. kurze
und verständliche Anleitung, wie Lust-,
Obst- oder Küchengärten anzulegen mit
Fleiss verfertiget, Neyss 1670. Seit den
Zeiten Schwenkfelt’s und Laurentius Scholz’s
hatten unter anderem folgende Gewächse in
unsere vaterländischen Gärten Eingang ge-
funden: die Monatsrose, die Kaiserkrone,
die asiatische Gartenranunkel, Iris susiana,
Yucca gloriosa, Tuberose aus Mexico, die
Passionsblume aus Brasilien, die Topinam-
bur und rothe Lobelia cardinalis aus Nord-
amerika. Auch scheint um diese Zeit oder
kurz vorher die Cultur der Citronen und
Orangen bei uns begonnen zu haben, von
denen er sagt, dass man grosse Stämme
aus Genua und Lissabon kommen lasse. —
Noch ungleich umfassender und reichhalti-
ger ist ein zweites, 22 Jahre später erschie-
nenes Werk: „Des schlesischen Gärtners
lustiger Spaziergang oder nützlicher Garten-
discurs etec.‘“, von Georg Herbsten, her-
zogl. würtemb. Lust- und Blumengärtner
zu Korschlitz, Oels 1692, 444 Seiten mit
mehreren Kupfern und Plänen der Gärten
von Sibyllenort, Bernstadt und Korschlitz.
Aus diesem für die Geschichte unserer
einheimischen, ja der gesammten deutschen
Gärten wichtigen Werke, die so ziemlich
überall sich nicht wesentlich von einander
unterschieden, erfahren wir unter andern,
dass man in Bernstadt 1687 die erste Ross-
kastanie in Schlesien pflanzte, desgl. die
weisse Akazie, den Gerberbaum aus Nord-
amerika, ferner die Baumwollenstaude, den
Oelbaum, die erst 1684 aus Peru nach Eu-
ropa gebrachte Kapuzinerkresse Tropaeolum,
Dattelpalme, Pinie, Pinus Pices, Campa-
nula pyramidalis. Ein ziemlich gleichzeiti-
ger Schriftsteller, der Herausgeber von Ni-
colaus Hennelius von Hennenfelds Silesio-
graphie, Michael Joseph Fiebiger (Silesio-
graphia renovata 1704), welcher der Schil-
derung des damaligen Zustandes der Gar-
ten - und Feldcultur einen eigenen Abschnittl.
p. 215—302 widmet, führt p. 262 18 Gärten
TI. Notizen.
auf, die zu damaliger Zeit wegen Schön-
heit und Mannichfaltigkeit der Gewächse in
vorzüglichem Rufe standen und zum Theil
heut noch floriren. Es sind der bischöf-
liche in Neisse, der Lobkowitz’sche in Sa-
gan, der Oppersdorf’sche zu Ober-Glogau,
der Gellhorn’sche zu Peterswalde, der
Nostiz’sche in Neuland, Lobris und Profen,
der Neidhart’sche zu Kriechen, der Fran-
kenberg’sche zu Wartha, der Fernemont’sche
in Schlawe, der Plenk’sche in Hünern und
Krischanowitz, der Malzahn’sche in Gr.-Pe-
terwitz, der Seiler’sche in Lilienthal, und
der zu sSibyllenort. In Breslau brachte
Dr. Kaltschmidt 1702 die Ananas zum
Blühen und Fruchttragen und schickte die
Frucht zum Beweise der Seltenheit in da-
maliger Zeit nach Wien an den kaiserlichen
Hof. Cactus grandiflorus blühte zuerst 1719
in Breslau. Die ersten Früchte des Kaffee-
baumes erntete man 1737 zu Oels. Der
Sitte des Zeitalters gemäss beachtete man
besonders pflänzliche Curiositäten, Lilien
mit bandförmigen Stengeln, sprossende Ro-
sen, Birnen, Anemonen, Nelken, Tulpen
und dergl.
Die Cultur der Blumen in Gärten trat
von jener Zeit an einigermassen zurück,
die der waldbewohnenden Gewächse begann,
in Folge der Umbildung der damaligen gärt-
nerischen Anlagen von steifer Zierlichkeit
in waldähnliche Partien oder Landschafts-
gärten. Die Einführung der nordamerika-
nischen Bäume und Sträucher bahnte hierzu
den Weg. Gegen Ende des 17. Jahrh. ver-
suchte man in England zuerst Bäume und
Sträucher Nordamerika’s aus den Gegenden
zwischen dem 38. und 45.° n. Br. in grös-
sercr Ausdehnung anzupflanzen, womit man
in Deutschland etwa zwischen 1730 — 39
folgte. Der Landdrost v. Münchhausen
zu Schwobber bei Herford und der Hofrich-
ter v. Veltheim zu Harbke im Braunschwei-
gischen waren die ersten, die nicht blos
zur Zierde der Gärten, sondern zu forstli-
chen Zwecken Anpflanzungen dieser Art be-
gründeten, von denen jedoch nur noch
Reste existiren. Die Hoffnungen, welche
man anfänglich auf sie als vorzügliche Sur-
rogate einheimischer Waldbäume setzte,
wollten spätere Erfahrungen nicht bestäti-
gen und so beschränkte man sich mehr,
sie als Zierpflanzen unserer Anlagen zu ver-
wenden. In Schiesien scheint man zuerst
in Falkenberg, und zwar zwischen 1780—86,
jene Culturen versucht zu haben, wovon
höchst respectable Reste noch Zeugniss ge-
ben, wie ein einst 60 Fuss hoher, leider
vor 7 Jahren vom Sturme gebrochener, Tul-
penbaum von 7 Fuss Umfang; wohlerhalten
sind dagegen: Quercus coceinea, 68 F. Höhe,
7 F. Umfang; Quercus rubra, 65 F. Höhe,
6 F. Umfang; Juniperus virginiana, 42 F.
281
Höhe, Al, F. Umfang; Magnolia acuminata,
50 F. Höhe, 4 F. Umfang; Thuja oceiden-
talis, 40 F. Höhe, 4 F. Umfang; Pinus ca-
nadensis, 50 F. Höhe, 6 F. Umfang; ein Pi-
nus Strobus von 90 F. Höhe und fast 8 F.
Umfang, ein bewunderungswürdiger Baum.
Der seltenste, wohl nur in wenig deutschen
Gärten vorhandene von mir noch nie lebend
gesehene ist der Tupelubaum Nyssa aqua-
tica von 32 Fuss Höhe und 2®/, Fuss Um-
fang. Alle diese geradezu culturhistorisch
interessanten Bäume des auch anderweitig
durch überaus schöne Vegetation und grosse
Auswahl verkäuflicher Holzgewächse ausge-
zeichneten Parkes verdienten wohl auf ir-
gend eine Weise vor andern kenntlich ge-
macht zu werden. Durch vortreffliche Baum-
partien zeichnen sich auch die benachbarten
Parke von Schedlau, Tillowitz aus. Ferner
wurde der bis jetzt noch niemals erwähn-
ten, sehr zierlichen städtischen Promenaden
von Patschkau gedacht, wie sie in Schlesien
keine Stadt gleicher Grösse aufzuweisen hat,
der vielen auf so kleinem Raume vereinig-
ten schönen Gartenanlagen der Grafschaft
Glaz, Kunzendorf, Ullersdorf, Grafenort,
Pischkowitz und insbesondere von Eckers-
dorf, dann des diesseits nur wenig bekann-
ten prächtigen gräflich Schaffgoth’schen Par-
kes zu Wildschütz in Oesterr.-Schlesien bei
Johannisberg, und als allen gemeinsamer
Charakter Verbindung von mehr oder min-
der, zum Theil höchst ausgezeichneter Blu-
mengärten mit Parkanlagen bezeichnef. Nach
Vergleichung des Sonst und Jetzt ist sicht-
liches Fortschreiten nach dieser Richtung
hin in Schlesien wohl nicht zu verkennen,
doch Achtung vor Bäumen aller Art und
Einsicht in den Nutzen derselben noch lange
nicht ausreichend verbreitet, wie die baum-
armen Gegenden zwischen Breslau, Brieg,
Grottkau, Strehlen u. s. w. hinreichend be-
weisen. Welche Benutzung des Areals zu
Baumpflanzungen anderswo, z. B. in Dör-
fern des benachbarten Mährens (bei Hra-
disch), und welche nur zu häufig stattfin-
dende Vernachlässigung z. B. der Dorfanger
bei uns! Nach Hinweisung auf nicht min-
der zahlreiche treffliche Anlagen in Nieder-
schlesien, unter andern auf Mallmitz bei
Sprottau mit seinem in Schlesien kaum über-
troffenen Reichthum an alten Eichen und
schönen Nordaierikanern aus dem Anfange
dieses Jahrhunderts, Sagan, der Krone von
allen u. s. w., des auch noch kaum gewür-
digten wahrhaft romantischen Naturparkes
zu Matzdorf bei Löwenberg, einem würdi-
gen Rivalen Buchwald’s, ward der Vortrag
geschlossen, der ausführlicher von Belägen
begleitet in den Verhandlungen der schle-
sischen Gesellschaft erscheinen wird.
E. H. Müller, Secretär der Section.
282
Il.
Gartenflora Dentschlands, Russlands und der Schweiz.
Literatur.
1) Illustrirte Monatshefte für Obst- | Krone, erhalten Stäbe. — Halbstämme mit
und Weinbau; Organ des Deutschen
Pomologen- Vereins, unter der Redac-
tion von Oberdieck, Fehleisen und
Lucas.
Wir haben schon früher angezeigt, dass
obiges Werk seit 1865 an die Stelle der
Monatsschrift für Obstbau von Oberdieck
und Lucas getreten ist. — Wir geben im
Folgenden einige Notizen aus dieser wich-
tigen Zeitschrift, die die Interessen und
Fortschritte unseres deutschen Obstbaues,
unter den Auspicien dreier so tüchtiger
Männer, vertritt.
a) J. Kienart spricht über Erziehung
der Bäume in der Baumschule ohne Pfähle
und E. Lucas begutachtet solche. Um das
Abbrechen der ohne Pfähle erzogenen Hoch-
stämme zu vermeiden, wird empfohlen zu
schwachen die Spitze auszukneipen und
ausserdem bei allen die Seitentriebe stehen
zu lassen, welche dann über dem dritten
Auge eingekneipt werden. Für das mildere
deutsche Klima hat sich diese Erziehungs-
weise des Hochstammes bewährt, — in
dem rauhen Klima Petersburgs und des
mittleren Russlands taugt solches aber gar
nichts, weil die Wunden des Stammes, die
durch das spätere Wegnehmen der stehen
bleibenden Seitenäste entstehen, rie mehr
vollkommen heilen und durch sie schon in
dem jungen Baum unheilbare Brandwunden
entstehen. Um dauerhafte Bäume für un-
ser Klima zu erziehen, müssen solche mit
durchaus glattem Stamme ohne Wunden er-
zogen werden, weshalb die Nebenzweige
schon jung abgenommen werden müssen.
Der Referent erzieht daher in seiner
Baumschule fast ausschliesslich die für unser
Klima viel geeigneteren Halbstämme. Diese
werden im Allgemeinen ohne Stangen er-
zogen. Solche, die so schwach im Stamme,
dass sie die Krone noch nicht tragen kön-
nen, werden noch einmal ein Stück zurück-
geschnitten. Einzelne aber, die schön, aber
doch etwas zu schwach zum Tragen der
glattem wundenfreiem Stamme und in gleich
rauhem Klima erzogen, erweisen sich nach
des Referenten und anderer Obstzüchter
Russlands übereinstimmendem Urtheile als
die zur Anpflanzung geeignetesten Bäume.
Selbst aus Riga und Reval bezogene Obst-
bäume verlor der Referent zu mehr als 1],
und aus Deutschland bezogene Bäume sind
dem sichern Untergange ausgesetzt.
b) Jaeger über Pfirsicheultur.
Wir geben diesen kurzen Artikel unseres
geehrten Freundes, den wir aus eigner Er-
fahrung gegenüber der französischen Me-
thode mittelst Einkneipens der Triebe im
Sommer vollständig bestätigen können.
Herr Jaeger sagt über Pfirsicheultur in
Thüringen:
„Im Sommer bindet man alle Zweige,
welche nicht überflüssig sind, also die nicht
nach hinten und vorn, oder zu dicht stehen,
in entsprechender Richtung an, entspitzt
(pincirt) aber niemals. Im Spätherbst,
wenn die Blätter abfallen, wird der Baum
losgebunden und beschnitten. Die Leit-
zweige werden so zurück geschnitten, wie
es der Platz erlaubt, sıärkere Triebe um
!/, der Länge, schwächere um die Hälfte,
kurze gar nicht. Dann bindet man Aeste
und Zweige wieder an, deckt die Bäume
mit Fichtenreisig. Im Frühjahr fallen die
Nadeln der Deckzweige ab und die Pfirsich-
bäume blühen noch unter der noch nicht
entfernten Deckung.“ -- Der Referent hat
unter ähnlichen Verhältnissen früher den
Schnitt im Frühlinge vorgenommen, wobei
die Deckzweige abgenommen, aber dann
noch zum Schutz bis nach der Blüthe wie-
der vor geheitet wurden. Er geht ferner
mit Herrn Jaeger ganz einig, dass der-
artig behandelte Pfirsichbäume reichlich und
gut ausgebildete Früchte tragen, und wahr-
scheinlich im Winter unempfindlicher gegen
die Kälte sind, als im Sommer pingirte.
Herr Jaeger sagt endlich, dass er
III. Literatur.
durch wiederholtes Entspitzen (Pincgiren) im
Sommer gar keine Erfolge erhalten habe.
c) Frühe Traubensorten. E. Lu-
cas empfiehlt als gute, auch in schlechten
kalten Sommern reifende Traubensorten:
die frühe Malinger Traube, (Beeren
goldgelb), die frühe Leipziger, die
frühe Magdalenen, den Kaisergut-
edel, die Frühe von Saumur, den Ro-
then Gutedel, den Pariser Gutedel
und Jostings St. Alban Traube.
d) Conservirung von Nummerhöl-
zern etc. Prof. Dr. Seelig in Kiel em-
pfiehlt, Etiquetten und Stäbe aus Holz auf
folgende Weise zu behandeln, um sie vor'm
Faulen zu schützen. In 10 Litres kochen-
dem Wasser wird 1 Pfd. Kupfervitriol ge-
löst. Diese Lösung wird warm über die
imprängnirenden Hölzer, die dicht überein-
ander in ein Gefäss eingeschichtet sind, ge-
gossen, so dass letztere noch von der Flüs-
sigkeit bedeckt sind. Sollen letztere nur an
dem Theile, der in den Boden kommt, im-
prägnirt werden, so stellt man sie dicht
neben einander aufrecht in ein Gefäss ein
und giesst die Flüssigkeit nur auf die Höhe
ein, in der solche vor Fäulniss geschützt
werden sollen. Nach 24 Stunden werden
solche aus der Flüssigkeit herausgenommen,
und nachdem sie soweit abgetrocknet, dass
sie sich nicht mehr nass anfühlen, in ähn-
licher Weise in ein anderes Gefäss, das mit
einer gesättigten Lösung von frisch gebrann-
tem Kalk in Wasser gefüllt ist, eingelegt
oder eingestellt. Hier bleiben sie abermals
24 Stunden stehen, worauf man sie ab-
trocknen lässt, um sie nun zu brauchen.
Bei diesem Verfahren vertreibt der Kalk
vermöge seiner grössern Affinität das Kupfer
aus seiner Verbindung mit Schwefelsäure,
um sich selbst zu schwetelsaurem Kalk oder
Gyps zu bilden. Weiches derartig präpa-
rirtes Fichten - und Föhrenholz war, nach-
dem es 3 Jahre im Boden gesteckt hatte,
noch ganz unverändert und gesund. Ebenso
zeigten solche in Blumentöpfe eingesteckte
Etiquetten durchaus keinen schädlichen Ein-
fluss aut die Pflanzen.
e) Der Rothe Stettiner Apfel.
Jaeger theilt mit, dass der Rothe Stettiner
283
in Thüringen immer seltener werde, und
duss ein Exemplar desselben, das er selbst
im Garten habe, immer mehr zurückgehe
und sehr schwache Ernten gebe. Lucas
bestätigt das gleiche Verhältniss für Würt-
temberg. — Während nun aber Jaeger
dies in localen Ursachen sucht und an ein
Zurückgehen oder Aussterben der Obstva-
rietäten in Folge fortgesetzter ungeschlecht-
licher Vermehrung nicht glaubt, sagt zwar
Lucas einerseits, dass der Rothe Stettiner
in Württemberg überhaupt nicht mehr an-
gepflanzt und vermehrt wird, — anderer-
seits sagt er aber auch: „so gut wie Varie-
täten von Zierpflanzen wieder eingehen,
findet das auch bei Obstsorten, nur viel
langsamer statt‘‘ — das ist sehr unklar!
Wir theilen Jaeger’s Ansicht vollkom-
Was Lucas über das Eingehen von
Obstsorten sagt, nennen wir unklar, weil
er auf keinen Grund zurück geht. — Al-
lerdings müssen Obstsorten eingehen, so-
bald solche durch für lokale Verhäitnisse
geeignetere Sorten ersetzt sind und auf sie
desshalb kein Gewicht mehr gelegt wird,
— oder mit andern Worten solche nicht
durch junge kräftige Exemplare ersetzt wer-
den. Ein solches Eingehen wird aber nicht
durch Ausartung bedingt, sondern beruht
auf dem Mangel an Pflege und Nachzucht.
men.
Endlich kann man auch nicht von einer
Obstsorte verlangen, dass sie in allen Lo-
kalitäten die gleichen Vorzüge zeige, die
solche an dem Orte auszeichnet, wo solche
entstanden ist. Unsere nordischen Klaräpfel
werden in mildern Klimaten nie glasig und
behalten bei uns diese Eigenschaft sehr
constant. Die für den Norden Deutschlands
vorzüglichsten Obstsorten können im Süden
Deutschlands angebaut sehr bedeutende Un-
terschiede in Bezug auf Tragbarkeit und
Güte zeigen und umgekehrt. Die Aufgabe
der Pomologie ist es ja gerade, diejenigen
Obstsorten in Folge von Versuchen ausfin-
dig zu machen, die für gegebene locale
Verhältnisse die besten sind. —
Welch mächtigen Einfluss Cultur, Klima,
Boden auf die Ausbildung der gleichen Obst-
sorte übt, das haben wir hier im Norden
in besonders auffallendem Grade zu sehen
284
Gelegenheit. Der edle feine Calvill wird in
unserem unwirthbaren Klima zum kaum
wohlschmeckenden Schlotterapfel, — wir
schliessen daraus aber nicht auf Ausartung,
Aussterben ete.,, — sondern nur darauf,
dass solche Sorten für unser Klima als un-
tauglich nicht angebaut werden können, —
weil in denselben die Bedingungen zur voll-
kommenen Entwickelung nicht vorhanden
sind. —
f) Die Blutlaus. Dieses gefährliche,
von uns mehrfach besprochene Insect richtet
noch fortwährend arge Verheerungen an
Apfel- und Birnbäumen in Baumschulen und
Obstgärten des westlichen Deutschlands und
Frankreichs an. E. Lucas empfiehlt als
sicheres unschädliches Mittel, die mit den
weisswolligen Läusen befallenen Stellen der
Rinde mit Erdöl oder Schieferöl zu über-
streichen. Ein anderes Mittel empfiehlt
A. Delaville, das uns aber ebenso wie
Herrn Lucas als zu gewaltsam erscheint.
Derselbe bürstet erst im Herbst nach dem
Fall des Laubes die befallenen Stellen mit
einer scharfen Bürste ab, badet solche darauf
mit kochendem Wasser, scheidet dann die
verdorbenen Stellen bis auf’s gesunde Holz
aus und badet dann zum zweiten Male mit
kochendem Wasser. — Sollten kochendes
Wasser und die verursachten Wunden nicht
schädlich sein? und ist es nicht rationeller,
mit Lucas gleich beim Auftreten des Uebels
durch Tödten der Insecten zu steuern, an-
statt bis zum kommenden Herbste zu
warten?
g) Ringeln des Weinstocks. Das
Ringeln der Fruchtreben nach der Blüthe
hat im Pomologischen Institute zu Reut-
lingen ganz ausgezeichnete Resultate in Be-
zug auf Ausbildung der Trauben gegeben.
h) Von Bosc über empfehlens-
werthe Apfelsorten. Der Verfasser be-
spricht einige länger bekannte Aepfel und
stellt 3 Russische Sorten voran, die in
Deutschland umgetauft worden sind, näm-
lich den Weissen Astrachan. Wir ver-
muthen, dass dies der gleiche Apfel ist,
der in den ÖOstseeprovinzen allgemein als
Weisser Klarapfel verbreitet ist. In
dem pomologischen Garten des Referenten
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
wird die deutsche und russische Sorte eul-
tivir. Sie trugen aber noch keine Früchte
und so enthält sich derselbe eines Urtheils.
Lucas führt (Illustr. Handbuch I. 87) auch
Naliw als synonym auf. Als Naliw wer-
den aber in Russland sehr verschiedene
Aepfel angebaut, so dass wir auch in Bezug
auf die identische Russische Bezeichnung
noch zurückhalten müssen. Ob der als
Fanarik (Laterne) in Moskau verbreitete
Apfel vielleicht identisch, können wir erst
später entscheiden.
Der zweite Apfel ist Kaiser Alexan-
der oder der von Petersburg bis zum Sü-
den Russlands gebaute Aport. Lucas
(Ill. Handb. I. 109) schreibt Aporta Nali-
wia, das ist falsch, Aport ist der Rus-
sische Namen und Naliwia ist ganz über-
flüssig und unrichtig hinzugesetzt, denn als
Naliw (nicht Naliwia) werden in Russland
überhaupt cicadirende oder Glasäpfel be-
zeichnet.
Als dritter Apfel wird Possart's Na-
liwia genannt (Illustr. Handb. 193). Das
ist der ebenfalls von Petersburg bis zum
Süden Russlands verbreitete Belui Naliw
Russlands, von dem hier viele Spielarten
vorkommen, von denen der Referent nur
die beste in seinem pomologischen Garten
beibehalten hat. Derselbe gehört in Peters-
burg noch zu den verbreitetsten, unseren
härtesten Wintern widerstehenden Aepfeln.
Russland wird ausser diesen 3 Aepfeln
noch manche andere Sorten dem Auslande
liefern können, die diese Aepfelsorten noch
übertreffen dürften. Der Referent cultivirt
schon mehr als 250 Russische Aepfelsorten,
von denen er auch in den letzten Jahren
wiederholt Edelreiser nach Deutschland,
Schweden und England vertheilt hat. Na-
mentlich dürften darunter sich viele für die
rauheren Gegenden Deutschlands sehr werth-
volle Sorten finden.
Als ternere allgemein empfehlenswerthe
Aepfel nennt Von Bose die Weisse Win.
terschafsnase und den Ordens-Apfel-
Ueber das Gedeihen der bessern Aepfel
Deutschlands in Petersburg behält sich der
Referent vor, später Berichte zu geben-
Einstweilen kann derselbe nur sagen, dass
II. Literatur.
nur wenige im andern Europa als dauer-
hafte harte Sorten empfohlene noch in Pe-
tersburg gedeihen. Selbst der in dieser Be-
ziehung so renommirte Gravensteiner
geht hier nicht. Sein Holz erhält nicht die
gehörige Reife und erfriert. Dagegen haben
wir einen dem Grafensteiner sehr ähn-
lichen Apfel (vielleicht die akklimatisirte
Sorte) aus Pskoff erhalten, der unser
Klima noch erträgt.
i) Besprechungen über Obstbau
auf dem Oongress zu Erfurt. Lucas
theilt diese Besprechungen ziemlich einläss-
lich mit. Das Resultat bestand in vorzugs-
weiser Empfehlung der Pyramidenform,
unter den künstlichen Formen der Obst-
bäume. Der Boden muss aber frisch krältig
und gut und nicht zu stark gedüngt sein,
die Aeste sollen einander nicht zu nahe
stehen, damit die Bäume nicht zu dicht
werden. Als frühtragende, leicht auszu-
führende, — aber nicht so haltbare Form,
wird der Cordon genannt. (E. R.)
2) Abhandlungen der Schlesischen
Gesellschaft für vaterländische
Cultur für 1864.
Wir haben regelmässig der für uns in-
teressantern Abhandlungen, dieser an gründ-
lichen und tüchtigen Abhandlungen reichen
Schrift, gedacht. Diesmal erwähnen wir:
1) F. Cohn, über den Staubfall am
22. Januar 1864. Dieser Staubfall fand auf
einer Länge von 40 Meilen und einer Breite
von 11 Meilen in der Provinz Schlesien, und
zwar bei Südwind statt. Cohn hat alle An-
gaben und Beobachtungen exact zusammen-
gestellt und kommt zum Schlusse, dass der
gefallene Staub theils von den Berghalden
der Provinz selbst stammen dürfte, — theils
aber auch vielleicht aus weiterer Entfer-
nung durch die Luft bis nach Schlesien ge-
tragen wurde.
9) Dr. Rosenthal über Giftpflanzen
aus der Familie der Leguminosen. In die-
ser Zusammenstellung figuriren auch manche
in unsern Gärten sehr verbreitete Pflanzen.
Cytisus Laburnum L. enthält in seiner
Rinde und Samen einen scharfen Giftstoff,
den Cytisin, und sind auch schon verschie-
285
dene Vergiftungen in Folge deren Genuss
vorgekommen. Von urserer gewöhnlichen
Robinin Pseudacacia erregt die Wurzel Er-
brechen und Durchfall. Styphnolobium (So-
hora) japonicum enthält in allen Theilen
einen giftigen Stoff, den Kathartin. — Die
berüchtigste Giftpflanze dieser Familie ist
aber die schon von uns besprochene Calabar-
Bohne (Physostigma venenosum Balffour.).
Interessant für Jedermann sind ferner
des Herrn Geheim. Med.-Raths Göppert
Mittheilungen über die Flora des Riesenge-
birges, Dr. Schneider’s Mittheilungen über
Dr. De Barys Untersuchungen über die Ent-
wickelung parasitischer Pilze und
Menge anderer kleinerer Mittheilungen.
eine
Von den Verhandlungen der Section
für Garten- und Obstbau haben wir die
wichtigsten schon früher ausführlicher mit-
getheilt.
3) Siebold,
Japonais,
Indicateur de Jardins
Es ist das eine Publication von Seite
des Gärtners des Herrn von Siebold zu
Leyden, der fast ausschliesslich der Cul-
tur und Einführung von Pflanzen Japan’s
gewidmet ist. Zwei Tafeln geben die Dar-
stellung von Japanischen Miniaturgärten für
das Frühjahr und den Sommer. Kleine
Hausgärten, mit Hügeln, Grotten, Wasser-
parthien etc., geschmückt mit Miniaturpflan-
zen im Geschmack der Japanesen.
In besondern Beilagen stellt nun Sie-
bold Pflanzen zu physiognomischen Gruppen
zur Bildung japanischer Landschaften in
unsern Gärten zusammen. (E. R.)
4) A. Famintzin, die Wirkung des
Lichtes auf das Wachsthum der
keimenden Kresse. Leipzig bei
L. Voss. —
Der Verf. hat eine Reihe von Versuchen
über das Wachsthum der keimenden Kresse
im Dunkeln, im Tageslicht und beim Licht
einer Kerosin-Lampe gemacht; die Resul-
tate seiner Forschung sind:
1) Das Stengelchen (der zwischen Wur-
zeln und Cotyledonen liegende Theil der
286
Keim-Pflanzen), zeigt alle Eigenschaften
eines wirklichen Stengels.
2) Das Stengelchen wächst nur bei der
ersten Entwickelung der gaszen Länge nach,
später aber findet das Wachsthum nur unter
seiner Spitze statt.
3) Im Lichte gesäet entwickelt sich das
Stengelchen, welches oben die Cotyledonen
trägt und am Grunde mit seinen Wurzeln in
die Erde eindringt. Nun entwickelt sich auch
zwischen den Cotyledonarblättern das Knösp-
chen zur Blattrosette und dem Stengel. —
Im Dunkeln ausgesäet wird das Stengelchen
3—6mal länger als im Lichte, das Blattgrün
entwickelt sich nicht und das Knöspchen
kommt nicht zur Entwickelung und die
Entwickelung der Wurzeln nach unten ist
sehr schwach. Die Messung zeigte dem
Herrn Femintzin, dass bis zum Ende der
Keimung im Dunkeln, also nach 11—12 Ta-
gen, die Wurzeln um so weniger gewachsen,
als das Stengelchen um zu viel gewachsen
war, so dass nach 11 Tagen die Länge
von Wurzel und Stengelchen zusammen
gerechnet ungefähr das gleiche Maass heraus-
kam bei den im Dunkeln und im Lichte
gewachsenen Pflanzen, — oder mit andern
Worten, — im Dunkeln keimende Pflanzen
bilden ein 3—6mal längeres Stengelchen —
und eine 3—6mal kürzere Wurzel, als im
Lichte keimende Pflanzen.
4) Ebenso wie das Wachsthum der Wur-
zel ist auch das Wachsthum der Nebenwür-
zelchen vom Lichte beeinflusst. Bei im
Lichte keimenden Pflanzen treibt die Haupt-
wurzel eine Menge von Seitenwurzeln, —
im Dunkeln keimende Pflanzen entwickeln
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
diese Nebenwurzeln aber gar nicht, obgleich
die Rudimente derselben vorhanden sind.
5) Es bestätigen diese Versuche, dass
die erste Entwickelung der Keimpflanze von
den im Samen aufgespeicherten Nahrungs-
stoffen bedingt wird, — dass aber Ent
wickelung des Knöspchens und der Neben-
wurzel schon in Folge der selbstständigen
Aufnahme und Ernährung der jungen Pflanze
vor sich geht.
Im Dunkeln gekeimte Pflanzen ans Licht
gebracht beginnen allmälig normal zu
wachsen, — im Lichte gekeimte Pflanzen
ins Dunkle gestellt wachsen fast gar nicht
mehr.
7) Durch Beleuchtung mit einer Kero-
sinlampe lässt sich eine anscheinend durch-
aus normale Keimung der Kresse erzielen.
| Im gelben Lichte (durch saures chromsaures
Kali durchgehendes Licht), war die Kei-
mung der im vollen Lampenlichte analog,
nur fand gar keine Beugung der Pflanze
nach dem Lichte statt; — im blauen Lichte
(durch Kupferoxyd- Ammoniak hindurch ge-
gangenes Licht), keimt dagegen die Kresse
ganz wie im Dunkeln, nur findet eine starke
Beugung der Pflanze nach dem Lichte statt.
(E. R.)
5) Carl Heinrich Salomon, die Farne
fürs freie Land.
Diese Schrift enthält eine kurze Anlei-
tung zur Cultur der Farn im freien Lande,
worauf das Verzeichniss der in Deutschland
im freien Lande ausdauernden Farn folgt.
Bei jeder Art ist die Synonymie und das
Vaterland angegeben. (E. R.)
IV. Personalnotizen und Neuestes etc.
1) Dr. Seemann, welcher mit einigen
Untersuchungen zu Neu-Segovia und an-
dern weniger bekannten Theilen Central-
Amerika’s beauitragt ist, hat am 2. März
Southampton verlassen und ging über
St, Thomas und Panama nach Realejo am
wo er sich ausschiffen
(Bot. Zeit.)
Grossen Ocean,
wird.
2) Der Nestor der schwedischen Bota-
niker: Christian Stenhammar, Doctor
der Theologie und Philosophie, Probst in
IV. Personalnotizen.
dem Kirchspiel Häradshammer , Mitglied der
schwedischen Akademie der Wissenschaften,
geb. am 18. October 1783, starb am 10. Ja-
nuar d. J. Die Botanik und insbesondere
die Lichenologie hat in ihm einen ihrer
wärmsten Freunde und unermüdlichsten Ar-
beiter verloren. (Regensb. Flora.)
3) Die von Agassiz geleitete wissen-
schaftliche Expeditionzur Erforschung
Südamerika’s hat sich in vier Abthei-
lungen gespalten, deren erste von Agassiz
selbst geführt, das Stromgebiet des Ama-
zonen - Flusses bereist. Eine andere Division
hat die Küste von Bahia bis Rio de Janeiro
und nach Westen bis zum San Francisco,
die dritte, mit der gleichen Südgränze, dem
Wendekreis des Steinbockes, das westlich
von San Francisco gelegene Binnenland zu
untersuchen; das Feld der vierten Division
endlich ist das Gebiet, welches von dem
Wendekreis des Steinbockes, dem Parana
und der Meeresküste eingeschlossen wird.
(Oestr. bot. Zeitschr.)
4) G. Schweinfurth ist von seinen
Reisen im nordöstlichen Afrika glücklich
und wohlbehalten nach seiner Vaterstadt
Riga zurückgekehrt.
5) D. Th. Kotschy, der durch seine
Botanischen Arbeiten und Reisen im Oriente
und in Afrika bekannte Oesterreichische Bo-
taniker, starb kürzlich in Wien. Mit ihm
ist nicht nur ein um die Erforschung der
Pflanzenwelt vielfach verdienter Mann ge-
storben, sondern auch ein Mann, der mit
hingebender Liebe sich dem wissenschaft-
lichen Studium gewidmet, worüber er in
seinen vielfachen interessanten Reiseberich-
ten, in seiner Monographie von Quercus
etc., ebenso viel Zeugen hinterlassen hat.
3) Ferdinand Jühlke ist zum Direc-
tor der Königlichen Landesbaumschule und
Gärtner -Lehranstalt in Sanssouci bei Pots-
dam ernannt worden. Die vom Herrn Di-
rector Jühlke seither in Erfurt betriebene
Gärtnerei und Samenhandlung ist unter der
Firma „Ferdinand Jühlke Nachtolger“
287
an die Herren Putz und Roer überge-
gangen. Die Herren Putz und Roer ha-
ben schen seit vielen Jahren für’s gleiche
Geschäft gearbeitet und das volle Vertrauen,
das unser geehrter Freund Jühlke densel-
ben schenkt, indem er denselben erlaubt,
seinen Namen als Firma zu führen, kann
Jedem eine Garantie sein, dass das betref-
fende Geschäft im gleichen soliden Sinne
fortgeführt wird.
Wir freuen uns, dass die Hohen Be-
hörden in Berlin einen so bewährten und
tüchtigen Mann wie unsern geehrten Freund
Jühlke an diese für den Gartenbau Preu-
sens und Deutschlands so wichtige Stelle
berufen haben. Nur ein Mann, der in glei-
chem Grade wie F. Jühlke praktische und
wissenschaftliche Bildung vereinigt, vermag
als Director der einzigen Gartenbauschule
Deutschlands darauf hin zu wirken, — dass
aus solcher gebildete tüchtige Gärt-
ner (im wahren Sinne des Wortes, d. h.
junge Männer mit hingebender Liebe für’s
Fach, die keiner praktischen Arbeit sich
schämen und ihre wenigen Ruhestunden
zum Theil zu wissenschaftlichen Studien
verwenden) hervorgehen. Jühlke hat selbst
in dieser Weise gelebt, gearbeitet und ge-
wirkt, — die Aufopferung, Hingebung und
Liebe, die er bis jetzt stets und immerdar
für Hebung des Gartenbaues bethätigte,
wird derselbe auch auf seine neue Stellung
zum Segen weiter Kreise übertragen.
In Erfurt gelang es unserem Freunde
als Direetor der Gartenbaugesellschaft all
die vielen intelligenten Kräfte, die Erfurt in
so reichem Maasse im Gebiete des Garten-
baues besitzt, — obgleich solche in steter
Coneurrenz mit einander stehen, — den-
noch zu vereinigen.
Möge es der Energie, der Thatkraft
der Einsicht und Liebenswürdigkeit unseres
geehrten Freundes nun auch gelingen, alle
die ihm in seiner neuen Stellung etwa ent-
gegenstehenden Schwierigkeiten zu beseiti-
gen und die schlimmste aller Klippen für
Gartenbauschulen zu beseitigen, — indem
es ihm gelingen möge, den jungen Leuten
das gleiche Interesse für die praktische, —
288
wie für die wissenschaftliche Seite des Gar-
tenbaues einzuimpfen. (E. R.)
7) Der Professor emer. und wirkl.
Staatsrath A.’von Nordmann, der Bota-
nischen Welt durch die zahlreichen Ent-
deckungen, die derselbe in der Krim, dem
Caucasus und überhaupt im Süden Russ-
lands, an seltenen und neuen Pflanzen
machte, starb am 25. Juni d. J. in Helsing-
fors. Steven benannte nach demselben die
schöne Tanne des Caucasus, die so ge-
schätzte Pinus Nordmanniana. Im Jahre
1865 besuchte Nordmann den Congress zu
Amsterdam und theilte dort eine von ihm
verfasste Biographie von Stevens mit. —
Das Herbarium des K. Botanischen Gartens
in St. Petersburg hat erst vor 2 Jahren von
Nordmann den Rest seiner Sammlungen
aus dem Süden Russlands erworben. Le-
debour ward bei der Bearbeitung seiner
Flora rossica in besonders hohem Grade
von Nordmann durch Mittheilung der von
ihm gesammelten Pflanzen unterstützt.
(E. R.)
8) Dr. Georg Mettenius, Professor
der Botanik in Leipzig, starb am 18. Au-
gust an der Cholera. — So musste diese
Geissel des 19ten Jahrhunderts auch einen
der verdientesten und geistreichsten Forscher
im Gebiete der Botanik dahinraffen und
zwar im 43. Jahre seines Lebens, das noch
so manche schöne Blüthe und Frucht für
die Wissenschaft getragen haben würde.
|
a
5 -
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Wir haben die zahlreichen Werke von
Mettenius in der Gartenflora wiederholt
besprochen. Seine Arbeiten über die Farn,
theils in einem nicht vollendeten Werke,
das bis jetzt einzelne der grösseren Gat-
tungen (Aspidium, Polypodium, Asplenium)
behandelt, — theils in dem Werke über die
im Botanischen Garten zu Leipzig cultivirten
Farn, niedergelegt, — gehören zu den
besten und ausgezeichnetesten Arbeiten in
dieser Richtung. Mettenius verband aber
mit dem Studium der Arten auch das Stu-
dium der Entwickelungsgeschichte und hat
in dieser Beziehung gleichfalls eine Reihe
ausgezeichneter Arbeiten, theils über die
Farn, theils über die Cycadeen etc. publi-
eirt. Sein Name wird daher in der Wissen-
schaft fortleben, der er sein Leben, sein
Streben und sein bedeutendes Talent zuge-
wendet hatte. (E. R.)
9) Aus Woronesch. Im Allgemeinen
Alles gut gediehen, aber Ungeziefer aller
Art hat entsetzliche Verheerungen ange-
richtet. Bombyx Orion und B. dispar ha-
ben ganze Eichenwaldungen kahl gefressen,
die Apfelmotte frass ganze grosse Gärten
kahl, Prunus Padus war von Hypomoneuta
evonymella nicht blos kahl gefressen, son-
dern mit dem Gewebe der Raupen, wie mit
einem weissen Tuch überzogen (in Peters-
burg ebenfalls). Aepfel tragen daher wenig,
Birnen besser, Kirschen ziemlich, Die Pro-
ducte des Feldes sierd alle reichlich vor-
handen. —
. Originalabhandlungen
41) Abgebildete Pflanzen.
a Hydrangea japonica Sieb.
et Zuee dd. ma
erosepala.
(Siehe Tafel 520.)
Hydran
Herr E. Maximowiez führte neben
vielen anderen schönen Pflanzen, na-
mentlich auch mehrere Hydrangeaceen
aus den Gärten Japan’s in den botani-
schen Garten zu Petersburg ein. Einige
derselben wurden schon früher in der
Gartenflora abgebildet. Von 2 ächten
Hydrangea- Arten geben wir in diesem
Hefte die Abbildung.
Die erste derselben ist eine Form
der Hydrangea japonica. Die Hydran-
gea japonica unterscheidet sich durch
die gezähnten Kelchblätter der sterilen
Blumen von den verwandten Arten. In
den Gärten Japan’s gehört solche zu
den Lieblingspflanzen und kommt dort
in zahlreichen Formen vor, Unter
den vom Hrn. Maximowiez eingeführten
Exemplaren fanden sich viele Formen.
Die Vergleichung zeigte, dass die mei-
sten derselben schon früher in Europa
X, 1866,
ge
ace2e.
eingeführt und als Hydrangea japonica
verbreitet wurden.
Wir stellen die im hiesigen Garten
eultivirten Formen folgendermassen fest:
H. japonica Sieb. et Zuce. in
nov. act. Leopold. XIV. pag. 689. —
D. C. prodr. IV. 696.
«&) typica; Blätter aus keilförmigem
Grunde länglich - oval. Sterile
Strahlblumen 4—6, jede mit 4 ver-
kehrt oval rhomboidischen spitz-
lichen Blumenblättern, die weiss
und rosa nüancirt. Fruchtbare
Blumen, rosa. — H. japonica
Sieb. et Zuce. fl. jap. tab. 53. —
Lindleyi; die unteren und ober-
sten Blätter gleich der vorher-
gehenden, die oberen aus abgerun-
detem Grunde oval. Strahlblumen
4—6, jede mit 4 herzförmig-ovalen
spitzliichen Blumenblättern , die
19
ß)
290
y)
ö)
9)
n)
Gartenflora Deutschlands, Russiands und der Schweiz,
weiss und rosa nüancirt. Frucht-
bare Blumen, rosa. H. japonica
Lindl. Bot. Reg. XXX. tab. 61. —
roseo-alba Van Houtte. Blät-
ter aus abgerundetem Grunde fast
herzförmig-oval. Sirahlenblumen
4—6, jede mit 3—5 herzförmigen
zugespitzten Blumenblättern, die
im Gewächshaus cultivirt weiss
und an.der Spitze rosa, im freien
Lande eultivirt schön carminrosa.
Fruchtbare Blumen weiss. H. ja-
ponica rosalba Van Houtte Flore
des serres tab. 1649 — 1650.
Von Van Houtte als einer
schönsten neuen Blüthensträucher
empfohlen. —
mäcrosepala. Der vorhergehen-
den Form sehr nahe, die Blätter
der sterilen Blumen werden aber
bis 1!/3 Zoll breit. Eine schöne
carminrosa Färbung derselben,
stellt sich gleichfalls später bei
der Cultur in freier Luft ein.
Diese neue, von Maximowiez ein-
geführte Form stellt unsere Ab-
bildung dar.
caerulescens. Blätter aus ab-
gerundetem Grunde oval. Strahl-
blumen 4—6, oder zuweilen auch
7—14, mit am Grunde abgerun-
deten ovalen spitzlichen Blumen-
blättern, die weiss und lichtrosa
nüancirt. Fruchtbare Blumen blau.
— H. japonieca var. caerulea Hook.
Bot. Mag. tab. 4253. —
variegata. Es ist das die be-
kannte Abart mit weiss gerandeten
der
Blättern. H. japonica fol. albo-
variegatis Flore des serres tab.
696. — Besitzt zahlreiche sterile
Strahlenblumen.
plena; Blätter aus keilförmigem
Grunde breit oval, zugespitzt. Fast
sämmtliche Blumen der grossen
Blüthencorymbe steril und mit
grossen, den der Strahlenblumen
ähnlichen rosenrothen Kelchblättern
versehen, die zu 4 oder seltener
zu 5 Stehen, sehr gross sind, aus
keilförmigem Grunde breit oval
und vorn spitzlich.
Diese gefüllte Form der H. japo-
nica hat eine ebenso dicht gefüllte
mächtige Corymbe von Blumen, wie un-
sere gewöhnliche H. Hortensia D. C.,
von der sich unsere Pflanze nur noch
durch die gezähnten, sehr grossen
Kelehblätter der sterilen Blumen unter-
scheidet. Diese Form bildet den Ueber-
gang nach Hydrangea Hortensia D. C.,
bei deren üppigeren gut ceultivirten
Exemplaren ebenfalls sterile Blumen
vorkoınmen, wo einzelne der Kelchblät-
ter mit einzelnen Zähnen unterhalb der
Spitze versehen sind. Die enorme
Grösse der einzelnen Blumen unter-
scheidet die gefüllt blühende H. japo-
nica aber noch ausserdem.
Trotz dem sind wir der Ansicht,
dass H. japonica Sieb. et Zucee.
nur die wilde Stammart unserer H.Hor-
tensia D. C. darstellt und dass die For-
men C. und &. die Uebereänge bilden,
dass unsere lortensie als H. japonieca
n. Hortensia aufzuführen wäre,
Von Hydrangea Hortensia
D. C. bilden Siebold und Zuecarini
(Flora jap. tab. 52) eine Form ab, die
in den Gärten Japan’s stets blau blüht
und liegen solcher den Namen H. Otaksa
bei. Herr Maximowicz hat auch diese
Form in den Petersburger Gärten ein-
geführt. Solche ist ganz identisch mit
unserer H. Hortensia, hat aber die Ei-
genthümlichkeit, auch in nicht künstlicher
Erdmischung blaue Blumen zu erzeu-
gen, weshalb wir solche als H, japo-
nica $ Otaksa aufführen. Schliess-
lich noch die Bemerkung, dass wir den
I. Originalabhandlungen.
späteren Namen'H. japonica nur deshalb
beibehalten, weil unter diesem die wilde
Stammart zuerst beschrieben wurde und
andererseits H. Hortensia gerade die
Gartenform am besten bezeichnet.
dt) Hydrangea stellata Sieb.
291
Zu den Formen von H, japonica
dürfte auch H. acuminata Sieb. Zuce,
fl. jap. tab. 56 und 57 fallen.
et Zuee var.
prolifera.
(Siehe Tafel 521.)
Hydrangeaceae
H. siellata Sieb.
tab. 59. — H. foliis e basi rotundata
ovato-oblongis, acutis v. acuminatis,
argute serratis, pubescentibus, oppositis
petiolatis; eymis amplis, terminalibus, nu-
dis, floribus radiantibus numerosis; sepa-
lis flor. radiantium ovato — v. oblon-
go-ellipticis, acutiuseulis,
pallide cyaneis v. roseis, plerumque 10
—15 in quovis flore.
ß) prolifera; foliis acuminatis; cy-
mis amplissimis globosis densiflo-
ris, floribus subomnibus radiatis e
centro flores minores similes 1—5
exscerentibus, sepalis roseis. —
Diese, für die Gärten Europa’s noch
durchaus neue Hydrangea der Gärten
Japan’s bezeichnen wir als die ausge-
zeichnetste Einführung des Hrn. Maxi-
mowiez in tioristischer Beziehung. Es
ist das ein durchaus würdiger Rival un-
serer alten Hortensia, d. h. eine Hy-
drangea mit gefüllter Blume. Der Blü-
thenstand, den wir abbilden, wurde von
einer schwachen Pflanze getragen und
ist es daher zu vermuthen, dass solcher
bei kräftigen Pflanzen wahrhaft colos-
et Zuce. fl. jap.
integerrimis,
sale Verhältnisse zeigen dürfte. Von
der armblumigen Form mit blauen Blu-
men, die Siebold abbildet, zeichnet sich
unsere neue Form durch die Massen
dicht gedrängter Blumen aus, von denen
jede einzelne nicht blos im gewohnten
Sinne des Wortes gefüllt, sondern aus-
serdem aus ihrer Mitte noch 1—5 klei-
nere Blumen entsendet, die wiederum
gefüllt, und anfänglich gelbgrün, später
aber rosa gefärbt sind. — Fruchtbare
Blumen ohne Strahl entwickelte unsere
Pflanze wenig und diese ganz monströs,
im Innern des Blüthenstandes.
Herr Maximowiez erhielt diese
Pflanze aus den Gärten Japan’s,. Nur
ein schwaches Exemplar erreichte Pe-
tersburg in noch lebendem Zustande
und der einzige Stengel, den dieses
Exempiar im Jahre 1865 bildete, trug
im Juni dieses Jahres den abgebildeten
Blüthenstand.
Cultur und Vermehrung beider in
Rede stehenden Arten durchaus gleich
der der gemeinen Hortensia. —
(E. R.)
19 *
292
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
e) Hemerocallis Middendorfii Trautw.
et Mey.
(Siehe Tafel 522.)
Liliaceae.
H. Middendorffii, floribus 3—4 | det sich dadurch sofort von den ande-
in capitulum terminale collectis, nervis
laciniarum interiorum planarum ramosis. | gelben
— Trautv. et Mey. in Fi. och. (Midd.
Reise I. tom. Il.) pag. 94. — Maxim.
prim. fl. am. pag. 286. — Regl. fl. uss.
pag. 153. — H. Dumortieri Morr. hort.
belg. II. pag. 195 Fig. 43. — H. Sie-
boldi H. Siebold.
Eine noch im Petersbnrger Klima
ohne allen Schutz im freien Lande aus-
dauernde Staude, die v. Middendorff
am Ujakon-Busen in Östsibirien ent-
deckte, Dieselbe geht aber von da
längs der Küste bis zur Amurmündung
und südlicher bis Japan.
Dieselbe trägt ihre schönen gold-
gelben Blumen in einem dichten kopf-
förmigen Blüthenstande und unterschei-
ren Arten der Gattung Hemerocallis mit
Blumen. Morren hat solche
später als H. Dumortieri beschrieben
und Siebold hat solche als H. Sieboldi
versendet.
In Cultur ist diese Art ebenso ro-
bust und leicht zu ziehen als H. fulva,
flava und graminea und dürfte sich ganz
besonders zur Verzierung der Ufer von
Teichen und Bächen eignen. Die Farbe
der Blumen ist schöner und glänzender
intensiv goldgelb, als die aller anderen
Arten. Gedeihet in jedem Gartenboden,
blüht in Petersburg im Juni und Juli
und wird durch Samen- und Wurzel-
theilung leicht und schnell vermehrt.
(E. R,)
2) Vierter Nachtrag zu dem alphabetischen Verzeichnisse sämmıt.
licher botanischen und landwirtheachaftlichen Gärten, sowie der
botanischen Museen, Herbarien und verwandten Institute in
allen fünf Weilttheilen, mit Angabe ihres derzeitigen Vorstands-
personals.
Berlin: K. Herbarium. Dr. Ascher-
son nicht Custos, sondern Assistent bei
Adelaide in Südaustralien: Bo-
tanischer Garten. Dr. R. Schomburgk,
Direetor desselben. demselben.
Bamberg: Botanischer Garten. Breslau: Promenade und Park.
Dr. Funk und Dr. Haupt, Vorsteher | Stadtgärtner Lösener.
desselben. Brüssel: Botan. Garten. J. E.
Bommer, conservateur des collections. —
B. Gailly, chef de culture, —
Barcelona: Botanischer Garten.
A, Chaves, hortulanus primarius.
I. Originalabhandlungen.
Darmstadt: G. F. Schnittspahn,
Hofgartendirector, + den 22. December
1865.
Dresden: Botanischer
G. A. Poscharsky, Inspector.
Eldena: Dr. E. Baumstark, Di-
rector der landwirthschaftlichen Akade-
mie. — G. Zarnack, Akad. Gärtner, 7
Ende April 1869.
Frankfurt a. M.: Botanischer
Garten des Senkenbergischen Institutes.
Prof. Dr. Fresenius, Director.
Genf: Botan. Garten. W. Nitzsch-
ner, Inspector.
Görlitz: Städtischer botanischer
Garten. Pack, Conservator.
Hildesheim: Landwirtschaftliche
Lehranstalt. E. Michelsen, Director.
Hochburg im Breisgau: Land-
wirthschaftliche Bildungsanstalt. Jäger,
Vorstand.
Hohenheim:
Forstwirthschaftliche Akademie.
Garten.
K. W. Land- und
Wer-
ner, Director; Ronzelmann, Instituts-
gärtner. !
Jena: Universität. Dr. Hallier,
bisher Privatdocent,, jetzt ausserordentl.
Prof. der Botanik.
Kew: Sir W. Hooker. + den 12.
August 1865. D. Hooker, seit
dem 1. November 1865 Director der K.
Gärten.
London:
Nov. 1865.
Mexico: D, Bilimek, Custos des
Kais, Mexik. Museums.
München: Universität. Dr. Eich-
ler, Privatdocent der Botanik.
Muskau in der Lausitz:
Arboretum. Petzold, Director.
Neapel: hort. reg. G. Gasparrini
horti praefeetus et bot. professor. —
J. A. Pasquale et C. Licopoli, adju-
tores,
Neustadt - Eberswalde:
Dr. Lindley, + den 1.
Grosses
Kgl.
293
Forstlehranstalt. Botanische Forstpartie.
Direetor Prof. Dr. Ratzeburg,
Nikita: H. Zabel, Director.
Odessa: K. Universität. Cien-
kowsky und A. Janowitsch, Prof. der
Botanik,
Pesth: hort. bot. reg. seient. univ.
hung. Dr. F. X. Linzbauer, propaedeu-
matis chirurgiae prof. reg. p. o.h. t.
supplens horti director. — J. Fekete,
hortulanus sodalis primarius.
Pesth: Universität. Dr. L. Ju-
rangi, ausserordentlicher Prof. der Bo-
tanik.
Pesth:
A. von Kubinyi, Director, —
Frivaldsky, Custos.
Petersburg: K. Botan. Garten.
S. Rosanoff, Bibliothekar. — E. Ender,
Obergärtner.
Potsdam: K. Landesbaumschule.
Generalgartendireetor Lenne, 7 den 23.
Januar 1866. — Jühlke, Gartenbau-
director.
Schönbrunn bei Wien: F. An-
toine, Direetor der K. K. Hofgärten.
Siena: hort. bot. A. Tassi, bot.
prof. et horti praefectus. — J. Fabbri,
hortulanus primarius.
Tetschen an der Elbe in Böh-
Treiberei, besonders Orchideen-
Obergärtner E. Lagler.
Tharand: K. S. Akademie für
Forst- und Landwirthe. J. F. Judeich,
K. S. Oberforstrath und Director. (Bis-
her Forstrath und Director der Forst-
lehranstalt zu Weisswasser in Böhmen,
an die Stelle des bisherigen Directors
H. v. Berg).
Tiflis: Dr. G. Radde,
des Kaukasischen Museums.
Weisswajsser in Böhmen: Stän-
dische Forstlehranstalt. Director Prof.
Dr. E. Purkinge.
Wien: Polytechnikum. Professor
Nationalmuseum. Baron
J. von
men:
eultur.
Director
294 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Leyboldt, 7 seit dem 10. Juni 1859.— | botanischer und landwirthschaftlicher
Dr. G. A. Kornhuber , Prof. der Bo- | Gärten oder botan. Museen ete., bei de-
tanik. nen wir unwissentlich falsche oder lücken-
Wien: K, K. Botan. Hofkabinet. | hafte Angaben gemacht, oder die wir
Dr. C. G. T. Kotschy, Custosadjunkt, 7 | unabsichtlich ausgelassen haben, um
den 11. Juni 1866. gütige berichtigende und ergänzende
Indem wir dem Herrn Geheimen | Mittheilungen, damit die für das nächste
Medicinalrathe Dr. Göppert und Herrn | Jahr beabsichtigte neue Ausgabe un-
Dr. Senoner für ihre gütigen Berichti- | seres ‚Alphabetischen Verzeichnisses“
gungen und Ergänzungen unseren ver- | möglichst vollständig werde.
bindlichsten Dank sagen, ersuchen wir | St. Petersburg, den 28, Juni (10, Juli) 1866
nochmals alle diejenigen Herrn Vorstände F. v. Herder.
3) Geschichtliche Notizen über die Entwicklung der Gärtnerei
in Berlin und Potsdam. Von Paul Sorauer.
Wir haben bisher einige der Haupt- | ten Bruchstücke auch schon einigen An-
eulturzweige der Berliner Gärtnerei ken- | spruch auf Werth machen, da ich ausser den
nen gelernt. Obgleich dieselben nun | bereits gedruckten Angaben, schätzens-
noch nicht hinreichen, ein vollständiges | werthe mündliche und schriftliche Beiträge
Bild des hiesigen Betriebes zu geben | gediegener Gärtner erhalten. Bei dieser
und erst durch fortgesetzte Skizzen all- | Gelegenheit mag mir erlaubt sein, denje-
mälig diesem Ziele näher zu kommen |nigen, die mich besonders freundlich und
suchen, so werden sie doch genügt ha- | theilnehmend seit Janger Zeit mit ihrem
ben, das Prineip, das der Berliner | Rathe unterstützt haben, hier Öffentlich
Gärtner befolgt, zu kennzeichnen. zu danken. Es sind dies die Herren
Es dürfte daher jetzt nicht mehr | Inspector Bouche, Herr Hofgärtner Fin-
zu früh erscheinen, auf die Beantwor- | telmann, Herr Obergärtner Gärdt, Herr
tung der Frage etwas näher einzugehen, | Kunstgärtner Kühne und Herr Ober-
wie sich diese Intensität im Gartenbau | gärtner Reinecke.
allmälig aus den ursprünglichen rohen
Anfängen herausgebildet habe.
Die Beantwortung dieser Frage ist Wald- und Torfmoos waren die
eben nicht ganz leicht, da directe Vor- | zwei Erzeugnisse, die in den ältesten
arbeiten in diesem Sinne nicht exi- | Zeiten dem Boden entsprossen, der
stiren und die betreffenden Notizen aus | heute das üppigste Gemüse, die Millio-
grösseren allgemeineren Werken heraus- | nen von Blumenzwiebeln, die prächtig-
gesucht werden mussten. Dass unter sol- |sten Anlagen u. s. w. trägt. — Bis
chen Umständen eine erschöpfende Be- | zum fünften Jahrhundert lebten die Ger-
handlung der Frage noch nicht möglich | manen in den Eichenhainen, die ur-
war, ist selbstverständlich und wohl ent- | sprünglich den feuchteren Bodenpartien
schuldbar; es dürfte aber die hier geliefer- | entsprungen und die erst später durch
I, Originalabhandlungen.
Kiefernwald !ersetzt worden sind. Die
zahlreichen, in der Umgegend gefunde-
nen Arm- und Beinringe, mit denen
versehen der Deutsche nur den heiligen
Hain betreten durfte, sind die Andenken
jener einfachen Zeiten. Als das Rö-
merreich unter Octavianus Augustus
den Cheruskerfürsten Arminius bedrohte,
waren aus der Mark Hülfstruppen nach
Westen gezogen und somit schon damals
die ersten Anfänge zu jener grossen Be-
wegung der Völker gemacht, welche
drei und ein halbes Jahrhundert später
die Geschichte mit dem Namen der Völ-
kerwanderung bezeichnet hat. — Die
verlassenen Wohnsitze der Germanen
in hiesiger Gegend nahmen neue Völ-
kerschaften, die von Osten kamen, ein.
Das Mittelalter fasste sie unter dem Na-
men der Weneden zusammen und ihre
Herrschaft erstreckt sich weit hinaus
nach Westen, wohin sie 562 den Ava-
ren, einem Hunnenreste, Hülfe gegen
die Franken schickten. Letztere aber
drangen, dasChristenthum lehrend, sieg-
reich immer weiter nach Osten vor und
862 kämpfte der König Ludwig wider
den in unserer Heimath herrschenden
König Chotzomvizel, (d. h. den Gothen
ein Weisel), besiegte diesen und setzte
Herzöge hier ein. Dieser Chotzomvizel
soll der Insel Potsdam den Namen ge-
geben haben; denn diese hiess urkund-
lich zuerst: „insula Chotiemvizles“, Die
Hauptmasse der Bevölkerung war immer
noch durch die Wenden gebildet, welche
noch lange durch hartnäckige Kämpfe
die Sieger beunruhigten. Erst 1134 ge-
lang es Albrecht dem Bären aus dem
Hause Anhalt, der von dem Kaiser mit
der Mark belehnt worden war, hier fe-
sten Fuss zu fassen und im ungestörten
Besitze des schwer Erworbenen zu blei-
ben. Nach einigen Geschichtsforschern
soll Albrecht der Bär der Stadt Berlin
295
die 1244 zum ersten Male urkundlich
genannt wird, den Namen gegeben ha-
ben. Der Name Potsdam wird als die
Bezeichnung eines Ortes im Jahre 993
in einer Schenkungsurkunde gebraucht,
die der Kaiser Otto III. ausfertigen liess,
als er die Ortschaften Potstupimi (Pots-
dam) und Geliti (Geltow) seiner Muhme,
einer Aebtissin, vermachte. Kopisch ei-
tirt in seinem anmuthigen Werke, ‚die
königlichen Schlösser und Gärten zu
Potsdam „den Wortlaut der Urkunde:
Potstupimi et Geliti dieta .....».
in insula Chotiemwitzles sita .
etc. und erklärt die Zusammensetzung
des Wortes Potstupimi aus dem Namen
einer alten Butonischen Niederlassung
‚„Pots“ und dem in das slawische dubie
übersetzten deutschen Worte Eichen.
welches der Name einer Burg gewe-
sen ist.
Die Mark erfreute sich einer se-
gensreichen glücklichen Zeit unter der
fast zweihundertjährigen Regierung der
anhaltinischen Linie und namentlich
war es das junge Berlin, das von den
Herrschern begünstigt, sehr schnell em-
porwuchs, bald den älteren Schwestern-
ort Kölln, (wendisch Koln) jetzt noch
Köln am Wasser genannt, überflügelt
hatte und 1253 schon als Muster für
andere junge Städte galt. Bei der nahen
Lage der Grenzen des feindlichen Lan-
des und den nach dem Aussterben der
Herrscher aus der anhaltinischen Linie
hereinbrechenden unruhigen Zeiten ent-
stand bald zum Schutze der Stadt eine
leichte Befestigung, die sich allmählig
zu Stadtmauer und Graben ausbildete.
Unter den jetzt folgenden Herrschern
der Bayerischen und Luxemburgischen
Linie kam die Mark sehr herab und die
Nachrichten, die wir bis zu Anfang des
15. Jahrhunderts über den Culturzustand
der Mark finden. zeigen nur zu deutlich,
Fa er u °
296
dass ein Jeder der Herrscher nur darauf
bedacht war, aus dem oft verpfändeten
Lande soviel Geld als möglich zu zie-
hen, unbekümmert um das Wohlergehen
der Bevölkerung. Es war daher natür-
lich, dass dieselbe mehr und mehr die
Spannkraft zum Schaffen verlor und die
Industrie, die sich durch die Einwande-
rung der Holländer unter den Askaniern
so sehr gehoben hatte, immer mehr zu-
rücksank. In solchem trostlosen Zu-
stande übernahm im Jahre 1412 der
Burggraf Friedrich von Nürnberg, der
vom Kaiser Sigismund zum Verweser
eingesetzt worden war, die Mark. Mit
ihm begann die Reihe der Hohenzollern-
schen Fürsten und für die Mark eine
neue und glorreiche Epoche. Von der
mit Friedrich beginnenden Reihe der
Churfürsten von Brandenburg, die bald
ihren dauernden Sitz in Berlin nahmen,
erbaute Friedrich II., der Eiserne, das
erste Schloss in Berlin und Joachim I.
(1499—1535), der besondere Liebe für
Kunst und Gelehrsamkeit hatte, viele
Künstler und (Gelehrte an seinen Hof
zog, baute sich zuerst eine Burg in
Potsdam, weil er gern dort verweilte.
Sein Nachfolger, Joachim II., legte an
einer Seite der Burg einen dreieckigen
Schlossgarten an, den der Churfüst Jo-
hann Georg 1571 — 98 erweiterte und
durch seinen Amtsschreiber mit einer
Anzahl Obstbäume bepflanzen liess.
Dies sind die ersten Spuren und
Anfänge von den Anlagen, die jetzt zu
den schönsten von Europa gehören und
dies sind die Anfänge der Luxus-Gärt-
nerei überhaupt. Ausser den gewöhn-
lichsten Gemüsen und Früchten wurde
nur Hopfen im Grossen eultivirt und
das damalige Amt von Potsdam besass
einen sehr grossen Hopfen- und zwei
Gemüsegärten; kleinere wurden ausser-
dem an die Bürger gegen Zins verpach-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
tet. Unter dem Churfürsten Joachim
Friedrich 1598— 1608 sehen wir schon
einen 4 Morgen grossen Weinberg (am
jetzigen Brauhausberge) entstehen, der
jährlich gegen 20 Tonnen Wein lieferte.
Die Gemahlin dieses Churfürsten legte
den Grund zu einem grösseren Lustgar-
ten, der durch einen breiten Weg in 2
Theile getheili wurde, in einen grösse-
ren, regelmässig mit Reihen von
Obstbäumen dicht besetzten, und einen
kleineren, südlich gelegenen Theil, der
als Blumengarten benutzt wurde. Die-
ser Blamengarten war ein Netz von sich
rechtwinkelig schneidenden Wegen, zwi-
schen denen kleine Beete je nach der
Jahreszeit mit Anemonen, Narzissen, Ro-
sen, Nelken, Leykoyen, Lack, Lilien und
Astern bepflanzt waren. Zu diesem
Garten war bereits ein churfürstlicher
Gärtner angestellt, der ein Schüler des
Berliner Schlossgärtners Desiderius Cor-
tianus war, In Berlin wurde unter
Joachim Il. (1535-71) der Anfang zum
Thiergarten gemacht und unter seinem
Nachfolger Johann Georg wurde der
jetzt mit dem Namen Lustgarten be-
zeichnete Platz zum Obst- und Gemüse-
garten eingerichtet. Unter den beiden
Nachfolgern Joachim Friedrich’s , unter
Johann Sigismund 1608—1614 und Ge-
org Wilhelm 1619 — 1640 wüthete
der dreissigjährige Krieg, wo bald die
Kaiserlichen, bald die Schweden plün-
dernd und zerstörend die ganze Mark
heimsuchten. Und konnte wohl Jemand
an die Pflege der Künste denken, und
an die Ausbildung der Industrie zu einer
Zeit, wo dem Einwohner von dem mor-
gen nachrückenden Freund das letzte
Stück vielleicht weggeholt wird, das ein
mitleidiger oder übersättigter Feind heute
zurückgelassen? Wir übergehen jene
Zeit der Schrecknisse und beschäftigen
uns mit jenen Thaten, die der Nachfol-
IL. Originalabhandlungen.
ger des 1640 sterbenden Georg Wilhelm,
der grosse Churfürst vollbracht hat.
Die Geschichte ist gerecht und sie
hat nicht umsonst den Churfüsten Frie-
drich Wilhelm den Grossen genannt.
Gross im Kriege und grösser noch im
Frieden, war er der Wiedererwecker,
der Beförderer der Kunst, ein thätiger
Helfer und Gönner der Wissenschaft.
Als der grosse Churfürst die Regierung
antrat, besass er nicht viel mehr als
das Recht, verlornes Land wieder zu
erobern. Er hat mehr gethan, als die-
ses; er hat die Bewohner dieses Lan-
des ‘zu glücklichen Menschen gemacht.
Mitten in den Kämpfen um sein Land
dachte schon der grosse Churfürst da-
ran, sich auf der Insel Potsdam einen
heiteren Aufenthalt zu gründen. Im
Jahre 1664, nachdem er die Erbhuldi-
gung in Preussen angenommen, begann
er auch sofort die Verwirklichung seines
Planes, indem er eine Masse Herrschaf-
ten, die Privateigenthum waren, ankaufte
und Anstalten machte, die verschie-
denen schönen Punkte der Insel
‚Potsdam zu einem organischen
Ganzen zu vereinigen.
Seine erste Sorge war der Bau ei-
nes neuen Stadtschlosses und 1660 liess
er die Thürme und Ringmauern, die die
alte Burg Joachim’s noch umgaben, nie-
derwerfen und errichtete auf dem Grund-
bau der alten Burg ein neues Schloss
mit drei Geschossen, dessen stattliche
Freitreppe die grüne Treppe genannt
wurde. Dieser Name kam von den
Orangenbäumen in Kästen, die auf der
Treppe aufgestellt waren. Der zu dem
Schlosse gehörige Lustgarten war wenig
von den starren Formen der ersten An-
lage abgewichen und scheint auch den
Wünschen des Besitzers entsprochen zu
haben, welcher von hier aus zu den
schönsten Punkten der Umgegend lange
297
Linden-Alleen führen liess, Die schöne
Gegend in der Nähe des Glienicker
Werders regte ihn an, sich dort ein
Lustschloss zu bauen. Nach Kopisch
zerfirlen sämmtliche der Hauptgärten
des grossen Kurfürsten in drei Abthei-
lungen. 1) Ein Oblong von 20 Ruthen
Breite und 52 Ruthen Länge, welches
durch einen Mittelgang und einen ()uer-
gang in 4 Theile zerfiel; die ersten bei-
den Abtheilungen enthielten 2 viereckige
Karpfenteiche, das zweite Oblong 15
Ruthen breit und 33 Ruthen lang, war
durch einen um dasselbe geleiteten Gra-
ben zur völligen Insel gemacht worden
und bildete die nächste Umgebung des
7 Fenster breiten 3stöckigen Schlosses
mit seinen einstöckigen Nebengebäuden.
Das dritte Oblong, 20 Ruthen breit und
105Ruthen lang, hatte an der Südwest-
seite eine grosse Allee. Im Nordwesten
dieser Anlage liess der Churfürst 5000
Bäume pflanzen und auch auf die mit
schönen Eichen bewachsene Pfaueninsel
lenkte er bereits seine Aufmerksamkeit,
indem er dorthin ein Jägerhaus bauen
liess. Eine Hauptsorge blieben für ihn
aber die Weinberge, deren es in der
Umgebung eine bedeutende Anzahl gab
und mit deren Beaufsichtigung die bei-
den damals angestellten Gärtner, von
denen jeder 120 Thaler Gehalt bekam,
beauftragt waren.
Diese Aufsicht musste eine gewis-
senhafte sein, denn der Churfürst war
selbst Gärtner; er pflanzte und veredelte
Obstbäume und man erzählt, dass sein
Feldmarschall Derfflinger, der ihm im
Kriege so treu geholfen, ihm auch im
friedlichen Geschäfte des Pilanzens treu
zur Seite stand. Er erhielt nebst dem
Hausmeister, Herrn v. Schwerin , stets
die ersten Sämereien, besonders von
Gemüsen, die der Churfürst oft ver-
schrieb und diese beiden Männer waren
298
es auch, die mit dem Churfürsten die
ersten Kartoffel zogen.
Unter solchen Umständen konnte
man erwarten, dass der Gartenbau ge-
deihen würde und ces wird uns daher
jetzt weniger überraschen, wenn wir
hören, dass zur Verbesserung der Wein-
berge, die sich rings in der Umgegend
erhoben, der grosse Churfürst edle Wein-
reben vom Rhein, aus Ungarn. Frank-
reich und Italien kommen liess und dass
die Sage geht, es wären im Jahre 1678
im Bereich des Amtes Potsdam 848
Tonnen Wein gezogen worden, Dass
eine solche Ernte kein Ding der Un-
möglichkeit gewesen, wird uns klar,
wenn wir bedenken, dass bei einem sol-
chen Beispiele des Herrschers gewiss die
Unterthanen nicht zurückblieben; so be-
deckte sich dann auch nach urkund-
lichen Ueberlieferungen damals die ganze
Nordseite des heiligen Sees mit Wein-
pflanzungen und man zählte mehrals 1500
Obstbäume allein in den churfürstlichen
Gärten, die schon damals von reichen
Wasserwerken belebt wurden. So fand
man ausser einer Wasserorgel 6 grös-
sere Springbrunnen und um das Schloss
herum 36 kleinere, sowie 27 Caskaden.
kechnen wir nun dazu, dass Garten und
Park mit kleinen Lusthäusern, Statuen
und dgl. erfüllt, dass die Umgegend
durch kleine Schlösser geschmückt war,
dass reiche Alleen den Park umgaben
und gut gepflegte Aecker in der Ferne
dem Beschauer den Anblick des Nütz-
lichen neben dem des Schönen in der
Nähe vorführten, so werden wir es
glaubhaft finden, wenn uns berichtet
wird, dass die Gärten des Churfürsten
Friedrich Wilhelm die ersten in Deutsch-
land, vielleicht sogar die ersten des
ganzen nördlichen Europas waren.
Der Geschmack jener Zeit war im
Gartenstyl der holländische, bei dem
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
sich bereits der Einfluss der französi-
sehen Mode geltend zu machen anfing,
dieselbe breitete sich schnell aus, was
wohl auf Rechnung der vielen Franzo-
sen zu setzen war, welche 1685 durch
die Aufhebung des Ediktes von Nantes
aus ihrem Vaterlande vertrieben, am
preussischen Hofe eine willkommene
Aufnahme fanden.
Für die Verschönerung seiner Re-
sidenz sorgte der grosse Churfürst aus-
ser durch Bauten auch durch die be-
sondere Sorgfalt, die er nebst seiner
Gemahlin dem Lustgarten zuwendete.
Diesem Garten stand der ‚Churfürstlich
Brandenburgische Hoff-Medikus und Gar-
tenvorsteher Sigismund Elsholz‘“ vor
und derselbe veröffentlichte im Jahre
1666 ein Buch über „Gartenbaw oder
Unterricht von der Gärtnerey“, aus dem
wir ersehen, wie ausgebildet die Gar-
teneultur jener Zeit gewesen. Kann
sich der Autor auch noch nicht frei ma- _
chen von der von den Alten geerbten
Ansicht, dass jede Arbeit bei bestimm-
ten Mondphasen gemacht werden müsse,
und erzählt er auch noch von „Drey
zweifelhafften Vermehrungen: durch die
Blume, durch den Saft und durch die
Asche“ einer Pflanze, wie es Theophrast
beschreibt, so sind doch ändrerseits eine
Menge trefilicher Anmerkungen, die auch
jetzt noch ihre Anwendung finden, da-
rin. Die sämmtlichen Geräthe, die der
Verfasser sorgsam abbildet, gleichen fast
ganz den unsrigen. Auch giebt er
Ideen über die Anlage von Glashäusern
bei seiner Beschreibung der beiden
grossen Orangenhäuser, welche sich auf
den beiden Längsseiten des Lustgartens
hinzogen. So räth er z. B. zu beweg-
lichen Fenstern, um während des Som-
mers das ganze Glashaus fortnehmen
zu können und empfiehlt auch das Aus-
pflanzen in den freien Grund innerhalb
I. Originalabhandlungen.
der Häuser. — Als Ursache des Bran-
des an den Obstbäumen gibt er Fol-
gendes an: „Darnach, wenn bey dem
. Versetzten ein Baum seynen stand nicht
wieder kriegen, sondern die braune
Ostseite nach Westen zuwendet, 80
kommt die Nordseite gegen Süden. Weil
nun sotane Nordseite der Mittagssonne
nicht gewöhnet, so wird ihre Rinde aus-
gedörret und vom Holz abgesondert,
auch wohl bissweilen gespalten: Daher
geschieht es, dass der Baumbrand nir-
gend öfter, als an der Südseite der
Bäume gesehen wird. Ist derowegen
bei dem Versetzen der Bäume keines-
wegs gering zu achten.‘ —
Wir sehen, wie sich der Gärtnerei
um diese Zeit die ersten intelligenten
Kräfte zuwandten. Und zu dieser Grund-
lage kamen nun die französischen Gärt-
ner und unter dem Nachfolger des gros-
sen Churfürsten Friedrich III., (später
König Friedrich I.) auch 5—6000 Wal-
lonen aus dem Fürstenthum Oranien,
Der Sinn des neuen Herrschers
für die Kunst liess die intelligenten
Kräfte nicht lange unbenutzt; denn bald
nach seiner Krönung am 18. Januar
1701 liess er breite, schattige Alleen
durch den Thiergatten nach Charlotten-
burg, nach Schönhausen und Friedrichs-
felde (kleine Flecken mit schönen Gär-
ten in der Nähe Berlin’s) anlegen. Unter
ihm entstanden die Akademie der Wis-
senschaften und Künste in Berlin, der
Prachtbau des Schlosses, des Dom’s,
das Zeughaus und die lange Brücke mit
der Statue des grossen Churfürsten.
Auch dem Potsdamer Lustgarten
wendete König Friedrich I. seine Sorge
299
zu und gab ihm seine jetzige Gestalt.
Die Früchte, die damals dort gezogen
wurden, sollen ausgezeichnet gewesen
sein und der benachbarte Hofgarten zu
Bornim zählte z. B, 119 Aprikosen-
bäume, 96 Pfirsich, 158 Weinstöcke,
289 Birnbäume, 203 Kirschen, 2 Cor-
nelkirschen, 1 grossen Maulbeerbaum,
9 Wallnussbäume und 10 Mandelbäume
sowohl am Spalier, als im Freien. Die
Mistbeete waren gut im Stande und
16 gläserne Glocken für Melonen vor-
handen, Auch wird im Potsdamer Ar-
chiv ausserdem eines Blumentopfes aus
Porzellan. 30 irdener Töpfe mit Henkel
und 60 ebensolcher ohne Henkel Er-
wähnung gethan. Die Beete, die be-
sonders reich an Tulpen, waren mit
Buchsbaum umzogen und in der Mitte
eines jeden befanden sich 2 Schneeball-
Bäume. Glashäuser waren hier noch
nicht vorhanden. Die geistreiche Ge-
mahlin des Königs, Sophie Charlotte,
| hatte 1694 von ihrem Gemahl den Ort
Lietzen bei Berlin zum Geschenk er-
halten. Dort entstand jetzt durch den
Baumeister Schlüter ein Schloss und
der Gartenkünstler Le Nötre legte dazu
den grossen Park an, der seit dieser
Zeit ein Lieblingsaufenthalt der König-
lichen Familie geworden und der jetzt
unter seinen ehrwürdigen Bäumen das
Mausoleum schützend birgt, die Ruhe-
stätte der Preussen unvergesslichen Kö-
nigin Louise.
Dieser Ort ist Charlottenburg. des-
sen Name von der ersten Besitzerin des
Schlosses herrührt.
(Fortsetzung felgt.)
300
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
4) Ungewöhnliche Gartenzierpflanzen.
Die Pariser Stadtanlagen, einschliess-
lich Park von Vincennes und Bois de
Boulogne sind gegenwärtig Schulen für
neue Pflanzen-Decorationen, denn dort
werden, so zu sagen, alle Pflanzen pro-
birt, ob sie im Soinmer im freien Lande
gezogen werden können, oder wenig-
stens mit eingesenkten Gefässen zum
Schmucke der Anlagen dienen können.
Solche Versuche sind natürlich höchst
nützlich und eine Schule für die Gär-
ten aller Länder, wo Aehnliches mög-
lich ist. Dass man bei Versuchen auch
auf Pflanzen verfällt, die eine solche
Bevorzugung nicht verdienen, dass das
Gute, alte Bewährte durch die neuen
Fremdlinge unterdrückt wird, ist selbst-
verständlich. Es war aber auch eine
solche Revolution in Paris (also Frank-
reich) recht nothwendig, denn man
musste erstaunen, wie einfürmig früher
der Blumenschmuck in den Pariser Gärten
gehalten war, nicht einfach in der Ver-
wendung, sondern wirklich nur auf ei-
nige wenige Prunkpflanzen beschränkt.
Nach verschiedenseitigen Mittheilungen
zu schliessen, ist man dort jetzt in das
Gegentheil verfallen und artet in Ueber-
füllung und Sucht nach vorwiegend Fremd-
artigem aus, und gefällt sich in barrocken
Verbindungen. Ich glaube auch, dass
die jetzt übertriebene Anwendung der
roth- und weissblätterigen Pflanzen dort
ihren Ursprung hat.
Wenn jetzt alles auf Paris sieht,
so darf man nicht vergessen, dass Ber-
lin und Potsdam schon vor mehr als
30 Jahren eine ähnliche, aber viel ed-
lere Schule war, und es noch jetzt ist.
Schon Gartendirector Otto im könig-
geeignet scheinenden Pflanze und ver-
breitete sie von da in die königlichen
Gärten, wo dann von den königlichen
Hofgärtnern H. Sello, C. und G. Fin-
telmann, Nietner u, a. m. Ver-
suche im Grossen gemacht wurden, die
sie auch mit von anderer Seite erhal-
tenen Pflanzen umfassend anstellten.
Diesen Männern verdanken wir zunächst
die Einführung und Kenntniss der ge-
schmackvollen Verwendung der älteren
Blattpflanzen. Der Nachfolger Otto’s,
Garteninspector C. Bouche&, verfolgte
denselben Zweck, wo möglich noch eifri-
ger und führte seit mehr als 20 Jah-
ren manche der schönsten Zierpilanzen
in die Gärten ein, Ich muss, um Allen
gerecht zu werden, noch einiger Män-
ner gedenken, welche früher Gärtner
des botanischen Gartens, später Ober-
gärtner in Prientgärten wurde, vorzüglich
der Herren Pilder in Wilmersdorf bei
Berlin und Gäerdt im Borsig’schen
Garten zu Moabit, welche seit Anfang
ihrer selbsständigen Stellung nach jeder
Seite hin Versuche mit decorativen
Pflanzen machten und, wenn man 80
sagen darf, die Erfinder mancher jetzt
überall nachgeahmten Pflanzenzusammen-
stellung wurden. Es würde zu weit füh-
‚ wenn ich berichten wollte, was
andere Gärtner, namentlich auch jün-
gere, noch nicht genannte Königliche
Gärtner geleistet haben, und ich be-
merke nur noch, dass Berlin und Pots-
dam in Erfindung neuer Decorationen
und Anwendung neuer Pflanzen in der
angedeuteten Weise fortfahren.
Herr ProfessorK. Koch hat in der
„Wochenschrift für Gärtnerei und Pflan-
ren
lichen botanischen Garten untersuchte | zenkunde“ mehrmals Nachricht von den
den decorativen Werth fast jeder ihm | Pariser Pflanzendecorationen gegeben,
I. Originalabhandlungen,
auch einzelne Anlagen beschrieben. Ich
will die dort genannten Pflanzen nicht
aufzählen, sondern nur die Notizen
eines deutschen Gärtners mittheilen,
‘welcher längere Zeit in den Pariser An-
lagen und in der zur Anzucht der nö-
thigen Blumen bestimmten Gärtnerei im
Boulogner Wald (genannt ,‚‚Muette‘)
gearbeitet hat, wodurch die Aufzählung
in der Wochenschrift vervollständigt
wird.
Vorigen September im
Park von Monceaux eine blühende Musa
Ensete im Freien, allerdings mit dem
Kübel eingesenkt. Grosse Gruppen von
Musa rosacea und chinensis (Cavendishi)
sind sehr gewöhnlich. Solanum
amazonicum, unstreitig das am schön-
- sten blühende dieser Gattung, aber bis-
her fast nur im Warmhause ceultivirt,
schmückte 1865 mehrere Beete und
blühte prächtig. Häufig ist Solanum
marginatum, seltener S. discolor (im
Schatten) angepilanzt. — Häufig sind
die farbigen Coleus Verschaffelti, Achy-
ranthes Verschaffelti (Iresine Herbsti),
Althernanthera paronychioides, Gna-
phalium lanatum, Centaurea ragusina,
Konigia maritima fol. var, Cerastium to-
mentosum, Cineraria maritima. Mit
Cerastium umgiebt man häufig Conife-
ren (was oft wiederholt ziemlich när-
risch aussehen muss). — Hibiscus rosa
sinensis fl. pl. in mehreren Farben,
blühte lange und voll. Von Saccharum
officinale, dem Zuckerrohr, sah man
mächtige Exemplare (was mir wenig-
stens ganz neu ist). — Cassia flori-
bunda und laevigata kommen häufig
vor. Von Fiecus elastica sind ganze
Gruppen angepflanzt. — Hedychium
Gardnerianum blühte dankbar, auch als
junge Pflanze, (blüht nur an jungen
sah man
301
Trieben und schon 1846 bei mir im
Freien). — Von Caladium (Colocasia)
werden ©. DBataviense, antiquorum,
albo-violaceum ete. ausgepflanzt, von Be-
gonia sind ricinifolia, fuchsioides, In-
grami, lueida, Prestoniensis, discolor
sind häufiger als tomentosa,, Rex var.
empereur (magnifica?), xanthina splen-
dens ete. — Von Canna sind alle be-
kannten Sorten ausgepflanzt, darunter
eine sehr grossblätterige Ü. gigantea,
welche von den in Deutschland verbrei-
teten ganz verschieden sein soll.
Was unter Dianthus semperilo-
rens*) mit rothen und weissen Blumen
versteht, welche Nelke dort viele Beete
einnimmt, weiss ich nicht. Cyr-
tanthera magnifica wird als Einfassung
(2 etwas hoch!) benutzt, und von Eu-
calyptus Globulus findet man ganze
Gebüsche. — Das beliebteste Pelargo-
nium zum Auspflanzen ist Gloire de
Paris, welches viel mehr vertragen soil
man
als andere Sorten. Diese auch bei uns
verbreitete , sehr grossdoldige Sorte
wächst etwas hoch und dünn. Sollte
man in Paris vielleicht eine andere Sorte
haben? Ein einziges Haus von diesem
Pelargonium enthielt 10,000 Stück. —
Von Lantanen ist Lantana delicatissima
bevorzugt, welche ganz niedrig bleibt,
von Heliotropien Madame. boulanger,
Madame Michel, Reine d’hiver, Reine des
Sehr beliebt ist Ageratum
coelestinum (Coelestina coerulea) fol.
var., welches niedergehakt viel rei-
cher blühen soll. In Deutschland be-
ginnt diese Pflanze erst im Spätsommer
zu blühen und erfriert olt, wenn sie
am schönsten ist. J.
violettes, —
*) Ein Bastard von unserer Gartennelke.
302
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
5) Das landwirthsechaftliche Nluseum des Ministeriums der
BReiehsdomänen in St. Peiersburg.
Das landwirthschaftliche Museum,
welches in Petersburg seit einigen Jah-
ren eingerichtet worden ist, hat den
Zweck 1) den Landwirthen diejenigen
Gegenstände zur Anschauung zu brin-
gen, mit denen sie sich vornehmlich zu
befassen haben, 2) in Russland zur Ver-
breitung nützlicher landwirthschaftlicher
Geräthschaften und Maschinen beizu-
tragen, 3) russischen Mechanikern Ge-
legenheit zu bieten, die Einrichtung der
in der Landwirthschaft gebräuchlichen
Geräthschaften und Maschinen gründlich
kennen zu lernen, Zeichnungen von
denselben aufzunehmen und sie nachzu-
ahmen , zu welchem Zwecke es erlaubt
ist, gegen ein Pfand Modelle nach Hause
zu nehmen, 4) mittelst in dem Lokale
zu haltender erläuternder Vorträge als
Pflanzschule wissenschaftlicher und prak-
tischer Kenntniss in allen Zweigen land-
wirthschaftlicher Technik in Russland
zu dienen und 5) den mit dem Studium
der Landwirthschaft Beschäftigten die
nöthigen Hülfsmittel als Bücher, Zeich-
nungen, Tabellen ete. an die Hand zu
geben.
A. Mechanische Abtheilung.
Es sind in derselben alle nützlichen
Geräthschaften und Maschinen, von den
einfachsten an bis zu den allerzusam-
mengesetztesten, vertreten. Die einzel-
nen Gegenstände sind durch Etiquetten
mit Angabe der Benennung, des Preises
und Verfertigungsortes bezeichnet. Sie
sind in folgende Unterabtheilungen ver-
theilt:
I. Geräthschaften zur Beackerung.
Amerikanische, deutsche, französi-
sche, englische und russische Pflüge,
Hakenpflüge, Esgen, Schnellpflüge,
Walzen, Apparate zum Schollenzermal-
men u. dgl. m. Ausserdem eine Samm-
lung von Modellen, welche die allmälige
Vervollkommnung der zum Pflügen ge-
brauchten Geräthschaften darstellt.
Geräthschaften zum Besäen des
Ackers.
II.
Sämaschinen, Instrumente zum Se-
tzen, Qultivatoren u. dgl. m.
III. Geräthschaften zur Ernte.
Sensen, Sicheln, Kornschneidema-
schinen, Rechen für Pferdekraft, Heu-
wendmaschinen, Heupressen u. dgl. m.
1V. Geräthschaften zum Dreschen, Wor-
feln und Sortiren der Körner.
Grosse und kleine Dreschmaschinen,
Dreschflegel für Mais und Klee, Sortir-
geräthschaften.
V. Geräthschaften zum Transportiren,
Zwei- und vierspännige Erntewa-
gen, Karren, Wasserkarren, Pflugschlit-
ten u. dgl. m.
Geräthschaften zum Drainiren und
zur Wiesenbearbeitung.
ER
Maschinen zur Drainröhrenberei-
tung, zum Drainiren, Wieseneggen, Mo-
delle der verschiedenen Drainir- und Be-
wässerungsmethoden. f
VII. Geräthschaften zur Verarbeitung
von Produkten der Landwirthschaft.
Pferde- und Dampfmühlen, Wurzel-
und Strohschneidemaschinen, Maschinen
I. Originalabhandlungen.
zum Zerschroten der Oelkuchen, des
Kornes u. dgl. m.
VIII. Motionsapparate.
Wellen, Locomobile,, arbeitendes
Modell einer Dampfmaschine,
IX. Maschinen zum Wasserheben.
Pumpen nach den wichtigsten Sy-
stemen, Pumpenstengel, Klappen; mit-
telst Wasser und der Lenoir’schen Gas-
maschine in Thätigkeit gebrachte Mo-
delle von hydraulischen Rädern, Turbi-
nen und Wasserhebemaschinen.
X. Zubehör der Milchwirthschatt.
Geschirre, Milchmesser, Geräth-
schaften zur Milch- und Käsebereitung
u. dgl. m.
XI.
Geschirr, Joche,
mente u. dgl. m.
Zubehör der Viehwirthschaft.
Veterinär-Instru-
XII. Zubehör der Bienenzucht.
Bienenstöcke nach verschiedenen
Systemen und anderes Geräth.
XIHI. Geräthschaften aus verschiedenen
Zweigen der Landwirthschaft.
Hier sind Gegenstände placirt, die
in den vorigen Gruppen nicht gut un-
tergebracht werden konnten, als: Ma-
schinen zum Wäschereinigen, Bleichen;
Deceimalwagen, Maschinen zum Weben
von Strohmatten , Flachsbrechen, Kno-
ehenmahlen, Holzspalten, Hand- und
Dampfsägen, tragbare Essen u. 8. w.
XIV, Landwirthschaftliche Baulichkei-
ten.
Modelle von Dreschtennen, Dörr-
räumen, Viehhöfen, Schafställen und
dgl. m,
303
XV. Gartenwerkzeuge.
Garten - und Veredlungsmesser,
Baumscheeren, Obstbrecher, Geräthe
zum Pflanzen, Säen u, Ss. w. Die Wir-
kung zusammengesetzler Maschinen wird
durch beigelegte Zeichnungen erläutert,
B. Technische Abtheilung.
Diese Abtheilung sehliesst die in
der Landwirthschaft gebrauchten und
derselben erzielten Produkte der
drei Naturreiche in sich, Ausser den
Fachmann speeciell interessirenden Samm-
lungen finden sich:
von
XVI. Stoffe, die dem Menschen und
den Hausthieren zur Nahrung dienen.
Vorausgestellt ist ein anatomisches
Phantom des menschlichen Körpers, mit.
Angabe des Zahlenverhältnisses der ein-
zelnen Bestandtheile desselben. Die
wichtigsten Nahrungsmittel (in Mengen
von 1 Pfd.) und. daneben ihre Bestand-
theile in denselben Verhältnissen, wie
solche sich in den Nahrungsmitteln finden;
ebenso das Futter der Hausthiere und
dessen Bestandtheile. (Zur leichteren
Bestimmung der Nahrungsfähigkeit aller
dieser Stoffe sind vergleichende Tabellen
beigefügt; ebenso Tabellen über den
Verbrauch gewisser Nahrungsmittel in
verschiedenen Ländern u. s. w.)
XVIl
Sammlung aller europäischer Woll-
sorten (gegen 200 Muster), von ge-
gerbten und rohen Vliessen.
Sammlung von Produkten der wich-
tigsten Hausthiere, nach den Thieren
geordnet, von denen sie kommen. Vom
Rindvieh: Milch, Butter, Käse, Horn,
Knochen, Haut, Leim, u.s. w., vom Pferde:
Haar, Haut u.s.w.; vom Schafe: Wolle,
Gewebe, Schafspelze u. s, w.
Erzeugnisse von Hausthieren.
304
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
XVII. Hülfsmittel zur Naturgeschichte | Wetzsteinen dienen; Muster von plasti-
der Hausthiere.
Abbildungen und Papiermache-Mo-
delle der verschiedenen Racen von Haus-
thieren. (Ueberall !/, nat. Grösse).
Präparate zur Anatomie der Haus-
thiere, theils zum Auseinandernehmen,
theils einzeln, als: vom kranken und
gesunden f'usse des Pferdes, von Pfer-
dezähnen aus verschiedenen Altersstufen,
von Rindsmagen, Ochsenzähnen, u. s. w.
Sammlung ausgestopfter Hausvögel,
besondere der verschiedenen Hühner-
racen.
XIX, Produkte des Pflanzenreichs,
a) Sammlung von in wirthschaft-
licher und technischer Beziehung wich-
tigen Pflanzen. Es sind sowohl die
ganzen Pflanzen, als besondersihre wich-
tigen Theile ausgestellt. Darnach kom-
men die daraus gefertigten Erzeugnisse:
Mehl, Brod, Graupen u. s. w. Beigefügt
sind erläuternde Tabellen.
b) Sammlung von für die Forst-
wirthschaft wiehtigen Pflanzen.
den Bäumen und Sträuchern sind Zweige,
Blüthen, Früchte, Holzdurchchnitte und
die von ihnen gewonnenen Produkte, als
Holzwaaren, Bast, Matten u. s. w. aus-
gestellt.
XX. Produkte des Garten- und Ge-
müsebaues.
Zeichnungen und Modelle der be-
sten Früchte und Gemüse,
XXI. Produkte des Mineralreichs.
Die Gebirgsarten, die zu Mühl- und
Von
schen Thon-Töpferwaaren.
XXIII. Düngstoffe.
Muster der in der Landwirthschaft
gebrauchten Düngstoffe nebst ihren Be-
standtheilen. Ueber die Zahlenverhält-
nisse der Bestandtheile zu einander sind
Tabellen beigefügt.
XXIII. Werke über Landwirthschaft
und ihre Nebenwissenschaften.
Es sind hier die besten in dieser
Richtung in Russland herausgekommenen
Schriften aufgelegt.
XXIV,. Messinstrumente.
Apparate zum Änalysiren verschie-
dener Bodenprodukte, Wollmesser, Mass-
stäbe, Dynamometer, Araeometer für
Jauchen u, dgl. m.
Dieses Museum ist vom Ministerium
der Reichsdomänen gegründet worden
und befindet sich in dem grossen frühe-
ren Exerzierhause gegenüber dem Win-
terpalais in dem Centrum der Stadt.
Als Direetor steht demselben Hr. Nico-
lai Wassiliwitsch Tschernaietf vor. —
Mit dem Museum ist ein Comptoir
verbunden, welches die Ausführung von
Bestellungen auf Maschinen und andere
in das Bereich der Landwirthschaft ein-
schlagende Gegenstände übernimmt.
Montag, Mittwoch und Freitag ist
das Museum dem Publikum ohne Ein-
trittspreis geöffnet.
Ausserdem werden im Museum die
ausgestellten Gegenstände von den An-
gestellten erklärt und Vorträge über
Landwirthschaft gehalten. —
I. Originalabhandlungen.
305
6 Ueber Cyperus alternifolius fol. variegatis und die Erhaltung
buntblätteriger Spielarten.
Eine wirklich schöne Decorations-
pflanze für Gewächshäuser, für Zimmer-
aquarien, — oder auch zum Auspflanzen
an die Ränder von Bassins etc., ist der
Cyperus alternifolius L. aus Madagas-
gar. Die auf den 1—3 Fuss hohen
Schaften schirmförmig gestellten schma-
len grasförmigen Blätter hängen schön
über und geben dieser Pflanze eine so
recht fremdartige Tracht.
Es war daher die Verbreitung der
Abart mit weiss gestreiften Blättern und
oft auch mit rein weissem Schafte durch
Van Houtte wohl zahlreichen Blumen-
freunden, und insbesondere den
Freunden der Aquarien, sehr willkom-
men. Diese Abart wurde vom Gärtner
des Herrn Hänel in Magdeburg, Herrn
Dressler, zufällig erzogen und vom
Herrn Louis Van Houtte verbreitet. So
schön diese weiss panachirte Form nun
auch ist, — so besitzt sie doch den
Fehler, sehr leicht wieder auszuarten
und so mancher, der solche angeschafft,
hat bald an Stelle derselben nur noch
die grüne gewöhnliche Form behalten,
Auch im hiesigen Botanischen Garten
erging es uns So.
Nahrhafte Erde, — und besonders
auch die Vermehrung durch Stecklinge,
scheinen das Ausarten zu bedingen. Man
pflanze daher, um diese Form sich zu
erhalten, solche in kleine Töpfe in eine
magere Heide- oder Torferde und stelle
sie ins Wasser oder in Untersätze mit
Wasser zur Zeit der Triebperiode. End-
lich vermehre man solche nicht durch
Stecklinge, sondern nur durch Theilung
des Wurzelstockes.
Wir haben schon darauf aufmerk-
sam gemacht, dass von Siebold auf
X. 1866.
dem Congress zu Brüssel, eine, wie es
scheint, Lieblings-Idee desselben,
sehr ausgesponnen und ausgemalthat, —
dass nämlich die panachirten Abarten,
in Folge der Ueberführung der Pflanzen
in kältere Klimate, entständen und dass
die zahlreichen Spielarten der Art, die
sich in den Gärten Japans finden, diese
Art der Entstehung hätten.
Wir erwiederten schon auf dem Con-
eress in Brüssel dem Herrn von Siebold,
dass die vielen buntblätterigen Pflanzen,
welehe die Japanesen !cultiviren, sich
einfach dadurch erklärten, dass in Japan
die Mode nicht einen derartigen Einfluss
auf die Cultur der Zierpflanzen bis jetzt
gehabt habe, wie in den Gärten Europas,
wo neue Einführungen stets das Alte
verdrängen und unsere Culturen in Zeit
von wenigen Jahrzehnten einen ganzan-
deren Ausdruck geben. In Japan sind
factisch schon seit Jahrhunderten die
buntblätterigen Spielarten der eigenen
heimischen Pflanzen, von den Garten-
freunden gesucht. So würden zufällig
entstandene Spielarten der Art, dort schon
seit Jahrhunderten in den Gärten zu fixi-
ren versucht und so erklärt sich die ver-
hältnissmässig grosse Masse buntblätte-
riger Pflanzen in Japans Gärten schr
leicht, ohne eine sicher falsche
Hypothese als Grundlage annehmen zu
müssen.
Dass dies wirklich die Ursache ist,
das zeigt der gegenwärtige Zustand un-
serer Culturen sehr deutlich. Kaum
sind panachirte Pflanzen ein beliebter
Modeartikel geworden, und schon
tauchen in unseren Gärten eine ganze
Masse buntblätteriger Abarten von alten
bekannten Pilanzen und selbst von sehr
20
306 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
vielen bei uns wild wachsenden Pflan- | blos der in Rede stehende C. alternifo-
zenarten auf, — und die Masse dersel- | lius leicht wieder zur grünen Stammform
ben wird sich voraussichtlich auch ferner- | zurückkehrt, sondern dass dies sehr viele
hin noch rasch vermehren, — so lange | solcher panachirter Formen zu thun
die Liebhaberei für derartige Pflanzen | pflegen. Zur constanteren Erhaltung
bei uns andauert. derselben haben uns die Gärtner Japans
Die Entstehung der panachirten Ab- | den rationellsten Weg gezeigt, indem
arten ist eine rein zufällige. Es ist da- | dieselben (nach den Mittheilungen des
bei sogar thatsächlich durch eine Menge | Herrn C. Maximowiez, eines durchaus
constatirter Fällenachgewiesen, dass sel- | zuverlässigen Beobachters), diejenigen
ten ein ganzes Exemplar diese Umbil- | Individuen, die zur grünen Stammform
dung von sich aus einging, — Sondern | zurückkehren wollen. recht trocken hal-
dass sich die Panachirung zufällig an |ten und der vollen Einwirkung der Sonne
einzelnen Aesten eines Individuums | aussetzen. Also Entziehung von Nah-
zeigte. Durch Wegschneiden dieser zu- | rung macht zolehe paranchirte Formen
fällig panachirt gewordenen Theile des | constanter und das simmt vollständig
Individuums und ungeschlechtliche Fort- | mit den bei uns gesammelten Erfahrun-
pflanzung derselben durch Stecklinge | gen, indem es vorzugsweise üppig wach-
oder Veredlung, wurden diese Formen | sende Exemplare sind , welche zur grü-
dann erst zu fixiren gesucht. nen Stammform zurückkehren.
Bekannt ist es ferner, dass nicht (E. R.)
%) Cultur der Franciscea-Arten.
Die Franeiscea-Arten sind leicht zu | erlaubt, etwas gelüftet und nur schwach
erziehen und zu cultiviren. Man stellt | beschattet. Ein zur Zeit des Triebes
solche auf einem Tische des niedrigen | von Zeit zu Zeit, etwa alle 10 Tage,
Warmhauses nahe dem Lichte auf und | wiederholter Dungguss, wird einen üppi-
pflanzt sie in eine lockere lehmige Wie- | gen Trieb und zahlreiches Erscheinen
senerde der !/, Heideerde oder Lauberde | kräftiger Blumen, sehr befördern und ist
und wo der Sand in der Erde fehlt, | einer Vermischung der Erde mit verrot-
auch noch Sand beigemischt wird. Mitte | tetem Kuhdünger , sehr vorzuziehen. —
Februar wird vorsichtig verpflanzt und | Sollten einzelne Triebe zu lang werden,
dabei eine starke Scherbenunterlage zum | so wird. deren Spitze ausgekneipt und
Abzug des Wassers gegeben. Um diese | ausserdem müssen junge üppig wach-
Jahreszeit ist es von sehr vortheilhafter | sende Pflanzen nach 8&—10 Wochen zum
Wirkung, wenn man den Topf in ein | zweiten Mal umgepflanzt werden. Bei
erwärmtes Beet einsenken kann, um der | diesem zweiten Umpflanzen wird aber
Pflanze unter Einfluss von Bodenwärme, | der Ballen gar nicht beschädigt, sondern
den Trieb machen zu lassen. Bei hel- | die Pflanze, nachdem nur die Scherben-
lem sonnigem Wetter wird fleissig ge- | unterlage entfernt ist, vorsichtig in einen
spritzt, wenn es die äussere Temperatur | etwas grösseren Topf gepflanzt. Nach
II. Neue Zierpflanzen.
Vollendung des Triebes stellt man die
Pilanze wieder auf einen Tisch oder
Sandbeet, ohne solche einzusenken und
lässt sie so bis zum folgenden Februar
stehen.
Vermehrung durch Stecklinge, die
vom Januar bis zum Juli gesteckt wer-
den. Man wählt hierzu jüngere Zweige,
die unmittelbar unter einem Auge abge-
. schnitten werden und ins warme Ver-
a) Abgebildet im Botanical Maga-
zine.
1) Peperomia marmorata Hook. Pipe-
raceae. Eine vom Sammler der Royal Hor-
tieultural Society, Herrn Weir, aus Südbra-
silien eingeführte buntblätterige Decorations-
pfanze für's Warmhaus, die von den Herren
Veitch u. Sohn alsP. arifolia vertheilt wurde.
Eine durchaus kahle robuste Pflanze, mit
stielrundem verästeltem Stengel. Blätter ge-
genständig, dicht gestellt, fleischig, aus tief
herzförmigem Grunde oval, stumpf, mit über-
einander liegenden Basallappen, oberhalb
braungrün und silberweiss marmorirt, unter-
halb heller, 5nervig. Die 4—6 Zoll langen
schwanzförmigen Blüthenkätzchen fast spi-
tzenständig, stielrund, gestielt. Bracteen
schildförmig, mit verbreiteter kreisrunder
Spitzenfläche und dickem, verkehrt kegel-
förmigem Stiel. Fruchtknoten verkehrt ei-
förmig, drüsig, Narbe fast spitzenständig,
sitzend, scheibenförmig, gewimpert. — Nach
Hooker eine vorzüglich schöne Decorations-
pflanze, die das ganze Jahr hindurch in
vollem Blätterschmuck prangt. —
(Tab. 5568).
2) Ericinella Manni Hook. Evriceae.
Dalton Hooker beschrieb diesen bis 12 Fuss
hohen Strauch, aus der Gruppe der Heide-
kräuter, schon im Journal of the Linn. So-
Neue Zie
30%
mehrungsbeet, oder unter Glocken in
Näpfe gesteckt und in ein Warmbeet
eingesenkt, leicht und schnell sich be-
wurzeln. Wie bei den meisten Steck-
lingen ist es auch hier vorzuziehen, die
Stecklinge in eine übergebrachte Schicht
reinen Flusssandes zu stecken, da sie
im Sand sicherer und schneller, als in
Erde gesteckt, sich bewurzeln,
E, Regel.
rpflanzen.
von G. Mann auf der Westküste von Afrika
in einer Höhe von 10,000 Fuss über’m Meere
auf Fernando Po und bei 4—11,000 Fuss auf
den Cameroons Gebirge, entdeckt. In der
Tracht gleicht dieser zarte Strauch gänzlich
einer Erica. Ein viertheiliger Kelch, von dem
ein Lappen viel grösser als die andern, 4—5
Staubfäden und eine schildförmige Narbe
charakterisiren die Gattung. Ein sehr ästi-
ger Strauch von zartem Wuchs. Aestchen
weichhaarig-ülzig. Blätter schmal linear, zu
4 in Quirlen, kahl. Blüthenstielchen spitzen-
ständiglänger als die Blätter, 3blumig. Blumen
klein, glockenförmig, roth. Staubfäden ein-
geschlossen. Griffel hervorsehend. Cultur
mit den andern Heidekräutern. —
(Tab. 5569.)
3) Polychilos cornu -cervi Kuhl van
Hass! (R®. vSENNOrch Tabak 8 Pha-
laenopsis cornu-cervi Rchb. fill. Xen. Or-
chid. Epiphytische Orchidee von der
Tracht einer Phalaenopsis aus Moulmein.
Blätter stehen am Stengel zweizeilig, leder-
artig, keilförmig-länglich, ungefähr eine
Spanne lang, spitz. Blüthenstiel seiten-
ständig, aufrecht, nach oben keulig verdickt,
die Blumen in einer 6—12 blumigen Traube
tragend, die Blüthenspindel geflügelt. Kelch-
und Blumenblätter länglich-lanzettlich, aus-
gebreitet, spitz, kaum 1 Zoll lang, auf gel-
ben Grunde mit rothen Querstreifen. Die
eiety VI. 16 und VII 203. Derselbe ward | Lippe mit kurzen abgerundeten Seitenlap-
20 *
308
pen und mondförmigen, stark verbreiterten
Spitzenlappen, von weisslicher Farbe, unmit-
telbar in die halbstielrunde verlängerte Grif-
felsäule übergehend, die am Grunde 2 Höcker
trägt. — (Tab. 5570).
4) Tacsonia Van-Volxemii Lem. Eine
der schönsten Passifloren mit scharlachrother
Blume, die die Gartenflora schon besprach. —
(Tab. 5571).
5) Miltonia anceps Rchb. fil. (Rchb. Xen.
Tab. 21. — Odontoglossum anceps Kl. Allg.
Grtztg. 1851.) — Eine epiphytische Orchidee
Brasiliens. Scheinknollen zusammengedrückt,
länglich-oval, tragen je 2 längliche Blätter.
Blüthenstiel zweischneidig mit einer spitzen-
ständigen Blume, etwas länger als die Blät-
ter. Kelch- und Blumenblätter länglich-
lanzettlich, zurück gekrümmt abstehend oli-
venfarbig. Lippe leierförmig weiss und mit
einzelnen Purpurstreifen und Flecken ge-
zeichnet, so lang als die Blumenblätier, am
Grunde behaart und mit 3 kurzen Leisten
auf der Scheibe. Griffelsäule kreisförmig,
gezähnt.
(Tab. 5572.)
6) Mussaenda luteola Delil. (Delile in
Caill. pl. Afrig. 65. Tab. 1. Fig. 1.— D.C.
prodr. IV. pag. 371. — Rubiaceae. — Ein
hübscher Strauch von der Westküste Afrikas,
der gleich den anderen Massaenda - Arten
unserer Gärten, weisse Bracteen besitzt, wel-
che die Dolden gelber Blumen umgeben.
(Tab. 5573.)
b) Abgebildet in Illustration horti-
cole.
7) Dieffenbachia gigantea h. Versch.
Wir haben dieser hübschen Aroidee, die Hr.
Baraquin von den Ufern des Amazonenstro-
mes in den Garten des Hrn. A. Verschaffelt
einführte, schon wiederholt gedacht. Ch.
Lemaire deutet solche, wie es uns scheint,
mit vollem Rechte als eine Abart der aus
den gleichen Gegenden stammenden D. Ba-
raquiniana Ch. Lem., die sich durch längere
weiss marmorirte Blattstiele unterscheidet,
sowie deren längliche grosse Blattfläche,
durch häufigere grosse längliche Silberflecken
zwischen den Venen gezeichnet ist. —
(Tab. 471).
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
8) Comparettia coceineu Lindl. Epi-
phytische niedliche und schöne Orchidee
aus Brasilien. Scheinknollen länglich-spin-
delförmig. Blätter 5-6, meist schmal-lan-
zettlich, spitz. Blüthentrauben achselstän-
dig, 5—7blumig. gracil, spannenlang, die
Blätter überragend. Aeussere und innere
Blüthenhüllblätter klein, oval, fast gleichlang,
aufwärts gerichtet und zusammen neigend,
gelblich-roth; das äusserste obere in einen
eingekrümmten zolllangen dünnen Sporn
ausgehend. Lippe scharlach, fast 3mal so
lang als die Blumenblätter (3/, Zoll lang),
genagelt, am Grunde mit 2 ohrförmigen
kleinen Seitenlappen und 2 kurzen, vom
Sporn der Blumenblätter umhüllten Spor-
nen; der Vorderlappen sehrbreit, quadratisch-
verkehrt herzförmig.
Von dieser schönen und noch sehr sel-
tenen Orchidee erhielt der Garten des Hrn.
A. Verschaffelt Exemplare vom Hrn. Pinel,
die in Brasilien gesammelt wurden. —
(Tab. 472).
9) Camellia Olodia. Blumen gut ge-
füllt, lebhaft scharlach-rosa.
(Tab. 473).
10) Angraecum sesquipedale Aub. Du
Petit Th. (Hist. Orchid. d’Afrique Tab. 66.
— Bot. Mag. Tab. 5113). Schon früher
ward diese Orchidee Madagaskars mit den
mächtigen weissen Blumen nach der eit. Ab-
bildung des Bot. Mag. von uns besprochen.
(Tab. 475).
11) Ficus Carica L. var. du chateau
Kennedy. Eine Abart der Feige, die sich
durch grosse Früchte und ausserordentlich
frühe Reifezeit, auszeichnet. Stammt von
einem Baum, der in den Gewächshäusern
des Schlosses Kennedy in Schottland seit
langer Zeit ceultivirt wird.
(Tab. 476.)
12) Rosa Thea Marechal Niel. Theerose
mit grossen gut gefüllten nanking-farbenen
Blumen. (Tab. 477).
13) Habranthus fulgens Hook. Bereits
erwähnt nach der Abbildung der Bot. Mag.
Tab. 5563. — (Tab. 478).
14) Azalea indica var. Reine des Pays-
bas. Eine ausgezeichnet neue Abart mit
grossen, aus blassrosa in’s weisse überge-
II. Notizen.
henden Blumen, deren obere Blumenblätter
dicht purpur punktirt sind. Erzogen vom
Hrn. Maenhout. (Tab. 479).
15) Dendrobium dixcanthum Rochb. fl.
Erwähnt nach der Abbildung des Bot. Mag.
Tab. 5564. (Tab. 480).
ec) Abgebildet in Belgique horticole.
16) Bigarreau de la Caserne. Eine
Herzkirsche mit enorm grossen Blättern, die
bis 1 Fuss lang und bis ?/, Fuss breit wer-
den. Früchte sehr gross, hellgelb mit rother
Sonnenseite, von vortreffllichem Geschmack.
Diese merkwürdige Abart soll in den Baum-
schulen des Herrn Jacobs in der Nähe von
Malines aus Samen entstanden sein. Hr. E. Mor-
ren macht aber darauf aufmerksam, dass diese
neue Sorte mit einer alten der Vergessenheit
1) Aquarien von Meerpflanzen.
Herr Prof. Ferdinand Cohn berichtete über
seine Versuche, Meeres-Organismen in einem
kleinen See-Aquarium lebend zu erhalten.
Durch die Güte des Präsidenten der zoolo-
gischen Gesellschaft in Hamburg, Herrn
Meyer, und des Custos des dortigen gross-
artigen Aquariums, Mr. W. Alford Lloyd,
hatte derselbe Ende October vorigen Jahres
eirca 60 Pfund Seewasser von Helgoland,
sowie im Januar 1865 eine grosse Sendung
lebender Seepflanzen und Seethiere, meist
von der Südküste von England, erhalten.
Letztere waren in einer Blechkiste mit zahl-
reichen Fächern, ohne Wasser, aber in See-
gras (meist Fucus canaliculatus und Entero-
morpha) sorgfältig verpackt, versendet und
unbeschädigt hier angekommen; diein Was-
ser verschickten Crustaceen und Fische da-
gegen waren bei ihrer Ankunft sämmtlich
todt. Das Seewasser wurde in ein grosses
Glasgefäss (eine grosse Goldfischglocke) auf
eine Schicht von Kies gegossen, die es in
einer Höhe von circa 5 Zoll bei circa 300
309
anheimgefallenen Sorte, der „Tabakblät-
terigen Kirsche“ (Cerasus nicotianifolia)
identisch zu sein scheine, einer Sorte, die
ebenso grosse Blätter besitzt aber selten
Früchte trägt. Diese letztere Kirsche soll aus
der Ukraine stammen und ist von Pallas zuerst
beschrieben worden. Noisette beschreibt
solche als Bigarreau a grandes feuilles in
seinem 1821 erschienenen „Jardin fruitier‘‘
und 1825 als Bigarreautier & feuilles de ta-
bac ou Cerisier des quatre & la livre (Kir-
sche mit Tabakblättern oder Kirsche von
4 auf 1 Pfund. — Nach diesen von unseren
geehrten Herrn Collegen gesammelten No-
tizen- ist es also wahrscheinlich, dass es
diese alte lang bekannte Kirschsorte ist, die
unter einem neuen Namen jetzt verbreitet
wird. — (E. R.)
Notizen.
Quadratzoll Oberfläche bedeckte; es roch
anfangs stark nach Schwefelwasserstoff, doch
verlor dieser Geruch sich bald, das Wasser
wurde völlig klar und durchsichtig, doch
besitzt es eine entschieden gelbliche Farbe.
Die Meer-Organismen wurden in das Aqua-
rium eingesetzt, nachdem das Wasser über
zwei Monate sich selbst überlassen gewesen,
aber durch Entwickelung einzelner Keime
sich mit Diatomeen (insbesondere Amphi-
prora alata) und Entomastaceen sehr reich-
lich erfüllt hatte; die Thiere setzten sich so-
fort an die Glaswände oder an Felsstücke
fest, mit denen der Boden des Gefässes be-
legt war. Das ganze Aquarium befindet
sich in meinem während des Winters ge-
heizten Studirzimmer, dicht am Fenster;
zur Verhütung der Verdunstung ist es mit
einer lose aufliegenden Glasscheibe bedeckt.
Unter diesen Verhältnissen blieb die Tem-
peratur des Meerwassers überaus gleichför-
mig; während die Zimmertemperatur oft an
einem Tage zwischen 2 bis 20 Grad R.
schwankte, variirte die Temperatur des Aqua-
310 Gartenflora Deutschlands,
riums höchstens zwischen 7 und 12 GradR.
Das Wasser ist niemals filtrirt, abgezogen
oder erneuert worden, nichts desto weniger
hat es seine ursprüngliche Klarheit ganz
unverändert behalten. Die einzige Vorsichts-
massregel bestand in der Entfernung der
beim Füttern der Actinien mitrohem Fleisch
von diesen Thieren übrig gelassenen Spei-
sereste vermittelst einer Pincette. Eben so
hat sich der grösste Theil der Seethiere le-
bend erhalten; sie fressen, wachsen und
pflanzen sich in völlig normaler Weise fort.
Nur in den ersten Tagen ging ein Theil der
Thiere in Folge eines im Wasser eingetrete-
nen Fäulnissprocesses zu Grunde, dessen
Ursache ein abgestorbener Seeschwamm war,
der sofort in Verwesung überging. Gäh-
rungs-Infusorien in zahlloser Vermehrung
machten damals das Wasser trübe; Schwe-
felwasserstoff, welcher sich um die verwe-
sende Substanz entwickelte, schwärzte den
Sand und tödtete die Thiere in der Nähe
des Fäulnissherdes. Nach Entfernung des
letzteren wurde das Wasser bald wieder
klar und die Thiere und Pflanzen, welche
jene Katastrophe überlebt hatten, sind fast
sämmtlich noch heute lebendig. Unter er-
steren heben wir hervor: mehrere Varietäten
der Seenelke (Actinoloba Dianthus), der
Seeanemone (Actinia Mesembryanthemum);
einzelne dieser Thiere hat der Vortragende
vor 8 Monaten selbst aus Helgoland mitge-
bracht; ferner das Seemasslieb (Sagartia
bellis), Sagartia viduata, elegans, venusta;
die königliche Eichelkoralle (Balanophyllia
regia), mehrere Arten von Serpula, eine
Seeeichel (Balanus); von Schnecken Littorina
litorea, Nassareticulata, und Purpura Lapillus ;
letztere hat sich durch Eier vermehrt, und
einen Mytilus, der Monate lang sich leben-
dig erhalten hatte, durch Anbohren der
Schale getödtet. Zahllos sind die mikros-
kopischen Organismen, insbesondere Infu-
sorien, Foraminiferen, Entomostraceen, An-
neiden und Bryozoen, Tealia crassicornis,
so wie ein Paar andere Seerosen waren
zeitig abgestorben; desgleichen drei grosse
Sabellen; doch sind statt ihrer ein Paar
kleine Sabellen neuerdings erschienen. Die
Meeralgen haben sich fast sämmtlich erhal-
Russlands und der Schweiz.
ten und weiter entwickelt, darunter eben
sowohl Phycochromaeeae (Spirulina versi-
color n. s., Oscillaria nigra, Beggiatoa gi-
gantea n.s.,) als Chlorospermeae (Derbesia,
Cladophora, Ulva, Phycoseris) Phaeosporeae
(Eetocarpus, Sphacelaria, Cladostephus, Lami-
naria, Fucus) und Florideae (Bornetia, Cocco-
tylus, Ptilota, Delesseria, Hypoglossum, Polyi-
desetc.);eben so viele Arten marinerDiatomeen.
Hr. Lloyd hat sich um die Wissen-
schaft grosses Verdienst erworben, indem
er die Bedingungen kennen lehrte, unter
denen sich grosse Seeaquarien mit einer rei-
chen Bevölkerung, welche ein treues Bild
des Meereslebens im Grossen gewährt, sich
Jahre lang in vollkommen gutem Zustande
erhalten lassen; der vorliegende Versuch
beweist aber, dass auch im Kleinen, ohne
alle complieirte Einrichtungen, der Natur-
freund sich eine Anschauung der wunder-
baren Meeresorganismen, der Forscher aber
mitten im Binnenlande ein reiches Material
für Beobachtungen und Untersuchungen zu
verschaffen vermag, das man bisher nur
durch Aufenthalt an der Küste selbst zu-
gänglich glaubte.
Postserpt. Wir geben diesen Artikel
unseres verehrten Freundes unverändert
wieder, bemerken aber, dass die Professoren
Münter und G. Reichenbach in Amsterdam,
wo Prof. Cohn den gleichen Gegenstand an-
regte, die Möglichkeit bezweifelten, dass das
Seewasser in solchen Aquarien sich so lange
frisch erhalte. Beide Herren führten Erfah-
rungen gegen die Ansicht Prof. Cohn’s an.
Es müssten also zu dem von Prof. Cohn
erhaltenen Erfolge besonders günstige Ver-
hältnisse mitgewirkt haben. Vielleicht liegt
in dem Umstande die Ursache des Gelin-
gens, dass das Seewasser nicht sofort, son-
dern erst nach zwei Monaten mit Pflanzen
und Thieren besetzt wurde. Wir würden
Prof. Cohn sehr dankbar für Mittheilung seiner
ferneren Erfolge sein. (E. R.)
2) Die Erforschung der Portugisischen
Colonie Angola in den Jahren 1850—1860
durch Dr. Fr. Welwitsch.
Die Port. Colonie Angola liegt auf der
Westküste Afrikas, zwischen dem 6. und
16. Grade südlicher Breite und besitzt das für
=
IIL
alle Europäer so mörderisch wirkende Kü-
stenklima dem Dr. Smith und die andern
Begleiter des Dr. Tnckey erlagen, als sie
den Zairo-Strom untersuchen wollten.
Prof. Fenzl giebt in den Sitzungsbe-
riehten der Kais. Akademie der Wissenschaf-
ten zu Wien, einen kurzen, sehr anziehenden
Bericht von Welwitsch’s Aufenthalt in die-
sem ungesunden Lande, wie er von Fieber
und Geschwüren geplagt, dennoch unbeirrt
die Untersuchung des Landes fortsetzte, ja
selbst landeinwärts 250 Meilen vordrang und
endlich im letzten Jahre das nach Osten
liegende, 6000 Fuss über dem Meeresspiegel
liegende Hochplateau besuchte.
Welwitsch entdeckte während
Aufenthaltes in Angola eine grosse Menge
höchst interessanter Pflanzen, — so fand er
hier eine parasitisch wachsende Rhipsalis, —
den ersten Repräsentant der grossen Familie
der Cacteen, dessen Vaterland nicht Ame-
rika ist. Hier fand er auch den in Westin-
dien cultivirten sogenannten Amerikani-
schen Muscatnussbaum (Menodora My-
ristica), der nur durch die Neger nach Ame-
rika gebracht ward, dessen Vaterland aber
jetzt erst von Welwitsch nachgewiesen
wurde. Nicht weniger interessant ist das
Vorkommen einer blaublühenden, im Sumpfe
wachsenden Ouvirandra, und eine zur Gat-
tung Hyphaena gehörenden verästelten
Palme, von der unser Reisende einen 5 Stun-
den langen dichten Wald entdeckte.
Als ganz neue interessante, von Wel-
witsch entdeckte Pflanzenformen, wie solche
fast nur Afrika hervorbringt, ist eine Mu-
sacce zu erwähnen, die auf felsigem zer-
klüftetem Boden ungefähr 2000 Fuss über’m
Meere im Gebirge Pungo Adongo wächst
und einen tonnenartig aufgetriebenen 5—6
Fuss im Durchmesser haltenden Stamm be-
sitzt. Die seltsamste von uns früher schon
besprochene Pflanze, die Welwitsch in An-
gola entdeckte, ist der Tumbo der Einge-
borenen, jener eigenthümliche seltsame
Baumzwerg, den Hooker als Welwitschia
mirabilis beschrieben hat. Dieser Gnome
unter den Bäumen wird wohl mehr als 100
Jahre alt und bildet doch kaum einen einige
Zoll bis 2 Fuss hohen dicken Stamm, der
seines
Notizen.
311
2 mächtige 6—18 Fuss lange breite flache
lederartige, in viele bandförmige Streifen
zerschlitzte und am Boden liegende Blätter
trägt, die so alt als der Baum selbst sind,
d. h. sich nicht erneuern. Die Spitze dieses
Baumzwerges gleicht einer runden, aus 2
Klappen bestehenden warzigen Tischplatte
von 2—4 Fuss Durchmesser, aus deren Um-
kreise jährlich die verzweigten Blüthenstände
hervorbrechen, die carmoisinroth tannen-
zapfenartige weibliche Blüthenkätzchen von
2 Zoll und kleinere _zwitterige
tragen.
Das merkwürdigste und der einzige bis
jetzt bekannte Fall ist der, dass die beiden
einzigen Blätter dieses Baumes die Cotyle-
donen oder Samenblätter sind, welche dieser
Baum als einziges Blattorgan sein ganzes
Leben hindurch trägt. Hooker rechnet die
Welwitschia zur Familie der Gnetaceen, —
wir würden uns nicht wundern, wenn sol-
che noch unter den fossilen Pflanzen der
ältesten Epochen entdeckt würde, so dass
sie gleich den Cycadeen aus uralter Zeit
unserer Erde als abgerissenes Glied einer
ganzen Entwickelungsreihe auf unsere Zeit
als vereinzeltes Monument herabgekommen,
zu betrachten sein würde. Dieser Monstre-
Zwerg, wie ihn Fenzl treffend bezeichnet,
gräbt sich mit seinen dicken Wurzeln tief
in den Boden ein und wächst bei Cabo Ne-
gro (15040. s. Br.) auf einem dürren Bo-
den bei 3—400 Fuss über dem Meere.
Später entdeckte Monteiro bei 14% 20 s.
Br. und Baines und Anderson zwischen
22 und 23° s. Br. die gleiche Pflanze auf
ähnlichen Lokalitäten. Semper aliquid novi
ex Africa rufen Hooker und Fenzl bei Er-
wähnung dieser merkwürdigen Pflanze aus.
Dr. Welwitsch ist aus Steiermark
gebürtig und bereitet jetzt die Herausgabe
seiner Reise vor. (E. R.)
3) Ein essbarer Pilz Sieiliens. Hr.
Prof. J. Inzenga in Palermo gibt im Giorn.
del R. Ist. d’incor. (Ser. 3. Aub. 1. N. 6.
p- 137.) die Beschreibung eines in Sicilien
namentlich auf den Höhen von Nebrodi oder
Madonie nach dem Schmelzen des Schnees
vorkommenden Pilzes, Agaricus nebrodensis
der dem Ag. Eryngii D. C. nahesteht. Dieser
Länge,
312
ist allgemein bekannt, sehr gesucht wegen
seiner Schmackhaftigkeit und doch den Be-
obachtungen der Botaniker entgangen;
Fries, Vittadini und Briganti machen
keine Erwähnung. Findet sich auf faulen-
den Wurzeln von Elaeoselinum asclepium
Tart. von Opoponax Chironium Kch., von
Prangos ferulacea DC. Dieser Pilz wird in
Palermo um sehr theuren Preis verkauft,
da die betreffenden Localitäten von den
Grundeigenthümern den Schwämmesammlern
um hohen Preis verpachtet werden.
4) Mostproben. Baron Babo gibt
in der Land- und Forstwirthschaftl. Zeitung
von Wien (Nr. 7. 1865) eine Liste der Most-
gewichte und der Säuregehalte von Weinen
aus den Versuchsweinbergen in Klosterneu-
burg im Jahre 1864 und bemerkt, dass der
blaue Burgunder am allerbesten, gelber
Ortlieber, weisser Burgunder und weisser
Clevner aber auch vollständig reif geworden
seien, daher diese Rebsorten am meisten an-
gepflanzt werden sollten; Babo bemerkt {er-
ner, dass an einer Mauer gezogene kleine,
eine viel bessere Analyse geboten haben als
jene, die in offenen Weingärten gezogen
waren, indem weisser Riesling vom freien
Lande 16.9 °), Zucker, von der Mauer aber
21 °%, Zucker enthalten habe. Bar. Babo
wünscht daher, dass sämmtliche, in den
Weingärten befindliche Mauern mit Spalieren
versehen werden.
65) Der Amerikanische Thee-
strauch. Amerikanische Zeitungen ent-
hielten die Nachricht, dass ein Chinese in
Pensylvanien den ächten Theestrauch ent-
deckt habe, dass solcher dort in grosser
Ausdehnung wachse und einen vorzüglichen
Thee gebe. Asa Gray theilt im Ameri-
can Journal of Science mit, dass dieser
vermeintliche Theestrauch, der Ceanothus
americanus oder Neu-Jersey Thee sei, der
schon während des Amerikanischen Befrei-
ungskrieges als Thee-Surrogat benutzt ward,
aber freilich einen sehr schlechten Thee lie-
fert. —
6) Die Copulation im Herbste
und über den Erfolg von Frühjahrs-
veredlungen. Oberdieck giebt in der
Monatsschrift für Pomologie einen Berichtüber
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
verschiedene vorgenommene Veredlungen.
Daraus geht hervor, dass im September
auf's schlafende Auge gemachte Copulatio-
nen fast ohne Ausnahme gut anwuchsen.
Die nachfolgenden stärkeren Winterfröste
beeinträchtigen, diese Operation nicht *)
und haben nur dann einen schädlichen Ein-
fluss, wenn dieser überhaupt so hoch steigt,
dass er das jüngere Holz tödtet. Bei den
Steinobstsorten hatte dagegen die Herbstco-
pulation weniger gute Erfolge.
In Betreff der Frühlingscopulation be-
merkt Herr Oberdieck, dass die Witterung
einen grossen Einfluss auf solche zeige. Im
vergangenen Frühjahre habe ein trockenes
Wetter, verbunden mit kalten dörrenden
Winden vorgeherrscht. In Folge dessen seien
viele aufgesetzte Reiser ganz abgetrocknet, —
andere seien in Knospen stehen geblieben
und hätten erst während der Regengüsse im
Juni einen kümmerlichen Trieb gebildet.
Herr O. scheint einen Theil der Schuld auf
die trockenen Winde zu schieben, die bei der
Ausführung der Operation herrschten, indem
dadurch die Schnittflächen von Edelreis und
Wildling zu sehr abtrockneten.
Wir können aus dem Bereich unserer
Erfahrungen versichern, dass überhaupt nur
der Einfluss des trockenen Wetters und der
kalten trockenen Winde diese nachtheilige
Folge bedingten. Hier in Petersburg herr-
schen leider mit Erwachen der Vegetation
die rauhen kalten Ostwinde bei trockenem
Wetter vor. Das Frühjahr ist überhaupt so
kurz, die Entwickelung der Vegetation
nach dem langen Winter so schnell, dass
man in grossen Baumschulen kaum an die
Vornahme der Copulation im freien Lande
stehender Wildlinge denken kann. Wir sind
daher genöthigt, in unserer Baumschule die
Veredlungen im Laufe des Winters vorzu-
nehmen. Die Wildlinge werden zu diesem
*) Wir haben im Herbste 1864 derartige
Versuche in Petersburg gemacht. Nicht eine
einzige der im Herbst im Freiem gemachten
Copulationen, sowie auch der in die Seite
ausgeführten Veredlungen war im Frühling
1865 noch gut.
III.
Behufe in einen frostfreien Erdkeller ein-
geschlagen und dann mit dem Aufgehen
des Bodens im Freien eingepflanzt.
Da viele Tausende von Wildlingen jähr-
_ lich veredelt werden, so dehnt sich auch
das Auspflanzen auf mehrere Wochen aus, —
und der Einfluss des Wetters, das dem
Auspflanzen folgt, macht sich so sehr be-
merklich, dass wir Schulbeete hatten, wo
fast alle Veredlungen angenommen, — wäh-
rend auf andere Schulbeete oft kaum die
Hälfte oder zuweilen noch weniger ange-
wachsen waren. So wuchsen im Frühlinge
1864 die zuerst und die zuletzt eingepflanz-
ten am besten, die in der Zwischenzeit ge-
pflanzten dagegen am schlechtesten. Den
zuerst und zuletzt gepflanzten war milderes
und fruchtbares Wetter, denen in der Zwi-
schenzeit gepflanzten trockenes Wetter mit
kalten dörrenden Winden gefolgt. Von ei-
nem Einfluss der Witterung auf die Ausfüh-
rung der Veredlung selbst kann bei uns
keine Rede sein und die Wurzeln der Wild-
linge konnten beim Einpflanzen nicht leiden,
da sie inLehmbrei eingetaucht und bis zum
Pflanzen in mit nassen Tüchern gedeckten
Körben vor dem Einfluss der trockenen
Winde geschützt werden.
Wir sind hier im hohen Norden ge-
wohnt, uns gegen den Einfluss des rauhen
Klimas bei allem unseren Unternehmungen
schützen zu müssen. Bei Ausführung von
wenigen Veredlungen schützt ein schief
über die Veredlung eingesenkter Tannen-
zweig, — bei Veredlungen in so grosser
Ausdehnung, kann man aber derartige
Schutzmittel nicht anwenden und ist der Er-
folg eben von der Witterung abhängig,
wenn man nicht Umhüllung mit Beuteln
von geöltem Papier anwenden will. —
Unser Obstbau im hohen Norden Russ-
lands liegt noch im Stadium der Entwicke-
lung, — jetzt regt sich aber auch bei uns
allenthalben das Interesse und. die Pomolo-
gische Anstalt des Unterzeichneten macht
es sich zur Aufgabe, in allen Theilen des
Obstbaues Erfahrungen zu sammeln und
Obstbäume in solchen Sorten zu erziehen,
die für unser Klima noch geeignet sind.
Schon jetzt cultivirt solche an 800 Sorten
Notizen.
313
Aepfel und versprechen wir unsern Lesern
alle wichtigeren Erfahrungen mitzutheilen.
Nach dieser Abschweifung zu Oberdick’s
Artikel zurückkehrend, notiren wir aus
solchem, dass derselbe wieder beginnt, sich
bei seinen Veredlungen eines warmflüssigen
Baumwachses zu bedienen, weil das kalt-
flüsssige bei kaltem Wetter so schwer trock-
net. Auf 1 Pfd. Colophonium wird 4 Loth
Wachs und 2— 2!/, Loth Rindertalg oder
auch dicker Terpentin zugegeben. Auch hat
Herr Oberdick wiederholt eine schädliche
Einwirkung des kaltflüssigen Baumwachses
bemerkt. (E. R.)
6) Solandra grandiflora. Im Gar-
deners Chronikle empfiehlt Herr F. Brown
die Cultur dieses alten Bewohners unserer
warmen Gewächshäuser auf das Nachdrück-
lichste. Um solche in ganzer Schönheit zu
sehen, wird die folgende Cultur empfohlen.
— Im April nimmt man eine junge kräftige
Pilanze, verpflanzt solche in eine nahrhafte
Erde und stellt sie in ein niedriges Warm-
haus mit feuchter Atmosphäre, wo man ihr
alle die Sorgfalt zuwendet, die man für
Pflanzen anwendet, die zu einem raschen
üppigen Wachsthume gebracht werden sol-
len. Man verpflanze wiederholt und kneipe
die Spitzen der jungen Aeste über dem 3.
oder 4. Blatte aus.
Am Ende vom Sommer wird die Tem-
peratur erniedrigt und Wasser wird nur
noch sparsam gegeben.
Gar grosse Töpte liebt die Pflanze nicht,
weshalb im nächsten April nur dann ein
abermaliges Verpflanzen vorgenommen wird,
wenn dieses wirklich nothwendig sein
würde. Dagegen müssen die Zweige um
diese Zeit gestutzt werden, woraufdie Pflanze
wieder eine ähnliche Behandlung wie im
Jahre vorher erhält. In der Mitte des Som-
mers wird die Pflanze in ein Kalthaus ge-
stellt und erhält hier nur wenig Wasser.
Sobald die Triebe nun genugsam abgehäfrtet,
stellt man die Pflanze in einer sonnigen
Lage ganz im Freiem auf und hält sie hier
durchaus trocken, bis endlich die Blätter
abfallen, wodurch sich an den kurzen Zwei-
gen die Blumenknospen vorbilden.
Vor dem Eintritt des Frostes wird die
314
Pflanze in einem Warmhause auf der kühl-
sten Stelle aufgestellt und hier vollkommen
trocken gehalten. Erst im nächsten Früh-
linge stellt man solche wieder in der wärm-
sten zum Antreiben bestimmten Abthei-
lung auf, und spritzt anfangs nur bei
hellem Wetter täglich die Zweige. So wer-
den Blätter und Blumen bald erscheinen,
worauf man allmälig anfangen kann von
Neuem Wasser zu geben, bis zuletzt zur
vollständigen Entwickelung des Flors, sogar
einige Dunggüsse gegeben werden können.
Ein ausserordentlich reicher Flor der
grossen gelblichen Blumen ist der Lohn
solch rationeller Behandlung.
Wir machen unsere Leser und beson-
ders jüngere Gärtner auf die mannigfachen
Winke, die hier eine geläuterte Erfahrung
bietet, aufmerksam, die wir in Folgendem
zusammenstellen, nämlich:
a) durch vollkommenen Ruhezustand
und Trockenheit zur Zeit der Ruhe, wird
auf Blumenbildung bei den laubwerienden
Pflanzen hingearbeitet, sofern eine Behand-
lung vorausging, die für kräftige Ausbildung
des Holzes sorgte.
b) Nach dem Ruhezustand und Trocken-
heit sollen die Wassergaben sehr vorsichtig
gereicht werden, bis neue kräftige Vegeta-
tion eingetreten ist. Wie manche kostbare
Pflanze tödtet der Unverstand, durch vor-
schnelles Giessen nach der Ruheperiode
oder wenn ein kränklicher Zustand in Folge
eines längeren Transportes etec., eingetreten
ist. (E. R.)
7) Anfertigung von Conserven
in Jennings-Steingutgefässen.
Die Appert’sche Methode des Conservi-
rens von Nahrungsmitteln.
Die Methode des Aufbewahrens von
Nahrungsmitteln durch Abhalten der Luft
ist die rationellste, einfachste, wohlfeilste
und sicherste.
So vorzüglich die Appert'sche Methode
an und für sich ist, so haben sich in Bezug
auf die dazu verwendeten Blechdosen doch
mancherlei Uebelstände herausgestellt. Das
umständliche und unzuverlässige Verlöthen
der Deckel, das oft vorkommende Rosten
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz,
im Innern der Dosen, der dadurch herbei-
geführte Beigeschmack des Inhaltes, das
Einbüssen der ursprünglichen frischen Farbe
mehrerer Früchte u. s. w., sowie endlich die
später beim Verbrauch der Conserven, mit
dem Oeffnen der Blechdosen verbundene
Schwierigkeit, sind als die wesentlichsten
anzugeben.
Für die mangelhaften Blechdosen einen
Ersatz zu finden, war seit Jahren das eifrig-
ste Bestreben der Fachleute, deren Vor-
schläge jedoch als zweckentsprechend sich
nicht erwiesen, bis durch die von George
Jennings in London im Jahre 1861 gemachte
und patentirte Erfindung der luftdichtschlies-
senden Deckel es ermöglicht ist, Steingut-
gefässe eigens dazu construirter Form, zum
Conserviren der Nahrungsmittel nach der
Appert’schen Methode zu verwenden, wo-
durch allen Mängeln, die sich bei Blechdo-
sen herausgestellt, abgeholfen ist.
Die Jenning’schen Steingut-Gefässe,
Die eigens zu den luftdichtschliessenden
Deckeln verfertigten Gefässe sind in der
Oeffnung, genau mit dem Maas des betref-
fenden Deckels übereinstimmend. Dieselben
aus dem bekannten vorzüglichen,
durch und durch verglasten englischen
Steingut. Diese Gefässe sind ausserdem
durch eine innere und äussere Kieselglasur
vor jeder Einwirkung von Säuren etc. ge-
schützt und sind durch ihre Stärke, sowie
durch ihre Eigenschaft beim Kochen nicht
zu zerspringen, von unvergänglicher Dauer.
Sie haben vor Glasgefässen, gleicher Form,
den Vorzug, den Inhalt vor den nachtheilig
auf denselben wirkenden Lichtstrahlen, so-
wie vor plötzlichen Temperaturwechseln zu
sowie beim Kochen nicht zu
sind
schützen,
springen.
Die Jennings’schen luftdichtschliessen-
den Deckel.
Die Deckel bestehen aus einem runden,
etwas gewölbten Weissblech, in dessen um-
gebogener Kante der äussere Rand eines
Gummi-Ringes luftdicht befestigt ist. Die
innere Seite desDeckels ist durch einen un-
II,
löslichen Gummilack vor
schützt.
Beim Gebrauch obiger Gefässe mit die-
sen Deckeln kehrt man den Gummiring auf-
wärts über die Kante des Deckels, legt den
Deckel auf das zu verschliessende Gefäss,
und zieht den Gummiring über die Kante
des Deckels herunter. Derselbe presst sich,
zufolge seiner Elastieität, so dicht an die
äussere Wandung des Gefässes, dass
Eindringen der Luft zwischen Gummiring
und der äusseren Wandung des Gefässes
unmöglich ist, also ein luftdichter Verschluss
erzielt wird. Beim Oefinen eines solchen
Gefässes lüftet man an einer Seite etwas
den Gummiring, damit die äussere Luft hi-
nein zu dringen vermag, und der Deckel
ist ohne jegliche Schwierigkeit abzuheben.
Der Gummiring ist durch ein eigenes
Vertahren, welches ein Geheimniss des Er-
finders ist, so präparirt, dass er weder
durch das Kochen im Wasserbade, noch
durch Säuren etc. angegriffen wird.
dem Rosten ge-
ein
Die Vorzüge der Jennings’schen Stein-
gut-Gefässe mit luftdicht - schliessenden
Deckeln, im Vergleich zu Blechdosen.
Ausser dem oben Gesagten ist noch
Folgendes zu bemerken.
Die Jennings’schen Steingut-Gefässe mit
luftdichtschliessenden Deckeln kosten weni-
ger als die Blechdosen, inclusive des ersten
Verlöthens. Die Steingefässe sind unver-
gänglich; bei den Deckeln ist, wenn auch
mehr als zweijährige Erfahrungen nicht vor-
liegen, doch anzunehmen, dass dieselben
auf einen Zeitraum von Jahren brauchbar
bleiben und wenn solche dann durch neue
ersetzt werden müssen, so ist die Beschaf-
fung derselben, bei dem geringen Preise,
unwesentlich.
Durch die Umständlichkeit des Verlö-
thens wird namentlich auf dem Lande, wo
der Klempner oft weit herzuholen ist, man-
che Hausfrau davon abgehalten, Gemüse etc.
einzukochen und dieselbe zieht es in vielen
Fällen als vortheilhafter und billiger vor,
die von den Fabriken haltbarer Speisen ver-
käuflichen Conserven zu hohen Preisen zu
kaufen. Dieser Nachtheil fällt bei den Jen-
Notizen.
315
nings’schen Gefässen mit luftdichtschliessen-
den Deckeln gänzlich fort, eine jede Haus-
frau kann zur Zeit, wo die Gemüse und
Früchte am billigsten sind, ihren Bedarf
für das ganze Jahr einkaufen und einkochen
und somit zu jeder Jahreszeit ebenso billige
Gemüse, Früchte etc. als im Sommer und
Herbst haben.
Anleitung, das Verfahren beim Einko-
chen zu erproben.
Den Hausfrauen, denen das Verfahren
des Conservirens von Nahrungsmitteln durch
Abhalten der Luft noch nicht bekannt ist,
sei es empfohlen, kleine Versuche mit Bouil-
lon, Ragout oder andern täglich im Haus-
stande zugänglichen frischen Esswaren, nach
dem unten angegebenen Verfahren, anzu-
stellen. Wenn nach 10—12 Tagen der In-
halt untersucht und gut befunden wird, so
ist solches ein sicherer Beweis, sowohl von
dem richtigen Einkochen, wie auch von der
Zweckmässigkeit der Gefässe und Deckel,
da nach bekannten Erfahrungen, Conserven,
die sich 12 Tage gehalten, auch Jahre hi-
naus vor Verderben geschützt sind.
Das Verfahren beim Einkochen.
Erforderniss eines guten Gelingens ist
es, dass die zum Conserviren bestimmten
Nahrungsmittel vollkommen frisch und un-
verdorben sind und in denselben der Keim
der Säuerung oder Fäulniss nicht schon ent-
wickelt sei.
Alle zum Conserviren bestimmten Nah-
rungsmittel können vorher so zubereitet
werden, als ob sie gleich genossen werden
sollten, doch ist man an diese Bedingung
nicht striete gebunden, wie aus nachstehen-
dem speciellen Nachweis über das Einkochen
der Gemüse und der dabei angegebenen
Abweichungen ersichtlich ist.
Die Nahrungsmittel werden, sobald sie
zubereitet sind, kochend heiss, in die Ge-
fässe bis zum Rande gefüllt, damit keine
Luftblasen entstehen, und nach Auisetzen
der Deckel so wenig Luft als möglich ein-
geschlossen bleibt. Die Gefässe werden
dann sofort mit den Deckeln verschlossen. —
Da die in den Gefässen eingeschlossene
316
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Masse und die darin enthaltene Luft durch | Das specielle Verfahren beim Einkochen
das Erhitzen im Wasserbade sich ausdehnen
und den Deckel abheben würden, da der
Gummiring allein diesem Drucke keinen ge-
nügenden Widerstand zu leisten vermag, so
ist es nothwendig, dass man den Deckel
durch verzinnten Kupfer- oder Eisendrath
in der Weise, wie solches bei moussirenden
Getränken, als Sodawasser etc. geschieht,
befestige. Zu diesem Zwecke und um das
Abgleiten des Drathes zu verhindern, ist
der Hals der Gefässe conisch construirt.
Nach geschehener Befestigung der Deckel
auf die Gefässe, werden dieselben neben-
einander, auf einer Unterlage von etwas
Stroh oder Heu, in einen Kessel gereiht,
dieser mit Wasser so weit gefüllt, dass das-
selbe die Gefässe überragt und in diesem
Wasserbade während 2—3 Stunden anhal-
tend gekocht.
Während des Kochens im Wasserbade
dehnt sich die in dem Gefässe befindliche
Masse dermaassen aus, dass sie das Gefäss
vollständig füllt und dadurch die darin be-
findliche Luft mit aller Kraft gegen den
Blechdeckel presst, welchen abzuheben sie
jedoch nach vorhergegangenem Befestigen
nicht vermag. Auf diese Weise zusammen-
gepresst, entweicht die Luft zwischen dem
Gummiring und der äusseren Wandung des
Gefässes, wodurch das Gefäss nach dem
Kochen im Wasserbade luftleer wird.
Nach Beendigung des Kochens im Was-
serbade und nachdem das Wasser im Kes-
sel, worin solches vor sich gegangen, abge-
kühlt ist, werden die Gefässe herausgenom-
men, abgetrocknet und am besten an einem
kühlen luftigen Ort aufbewahrt.
Ein Abnehmen des Deckeis von den
Gefässen, um den Inhalt zu prüfen, wird
unbedingt ein Verderben der Conserven zur
Folge haben, auch wenn der Deckel sofort
wieder aufgesetzt wird. Es ist daher zu
empfehlen, wenn zu befürchten steht, dass
solches aus Neugierde geschehen könne,
durch Versiegeln oder durch Ueberkleben
von gummirten Etiquetten, welche letztere
sich noch dazu eignen, den Inhalt etc. zu
bezeichnen, dem vorzubeugen.
der Gemüse,
In Nachfolgendem seien speciell einige
verschiedene Bereitungsarten von Gemüsen
angegeben. Die zum Einkochen bestimmten
Gemüse müssen jung, aber doch ausgewach-
sen sein und sobald als thunlich, nachdem
sie abgenommen sind, eingekocht werden.
Spargel.
Der lange Spargel wird, nachdem er
sauber geputzt, am besten roh (weil er
sonst durch das Kochen zu mürbe wird und
zu schwer zu behandeln ist), mit den Köpfen
nach oben in die Gefässe gethan, dasselbe
mit kochendem Wasser bis an den Rand
gefüllt, sofort mit dem Deckel verschlossen,
und damit, wie beschrieben, weiter verfah-
ren. Der gebrochene Spargel kann roh,
wie beim langen Spargel beschrieben, oder
auch vorher gekocht, in die Gefässe gefüllt
werden. In letzterem Falle ist zum Auffül-
len des Gefässes das Wasser, in welchem
die Spargel gekocht sind, zu verwenden.
Erbsen.
Erbsen in Butter. Auf 1 Quart
(Preuss.) ausgebrochene Erbsen nimmt man
1/, Pfd. rein ausgewaschene Butter, mengt
die einmal im Wasser aufgekochten, gut
abgetropften Erbsen (oder auch die rohen
eingekochten) und lässt sie auf schwachem
Feuer, unter wiederholtem Umschwingen,
weich dunsten und füllt sie dann bis an
den Rand recht fest in die Gefässe, ver-
schliesst solche sofort mit dem Deckel und
verfährt wie vorhin beschrieben.
Erbsen in Wasser. Bei diesem Ver-
fahren werden die Erbsen in hinreichendem
Wasser ziemlich gar gekocht, abgetropft,
in die Gefässe gethan und diese mit frischem
kochenden Wasser aufgefüllt, mit dem De-
ckel sofort verschlossen und wie vorhin be-
schrieben, damit weiter verfahren.
Grosse Bohnen.
Bei Bohnen ist hauptsächlich darauf zu
achten, dass ganz junge Bohnen genommen
werden, weil andere die Farbe verändern.
IT. Notizen,
. Das Einkochen der Bohnen ist demje-
nigen der Erbsen vollkommen gleich, und
nach der, bei diesen beschriebenen Art, zu
"verfahren.
Schnittbohnen, Brechbohnen und Spinat.
Diese Gemüse müssen jedenfalls blan-
chirt, das Wasser rein abgetropft, dann in
die Gefässe gethan und diese mit frischem
kochenden Wasser autgefüllt, sogleich ver-
schlossen und wie oben weiter damit ver-
fahren werden.
Verfahren beim Einkochen von Suppen,
Wild, Ragout’s, Pasteten und Fischen,
Alle diese Speisen werden vorher ganz
in derselben Weise zubereitet, als wenn sie
gleich genossen werden sollten, werden heiss
in die Gefässe gethan und diese bis zum
Rande gefüllt, sogleich verschlossen und
in der vorher angegebenen Weise damit
weiter verfahren.
Das Einmachen von Früchten.
Bei den vielen verschiedenen Arten des
Einmachens der Früchte würde es zu weit
führen, dieselben einzeln aufzuführen. Es
ist hauptsächlich nur darauf hinzuweisen,
wie solches auch immer ausgeführt werde,
dass die Gefässe bis zum Rande gefüllt
werden, sofort verschlossen und wie be-
schrieben im Wasserbade gekocht werden.
Anderweitige Verwendung der Jennings’-
schen Steingut-Gefässe mit luftdicht-
schliessenden Deckeln als zum Conser-
viren von Nahrungsmitteln,
Die Jennings’schen Steingut-Gefässe mit
luftdichtschliessenden Deckeln sind im Haus-
stande, ausser der Verwendung zum Con-
serviren von Nahrungsmitteln ihrer Billigkeit
und fortdauernden Verwendbarkeit wegen
noch in allen Fällen mit Nutzen zu gebrau-
chen, wo sonst zum Verschluss Papier,
Schweinsblase etc. verwendet wird.
8) Obstbaumschule der Schlesi-
schen Gesellschaft für Vaterländi-
sche Cultur. In der Sitzung der Gesell-
schaft am 18. Octbr. wurden noch Exem-
317
plare vorgelegt von dem in der vorigen
Sitzung zum Druck bewilligten Verzeichniss
richtig benannter Obstbaum - und Strauch-
sorten, welche aus dem mit Unterstützung
eines hohen königl. landwirthschaftlichen
Ministeriums gepflegten Garten der Section
für Obst- und Gartenbau (Matthiasstr. 90),
der Schlesischen Gesellschaft für vaterlän-
dische Cultur zu Breslau im Herbst 1865
und - Frühjahr 1866 unter den darin ange-
führten Bedingungen, für Mitglieder dieser
Section aber mit einer Preissermässigung
von 25 Proz., käuflich zu haben sind und
solche, welche ausserordentliche Beiträge
für diesen Garten leisten, noch besondere
Berücksichtigung erfahren, auch Edelreiser
gratis erhalten. In diesem Verzeichniss
sind die Arten der verschiedenen Frucht-
gattungen, nach den in dem vorjährigen
Verzeichniss zur Anwendung gebrachten
Systemen geordnet und mit denihnen, nach
dem illustrirtten Handbuch für Obstkunde
von Jahn, Lucas und Oberdieck zukommen-
den richtigen Namen aufgeführt, in verkäuf-
lichen 98 Sorten Aepfel, 77 Sorten Birnen,
3 Sorten Kirschen, 17 Sorten Pflaumen, 15
Sorten Aprikosen und Pfirsichen, 31 Sorten
Weinreben und 62 Sorten Stachel-, Johan-
nis-, Himbeeren und Erdbeeren, welche aus
den sichersten und besten Quellen in dem
Garten der Section sorgfältig unter richtigen
Namen cultivirt und erhalten werden. Den
Namen der Baumobst-Sorten ist diesmal
nicht allein die Bezeichnung, in welcher
Form die jungen Stämmchen abgebbar sind,
die üblichsten Synonyma für dieselben, wie
auch die Zeit der Reife und Dauer der
Früchte, sondern auch, welche Sorten auf
den deutschen Pomologen- Versammlungen
besonders zu allgemeinem Anbau empfohlen
wurden, und ferner Angaben über deren
Werth als Tafel- oder Wirthschaftsobst, Ei-
genschaften der Bäume selbst und deren
geeignete Standorte hinzugefügt. Das Ver-
zeichniss ist von dem Secretär Herrn E. H,
Müller stets zu beziehen.
Es ist ein erfreuliches Zeichen, dass in
Deutschland die hohe Wichtigkeit des Obst-
baues für die Landescultur immer mehr er-
kannt wird, dass solche von allen Vereinen
318
befördert und namentlich in Preussen, jetzt
auch vom Landwirthschaftlichen Ministerium
kräftig unterstützt wird.
(E. R.)
9) Hibiscus Moscheutos zur Pa-
pierfabrikation. Derselbe wächst in
den Sümpfen der südlichen Staaten Nord-
amerikas wild. Seine Wurzeln dauern aus
und seine 4—7 Fuss hohen Stengel enthal-
ten ein zur Papierfabrikation sehr geeignetes
Fasergewebe. In Nordamerika hat man
schon begonnen, diese Pflanze zu diesem
Zwecke anzubauen. (Flora.)
12) Gyneriumargenteum, dasPam-
pasgras zu kräftiger Entwickelung
und in reichliche Blüthe zu brin-
gen. Herr Buckstein zu Gross-Bartensleben
schlägt hierzu in Neuberts Magazin die fol-
gende Cultur vor, die uns sehr nachah-
mungswerth erscheint und in ihren Grund-
zügen bei allen Blattpflanzen vorzügliche
kesultate haben dürfte. Zeitig im Frühlinge
oder auch schon im Winter, werden 6 Fuss
tiefe und 7 Fuss im Quadrat haltende Lö-
cher ausgegraben und die ausgebrachte Erde
fortgeschafitt. Auf den Boden der Grube
kommt nun eine 2 Fuss hohe Lage von
Steinen, die lose über einander gelegt wer-
den, damit zahlreiche Lufträume zwischen
den Steinen bleiben. Dann werden !/, Fuss
hoch kleinere Steine übergebracht, um das
Durchiallen der Erde zu hindern. In diese
Lage werden 2zöllige Drainröhren eingelegt
und durch aufrecht stehende Röhren, die
1/, Fuss über den Boden hervorragen mit
der äusseren Luft in Verbindung gesetzt,
um auf diese Weise eine vollständige Bo-
denlüftung zu vermitteln. Ueber die Steine
kommt nun zunächst 1 Fuss hoch kurzer
Mist und der obere Theil der Grube wird
mit einer Mischung von 1 Theil Moorerde,
1 Theil Lauberde mit Sand und ein Theil
verrotteter Kuhdüngererde aufgefüllt. In die
Mitte der Grube wird nun ein starkes Exem-
plar des Gynerium gepflanzt und anfangs
schwach angegossen, bis es zu wachsen be-
ginnt. Von jetzt an erhält die Pflanze aber
wöchentlich dreimal einen starken Guss mit
einer schwachen Auflösung von Guano und
Hornspänen.
Ausserdem werden noch von.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Zeit zur Zeit zur besseren Erwärmung des
Bodens 3—4 Giesskannen voll kochenden
Salzwassers in die Röhren eingegossen,
Auf diese Weise hat Hr. B. üppig blühende
Exemplare dieses schönen Grases in wahr-
haft gigantischen Verhältnissen erzogen, —
freilich nicht ohne Mühe und Kosten, wie
viele unserer Leser denken werden. —
11) Anzucht von Zwetschenbäu-
men aus Samen. Die Zwetschensteine
pflegen bei der Aussaat nicht gut aufzu-
gehen. Man benutzt daher meist Ausläufer
zur Erziehung der Zwetschenbäume in Baum-
schulen. Durch Aussaat erhält man aber
schönere kräftigere Stämme. Nach. einer
Einsendung des Herrn Koppe in Neuberts
vielgelesener Monatsschrift verfahre man in
folgender Weise. Im Herbst werden die
Zwetschenstämme, sowie man solche frisch
bei der Verwendung der Früchte erhält, so-
fort in Kästen in feuchten Sand schichten-
weis eingeschichtet und im Keller bis zum
nächsten Frühlinge aufbewahrt. Im. Früh-
linge legt man solche auf gut rijolten etwas
feuchten Boden, wo sie sämmtlich bald
keimen werden. Im nächsten Frühlinge
pflanzt man die jungen Pflanzen in einen
Abstand von 1'/, Fuss in 2 Fuss von einan-
der entfernten Reihen auf rijoltem Boden
und giesst anfänglich bei trockenem Wetter.
Im folgenden Frühjahr schneidet man solche
am besten auf 2—5 ZollHöhe über den Bo-
den zurück und lässt alle Triebe gehen,
um dann im folgenden Jahre die schwä-
cheren fort zu schneiden und aus dem stärk-
sten Trieb den Stamm zu erziehen. — Ne-
ben diese Culturmethode des Herrn Koppe
stellen wir die vom Herrn F. Luckow, wel-
che obigen Resultaten theils widerspricht
und vom Hrn. Lucas in der Pomologischen
Monatsschrift bestätigt wird.
Herr Luckow hatte das gleiche gute Re-
sultat mit der Anzucht der Zwetschen aus
Steinen. Auck er nimmt die Steine aus gut
gereiften Zwetschen im Herbst, reinigt sol-
che sofort in Wasser und säet sie dann
entweder sofort aus oder schichtet sie in
Sand bis zum Frühling ein. Beide Metho-
den hatten gleich guten Erfolg. Herr Lu-
ckow weist noch darauf hin, dass die aus
IV. Literatur.
den Zwetschen genommenen Steine nicht
etwa mit dem theils an solchen hängenden
Fleische erst aufHaufen liegen bleiben dür-
fen, indem sie hier in Gährung kommen
und die Keimkraft verlieren. —
Bis hierher stimmen die Erfahrungen
beider überein, nun aber tritt der grosse Un-
terschied ein, dass es Herrn Luckow nicht
gelang, aus den jungen, aus Samen erzoge-
nen Zwetschenbäumehen Hochstämme zu
erziehen, da solche trotz wiederholten Zu-
rückschneidens im Frühling bis nahe an die
Erde, — trotz des Einstutzens der Seiten-
zweige etc., einen strauchartigen Wuchs
beibehielten. — Als er dagegen im 3. Jahre
nach dem Pflanzen, solche über der Erde
veredelte, da gelang es ihm, einen Stamm
aus dem Edelreis zu erziehen, der schon
am Ende des zweiten Jahres die Höhe von
6 Fuss zum Kronenschnitt erreicht hatte.
Woher kommt der grosse Unterschied
im Erfolg, den beide Züchter hatten. Re-
sultirt solcher aus den Bodenverhältnissen,
— oder daraus, dass Hr. Koppe alle Zweige
seiner Samenpflanzen der Zwetschen stehen
liess und dann erst im nächsten Frühling
durch Wegschneiden der schwächeren Zweige
319
den Stamm bildete? Der Zwetschenbaum
ist ein so wichtiger Obstbaum und verdient
es wohl, dass erfahrene Züchter hier Auf-
schluss geben. (E. R.)
12) Der Giftsumach (Rhus Toxico-
dendron). Das Deutsche Magazin erzählt
einige Fälle, wo in Folge der Berührung
dieser stark giltigen Pflanze, Geschwulst am
ganzen Körper und sogar Eiterung unter
heftigen Schmerzen eingetreten. Auch dem
Referenten sind einzelne solcher Beispiele
bekannt, doch sind solche gegenüber der
Häufigkeit, in der man diesen Strauch in
unsern Gärten angepflanzt findet, immerhin
selten. Warmes feuchtes Wetter und der
Beginn des neuen Triebes dieses Strauches
scheinen solchen gefährlicher zu machen
und namentlich wirkt zu solcher Zeit der
Saft dieser Pflanze, wenn er auf die Haut
kommt, gefährlich. Es ist deshalb schon
vielfach vor der Anpflanzung desselben, so-
wie seines ebenso verdächtisen Milchbru-
ders, desR. radicans in den Gärten gewarnt
worden und wir vereinen unsin dieser War-
nung mit unserm geehrten Collegen Herrn
Neubert. —
V, Literatur.
1) E. Boissier, Icones Euphorbiacearum
ou Figures de 122 &speces du genre
Euphorbia. Paris 1866. Bei Vicior Mas-
son et fils. —
Der berühmte Genfer Botaniker, Ed-
mond Boissier, arbeitet mit bewunderns-
würdiger Thätigkeit im Gebiete der beschrei-
benden Botanik. Nachdem er selbst in
früheren Jahren den ganzen Süden Europas,
einen Theil Nordafrikas und des Orientes
durchforscht, haben wir von demselben nicht
allein die vorläufigen Beschreibungen einer
Masse von ihm entdeckter Pflanzen erhalten,
sondern Boissier ging weiter, — er vertheilte
auch die von ihm gesammelten Pflanzen-
schätze an die bedeutendsten Herbarien Eu-
ropas und Amerikas. Der Gartenbau, dessen
eifriger Freund und Förderer derselbe ist,
verdankt ihm die Einführung einer Menge
der von ihm entdeckten Pflanzen, die er zu-
erst im eigenen Garten zu Valeyres im Can-
ton Waad cultivirte und deren Samen dann
durch den botanischen Garten in Genf ver-
theilt wurden. Die Gartenflora hat von man-
cher seiner Einführungen Beschreibungen
und Abbildungen ihren Lesern gegeben. —
Gegenwärtig hat Boissier als Haupt-
arbeit die Bearbeitung einer Flora orientalis
vor, deren erster Band binnen Jahresfrist
erscheinen wird. Damit aber nicht zufrie-
den, fand Boissier nebenbei immer auch noch
320
Zeit zu monographischen Arbeiten. Die Fa-
milie der Plumbagineen und die schwierige
Gattung Eu phorbia sind von ihm in Can-
dolles Prodromus publicirt worden und das
oben angezeigte Prachtwerk in Folio giebt
nachträglich die Abbildung von 120 theils
neuen, theils wenig gekannten Arten der
Gattung Euphorbia.
Wer von Naturforschern nur einiger-
massen weiss, welche financielle Schwierig-
keiten heut zu Tage die Ausgabe solcher
mit Tafeln versehener grosser wissenschaft-
licher Werke hat, der kann es auch beur-
theilen, welche Opfer an Zeit und Capital
von Boissier im Laufe der Zeit zur Förde-
rung der Wissenschaft gebracht worden sind,
die dieser hochverdiente Mann sich zur Le-
bensaufgabe gewählt hat. Die kleine Schweiz
kann deshalb stolz darauf sein, dass seit
Gerners Zeiten, sie stets zu den ersten be-
kanntesten Forschern im Gebiete der Bota-
nik ihr Contigent gestellt hat, glänzen doch
auch jetzt neben E. Boissier, ein A. Can-
dolle und dessen Sohn (Grossvater, Sohn,
Enkel berühmte Botaniker) Reuter, Heer,
Meissner und der in München lebende
C. Nägeli, als ebenso viele unvergängliche
Namen im Kreise der Botanik unserer Zeit.
(E. R.)
2) Sulle pianti fossili del Trias di
Recoaro raccolte dal Prof. A.
Massalongo osservazioni del
Barone Achille de Zigno.
K
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Baron von Zigno in Padua giebt im an-
gezogenen Werke die Beschreibung und Ab-
bildung der vom berühmten Monographen
der Familie der Flechten, Professor Massa-
longo in der Trias von Recoaro entdeckten
fossilen Pflauzen. (E. R.)
3) Bulletin de la Societe Imperiale
des Naturalistes de Moscou 1865.
Nr. 4.
An Gegenständen, die in unser Gebiet
gehören, enthält dieses Heft nur 2 Abhand-
lungen.
Die eine von dem berühmten Natur for-
scher K. Baer, in welcher der Autor das
Niederfallen von phosphoresecirenden Schleim-
und Gallertmassen, die man für Meteorfälle
gehalten hat, auf durch Vögel ausgebro-
chene Massen von verzehrten Fröschen und
Vegetabilien, zurück zu führen sucht und
dafür einzelne Beispiele aufführt.
Die zweite Abhandlung ist eine Arbeit
über die Familie der Betulaceen vom Re-
ferenten, ein Vorläufer zu der in De Can-
dolle’s Prodromus nächstens erscheinenden
Bearbeitung dieser Familie, in der eine
Uebersicht gegeben und einige neue Arten
beschrieben und abgebildet sind. Die aus-
gezeichnetste dieser neuen Arten, ist Betula
Maximowiczii, eine prächtige Birke aus
Japan, mit grossen, einer Linde ähnelnden
Blättern. (E. R.)
. Originalabhandlungen.
1) Abgebildeie Pflanzen.
a) Calypso borealis Salsb.
(Siehe Tafel 523,
Fig. 1—2, a—c.)
Orcehideae.
C. borealis Salsb. Parad. Lond. t, |schen Klima noch wenig Exceursionen
89.— Pursh. fl. of North Am. II. 194,
macht, so dass auch in den Herbarien
— Ledb. fl. ross. IV. 52. — Hook. Bot. | diese Pflanze zur Seltenheit gehört. Um
Mag. Tab. 2763.
Beigehend geben wir die Abbildung
der zartesten und lieblichsten Erdorchi-
dee des Nordens Russlands, Asiens und
Nordamerikas, wo solche zwischen Moos
in einer lockeren Erde wächst, die von
den abgefallenen Blättern und Zweigen
des Waldes gebildet ist. Im Jahre 1827
bildete Hooker diese liebliche Pflanze im
Betanical Magazine nach einer lebenden
Pflanze ab, die aus Canada nach Kew
gesendet worden war. Seitdem scheint
diese Pflanze aber nicht mehr in Oultur
gekommen zu Sein.
Die Pflanzen des Botanischen Gar-
tens in St. Petersburg stammen aus
den Wäldern um Lisino, 14 Meilen
von Petersburg, wo solche stellen-
weise häufig wächst. Sie blüht aber
schon zu einer so frühen Zeit, nämlich
Mitte Mai, wenn man in unserem nordi-
XI. 1866.
Petersburg, wo diese Pflanze gleichfalls
wachsen soll, haben wir solche noch
nicht gefunden. Die Wurzel besteht aus
einer kleinen schuppigen Knolle, die
2—3 Wurzelfasern aussendet. Jede
Knolle trägt ein wurzelständiges Blatt
und einen einblumigen, mit häutigen
Scheiden besetzten Blüthenschaft, der
unterhalb der Blumen eine kleine, lineare
rosenrothe abstehende Bractee trägt.
Das Blatt unserer Pflanzen ist oval oder
fast lanzettlich oval, in den halbrunden
oben rinnigen Blattstiel am Grunde ver-
schmälert (am Grunde nicht herzförmig,
wie solches Hooker abbildet), von 7
Längsnerven durchzogen und längs der-
selben faltig, kaum 2 Zoll lang und mit
ungefähr zolllangem Blattstiel, Blüthen-
schaft 5—6 Zoll hoch, zart und gebogen.
Blume zart rosa, nickend, ungefähr 1
Zoll im Durchmesser. Lippe länglich,
21
322
nach vorn sackförmig,
unterhalb der | Unterlage von Moos im Topfe.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Im
Spitze in 2 kurze Hörnchen ausgehend, | Sommer schattiger Standort im Freien,
auf der Scheibe mit 3 kurzen bartigen |im Winter Standort in frostfreien Bee-
Schwielen. Blüthenhüllblätter linien-
lanzettlich, aufsteigend. Griffelsäule in
ein concaves ovales blumenblattartiges
Blatt ausgebreitet. Anthere zweifäche-
rig. Zwei Pollenmassen, von denen jede
wiederum zweitheilig.
Cultur im Topfe in einer lockeren
Erde aus Tannennadeln und Moos, mit
ten, oder auf der Nordseite von Kalt-
häusern bei 1—2° R. Im Frühling
stellt man die Pflanze in einem niedri-
gen Kalthause oder Fensterbeete nahe
dem Glase auf und lüftet stark. —
a) Griffelsäule, b) Anthere, ec) Spitze
der Griffelsäule mit den Pollenmassen, —
b) Bossiaea Hendersoni.
(Siehe Tafel 523. Fig. 3. d. e.)
Leguminoszae,
B. Hendersoni hort.; ramis te-
retibus, erectis, puberulis; ramulis dense
distiche foliosis; foliis oppositis, minimis,
ovato- v. subeordato-subrotundis, acutis
eiliolatis; stipulis subulatis petiolum vix
aequantibus; pedicellis axillaribus folia
multo superantibus, pilosulis, sub apice
bibracteolatis; calycibus leguminibusque
glabris. —
Wir haben den in Rede stehenden
kleinen niedlichen Strauch aus Neuhol-
land aus dem Garten von James Booth
und Söhne in Hamburg als B. Hender-
soni empfangen. Eine Beschreibung
dieser Pflanze konnten wir nicht auffin-
den. Ebenso überzeugten wir uns, dass
solches eine ausgezeichnete, überhaupt
noch nicht beschriebene Pflanze ist, die
sich schon durch die gegenständigen
Blätter von allen anderen bekannten
Bossiaea-Arten unterscheidet. Auch die
tung aufzustellen, wozu die nur 3 Sa-
men umschliessende lang gestielte Hülse
einen ferneren Character abgeben könnte,
Bildet einen kaum fusshohen Strauch
mit stielrunden gegenständigen oder zu
3 stehenden Aestchen, sehr kleinen
rundlichen, zweizeilig gestellten Blättern
und niedlichen achselständigen Blumen,
deren Blüthenstiel viel länger als die
Blätter. Der Kelch zweilippig. Die
Oberlippe sehr gross, 2lappig, mit ab-
gerundeten, oder nach unten fast schna-
belförmig kurz gespitzten Lappen, wel-
che während der Blüthe aufrecht, nach
der Blüthe zurückgeschlagen sind. Blu-
men von innen goldgelb, die Fahne von
aussen dunkelbraunroth. Cultur gleich
der der anderen zarten Neuholländer.
Blüht im Mai, —
Fig. d) ein Kelch mit den Staub-
ganze Tracht der Pflanze weicht von | fäden. Fig. e) Kelch nebst der jungen
Bossiaea ab, so dass man in Versuchung
kommen könnte, solche als neue Gat-
Frucht. Beide schwach vergrössert.
I. Originalabhandlungen.
c() Asperula azurea Jaubk
ß.
(Siehe Tafel
Rubi
A. azurea Jaub. et Spach, ill. pl.
or. pag. 150. 151. tab. 82. — Walp.
rep. VI. pag. 24. — P. setosa; foliis
in pagina superiore setis raris adsper-
sis. —
Die Einführung dieser niedlichen
einjährigen Pflanze danken wir dem
Hrn. Dr. Radde, Director des Cauca-
sischen Museums in Tiflis. Dieselbe ist
unserer Asp. arvensis nahe verwandt,
aber dadurch gut verschieden, dass die
borstig behaarten Blättchen des Involu-
erums und die Bracteen mehr als noch
einmal so kurz als die himmelblauen
in Köpfen stehenden Blumen sind. Wir
rechnen diese Pflanze zu den schönsten
und zierendsten Einjährigen Pflan-
323
et Spach.
setosa
523 Fig. 4.)
aeae.
den. Unseren zahlreichen Correspon-
denten, denen wir die Samen des Cau-
casus von Radde gesammelt mittheilten,
zeigen wir gleichzeitig an, dass wir den
Samen dieser niedlichen Pflanze als
Asperula spec, Nr. 44 vertheilten.
Gehört zu den Pflanzen von ganz
leichter Cultur. Die Samen werden so-
fort in’s freie Land in eine lockere san-
dige Erde auf sonnigen Standort ausge-
säet und entwickeln ihre lieblichen Köpfe
himmelblauer Blumen in reichlicher
Menge im Juni und Juli. Schön als
Pflanze zu Einfassungen, —
Unsere Exemplare bilden eine leichte
Form, deren Blätter nicht kahl, sondern
auf der Oberfläche mit einzelnen Borsten,
zen, die in letzter Zeit importirt wur- | besetzt sind. — (E. R.)
dd) Seutellaria aurata Lem.
(Siehe Tafel 524.)
Labiatae.
Sceutell. aurata Lem. (Ilustr. hort.) | glänzende Erscheinung dar, — unsere
X. tab. 368. — Bot. Mag. tab. 5525. —
Wenn unsere Leser die oben ci-
tirte Abbildung von Sc. aurata mit der
unseren vergleichen, so werden solche
den Unterschied finden, der meist zwi-
schen den Abbildungen der Gartenflora
und denen der Belgischen Garten-Jour-
nale stattfindet. Die Abbildung im Illu-
stration stellt diese Pflanze als eine
zeigt eine armblumigere, wohl hübsche
Art, die aber viel bescheidener und an-
spruchsloser auftritt. Wir bemerken
dies, weil es Grundsatz der Gartenflora
ist, keine Pflanze verschönert, — oder
in einem Zustande, wie solche etwa
werden könnte, — sondern genau nach
der Natur darzustellen. Auch Hooker,
der tab. 5525 kürzlich eine Abbildung
21 *
324
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. -
dieser Pflanze im Bot. Mag. gab, fiel| mit einzelnen kurzen Haaren besetzt,
das gleiche auf, er bildete deshalb von | unterhalb heller und auch unter der
seiner Pflanze eine Abart mit kleineren
Blumen. Die bei uns blühende Pflanze
stammt aber direct aus dem Garten A.
Verschaffelt’s, so dass nur die Auffassung
den Unterschied bedingt. Bildet fuss-
hohe Stengel, die dicht mit kleinen ein-
fachen oder an der Spitze drüsigem
Haaren besetzt sind. Blätter gegen-
ständig, gestieli, aus herzförmigem
Grunde länglich -elliptisch, spitz oder
stumpflich, am Rande schwach buchtig
ausgeschweift, oberhalb dunkelgrün und
Lupe nur undeutlich kurzhaarig. Blu-
men goldgelb, in armblumigen spitzen-
ständigen einzelnen lockeren einseitigen
Trauben.
Eine halbstrauchige Warmhaus-
pflanze, die vom Sammler des Herrn
Verschaffelt, Herrn Baraquin, aus Bra-
silien in den Garten des Herrn Ambr.
Verschaffelt eingeführt wurde.
Eig. I ein Staubfaden, Fig. 2 der
Griffel. Fig. 3 der Fruchtknoten ver-
grössert. (E. R.)
Eupatorium riparium Hort.
(Siehe Tafel 525.)
G.o'’m,p 0 si t,ae.
(Sect. III. Eximbriearia, capitulis
10—20 floris. D. C. prodr. V. pag.
169— 173). — Fruticosum; ramis tere-
tibus, ramulis hispidulis; foliis oppositis,
oblongo-lanceolatis, in petiolum angusta-
tis acuminatis, triplinerviis, grosse acu-
teque dentatie, basi apiceque integris,
supra glabrescentibus, subtus ad nervos
valde prominentes sub lente hirtulis;
corymbis terminalibus axillaribusque, po-
Iycephalis; capitulis pedicellatis; pedun-
eulis involucrisque puberulis. —
Aus dem Garten der Herren Haage
und Schmidt in Erfurt erhielt der Pe-
tersburger Garten das in Rede stehende
Eupatorium, das sehr wahrscheinlich
aus den Gebirgen Amerika’s stammt. Es
ist ein ziemlich schwieriges Uuterneh-
men, eine neue Art der Gattung Eu-
patorium aufzustellen, einer Gattung,
die schon Hunderte von Arten zählt.
Dennoch haben wir das E. riparium
der Gärten, mit den Beschreibungen
der bis jetzt bekannten Eupatorien ver-
glichen und wir konnten keine Art auf-
finden, mit der dasselbe vereinigt wer-
den konnte. Es bildet einen niedrigen
I—2 Fuss hohen, stark verästelten
Strauch, der im Kalthause eultivirt, im
Mai seine weissen Blüthenköpfe in zahl-
reichen Corymben entwickelt. Als Pflanze
von leichter Cultur, die durch Stecklinge
und Samen sich leicht vermehrt, dürfte
dieser kleine Zierstrauch sowohl zur
Cultur im niedrigen Kalthause, — wie
zum Auspflanzen während des Sonımers
ins freie Land, allgemein zu empfehlen
sein. Ist mit E. puberulum D. C. und
Eupatorium rhomboideum H, B. K. zu-
nächst verwandt. Das erstere unter-
I. Originalabhandlungen.
scheidet sich aber durch sitzende Blü-
325
Fig. I, ein Hüllkelch. Fig. 2.
thenköpfe und das andere durch stumpf- | Früchtehen mit Pappus und Blumen-
liche Blätter. (E. R.)
| krone, —
Beide vergrössert. —
2) Allium ursinum, der Bärlauch als Gartenpflanze.
Jedes Frühjahr, ehe die Bäume
grün werden, freue ich mich über die,
Maiblumen (Convallaria majalis) glei-
chenden, üppig grünenden Blätter des
Bärlauchs, welchen ich aus hiesigen
schattigen Wäldern, wo er an nassen
Stellen in Menge wächst, in den Blu-
menpark um meine Wohnung verpflanzt
habe. Kommt dann der Mai, dann zei-
gen sich einige Zoll über der undurch-
dringlichen Blättermasse grosse Dolden
schneeweisser Blumen, die einzelnen
Blüthen etwas kleiner als bei A. Moly,
aber die Dolden grösser. Ich schätze
diese Blüthen im Bezug auf das An-
sehen viel höher als Maiblumen und die
hier ebenfalls alle Gebüsche überziehen-
den rothen und weissen Corydalis. Kaum
ist aber der Mai zu Ende, so werden
die Blätter des Bärlauchs gelb, die Sa-
men reifen und fallen aus, und bald
darauf sieht man nichts mehr davon,
denn die gelben Ueberreste werden von
der verschönernden Natur durch andere
Waldkräuter vollständig bedeckt, beimir im
Garten durch Stellaria nemorum, die ich
ebenfalls für eine reizende Pflanze halte,
und Circaea lutetiana. Ueber die Oul-
tur ist wenig zu sagen, und im Grunde
kann man das Wachsen in und von Ge-
büschen keine Cultur nennen. Man
pflanzt einige Zwiebeln an und überlässt
sie sich selbst. Bald breiten sich die
Pflanzen durch Brut aus, noch mehr
durch Samenausfall, indem die Samen
in den Kapseln keimen, (was ich da-
raus schliesse, dass die jungen Zwie-
beln immer büschelweise zusammen-
sitzen,) und durch das Reinigen der Ge-
büsche im Frühjahr noch mehr verbrei-
tet werden. Die erste Bedingung für
das Gedeihen ist ein nasser, wenigstens
im Frühjahre nasser Standort. In den
Wäldern sitzen die Zwiebeln meistens
in einem schwarzen Boden, welcher im
Frühjahre fast Schlamm ist und biswei-
len mit den Zwiebeln von den Felsen,
die er nur schwach bedeckt, heruuter-
rutseht, und an der Stelle, wo dies Al-
lium bei mir im Garten verwildert ist,
steht im Frühjahr das Schichtwasser
ebenfalls hoch bis zum Austreten, wäh-
rend der Platz im Sommer vollständig
austrocknet. — Sollte Jemand Samen
und Zwiebeln von mir wünschen, so bin
ich gerne zur Abgabe bereit, müsste
aber zum Sammeln schon bis Mai ver-
anlasst werden. Zwiebeln kann ich nur
im ersten Frühjahre abgeben, weil die
abgestorbenen schwer aufzufinden sind.
J.
326
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
3) Geschichtliche Notizen über die Entwicklung der Gärtnerei
in Berlin und Potsdam.
Von Paul Sorauer.
(Fortsetzung.)
Während bisher das Prächtige und
Schöne, das Künstlerische und Geniale
sich des besonderen Schutzes des Hofes
erfreute, sehen wir jetzt, im Jahre 1713,
mit dem Regierungsantritte König Frie-
drich Wilhelm I., vorzugsweise das
rein Nützliche in den Vordergrund tre-
ten. Der erste Beweis für diese einge-
schlagene Richtung war die Errichtung
eines grossen Küchengartens, der zum
Theil jetzt noch besteht. Das darin er-
baute schlichte Lusthaus nannte der
König sein Marly. Der Potsdamer
Lustgarten aber wurde, sowie der zu
Berlin, ein Exereierplatz und der Blu-
mengarten des Schlosses Glienicke wurde
Gemüsegarten, in dessen Nähe eine
Maulbeerplantage angelegt wurde, weil
der König den Seidenbau im Grossen
zu betreiben beabsichtigte. Allein die
Pläne, die in Betreff dieser Qultur ent-
worfen waren, konnte erst sein Nach-
folger Friedrich der Grosse zur Ausfüh-
rung bringen und diesem verdankt auch
die Gärtnerei im Ganzen ihren unge-
heueren Aufschwung. Namentlich ist
es die Landschaftsgärtnerei, um die sich
Friedrich II. verdient gemacht hat; denn
er ist es, der die Pläne einer Vereini-
gung der sämnitlichen, um Potsdam he-
rumliegenden zerstreuten Anlagen wie-
der aufnahm und somit einen Plan, der
seit den Zeiten des grossen Churfürsten
gänzlich in den Hintergrund getreten
war, seiner Ausführung entgegen brachte,
Durch ihn erhielt das Potsdamer
Schloss seine, nach den Entwürfen des
Säulen, Statuen u, s.w. und das durch den
früheren Herrscher zum Reitstall umge-
wandelte Orangerie-Gebäude des Schlos-
ses wurde seiner früheren Bestimmung
wiedergegeben. Auch der zum Exer-
cierplatz umgewandelte Lustgarten ver-
lor seine ehemalige Gestalt aus der Zeit
der Riesensoldaten und wurde wieder
Blumengarten, in dessen Mitte eine
grosse Neptunusgruppe gesetzt wurde.
Rings um diese Gruppe standen 24
grosse Orangenbäume in bleiernen und
kupfernen vergoldeten Vasen, zwischen
welchen ebenso viele geradgeschnittene
Taxuspyramiden sich befanden.
Das Hauptwerk des grossen Königs
aber ist die Anlage von Sanssouci, des-
sen Ausführung durch eine Cabinets-
ordre des Jahres 1744 an befohlen war.
Es heisst darin, dass eine Anhöhe zwi-
schen dem Königlichen Küchengarten
und der Domäne Bornstädt terrassirt und
nach speeieller Zeichnung mit einer An-
lage versehen werden sollte. Dieser
Hügel, der seiner vielen Lehmgruben
wegen nur der wüste Berg genannt
wurde, zeigte in Kurzem die berühmten
6 Terrassen von Sanssouci, jede von
10 Fuss Höhe, mit 840 Glasfenstern,
in denen 168 Nischen die feinsten Wein-
und Obstsorten gezogen werden sollten.
Diese 6 Terrassen wurden durch die
den unteren Garten mit dem 60 Fuss
höheren Plateau verbindende Freitreppe
von 2970 Fuss Länge bestiegen.
Nach der Rückkehr des Königs
aus Böhmen 1745 gab er Befehl von
Freiherrn v. Knobelsdorf ausgeführten ; Berlin aus, ein Lustschloss auf diesem
Verschönerungen durch korinthische
Plateau aufzubauen und er skizzirte
I. Originalabhandlungen.
dazu den Plan mit eigener Hand. Die-
ser Bau kostete 306,843 Thaler, wäh-
rend der Terrassenbau 47,909 Thaler
erfordert hatte,
Am westlichen Ende des Plateaus
befand sich die königliche Gruft, auf
welche hindeutend der grosse König zu
dem Marquis d’Argent einst sagte:
„Quand je serais la, je serais sans
souci.* — Seinem Könige nach nennt
das Volk seitdem jene prächtige Schöpf-
ung Sanssouci *). —
Zum völligen landschaftlichen Ab-
schluss des grossartigen Terrassenbaues
gehörte aber auch die Umbildung der
am Fusse derselben sich hinziehenden
moorigen Wiesen und Sandbänke in
freundliche Anlagen.
Mit welcher Energie auch dieses
Werk in Angriff genommen, und der
meist sumpfige Boden ausgefüllt wurde,
zeigt die Thatsache, dass alles Fuhr-
werk in der Nähe Potsdam’s, selbst das
königliche helfen musste, Schutt und
Steine herbei zu schaffen und Kähne
von Breslauer Schiffern holten fruchtbare
Erde aus der Magdeburger Gegend.
Schon 1747 war das Werk iın Grossen
vollendet. Zu beiden Seiten der Terras-
sen zogen sich Laubholz und Lerchen-
pflanzungen hin; auf jeder der 6 Terras-
sen hatte der Gärtner Krutisch aus
Hessen und Heintze aus Rheinsberg 16
prächtige, an 15—20 Fuss hohe Taxus-
pyramiden aufgestellt, zwischen welche
paarweise Zwergobst - Stämme gepflanzt
waren. Den Hintergrund bildeten nie-
drige geschorene Hecken, welche von je
2 zusammenstehenden Orangenbäumen
überragt wurden,
Diese berühmt gewordene Orangerie
*) Kopisch behauptet, dass dieser Name
schon früher existirt habe.
327
war zum Theil aus Schlesien verschrie-
ben worden, wo dieser Culturzweig bei
der Eroberung des Landes schon in.
voller Blüthe stand und von wo der
König auch seinen ersten Orangengärtner,
Hillner, kommen liess. Derselbe pflegte
die Orangenbäume so gut und wusste
dadurch den König so sehr für seine
Pileglinge einzunehmen, dass derselbe
bald aus allen Weltgegenden Orangen-
bäume zusammenkaufte und seine gross-
artige berühmte Sammlung bis auf 600
Stämme brachte. Im südosten des
Lustschlosses wurde zu dieser Zeit das
erste hier gesehene Treibhaus errichtet,
das 320 Fuss lang und 20 Fuss tief
war und an seiner Nordseite eine stei-
nerne Mauer mit heizbaren Kaminen für
die Thonöfen im Innern, sowie eine Ka-
nalheizung unter dem Fussboden besass.
Dieses neue Treibhaus wurde dem Hof-
gärtner Sello übergeben, damit er für
den König Kirschen treiben möge.
Es hatte nämlich den Berlinischen
Nachrichten vom 12. September 1735
zu Folge ein französischer Gärtner
„Pierre Amry (?) vor dem Stralower-
„Thore vor etlichen Jahren die schöne
„Kunst erfunden, dass er durch Gottes
„Gnade einen Kirschbaum (er sei so
„gross oder so klein, als er wolle)
„binnen Anfang Februarii in den Stand
„setzen könne, dass er die schönsten
„Blätter und Blüthen zugleich als wie
„im Sommer presentiret. In Tragung
„der Früchte kann er durch sonderliche
„Treibung dahin gebracht werden, dass
„selbige Kirschen vom Monat April bis
„Anfang Junii von diesen getriebenen
„Bäumen zu haben sind.“
Diese Kunst verstand denn auch
der Hofgärtner Sello, der schon im fol-
genden Jahre nach der Errichtung des
Treibhauses. am 27. März 1748 ein Des-
sert von Kirschen, Pflaumen, Pfirsichen
328
und Weintrauben dem Könige übergab.
Durch solche Lieferungen wurde die
Freude des Königs an getriebenem
Obste so vermehrt, dass er alsbald noch
eine neue Treiberei anlegen liess und
auch Privaten ermunterte, sich mit die-
sem Gegenstande zu befassen; manch-
mal zahlte er im März für eine Kirsche
2 Thlr. und einmal für ungefähr 4
Schock an 700 Thaler. (s. Kopisch
pag. 93).
Wir erwähnen diesen kleinen Zug,
um die Vorliebe des Königs für die Ge-
nüsse der Gartenkunst zu zeigen undsomit
den Erklärungsgrund für die grossarti-
gen Anlagen zu geben, die durch ihn
entstanden und in deren Beschreibung
wir noch für einige Zeit den Entwicke-
lungsgang der Gärtnerei werden verfol-
gen müssen.
Nach dem 7jährigen Kriege wirk-
ten in Sanssouci und Umgegend 9 Hof-
gärtner, von denen jeder sein besonderes
Revier hatte, So besorgte 1) der Hof-
gärtner Samuel Sello den Küchengarten
von 133/; Morgen, in welchem eine
Sonnentreibmauer 690 Fuss lang, mit 83
grossen Fenstern zu Pfirsichen, Apriko-
sen und Wein und ein hölzernes Boh-
nenhaus sich befanden; ferner ein an-
deres von 841/, Fuss Länge; sodann
ein hohes Haus zu Pfirsich, Wein und
Pflaumen von 2351/, Fuss Länge; aus-
serdem gab es noch eine Menge Mist-
beete und die den Garten einschliessen-
den Bretterwände mit Spalierobst zu
besorgen.
2) Dem Bofgärtner Johann Hillner
waren zur Pflege übergeben: das grosse
massive Örangeriehausvon 496 Fuss Länge
mit 140 Unter- und ebenso viel Ober-
fenstern, das kleine Orangenhaus, 296
Fuss lang; daneben ein Feigenquartier
von 65 Fuss Länge, ein vor diesem
liegendes Kirsch- und Weintreibhaus
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
mit Kanalheizungen, sowie eine kleine
31 Fuss lange Kirschtreiberei und
schliesslich noch 2 Feigenmauern.
3) Der Hofgärtner Joachim Ludwig
Heydert besorgte den Lustgarten und
das darin gelegene Orangenhaus, sowie
die meisten Alleen um das Schloss
herum.
4) Der Hofgärtner Heinrich Chri-
stian Eckstein besorgte die Grasplätze
vor dem neuen Palais, die davon süd-
lich und nördlich gelegenen 8 abgeson-
derten, mit Hecken umgebenen Obst-
gärten, die zwei Plantagen und das
Heckentheater; nördlich des Neuen Pa-
lais drei Sonnenmauern von je 221 Fuss
Länge und mit 158 Fenstern zu Pfirsich
und Aprikosen; ein Orangenhaus von
210 Fuss Länge, den alten Weinberg
am Belvedere mit 3 Talutmauern von
480, 460 und 440 Fuss Länge mit 344
grossen und ehensoviel kleinen Fenstern
zu Pfirsich und Wein und endlich noch
einen neuen Weinberg mit 3 Talut-
mauern von 318, 305 und 300 Fuss
Länge,
5) Der Hofzärtner Salzmann hatte
die Alleen zwischen Potsdam und Sans-
souei, sowie die 6 Terrassen (jede 500 F.
lang) eiu Feigenhaus von 16 Fenstern,
sowie eine Feigenmauer mit 80 Fen-
stern. Der Kürze wegen unterlassen
wir die Aufzählung der Alleen und Bos-
quets, welehe jeder Hofgärtner ausser-
dem zu besorgen hatte und wir erwäh-
nen nur noch:
6) den Hofgärtner Steinert, welcher
den Pisang- und Melonenbaumtreibereien
zu besorgen hatte.
7) Der Hofgärtner Krutisch versah
die Melonen-Gurken - und Erdbeertrei-
perei und ein grosses hohes Treibhaus
zu Pfirsich und Pflaumen, 2 niedrige
Treibmauern mit Kanal- und Ofenhei-
zungen von 170 und 144 Fuss Länge,
I. Originalabhandlungen.
die zum Triebe von Bohnen und Pfir-
sich bestimmt waren; sodann 1205 Fuss
Sonnenmauern (also ohne Heizvorrich-
tung) zu Wein und Pfirsich; dazwischen
Melonenkästen; schliesslich ausser Obst-
plantagen und Feigenquartieren noch
einen Weinberg mit 6 Talutmauern in
einer Gesammtlänge von 1088 Fuss zu
ausländischen Weinen,
8) Der Hofsärtner Pleymer besorgte
nur die Ananastreiberei in einem massi-
ven Kasten hinter dem Pisanghause und
einen mit 12 liegenden und ebenso viel
stehenden Fenstern versehenen gemauer-
ten Kasten.
9) Der Hofplanteur Wilhelm Sello
hatte fast sämmtliche Plantagen und
Alleen, sowie Obstbaumgquartiere von
dem Neuen Palais und eine lange Fei-
genmauer zu versehen,
Sämmtliche Anlagen, soweit sie
Blumengärten und Parks betrafen, wa-
ren im architektonischen (französischen)
Geschmacke: eckige Blumenbeete und
gerade Alleen, genaue geschornee Hecken
u. Ss, w.; aber schon war draussen die
neue Richtung, die natürliche (englische, )
aufgetaucht und kaum hatte der grosse
König die Augen geschlossen, so traten
.auch diese neuen Ideen an die präch-
tigen Gartenschöpfungen heran und der-
selbe Salzmann, der bisher seine Alleen
nie anders als rechtswinkelig zu einan-
der und gerade sich denken konnte,
musste nun auf königlichem Befehl
schlängelnde Wege durch den Park
ziehen.
Ja die Alles umformende Hand des
Apostels jenes natürlichen Styls, Eiser-
beck’s, wollte selbst die Terrassen von
Sanssouci in einen Rasenabhang um-
wandeln, als glückliche Weise der Kö-
nig Friedrich Wilhelm III. selbst Halt
gebot. Doch die zu dieser Zeit neu
entstehenden Anlagen am heiligen See,
329
am neuen Garten und am Marmorschloss
wurden von dem obenerwähnten Eiser-
beck, dem Zögling der Wörlitzer Schule,
bald im natürlichen Geschmack gezeich-
net. Von dieser Zeit datiren sich die
grösseren Baumschulen in der Ümge-
gend Berlin’s und Potsdam’s, denn die
grossartigen Pflanzungen mussten oft
mit allem nur erlangbaren, überall zu-
sammengekauften Material bestellt wer-
den und gingen daher zum Theil wieder
aus. Diese neuen königlichen Baum-
schulen cultivirten aber neben den
Wald- und Alleebäumen auch ganz be-
sonders die Obstsorten, von denen die
neuesten und besten (holländischen)
Sorten angeschafft wurden.
Die Zeiten der französischen Inva-
sion und der Befreiungskriege hemmte
die gedeihliche Entwicklung der Garten-
kunst natürlich ebenso, wie die aller
anderen Künste, aber kaum war der
König als Sieger aus Paris zurückge-
kehrt, als er auch bald wieder an die
Verschönerung der berühmten Anlagen
Hand anlegte, doch wollten dieselben
in der ersten Zeit nicht gedeihen, da
es an passenden Kräften zur Ausführung
fehlte. Da trat Lenne, ein Rheinländer,
im Jahre 1816 hier auf; sein erstes
Studium war der Neue Garten, dann
Glienicke, die Pfaueninsel u. s. w. Wir
übergehen die Aufzählung der einzelnen
Leistungen, da dieselben doch nur bei
der Besichtigung der Anlagen selbst
gewürdigt werden können.
Die Pfaueninsel, der Lieblingsort
des Königs, zeigte zu jener Zeit einen
140) R. umfassenden Rosengarten, der
alle damals nur irgend empfehlenswer-
then Rosen enthielt. Die Zahl der
Hochstämme und Halbstämme belief sich
auf 3000, ungerechnet die dazwischen
gepflanzten Büsche von Centifolien und
dgl. Der Hauptgegenstand aber, wess-
330
wegen die Pfaueninsel in der Entwick-
lungsgeschichte der Gartenkunst beson-
ders hervorgehoben zu werden verdient,
ist die Pflanzensammlung, die um das
Jahr 1830 hier entstand. Der Anfang
dazu wurde in diesem Jahre durch den
Ankauf der Foulchirun’schen Palmen-
sammlung in Paris gemacht. Diese
Sammlung wurde in einem 110 Fuss
langen, 40 Fuss tiefen und 42 Fuss
hohen Glashause untergebracht und
wurde fast mit jedem Jahre vermehrt.
Eine grosse Fächerpalme kam aus Pop-
pelsdorf bei Bonn, eine 24 Fuss hohe
Dracaena Draco undeinen 17 Fuss hohen
Pandanus utilis lieferte der botanische
Garten zu Berlin. Im Jahre 1835 wur-
den für 1279 Thaler Palmen in Ham-
burg gekauft, nachdem Lenn& schon
früher von dorther Sagopalmen hatte
kommen lassen, Im Jahre 1837 traf
auch die durch Ankauf erworbene Par-
mentier’sche Palmensammlung hier ein,
die unter der Pflege des eifrigen Fintel-
mann sich sämmtlich in trefflicher Cul-
tur erhielten.
Aber auch die Umgebung des Pal-
menhauses sollte den Besucher gleich-
sam vorbereiten zum Eintritt in die Tro-
penwelt und da versuchte Fintel-
mann, (unseres Wissene nach zuerst
in Nord-Europa) während des Sommers
Palmen in’s Freie zu stellen und wär-
mere Blattpflanzen in den freien Grund
zu stellen. Ihm verdanken wir die all-
gemeine Anwendung und Verbreitung
von Riecinus, Heracleum, Uhdea u. s, w.,
denn diese Pflanzen waren es besonders,
die nebst den Canna’s in grossen Grup-
pen vor dem Hause vegetirten. Schon
einige Jahre früher hatte Lenn& eine
neue Arbeit, das niedliche Charlotten-
hof, übernommen, das, zum Theil ein
morastiges Ackerstück, nach den Ent-
würfen des Kronprinzen, welcher es
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
zum Geschenk erhalten hatte, ausgeführt
wurde, Es unterscheidet sich von den
ähnlichen Schöpfungen dadurch, dass
der landschaftliche Styl nicht bis
dicht an die Villa hin beibehalten wor-
den ist, sondern erst allmählig in den
architektonischen Blumengarten über-
ging.
Die nächsten Schöpfungen Lennes,
Glienicke und Babelsberg übergehen
wir und wenden uns der grössten Auf-
gabe des Künstlers, mit der Verwirk-
lichung der Idee des kunstliebenden Kö-
nigs Friedrich Wilhelm IV., der alle
die im Laufe der Zeit vereinzelt ent-
standenen Anlagen endlich zu einem
Ganzen zu vereinigen strebte.
Dabei wurde auch der Umbau des
Schlosses Sanssouci begonnen und die
Wohnung des Hofzärtners Sello in eine
italienische Villa verwandelt, die das
Bild einer italienischen Landschaft ver-
vollständigen sollte, welehes an einer
Seite des Schlosses der König zu ent-
rollen beabsichtigte. Zu diesem Zwecke
wurden die Maulbeerbaume einer vor-
beiführenden Allee durch reizende Wein-
festons mit einander verbunden und der
nach den tiefer liegenden Gärten füh-
rende Abhang wurde mit Kardi, Arti-
schocken u, dgl. bepflanzt.
Wie vordem Fintelmann auf der
Pfaueninsel, so hat hier Selle in noch
grösserem Maassstabe die Blattpflanzen
im Freien angewendet und erst durch
diese glücklichen Versuche ermuntert,
ahmte man dann anderwärts dieselben
nach. Besonders verwendet wurden
Exemplare der Gattungen: Agave, Yu-
cca, Cordyline, Arum, Heracleum, Canna,
Tussilago, Nieotiana, Solanum, Uhdea,
Wigandia, Polymnia, Helianthus, Aralia,
Cyperus, Phormium tenax, Panicum pli-
catum und Gunnera scabra,
Jetzt wurde das Dorf Sacrow in
I. Originalabhandlungen.
den Kreis der Verschönerungen gezogen
und westlich von Charlottenhof entstand
die neue Fasanerie, wobei gleichzeitig
die Verlegung der Landesbaumschule
nach Alt-Geltow statt fand. Diese
Schule war in ihrem besten Gedeihen;
sie zählte im Jahre 1847 an 1500 Obst-
sorten, von denen Reiser an Unbemit-
telte gratis vertheilt wurden; sie ver-
kauft jährlich bis zu 300,000 Stück
Reiser und der Rechnungsabschluss des
Jahres 1865 erwies im vorhergehenden
Jahre einen Verkauf von 132,973 Stück
Obstbäumen und Ziergehölzen. Im
Jahre 1847 erfolgte durch den dama-
ligen Gartenconducteur Meyer die An-
lage der durch die Augustin’sche Gärt-
nerei so berühmt gewordenen Wildpark-
station, Neue Anlagen erfolgten im
Bornstädter Thale und unter Sello’s em-
siger Hand in Novawess, dessen armer
Flugsand erst durch Kiefern und Ge-
treidesaaten, die in der ersten Zeit nur
kümmerlich ihr Leben fristeten, allmälig
in Culturland umgeschaffen werden
musste. Wir nahen endlich einer der
letzten und lieblichsten Schöpfungen
der Neuzeit, der Gründung derFriedens-
kirche bei Potsdam und der Umgestal-
tung eines Theiles des Marly- Garten,
der bisher Obst- und Gemüsegarten ge-
wesen, in einen lieblichen pleasure
ground, der den Stand der heutigen
Landschaftsgärtnerei am besten zu cha-
rakterisiren im Stande ist. Er besitzt
nichts von jener Ueberladung mit Blu-
men, nichts von jener kunstvollen Schnör-
kelei, die in anderen Theilen aus Pietät
für frübere Zeiten beibehalten worden;
er zeigt eine Einfachheit im Plan und
Ausführung, die das Zeichen der wah-
ren Kunst ist, Er ist ein liebliches
Idyli, dieser kleine Garten. — Auf dem
Plateau in Sanssouci dagegen hat sich
Pracht und Eleganz weiter entfaltet
331
durch die Errichtung des schönen Oran-
geriehauses, welches ein2 Länge von
980 Fuss besitzt und aus einem Mittel-
bau besteht, an den sich jederseits ein
in 9 Quartiere getheilter Flügel von
335 Fuss Länge anschliesst. Die Hei-
zung geschieht zum Theil durch Kanäle,
zum Theil durch Wasserheizung und
die Zahl der Bewohner des Hauses be-
trägt gegenwärtig 400 Stämme, von de-
nen 350 Orangen, der Rest aber grosse
Granaten, Myrthen und Lorbeerbäume
sind. —
Wir sind in der neuesten Zeit an-
gelangt und haben gesehen, wie aus
den ersten Anfängen sich allmälig diese
grossartigste Schöpfung deutscher Land-
schaftsgärtnerei entwickelt hat. Jede
Epoche hat an ihr gearbeitet und auch
jetzt geht keine an ihr vorüber, ohne
ein Zeichen ihrer Existenz zu hinterlas-
sen. Auch die neueste Epoche der
französischen Luxusbaumzucht hat be-
reits mehrfach in kleineren, von dem
jüngeren Lepere selbst angelegten Obst-
quartieren ihre Vertretung gefunden, so
dass der Kenner denn bis auf den heu-
tigen Tag eine Stufenleiter der Fort-
schritte in der schönen Gartenkunst hier
finden kann,
Daher begannen wir mit der Be-
sprechung dieses Theiles der Gäfrt-
nerei.
Bevor wir nun zur Entwickelungs-
geschichte des zweiten Theiles des Gar-
tenbaues, der wissenschaftlichen Gärt-
nerei übergehen und uns somit näher
nach Berlin zu wenden, sei es erlaubt,
hier für den dritten Theil, die Handcls-
gärtnerei vorzugreifen durch die Schil-
derung des Obstbaues in Werder. In
der Nähe Potsdam’s und der Landes-
baumschule kann diese intensive Be-
nutzung des Bodens durch Gartenbau
gleichsam als Beleg dienen für die gün-
332
stigen Folgen, die die Pflege der Gärt-
nerei in den höchsten Kreisen auf die
niedrige Bevölkerung ausübt.
Das Städtchen Werder liegt in ei-
nem etwas hügeligen Terrain, ungefähr
eine Meile von Potsdam und hat im
Osten die Havel. Die Hügel, die zur
Obsteultur dienen, haben keinerlei
Schutz und sind grösstentheils mit Flug-
sand bedeckt. Der Untergrund ist stel-
lenweise ein bündiger Lehm, oft auch
schon vollständiger Thon. Diesem Bo-
den nun verdankt der Bewohner von
Werder seine reichen Ernten, für die
er in Berlin die beste Absatzquelle und
in der schiffbaren Havel den besten
Transportweg findet.
Das Haupterzeugniss des Bodens
sind Kirschen, die entweder unregelmäs-
sig in niedrigen Bäumen auf den Hü-
geln stehen (die besseren Sorten), oder
an den Landstrassen und Feldwegen
der Umgegend angepflanzt sind (die ge-
wöhnlichen Sauerkirschen).
Unter den guten, unter directer
Aufsicht der Familie stehenden Kirsch-
bäumen sucht man aber grösstentheils
vergebens die in den Katalogen als gut
empfohlenen Sorten; ein grosser Theil
nämlich der dort gezüchteteten Kirschen
besteht aus Kernsorten, d. h. dort ge-
fallenen Sämlingen, die, nachdem sie
einige Jahre hindurch sich als gut er-
wiesen, durch Veredlung fortgepflanzt
werden und den Namen des Züchters
erhalten. In diesem Verfahren der ei-
genen Anzucht von solchen, dem Boden
zusagenden Sorten liegt jedenfalls mit
ein Hauptgrund der ausserordentlichen
Ertragsfähigkeit der Bäume und wir
glauben, nicht zu fehlen, wenn wir die
empfehlenswerthesten Sorten unter den
dort gebräuchlichen Namen, von denen
einige sich bereits in Katalogen vorfin-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
den, aufführen. Von den frühen Sorten
ist zu nennen:
l) Die „Braune von Liech-
feldt“, eine kleine braunschwarze Herz-
kirsche mit weichem Fleische; der Baum
trägt sehr reich und wächst stark in die
Breite, weniger in die Höhe.
2) Die „Frühe Puhlman.n’sche“
ist ebenfalls eine nur kleine Frucht
von dunkelrother Farbe; der Baum
wird aber seiner Tragbarkeit wegen
ebenfalls allgemein gebaut.
3) Die „Frühe Werder’sehe“
oder „Kleine Schmidt-Kirsche‘“, eine
runde kleine Frucht, welehe ähnlich
der gewöhnlichen schwarzen Herzkirsche,
aber reicher tragend als diese ist, Auch
hier geht die Krone des Baumes bedeu-
tend in die Breite, wodurch das Pflücken
sehr erleichtert wird.
4) Die „Grosse frühe Schwar-
ze von Werder“ oder „grosse Sehmidt-
kirsche‘* ist eine grosse schwarze Frucht,
ebenfalls Herzkirsche von sehr süssem
Geschmacke und feinem Fleische; der
Baum trägt aber weniger reich als die
andern.
5) Die „Frühe Bunte von Wer-
der“ ist eine kleine hellrothe süsse
Frucht, die alljährlich im reichlichsten
Maasse trägt.
I. Mittelfrühe Sorten sind:
6) Die „Grosse Braune von
Werder“, eine Frucht von vorzüg-
lichem Geschmacke und richtiger Herz-
form; sie hat sehr lange Stiele und ein
weiches, violett aderiges Fleisch.
7) Die „Ochsenherzkirsche“*
ist der vorhergehenden ähnlich und
wird wie diese besonders viel gebaut.
8) Die „Doctorkirsche“. Mit
diesem Namen hat der schlichte Mann
eine Frucht bezeichnet, die allerdings
ein jedes Examen gut bestehen und dem
kritisirendsten Obstkenner munden wird;
I. Originalabhandlungen.
sie ist die grösste und unserer Meinung
nach die schmackhafteste Frucht der
Berge; ihre Gestalt ist mehr breit als
lang und nähert sich der Nierenform;
ihr Fleisch ist weich und sehr schmel-
zend; ihre Tragbarkeit aber weniger
gross als die der anderen Sorten.
Ilf. Von späteren Sorten baut man:
9) Die „Grösste späte Braun-
schwarze‘ oder „späte Braune‘ eine
Knorpelkirsche in länglicher Herzform.
10) Die „Schwarze Knorpel-
kirsche“ist eine schöne grosse schwarze
Frucht mit saftigem hartem Fleische;
der Baum trägt sehr reich.
11) Die „Bunte Knorpelkir-
sche“ ist eine grosse rothe Frucht
von herzförmiger Gestalt mit knacken-
dem, schmackhaftem Fleische.
12) Der „Königsknupper“ ist
eine vorzüglich süsse bunte Knorpelkir-
sche von hellrother Farbe, von der mit
Genugthuung der Werder’sche Züchter
erzählt, dass der König Friedrich Wil-
helm IV bei einem Besuche die Frucht
hier erprobt und so schmackhaft gefun-
den habe, dass sich der Besitzer dieser
Sorte erlauben durfte, mehrmals Früchte
nach der Königlichen Tafel zu senden.
Diese Sorte ist bis jetzt noch wenig ge-
kannt und verbreitet.
Dies wären die erwähnenswerthe-
sten Sorten, die bei den verschiedenen
Züchtern unter gleichem Namen zu fin-
den sind; ausserdem giebt es aber noch
mehıere Sämlinge, die recht gut, jedoch
bis jetzt ohne Namen und allgemeine
Verbreitung sind. Wie wir oben er-
wähnt, wird an Strassen und Feldwegen
vorherrschend die gewöhnliche Sauer-
333
Aepfel, die in grösseren ()uantitäten
auf den Markt kommen und zwar ver-
dient der „Bastard Calvill“ zuerst ge-
nannt zu werden (derselbe wurde auf
der Görlitzer Pomologen - Versammlung
als „London-Pepping‘‘ bezeichnet), der
ähnlich dem ‚‚Calvill blanc“ aber ohne
Flecken und dauerhafter ist. Ferner
ger „Wachsapfel“, der rothe Stettiner,
der „Rahmapfel“ und eine Frucht, die
als ,„rothes Hähnchen“ in Berlin allge-
mein gekannt und sehr gesucht ist.
Einen besonderen Antheil an der
Bodenrente aber liefern die zwischen
den weitläufig gepflanzten Obstbäumen
eultivirten Unterfrüchte, von denen zu-
erst die Erdbeeren erwähnenswerth sind,
die als Einfassung den allerdings nicht
sehr künstlich angelegten Wegen die-
nen; am meisten findet man die weisse
und rothe Ananas-Erdbeere, wohl auch
die „Mammouth‘, sowie eine kleine ko-
nische rothe Frucht cultivirt. Von Him-
beeren wird nur die ‚Grosse Rothe“
und die ‚Gelbe von Malta“ gebaut;
von anderen Beeren die weisse und
rothe Kirsch-Johannisbeere und verschie-
dene Sorten von Stachelbeeren. Auch
einige Sorten Wein sind zu finden und
zwar besonders der frühe Leipziger, der
Elberling und der Schönedel. Selbst
einige frühe Pfirsich sind zu sehen, die
zum Theil von auf den Bergen selbst
aus Samen gezogenen Halbstämmen
kommen.
Mit diesem Material erarbeitet sich
nun der Obstzüchter auf dem märkischen
Sande ein kleines Kapital und der Spe-
eulationsgeist hat ihn dieses bald wieder
zweckmässig anlegen gelehrt; so hat er
kirsche angepflanzt, hier und da auch | beispielsweise sich seit einigen Jahren
die gewöhnliche Bauernpflaume, die der | ein Dampfschiff gebaut, das während
zweite Hauptartikel der Werder’schen | des Sommers
Cultur ist,
das Obst nach Berlin
führt. Wer nicht zu dieser Actienge-
Von Kernobst sind es besonders | sellschaft gehört, lässt sein Obst per
334
Wagen oder mit der Bahn nach Berlin
führen. Diese (uantitäten entziehen
sich grösstentheile der Rechnung und
die Zahl von 42,750 Schefiel, die einen
Werth von 60 bis 70,000 Thlr. reprä-
sentiren, umfasst daher nur die im vo-
rigen Jahre mit dem Dampfschiff nach
Berlin transportirten Früchte.
Wer sich die Bestellung als eine
genau nach den Regeln der Kunst ge-
triebene vorstellt und vermuthet, dass
vielleicht schon cordons u. palmette, so-
wie die anderen Hülfsmittel des franzö-
sischen Baumsehnittes auf den Werder-
schen Bergen zu finden sind, der irrt
sich gewaltig, denn diese Berge geben
im Gegentheil ein Bild der scheinbar
grössten Unordnung. Denken wir uns
über den Hügel ordnungslos Kirsch-
und Pflaumenbäume gepflanzt, auf den
freieren Stellen stehen Weinstöcke an
Pfählen, an deren Fuss noch die Grube
ist, in der sie im vorigen Winter ein-
gelegt gewesen und die sie im folgenden
wieder aufnehmen wird.
Mitten in einer solchen Grube und
auf einem solehen Walle stehen einige
Kartoffelpflanzen und zwischen zwei be-
nachbarten Weinstöcken in stiller Ein-
tracht ein mit Früchten bedeckter Him-
beerstrauch und eine Johannisbeere und
zwischen allen diesen in Reihen, die
ungefähr den nächsten Wegen parallel
laufen, vereinzelte Salatpflanzen und
Zwergbohnenstauden. Dieses Durchein-
ander der Bestellung kommt von der
rein praktischen Ansicht, dass jeder
Raum, wo er auch immer sei, benützt
werden müsse. Wer aber daraus auf
Sorglosigkeit in der Bestellung Schlies-
sen würde, irrt gewaltig, denn wo er
Gartenilora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
auf diesen Culturflächen auch seinen
Blick hinwerfen mag, so wird er, nir-
gends eine Spur von Unkraut finden;
der Boden wird sehr oft durchgeschau-
felt und auf diese Weise das Unkraut
abgestochen; im Herbst werden die
Stämme der Bäume gesäubert, Moos
und Insekteneier entfernt und Raupen-
nester wird man schwerlich in den gut
gelichteten Kronen entdecken können.
Diese äusserste Reinlichkeit ist ne-
ben einer kräftigen Düngung das ganze
Geheimniss des Obstzüchters. Die Art
und Weise dieser Düngung ist eine ei-
genthümliche; es werden nämlich im
Winter an zwei gegenüberliegenden Sei-
ten eines jeden Obstbaumes in einiger
Entfernung vom Stamme etwa 2—3 F,
tiefe Gruben gemacht, in die verotteter
Pferde- oder Kuhdung hineingebracht
und wieder mit Erde bedeckt wird. Im
nächsten Jahre kommen die andern bei-
den Seiten daran gedüngt zu werden
und nun hat der Baum wieder für einige
Zeit zur Genüge. Vortheile dieser Me-
thode sind die geringere Störung, die
der Baum in seinem Wachsthum erfährt
und die längere Wirksamkeit der Dün-
gung.
So liegen gegenwärtig die Culturen
im märkischen Sande, der freilich einer
thatkräftigen Hand und einer gesunden
Intelligenz bedarf, um mit den frucht-
barsten Ländereien zu _concurriren,
Beide zeigt unsere Gärtnerei, und wir
haben in den früher besprochenen Qul-
turen schon weitere Beweise aus Berlin
selbst beigebracht.
(Schluss folgt.)
I. Originalabhandlungen.
4) Grammatosorus (Schrifthaufen) Blumeanus,
So nennen wir ein eigenthümliches
- Baumfarn, das wir unter dem Namen
Aspidium Blumeanum aus dem
Garten der Herren Booth in Flottbeck
erhielten. Aspidium Blumei ist eine
ganz verschiedene Pflanze. Ferner kann
die in Rede stehende Pflanze, obgleich
deren Blätter denen des Aspidium trifo-
liatum sehr ähnlich sind, nicht einmal
zur Gattung Aspidium gerechnet wer-
den. Die Fruchthaufen sind nämlich
ausserordentlich unregelmässig, bald li-
near, bald nierenförmig, bald buchsta-
benartig gebogen etc., und sitzen auf
den zarteren Venen, die zwischen den
fiederförmig verlaufenden Seitennerven
sitzen. Das Indusium ist seitlich den
zarten Venen angewachsen, auf denen
die Fruchthaufen sitzen. Diese Anhef-
tung des Indusiums stimmt also mit den
Gattungen aus der Gruppe der Asple-
nien überein und würde unsere Pflanze
den Gattungen Athyrium und Campto-
sorus zunächst stehen. Der Verlauf der
vielfach anastomosirenden Venen, auf
denen die unregelmässigen Fruchthaufen
stehen, bietet aber einen so wichtigen
Unterschied, dass auch hier unsere
Pflanze nicht untergebracht werden kann.
Mit innerem Widerstreben stellen
wir solche daher als neue Gattung auf.
Mit Widerstreben oder Zweifel sagen
wir, weil es uns kaum glaublich, dass
dieses ausgezeichnete Farn noch nicht
beschrieben sein sollte und doch konn-
ten wir in der uns zu Gebote stehenden
ziemlich vollständigen Literatur über die
Familie der Farn, keine Gattung und
auch in den ähnlichen Gattungen keine
Art finden, mit der wir unsere Pflanze
vereinigen könnten,
Unsere Pflanze hat einen aüfrech-
ten fusshohen Stamm und trägt auf der
Spitze desselben die von 2 Fuss langen
Stielen gestützten Blätter, deren Schnitt
und Form ganz denen des Aspidium tri-
foliatum gleicht. _
Der beistehende Holzschnitt a. stellt
ein Stück” eines Fiederblattes in natür-
licher Grösse mit dem Aderverlauf und
den Fruchthaufen dar. Die Figur b.
336
giebt eine Vergrösserung vom Aderver-
lauf und den Fruchthaufen.
Wir haben den Artennamen beibe-
halten, unter dem wir diese Pflanze von
Booth in Flottbeck erhielten und geben
die folgende Beschreibung. —
Grammatosorus. Fruchthaufen
zerstreut, einzeln, einseitig, auf dem
Adernetz der amastomisirenden Venen
zwischen den Seitennerven stehend, un-
regelmässig, linear, länglich, nierenför-
mig oder fast verästelt. Indusium seit-
lich der fertilen Vene angewachsen.
Die Fruchtkapseln
kommenen verticalen Ring umgeben und
sich mit einem Querspalt öffnend. —
Gr. Blumeanus (Aspidium Blu-
mei h. Booth.) Die ganze Pflanze kahl.
Stamm aufrecht. Blattstiel 11/,—2 F.
lang, stielrund, oberhalb mit schwacher
Furche, die jüngsten Blattstiele mit ein-
zeln lanzettlichen Schuppen besetzt, die
mit einem unvoll-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
später abfallen. Blattfläche 3-seitig-herz-
förmig, ungefähr 1!/, Fuss lang, 3 thei-
lig. Die Theilblättchen gestielt; die bei-
den seitlichen ungleich gross, meist un-
gleichseitig, indem die untere Hälfte
mehr entwickelt ist als die obere, läng-
lich oder oval-lanzettlich, zugespitzt,
unregelmässig buchtig gelappt. Lappen
fast 3-seitigstumpf, ganzrandig, die nach
unten reichenden länger als die nach
oben gerichteten. Das mittlere Theil-
blatt nochmals 3-schnittig oder tief
3-theilig; die Blätichen der zweiten
Ordnung und die Lappen fiedernervig,
länglich-lanzettlich, zugespitzt, ganzran-
dig oder ausgebuchtet oder buchtig ge-
lappt. —
Wenn der Name, unter dem wir
dieses hübsche Baumfarn erhielten, ei-
nen Anhaltspunkt giebt, so stammt es
aus Ostindien. — Cultur im Warm-
hause. — (E. R.)
5) Der Löwenzahn (Taraxaceum Dens leonis) als Salatpflanze.
Wir führen Pflanzen fremder Län-
der von sehr zweifelhaftem Erfolg in
unsere Gärten als Nutzpflanzen ein und
vernachlässigen dagegen unsere eigenen
wildwachsenden Pflanzen, die gute und
durchaus sichere Resultate geben. Zur
Zahl der letzteren gehört unser gemei-
ner Löwenzahn, der in allen Wiesen
massenhaft wild wächst und besonders
auf Rasenplätzen unwillkommenes
Unkraut ist, da er sich da immer schnell
mittelst der von der Luft herbeigetra-
genen Samen, die von ihrer jFederkrone
getragen, gleich einem Ballon die Luft
auf weite Entfernungen durchsegeln, im-
mer schnell wieder einnistet. Wir ha-
ein
sen, dass die jungen Blätter desselben
wirklich einen sehr delicaten Salat ge-
ben. den man zu jeder Zeit im Winter
sich mit leichter Mühe im Treibbeete
oder Gewächshause verschaffen kann,
Ueber denselben gab Hr. Lebeuf und
Louesse im Journal der Pariser Garten-
baugesellschaft im vergangenen ‚Jahre
einen interessanten Artikel, in welchem
gezeigt wird, dass, soferne man sich
auf gutem Culturlande kräftige Pflanzen
desselben aus Samen anzieht, das Pro-
duct an guten jungen Blättern ein
noch reichlicheres und zarteres ist, als
von den Pflanzen, die mit beschädigten
Wurzeln den Wiesen entnommen wer-
ben schon wiederholt darauf hingewie- ! den.
Taf 525
I. @riginalabhandlungen.
Die Cultur desselben zur Treiberei
den Winter hindurch schliesst sich ganz
der unserer Cichorienwurzel an. Man
legt die Wurzeln in Holzkästen ein und
stellt solche warm, wenn man die Blät-
ter zum Salat erzielen will. Um im
freien Lande von demselben den ersten
Salat zu erhalten, den die erwachende
Vegetation überhaupt hervorbringt, wird
er auf Beete gepflanzt und ungefähr
337
4 Zoll hoch mit trockener lockerer Erde
noch überdeckt, Die Blätter werden
dann 4 Wochen lang ganz jung, wie sie
den Boden durchdringen, gleich den
Spargelstengeln über der Wurzel abge-
schnitten. Der Geschmack der jungen
Blätter des Löwenzahns ist feiner und
besser als der der Cichorienwurzel. —
(E. R.)
6) Behandlung und Verwendung der rasenartig wachsenden
Stauden.
Unter den im Freien aushaltenden
Stauden giebt es viele, welche durchaus
keine Vermischung mit höheren vertra-
gen, überhaupt nicht durch Umgraben,
Hacken und Verpflanzen gestört sein
wollen. Zugleich machen diese Pflan-
zen nur dann Effect, wenn sie allein
einen Platz füllen, sei es ein Beet oder
eine Abtheilung einer Felsenanlage.
Solche Pflanzen gedeihen entweder bei
der Vermischung mit höheren so schlecht,
dass sie nicht erfreuen können, oder
sie gehen gar zu Grunde, wenn nicht
wegen Mangel an Licht, doch durch un-
geschickte Arbeiter, welche sie mit um-
graben oder beim Graben beschädigen.
In jedem Falle ist eine Vermischung
mit hohen Pflanzen unschön. Man muss
daher diese Blumen stets in Menge zu-
sammenpflanzen, theils als breite Ein-
fassungen, theils als eigentlichen Blu-
menrasen. Bei einigen ist die Belau-
bung von höherem Werthe, als die Blu-
men, z. B. bei Vinea, Cerastium, Sedum,
Saxilraga u. a. m., desshalb kommt
alles darauf an, dass solche Pflanzen in
solchen Formen zusammengestellt wer-
den, welche auch nicht blühend gefallen
XI. 1866.
können, Man bringt diese Blumenrasen
am besten auf Abhängen oder Felsen-
beeten an, und kann kleine Hügel z.B.
um ein kleines Gartengebäude, Böschun-
gen und Terrassenränder damit bedecken,
was zur Zeit der Blüthe einen Anblick
gewährt, wie man ihn auf ebenen Bee-
ten nie erreicht. Es empfiehlt sich da-
her auch, eigens zu diesem Zwecke
passende Erhöhungen zu bilden, wenn
keine vorhanden sind. Diese Verwen-
dung hat den nicht genug zu schätzen-
den Vortheil, dass man damit steile Ab-
hänge schmückt, welche ausserdem un-
verziert bleiben müssten, weil eigent-
liche Blumenbeete mit lockerem Boden
nicht daran bestehen können, während
diese Pflanzen den Boden befestigen.
Einmal gepflanzt, bedürfen sie keiner
anderen Pflege, als dass man das herein-
wachsende Unkraut und Gras, besonders
Quecken (Triticum repens) entfernt, und
nach Jahren einmal umpflanzt, wobei
die Erde gänzlich erneuert wird. Aller-
dings giebt es auch durch Unfälle ent-
standene Lücken auszufüllen.
Es ist nicht gleichgiltig, welche
Form diese Blumenrasen bilden, nament-
22
338
lich, wenn sie an regelmässigen Abhän-
gen im Grase angebracht sind, wo sie
überall bemerkt werden, In diesem
Falle empfiehlt sich, wenn nicht immer,
aus ihnen künstliche Figuren zu bilden,
wie man sie auf Teppichen, Tapeten
u. s, w. hat, und hierzu eignen sie sich
viel besser, als andere höhere Blumen.
Denkt man sich eine künstliche Figur
in einem regelmässig geformten Rasen-
hange im Hintergrunde des Gartens,
von weitem sichtbar, oder an der Bö-
schung einer Terrasse oder Rampe (Auf-
fahrt), aus lebhaftem vom Rasen abste-
chendem Grün, Roth und Weiss gebil-
det, zu Zeiten reich mit Blumen ge-
schmückt, so wird man leicht auf den
überraschenden Effeet schliessen kön-
nen *).
Wie man ganze Abhänge mit sol-
chen Pflanzen bekleidet, Einfassungen
davon bildet, oder sie in einer Felsen-
anlage verwendet, bedarf keiner beson-
deren Angabe. Es sei nur bemerkt,
dass nur wenige Pflanzen wirklich gute
Einfassungen bilden, die meisten aber
bei Beeten im Rasen nicht zu gebrau-
chen sind. Will man solche Einfassun-
gen z. B. von kriechenden Phlox, Iris
pumila, Saxifraga (mehre Arten), Au-
brietia, Gentiana acaulis, Arabis albida
etc., man die Rabatten und
Wege besonders breit einrichten. Die
Bepflanzung kann sehr verschieden sein.
Will man eine Figur, welche den
ganzen Sommer wirkungsvoll bleibt, so
wähle man Pflanzen, bei welchen die
Blüthe Nebensache ist.
so muss
*) In meinem so eben erschienenen
Buche, „der immerblühende Garten“
(Leipzig, Verlag von O. Spanner) habe ich
mehrere solche Teppichbeete abgebildet und
Beispiele für die Bepflanzung angegeben.
DIT.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Folgende ausdauernde Pflanzen sind
zu Blumenrasen besonders geeignet:
Anemone Hepatica, Arabis albida (cau-
casica), besonders die Varietät mit bun-
ten Blättern. A. alpina, Armeria alpi-
na, A, plantaginea, A. vulgaris, Asarum
europaeum, Aster alpinus, Bellis peren-
nis (Tausendschönchen , Maassliebe),
Campanula pulla, C. pusilla, Cerastium
Biebersteini, C. tomentosum, Convallaria
majalis, Dactylis glomerata fol. var.,
Dianthus alpinus, D. caesius, D. plu-
marius fl. pl. (Federnelke), Dicentra
(Dielytra) formosa, Gentiana acaulis,
Gnaphalium arenarium, G. dioicum, Ibe-
ris sempervirens, Iris pumila, Lychnis
alpina, L. Viscaria fl. pl. (Pechnelke),
Omphalodes verna (Gartenvergissmein-
nicht), Oxalis Acetosella, Phlox amoena
(pilosa), P. nivalis oder setacea alba
(Nelsonii), P. reptans, P. setacea, P.
subulata, P. verna, Primula acaulis in
gefüllten Varietäten. Saponaria
ocimoides, Saxifraga bryoides, S. cae-
spitosa, S. hypnoides, S. sedoides u. a.
m., Sedum album, $. carneum fol. var.,
S. coceineum, S. hybridum, S. roseum,
S. Sieboldii, S. spurium u. a. m., $i-
alpestris,
vielen
lene Sisyrinchium anceps,
Trifolium repens fol. atropurpureis, Vi-
nia herbacea, V. minor, in mehreren Va-
rietäten, besonders auch die Var. fol.
variegatis.
Von den genannten empfehlen sich
folgende zur Bekleidung ganzer Ab-
hänge, also förmlich zum Ersatz von
Rasen, und unter diesen sind die mit
einem * bezeichneten Schattenpflanzen,
welche entweder Schatten verlangen oder
wenigstens ertragen. * Anemone Hepa-
tica, Arabis albida, A. alpina, * Asarum
europaeum, Aubrietia deltoidea, A. pur-
purea, Cerastium Biebersteini, ©. tomen-
tosum, * Convallaria majalis, Dianthus
caesius, Gnaphalium arenarium, G. diei-
I. Originalabhandlungen. 339
cum, beide für ganz unfruchtbaren Sand, ‚nicht auffallend blühen, aber schöne
* Oxalis Asetosella, Phiox amoena (pi- | hochrothe Früchte haben, die sich auf
iosa), P. nivalis, P. reptans, P, setacea, | der glänzenden Belaubung prächtig aus-
P. subulata, * Saxifraga bryoides, * S. | nehmen; Erica herbacea (earnea),
eaespitosa, * S. hvpnoides, * $. sedoi- | Daphne Cneorum, (nur auf Kalkboden
des, Sedum album, * S. roseum, * S, | und sonnig) Helianthemum vulgare und
hybridum, * S. spurium, Vinca herba- | mutabile, Hypericum calycinum, Loni-
eea, * V. minor, V. minor fol. var. cera brachypoda fol. aureo-reticulatis,
Ich will noch bemerken, dass sich | vor allen den Epheu, dessen Anwendung
auch mehrere kleine Sträucher vortreff- | zu allerlei Figuren, besonders in Ara-
lich zu solchen Rasenbeeten eignen, als; | beskenform, nicht genug empfohlen wer-
Cotoneaster mierophylla, rotundifolia, | den kann. (J.)
thymifolia, Nummularia, welche zwar |
7) Amelanchier Boiryapium als Heckhenpflanze.
Herr Fiseher, Vorsteher der Baum- ; am geeignetsten gleich im Herbste auf
schule zu Worenesh, schreibt uns über | Schulbeete im freien Lande ausgesäet
diesen Strauch Nordamerika’s, der in | und geht dann Korn für Korn im
den Gärten auch als Pyrus ovalis oder Frühlinge auf.
Amelanchier ovalis verbreitet ist. Wir wiederholen bei dieser Gele-
„Dieser Strauch bildet hier in Wo- | genheit, dass hier in Petersburg es
ronesh prächtige Hecken von 14 Fuss | keinen Strauch giebt, der als Hecken-
Höhe und fast 2 Fuss Breite., Es ist | pflanze unsern Crataegus sangui-
einer der besten Heckensträucher, ver- | nea Pall. aus Sibirien übertreffen
möge seines dicht aufstrebenden Wuch- | könnte. Wir besitzen von solehem im
ses, seiner frühen Belauburg und lan- | hiesigen Garten bis 3 Fuss breite und
gen Dauer“. ‚bis 7 Fuss hohe Hecken, die gleich-
Wir können dem nur hinzu fügen, | mässig dicht und schön sind. Dazu
dass A. Botryapium zu den auch im | wächst der Crataegus sanguinea bedeu-
Petersburger Klima durchaus harten | tend schneller, als der in Deutschland
Sträuchern gehört, der auch als Bos- | und der Schweiz zu ähnlichem Zwecke
quetstrauch durch hübsche Belaubung | verwendete Cr. Oxyacantha und hat
und reichliche Entwickelung der weissen | viel weniger Pilege nothwendis, da es
Blütheneorymben im Frühlinge ziert. | genügt, die gepflanzten Sträucher im
Vermehrung durch Samen, den solcher | Sommer zweimal mit der grossen Haag-
hier jährlich reichlich trägt. Leider be- | scheere beschneiden zu lassen und ein-
kommt man die beerenartigen Früchte | Anbinden derselben ganz unnöthig ist.
aber selten in grösserer Menge, da sol- | Gleich gute Resultate giebt auch Cra-
che einen angenehmen Geschmack be- | taegus eoccinea aus Nordamerika. Der
sitzen und von Kindern und Erwachse- | Same beider Arten muss behufs der
nen abgesucht werden. Der Same wird "Anzucht schon im Herbste ausgesäet
Rare
340
werden.
Samen aber nicht so früh verschaffen,
so schichte man solehe im Winter zwi-
schen nicht ganz trockenem Sand in
Kisten e'n und stelle diese im Winter
'» einen Keller, wo solche selbst Frost
bekommen körnen Derartig behandel-
|
|
|
I. Neue Zie
a) Beschrieben in verschiedenen
Zeitschriften.
1) Desmodinm penduliflorum Oudımans.
Ein neues Desmod’um aus Japan, welches
sich von den veı wandten Arten Japans und
Chinas drrch hängende Aeste mit vielblu-
migen hängenden Blüthenirauben unter-
scheide'. Bildet einen bis 6 Fuss hohen
Sı.auch. Stengel behaart. Blätier 3zählig.
Blättehen läng)ich oder länglich-lavzettlich,
beiderseits spitz, vorn in einen Krautstachel
ausgehend, oberhalb kahl, unterhalb dicht
enged'ückt behaaıi. Die langen hängenden
Blüthentrauben achselständig, aus vielen
scharlachfarbenen einzelstehenden oder ge-
paart stehenden Blumen zusammengesetzt.
Diese schönen Blüthen.rauben sind an der
Spitze der Zweige zu einer g.ossen pyra-
midalen Rispe zusammengedrängt und er-
scheinen von August bis October. (Oude-
mans de Neerland’s Plantontuin) 1866.
Tab. 2.
23) Ficus Suringari H. Witte. Ein
schöner neuer Ficus, den Teyssmann auf
der Insel Amboine entdeckte und lebend
an den botavischen Garten in Leyden ein- |
sendete.e Ein Baum mit lang gestielten |
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Kann man sich frischen guten !ter Same geht auch ‘'n Frühlinge, in’s
freie Land ausgesäet, ziemlich gut auf,
während nicht vorbereiteter im Frühling
ausgesäeter Samen, ein, ja theilweise
2 Jahre im Boden l’egt, bis solcher
avfgeht. (E. R.)
rpflanzen.
, zogen. Unterhalb behaart. Eine schöne de-
| corative Pflanze für's Warmhaus, mit grossen
Blä..ern, die durch ihre Grösse und schöne
Zeichnung einen sehr guten Effect macht.
Oudemans bildet solche in dem eit'rten
Werke ab, — eine Pflanze, die der Peters-
| burger Garten vom Hrn. Grönewegen in
| Amsterdam erhielt, entspricht der Beschrei-
| bung, so dass wi” diese Pflanze mit Ueber-
zeugung als eine schöne Neuigkeit empfeh-
len. (E. R.)
3) Dracontium asperum C. Koch. So
nennt ©. Koch die schöne Aroidee, die von
Ambroise Verschaffelt als Amorphophallus
nivosus ausgegeben und von Lemaire in
I'ustration horticole (Tab. 424 und 439.)
beschrieben worden ist. Pag. 14 des Fe-
bruarheftes 1866 publieirt Lemaire nach-
träglich die Abbildung der Blumen nebst
Beschreibung derselben. Die an der Spitze
| schnabelförmig eingekrümmten Blüthenschei-
den sind ausserhalb graubraun, innerhalb
fast schwarz.
b) Abgebildet in Illustration hor-
ticole.
4) Hyophorbe Verschaffeli H. Wendl.
Es ist das die irüher von Ambroise Ver-
Blättern, die jüngeren herzförmig-oval, fast | schaffelt in Gent, als Areca Verschaffelti
kreisföımig-herziöımig, vorn zugespitzt, un- | ausgegebene Palme, die nun unser Mono-
gleich gezähnt-gesägt, oberhalb glänzend | graph der Familie der Palme, Hr. H. Wend-
mit einzelnen weissen Haaren besetzt und
von 5 roth gefärbten Hauptneıven durch-
land, zur Gattung Hyophorbe zieht. Gra-
ciler schöner Wuchs, mächtige Fiederblätter
II. Neue Zierpflanzen.
mit goldgelbem Blattstiel, schmale linien-
lanzettliche sehr spitze Fiederblättchen zeich-
nen diese prächtige Palme von der Insel
Bourbon vortheilhaft aus. Zur Gattung
Hyophorbe gehören ansserdem A. indica |
Gärtn. (die Areca lutescens Bory und der
Gärten, die Martius als H. Commersoniana
beschrieben hat,) und H. amuricaulis Mart.
Letztere ward als Areca speciosa von dem
Garten-Etablissement des Hrn. A. Verschat-
felt verbreitet. (Tab. 462—463.)
5) Trichinium Manglesii Hook. Wir
haben diese schöne Amarantacee schon nach
der Abbildung Hooker’s (Bot. Mag. 5448)
erwähnt.
Winter im Kalthause, im Sommer im Freien
und eine lockere sandige Erde.
(Tab. 464.)
6) Camellia Roma Risorta. Grosse gut |
gefüllte und schön gebaute Blume von dun- | grosse Mehrzahl der Aristolochien, der Pas-
kelrosarother Färbung und die einzelnen |
Petalen ziemlich regelmässig tiefer roth ge- |
| sind Schlingpflanzen, die eine derartige Cul-
7) Bougainvillea spectabilis var. lateri- | A nn
tia h. Angl. Nyctagineae — Eine Abart | EEE.
derB. spectabilis, deren die Blumen stützen- | volle Aarau ROSEN) EN n Ye
den Bracteen eine lebhafte ziegelrothe Fär- |
a | pflanzen in’s freie Land möglich machen.
streift, — (Tab. 465.)
bung besitzen.
Die Bougainvillea spectabilis ist eine |
schöne Schlingpflanze, die in zahlreichen |
Varietäten im tropischen Amerika vorkommt,
Choisy führt 6 Arten dieser Gattung in De
Candolie’s Prodromus auf, welche aber W. |
Hooker alle als Formen zur B. spectabilis
zieht. In den Gärten des tropischen Asien
und Amerika gehört die B. spectabilis zu
den geachtesten Schlingpilanzen, indem sol-
ehe dort grosse Wände bekleidet oder zur
Bepflanzung von Lauben etc. verwendet
wird und die prächtigen grossen Blüthen-
dolden, denen die grossen roth gefärbten
Bracteen die Schönheit verleihen, das ganze
Jahr hindurch massenhaft entwickelt. In den
Gärten Europas blüht diese schöne Schling-
pflanze aber selten und dann meist nur sparsam.
Am vollkommensten sah sie der Referent
blühen, wenn solche im Warmhause in’s
freie Land ausgepflanzt und dann unter’m
Fenster hin gezogen wird. Bei derartiger
Verschaffelt empfiehlt Cultur im |
341
Cultur achte man nur darauf, dass alle aus
dem Stamm und den Hauptästen ausbrechen-
den jungen Triebe bald nach deren Erschei-
nen fortgenommen werden, da diese sich
sonst mit ausnehmender Ueppigkeit ent-
wickeln und das Blühen der älteren Zweige
verhindern. Diese Art der Cultur giebt über-
haupt bei der Mehrzahl der prächtigen hoch-
| wachsenden Schlingpflanzen, stets das beste
Resultat, erfordert freilich aber einen so be-
| deutenden Raum, dass man diese Cultur im-
mer nur für wenige Lieblingspflanzen in
Anwendung bringen kann. Besser aber ist
es, nur einige schöne Schlingpflanzen auf
diese Weise in den Gewächshäusern zu
ziehen, die in mächtigen reich blühenden
| Guirlanden unter den Fenstern hinranken,
| als deren viele anzubauen, die uns keine
| Blumen oder doch nur ein Zerrbild der
Schönheit dieser Pflanzen liefern. Die
prächtigen Tacsonien, die
die Tecoma-Arten etc.,
sifloren, der
Lapageria rosea,
Bei der Construction der Gewächshäuser
dass solche das Auspflanzen von Schling-
(Tab. 466.)
8) Calathea (Maranta) splendida H.
Versch. Es ist das eine der Pflanzen, die
Hr. Baraquin in der Provinz Para in der
Nähe des Amazonenstroms entdeckte und in
das Etablissement des Hrn. A. Verschaffelt
in Gent einführte. Dieselbe wetteifert mit
der Calathea (Maranta) Veitchii an Schön-
heit. Eine schöne ansehnliche Pflanze, die
durchaus kahl ist. Blattstiele bis spannen-
lang, am Grunde scheidig, oben walzlich,
unter’'m Blatt nicht angeschwollen. Blatt-
fläche elliptisch-lanzettlich, am Grunde fast
herzförmig oder keilförmig, vorn spitz, un-
gefähbr 1 Fuss lang, oberhalb dunkel metall-
grün mit schönen hellgrünen, ziemlich re-
gelmässigen Querstreifen, welche vom Mit-
telnerven ausgehen und den Blattraud nicht
erreichen, unterhalb purpur-violett. Blumen
unbekannt. — (Tab. 468.)
9) Bignonia argyreo-violascens Hort.
342
Gartenflora Deutschlands,
Angl. Eine andere schöne Blattpfanze, die
von Gärtnereien Englands in dem letzten
Jahre verbreitet wurde und von der die
Blüthe noch unbekannt Nach Lemaire ist
solche vom Hrn. Lindige aufder Magdalenen-
Insel in Neu-Granada entdeckt und an den
Gärtner Lierval in Paris eingesendet worden.
Der Name muss daher wie bei der vorher-
gehenden Pflanze, als nur provisorisch ge-
geben, betrachtet werden. Wenn die in
Rede stehende Pflanze wirklich eine Bigno-
nia ist, so gehört solche in die erste Ab-
theilung der Gattung, welche Arten mit ein-
fachen Blättern enthält. Es ist eine sehr
schöne Schlingpflanze für das Warmhaus,
mit herzförmig-ovalen zugespitzten Blättern.
Die jüngsten Blätter sind purpurfarben, die
älteren grün und purpur und alle tragen
eine silberfarbene schöne Zeichnung längs
des Mittelnerves und der Seitennerven oder
selbst netzartig auch noch längs der Venen.
Eine vorzüglich schöne Acquisition zjür’s
Warmhaus. — (Tab. 469).
c) Abgebildet in Belgique horticole.
10) Selaginella Martensii Sprgl. 5. va-
riegata h. Mack. Eine Abart dieser hüb-
schen Selaginella, deren Astspitzen anfäng-
lich gelb, später weiss gefärbt sind. (Mai-
heft 1866.) — Ueber Einführung dieser hüb- |
schen Abart sagt Hr. E.Morren nichts. Wir |
vermuthen, dass solche aus den Gärten Ja-
pans stammt, wo mehrere Selaginellen mit |
eultivirt werden. So-
früheren Jahren, wie im letzten
panachirten Blättern
wohl in
Jahre erhielt der hiesige Garten Kisten mit |
lebenden Pflanzen verschiedener panachirter
Selaginella-Arten aus Japan, leider aber kom-
men solche stets todt hier an.
11) Billbergia Glymiana De Vries.
(Juniheft 1866). B. Wetherelli Hook. Bot.
Mag. tab. 4835 ist identisch mit dieser von
De Vriese zuerst im Jaarb. d. Kon. Neder!l.
Maatschr. van Tuinb. 1855 beschriebenen
Pflanze. — Bracteen carmin, Blumen weiss-
gelb, mit blauem Saume.
d) Abgebildet im Botanical Maga-
zine.
12) Eulophia virens Lindl. Ne
1 Zoll lang, gelogrün und rothbraun linürt.
| ray in Gord. Pinet. pag. 62.) —
Russlands und der Schweiz.
die in den Gebirgen Ceylons und den Nil-
sherries zu Hause ist. Gehört nicht zu den
effeetvollen Arten. Scheinknollen rundlich-
oval, mehrere grasartige linien-lanzettliche
Blätter tragerd, welche kürzer als die Blü-
thenschaite. Letztere einfach oder verästelt,
die Biumen in losen endständigen Trauben
tragend. Blüthenhüllblätter länglich, stumpf,
nach dem Grunde zu verschmälert, ungefähr
Lippe etwas länger als Blüthenblätter, ver-
kehrt länglich, mit kurzen Seitenlappen,
weiss mit purpurnen Streifen, Mittellappen
am Rande kraus, vorn übergebogen und
stumpf. — Sporn gerade, schwach kegel-
förmig, 3 mal kürzer als die Lippe. —
(Tab. 5579.)
15) Scilla Cooperi Hook. Ein hübsches
Zwiebelgewächs vom Vorgebirge der guten
Hoffnung, das die Tracht einer Drimia be-
| sitzt, Zwiebel fast kuglig. Blätter gestreckt-
lanzettlich, stumpf, 8—10 Zoll lang, grün,
unterhalb und am Grunde mit purpurnen
Linien und ausserdem am Grunde mit pur-
purnen Flecken gezeichnet.
Blüthenschaft grün, kürzer als Blätter.
Blüthetraube dichtblumig, 2—3 Zoll lang.
Bracteen sehr klein. Blumen purpur, Y/,
Zoll im Durchmesser. Petalen abstehend,
länglich, stumpf, auf der Rückseite an der
Spitze verdickt. Staubläden aufrecht. An-
| theren schildförmig. Fruchtknoten nieder-
gedrückt halbkugelig, kurz gestielt, 6-furchig,
am Grunde 6-lappig. Griffel kurz, gerade.
| In jedem Fach des Fruchtknotens 2 Eier.
(Tab. 5580.)
14) Cupressus Lawsonia Murray. (Mur-
Ist schon
ı seit mehreren Jahren in den Gärten Europas
| verbreitet und gehört zu den schönsten Üe-
dern. Ward von Jefireys aus Californien
eingeführt und soll in seinem Heimathlande
eine Höhe von 100 Fuss erreichen.
In England hält derselbe im freien
‚ Lande aus. Wie verhält sich derselbe in
Deutschland? — Diese Frage werden viel-
leicht einige unserer Leser so freundlich
sein, zu beantworten. — (Tab. 5581.)
15) Warscewicziella velata Kehb. fi.
Schöne epiphytische Orchidee aus Neu-
III. Notizen,
Granada; die jedoch keine Knollen besitzt.
Blätter spannenlang, noch einmal so lang
als die Iblumigen Blüthenstiele, verkehrt
länglich - lanzettlich. Blüthenhüllblätter zu-
rückgeschlagen, ungefähr 1 Zoll lang, gelb-
weiss, Die seitlichen Kelchblätter lanzett-
lich, spitz, das hintere grösser. Blumen-
blätter breit-oval, spitz. Lippe ausgebreitet,
fast 5lappig, am Grunde kurz genagelt. Die
Schwiele oberhalb des Grundes vorn ge-
zähnt. Die Grundfarbe der Lippe ist gelb-
weiss, am Rande ist solche rosa gefärbt
und im Centrum strahlig purpur gestreift.
— Rchb. fil. in Schl. Bot. Zeitung 1865
p. 99. — Bot. Mag. Tab. 5582. —
16) Begonia geramioides Hook. Neue
Begonia, die Hr. Backhouse aus Port Natal
in Afrika einführte. Eine schöne reich-
blühende stammlose Art, die allenthalben
lose behaart ist. Blätter kreisförmig-nieren-
förmig, undeutlich 7—9lappig, 3—10 Zoll
im Durchmesser, mit schwach gekerbten
Lappen und kleinen oval-lanzettlichen ge-
343
weiss, 1 Zoll im Durchmesser. Die männ-
lichen Blumen mit 2 Kelch- und 2 Blu-
menblättern von fast kreisförmiger Gestalt.
Staubfäden frei. Antheren so lang als die
Staubfäden. Die weiblichen Blumen
mit 2 Kelch- und 3 Blumenblättern von
rundlicher Form. Fruchtknoten mit 3 Flü-
geln, Flügel eckig. Griffel an der Spitze
ohrenförmig-2lappig. (Tab. 5583).
17) Myrsiphyllum asparagoides Willd.
Liliaceae. — (Willd. in Berl. Mag. II.
pag. 25. — Redoute Lil. tab. 442. —
M. angustifolium Mill. Diet. N. 2. — Dra-
caena medeoloides L. fil. suppl. 203. —
Asparagus medeoloides Thbrg. prodr. fl.
cap. 66.) — Eine Schlingpflanze vom Vor-
gebirge der guten Hoffnung mit weissgelben
Blumen, die in den Gärten des Continents
ziemlich verbreitet ist. Ward schon 1702
durch die Herzogin von Beaufort in die
Gärten Englands eingeführt. Hübsche Kalt-
hauspflanze mit das ganze Jahr hindurch
bleibenden glänzend grünen länglich-ovalen
wimperten Nebenblättern. Blüthenschafte | oder fast herzförmig-ovalen ganzrandigen
die Blätter weit überragend, reichblumige | Blättern. — (Tab. 5584).
rispenartige Afterdolden tragend. Bracteen (E. R.)
oval oder länglich, gewimpert. Blumen
IL, Notizen.
1) Kleine üppigblühende Oran-
genbäumchen zu erziehen. Neben der
Masse der neu eingeführten Pflanzen geht
die Cultur so mancher alten Pflanze unserer
Gärten immer mehr zurück. Dieses Schick-
sal hat auch der Orangenbaum, wenn man
die Ausdehung bedenkt, in der er sonst an-
gezogen ward, wenn er manche grosse
Gärtnerei so ausschliesslich füllte, dass der
Ausdruck Orangerie und Gewächshaus fast
gleichbedeutend war. Wir bedauern esnicht,
dass diese Zeit vorüber ist, dass das eintö-
nige Bild, welches ein der Cultur der Oran-
genbäume gewidmeter Garten gewährte,
immer mehr und mehr verschwindet. Aber
schön, sehr schön wird für alle Zeiten der
Orangenbaum mit seinen süssduftenden Blu-
men und seinem im Dunkeln immergrünen
Laube glühenden Früchten bleiben. —
Kleine niedrige Topfbäume sind für den
Pflanzenfreund noch geeigneter als jene
grossen hochstämmigen Exemplare, wie
man solche auch jetzt noch häufig zur Bil-
dung von Kübelbäumen aus Italien bezieht.
Um sich schnell niedrige üppig blü-
hende Topfbäume zu erziehen, verfahre man
in der Weise, wie diesHr. Westen in der
an interessanten Mittheilungen reichen Ham-
burger Gartenzeitung beschreibt:
Anstatt zur Unterlage Samenpflanzen
344
zu wählen, nehme man hierzu Stecklings-
pflanzen vom Citronenbaum. Ende Januar
oder Anfang Februar werden die kräftigsten
Triebe des Letzteren zu Stecklingen ge-
schnitten und im Vermehrungskasten oder
Warmhaus unter Glocken in eine Mischung
aus gleichen Theilen von Sand und Säge-
spänen gestopft. Schon in wenigen Wochen
werden sich solche bewurzelt haben, worauf
man sie in ein halbwarmes Mistbeet in’s
freie Land in 8—9 Zoll Abstand von einan-
der auspflanzt. Herr W. empfiehlt als Erde
eine */, Fuss hohe Schicht stark sandiger
Heideerde und wendet zur kräftigen Ernäh-
rung von Zeit zu Zeit einen kräftigen Dung-
guss von Kuhjauche an. Eine milde leh-
mige, mit Laub- oder Heideerde und Sand
vermischte Erde, würde nach unserer An-
sicht noch zweckmässiger sein. In der er-
sten Zeit nach dem Auspflanzen werden die
Fenster geschlossen gehalten, später wird
reichlich Luft gegeben und im Sommer wer-
den die Fenster ganz abgenommen und aus-
serdem wird alle Abende überspritzt. Bis zum
Sept. haben sieStämmchen von 2—3 Fuss Höhe
gebildet und werden nun in Töpie gepflanzt und
in ein kaltes Gewächshaus gebracht, wo sie
keine Luft erhalten. Ende December bringt
man solche in’s Vermehrungshaus und setzt
hier mittelst Copulirens nicht ein einzelnes
Reis, — sondern gleich eine kleine, von ei-
nem alten Baume gewählte Krone mit eini-
gen Früchten auf, Der Verband wird nur
mit Bast gemacht. Man legt die Töpfe im
Vermehrungskasten ein und zwar mit der
Copulationsstelle nach oben. In einigen
Wochen ist das Edelreis angewachsen, dann
wird der Verband gelöst und das fertige
Bäumchen aufrecht im Vermehrungshause
hingestellt, um es später allmälig an Luft
und Sonne zu gewöhnen.
Im Mai blühen solche schon von Neuem
und da sie nun zugleich Frucht und Blumen
haben, geben sie für den Handelsgärtner
einen guten Verkaufsartikel.
2) Empfehlenswerthe Obstsorten.
Es werden noch immer grosse Mengen von
Fruchtbäumen gepflanzt, ohne dass man ih-
ren Werth kennt; es werden auch sehr
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
viele Bäume gepflanzt, deren Früchte wenig
Anwerth finden; es ist daher immer von
grossem Interesse für den Obstzüchter, jene
Arten Obst zu kennen, die eine gesuchte
Marktwaare bilden. Herr Köhler, Ober-
gärtner an der k. k. landwirthschaftlichen
Lehranstalt zu Ungarisch-Altenburg gibt
(in der allg. land- u. forstwirtsch. Zeitung,
Wien 1866 Nr. 34) eine systematische Auf-
zählung werthvoller Obstsorten:
Rother Herbst- und rother Winter-Cal-
vill, auch unter dem Namen Erd- und Him-
beer-Aepfel bekannt — sie sind inForm und
Färbung nahe verwandt, und sind immer
sehr gesucht.
Weisser Winter-Calvill, Quittenapfel, ist
einer der vortrefflichsten Apfelsorten.
Cornvalliser Nelkenapfel, (Calville d’Ang
leterre), ein schöner grosser und lange
dauernder Winterapfel.
Grävensteiner, ebenfalls zu den Calvillen
gehörig, mit schöner Färbung und ausge-
zeichnet durch Wohlgeruch.
Sommergewürzapfel (zur Classe der
Schlotteräpfel gehörig) — englischer Kant-
apfel — cempfehlenswerth seiner
Reife wegen und
Prinzenapfel, der besonders schönen
Färbung wegen empfehlenswerth.
Königsapfel von Jersey (aus der Classe
der Gulderlinge), eine schöne und gute ein-
farbige Herbstfrucht.
Goldgulderling, durch seinen gewürzten
Geschmack, werthvolles Tafelobst, Doppelter
Holländer, sehr schön geformter und gefärb-
ter Apfel.
Calvillartiger Rosenapfel (Danziger Kant-
apfel), alter bekannter Wintertafelapfel, dop-
pelter Agatapfel, prachtvolle Herbstfrucht.
Köstlichster, entspricht vorzüglich durch
feinen Gewürzgeschmack seiner Benennung
Sommerzimmtapfel und
Rother Astrachan, frühreifende Tafelsor-
ten, letzterer reichlich tragbar.
Mayer’s Taubenapfel (gerippter Herbst-
täubling), zarte, schöne, einförmige Frucht.
Weisser Rosmarinapfel — ausser Tirol
nie so schön und gut, daher zu häufige
Anpflanzung nicht zu empfehlen.
frühen
III. Notizen.
Braunauer Rosmarinapfel, reichliche
Tragbarkeit, aber geringerer Werth.
Edelrother und
Rother Rosmarin, sehr ähnliche Sorten,
dürften nur unter ganz günstigen Verhält-
nissen für den Obstbau eine besondere Voll-
kommenheit erlangen.
Kaiser Alexander (aus der Classe der
Rambour), Aport; grosser, schön gefärbter
Herbstapfel.
Lothringer Rambour, Strudel- oder
Pfundapfel, für die Küche sehr geeignet, die
Früchte fallen gerne ab.
Pariser Rambour-Reinette, auch weisser
Antillen-Reinet, wegen ausgezeichneter Grösse
und Geschmack, langer Dauer, reichlicher
Tragbarkeit empfehlenswerth.
Lothringer grüne Reinette, Canada- u.
Windsor-Reinette, eine grosse, grüne, lang-
dauernde Winterfrucht, jedoch in ihrem
Werthe dem vorhergehenden nachstehend.
Gaesdonker Reinette, der Baum sehr
reichtragend. Die Eintheilung dieser Sorte
aus der Classe der Gold-Reinetten in die
der einfarbigen gilt für das Klima Oester-
reichs nicht, da sie hier ganz den Character
der Goldreinetten annimmt.
Reinette von Breda — hier werthvolles
Tafelobst, auch zur Mostbereitung.
Ananas-Reinette, und
Goldpepping, schöne goldgelbe Früchte,
fein, gewürzt, halten sich bis spät in den
Winter.
Edelborstorfer. (Maschansker) allgemein
bekannte und beliebte Frucht.
Muscat-Reinette, bei ihrer Färbung, ge-
würzten Geschmack und langer Dauer, als
Marktfrucht sehr anempfohlen. Der Baum
bildet mit seinen Zweigen besonders schön
geformte Kronen.
Baumann’s Reinette (rothe Winter-Rei-
nette), sehr empfehlenswerth wegen ihrer
Grösse, schönen Färbung u. a. guten Eigen-
schaften.
Langton’s Sondergleichen,,
und schöne Herbstfrucht.
Carmeliter-Reinette als Wintertafelapfel,
sehr zu empfehlen ; der Baum ist von schö-
nem Wuchse und reicher Tragbarkeit.
Graue Herbst- und
sehr zarte
345
Graue französische Reinette, in Form
und Färbung etwas ähnlich; in Geschmack
und Dauer ist letztere Sorte vorzuziehen.
Englische Spital-Reinette und
Grauer Kurzstiel sind in ihrem Aeusse-
ren und Werthe mit vorhergehenden ver-
wandt.
Carpentin, langdauernder und sehr fein
gewürzter Tafelapfel; in Süd - Deutschland
zur Obstweinbereitung.
Orleans-Reinette, sehr schöne goldartige
und an der Sonnenseite roth gefärbte ausge-
zeichnete Wintertafelfrucht. Der Baum bil-
det bei lebhaftem Wuchse schöne pyrami-
dale Krone, und ist reichtragend. Diese
Sorte ist durch den characteristisch weit
geöffneten Kelch leicht erkennbar.
König Ferdinand von Ungarn, ähnlich
der vorhergehenden. Die Frucht ist von
Schmiedberger in St. Florian aus dem
Samen einer Orleans-Reinette erzogen. Die
Frucht ist sehr schön gefärbt und am Baum
stark, beduttet.
Englische Wintergoldparmäne, schr ver-
schiedene Namen, aber auch zu wenig ge-
schätzt, sie ist ausgezeichnet schön und
gute Wintertafelfrucht. Der Baum bildet
schr schöne Hochstämme mit schön geform-
ten Kronen; trägt reichlich.
Grosse oder doppelte Casseler Reinette,
auch holländische Gold-Reinette, werthvolle
Tafelfrucht.
Harbert’s Reinette, (Harbert’s reinetten-
artige Rambour), schöne, grosse Frucht.
Ribston’s Pepping, englischer Granat-Rei-
nette, Reinette quarendon, Baum sehr
fruchtbar, Früchte durch ihre sehr schöne
Färbung vorzügliche Marktwaare.
Grosser rheinischer Bohnapfel (aus der
Classe der Streifliinge), die Frucht erhält
sich bis Frühjahr, ja bis in den Sommer
hinein.
Tothalma, in Form und Färbung ver-
wandt mit vorhergehenden.
Luikenapfel, in Süddeutschland als
Wirthschaftsapfel beliebt, in Folge sehr spä-
ter Entwicklung seiner Blätter und Blüthen
passt er zur Anpflanzung in rauhe La-
gen.
Bagacsalma — Frucht für Küche sehr
346
gut; lange aufbewahrt, auch zum Rohge-
nusse recht brauchbar.
Rother Stettiner — Herrenweinling, schr
beliebter Winterapfel.
Wellington, wohl für wirthschaftliche
Zwecke, aber nicht für Tafel von Werth,
Taffetapfel — sehr gesuchte Sorte.
Sternapfel — Pfaffenkappel kommt von
Botzen; verdient wenige Beachtung; höch-
stens zur Ausschmückung der Christbäume
geeignet.
Die Birnsorten classifieirt Köhler nach
der Reifezeit in Sommer-, Herbst- und Win-
terbirnen; nach der Form in rundliche,
längliche und lange.
Unter den Sommerbirnen sind wenige
empfehlenswerthe Sorten:
Leipziger Rettigbirne und Sommerbirne
sind zu wenig werthvoll als Marktiwaare.
Sommerbirne und Prinzessin von Ora-
nien, empfehlenswerth.
Grüne Sommermagdalene , eine schöne
gute einfarbige Frühbirne.
Stuttgarter Gaishirtlbirne; der Baum
bildet besonders schöne Pyramiden; die
Birne sehr schön und besonders gewürzhalt.
Chereadame, Damenbirne, mittelgross
schön gefärbte Sommerbirne.
Hardenponts frühzeitige Colmar, wohl
sehr saftig, aber etwas herbschmeckend.
Punctirter Sommerdorn, Uebergang von
den Sommer- zu den Herbstbirnen; die
Früchte halten sich gut bis October; der
Baum bildet schöne Pyramiden, und ist sehr
tragbar.
Englische Sommer-Butterbirne, eine
schöne einfarbige Sorte; die der Pyramiden
ist ohne Rostspuren, grösser und schmack-
hafter.
Sparbirne, ist sehr schön und gross,
aber in sandigen Boden zu wenig saftreich;
auf Quitten- Unterlagen verträgt sie sich
nicht gut,
Windsorbirne, eine grosse lange Som-
merbirne, die vom Baume grasgrünist, nach
8—-14 Tagen aber schön gelb wird; herb-
schmeckend.
Sommer-Apotheker-Birne (Plutzerbirne),
die schönsten und grössten in der Oeden-
burger Gegend.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Sommerherrenbirne, Erzherzogsbirne ;
eine sehr schöne, gute Tafelfrucht.
Rothe Dechantsbirne (aus der Classe
der rundlichen Herbstbirnen), auch rothe
Herbst-Butterbirne; ähnelt im Geschmacke
der grauen Herbst-Butterbirne; eine etwas
geröthete , überaus schmelzende Tafelbirne ;
der Baum ist von sonderbarem Wuchs, bil-
det sich schwer zur Pyramidenform.
Wildling von Motte, eine grosse, schöne
einfarbige Birne, aber gewürzlos.
Belle et Bonne, deutsche National-Ber-
gamotte, wunderschöne empfehlenswerthe
Frucht.
Wildling von Montigny, grasgrüne
Frucht, bei voller Zeitigung goldgelb, mit
erhabenem Muscatellergeschmack.
Kaiserbirne, weisse Herbst-Butterbirne,
eine alte geschätzte Marktfrucht.
Graue Dechantsbirne; ganz mit feinem
Roste überkleidet; eine saft- und gewürz-
reiche Sorte.
Herzogin von Angouleme (aus der
Classe der länglichen Herbsttafelbirnen),
eine grosse einfarbige vorzügliche Birne.
Napoleonsbutterbirne, Dumont Dumor-
tier, grosse grüne Mailänderin, eine einfar-
bige vorzügliche Birnsorte; auf Quitten ver-
edelt bleiben die Früchte jährlich etwas
kleiner und weniger saftig.
Sylvester Butterbirne, Hlerbstsylvester,
König von Württemberg , schöne und gute
Sorte.
Holzfarbige Buiterbirne, Fondante de
bois, Liegel’s Dechantsbirne, eine schöne
gute Herbsttafelbirne.
Beurr& de Merode, doppelte Philipps-
birne, eine schöne gute Tafelbirne.
Neue graue Butterbirne, nach Form,
Färbung und Beschaffenheit des Fleisches
mit der weissen und grauen Herbstbutter-
birne verwandt, — schön, gross.
Maria Louise, gehört zu den vorzüg-
lichsten Herbsttafelbirnen.
Graue Herbst-Butterbirne, Isembart,
Beurr&e d’Amboise.
Grumkower Butterbirne, eine einfar-
bige, mit vielen beulenartigen Erhabenheiten
versehen.
Köstliche von Charneu, schön geformte
III,
und rothgefärbte Herbsttafelfrucht, sehr
werthvoll.
Forellenbirne , schön gefärbte späte
Herbsttafelbirne. |
Kaiser Alexander, sehr grosse, mit fei-
nem Roste überzogene, wahre flaschenför-
mige, vorzüglich butterhaft schmelzende
Herbsttafelbirne, die bis zu einem Gewichte
von 25—28 Loth gelangen.
Liegel’s Winter-Butterbirne, eine mittel-
grosse, ziemlich eiförmige und gewürzhafte
bis Ende November dauernde Taielbirne.
Diel’s Butterbirne, eine sehr grosse,
ganz vorzügliche Tafelbirne. Der Baum
wächst sehr schön pyramidal, und bildet
mit seinen grossen dunkelgrünen Blättern
eine wahre Zierde des Obstgartens.
Hardenponts Winter-Butterbirne, Kron-
prinz Ferdinand von Oesterreich, vorzügliche
Wintertafelbirne.
Winter-Nelis, Coloma’s Winter-Butter-
birne, bei vollkommener Reife, Nov., Dec.
werthvolle Tafelfrucht.
Markbirne, vom Baume grasgrün, in
voller Zeitigung schöne goldgelbe Wi
Wintertafelbirne.
St. Germain, Virgouleuse hier zu Lande,
sie ist aber eine gauz andere Frucht. Je
nach der Lage und dem Alter wechselt die
Beschaffenheit der Frucht, ein alter Stand-
baum liefert dunkelgrüne, etwas werthvolle
Früchte; junge Pyramiden liefert schöne
gelbe Früchte, die bei vollkommener Reife
besonders schmelzend sind.
Wildling von Chaumentel, auch Winter-
butterbirne, in der Reife schöne rothgelbe
lange dauernde Winterbirne.
(S-r.)
3) Schlesische Gesellschaft für va-
terländische Cultur. Botanische Sec-
tion. Sitzung vom 7. December. Herr Geh.
Medieinalrath Göppert hielt folgenden Vor-
trag über einen eigenthümlichen Bernstein-
fund bei Namslau in Schlesien:
Bernstein wird in Schlesien, wie schon
oft erwähnt, seit Jahrhunderten häufig, aber
meistens nur vereinzelt, gefunden. An 120
Fundorte habe ich notirt, 5 gehören dem
Areal von Breslau selbst an, mehr als ein
Notizen,
347
Drittheil den auf dem rechten Oderufer ge-
legenen Kreisen von Namslau, ÖOels und
Trebnitz. Pfundschwere Stücke sind nicht
| selten; das grösste, ein 6 pfündiges Stück
mit einem tiefen, einen Wurzelabdruck zei-
genden Einschnitt kam vor 12 Jahren in
der Oder bei Rosenthal, unfern Breslau,
vor, ein anderes von 21 Loth in der Stadt-
ziegelei bei Schweidnitz, von !, Pfund Ge-
wicht 2 Fuss tief in lehmigem Boden .bei
Sprottau u. m. a,
Vor einigen Wochen enthielten unsere
Tageblätter eine Notiz Vorkommen
von Bernstein bei Namslau. Da es von
grossem Interesse ist, die Lagerungsverhält-
nisse desselben genau zu kennen, ob sie der
Geschiebe- oder der tieferen blauen Letten-
oder Braunkohlenformation angehören, so
bat ich einen sachkundigen Freund und Col-
legen, Herrn Kreis-Physikus Dr. Larisch
in Namslau, um nähere Auskunft und er-
staunte nicht wenig, darüber Folgendes zu
vernehmen:
„Die. Fundstätte liege etwa 300 Schritte
westlich von Hennersdorf, zwei Meilen nord-
östlich von Namslau, Hennersdorf selbst
auf einer mässigen Erhebung, die von Scha-
degur bis Wellendorf in der Richtung von
Norden nach Süden ein Plateau bilde, wel-
ches östlich vielfach von Waldungen mit
einzelnen kleinen Höhenzügen begrenzt
werde. Der Oberboden sei durchweg san-
dig, der Unterboden lehmig mit vielen Roll-
steinen. An einer kleinen Lehne, die sich
nach Westen zu einer Wasserfurche herab-
senke, habe ein Arbeiter beim Steinesuchen
zunächst Heidengräber von 4—8 Fuss Durch-
messer entdeckt, 5-—-15 Fuss von einander
entfernt, 1 Fuss tief in sandigem Boden. Die
Asche, Knochen und einzelne bronzene Ge-
räthschaften enthaltenden Urnen hätten un-
ter einer 5 Fuss hohen Rollsteinschicht ge-
legen, eine in den kleineren Gräbern,
in den grösseren. Von den kleinen seien
10, von den grösseren 3 vorhanden. In
einem solchen grösseren Grabe, zwischen
den beiden, 3 Fuss von einander entfernten
Urnen, von mauerarlig gesetzten Steinen ge-
deckt — also hingelegt — habe man Bern
stein in der ungefähren Menge von minde-
über
zwei
348
stens 8 Metzen gefunden. Den bei weitem
grössten Theil desselben habe der Bernstein-
waarenfabrikant Herr Winterfeld in Breslau
gekauft. Bernstein sei übrigens schon oft,
zuweilen in Stücken von hohem Werth, in
der Umgegend von Namslau, wie bei Nim-
mersdorf, Rankau u. s. w. vorgekommen,
aber stets im Sande, unter welchem übri-
gens, namentlich an genannten Orten, auch
bläulicher Letten und Mergel lagere‘“.
Herr Winterfeld, in weiten Kreisen
als Bernsteinwaaren-Fabrikant bekannt, hatte
in der That von daher nicht weniger als
120 Pfund gekauft. Der grösste Theil be-
stand aus kleineren Stücken, nur ein paar
8- bis 10löthige befanden sich darunter und
alle waren, wohl in Folge der oberfläch-
lichen Lage, mit einer oft tief bis in’s In-
nere gehenden Verwitterungskruste bedeckt,
oder zeigten den Charakter des Erdbern-
steins, der sich eben durch diese Kruste
von dem mit glatter Oberfläche versehenen
frischen Seebernstein unterscheidet. An den
umfangreicheren bemerkte man die Ein-
drücke von Wurzeln, Steinen; die zahlrei-
chen plattenförmigen stammen aus dem
Innern der Bäume, die meisten von ihrer
Rinde, insbesondere die concentrisch scha-
ligen, welche den zu verschiedenen Zeiten
erfolgten Ausfluss des Harzes bezeugen.
Spuren von Bearbeitung liessen sich an kei-
nem einzigen Stücke wahrnehmen.
Eine Quantität Rollsteine, Gneis, Sye-
nit, Granit mit prächtigem, rothem Feld-
spath, also nordische Geschiebe, sah ich
auch noch unter dem Bernstein als Zeugen
der oberflächlichen Lage. Die ganze Quan-
tität des vorhanden gewesenen Bernsteins
vermag man mit Genauigkeit nicht mehr zu
ermitteln. Notorisch war schon viel ver-
schleppt worden, ehe Herr Winterfeld seine
Ankäufe machte, und bei dem Herausneh-
men selbst war man auch überhaupt nur
mit geringer Sorgfalt zu Werke gegangen,
da Hr. Dr. Larisch, der auf mein Ersuchen
sich abermals an Ort und Stelle begab, beim
Oeffnen der inzwischen zugeschütteten Grab-
stätte noch 1!/, Mässel Bernstein zu sam-
meln Gelegenheit hatte.
Diese jedentalls
höchst bedeutende
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Quantität und die ganze Beschaffenheit der
Fundstätte spricht nun, wie sich von selbst
versteht, nicht für eine ursprüngliche oder
natürliche, sondern nur für eine künstliche
oder eine absichtlich veranlasste Ablage-
rung, deren Ursprung zu erforschen nicht
mehr in das Gebiet der Paläontologie, son-
dern in das der Urgeschichte gehört, der
wir es hiermit zur weiteren Beachtung über-
geben. Sie möge ermitteln, ob man damit
eine Huldigung des Verstorbenen bezweckte,
wiewohl man hierzu, so viel ich wenigstens
weiss, nur Kunstprodukte aus Bernstein,
nicht Rohbernstein verwendete, oder feststel-
len, ob wir nicht vielleicht das in Verges-
senheit gerathene Lager eines Händlers der
Vorzeit vor uns sehen. Jedenfalls spricht
dieser ungewöhnliche, vielleicht bisher noch
nirgends gemachte Fund für die ungemeine
Ausdehnung des damaligen Verkehrs mit
diesem interessanten Fossil, und vielleicht
auch für die Wahrscheinlichkeit eines Land-
weges oder Karavanenzuges, der sich einst
von der Donau aus durch das Waagthal
oder Oberungarn nach Mannert’s, Kruse’s d.
A. Angaben durch diese Gegenden bis zur
Weichsel und Ostsee bewegte. Dass die
Römer sehr viel Bernstein auf dem Land-
wege bezogen, geht unter Anderem auch
ausPlinius hervor, der sich überhaupt auch
über den Ursprung des Bernsteins ebenso
verständig wie über viele andere naturhi-
storische Gegenstände ausspricht. Plinius
erzählt von einem von Nero nach der
Bernsteinküste geschickten römischen Ritter,
der eine selır bedeutende Menge Bernstein
mitgebracht habe. Die Reise sei von der
Donau und Pannonien ausgegangen, WO
schon lange Handel und Zwischenhandel
mit Bernstein getrieben worden sei. Ob
das angeblich häufige Vorkommen von
Münzen von Nero in Preussen mit jenen
Reisen in Verbindung stehe, wie Einige
meinen, lasse ich, wie billig, dahin gestellt
sein. Uebrigens schenkte das ganze Alter-
thum dem Bernstein von seiner ersten Ein-
führung durch die Phönizier fortdauernd
das regste Interesse. Thales von Milet
kennt ihn und mehrere seiner merkwürdi-
gen Eigenschaften, desgleichen Plato, Hero-
IV. Literatur.
dot, Aristoteles, Theophrast, Dioscorides,
Diodor von Sieilien, Taeitus, Virgil, Ovid;
Martial feierte ihn durch Epigramme u. 8.w.
Somit schiene dem Bernsteinhandel ein
fast zweitausendjähriges Alter vor Christi
Geburt gesichert. Könnte man nun nicht
hieraus, da unsere sämmtlichen schlesischen
bis jetzt bekannten Heidengräber vorzugs-
weise nur Bronzewaaren enthalten, und un-
ser Bernsteinfund doch jedenfalls mit ihnen
in innigster Beziehung steht, nicht auch ei-
nen Schluss auf die Zeit der freilich über-
haupt schwer zu begrenzenden Bronze-Pe-
riode ziehen, welche dann in jenen Zeitraum
fallen und nicht so alt sein dürfte, als man
gewöhnlich annimmt? Das überall erwachte
Interesse für Untersuchungen dieser Art wird
auch wohl hier einst zu sicheren Resultaten
führen, welche wir auch von unseren histo-
rischen Vereinen erwarten dürfen, die sich
bereits eifrig mit dem schlesischen Heiden-
thum beschäftigen.
4) Eine Riesenbirke An der
Strasse von Berhometh nach dem Bade-Orte
Lopuszna in der Bukowina steht auf einer
eingefriedeten Bauernwiese ganz vereinzelt
eine Birke, die nach den gepflogenen Anfra-
349
gen weit über 120 Jahre alt sein und we-
gen ihrer Grösse, Schönheit und Regelmäs-
sigkeit ihresgleichen nicht finden wird. Sie
hat am Stocke einen Durchmesser von 34
Zoll und theilt sich ihr ganz gerader und
senkrecht stehender Schaft auf einer Höhe
von 3%/, Klaftern in neun Stämme von acht-
bis siebzehnzölligem Diameter. Diese neun
Stämme. haben bis zu ihrer Verzweigung
eine fast ganz gleiche Höhe von fünf Klaf-
tern und bilden die schöne Krone, welche
im Durchmesser acht Klafter breit und an
allen Seiten so regelmässig eylindrisch und
oben abgerundet geformt ist, als ob sie un-
ter der Scheere gezogen wäre. Der Baum
ist ganz gesund und üppig — und seine
Holzmasse sammt Astholz und Reisig be-
trägt nach einer genauen Berechnung etwas
über 3 Kubikklafter. Vor 9 Jahren schloss
der Gutsbesitzer Wassilko Freiherr v. Se-
retzki mit dem Kleingrundbesitzer, auf des-
sen Wiese dieselbe steht, wegen Schonung
derselben einen förmlichen Vertrag; der
Bauer bekam für die Schonung und Sorg-
falt um diese Birke 20 fl. in CM. und das
zum Aufbaue einer Scheune und eines Stal-
les nöthige Holzmateriale im Werthe von
45 fl. CM.
VW Literatur
1) Carl Nägeli und S. Schwendener,
das Mikroskop. I. Theil.
Wilhelm Engelmann.
Leipzig bei
Eine ausgezeichnete Darstellung von
der Construction des Mikroskopes, und von
der Behandlung desselben beim Gebrauch, —
von Vorsichtsmasregeln um Irrthümer bei
der Beobachtung zu vermeiden. Der erste
Theil enthält vorzugsweise die Theorie und
Prüfung des Mikroskops, so wie die
Theorie der mikroskopischen Wahrnehmung,
— Das Mikroskop ist jetzt schon zum Ge-
meingut aller derer geworden, die sich wis-
schäftigen. Eine Darstellung der Theorie
des Mikroskopes, der die Erklärung der Bil-
der, die das Mikroskop giebt, folgt, — muss
daher aus den Händen eines der bedeutend-
sten Forscher, jedem eine sehr willkommene
Gabe sein. (E. R.)
2) Bulletin de la Societe Imperiale
des Naturalistes & Moscou. 1864
Nr. 4 u. 1865 Nr. 1. u. 2. —
Es enthalten diese von Renard redigir-
ten 3 Bde., die folgenden, für unsere Rich-
tung interessanten Abhandlungen —
1) Von unserem Mitarbeiter Herrn Dr.
senschaftlich mit Naturwissenschaften be- | Ferdinand von Herder, über die periodische
350
Entwickelung der Bäume und Sträucher des
K. Bot. Gartens in St. Petersburg. —
2) E.R. von Trautvetter, die Ver-
breitungsgränzen der Herniaria-Arten in
Russland; nämlich 1) H. glabra L., vom
südlichen Finnland bis nach dem Süden und
Asien. 2) H. odorata Andrz., von Gou-
vernement Mihilew bis Asirachan. 3) H. in-
cana Lam.; vom Gouvernement Poltawa
und ‚Sarepta über die Südgränzen Russlands
hinaus. 4) H. hirsuta L. Kommt im Ge-
biet zwischen dem Schwarzen Meere und
dem Aralsee vor. —
3) A. v. Nordmann; Biographie von
Stevens.
4) FE. v. Herder; Plantae Raddeanae
Monopetalae Heft I. Diese Fortsetzung der
Aufzählung der Pflanzen Ostsibiriens und
des Amurlandes enthält die Familie der
Compositen. —
5) E. R. v. Trautvetter, F.E.L. von
Fischer und seine Schriften. Hr. v. Traut-
veiter giebt hier eine kurze Biographie des
früheren Directors des K. Bot. Gartens Fr.
Ernst Ludw. v. Fischer, geboren den 20.
Febr. 1782 zu Halberstadt. Promovirte 1804
zu Halle als Dr. med. und trat sofort als
Director des Gartens zu Gorenki ein, den
Grat Alexei Rasumowski schon 1798 ge-|
gründet. Redowsky und Stephen
(rüber diesem Garten vorgestanden, der un-
ter Fischer
dehnung erhielt. Die Gewächshäuser
hielten nach und nach eine Länge von 4765
Fuss. Ein Obergärtner, 3 Gärtner, 100 Un-
tergärtner und Gartenburschen und ausser-
dem : viele Arbeiter waren am Garten
thätig.
Im Jahre dem Tode des
Grafen, ging auch der Garten zu Gorenki
ein. Fischer kam nun nach Petersburg und
ward den 22. März 1523 als Director des
K. Bot. Gartens angestellt.
Dieser Garten war 1714 von Peter dem
Grossen als Apothekergarten gegründet
worden. Mit Fischers, Anstellung ward die-
ser frühere unbedeutende Apothekergarten,
zum Kaiserlichen Botanischen Garten und
damit zu einem der grossartigsten der Wis-
1522, mit
hatten |
bald eine sehr bedeutende Aus- |
€er- |
|
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Die Geschichte des Kais. Botanischen
Gartens seit jener Zeit ist nun bekannter.
Fischer blieb bis 1850 Director, trat kurz
nach seiner Pensionirung als Mitglied des
Medicinalrati in das Ministerium des Innern
und starb am 5. Juni 1854. Für den Gar-
ten hatten unter seiner Amtsführung Riedel
und Luschnath in Brasilien, Wiedemann in
Kleinasien, Szovits in Transcaucasien, von
Schrenk in der Soongarei, Turczaninow in
Baicalien und Dahurien, Rieder in Kamt-
schatka gesammelt. |
Unterstützt in seinen wissenschaftlichen
Arbeiten ward er durch R. v. Trautvetter,
C. A. Meyer, Wydler, Ave Lallemant und
Mercklin. Trautvettier giebt nun am
Schluss das Verzeichniss aller von Fischer
verfassten Arbeiten und Abhandlungen, die
im Ganzen die Zahl von 47 erreichen, wo-
bei jedoch die elf wissenschaftlichen Samen-
cataloge des Gartens nur unter einer Num-
mer gerechnet sind. —
Wir fügen in Bezug auf die Geschichte
des K. Bot. Gartens noch hinzu,. — dass
nach Fischer’s Tode dem Institute ein Theil
der für wissenschaftliche Zwecke bestimmten
Summen entzogen wurden, — dass aber
durch die Gnade Seiner Majestät, das Insti-
tut den ungetheilt wissenschaft. Zwecken
zurück gegeben ist und nun das Institut
wissenschaftliche Aufgabe für das
erfüllen
seine
weite Reich immer vollständiger
wird.
Ein Theil der in früherer Zeit erbauten
alten und unzweckmässigen Gewächshäuser
ist schon umgebaut, — ein anderer Theil
erwartet seinen Umbau in den folgenden
Jahren. Das Institut steht jetzt unter dem
Hohen Ministerium der Reichsdomänen,
(E: R)
3) Dr. Th. Kotschy, über Reisen und
Sammlungen des Naturforschers in der
Asiatischen Türkei, in Persien und den
Nilländern. — Wien 1864.
Auf reiche Erfahrungen gestützt, giebt
der kürzlich gestorbene Verfasser in dieser
kleinen Schrift die Darstellung der Schwie-
rigkeiten, welche wissenschaftlichen Reisen
senschaft gewidmeten Institute umgestaltet. | in diesen Gegenden entgegen stehen, sowie,
V. Personalnotizen.
er zugleich die Rathschläge giebt, auf wel-
che Weise man den Schwierigkeiten am
ehesten entgegen treten kann.
4) Beer, Versuch einer Glassifica-
tion der Farne.
Dieser Artikel ist in der Oesterreichi-
schen Botanischen Zeitschrift veröffentlicht.
Nach dem Wachsthume, nach der Verthei-
lung der Fruchthäufchen und nach deren
Form, sind 12 Gruppen gebildet. —
351
5) Catalog von Ottländer und Hooft-
man in Boscoop (Holland.)
Wir erwähnen dieses Cataloges, weil
derselbe die Abbildung zweier neuer Aepfel
bringt. Es sind dies: Calville de Bos-
coop und Belle de Boscoop, beides ge-
streifte hochgebaute Oalvillen von mehr als
mittlerer Grösse und ersten Ranges. Der
erstere trägt rings um ein lichtes streifig-
verwaschenes Roth, der zweite nur ein
schwaches undeutlich streifiges Roth auf der
Sonnenseite. — (E. R.)
V. Personalnotizen und Neuestes ete.
1) Friedrich Adolph Haage jun,
Aus Erfurt geht uns die Nachricht zu, dass
Friedrich Adolph Haage, der Chef und
Gründer der rühmlichst bekannten Firma
Friedrich Adolph Haage jun. am 20.
Septbr. nach langem Leiden starb. Derselbe
war am 24. März 1796 geboren. Er war
der zweite Sohn einer aus 8 Kindern be-
stehenden Familie, von der ein älterer und
2 jüngere Brüder sich gleichfalls der Gärt-
nerei widmeten. Nachdem er in Erfurt die
Gärtnerei erlernt, bildete er sich unter Lei-
tung des schon lange verstorbenen Hofgärt-
ners Lehmann in Dresden weiter aus und
trat später in das Geschäft des Bruders sei-
nes Vaters „Franz Anton Haage“ ein.
Im Freiheitskriege trat er in Folge des Ru-
fes seines Königs als freiwilliger Jäger in
die Armee und nahm als solcher auch Theil
an dem Einzuge der Allirten in Paris.
Anfangs der 20er Jahre gründete er
sein eigenes Geschäft, indem er einen klei-
nen Garten, den von Frobelius pachtete. —
Rechtlichkeit, Thätigkeit, Energie und tüch-
tige Kenntnisse erwarben ihm und seinem
Garten einen guten Namen. Seinen Muth
und seine Energie brach es auch nicht, dass
während der ersten Jahre seines selbststän-
digen Wirkens ein fürchtertiches Hagelwetter
seine Levkoien und Nelkenanzucht und mit
ihnen das Resultat eines Sommers fast voll-
ständig vernichtet. Was andere gebeugt
haben würde, das spornte ihn nur zu neuer
Thätigkeit und so gelang es ihm, sich bald
soviel zu erwerben, um den Grund und Bo-
den, auf dem sich gegenwärtig das seinen
Söhnen hinterlassene Geschäft liegt, anzu-
kaufen.
Der kleine Garten von Frobelius hatte
aber durch F. A. Haage einen so guten Na-
men erhalten, dass er seitdem wiederholt
jungen tüchtigen Handelsgärtnern zum ersten
Anfange diente.
Friedrich Adolph Haage ist für
Erfurt, wo gegenwärtig die Handelsgärtnerei
zu einem wichtigen Betriebsartikel geworden
ist, ein Mann von grosser Bedeutung. Er
war es, dessen allgemein geachteter Name
auf die Hebung der dortigen Handelsgärt-
nereien einen bedeutenden Einfluss ausübte,
er war es, dessen Geschäft als erstes immer
grössere und bedeutendere Ausdehnung ge-
wann, — er war es, der den Erfurter Sa-
men und vorzugsweise den Levkojen-Samen
| jene Anerkennung verschaffte, dass deren
Cultur in immer bedeutenderen Grade be-
trieben wurde, sowie er solche als erster
über Deutschland’s und Europa’s Gränzen
| hinaus versendete.
Friedrich Adolph Haage war aber nicht
allein das Muster und Vorbild der zahlrei-
chen grossartigen Samenhandlungen und
352 Gartenflora Deutschlands,
Handelsgärtnereien, die Erfurt jetzt zählt, —
sondern er unterstützte auch seine jüngeren
Collegen in uneigennütziger Weise mit Rath
und That.
So war er ein geachteter Mannin seiner
Vaterstadt, den Sr. Majestät der König durch
Verleihung des Rothen Adlerordens für seine
vielfachen Verdienste auszeichnete, — er
war geachtet und geliebt von seinen zahl-
reichen Collegen,' so dass er dem Erfurter
Gartenbau-Vereine lange Zeit als Director
vorstand, — er war endlich auch das Haupt
einer Familie, die mit ihm den vielgeliebten
Gatten und Vater verlor.
So ist Friedrich Adolph Haage mit der
Entwickelung des Gartenbaues in Erfurt in-
nig verschwistert, sein Andenken wird in
Erfurt und in weiteren Kreisen fortleben
und seine Söhne werden die Firma „Frie-
drich Adolph Haage jun.“ die sie we-
gen der Kränklichkeit des geliebten Vaters
schon eine Reihe von Jahren in seinem Sinn
und seinem Geist selbstständig geführt ha-
ben, — auch fernerhin fortführen. So rufen
wir, seine zahlreichen Freunde, diesem all-
gemein geachteten Nestor und Vertreter
Deutschen Gartenwesens den letzten Gruss
der Achtung und Liebe nach.
E. Regel.
Russlands und der Schweiz.
2) Duncan M’Intire. In Folge der
Bemühungen des Dr. Müller in Melbourne
(Süd-Australien) hat sich in Melbourne eine
Gesellschaft von Damen gebildet, die die
Mittel zu einer Expedition aufgebracht hat,
um Auskunft über Leichhardt zuerhalten.
Der Führer dieser neuen Expedition zur Er-
forschung des Innern Neuholland’s, wo der
Reisende mit Klima, Hunger, Fiebern und
den wilden schwarzen Eingeborenen zu
kämpfen hat, war Duncan M’Intire, ein
kräftiger unerschrockener iutelligenter Mann.
Nachdem die Expedition längs des Leich-
hardts-Fluss vorgedrungen und schon viele
Mitglieder der Expedition den bösartigen
Klima-Fieber erlegen, war M’Intire an den
Gilliot-Fluss gegangen und erlag hier eben-
falls am 4. Juni einem heftigen Fieberanfall.
Am M’Intire Stelle, hat nun W. F. Slomen
die Leitung dieser Expedition übernommen.
Duncan M’Intire wird in Australien als
einer der fähigsten und tüchtigsten Männer
betrauert, von dem man vor allen andern
erwartete, dass er zu einem guten Resultate
| dieser Expedition beitragen werde. —
(Nach briefl. Mittheiluingen des Dr. Müller).
. Originmalabhandlungen.
41) Abgebildete Pflanzen.
ea) Gonatostemon Bouch&anum Rzl
(Siehe Tafel 526.)
Cyrtandraceae.
Gonatostemon. Calyx liber, tu-
buloso-campanulatus, 5-fidus; lobis sub-
aequalibus. Corolla hypogyna; tubo
basi recto, subeylindrico, basi vix gibbo,
superne inflato latere superiore ventri-
c080; limbo bilabiato; labio superiore
breviore bilobo: labio inferiore longiore
trilobo. Stamina 5, inclusa, tubo corol-
lae inserta; 2 inferiora perfecta fertilia:
filamentis supra basin geniculatis, ad ge-
niculum cireum tumidis, liberis: antheris
adglutinatis, bilocularibus, dorso affıxis,
loculis parallelis horozontalibus ovatis;
2 superiora sterilia: filamentis strietis
brevibus, antheris minimis; supremum
ad rudimentum parvum sessile reductum.
Annulus hypogynus parvus, sinuatus.
G. Bouch&anum Rgl. Suffrutex
1—2 pedalis, ramosus; ramis carnosis,
flexuosis; ramulis teretibus hirsutis. Fo-
lia opposita, petiolata, e basi aequali
v. inaequali ovata, acuta, dentata, hir-
suta. Peduneuli axillares, solitarii, uni-
flori, petiolo breviores, supra medium bi-
bracteati. Calyx hirsutus, corolla duplo
brevior, tubo 5-costato, lobis lanceolato-
subulatis recurvo-patentibus. —
Ein kleiner niedriger Strauch aus
ÖOstindien, den wir unter der Bezeich-
nung Cyrtandra spec. aus dem König-
lichen Botanischen Garten in Berlin,
von unserm geehrten Freunde Herrn
C. Bouch& erhielten. Wir haben dieser
Germen liberum, lineare-oblongum, stylo | hübschen Pflanze deshalb Bouch&’s Na-
quam germen breviore terminatum. Stig-
ma plano-compressum, trilobum.
ZU, 1866,
men. beigelegt. Den Gattungsnamen
„Koniefaden‘‘ haben wir dagegen nach
23
354 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
der eigenthümlichen Bildung, der beiden | Beide Lippen anfangs aufrecht, später
fruchtbaren Staubfäden gewählt. abstehend. -
Fünf Staubfäden, von denen einer
Ein ästiger I—2 Fuss hoher Halb- | als kleines Rudiment, 2 als kleine fehl-
strauch, mit stielrunden,, fast saftigen, | geschlagene Staubfäden und endlich 2
rauh behaarten Aesten. Blätter gestieit, | vollkommen und fruchtbar. Diese frucht-
gegenständig, oval, spitz, rauh behaart, | baren Staubfäden sind der Blumenröhre
stumpflich gezähnt. Blüthenstiele ein- | eingefügt, unterhalb der Mitte knieförmig
blumig, einzeln in den Blattachseln, | gebogen und hier rings herum ange-
kürzer als der Blattstiel, oberhalb der | schwollen. Der freie längliche Frucht-
Mitte ein Paar gegenständiger Bracteo- |knoten am Grunde von einem oben
len tragend. Der Kelch grün, röhrig | buchtig gekerbten Ring umgeben. Narbe
glockig, rauh behaart, in 5 ziemlich | flach gedrückt, 3-lappig. —
gleichlange lanzettlich-pfriemliche, zu- Die Blumen erscheinen im Juli und
rückgebogen abstehende _ Lappen aus- August. — Cultur im niedrigen Warm-
gehend und mit Seckiger Röhre. Blu- hause, zusammen mit den strauchartigen
menkrone doppelt so lang alsder Kelch, | Gesneriaceen, wie mit Drymonia ete.
violett, aussen rauhhaarig, innen im Vermehrung durch Stecklinge im war-
Schlunde gelb gezeichnet und purpur | men Vermehrungshause das ganze Jahr
gestreift. ‘Die Röhre der Blumenkrone | hindurch. (E. R,)
ist im Grunde gerade und walzlich, am
Grunde selbst schwach aufgetrieben, nach 1) Eine Blume von der Seite in
oben ist solche aufgeblasen und zwar | natürlicher Grösse. 2) Einer der frucht-
mit nach oben gekebrter Bauchseite. | baren Staubfäden. 3) Der Griffel mit
Der Saum 2-lippig; die Oberlippe kür- | dem grundständigen Ringe und der flach
zer in 2 stumpfe Lappen, — die Unter- | gedrückten dreilappigen Narbe.
lippe in 3 stumpfe Lappen gespalten.
DD Bletia hAyatınthina BR Br foLzaunzz
striatis.
(Siehe Tafel 527.)
Orchidesae.
Bl. hyaeinthina R. Br. in hort. | Coll. des Orch. de l’Arch. ind. et du
Kew. ed II tom. V. pag. 206. — Bot. | Japon pag. 17. tab. 6 Fig. 1. —
Cab. 1768. — Rechb. fl. exot. tab. 118. var. fol. albo-striatis Sieb.
— Bletilla hyacinthina Rchb. fil. in Die Bletia hyacinthina R. Br. ist
Schill. cat. — Bletia hyacinthina Blume | eine Erdorchidee des südöstlichen Asien.
44
I. Originalabhandlungen.
Sie ist schon seit langer Zeit in Cultur
und zwar in zwei Formen, mit schön
carmin oder carmin-purpurrothen Blu-
men und ınit blassrosarothen Blumen.
Die erstere -ist die ächte Pflanze, die
andere mit blass rosarothen Blumen,
ward von Lindley (Journ. of Hort. Soc.
II. 307. — Bot. Reg. XXXII tab, 60)
als Bl. Gebina beschrieben, Blume zieht
aber mit vollem Recht solche als var.
Gebina (Bl. l. ce.) zu Bl. hyacinthina,
Die beistehend abgebildete Abart,
mit silberweiss gestreiften Blättern, ward
von Siebold aus Gärten Japan’s in Eu-
ropa eingeführt und dem Garten- Eta-
blissement des Dr. Laurentius in
Leipzig zur Verbreitung abgegeben.
Unsere Tafel ist nach einer Pflanze ge-
zeichnet, die-im Etablissement des Hrn.
Laurentius zur Blüthe kam. Die Blu-
men besitzen eine carmin- purpurrothe
Färbung und die Blätter sind schön ge-
streift.
Die Bletia-Arten bedürfen in Qultur
keines besonderen Gewächshauses, son-
355
dern können als Knollengewächse, die
im Winter ruhen, in jedem niedrigen
Warmhause mit vollkommen guten Er-
folge eultivirt werden. —
Bei der Cultur derselben, sowie
bei der Cultur vieler anderer knolliger
Erdorchideen, wird häufig gefehlt, indem
man denselben eine leichte, mit Moos
versetzte Heideerde giebt. Wir finden
im Gegentheil, dass solche in einer
lockern lehmigen Rasenerde, ohne jede
Beimischung einer anderen Erde, am
besten gedeihen, So die Betia-Arten,
die Arten der Gattung Sobralia, Disa,
Thunia, Stenorhynchus, Pelexia, Calan-
the etc. —
Ein Artikel von einem tüchtigen
Praktiker über -Cultur der Bletia-Arten
und anderer Erdorchideen der Tropen
würde Vielen einen Dienst erweisen und
so bitten wir Freunde dieser schönen,
‚jetzt vernachlässigten Pflanzen die Leser
der Gartenflora durch einen solchen zu
erfreuen. — (E. R.)
c() Sedum Maximowiczii Rgl.
(Siehe Tafel 528.)
Crassu
S. Maximowiczii; totum glabrum,
papillis minutissimis vix asperulum;
caule erecto, strieto, angulato; foliis
obovato-lanceolatis, obtusis, irregulariter
erenato-dentatis, inferioribus oppositis,
superioribus alternis; ceyma terminali,
conferta, planiuscula; folis floralibus
cymae ramulos superantibus. —
lacıeae
Aus Samen, den Herr C. Maximo-
wicz in Japan sammelte, ward das in
| Rede stehende perennirende Sedum er-
zogen, das mit S. Aizoon und S. Kamt-
schaticum zunächst verwandt ist. Das
erstere unterscheidet sich durch im An-
fühlen glatten und ausserdem stielrunden
Stengel und nur alternirend gestellte
23 *
356
lanzettliche Blätter mit spitzerer Zah-
nung, — das andere durch aufsteigen-
den stielrunden, beim Anfühlen gleich-
falls durchaus glatten Stengel.
Die Stengel unserer Pflanze werden
mehr als 1 Fuss hoch und tragen auf
der Spitze die grosse ausgebreiteie, fast
flache Scheindolde gelber Blumen. Im
Klima von Deutschland dürfte dieses
Sedum den Winter im Freien aushalten
und so als schön docorirende Pflanze
für sonnige Steinparthieen zu empfehlen
sein. Vermehrung durch Samen, durch
Theilung und Stecklinge. —
(E. R.)
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Erklärung der Abbildung.
| 5) Der obere Theil des Stengels
mit abwechselnd gestellten Blättern und
dem spitzenständigen Blüthenstand, in
Lebensgrösse.
1) Eine Blume von unten gesehen.
2) Eine solche von oben gesehen.
3) Blumenblatt mit Staubfaden. 4) Ein
einzelnes junges Früchtchen. 1—2 na-
türliche Grösse. 3—4 schwach ver-
grössert. —
2) Bemerkungen über Pflanzen des Kais. Botanischen Gartens
in St, Petersburg.
1) Pelargonium Thibautii. So
nennen wir ein Pelargonium, das wir
aus dem Garten der Herren Thibaut und
Keteler als P, glaucifolium erhielten,
Dasselbe ist mit P. glaucum L’Herit.
und P. glaucoides Wendl. (collect. tab.
68) zunächst verwandt, Ein 1—1'j,
Fuss hoher, durchaus kahler Strauch.
Blätter gestielt, fast fleischig, aus keil-
förmigem ganzrandigem Grunde verkehrt-
oval oder fast rund, vorn gross kerb-
zähnig. Blüthendolde 4—5-blumig. Blü-
thenstiele purpur. Blumenblätter fast
gleichlang, länglich-linear, stumpf, tleisch-
roth, die beiden oberen etwas kürzer und
purpur gestreift.
Ein eigenthümlicher Strauch, der
den Eindruck einer wirklichen Art macht,
vielleicht aber auch ein vonP. glaucum
L’Her. gefallener Bastard sein kann.
(Rgl.)
2) Nidularium triste. Brome-
liaceae.
Wir haben die Gattung Nidularium
schon einige Mal besprochen. Solche
zeichnet sich durch die im Grunde der
Blattrosette nistende Blüthenähre aus,
Beer und nach ihm C. Koch haben die
hierher gehörigen Arten, deren Blumen-
blätter nur am Grunde in eine Röhre
verwachsen sind, zu Bromelia gerech-
net, wir haben solche aber in Ueberein-
stimmung mit Ch. Lemaire gleichfalls
zu Nidularium gestellt. (Ind. sem. h.
Petr. 1860 pag. 31). Zu dieser Gruppe
gehört auch die in Rede stehende Art.
Van Houtte vertheilte solche früher als
Billbergia purpurea, aus dem Botan.
Garten in Zürich, erhielten wir dieselbe
als Nidularium agavifolium, von Mackoy
in Lüttich als Nid, marmoratum. Beer
führt solche als Bromelia tristis (Beer
| Brom. pag. 30) auf, welchen Namen C.
I. Originalabhandlungen.
Koch, (Wochenschr. II. pag. 150) bei-
behalten hat. Beer’s Beschreibung
stimmt vollständig mit unserer Pflanze,
Koch’s Beschreibung weicht aber durch
Färbung der Bracteen und Blumen ab.
Eine unscheinbare Art mit bis fusslan-
gen und mit I—1!/, Zoll breiten, vorn
zugespitzten, am Rande fein dornig ge-
sägten Blättern, die grün und beider-
seits purpur gefleckt oder stellenweis |
Die Bracteen |
purpur verwaschen sind,
und Kelche des nistenden kopfförmigen
Blüthenstandes tief violett. Blumen
klein, weiss, mit hellblauem Saum. Aus
Brasilien. (Rgl.)
3) Helichrysum petiolatumD.
C. (D. C. prodr. VI. 208. —
afr.. tab. 76 Fig. 2 optime).
Strauch des Vorgebirges der guten
Hoffnung ist seit 2 Jahren unter dem |
| enthält.
durch die |
als |
schöne weisslaubige Gruppen- und Bor- |
durchaus falschen Gartennamen Gna-
phalium lanatum, —
Gärten Europa’s verbreitet und
durepflanze empfohlen worden. Ueberall
weiss wollig.. Die gestielten ovalen
oder herzförmig ovalen Blätter unter- |
scheiden diese Art von dem verwandten |
Wird bis 5 Fuss |
H. crispum Less.
hoch und trägt auf der Spitze der
thenköpfe, mit weissem Involucrum und
gelben Blumen, — (E, R.)
4) Vaccinium Thibautii.
Frutieosum; ramis gracilibus , de-
pendentibus, brevissime puberulis; foliis |
coriaceis, breviter petiolatis, e basi cor- |
data ovatis v. oblongis, nervo excur-
rente mucronulatis, utringue glabris, re-
tieulato - venosis, margine recurvo inte-
gerrimo; floribus axillaribus, solitariis;
pedicellis quam foliaftriplo-brevioribus,
Gnapha- |
lium petiolatum L. spec. 1194. — Burm. |
Dieser |
| Spitzchen hervor.
Zweige die Corymben der kleinen Blü- |
357
minute puberulis, supra basin bracteo-
latis; calyce campanulato, 5-dentato, ex-
tus brevissime puberulo pilisque setosis
vertito, dentibus ovatis acuminatis; CcO-
rolla tubuloso-urceolata, limbo 5—7-den-
tato: dentibus ovatis; staminibus 10 pu-
bescentibus; antheris rectis, mutieis,
apice bifidis; inelusis, stylo breviori-
bus. —
Der hiesige Garten erhielt den in
Rede stehenden, sehr wahrscheinlich
aus den Gebirgen des tropischen Ame-
rika stammenden niedrigen immergrü-
nen Strauch, aus dem Garten des Herrn
| Thibaut und Keteler in Paris, unter dem
| Namen
Gaylussacia Pseudovaccinium.
Gaylussacia besitzt aber einen 10fäche-
rigen Fruchtknoten, der in jedem Fach
einen Samen enthält, — während der
Fruchtknoten unserer Pflanze 5-fächerig
ist und in jedem Fache viele Samen
Die Zweige sind lang, schlank,
kaum verästelt, hängen herab und tragen
unterhalb ihrer Spitze einzelne weisse,
röhrig urnenförmige Blumen in den
Blattachseln. Blätter kurz gestielt, aus
herzförmigem Grunde rundlich, oder
oval, oder länglich, mit zurückgeboge-
nem ganzen Rande; aus der abgerunde-
ten Spitze tritt der Mittelnerv als kleines
Die Antheren geib-
braun, ohne Grannen, an der Spitze
| zweitheilig und nicht in 2 lange paral-
| lele Röhren ausgehend, wie bei Gaylus-
sacia.
Ist mit V. serpens Wight aus Ost-
indien verwandt. Letzteres unterscheidet
sich durch gezähnelte Blätter und drüsig
behaarte Zähne des Kelchs. Eine
Kalthauspflanze, die aber kaum als
Zierpflanze zu empfehlen ist.
(ER)
358
5) Spiranthes Lindleyana
Lk. Kl, Otto ie. pl. rarior. I, pag. 26.
tab. 11. —
it Es ist das eine robuste Erdorchi-
dee mit panachirten Blättern, die als
schöne buntblätterige Pflanze allgemeine
Cultur verdient. Blätter sämmtlich wur-
zelständig , lanzettlich, in den Blattstiel
verschmälert, ohne Blattstiel ungefähr
5 Zoll lang, am Rande wellig, spitz,
auf der oberen Seite dunkel olivengrün,
mit mehreren (4—5) silberweissen Längs-
binden gezeichnet, unterhalb blassgrün.
Im Januar und Februar erscheinen
die 11/5; Fuss hohen Blüthenschafte,
welche auf ihrer Spitze die unbedeuten-
den weisslichen nickenden Blumen in
einer spitzenständigen vielblumigen Aehre
tragen.
Eine Erdorchidee mit fleischigen
Wurzeln, die in der kalten Abtheilung
des Orchideenhauses oder auch in einem
anderen niedrigen Warmhause ceultivirt
wird und in eine lehmige Wiesenerde
gepflanzt, leicht und gut gedeiht. Die
Pflanze behält das ganze Jahr hindurch
ihre schön gezeichneten Blätter und ver-
dient deshalb einen Platz in jedem
Warmhause.
Diese Art ward schon im Jahre
1837 aus den Gebirgen von La Guayra
vom Hrn. Moritz an den Botanischen
Garten in Berlin gesendet, hat sich aber
in den Gärten noch wenig verbreitet.
Jetzt aber, wo die herrschende Lieb-
haberei für schöne Blattpflanzen allge-
mein verbreitet ist, dürfte solche mehr
Freunde finden. Wir fanden dieselbe
im letzten Jahre in der Orchideensamm-
lung des Herrn Allardt in Berlin und
während wir diesesschreiben, hat unser
Exemplar 6 Blüthenstände entwickelt.
(E. R.)
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
6) Galipea Riedeliana Rgl.
(Diosmeae). —
Galipea D. C. prodr. I. 730. —
G. Riedeliana; foliis simplieibus, petio-
Jatis, ovato-ellipticis, coriaceis, integer-
rimis, basi subrotundatis, apice obtusis
v. subacutis v. in apicem obtusiusculum
acuminatis, subtus reticulato-venosis,
sub lente subpellueido punctulatis; trunco
simpliei; florum racemis axillaribus, elon-
gatis, interruptis, subcompositis; ealyce
strigoso-tomentoso; staminibus 5, omni-
bus fertilibus. — G, ovata H. Petrop. —
Noch von der Zeit, wo Riedel Bra-
siliens Schätze ausbeutete und in leben-
den und trockenen Exemplaren an den
Botanischen Garten einsendete, stammt
die in Rede stehende Galipe.. Wäh-
rend der Zeit, dass der Referent im
Botan. Garten angestellt ist, blühte
dieser hübsche immergrüne Decorations-
strauch im April dieses Jahres zum
ersten Male. Derselbe ist einerseits der
G. macrophylla St. Hil. und andererseits
der G. ovata St. Hil. verwandt. Die
erstere unterscheidet sich aber durch
unterhalb schwarz punctirte Blätter und
7 Staubfäden, von denen nur 2 frucht-
bar, — die andere durch am Grunde
zugespitzte, in den Blattstiel übergehende
Blätter, die ebenfalls unterhalb schwarz
punctirt, durch einen zottig behaarten
Kelch und 3 sterile Staubfäden.
Eine schöne und harte Blattpflanze
für’s Warmhaus, deren immergrüne le-
derartige ganzrandige Blattflächen bis
10 Zoll lang und bis 5 Zoll breit”wer-
den. Der Stamm verästelt sich nicht.
Die weissen Blumen stehen in langen
achselständigen Trauben. Cultur gleich
der der anderen Galipea- Arten, der
Theophrasta-Arten etc. (E. Rgl.)
7) Begonia incarnata Otto et
Dietr. var. purpurascens.
I. Originalabhandlungen.
Auf der Amsterdamer Ausstellung
hatte Hr. Glijm, Handelsgärtner in Ut-
recht, eine von ihm erzogene Begonia
als B. subpeltata ausgestellt. Diese
Pflanze blüht jetzt bei uns. Den Na-
men B. subpeltata kann solche nicht
behalten, da es eine stammlose wirk-
liche Art giebt, die diesen Namen schon
trägt. Uns scheint diese Pflanze ein
aus Begonia incarnata gefallener Bastard
zu Sein, da sie sich an B. papillosa
Hook. (Bot. Mag, tab. 2824) zunächst
anschliesst, und B, papillosa Hook. von
A. De Candolle (Prodr. XV. 309) als
Form zu B, incarnata gezogen wird.
Die Blüthenorgane und Blüthenstand
stimmen mit B. incarnata überein, Der
Wuchs ist aber niedriger und der Sten-
gel vom Grunde aus mehr verästelt.
Stengel aus dem Grünlichen in’s Purpur
schillernd, mit zerstreuten Borsten be-
Setzt. Blattstiele borstig behaart, Blät-
ter breiter als bei B. incarnata, schief
oval-herzförmig, zugespitzt, oberhalb aus
olivengrün in’s Purpurrothe schillernd,
oft mit vielen kleinen silberfarbenen
Fleckchen gezeichnet und mit zerstreu-
ten purpurrothen Borsten besetzt, unter-
halb purpurroth und an den Nerven mit
Borsten besetzt,
Ein dankbar blühender niedriger
Strauch für’s Warmhaus, der als schön-
blühende, wie als decorative Pflanze
gleichzeitig Empfehlung verdient.
8) Adelia Acidoton L. Buphor-
biaceae. — In den Botanischen Gärten
Deutschlands und in den Baumschulen
des südlichen Frankreich findet sieh ein
4—6 Fuss hober Strauch mit in Dornen
ausgehenden Aesten, der ganz kahl ist
und längliche, verkehrt-ovale, an der
Spitze meist zurück gedrückte Blätter,
sowie einzeln in den Blattachseln ste-
hende; weibliche Blumen trägt. Diese
339
kleinen gelblichen grünen Blumen be-
sitzen eine 5— 6-theilige Blüthenhülle
und einen 3-fächerigen, auf einer gros-
sen drüsigen Scheibe sitzenden Frucht-
knoten, der auf seiner Spitze 3 Narben
trägt, die in 2, seltener in 3 lineare
Aeste getheilt sind. Dieser Strauch
ist als Borya ligustrina, B. retusa, Ade-
lia ovata; A. spinosa und A. Acidoton
in den Gärten verbreitet. Link führte
denselben in seinem Hortus berolinensis
als Borya retusa auf. Es ist aber dieser
Strauch eine ächte Adelia und zwar die
Adelia Acidoton L —
9) Pultenaea cluitiaefolia
Rgl. Leguminosae, — Glabra; flo-
ribus terminalibus v. deinde axillaribus
solitariis; foliis cuneato-obovatis, obtusis;
stipulis subulatis. — Wir erhielten die-
sen niedrigen Blüthenstrauch Neuhol-
land’s, aus dem Garten von James
Booth und Söhne in Flottbeck, als P.
polygalifolia. Diese letztere besitzt
aber längliche, in einen stumpfen Mu-
cro ausgehende rostbraune Blätter. Aus-
serdem ist unsere Pflanze der P. eu-
chila D. C, verwandt, die sich jedoch
durch in Trauben gestellte Blumen und
keilförmig-lineare Blätter unterscheidet.
Bildet einen niedrigen kahlen Strauch
mit aufrechten Aesten und jungen, fast
kantigen Aestchen. Blätter freudig-grün,
keilförmig-verkehrt-oval, stumpf, oderan
der Spitze fast zurück gedrückt oder un-
deutlich spitzlich. Nebenblätter häutig,
braun, pfriemlich, ungefähr so lang als
der Blattstiel. Blüthen gestielt, einzeln
spitzenständig oder später seitenständig,
goldgelb, einfarbig. Kelch unter der
Lupe kurzhaarig.
Ein niediicher zarter Strauch für’s
Kalthaus aus Neuholland.. Blüht im
Mai. Cultur gleich der der anderen
Pultenaeen, (E. R,)
360
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der S chweiz.
3) Der botanische Garten in Rom.
Unter den botanischen Gärten Ita-
liens ist jedenfalls der in Rom der am
seltensten genannte und ohne Zweifel
Vielen nicht bekannt, obwohl er keines-
wegs der kleinste zu nennen ist.
Dieser Garten auf der anderen
Seite der Tiber unweit der St. Peters-
Kirche gelegen und in unmittelbarer
Nähe des Porto Sixto, stösst an das
durch den langen Aufenthalt Tasso’s
unsterblich berühmte Kloster Onofrio.
Auch der Garten enthält einen Lieblings-
Sitz von Tasso, wo eine hundertjährige
Korkeiche stand, welche leider vor eini-
gen Jahren durch den Wind verstümmelt
wurde. Diese Stelle gehört jedenfalls
zu den schönsten Punkten von Rom und
man sagt dem Tasso in der That nicht
ohne Unrecht nach, ,‚er habe sich zum
Sterben den schönsten Platz auserwählt“.
Der Garten liegt in einem sehr bevöl-
kerten und wohl dem ärmsten Theile
der Stadt Rom. Derselbe war früher
im Besitz der Herzogin Salbiati und
seine Gründung datirt seit dem Jahre
1837.
Derselbe nimmt einen Flächenraum
von 4 Hectars ein, deren wohl ein
Dritttheil hügelig und mit verschiedenen
Bäumen bepflanzt ist. Die eigentliche
botanische Schule, ein längliches Qua-
drat bildend und nach dem Systeme
von Jussieu geordnet, enthält eine ziem-
lich zahlreiche Sammlung bekannter
Pflanzen; dieselben sind in langen Il
Fuss breiten, je mit Bux eingefassten
Beeten gepflanzt, worauf immer drei
Reihen von Pflanzen stehen. Zur Er-
zielung des für die Mehrzahl nöthigen
sonnige Lage) sind die Sträucher und
Bäume an den betreffenden Stellen mit
eingereiht, und überdiess mehrere Bäume
und Sträucher isolirt gepflanzt. Unter
den baumartigen Gewächsen zeichnen
sich vorzüglich die Pinien, Quereus Ilex,
Schinus molle, Orangen, Cercis Siliqua-
strum, Cypressen, Phönix dactylifera,
Chamaereps humilis und Ch. excelsa, Gly-
eine, Bougainvillea, Bignonia, Agaven,
Yucca etc. aus. Die Beete sind rein-
lich gehalten, die Pflanzen sind mit gut
leserlichen Etiquetten versehen und es
kann die ganze Schule als eine vortreff-
lich gepflegte genannt werden. An dem
südlichen Ende des Gartens steht ein
stattliches, aber weniger zweckmässiges
Glashaus von 80 Fuss Länge, welches
aus zwei Abtheilungen besteht: einem
Kalt- und einem Warmhaus. In dem
Mittelbau sind an der Decke einige
Fresken angebracht und den Eingang
ziert das päpstliche Wappen mit der
Aufschrift des Erbauers Gregor XVI.
Im Warmhause finden wir mehrere
Palmen, Musa, Fieus, Theobroma, Va-
nilla und einige andere Orchideen, Sac-
charum, Cyperus, Coffea und verschiedene
andere offieinelle Pflanzen; ferner ein
mächtiges Exemplar von Euphorbia cana-
riensis, das mächtigste, welches wir bis
jetzt gesehen haben.
Das Kalthaus war mit verschiede-
nen Neuholländern, Fettpflanzen und
Schlinggewächsen gefüllt. —
Der übrige Theil des Gartens, wel-
cher einen steilen Abhang bildet, ist
mit gewöhnlichen einheimischen Bäumen
Schattens — (der Garten hat eine sehr | bepflanzt und soll später, wenn es die
I. Originalabhandlungen.
Mittel erlauben, in der Weise angelegt
werden, dass er sich zur Anlage eines
Arboretums eignet. —
Die Mittel des Gartens sind gegen-
wärtig sehr beschränkt und an Ankauf,
Erweiterungen und dergleichen ist au-
genblicklich nicht zu denken. An der
Spitze des Gartens steht der Professor
der Botanik M. Rolli und zum Betrieb
des Gartens ist ein Obergärtner mit vier
Arbeitsleuten angestellt.
Durch die gütige Begleitung des dor-
tigen Obergärtners, dessen Namen wir uns
leider nicht mehr erinnern, besuchten wir
den angränzenden, schon beim Eingange
besprochenen Klostergarten, indem Tasso
361
von Früh bis Abends sich aufhielt; wir
finden hier sämmtliche Wände mit Ci-
tronen bekleidet, die gegen Kälte unge-
fähr eben so geschützt sind, wie wir
nicht selten im nördlichen Deutschland
die feineren Obstspaliere geschützt sehen,
ferner ausgedehnte Artischoken- Pflan-
zungen, Erbsen, Bohnen, welche letzten
reichlich blühten (Mitte März) und
schliesslich einen reichen, wahrlich
seltenen Nelkenflor (Remontante-Nelken).
Wir erinnern uns nicht schönere Nelken
gesehen zu haben, als in diesem kleinen
Klostergarten, womit sich einer der Her-
ren patres leidenschaftlich befasst und
sie mit einem unermüdlichen Fleisse
pflegt. (Kolb.)
4) Hagebutten für kalte Klimate,
Die grossen Früchte mancher Ro-
sen, Hagebutten genannt, geben be-
kanntlich, von ihren Kernen gereinigt,
eine vorzügliche Confiture. In Russ-
land kennt man solche weniger, da die
Rosa canina, die man in Deutschland
zu diesem Zwecke gemeiniglich benutzt,
im Winter bis zum Schnee abfriert und
selten Früchte giebt. Im Garten der
Madame Gling in Petersb urg sahen wir
aber im vergangenen Sommer eine Form
der Rosa tomentosa Smith, mit sehr
grossen rothen, von Borsten rauhen
Früchten, die für Russland die Hage-
butte sehr wohl ersetzen kann, da R.
tomentosa unsere Winter in geschützten
Localitäten ungeschädigt aushält und
wenn deren Triebe im Winter nieder-
gelegt werden, auch in rauheren Lagen
ohne Schaden die Winter überdauern
wird.
Madame Gling brachte diese gross-
früchtige Form der R. tomentosa aus
der Schweiz mit, wo gerade die Früchte
dieser Form zum Einmachen und zum
Trocknen benutzt werden.
In Grösse und Güte steht diese
grossfrüchtige Form der R. tomentosa
keiner anderen Hagebutte nach. Beim
Präpariren erfordert solche freilich et-
was mehr Arbeit, indem die rauhen Bor-
sten der Frucht vor’m Einkochen abge-
kratzt werden müssen. Für kalte und
rauhe Lagen ist solche aber allen an-
deren Hagebutten vorzuziehen,
(E. Regel.)
362
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
5) Die internationale Gartenbau- Ausstellung in London vom.
22. his 31. Mai 1866.
(Fortsetzung u. Schluss.)
Von Alpenpflanzen und bunt-
blätterigen Stauden waren nur je
eine Sammlung vorhanden, — diese be-
scheidenen Kinder Flora’s fürchten sich
vor ihren anspruchsvolleren Schwestern
und wirklich präsentiren sie sich auch
nicht vortheilhaft in Ausstellungsräu-
men, — man muss sie an einem schö-
nen Tage im Freien aufsuchen und be-
wundern. Wenn auch so schwach ver-
treten, 80 ist doch die Liebhaberei für
diese, sowie für Stauden im Allgemei-
nen in England sichtlich im Steigen,
während manche Floristenblumen, wie
englische Pelargonien, Verbenen, Fuch-
sien etc, sich bald überlebt zu haben
scheinen, natürlich um später einmal
wieder recht in Aufnahme zu kommen,
sobald sie eine längere Zeit ganz vom
Schauplatze entfernt gewesen. — Auch
das Schönste wird zuletzt ermüdend,
man sehnt sich nach Abwechslung und
greift oft zum minder Schönen, denn
der Reiz des Neuen spielt hier eine
grosse Rolle, eine grössere selbst als
die Schönheit. —
Was in England am längsten den
Launen der wechselnden Mode zu wi-
derstehen vermag, sind unstreitig die
exotischen Orchideen, — seit min-
destens 25 Jahren behaupten sie sieg-
reich ihren Rang auf den englischen
Ausstellungen, das besuchende Publikum
wird nicht müde, ihre wunderbaren, oft
barokken Formen, ihre zarten reinen
Farben zu bewundern, Jedermann fühlt,
dass er hier die Repräsentanten einer
ganz besonders bevorzugten Pflanzenfa-
milie vor sich habe, die er im gewöhn-
lichen Leben und in der grossen Mehr-
zahl der Gärten nicht sieht. — Wo
das grösste Gedränge ist im Ausstel-
lungsraum, da ist man sicher, die Or-
chideen zu finden. Neuerdings hat die
Orchideenliebhaberei noch einen bedeu-
tenden Aufschwung genommen in Eng-
land, seit man erkannt und praktisch
erprobt hat, dass die meisten der ame-
rikanischen und auch manche der asia-
tischen Orchideen sich üppiger ent-
wickeln und reicher blühen bei weit niedri-
geren Temperaturen, als man bisher an-
nahm, dass demnach die hohen Wärme-
grade, die feuchtheisse gespannte Luft,
die das Verweilen in Orchideenhäusern so
lästig machte, keineswegs unbedingt noth-
wendig sind für die grosse Mehrzahl der
Orchideen, Die Wärmegrade eines tempe-
rirten Hauses, (8—14°R. im Winter, 14
— 180 R,.im Sommer) in welchem man stets
ohne Beschwerde verweilen kann, genü-
gen für eine grosse Zahl der schönsten
Orchideen, besonders aus den Gattun-
gen: Anguloa, Barkeria, Catt-
leya, Epidendron, Laelia, Ly-
caste, Odontoglossum, Oncidium,
Sobralia, Stanhopea, Trichopi-
lia und Zygopetalum. — Man cul-
tivirt jetzt in England mit grösstem Er-
folg Orchideen selbst in Weinhäusern,
und da Weintreibereien dort, wo die
Trauben nicht mehr im Freien reifen,
fast in jedem herrschaftlichen Garten
sind, so begreift man, wie sehr dies
neue Culturverfahren, das das Schöne
mit dem Nützlichen verbindet, dazu bei-
getragen hat, die Orchideen populärer
zu machen. Die nächste Folge dieses
I. Originalabhandlungen.
„eool Orehidgrowing‘ wieder Eng-
länder bündig sagt, war eine bedeutend
stärkere Nachfrage und damit verbunden
. eine bedeutende Steigerung der Preise,
besonders der amerikanischen Orchideen,
die früher wenig geachtet und daher
niedrig im Preise, jetzt fast den ostin-
dischen den Rang abzulaufen drohen, —
aber auch die guten indischen Orchideen
sind meistens jetzt theurer als vor 10
und 15 Jahren. Obgleich dieser
neue Impuls sofort die grossen Häuser
ermuthigte, Reisende auszusenden, um
sammeln zu lassen und Low, Veitch,
Linden u. s. w. in den letzten Jahren
sehr bedeutende Quantitäten importirten,
so halten sich die Preise durchgehends
dennoch höher als je zuvor, Beweis wie
sehr Liebhaberei und Nachfrage sich ge-
steigert haben.
Die Orchideen waren auf der Aus-
stellung sehr zahlreich vertreten, obgleich
mehrere der bedeutendsten Privatsamm-
lungen keine Einsendungen gemacht
hatten: 1 Collection von 50 Arten, 5
von je 20 Arten, 3 von je 12 Arten,
4 von je 10 Arten, 8 von je 6 Arten
und 17 Einzelnexemplare von neuen
oder besonders grossen Orchideen bilde-
ten ein Ensemble, wie es nur auf einer
Londoner Ausstellung erreicht werden
kann. Als besonderer Beachtung werth
führen wir nur eine kleine Zahl neuer
und wenig gekannter, aber wirklich
schöner Arten auf, da eine irgend ein-
lässlichere Besprechung zu weit führen
würde.
Phalaenopsis Schilleriana
wollen wir nur nennen; jeder Orchideen-
freund kennt sie wenigstens par renom-
me als Perle ersten Ranges, ihr nahezu
ebenbürtig und ungleich seltener ist
Ph. intermedia var. Portei, wäh-
rend Ph. Lüddemanniana nur als
Rarität den eigentlichen Kenner fesseln
363
kann. Von neueren Dendrobium
Arten können wir D. eburneum, ma-
eranthum giganteum, taurinum,
tortille roseum und Wardianum
als ganz vorzüglich empfehlen, besonders
gefiel uns D. tortile roseum, im Ha-
bitus dem D. nobile ähnlich, die Blü-
then an Trichopilia erinnernd. Sac-
colabium "curvifolium war mehr-
fach ausgestellt, es ist ein reizendes Ge-
genstück zum S. ampullaceum, beide
niedrig bleibend, mit schmalen Blättern
und kurzen Blüthentrauben, aber dank-
bar blühend und’ ausgezeichnet durch
reine, intensive Färbung, die erste hell-
scharlach, die andere dunkelpurpur-vio-
lett.. Die Gattung Cypripedium ist
im letzten Jahrzehnt sehr an Arten be-
reichert worden und bietet jetzt ein
stattliches Contingent, — welche der neue-
ren Arten verdient den Vorzug? — die
Wahl wird sehr schwer, denn sie sind
alle schön und da sie wenig Raum be-
anspruchen und durch ihre leichte Ver-
mehrung nicht lange sehr hohe Preise
behaupten können, wird jeder Liebhaber
kaum sich mit einer oder 2 Arten be-
gnügen wollen. Vanda suavis ist
nicht mehr neu, aber sie ist doch wun-
derschön und man sieht und nennt sie
gerne wieder. — Aerides japoni-
eum Rchb. f., vonHerrn Linden aus-
gestellt, erhielt den 1. Preis als die
schönste, ganz neuerdings eingeführte
Orchidee, — wir hätten eherdem Den-
drobium Wardianum diesen Preis
zuerkannt, uns entzückte sie nicht, aber
eben weil sie uns auf den ersten Blick
völlig kalt liess, betrachteten wir sie
nicht genauer und vielleicht thun wir
ihr Unrecht; auch die anderen als ganz
neu ausgestellten Orchideen boten nichts
Ausgezeichnetes, obiges Dendrobium
und die fast rein weisse Cattleya
Mossiae var, Marianae ausgenom-
364
men. Cattleya waren sehr zahlreich
und theilweise in sehr starken prächtigen
Exemplaren, dagegen hätten wir alsRe-
sultate der neuen kälteren Culturmetho-
den mehr, weit mehr „cool Orchids“
oder richtiger gesagt Orchideen küh-
ler Regionen erwartet. Als würdige
Repräsentanten dieser Classe notirten
wir nur Epidendron vitellinum
majus, Trichopilia erispa, Lae-
lia einnabarina, Odontoglossum
eitrosmum, Od. naevium und vor
Allen das mit Recht so hochgeschätzte
Odont. Pescatorei mit 21 Blüthen
und Knospen! — Wir hätten gerne
Bekanntschaft gemacht mit manchen
neuen Odontoglossum Arten, die
Jetzt mit Gold aufgewogen werden, hät-
ten gerne ältere Bekannte, wie Bar-
keria specetabilis und Skinneri,
Odontoglossum Ehrenbergii und
Rossii etc. wieder gegrüsst und die
Erfolge der jetzigen rationelleren Be-
handlung an ihnen constatirt, die wir
früher nur als schwindsüchtig kannten,
aber hierin hatten wir unsere Er-
wartungen wohl zu hoch gespannt, selbst
die Perle aller kalten Orchideen, die
Disa grandiflora, glänzte nur durch
ihre Abwesenheit und vermissten wir
sie auch bei unserer Rundschau in den
dortigen Sammlungen. Bei Consul Schil-
ler in Hamburg sahen wir sie dutzend-
weise in prächtig blühenden Exempla-
ren im Sommer 1864, auch in dem in
Deutschland noch immer zu wenig ge-
kannten grossherzogl. botanischen Garten
in Carlsruhe wird Disa grandiflora
ganz vorzüglich eultivirt, überhaupt con-
statiren wir mit Befriedigung, dass in
Orchideencultur Deutschland durchaus
England nicht nachsteht, nur ist die
Zahl der Liebhaber noch eine weit ge-
ringere als in dem reichen Albion.
In Palmen, Cyceadeen und
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Pandaneen sind. die Engländer noch
Neulinge, sie erschienen wohl zum er-
sten Male auf dieser Ausstellung, aber
jedenfalls machten sie ein glänzendes
Debüt. Die Palmen, meistens noch jün-
gere Exemplare, standen ungemein kräf-
tig und üppig; von Cycadeen verdient
Cycas plumosa als sehr distinete und
seltene Art genannt zu werden; grosses
Interesse erregten ein blühendes männ-
liches Exemplar von Cycas revoluta
und ein weibliches von C, eireinalis
mit zahlreichen Fruchtständen, beide aus
der berühmten Cycadeensammlung des
Herrn James Yates in Hichgate bei
London. Möglicherweise werden aus
diesem Garten bald Cycas-Bastarde her-
vorgehen. —
Freunde von Farnkräutern hat-
ten reiche Augenweide auf dieser Aus-
stellung, die Farne sind in England
schon seit geraumer Zeit sehr beliebt
und eine grosse Zahl von Privaten hat-
ten Sammlungen von je 6 oder 12 Ar-
ten eingesandt, meistens in sehr gros-
sen Exemplaren von ganz vorzüglicher
Cultur. Uns frappirten besonders die
mächtigen Exemplare von Gleichenia,
die bekanntlich sehr diffieil sind. Als
ausgezeichnet schön empfehlen wir:
Lomaria gibba, Todea africana
und pellucida und vor Allem Lep-
topteris superba, unstreitig das
schönste aller Wasserfarne. — Baum-
farne waren nicht sehr zahlreich und
boten keine grosse Abwechslung, da die
Artenzahl nur gering war, aus dem Cry-
stallpalast waren jedoch einige riesige
Exemplare geliefert worden, die maje-
stätisch dominirend alle Blicke auf sich
zogen, es waren Cyathea medulla-
ris, C. dealbata und Dicksonia
antarctica, drei herrliche Arten, de-
ren Stämme neuerdings massenhaft durch
Low und Linden importirt wurden,
I. Originalabhandlungen.
Von Freiland-Farnen waren 12
sehr interessante Sammlungen vorhan-
den — bekanntlich hat man von diesen
in England zahlreiche monströse Formen
gezüchtet, besonders von Althyrium
(Asplenium) Filix foemina, Poly-
stichum angulare und Scolopen-
drium offiecinarum. Manche dersel-
ben sind wirklich ausgezeichnet schön
und sehr abweichend, so die älteren
Lastrea (Aspidium) Filix mas cri-
stata, Asplenium Filix foem.
erispum und Frizelliae, Scolo-
pendrium offieinarum margina-
tum und undulatum, die in keiner
Sammlung fehlen sollten, — von neuen
notirten wir als die auffallendsten: As-
pidiumFilixmas Ingrami, Asple-
nium Filix foem. Fieldiae, multi-
formis und plumosum, und Poly-
stichum angulare parvissimum
und Youngii. —
Von Selaginella waren sehr
grosse Exemplare in flachen Schüsseln
von 3—4 Fuss Durchmesser ausgestellt,
sie waren vortrefllich gezogen, wir fan-
den jedoch nur die bekannten Arten. —
Von Aroideen sind neuerdings
wunderschöne Arten eingeführt worden:
wir erinnern nur an das reizende An-
thurium Scherzerianum, von dem
ein Exemplar, mit 5 seiner corallrothen
Blüthenscheiden prangend, von Veitch
ausgestellt war, die Scheiden sind wie
von Wachs und dauern 4—6 Wochen
lang, — dann an das wirklich impo-
sante Anthurium magnificum, das
gleichzeitig auch als A. grande und
eordifolium in den Handel kam, —
ferner an die prächtigen Alocasia ceu-
prea (metallica), Lowii und Veit-
chii, an Alocasia zebrina undgi-
gantea, an Dieffenbachia Bara-
quiniana und grandis, sämmtlich
Blattpflanzen ersten Ranges, von den
365
schönen, jetzt schon wieder mehr aus-
ser Mode kommenden Caladien gar
nicht zu reden. Diese letzteren verdie-
nen aber doch noch besondere Erwäh-
nung, weil mancher Liebhaber ihnen si-
cher noch gewogen ist und gerne seine
Sammlung noch vervollständigen wird
mit wirklich distineten und schönen Sor-
ten; als solche empfehlen wir C. albo-
conspersum, Cannaertii, Duc de
Nassau, Lemoinieri und mirabile
aus der Sammlung von Ambr. Ver-
schaffelt in Gent, und die sehr schö-
nen Sämlinge, welche ein Pariser Ama-
teur, Alfred Bleu, durch Kreuzbe-
fruchtung erzielte, namentlich die Sor-
ten ImpE&ratrice Eug£nie, Isi-
dore Leroy, Napoleon Ill. und
Reine Victoria, die unswirklich vor-
züglich erschienen. Uns ist es geradezu
unbegreiflich, wie die betreffende Sec-
tion des Preisgerichtes so gleichgültig
an dieser Leistung vorbeigehen und ihr
ein gewiss wohlverdientes Certificat ver-
sagen konnte; — wer hat schon vor
dem Herrn Bleu Caladienbastarde
erzogen? — wem ist es überhaupt nur
gelungen, Caladien zum Samentragen
zu bringen? — Man prämirt Sämlinge
von Pelargonien, Fuchsien, Verbenen
etc,, die Jeder ziehen kann, der sich
damit befassen will, — aber eine wirk-
lich überraschende, auch wissenschaft-
lich wichtige Leistung wird ignorirt! —
Man hat ja schon so viele und schöne Ca-
ladien, — aber fehlt es etwa an Pe-
largonien, Fuchsien, Verbenen etc. ?!
Araliaceen waren nur in 2
Sammlungen vertreten, das noch seltene
Oreopanax dactylifolium verdient
wegen interessanter und schöner Blatt-
form besondere Erwähnung,
Auch Cacteen durften sich wieder
blicken lassen, nachdem sie lange Jahre
wohl von den meisten Ausstellungen
366
ausgeschlossen waren, und gewiss mit
Unrecht, denn es schien uns, als ob
diese kleinen, aber gewählten Samm-
lungen mit ganz besonderem Interesse
inspieirt wurden und der Contrast dieser
hungrigen Gnome und Kobolde der
Pflanzenwelt in naher Zusammenstellung
mit üppigen Laub- und Blüthenmassen
wird immer seine Wirkung nicht ver-
fehlen, auch wenn sie drastischer
Art ist.
Von Taxineen waren 6 Samm-
lungen von je 12 Arten ausgestellt, wo-
rin besonders die Formen von Taxus
baccata zahlreich vertreten waren; Ce-
phalotaxus Fortunei und pedun-
culata halten hier in Zürich ohne jede
Bedeckung aus, eben so Torreya
grandis und Myristica, sie sind da-
her besonderer Beachtung werth.
Harte Coniferen, diese Lieb-
linge der Engländer, deren Klima den
meisten Nadelhölzern so besonders zu-
sagt, waren zahlreich vorhanden. Von
Cupressus Lawsoniae, bekanntlich
eine gegen Frost sehr unempfindliche,
raschwüchsige Art, von sehr eleganter
Tracht, daher der allgemeinsten Ver-
breitung werth, waren zwei sehr distincte
und ausgezeichnete Varietäten ausge-
stellt, die eine von prächtig blaugrüner
Färbung, C. Lawsoniae argentea;
die andere von dicht geschlossenem,
schlank pyramidalen Wuchse, C. L.
eompacta genannt. Zu der so sehr
beliebten Biota orientalis aurea
(Thuja aurea der meisten Gärten) ist
die neue B. orient. elegantissima
von Rollisson ein prächtiges Gegen-
stück, die Färbung der Triebspitzen
noch brillanter goldgelb, der Wuchs
aber nicht kugelig, sondern schlank py-
ramidal. Retinispora squarrosa,
lycopodioides und plumosa aurea
(pisifera-aurea) sind vorzügliche Neu-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
heiten, die Jedem gefallen werden,
ebenso Thuiopsis dolabrata und
laetevirens, die selbst für Topfcultur
sich empfehlen. Von Thuiopsis bo-
realis (Chamaecyparis nutkaen-
sis) und Retinispora obtusa und
pisifera waren sehr schöne Exemplare
ausgestellt, diese nicht mehr ganz neuen
Arten verdienen dennoch besondere Er-
wähnung und Empfehlung, weil sie, sehr
schön und raschwüchsig, sich hier in
Zürich auch als vollständig ausdauernd
bewährt haben.
Eine Wellingtonia gigantea
variegata mit gelbpanachirten Spitzen
konnte uns durchaus nicht gefallen, es
war jene krankhaft aussehende Art von
Panarchirung, die sich auch meistens sehr
bald wieder verliert. Von Juniperus
nennen wir als sehr schön die breitna-
delige J. (Arceuthos) drupacea und
J. excelsa strieta, sehr dicht und
schlank pyramidal, für Gräber gewiss
vorzüglich geeignet. Pseudolarix
Kaempferi ist einjwundervolles Nadel-
holz, bleibt aber leider noch immer sehr
selten, weil es bisher nicht gelingen
wollte, sie durch Stecklinge oder Vered-
lung zu vermehren. Abies amabilis,
cephalonica, Douglasii, grandis,
lasiocarpa, nobilis, Nordmannia-
na; Pinsapo ete. noch besonders em-
pfehlen zu wollen, wäre überflüssig, man
kennt sie bereits als die Elite der Tan-
nenarten. — Pinus Strobus tabu-
laeformis, diese interessante, unge-
mein langsam wachsende Zwergform,
die Van Houtte vor etwa 15 Jahren
in den Handel gegeben, tauchte hier
unter den neuesten Neuheiten wieder
auf, vielleicht hat der betreffende Aus-
steller selber nicht gewusst, wie alt sie
ist, oder er hat Seltenheit mit Neuheit
verwechselt, denn selten ist sie aller-
dings noch. —
I. Originalabhandlungen.
Die Sammlungen von Nepenthes,
Sarracenia, Begonia und manches
Andere, sämmtlich schön, müssen wir
hier übergehen, um endlich dem Schlusse
näher zu kommen; wenn wir auch gerne
gemüthlich weiter plaudern möchten,
nun wir einmal im Zuge sind und das
passirt uns nicht eben oft, — dürfen
wir doch die Geduld der Leser nicht
auf eine gar zu harte Probe stellen;
bleibt doch immer noch Manches übrig,
das wir nicht so ohne irgend welche
Bemerkung passiren lassen möchten.
Ueber Eriken haben wir bereits
erwähnt, dass die ausgestellten Samm-
lungen kaum mehr die Vollkommenheit
der Cultur und jedenfalls nicht mehr
den Reichthum an Arten zeigten, wie
vor Jahren, — neue Arten sahen wir
nicht,, aber desto mehr alte, „die nicht
da waren“ und die bald wieder neu wer-
den dürften, Es ist ein Glück, dass
man weiss, wo man eie zu holen hat,
wenn die Liebhaberei für die so äusserst
zierliche und artenreiche Gattung wieder
neuen Aufschwung nimmt. Mögen sie
bis dahin auf den Hochebenen des Cap
der guten Hoffnung durch die vordrin-
gende Cultur nur nicht mit Stumpf und
Stiel ausgerottet werden, und in guter
Hoffnung ausharren bis zur Stunde, die
nicht ausbleiben kann, wo man sie neu-
erdings zu Ehren ziehen wird, Man
kann sie vernachlässigen und dann nur
zu leicht ganz verlieren, — aber sie sind
zu Schön, als dass man sie je ganz
vergessen könnte! —
Doch wenden wir uns zu den jetzi-
gen Kindern der Mode, — ihr Reich
wird wohl doch nicht von gar langer
Dauer sein, — zu den amerikanischen
Liliacen: Agave, Beaucarnea,
Dasylirion und Yucca, nebst ihren,
der alten Welt angehörigen Verwandten
aus den Gattungen Dracaena und
367
Cordyline; sie brilliren nicht durch
Blüthen-, sondern durch Blattschmuck,
sie sind Blattpflanzen und zwar von den
dauerhaftesten und wer liebte diese nicht
heutzutage® — Belgische Handelsgär-
ten und für Dracänen-Massencultur be-
sonders die Berliner Gärten, haben für
diese Mode den ersten Impuls gegeben.
England war vorerst nur für Dracänen
gewonnen, aber „l’appetit vient en man-
geant‘‘ — auch die anderen haben ihren
Weg über den Canal gefunden, diese
Ausstellung lieferte den Beweis dafür,
wenn auch vorläufig nur erst Handels-
gärtner und noch fast keine Privaten als
Aussteller figurirten,
Die Handelsgärtner, wenigstens die
klugen und energischen, folgen nicht
nur der Mode, sondern sie beeinflussen
und lenken sie, — die Privaten folgen
dann nach, oft anfangs bedächtig und gar
mit Widerstreben, aber der Zug der
Zeitströmung treibt unwillkürlich in im-
mer rascherem Tempo, bis der Höhe-
punct erreicht ist. Die Mode ist eben
doch nichts weiter als eine psychische
Epidemie, die Ansteckung wirkt hier wie
dort, Wenige können ihrem Einflusse
ganz widerstehen. Von Agave wollen
wir in den folgenden einige der schön-
sten Arten nennen, ältere wie neuere,
die recht verschieden von einan-
der, in ihrer Zusammenstellung eine
vorzügliche Gruppe bilden werden, es
sind: Agave applanata, cocci-
nea, dealbata, Ellemeetiana, fi-
lifera, Ghiesbreghtii, hystrix,
schidigera, univittata, Verschaf-
feltii und xalapensie und um das
Dutzend voll zu machen, fügen wir noch
xylinacantha hinzu.
Beaucarnea recurvata, die
etymologisch räthselhafte Pincenec-
titia der Gärten, ist jetzt so häufig
und billig geworden durch die vielen
368
von Roezl aus Mexiko gesandten Sa-
men, dass sie in jeder grösseren Samm-
lung zu finden sein sollte, sie ist sehr
decorativ und interessant. Von Yucca
bleibt die buntblätterige quadricolor
noch immer die schönste und gesuch-
teste, für’s freie Land sind Y, recur-
va und plicata wohl die werthvollsten.
Dracänen sind in Deutschland
mehr verbreitet und besser gekannt als
in England, wir wollen nur die neueren
Dr. Cooperi, latifolia pendula,
robusta und terminalis stricta
und die neueste Dr. nigricans als
sehr schön und distinet erwähnen, die
letztere ist eine Dr. ferrea mit eigen-
thümlich blauschwarzer Färbung.
Von Lilium auratum, dieser
wirklich imposanten Lilie, waren zahl-
reiche, prächtig blühende Exemplare
ausgestellt, andere Arten fehlten dage-
gen fast gänzlich, — fühlten sie, dass
sie gegen solche Pracht nicht ankämpfen
können, dass sie nur als demüthige Va-
sallen einer stolzen Königin erscheinen
würden ?
Amaryllis waren schön, aber in
Gent bei Van Houtte, der wie fast
immer auch dies Mal Nichts ausgestellt
hatte, obwohl er so viel Schönes aus-
stellen könnte, — sahen wir noch schö-
nere und zwar in grossen Massen. Seine
Amarylliszucht ist in Qualität wahrhaft
ausgezeichnet und in Quantität gradezu
fabelhaft.
Von Rhododendron vermissten
wir besonders ungern die neueren Spe-
cies vom Himalaya; die ausgestellten
Sammlungen bestanden durchgehends
aus Gartenvarietäten, darunter allerdings
ausgezeichnet schöne, so z. B. Prince
Teck, Mr. Barron und Mr. Mar-
nock ganz vorzüglich, aber von einer
Londoner Ausstellung hätten wir in die-
ser Beziehung doch mehr erwartet.
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
Azaleen waren sehr zahlreich und
sehr schön; die streng symmetrische
Pyramidenform mag als ein Kunststück
bewundert werden, und solche in ihrer
Art wirklich vollkommene, riesige Exem-
plare, von unten bis oben, hinten und
vorne gleichmässig dicht mit Blüthen
bedeckt, verdienen Bewunderung, er-
scheinen aber doch unnatürlich steif,
und wirklich werden diese Pyramiden
in der mühsamsten Weise durch Auf-
binden jeder Zweigspitze an Stahlreifen
erkünstelt; in jedem Exemplar steckt
eine vollständige Crinoline und ein
Züchter versicherte uns, 3 seiner Leute
hätten 2 Tage vollauf zu thun, um die
Toilette eines einzigen solchen Exem-
plares durch Anbinden zu vollenden !
Dass man Pflanzen, deren natür-
licher Habitus unschön ist, durch Nie-
derbinden, Einstutzen u. s. w. eine bes-
sere Form zu geben trachtet, rechtfer-
tigt sich vollkommen, aber, die flache
Halbkugelform ist bei Azaleen nur durch
den Schnitt leicht zu erzielen, daher je-
denfalls natürlicher und weniger steif. —
Wir erinnern uns noch immer mit Ver-
gnügen aus unserer Lehrzeit der schö-
nen, schlanken Hochstämme von Aza-
leen, 6—8 Fuss Stammhöhe mit wohl
proportionirter Krone, wie sie damals
von Dresden aus in den Handel kamen
und besonders nach Russland viel abge-
setzt wurden; die Hochstammform ist
für Azaleen sehr passend und sollte
von Neuem in Aufnahme kommen.
Die Rosen waren nach dem ein-
stimmigen Urtheil die bewundernswür-
digste Leistung, der Glanzpunkt der Aus-
stellung. Man begreift kaunı, wie es
möglich ist, Rosen bei Topfeultur zu
einer Ueppigkeit und Vollkommenheit
zu bringen, wie man sie nie im freien
Lande sieht, — auch die zahlreich an-
wesenden Franzosen konnten nicht ge-
I. Originalabhandlungen.
nug diese Rosen bewundern, die makel-
los in Laub und Blume, in jungfräu-
licher Zartheit und Frische, ja man darf
sagen, in wahrhaft klassischer
Schönheit prangten. Wer je daran
zweifelte, dass die Rose die Königin
aller Blumen sei und stets bleiben werde,
hier hätte sicher jeder Zweifel schwin-
den müssen. Immer und immer wieder
Zz0g es uns zurück zu den Rosen, wir
betrachteten sie mit dem gleichen Ent-
zücken, wie schon vor Jahren, — wir
wollten die schönsten notiren, aber fan-
den alle schön, — wir wollten wenig-
stens die schönsten der neueren auf-
zeichnen, aber es passirte uns, dass wir
alte Bekannte, wie la reine, Louise
Ödier, General Jaequeminot für
neu hielten, weil wir sie auf den ersten
Blick in soleher Vollkommenheit nicht
wieder erkannten. Die Wahl war schwer,
endlich entschieden wir uns für die fol-
genden, abgesehen natürlich von den
älteren Matadoren: hybr. rem. Al-
paide de Rotalier, Baron Adol-
phe de Rothschild, Ch. Lawson,
Comtesse de Chabrillant, Elisa-
beth Vigneron, Kate Hausbers,
John Hopper, Lord Clyde, Mdme.
Vietor Verdier, Monsieur Bon-
cenne, Pierre Notting, und Xa-
vier Olibo. Von Theerosen notirten
wir als vorzüglich schön alba rosea,
President, Souvenir d’un ami,
und Mare&chal Niel, letztere unstrei-
tig die schönste der gelben Rosen. —
Bei den Pelargonien, die wie
immer ausgezeichnet schön waren, (wenn
auch ein continentales Auge beleidigt
wird durch die Unmasse- von Stäben,
die bei solehen Schaupflanzen verwendet
werden zum Anbinden der Blüthensten-
gel), zeigte es sich deutlich, dass die
früher so verachteten Scharlach- oder
Zonal-Pelargonien jetzt ungemein
ZU. 1866.
369
en vogue sind, während die grossblumi-
gen, die fünffleckigen und Fantasie-Pe-
largonien bedeutend verloren habenin der
Tagesgunst. Die Nosegay- oder Bou-
quet-Pelargonien, die sich von
den Scharlach-Pelargonien durch schmä-
lere Petalen, aber durch reichblumigere
und gleichzeitiger blühende Dolden un-
terscheiden, sind ganz besonders beliebt
zu Gruppenpflanzungen, während die
Scharlach-Pelargonien für Topfeultur mit
Recht vorgezogen werden. Die für
Gruppen jetzt in England beliebtesten
Bougquet-Pelargonien sind: Amy Hogg
rosapurpur. Beaton’s Pet karmoisin,
Cybister scharlach karmoisin, Lady
Cullum salmrosa, Indian Yellow
orangescharlach, Lord Palmerston
hellkarmoisin, wir nennen sie, weil sie
durch niederen Wuchs, reine Farben und
reiches Blühen ausgezeichnet, anerkannt
die besten für Gruppen und auf dem
Continent noch sehr wenig verbreitet
sind.
Die buntblätterigen Zonal-
Pelargonien, besonders die aus der
sogenannten „tricolor-leaved“ Section,
wo zwischen der braunen Zone und der
weissen oder gelben Blattrandung noch
eine dritte Farbe in mehr oder minder
lebhaft rothen Tönen auftritt, sind jetzt
die wahren Löwen des Tages in Eng-
land. Die Handelsgärtnerei von E. G.
Henderson und Sohn hat sich ganz
speciell auf diese geworfen und macht
brillante Geschäfte damit. Es ist wahr-
haft lächerlich, welche Preise für diese
in ihrer Art allerdings sehr schönen
Pelargonien gefordert und willig gezahlt
werden; 3 Guineen (21 Thaler) für
kleine, eben bewurzelte Stecklingspilan-
zen von der neuesten Lucy Grieve,
2 Guineen für Edwinia Fitzpatrick,
Sophia Dumaresque, Countess
of Tyreonnel u.s.w.! — Wir liessen
24
370
uns diese Preise noch gerne gefallen,
wenn die genannten und die vielen übri-
gen neuen Sorten wirklich sehr verschie-
den nnd weit schöner als die schon
vorhandenen wären, aber hier liegt eben
der Fehler: wir fanden wohl eine Masse
Sorten, die sämmtlich neu und distinet
sein sollten, aber abgesehen von, den
Namen fanden wir unter den weissran-
digen immer nur die bekannte Italia
unita, unter den gelbrandigen die noch
bekanntere Mrs. Pollock wieder, —
Unterschiede mögen da sein, aber sie
sind so unbedeutend, dass es uns we-
nigstens nicht der Mühe lohnte, sie auf-
suchen zu wollen. Der diesjährige Ca-
talog der genannten Handelsgärtnerei
führt 131 Sorten buntblätteriger Pelar-
gonien, darunter nicht weniger als 30
Sorten in der Art der Italia unita
und 28 Sorten in der Art der Mrs,
Pollock, dabei sind wohlverstanden
noch nicht inbegriffen die zahlreichen
ausgestellten allerneuesten Sorten, die
erst im nächsten oder in 2 Jahren in
den Handel kommen werden! — heisst
das nicht des Guten zu viel thun?! —
Man könnte es auch noch ganz anders
qualificiren. —
Die krautartigen Calceola-
rien, wie sie in England gezogen wer-
den, sind weniger mannigfaltig in Farbe
und Zeichnung, aber weit regelmässiger,
weit correcter in Form und Haltung, —
dasselbe lässt sich auch von den Pen-
sees und Tulpen sagen. Der Eng-
länder verlangt vor allen Dingen eine
durchaus correcte, tadellose Form und
Haltung der Blumen, die Farbe steht
erst in zweiter Linie, — wir Continen-
talen verlangen vor allen Dingen mög-
lichst grosse Mannigfaltigkeit in Farbe
und Zeichnung, — wer hat nun Recht?
— Darüber liesse sich lange, aber je-
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
denfalls erfolglos streiten, denn „chacun
a son gout“*. —
Ehe wir die Pflanzen verlassen, —
der Abschied fiel uns damals wirklich
schwer, — um noch einen kurzen Blick
auf das ausgestellte Obst, Gemüse ete.
zu werfen, müssen wir noch drei Schau-
pflanzen von Eucharis grandiflora
erwähnen, die wahrhaft Sensation mach-
ten durch ihre Grösse und Culturvoll-
kommenbeit. Man denke sich Büsche
von 4—5 Fuss Durchmesser, die schwarz-
grüne Laubmasse überragt von zahlrei-
chen kräftigen Blüthenschäften, jeder mit
3—5 der grossen, reinweissen, edelge-
formten Blumen geschmückt! Eine bei-
liegende Culturnotiz betonte das öftere
Verpflanzen, das Beständige im Wachs-
thum erhalten und gelinde Bodenwärme
im temperirten Hause als Hauptbedin-
gungen der Cultur, diese Exemplare
hätten schon seit Ende December unun-
terbrochen geblüht, und doch waren sie
noch Ende Mai in voller Pracht! Die
Eucharis, vor nicht gar langer Zeit
von Linden eingeführt, waren wohl
allgemein als undankbar blühend bald
in Vergessenheit gerathen, jetzt wird
wohl Mancher machen, was auch wir
gethan haben, die etwa noch existiren-
den Exemplare wieder hervorsuchen und
unter Befolgung obiger Culturwinke
nochmals sein Heil damit versuchen.
Eine andere Pflanze, die uns lebhaft
interessirte, war Bougainvillea spec-
tabilis in mehreren Formen, ausge-
stellt in verhältnissmässig kleinen Topf-
exemplaren, die reich mit den brillant
rosenrothen Bracteen bedeckt waren,
Bekanntlich blüht dieser schöne Schling-
strauch gewöhnlich nur an sehr alten,
im freien Grunde des Warmhauses
stehenden Exemplaren, und man sieht
ihn daher selten. Ueber die hier ange-
wendete Culturmethode können wir lei-
I. Originalabhandlungen.
der keinen Aufschluss geben; wahr-
scheinlich werden junge Exemplare durch
öfteres Verpflanzen und Bodenwärme
rasch bis zur erforderlichen Grösse he-
rangezogen ; dann luftig und sonnig ge-
stellt und längere Zeit trocken gehalten,
um das Holz stark auszureifen und zur
Blüthenbildung zu zwingen, und wenn
das erreicht ist, nochmals verpflanzt
und bei Bodenwärme rasch angetrieben, —
Von Früchten waren besonders
Ananas und Weintrauben stark vertreten
und ausgezeichnet; Trauben, wie sie
hier Ende Mai von zahlreichen Aus-
stellern gezeigt wurden, kann man nickt
grösser und vollkommener Ende Sep-
tember im Freien in der besten Wein-
gegend pflücken! Auch reife Pfirsiche,
Nectarinen, Kirschen, Feigen, Himbee-
ren, Erdbeeren und Melonen“ waren
reichlich vorhanden und bewiesen die
Vorzüglichkeit der englischen Treibgärt-
nerei.
Von Gemüsen wissen wir wenig
zu berichten, uns blieb keine Zeit, sie
einlässlicher zu durchmustern, und bei
einem flüchtigen Ueberschauen fanden
wir nichts Aussergewöhnliches zu no-
tiren. Als neu eingeführte Gemüse
wurden noch Dioscorea Batatas,
die bei uns schon längst die Runde und
zugleich auch Fiasco gemacht hat, (we-
gen der polizeiwidrig langen Wurzel-
hälse), und ein Rettig, Raphanus
ceaudatus von Java ausgestellt. Die-
ser letztere liefert keine fleischige, ge-
niessbare Wurzel, sundern verwendet
seine ganze Energie und mit bestem
Erfolg auf die Bildung fabelhaft langer
Samenschoten, die unreif, roh oder in
Essig eingemacht „sehr wohlschmeckend
sein sollen“. Der Aussteller, Handels-
gärtner W. Bull in Chelsea verkauft
diesen neuen Rettig vorläufig zu dem
sehr bescheidenen Preise von einer Gui-
371
nee für 7 Korn, also zu 1 Thaler pro
Korn! Was diese monströs langen
Schoten kosten, wissen wir also, —
wie sie kosten, darüber können wir
vorläufig noch nichts melden,
Die Bouquets wollten uns durch-
aus nicht gefallen, sie waren unserem
Geschmack nach durchweg geradezu ge-
schmacklos und überladen, Blume an
Blume dicht gedrängt, ohne Grün, ja
meist auch ohne harmonische Zusam-
menstellung der Farben, — das Bouguet-
machen verstehen wir Continentalen ent-
schieden besser, und es war nur zube-
dauern, dass vom Continent aus Nie-
mand daran gedacht hatte, Bouquets
einzusenden. Die Tafelaufsätze wa-
ren an sich, einige wenigstens, recht ge-
schmackvoll, hätten aber ebenso ge-
schmackvoll garnirt sein sollen. Sehr
hübsch und in grosser Auswahl vertre-
ten, waren dagegen die in England jetzt
sehr beliebten Glaskästen für Zim-
mercultur, meist mit Farnen, Selagi-
nellen, buntblätterigen Pflanzen, Dracä-
nen etc. bepflanzt; einige der grösseren
waren allerliebste Miniaturgewächshäuser
und würden auch dem elegantesten Sa-
lon zur dauernden Zier gereichen,
während Blumentische, wenn die Pflan-
zen nicht sehr häufig gewechselt wer-
den können, nur oft bald recht
trostlos aussehen,
Alle die ausgestellten Gartengeräthe,
Maschinen, Modelle von Gewächshäusern,,
von Heizungen, von Lüftungs- und Be-
schattungseinrichtungen, Gartenmöbeln,
zu
Spritzen, Pumpen, Fontainen, Vasen
u. s. w. noch eingehend erwähnen zu
wollen, würden wir unseren Lesern
nicht zumuthen dürfen, aber wir könn-
ten auch wenig davon erzählen, denn
wir gestehen offen, dass wir weder Zeit
noch Muth fanden, uns an diese Masse
von Gegenständen zu wagen, die allein
24 *
372
für sich schon eine grosse und gewiss
sehr interessante Ausstellung bildeten.
Wir haben in unserem Berichte
bisher fast gar keiner Aussteller erwähnt
und wollen daher schliesslich noch ei-
nige der Hauptaussteller nennen, mit
gleichzeitiger Angabe der Pflanzen, die
sie vorzugsweise ausstellten, resp. ceul-
tiviren. Von Privaten können wir
nur wenige nennen, die Liste würde
sonst zu lang werden, wir geben dage-
gen die genaue Adresse, weil die fol-
genden Gärten jedenfalls eines Besuches
werth sind und der Neuling in England
froh ist, wenn er schon von Hause eine
Anzahl Adressen mitbrachte, um seine
Schritte zu leiten.
R. Barelay Esq. West Hill
House, Highgate, London. Gärt-
ner W. Young; grosse Schaupflanzen
des Kalt- und Warmhauses, Blattpflan-
zen etc.
John J. Blandy Esp. Highgro-
ve, Reading, Berks; Gärtner A. In-
gram; Schaupflanzen, Orchideen, Farne,
vorzügliche Eriken (1. Preis), Aza-
leen etc.
H. Micholls Esq., Summer-
field. Bowdon, Cheshire; Gärtner
T. Baines; Baines istunstreitig einer
der geschicktesten Pflanzencultivateure
Englands, mit seinen vorzüglichen Schau-
pflanzen des Warm- und Kalthauses
gewann er in den Hauptconeursen die
ersten Preise, ebenso mit Blattpflanzen,
Farnen und Sarracenien. Es muss ein
grosser Genuss sein, die Gewächshäuser
dieses Gartens zu durchmustern.
Herzog von Northumberland,
Sion House, Islewortb bei Lon-
don, Gärtner G. Fairbairn; der Be-
such dieses alten berühmten Gartens
in der Nähe vom botanischen Garten in
Kew ist Jedem dringend anzurathen.
Der Park enthält eine grosse Anzahl
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
seltener Gehölze in alten, mächtigen
Exemplaren , wie man sie selten findet;
die zahlreichen Gewächshäuser enthalten
neben schönen Palmen (1. Preis),
Warmhauspflanzen, Orchideen etc. eine
in ihrer Art einzige Sammlung tropischer
Fruchtbäume in mächtigen Exemplaren.
Referent sah dort schon vor 18 Jahren
eine Vanilla, die eine hohe Giebelwand
des Warmhauses dicht bedeckte und mit
hunderten von Früchten beladen, die
dort jährlich in grosser Menge gezogen
wurden; auch der Mangostan und die
Cocosnuss wurden in diesem Garten zu-
erst und wohl allein in Europa zum
Fruchttragen gebracht.
Robert Warner Esq., Broom-
field, Ohelmsford hat jetzt wohl
die grösste Orchideensammlung in Eng-
land. Sie ist sehr reich an Arten von
Aerides, Vanda, Phalaenopsis, Saceola-
bium ete. und ebenso an Cattleya, Lae-
lia, Odontoglossum ste. — Hier sahen
wir mit bestem Erfolge Orchideen in
Weinhäusern gezogen.
S. Yates Esq., Lauderdale
House, Highgate, London N,
Gärtner W. Taylor; dieser Garten ist
besonders berühmt wegen seiner Cyca-
deen, die Sammlung sei die schönste
und vollständigste, die existirt.
Von Handelsgärten nennen wir:
J. Veitch and Sons, Royal
Exotie Nursery, Chelsea, Lon-
don, S. W., grossartiges Geschäft, das
seit Jahren in allen Welttheilen Rei-
sende gehabt und noch hat, bekannt
durch zahlreiche Einführungen neuer
Pflanzen. Grosse Orchideensammlung,
prächtige Coniferen, Gewächshauspflan-
zen aller Art, reiche Sammlung von
Nepenthes, Baumschulen etc.
B. S. Williams, Vietoria Nur-
sery, Holloway, London N.; neue
sehr schön eingerichtete Handelsgärt-
I. Originalabhandlungen.
nerei, in allen Branchen wohl versehen,
besonders in Orchideen, neuen Warm-
hauspflanzen, jungen Culturpflanzen von
Eriken und Neuholländern.
Ch. Turner, Royal Nursery,
Slough bei Windsor; einer der tüch-
tigsten englischen Pflanzenzüchter; er
hatte in 45 Classen ausgestellt und er-
hielt zahlreiche eıste Preise; hat vor-
zugsweise Schaupflanzen, Floristenblu-
men, wie Rosen, Pelargonien, Fuchsien,
Verbenen etc.
W, Bull, King’s Road, Chel-
sea, London S. W.; noch ein junges,
aber rasch aufblühendes Geschäft, be-
sonders neue Gewächshaus- und Deco-
rationspflanzen,
E.G. Henderson and Son, Wel-
lington Nursery, St. John’s Wood,
London N. W.; grosse Handelsgärtne-
rei, die vielfach auch mit dem Continent
verkehrt, hält fast alle couranten Artikel
für Gewächshaus wie für’s Freie, be-
sonders massenhaft buntblätterige Pelar-
gonien, Gruppenpflanzen, Eriken, Epa-
eris etc.
Henderson etCo.; Pine App-
le Nursery, Edgware Road, Lon-
don; altes renommirtes Geschäft, be-
sonders Eriken und Neuholländer.
S. and C. Lee, Royal Vine-
yard Nursery, Hammersmith bei
London; schöne Warmhauspflanzen,
Azaleen, Coniferen, Baumschulen.
H. Lane and Son, Great Berk-
hamstead, Herts; grosse Baumschu-
len, Rhododendron, Azaleen, Rosen.
Paul ard Son, Old Cheshunt
Nursery, Cheshunt bei London;
grosse Baumschulen, besonders Rosen,
Coniferen etc.
W. Paul, Paul’s Nursery,
Waltham Cross bei Londen, vor-
zügliche Rosenzucht, Baumschulen, Co-
niferen etc.
|hill Nursery, Woking;
373
J. Standish, Royal Nursery,
Ascot; Rhododendron, Coniferen, Ro-
sen, Baumschulen.
Waterer and Godfrey, Knap-
vorzügliche
Rhododendron und Land-Azaleen, Coni-
feren und immergrüne Gehölze, sehr
sehenswerth.
S, Backhouse and Son, York;
grosse und altrenommirte Handelsgärt-
nerei in allen Branchen; hat wohl die
grösste Sammlung von Alpenpflanzen
und seltenen Stauden; ebenso die grösste
Sammlung von seltenen Farnen, Tricho-
manes, Hymenophyllum, Gleichenia, To-
dea ete,, die dort ganz vorzüglich ceul-
tivirt werden.
Um diese Liste, soweit sie die be-
deutendsten Handelsgärtner London’s
betrifft, zu vervollständigen, wollen wir
noch die folgenden nennen, die nicht
ausgestellt hatten:
Hugh Low and Comp., Upper
Clapton, LondonN. E,; altes, sehr
bedeutendes Geschäft, das von jeher
viel mit dem Continent verkehrte; hat
in den letzten Jahren sich mit grosser
Energie auf Orchideenimportation gewor-
fen, und besitzt jetzt unglaubliche Men-
gen neu importirter Orchideen von ÖOst-
indien sowohl, als von Mexico, Guate-
mala, Neu-Granada und Brasilien, aus-
serdem grosse Quantitäten von neusee-
ländischen Baumfarner, und natürlich
auch die courranten Marktpflanzen aller
Art.
W.Rollishon and Sons, Upper
Tooting bei London; alte renommirte
Handelsgärtnerei, grosse Orchideensamm-
lung, schöne Warmhauspflanzen, beson-
ders auch noch die selten gewordenen
schönen Neuholländer und Eriken, Co-
niferen etc.
H. Herbst, Kew Nursery,
Richmond bei London; unmittelbar
374 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
hinter dem berühmten Garten von Kew, | zu beziehen, — „Ende gut — Alles
den Jeder, der nach London geht, ebenso | gut“ sagt das Sprichwort, und wie
gewiss besuchen wird als den Krystall- | könnten wir unseren recht lang gewor-
palast in Sydenham, er müsse denn | denen Bericht besser schliessen, als
nach Rom gehen und den Papst nicht | durch ein gutes Werk, indem wir un-
sehen wollen, hat sich ein Landsmann, | sern in Deutschland noch wenig be-
ein Deutscher, niedergelassen; seine | kannten, aber strebsamen und unterneh-
Gärtnerei ist noch im Entstehen, aber | menden Landsmann auf’s Wärmste em-
schon hat er einen hübschen Anfang | pfehlen. Wir haben schon mehrmals
gemacht und alle in London ir Handel | Pflanzen von ihm und durch ihn bezo-
erscheinenden neuen Pflanzen sind auch
durch ihn zu gleichen Preisen sofort
gen, und waren mit seiner Bedienung
sehr zufrieden... — (E. ©.)
6) Anzucht von Syringa chinensis zur Blumentreiberei.
Es wurde dieser Gegenstand in ei-
ner der Sitzungen des Russ. Gartenbau-
Vereins in St. Petersburg besprochen.
In Petersburg werden jährlich eine
grosse Menge von der Syringa China’s,
zur Treiberei benutzt. Man benutzt
hierzu vorzüglich Exemplare, die auf
einem 2—3 Fuss hohen Stamm eine
schöne Krone tragen. Diese zur Trei-
berei vorzugsweise verwendeten Exem-
plare kommen grossentheils aus Mos-
kau, theils aber auch aus dem Aus-
lande.
dere fort, um aus diesem Stamm und
Krone zu erziehen, Im Herbste werden
die vorgezogenen Exemplare in Töpfe
gepflanzt und bei 1—2° R. durchwin-
tert. Im Frühlinge werden diese Pflan-
zen nun mit den Töpfen in Beete mit
nahrhafter Erde so eingegraben, dass
der Topf noch 1—2 Zoll mit Erde be-
deckt ist. Die Pflanzen wurzeln nun
von oben und unten in die umgebende
Erde desBeetes, wodurch ein üppigerer
Wuchs und die Möglichkeit der schnel-
leren Bildung einer kräftigen Krone be-
dingt wird. Dieses Verfahren wird 80
lange fortgesetzt, indem man im Herbst
die Pflanzen wieder in Keller etc. bringt,
und im Frühlinge solche wieder in glei-
cher Weise eingräbt, bis die Pflanzen
schöne starke, reichlichen Flor verspre-
chende Kronen besitzen. —
Schneller noch wird man halbstäm-
mige Syringa chinensis zum Winterflor
erziehen, wenn man solche im Juli auf
das schlafende Auge oculirt. Als Wild-
Derartige halbstämmige Syringen
werden entweder aus wurzelächten Pflan-
zen erzogen, — oder man erhält solche
mittelst Veredlung. In Moskau erzieht
man ausschliesslich wurzelächte Halb-
stämme. Man pflanzt zu diesem Zwecke
kleine Exemplare von Syringa chinensis
auf gut vorbereitete Beete im freien
Lande. Hier müssen solche in unserem
kalten Klima durch starke Deckung des
Bodens mit Laub oder Dünger geschützt
werden. Im Jahre nach dem Pflanzen | ling wählt man hierzu meist die Syringa
lässt man nur einen der üppigeren Wur- | vulgaris. Diese aber eignet sich des-
zeltriebe stehen und schneidet alles an- | halb am wenigsten, weil solche zur
een 1 —
——
I. Originalabhandlungen.
Bildung von Wurzeltrieben, die die
Krone schwächen, sehr geneigt ist. —
Herr Hofgärtner Ruck empfiehlt deshalb
Syringa Josikea als Unterlage für
S. chinensis. Die Veredlung nimmt auf
dieser leicht an und Wurzelausläufer
bildet solche gar nieht. Herr Rochel
empflehlt als gleiche Vortheile bietend,
Ligustrum vulgare als Wildling. —
Schliesslich ward noch mehrfach
hervorgehoben, dass Syringa vulga-
ris in den Gärten um Petersburg voller
375
und besser blüht, als im milderen
Klima des anderen Europa. Als Ur-
sache davon ward angegeben, dass sol-
che hier weniger üppig wächst und kür-
zeres Tragholz in Folge dessen in Masse
bildet. Guter nicht nasser Standort und
Ausschneiden der abgeblühten Blumen
im Sommer, das sind die Bedingungen,
unter denen” dieselben in Petersburger
Gärten solche günstige Resultate lie-
fert. — (E. Regel).
%) Nachträgliches über Pyrethrum earneum WM. B. und dessen
Abarten.
Die Persische Insectenpulver-Pflanze
kommt im wilden Zustande im Caucasus
und in den Gebirgen Persiens vor. Es
ist eine perennirende Pflanze, die auf den
Spitzen der I—11/, Fusshohen Blüthen-
stengel mehrere ihrer Blüthenköpfe trägt.
Diese Blüthenköpfe oder wie manrichtiger
bei den zu der Familie der Compositen ge-
hörigen Pflanzen sagen sollte,kopfförmigen
Blüthenstände, bestehen aus den äusse-
ren Hüllblättern, welche eine Menge
von Blumen umschliessen. Bei der wil-
den Stammart gehen nur die ringsum
stehenden Blumen in ein bandförmiges
Blumenblatt aus, während die inneren
viel kleiner sind und regelmässige röh-
renförmige Gestalt zeigen.
Aus den getrockneten und zerrie-
benen Blüthenköpfen dieser Pflanze
wird das ächte Persische Inseetenpulver
bereitet.
Im wilden Zustande finden sich
zwei Formen dieser Pflanze. Die eine
trägt fleischrothe Zungenblumen und
diese ist es, die von Marschall Bieber-
stein dem berühmten Verfasser
der | tenpulverpflanze
beschrieben wurde, während er eine an-
dere Abart mit rosenrothen Zungenblu-
men P. roseum nannte.
Der Cultur ist es aber gelungen,
in ähnlicher Weise wie von dem Pyre-
thrum (Chrysanthemum) chinense und un-
serer Sommer-Aster, eine Menge von
Formen von der Insectenpulverpflanze
zu erhalten, die wir gefüllte Abarten
nennen, weil hier alle Blumen des Blü-
thenkopfes sich zu Zungenblumen aus-
gebildet haben. Ausser der Füllung
hat man aber auch noch schöne Formen
in Bezug auf mehr oder weniger schöne
rothe Färbung der Blumen erhalten,
so dass die Inseetenpulverpflanze in un-
seren Blumenparterres die würdige Ri-
valin der Astern und Chrysanthemen
China’s geworden ist. Herrn Bedinghaus
in Belgien gebührt das Verdienst, vor
ungefähr 7 Jahren die ersten dieser
schönen Varietäten erzogen zu haben,
von denen die Gartenilora früher einige
abbildete. —
Diese schönen Formen der Insec-
haben einen um so
Flora taurico-caucasica als P. carneum | höheren Werth für uns, als solche bei
376
einiger Vorsicht, auch noch in Peters-
burg ganz gut im freien Lande aushal-
ten. Man bereite sich zum Auspflanzen
derselben im freien Lande in sonniger
Lage ein etwas hoch liegendes Beet
vor, von dem das Wasser vollständig
abgeleitet ist; die gewöhnliche unge-
düngte Gartenerde, wird zunächst bis
auf den Untergrund ausgeworfen, Hie-
rauf bringt man unten in das Beet eine
6 Zoll hohe Schicht von Topfscherben
oder zerschlagenen Ziegelsteinen, —
oder allenfalls auch groben Sand. Die
ausgeworfene Erde wird nun mit eben-
soviel Rasenerde, wie solche von Wie-
sen mit lehmigen Boden gefahren wird,
vermischt und hügelartig aufgebracht.
Man bildet die Kante, um die Erde zu
halten mit Tuffsteinen, pflanzt ringsum
Saxifragen oder eine andere hübsche
perennirende Bordurenpflanze und in
die Mitte des Beetes die Pyrethrum, die
hier prächtig gedeihen und blühen wer-
den. Im Herbste werden die Stengel
abgeschnitten, der Samen gesammelt und
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
beim Eintritt der härteren Fröste deckt
man das Beet mit einer zollhohen Schicht
Moos und darüber vielleicht noch ein
paar Tannenäste. Auf diese Weise
werden diese schönen Pllanzen auch un-
sere härteren Winter gut überdauern.
Im Frühling, wenn der Boden aufgeht,
wird die Deckung fortgenommen und
der Boden gelockert und den Sommer
hindurch rein von Unkraut gehalten.
Man pflanzt dieselben durch Samen
und Abnehmer fort. Der Same wird im
Herbst oder erst im Frühlinge im Kalt-
hause oder kalten Fensterbeet in Töpfe
ausgesäet. Die jungen Pflänzchen wer-
den erst einzeln in Töpfe versetzt und
erst wenn solche gehörig erstarkt, in’s
freie Land gepflanzt. Die Abnehmer
werden im Herbste abgenommen, in
Töpfe gepflanzt, im Kalthause oder frost-
freien Beete durehwintert und im näch-
sten Jahre dann als gut bewurzelte
Pflanzen in’s freie Land gesetzt.
(E. R.)
I. Neue Zierpflanzen.
a) Abgebildet im Botanical Maga-
zine.
1) Meconopsis nepalensis D. C. — Pa-
pavcraceae. D. €. prodr. I. 121. —
Hook. et Thoms. fl. ind. I. 253.
Hook. fil. pl. Him. tab. 9. — Papaver pa-
nieulatum Don. prodr. fl. nep. 197. — Eine
schöne zweijährige Pflanze von der Tracht
eines Papaver mit 5 Fuss hohen Stengeln,
die auf ihrer Spitze die mächtige Traube
grosser gelber, mehrere Zoll im Durchmes-
ser haltenden Blumen trägt. Dalton Hooker
sagt, dass er diese Pflanze massenhaft in
der centralen feuchten Begion des Himalaja
in einer Höhe von 10—11.000 Fuss über dem
Meere gesehen habe und dass er sie zu den
schönsten krautartigen Pflanzen jener Ge-
gend rechne. Zuerst ward solche von Wal-
lich in Nepal entdeckt. Ist allenthalben mit
abstehenden borstigen Haaren bekleidet.
Die Wurzelblätter gestielt, lang linear spa-
thelförmig, fiederlappig; — die Stengelblät-
ter sitzend, länglich-linear und buchtig ge-
lappt. Die Kapsel 8klappig, mit angedrück-
ten Borsten bekleidet. Muss wohl im ersten
Jahre aus Samen im Topfe angezogen und
im Kalthause oder frostfreien Beete über-
wintert werden, um solche dann im zweiten
Jahre ins freieLand zu pflanzen, wo sie als
Einzelpflanze im Rasen, wie aufBlumengrup-
pen gleich guten Effekt machen dürfte. —
(Tab. 5585.)
I.
2) Polystachia pubescens Rechb. fl. —
Orchideae. Rchb. fill. in Walp. Ann. VI.
643. — Epiphora pubescens Lindl. Comp.
Bot. Mag. II. 201. -—- Eine epiphytische Or-
chidee des südlichen Afrika. Es ist die
schönste Art der Gattung. Scheinknollen
spindelförmig, auf ihrer Spitze 2—3 länglich-
lanzettliche Blätter, die kürzer als die reich-
blumige spitzenständige Blüthentraube sind.
Blumen goldgelb, die Sepalen innerhalb roth
gestreift. (Tab. 5586.)
3) Lobelia nicotianaefolia Heyne. Lo-
beliaceae. — Heyne in Roem. et Schult.
syst. V. 47. — D.C. prodr. VII. 381. —
Eine schöne perennirende Pflanze für’s tem-
perirte Gewächshaus, die aus den Neilgher-
ries durch Hrn. Black; Director des Bo-
tanischen Gartens in Bangalore, in den Bo-
tanischen Garten zu Kew eingeführt wurde.
Wird 6—10 Fuss hoch, ist von sehr üppi-
gem Wuchs und trägt auf der Spitze des
Stengels die mehr als fusslange pyramidale
dichte Traube hell lilafarbner grosser Blu-
men. Ist überall weichhaarig und wird spä-
ter kahl. Blätter schmal-lanzettlich, 1—2
Fuss lang, in den kurzen Blattstiel ver-
schmälert, zugespitzt, am Rande gezähnelt.
Blüthentraube am Grunde zusammengesetzt,
pyramidal. Bracteen zugespitzt, drüsig ge-
zähnelt. Kelchlappen lanzettlich, gesägt, be-
deutend länger als die Kelchröhre. Blumen-
krone 1 Zoll lang, mit herabgebeugten Lip-
pen. (Tab. 5587.)
4) Angraecum Chailluanum Hook. Eine
neue epiphytische Orchidee Westafrika’s, die
von Du Chaillu in der Nähe von Gaboon
entdeckt ward. Stengel beblättert und dicke
einfache fleischige Luftwurzeln entsendend.
Blätter lederartig, 4—6 Zoll lang, 1!/, Zoll
breit, an der Spitze zweilappig; die Lappen
abgerundet und der eine viel kürzer als der
andere; Blattrand wellig. Blüthentrauben
6—12-blumig, achselständig. Bractee gross,
breit-oval, spitz oder zugespitzt, braun. Blu-
men grünlich weiss. Kelch- und Blumen-
blätter 1!/, Zoll lang, von lanzettlich-pfriem-
licher Gestalt, zurückgekrümmt. Sporn
dünn und 3—5 Zoll lang. Lippe den an-
Neue Zierpflanzen.
377
deren Blumenblättern ganz ähnlich gebildet.
Das Rostellum verlängert.— (Tab. 5589).
5) Ancylogyne longiflora Hook. Acan-
thaceae. Ein schöner Blüthenstrauch für’s
Warmhaus, der vom Sammler der Herren
Veitch u.Sohn, Herrn Pearce aus Gnajaquil
in den Garten der Herren Veitch eingeführt
ward und daselbst im April 1866 zum ersten
Male blühete. Ein Halbstrauch mit vier-
kantigen kahlen Stengeln. Blätter kahl
oder kurzhaarig, 4—10 Zoll lang, ge-
stielt, länglich-oval oder verkehrt-oval lan-
zettlich, zugespitzt, fast buchtig gezähnt.
Blumen stehen in einer hängenden verästel-
ten spitzenständigen Rispe, gleich dem Kelch
schön purpurroth. Kelch mit lanzettlich-
pfriemlichen, lang zugespitzten Zähnen, die
so lang als ein Drittel der zwei Zoll langen
Kelchröhre. Blumenröhre schwach gekrümmt,
oberhalb ihrer Mitte etwas aufgeblasen;
der Saum der Blumenkrone schief, mit kur-
zen abgerundeten, zurück gekrümmten Lap-
pen. Staubfäden 4, steif karamartig gewim-
pert; 2 derselben sind fruchtbar und sehen
aus dem Schlunde hervor, 2 sind kürzer
und steril. Antheren hellgelb, länglich, mit
parallelen, am Rande kurz gewimperten Fä-
chern; die am Grunde in einen kurzen, nach
oben gerichteten gabelartig getheilten Sporn
ausgehen. (Tab. 5588.)
6) Kleinia fulgens Hook. Compositae.
Ein neuer schöner Zuwachs
Suceulenten Pflanzen Südafrika’s, eingeführt
aus Natal durch Hrn. Plant in den Garten
des Hrn. Saunders in London. Ein durch-
aus kahler Halbstrauch für's temperirte Ge-
wächshaus. Blaugrün. Aeste stielrund. Blät-
ter gestielt, verkehrt-oval-länglich,
spitz, am Rande mit einzelnen grossen
stumpflichen Zähnen, dick und saftig. Blü-
thenstiele sind mit Bracteen besetzt, achsel-
ständig, länger als das Blatt und tragen
meist nur einen Blüthenkopf auf ihrer Spitze,
Bracteen länglich-linearisch. Hüllkelch von
einer einzigen Reihe linearer spitzer Schup-
pen gebildet. Blumen schön zinnober-oran-
genroth. — Federkrone borstig.
(Tab. 5590.)
7) Fremontia californica Torrey. Mal-
vaceae. — (Torrey in Smith’s Contrib. VI.
zu den
kurz
318
5. tab. 2. — Walp. Ann. IV. 19. — Ein
in England und den milderen Gegenden
Deutschlands
Derselbe trägt seinen Namen zu Ehren des
Oberst Fremont, der im Jahre 1846 eine
Expedition zu den Felsengebirgen machte
und dabei jenen Strauch entdeckte, der erst
durch Veitch in Europa eingeführt wurde.
Die Stellung dieses eigenthümlichen
Strauchs im natürlichen Systeme ist noch
nicht sicher. Hooker und Bentham (Gen.
pl. I. 212) stellen solchen zu den Malva-
ceen, Andere stellen ihn zu den Bombaceen
und D. Hooker ist jetzt, nachdem er die
Pflanze lebend gesehen, eher geneigt, solche
zu den Sterculiaceen zu stellen. Das rich-
tigste dürfte sein, solche als Typus einer
besonderen Gruppe zu betrachten. Ein 10
Fuss hoher Strauch, der in seiner Tracht
unserer Feige ähnelt. Blätter mit langem
Stiel, fast kreisförmig, 3—7-lappig, auf der
oberen Seite mit zerstreuten sternförmigen
Haaren besetzt, auf der unteren Seite blau-
grün und im trockenen Zustande rostfarben;
die Blattlappen stumpf, ganzrandig oder ge-
zähnt, Blüthenstiele achselständig, einblu-
harter Strauch Californiens. |
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
mig, so lang oder kürzer als die Blattstiele.
Die goldgelben 2—2!/, Zoll im Durchmesser
haltenden Blumen erscheinen massenhaft.
Kelch kurz glockenförmig, 5-lappig, blumen-
kronenartig, ausserhalb mit sternförmigen
Haaren besetzt, innerhalb zottig; Lappen
kreisförmig, mit aufgesetztem Spitzchen.
Blumenkrone fehlt, Staubfädensäule kurz,
oben in 5 freie auseinander stehende Träger
getheilt, deren jeder eine zweifächerige An-
there trägt. Fruchtknoten behaart, 5-fäche-
rig, in jedem Fach viele Samen enthaltend,
auf der Spitze den fädlichen Griffel mit
spitzer Narbe tragend. — (Tab. 5591.)
8) Fernandezia robusta Batem. Orchi-
deae. Aus Guatemala von Skinner einge-
führt. Ist der F. (Lockhartia) lanifera Rchb.
fil. (Xenia tab. 39 Fig. 3) am nächsten ver-
wandt, ist aber in allen Theilen grösser,
besitzt scharf gespitzte Blätter und trägt
eine sechseckige Schwiele auf der Lippe, —
während F. lanifera stumpfe Blätter und
eine herzförmige Schwiele besitzt. Blumen
goldgelb und braunpurpur gefleckt.
(Tab. 5592.)
Il.
1) Ueber die Flora der Permi-|
schen Formation, ein Vortrag in der
Schlesischen Gesellschaft in Breslau, von
Dr. Heinrich Robert Göppert.
Meine von mir seit vielen Jahren vorbe-
reitete Flora der Permischen Formation ist
nun (in der Reihenfolge der Palaeontologica
der Herren Herrmann von Meyer und Dun-
ker, aber auch als selbstständiges für sich
abgebbares Werk) theilweise erschienen
und wird noch in diesem Jahre, begleitet
von 64 grösstentheils nach Photographien
gearbeiteten Tafeln, beendigt werden. Es
sei gestattet, hier einige allgemeine Ergeb-
nisse aus genanntem Werke mitzutheilen:
l. Im Grossen und Ganzen ist übrigens
Notizen
ein stufenweises Hervortreten der grossen
Ordnungen des Gewächsreiches nicht zu ver-
kennen. Denn Landpflanzen fehlen bis jetzt
in der Silurischen Formation, welche als die
älteste versteinungsführende anzusehen ist.
Seepflanzen und zwar Algen, an 20 Arten,
beginnen, vielleicht noch vor den Thieren.
die Reihe der organischen Wesen. Den
jetztweltlichen Algen sehr verwandt, gehören
sie sowohl zu den niedriger organisirten
Gruppen der Conferveen, Caulerpeen, Fuci,
wie nach meinen Beobachtungen auch zu
*) Cassel, Verlag von Theodor Fischer,
1864—65.
III. Notizen.
den höchsten den Florideen (Callithamnien).
Freischwimmende, sowie auch einst fest-
sitzende, denn die Ansätze sind noch sicht-
bar, die also schon mit Sicherheit auf festes
.Land schliessen lassen, befinden sich da-
runter (Göpp. Flora der Silur. Devonischen
und unteren Kohlenformation 1852. S. 147.)
Dieses Vorkommen höherer und niederer
Entwickelungsstufen in ein und derselben
Ordnung der palaeozoischen Floren, welches
sich auch in den Ordnungen der Landpflan-
zen, wie bei den Farn, den Calamarien, Ly-
copodiaceen u. s. w. stets wiederholt, spricht
nicht zu Gunsten der Darwin’schen bekann-
ten Theorie. Auch die Flora der unteren
Devonischen Periode lieferte grösstentheils
nur Algen, 5 Arten, doch auch schon eine
Landpflanze, die Sigillaria Hausmanniana,
die einst Hausmann im Jahre 1807 in dem
unteren Devonischen Gestein Schwedens ent-
deckte und von mir der Vergessenheit ent-
rissen in dem oben genannten Werke be-
schrieben und abgebildet wurde.
Die erste reiche, fast durchweg eigen-
thümliche Landflora, an 70 Arten, tritt uns
in der oberen Devonischen Formation Eu-
ropa’s entgegen bei Ober-Kunzendorf in
Schlesien, Moresnet bei Aachen, bei Saal-
feld in Thüringen, in Irland, Canada und
New-York. Erweitert erscheint sie nun in
vollständiger Entwickelung in der unteren
Kohlenformation mit 104 Arten, zu denen
als Lagerstätten der Bergkalk oder Kohlen-
kalk, der Kulm Murchison’s und die soge-
nannte Grauwacke der deutschen Geologen
oder die jüngste Grauwacke Murchison’s
gehören, deren Floren durch ein gemein-
schaftliches, verwandtschaftliches Band zu-
sammengehalten werden und sich von ein-
ander eben nur, wie sie etwa Jlocale
Verschiedenheiten darbieten, unterscheiden.
Jedoch haben die Pflanzen nicht in so
grossartigen, geselligen und zugleich mas-
senhaften Verhältnissen existirt, wie dies in
der nun folgenden oberen oder sogenannten
productiven Steinkohlenformation der Fall
gewesen sein muss, wie ihre in den colos-
salen Kohlenlagern der verschiedensten Ge-
genden der Erde uns erhaltenen Ueberreste
beweisen. Aus den Floren der älteren an
379
200 Arten insgesammt zählenden Formatio-
nen -sind zwar die meisten Gattungen, aber
nur wenige Arten, nach meinen Ermittelun-
gen nur 8, in dieselbe übergegangen, wäh-
rend die Zahl der in der gesammten Stein-
kohlenflora bis jetzt nachgewiesenen Arten
sich auf etwa 814 beläuft. In dem vorlie-
genden Werke werden für die von Binney
schon nachgewiesene Beschaffenheit der Stig-
maria als Wurzelorgan der Sigillarien den
Hauptkohlenpflanzen neue Beweise geliefert
und auch die von mir entdeckten Entwicke-
lungsstufen jener wunderbaren Pflanzen von
der 3 Zoll grossen Knolle bis zum 1—2 Fuss
dicken Wurzelstock beschrieben und abge-
bildet.
II. Die Permische Formation in unse-
rem Sinne (Dyas nach Marcou und Geinitz)
gehört zu dem letzten Gliede der grossen
Palaeozoischen Periode, deren Beschaffenheit
sie im Allgemeinen sowohl hinsichtlich der
Fauna als Flora theilt unter Bewahrung
mancher Eigenthümlichkeiten, welche sie als
eine vollkommen selbständige erscheinen
lassen.
II. Die Zahl der bis jetzt bekannten
Arten der Flora der Permischen Formation
in ihren verschiedenen Gliedern, dem Roth-
liegenden, dem Weissliegenden, dem Kupfer-
schiefer, dem mittleren, unteren und oberen
Zechstein beträgt 272. Im Jahre 1854, 213
Arten, welche bei einer genaueren Revision
im Jahre 1857 auf 189 reducirt wurden. Die
ansehnliche Vermehrung seit 1357 kommt
namentlich auf Rechnung der eines sicheren
Platzes und Nachweisung ihrer Abstammung
zum Theil noch entbehrenden Früchte an
40 Arten, von denen wohl der grössere Theil
zu den Palmen gehören dürfte, und vorläu-
fig auch dahin gerechnet wird, wie die viel-
besprochenen Trigonocarpus- und Rhabdo-
carpus-Arten. Gelingt es, diese näher zu
bestimmen, möchte sich die Gesammtzahl
wohl wieder vermindern; wenn nicht inzwi-
schen der Ausfall dureh verschiedene Arten
anderer Familien gedeckt wird, wozu wohl
Aussicht vorhanden ist, da wir unsere ganze
gegenwärtige Kenntniss der Permischen Flora
nur der Ausbeute von etwa 50 verschiede-
nen Fundorten verdanken.
380
IV. Nach den natürlichen Ordnungen
vertheilen sich die Arten unserer Flora fol-
gendermassen:
Fungi 1 Art,
Algae 4 Arten,
Calamariae 21 Arten,
Filices 130 Arten,
Selagines 11 Arten,
Palmae 30 Arten,
(unter anderen Trigonocarpon und
Rhabdocarponarten,)
Noeggerathiae 12 Arten,
Calamiteae 4 Arten,
Sigillarieae 5 Arten,
Cycadeae 11 Arten,
Coniferae 31 Arten,
Genera incertae sedis 12 Arten.
Zusammen 272 Arten.
V. Im Allgemeinen wiederholen sich
daher, wie sich aus dem Vorigen ergiebt,
die Ordnungen und Gattungen der älteren
palaeozoischen Landfloren (d. h. der Ober-
devonischen, älteren und jüngeren Kohlen-
formation) in unserer Permischen Formation.
Mit der Ober -Devonischen Flora theilt sie
keine, mit der unteren Kohlen- oder Grau-
wackenformation nur eine, und mit der jün-
geren Steinhohlenformation etwa 19—20 Ar-
ten. Jene einzige Art ist die Neuropteris
Loshii, die Pflanze in der gesammten palaeo-
zoischen Periode von längster geognostischer
Dauer, weil sie auch in der oberen Stein-
kohlenformation vorkommt; die 19 Arten,
welche sie mit der oberen Steinkohlenfor-
mation gemeinschaftlich besitzt, sind fol-
pende: Gyromyces Ammonis, Annularia
floribunda, Asterophyllites rigidus, Spheno-
pteris tridactylites, Sph. artemisiaefolia, Neu-
ropteris tenuifolia, N. lingulata, Alethopteris
similis, Cyatheites Schlotheimii, C. arbores-
cens, C. Oreopteridis, C. dentatus, Hemite-
lites cibotioides, Pecopteris plumosa, Sigilla-
ria, Stigmaria, Cordaites prineipalis, Cyelo-
carpostuberosus, Noeggerathiapalmaeformis,
Walchia piniformis.
VI. Von jenen 272 Arten gehören bei
weitem die meisten zum Rothliegenden, an
258 Arten, welches dem Kupfersandstein
Russlands gleich steht, wie von uns schon
früher im Jahre 1857 ausgesprochen worden
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
ist. (R. Murchison Siluria 2 edit. p. 355)
Auf das Weissliegende kommen drei, Palaeo-
phycus Höeianus, UllmanniaBronnii, Voltzia
hexagona, welche erstere beiden auch im
Kupferschiefer getunden worden; auf den
Kupferschiefer selbst zwar nur wenige aber
weit verbreitete Arten, an Zahl 14, wie aus-
ser obigen Palaeophycus und Ullmannia
Bronnii noch Chondrites virgatus, Zonarites
digitatus, Sphenopteris bipinnata und Sph.
patens, Cyelopteris Liebeana, Alethopteris
Martinsii, Pecopteris Schwedesiana, Taenio-
pteris Eckardi, Cardiocarpus triangularis, Ull-
mannia lycopodioides, U. frumentaria. Ei-
nige Kupferschieferpflanzen gehen nach Gei-
nitz noch in die höheren Etagen des Zech-
steins, so Palaeophycus Höeianus und Ull-
mannia lycopodioides in den unteren Zech-
stein; allen drei Etagen desselben, dem un-
teren, mittleren und oberen Zechstein gehört
nur eine Alge Chondrites longavienis
Gein. an.
Mit Ausnahme zweier Arten der Voltzia
heterophylla und des nach Ettingshausen
zu Equisetites columnaris gehörenden Cala-
mites arenaceus, wenn sie wirklich noch in
unserer Formation vorkommen, was keines-
wegs zweifellos ist, reicht keine in die
nächstfolgende Periode in die der Trias hi-
nein. Es findet hier offenbar ein schroffer
Abschnitt der gesammten Flora und, so viel
ich weiss, auch der Fauna statt. Die Fos-
silien der Permischen Periode führen uns
die letzten Formen der palaeozoischen Perio-
de vor, welche zu Ende ging, um einer ganz
neuen Pflanzen- und Thierwelt Platz zu
machen.
VII. Unter den Pflanzen des Rothlie-
genden sind wegen ihrer weiten Verbrei-
tung als wahre Leitpflanzen übereinstimmend
mit Untersuchungen von Geinitz anzusehen:
Calamites gigas, gefunden an 12 verschie-
denen Orten in Deutschland und 6 in Russ-
land, Odontopteris obtusiloba an 25 Orten,
Callipteris conferta an 14 Orten in Deutsch-
land und 4 in Russland, Walchia piniformis
an 40 Orten in Deutschland, 2 in England,
in Russland und nach Marcou und Ferdi-
nand Römer auch in Nordamerika. Trotz
ihrer weiten Verbreitung kann letztere doch
Il,
nicht so unbedingt als Leitpflanze angesehen
werden, da sie Geinitz auch in den oberen
Schichten der sächsischen Steinkohlenforma-
tion beobachtete. Die übrigen Walchien
‚sind weniger häufig, am meisten noch W.
filieiformis, die ausschliesslich nur den Per-
mischen Schichten angehört. Einen sehr
interessanten Fall von Verbreitung liefert
noch die von meinem verehrten Freunde Dr.
Stenzel beschriebene und abgebildete aus
Chemnitz stammende Protopteris confluens,
welche nach Rupprecht von Borszizow in
den Aulo-Caspischen Steppen aufgefunden
worden ist. (Rupprecht in T. I des Bulletin
de l’Academie imperiale des sciences de St.
Petersburg, über einen verkieselten Baum-
stamm aus der Kirgisensteppe, gelesen den
2. Septbr. 1859. S. 147—153.)
Im Kupferschiefer treten sämmtliche
Ullmannia fast an allenFundorten desselben
auf und können mithin wohl als Anzeiger
oder als ächte Leitpflanzen desselben gelten.
In Deutschland kommen sie etwa an 15
verschiedenen Orten vor, desgleichen auch
in England und in Russland.
VIOI. Nach dem geographischen Vor-
kommen haben Sachsen, Böhmen und Schle-
sien eine ziemlich gleiche Zahl an Arten
aufzuweisen, Sachsen hinsichtlich der Psa-
ronien und Medullosen die eigenthümlich-
sten, dann kommt Russland mit etwa 50
Arten, wovon die meisten auch in Deutsch-
land beobachtet wurden, Frankreich mit 22
Arten, Preussisch-Sachsen , Kurhessen, Mäh-
ren, Thüringen, Rheinländer zu gleichen
Theilen etwa 10—12, England bis jetzt nur
2—3. Besondere Schlüsse kann man aus
dieser geringen, hier vorkommenden Zahl
von Arten nicht ziehen, da durch genauere
Nachforschungen wohl bald die Zahl ver-
mehrt werden dürfte.
IX. Die Haupteigenthümlichkeiten der
gesammten Permischen Flora lassen sich
folgendermassen zusammen fassen:
Das letzte’ Auftreten der Lepidodendreen
Noeggerathien und Sigillarien, einschliesslich
der dazu gehörenden Stigmarien, Seltenheit
der Sigillarien und daher die geringe Mäch-
tigkeit der Kohlenlager im Bereiche dieser
Formation; ferner Vorherrschen der strauch-
Notizen.
351
und baumartigen, wie der mit Knollenstäm-
men versehenen Farn (Psaronien) in eigen-
thümlichen Gestalten, Vorherrschen der Neu-
ropteriden gegen die Pecopteriden, wie einst
in der ersten Landflora im oberdevonischen
Cypridinenschiefer, mit der sie auch das
vereinigte Vorkommen der charakteristischen
Merkmale mehrerer Ordnungen in einzelne
Individuen theilt, wie z. B. in der Gruppe
der Calamiteen die Verbindung von Equi-
seten mit Farn, Coniferen und Cycadeen, in
den Walchien, die Verbindung der Lycopo-
diaceen mit Coniferen.
felhafte Anwesenheit von Monocotyledonen,
nämlich Scitamineen und Palmen, zahlreiche
Früchte, die an Dicotyledonen erinnern,
grossartige, Wäldern gleiche Massen ver-
steinter Stämme, welche den Araucarien
der Jetztwelt gleichen, in Sachsen, Schle-
sien, Böhmen und nach Wangenheim, von
Qualen auch in Russland; das erste Erschei-
nen der Cupressineen, sowie die hohe Aus-
bildung der Cycadeen in den Medullosen,
lauter Eigenthümlichkeiten des Bildungsty-
pus, welcher hier in der Flora der palaeo-
zoischen Periode zum letzten Male gefunden
werden, um in späteren Perioden nie mehr
wieder auf diese Weise und in solchen Com-
binationen neben den Bildungen einfacherer
oder gewöhnlicherer Art zum Vorschein zu
kommen.
‘2) M. Ph. v. Siebotd, über den Zu-
stand des Gartenbaues in Japan,
nebst Bemerkungen von Maximo-
wicez. — Diese kleine Schrift ist im Selbst-
verlag des geehrten Herrn Verfassers er-
schienen und wird von dessen Etablis-
sement zu Leiden, das der Cultur und der
Einführung von Pflanzen aus Japan gewid-
met ist, ausgegeben.
Wir geben hier den Inhalt in kurzem
Auszuge wieder, und begleiten denselben
mit einigen Bemerkungen vom Hrn. Maxi-
mowiez, der 3 Jahre in Japan sich aufge-
halten hat und auch den Garten kennt, den
Siebold zu ähnlichem Zwecke in Japan be-
sitzt.
Die 3 grösseren Inseln, welche Japan
vornehmlich bilden, Kiusin, Sikok und Nip-
pon, reichen von 2908’ n. Br, bis 41034‘.
Ferner die unzwei-
382
Siebold nimmt an, dass es vorzugsweise,
der Religionscultus war, unter dessen Ein-
fluss eine grosse Zahl von Pflanzen aus
anderen Theilen Asiens, in die Gärten Ja-
pans, besonders aber in die Gärten einwan-
derten, welche die Buddah-Tempel umge-
ben. Die Missionäre des Buddah-Cultus be-
zeichnet Siebold als die Begründer des Gar-
tenbaues, wie der Landwirthschaft Japan’s.
Nun spricht Siebold gleich zwei, sicher
falsche Ansichten aus, nämlich, dass die in
Japan eingeführten Gartenpflanzen sich auch
in Europa leichter akklimatisiren müssten,
weil solche dem Einfluss der Akklimatisa-
tion schon unterworfen gewesen seien, —
so wie dass durch den Einfluss eines käl-
teren Klimas die Unmasse der buntblätte-
rigen Pflanzen Japan’s sich gebildet hät-
te. —
Gegen die erstere Behauptung spre-
chen alle bis jetzt gemachten Erfahrungen
mit den Formen unserer Obstsorten, die
aus einem wärmeren Klima sich in ein käl-
teres, oft schwierig oder gar nicht überfüh-
ren lassen, während die wilden Stammarten,
noch vollkommen hart sind. —
Die zweite Behauptung haben wir in
diesen Blättern schon zurück-
gewiesen, und auch Hr. C. Maximowiez be-
merkt uns, dass die Einwirkung des Frostes
nicht die Ursache der bunten Färbung des
Laubes sei, weil die grosse Masse der bunt-
blätterigen Pflanzen Japans, in Japan wirk-
lich heimische Arten seien, während von
mehrfach
den nachweislich aus wärmeren Klimaten
eingeführten Arten keine oder nur wenige pana-
chirte Abarten bekanntseien. Wir machen hier
in Petersburg eine ähnliche Erfahrung, denn
die wenigen im freien Lande ausdauernden
Pflanzenformen mit buntem Laube, aus einem
milderen Klima, bleiben bei uns nicht con-
stant, — so Cornus strieta fol. variegatis, —
während Pflanzen gleich rauher Klimate mit
panachirten Blättern schon eher einige Be-
ständigkeit zeigen. —
Die fleissige Bevölkerung Japans, die
auf einem Flächenraum von 5300 [_] Meilen
ungefähr 25 Millionen betragen mag, hat
das sehr gebirgige Terrain, bis auf eine
Höhe von 800 bis 1200 Fuss über’m Meere,
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
trotz der der Cultur mannigfach entgegen
stehenden Schwierigkeiten, in Gemüsefelder,
in Korn- und Reisfelder umgewandelt.
In den Städten, selbst in den grössten
und volkreichsten findet man dennoch selten
ein Haus, das nicht einen Garten oder we-
nigstens einen von einigen Bäumen beschat-
teten Hof besitzt. Auch die kleinsten Gärten
geben ein Spiegelbild der pittoresken Natur
des Landes in Miniaturgestalt. Die Parks,
welche die prächtig gelegenen Tempel um-
geben, sowie die Gärten der Prinzen und
Vornehmen, sind wahrhafte Botanische Gär-
ten oder Meisterstücke der Gartenkunst ®).
Der nationale Geschmack ist der Scenerie
des eigenen Landes entnommen.
In Folge dieser Liebhaberei des Japa-
ners für Gartenbau giebt es dort zahlreiche
Gärtner, welche z. B. in Jeddo sehr zahl-
reich vertreten sind und eine Masse von
Pflanzen aller Art vorräthig halten, mit de-
nen zu jeder Jahreszeit ein Garten sofort
angelegt werden kann. Man erhält solche
sowohl in Exemplaren von natürlichem
Wuchs, wie ganz besonders in denin Japan
so beliebten Zwergexemplaren, die zur De-
koration jener kleinen Miniaturgärten ange-
wendet werden, wo auf dem Raum von
10—20 [_JKlaftern, Gebirge, Bäche, Kluften
etc., garnirt mit Zwergpflanzen dargestellt
sind.
Der Gartenbau ist in Folge dessen ein
bedeutender Industriezweig in Japan gewor-
den und die grosse Mehrzahl der Pflanzen,
die in neuerer Zeit aus Japan in die Gärten
Europa’s eingeführt wurden, sind nicht etwa
dort wild gesammelt, sondern meist aus
den Handelsgärtnereien Japan’s aufgekauft
und in Waard’schen Kästen nach Europa
gebracht worden.
Siebold empfiehlt folgende von ihm aus
Japan in seinen Akklimatisationsgarten in
Leiden eingeführte Pflanzen. — Wir begnü-
gen uns von den allgemeiner bekannten
oder von uns schon öfter besprochenen,
*) Was den Fleiss anbetrifft bestimmt, —
ausserdem nach dem Begriff des Europäers
wohl schwerlich so zu nennen.
III.
nur die Namen zu nennen und geben zu
anderen einige Notizen:
Acer polymorphum mit seinen schö-
nen Abarten. Aralia (Fatsia) japonica.
Armeniaca (Prunus) Mume. Siebold sagt
von der Prunus Mume, sie komme in
mehr als 100 Varietäten in Japan vor, sie
verdiene wegen ihrer wohlschmeckenden
Früchte einen ausgezeichneten Platz in un-
sern Obstgärten und müsse als Spalier er-
zogen werden. Maximowicz theilte uns da-
gegen mit, dass die Frucht dieses Baumes
roh ungeniessbar sei, in Japan esse man sie
gesalzen, aber auch so bilde sie eine für
Europäer ganz ungeniessbare Speise. Da-
gegen blühen solche schon Anfang Januar
und könnte also als schöner Blüthenstrauch
empfohlen werden. Siebold besitzt von der-
selben Varietäten mit gefüllten weissen und
rosarothen Blumen. Aucuba japonica
und deren Abarten rechnen wir gleichfalls
zu den schönsten immergrünen Sträuchern,
die aber in Deutschland’s Klima noch als
Kalthauspflanze gehalten werden müssen,
Prunus Pseudocerasus ist eine Kirsche
mit gestielten grossen Blumen in Dolden.
Siebold hat 3 Varietäten mit gefüllten Blu-
men von weisser, rosarother und strohfar-
ben mit purpur Flecken eingeführt. Auch
Maximowiez rechnet solchen zu den schön-
sten Blüthenbäumen Japan’s. Bildet bis zu
25 Fuss hohe Bäume, mit !/, Fuss dicken
Stamm. Zur Blüthezeit ist der Baum ganz
mit den dichten grossen, einem Schneeballen
ähnlichen Blüthendolden überdeckt, so dass
man Stamm und Aeste desselben gar nicht
erblickt. Maximowiez fand denselben noch
wild bei Hakodate, wo das Thermometer
im Winter bis — 15° R. sinkt. Siebold sagt,
dass dieser Baum in allen öffentlichen und
Privatgärten in einigen Exemplaren als einer
der schönsten Blüthenbäume anzutreffen sei. —
Cerasus pendula Sieb. ist einenoch
neue von Siebold entdeckte Art. Ein nie-
driger Baum mit gracilen hängenden Zwei-
gen, die mit rosarothen Blumen dicht be-
setzt sind. Ein im Garten des Hrn, Siebold
in Leiden in den freien Grund eingepflanztes
Exemplar blühte schon im letzten Frühjahr
und ward als neuer schöner Trauerbaum
Notizen.
383
allgemein bewundert.
et var. —
Clematis patens
Diervilla rosea, D. horten-
sis mit weissen Blumen, D. tloribunda
mit tief rothen Blumen, rechnet Siebold zu
den aus Corea in Japan eingeführten Pflan-
zen. D. versicolor und grandiflora sind
Gebirgspflanzen der Insel Nippon, wo solche
Sträucher von 9—15 Fuss Höhe bilden. Un-
ter den immergrünen Sträuchern nimmt der
Evonymus japonicus mit seinen zahl-
reichen Abarten eine der wichtigsten Stellen
in der Flora Japan’s ein. E.
und gracilis,
radicans
die Siebold als besondere
Arten aufführt, rechnet Maximowiez gleich-
falls zu den Gartenformen des E. japonicus.
E. alatus ward von Maximowiez auch in der
Mandsehurei wild gefunden. Von den neuen
Hydrangeaceen Japan’s gelang es Siebold
nicht, eine Parthie derselben nach Europa
einzuführen. Maximowiez hat mehrere der-
selben eingeführt. Von denen die bereits
blühten, . geben wir die Abbildungen. —
Hydrangea Asisai erhielt Siebold durch
die Vermittelung Teysmanns. Solche ist
der H. Hortensia nahe verwandt. Ebenso
besitzt Siebold die ächte Hydrangea in-
volucrata, wir sagen die ächte, weil un-
ter diesem Namen eine falsche Pflanze in
den Gärten verbreitet ist. — Osmanthus
(Olea) Aquifolium und O. fragrans
sind zwei schöne immergrüne, schon ver-
breitete Sträucher. Siebold sagt, auch die
Blumen der ersteren besässen einen vorzüg-
lichen Geruch, — nach Maximowiez sind
solehe jedoch geruchlos. Schön sind die
Quercus-Arten Japan's. Quereus glabra
und cuspidata sind zwei grosse Bäume
mit immergrünen Blättern und grossen ess-
baren Früchten. Die Früchte der letzteren
sollen ähnlich den Kastanien schmecken. Der
Quercus dentata mitfallenden Blättern von
der Insel Nippon ist die Art, an der die neuer-
dings aus Japan eingeführte Seidenraupe lebt.
Rhodendron Metternichii ist eine
schöne Alpenrose Japan’s, Der Petersburger
hat Samen und Hunderte von jungen Pflan-
zen dieser hühschen neuen Art vertheilt und
dürften fast alle in Caltur befindlichen Pflan-
zen von den von Maximowiez gesammelten
Samen abstammen. Rhodotypus ker-
354
rioides bildeten wir im Mai-Hefte ab
und vertheilten gleichfalls Samen und Hun-
derte von Pflanzen. Was Siebold als Rosa
Camellia aufführt, ist nach Maximowiez
Rosa Hystrix Lindl., welche stets ein-
fach blüht. Der Name Nats’tsubaki wird
von den Japanesen nur der Stuarlia grandi-
flora gegeben. Stuartia grandiflora,
aufgefunden durch Siebold in dem Park ei-
nes Tempels. Ein schöner mittelhoher Baum
von der Tracht einer Buche und mit den
Blumen einer einfach weiss blühenden Ca-
mellia Sassanqua. Stachyurus praecox
ist ein Strauch von 3—-15 Fuss Höhe, mit
in hängende Blüthentrauben gestellten Blu-
men. Siebold empfiehlt denselben zur Cultur
im freien Lande. Cinnamomum pe-
dunculatum ist ein in Japan heimischer
Zimmetbaum, als Dekorationspflanze für
Wintergärten empfohlen. Ulmus (Planera)
Kiaki ist ein Waldbaum Japan’s, dessen
Holz als Bauholz vielfach benutzt wird. Sie-
bold hat in seinem Garten in Leiden ein
15 Fuss hohes Exemplar schon seit einer
Reihe von Jahren Frei-
lich ist das noch kein Beweis, dass dieser
schöne Baum auch im Klima Deutschlands
aushält. Vom Petersburger Garten sind Sa-
men und Pflanzen, durch Maximowiez ein-
geführt, vielfach vertheilt worden.
Die Familie der Coniferen
im {freien Lande.
eine
schöner Repräsentanten in Japan.
hat
Menge
Durch Fortune, Veiteh und ganz besonders
durch Maximowiez sind Massen von Samen
und auch von lebenden Pflanzen der ver-
schiedenen Arten nach Europa gekommen.
Als ausgezeichnete Vertreter
nur an Podocarpus Maki et var., koraien-
sis, Sciadopytis verticillata,
Thuiopsis dolabrata, Cephalotaxus drupacea,
Cryptomeria japonica, Pinus Massoniana,
densiflora etce., Retinispora pisifera und ob-
tusa und viele andere. Siebold scheint bei
der Einführung der Coniferen weniger vom
Glück begünstigt gewesen zu sein. Von
den Palmen sind die Rhapis-Arten und die
noch im Klima Englands im freien Lande
aushaltende „Chusan-Palme‘‘ (Chamaerops
excelsa hervorzuheben.
Schönblühende und dekorative peren-
erinnern wir
Nageia, —
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
nirende Pflanzen sind gleichfalls durch
Siebold in grosser Anzahl in die Gär-
ten Europas eingeführt worden; wir er-
innern nur an die Funkia-, Hemerocallis-,
Ligularia- und Sedum- Arten. Vor allen
sind es aber die prächtigen Lilien, deren
schönste in unseren Gärten cultivirten Ar-
ten aus Japan stammen. Lilium spe-
ciosum (lancifoium) mit seinen Abarten
ist durch Einführung der L. auratum fast
noch überboten worden. Letzteres scheint
Siebold als L. speciosum imperiale zu
bezeichnen. Von dem schönen Lilium
Thunbergianum sind gleichfalls zahlreiche
Abarten bekannt. Was Siebold als Lis
noir oder Sarana bezeichnet, ist die Fri-
tillaria kamtschatcensis, eine noch in
Petersburg im freien Grunde gut aushal-
tende Pilanze. Die Zwiebeln aller Lilien
werden von den Japanesen gegessen.
Siebold spricht nun von den einjährigen
Pflanzen Japan’s, vergisst dabei aber die
schönste zu nennen, die die Gärten Europa’s
Japan verdanken, nämlich Dianthus chinen-
sis Heddewigii und laciniatus, welche von
Petersburg aus verbreitet wurden. Daraus,
dass Tagetes, Mirabilis und Mais in den Gär-
ten Japans verbreitet ist, schliesst Siebold
ganz fälschlich auf eine Verbindung, die die
Japanesen früher mit Amerika unterhalten ha-
ben müssten. Sicherlich wurden die Samen
dieser Pflanzen von den Portugiesen nach
Japan eingeführt.
Unter den Getreiden Japan’s erwähnt
Siebold des Reises (Oryza) und der Hirse
(Panicum italicum). Von ersterem sollen
Abarten aus Japan nach Italien gekommen
sein, die sich für trockene Cultur eignen.
Nach Maximowiez wird aber in Japan der
Reis nur feucht cultivirt. Die Hirse ist mit
der Europa’s ganz identisch. —
Von Gemüsen haben wir nichts von
Belang aus Japan erhalten. Ob von den
Fruchtbäumen Japan’s sich irgend einer den
Culturen Europa’s anschliesst, muss erst die
Zeit lehren. Ausser der schon in Cultur
befindlichen Mandarin-Orange (Citrus nobilis)
scheint uns auch für den Süden Europa’s
Japan nichts vorzügiiches Neues an Frucht-
bäumen liefern zu können, vielleicht dass
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EI
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Rh EEn
he
BR
&
IH. Notizen,
Diospyros Haki sich dort Eingang ver-
schafit. Von einigen grossen Birnen, die
Siebold eingeführt, hofft solcher einen vor-
züglichen Zuwachs zu dieser köstlichen
Frucht zu liefern. sollten die Birnen wirklich
die Birnen Europa’s erreichen? Sind solche
nicht vielmehr aus Europa dorthin gebracht
worden?
Als anderweitige wichtige Nutzpflanzen
Japan’s nennt Siebold: Rhus
nea, aus dessen Früchten ein vegetabilisches
Wachs bereitet wird. Broussonetia
Kaempheri und papyrifera, aus denen
das eigenthümliche Japanesische Papier be-
reitet wird Polygonum cuspidatum
(Sieboldi), als Futterpflanze, Dekorations-
pflanze im Garten und zur Befestigung der
Sanddünen von Siebold empfohlen.
succeda-
Wir schliessen damit die Aufzählung
der einzelnen Pflanzen und bestätigen es
gern, dass eine grosse Zahl der in unseren
Gärten prangenden Pflanzen Japan’s zuerst
von Siebold nach Europa gebracht wurden.
In neuester Zeit gelang es aber Fortune,
Veitch und Maximowiez die Zahl der
Pflanzen Japan’s in Europäischen Gärten
noch sehr zu vermehren. An trockenen
Pflanzen endlich hat noch kein Reisender ein
so reiches Material aus Japan nach Europa
importirt, wie Maximowiez, und ist derselbe
jetzt damit beschäftigt, eine ziemlich voll-
ständige Flora Japan’s zu bearbeiten.
Von Siebold machte schon im Jahre
1823 im Auftrage des Barons van der Ca-
pellen, General-Gouverneurs von Niederlän-
disch-Indien, seine erste Reise nach Japan
und führte damals zahlreiche Pflanzen Ja-
pan’s in den Botanischen Garten in Buiten-
zorg zu Java ein. Namentlich brachte er
damals zum ersten Male massenhaft keim-
fähige Samen des Theestrauchs nach Batavia
und begründete dadurch die ersten Thee-
pflanzungen in den Gebirgen Java's. Im
Jahre 1825 gründete Siebold gleichfalls im
Auftrage desBarons van der Capellen einen
Botanischen Garten zu Decima in Japan,
von dem sSiebold behauptet, er habe da
schon im Jahre 1830 in demselben 1400
XII. 1866.
385
Arten und Abarten Japanischer Pflanzen
eultivirt.
Nachdem Siebold im Jahre 1859 nach
Japan zurückkehrte, erhielt er durch den
Gouverneur von Nagosaki, Okab& Prinz
von Souronga, die Erlaubniss ausserhalb
des den Fremden eingeräumten Bezirkes
in dem Thale Nurutaki ein Landhaus zu be-
wohnen und dort gründete er einen neuen,
der Cultur der Pflanzen Japan’s gewidme-
ten Garten. Hr. E. Simon schätzt die Zahl
der Pflanzenarten Japan’s, die Siebold da
eultivirte auf 1200 Arten, — Herr Maximo-
wiez, der Siebold dort gleichfalls besuchte,
glaubt, dass der Garten nicht mehr als 3—400
Arten enthalten habe. Jedenfalls sind aber
aus diesen beiden Gärten Siebold’s eine
Masse von Pflanzen Japan’s nach Europa
eingeführt worden. Ebenso wurde nach
den von Siebold gesammelten Materialien,
von Siebold und Zuccarini nach Thun-
berg die erste Aufzählung der Pflanzen Ja-
pan’s gegeben.
Mehr als 40 Jahre sind es, seitdem Sie-
bold sich der Erforschung der Flora Japan’s
zu widmen anfıng. Wir verdanken ihm in
diesem langen Zeitraume die Entdeckung
und theils auch die Einführung im lebenden
Zustande einer Masse von neuen Arten. Bis
vor wenigen Jahren war er der einzige, der
die Schätze der Flora Japan’s uns Euro-
päern bekannt machte. In der neuesten Zeit
haben nun aber nach Siebold die reichen
Schätze der Pflanzenwelt Japan’s die folgen-
den Männer gesammeli: Aus Amerika
Whright und die beiden Missionäre Wil-
liams und Morrow, aus England Fortune,
Oldfield, Veitch und Wilford, — aus Frank-
reich der von der Pariser Akklimatisations-
geselischaft dahin gesendete Simon, der
aber sehr wenig mitgebracht hat, — aus
Deutschland Wichura und endlich aus
Russland C. Maximowiez und Dr. Albrecht.
— Das Resultat dieser Sammlungen ist
theilweis auch schon von Hooker, Lindley,
Miquel, Asa Gray und Anderen veröffentlicht
worden, vom Hrn. C. Maximowicz wird aber
ausserdem eine vollständige Flora japonica
bearbeitet. (E. R.)
25
386
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
V. Personalnotizen und Neuestes ete.
1) Diederich Leonhard von
Schlechtendal. Aus Halle geht uns die
betrübende Nachricht zu, dass wieder einer
der verdientesten Botaniker, der Professor
von Schlechtendal am 12. October ge-
storben ist. Wir können das Andenken die-
ses würdigen Nestors im Kreise deutscher
berühmter Botaniker nicht besser feiern, als
indem wir einen kurzen Bericht über dessen
literarische Thätigkeit geben, die den Namen
unseres Landsmannes schon längst rund um
die Erde getragen hat,
Im Jahre 1819 schrieb derselbe sein er-
stes Werk „„Animadversiones botanicae über
Candolles Ranunculaceen.‘“ Im Jahre 1823
veröffentlichte er seine „Flora brasilien-
sis“.
Im Jahre 1825 schrieb er ein von Ab-
bildungen begleitetes Werk über Capische
Farn unter dem Titel Adumbrationes plan-
tarum erschienen.
Im Jahre 1826 begann er die Heraus-
gabe der Linnaea, einer Zeitschrift in
zwanglosen Heften, die er bis zu seinem
Ende fortführte und von der 33 Bände er-
schienen sind. 1841 begann er die Heraus-
gabe eines Illustrirten Werkes über die sel-
teneren Pflanzen des Botanischen Gartens in
Halle („Hortus Halensis ete.‘‘), das aber nach
den ersten Lieferungen leider wieder ein-
ging. —
Im Jahre 1843 begann er die Heraus-
gabe der wichtigsten deutschen Zeitschrift
für Botanik, der von H. Mohl und Schlech-
tendal herausgegebenen „Botanischen
Zeitung“.
Ausserdem benutzte E. Schenk Schlech-
tendal’s Name, bei der Herausgabe einer illu-
strirten Flora Deutschland’s, um diesem Un-
ternehmen einen besseren Klang zu geben.
Die zahlreichen Arbeiten in den ver-
schiedensten Richtungen, legte v. Schlech-
tendal in den beiden von ihm redigirten
Zeitschriften nieder. Eine fast unermüdliche
Thätigkeit, ein freimüthiges Urtheil und eine
wahrhaft aufopfernde Liebe zur Wissenschaft
zeichneten den Verewigten aus.
Was sonst nur den vereinten Kräften
von Gesellschaften, — oder durch Unter-
stützung von Seiten der Regierung möglich,
— das hat Schlechtendal in doppelter Rich-
tung als Privatmann geleistet, indem er mit
vielen Opfern und unermüdlicher Ausdauer
als Privatmann 2 wissenschaftliche Zeitschrif-
ten herausgab, von denen die eine (die Lin-
uaea) Arbeiten von grösserem Umfange, die
andere (die Botanische Zeitung) Arbeiten
von geringerem Umfange brachte. Beides
umfangreiche Zeitschriften, von denen die
erstere in zwanglosen Heften, — die zweite
wöchentlich mit 1 Bogen Text und Abbil-
dungen bis zu seinem Tode erschienen ist.
Möchten beide Werke weiter geführt wer-
den!!
So viel aufopfernde Thätigkeit hätte
wohl der kräftigen Unterstützung verdient,
und der Verewigte hat es oft bitter empfun-
den , dass ihm bei seinen unablässigen Be-
mühungen und Bestrebungen zur Förderung
und Hebung der Wissenschaft in Halle die
Mittel so karg geboten waren, und dennoch
hat er allein so Grosses geleistet, weil sein
Name das Panier geworden war, um das
wissenschaftliche Thätigkeit sich schaarte.
Zahlreich sind des Verewigten Schüler,
zahlreich seine Verehrer und Freunde, —
alle rufen ihm ein herzliches, Ruhe sanft,
nach. Schlechtendal’s Andenken wird aber
unter uns fortleben und unvergänglich steht
sein Name in den Gedenktafeln der Wissen-
schaft. (E. R.)
2) Friedrich Adolph Haage*)jun.,
ist geboren zu Erfurt am 24. März 1796,
Sohn des Gärtners und Samenhändlers Nico-
laus Haage, trat am 1. Septbr. 1811 in die
Lehre beim Hofgärtner Joh. Heinr. Seydel,
im königl. Orangengarten zu Dresden und
beendete seine Lehrzeit am 1. Septbr. 1814;
*) Wir gaben die erste kurze Biographie
auf Erinnerungen gestützt. Das jetzt fol-
gende sind authentische, auf Zeugnissen be-
ruhende Angaben. (E. R.)
V. Personalnotizen.
folgte noch in demselben Jahre dem Rufe
seines Königs zu den Fahnen, trat als frei-
williger Jäger ein und machte den Feldzug
nach Frankreich mit. Nach dem Frieden
war er mehrere Jahre als Gehülfe bei sei-
nem Onkel Franz Anton Haage. Im Jahre
1822 pachtete er sich einen kleinen Garten
und begann sein Geschäft mit einem Kapi-
tale von 100 Thaler. Im zweiten Jahre sei-
ner Pachtung wurde ihm durch ein Hagel-
wetter viel zerstört, durch Fleiss und Aus-
dauer hatte er es aber bald dahin gebracht,
sich ein eigenes Grundstück zu erwerben,
welches er von Jahr zu Jahr durch Ankäufe
vergrösserte.
Er war Mitgründer des Erfurter Garten-
bau-Vereins, dem er auch einige Jahre als
Director vorstand, ebenso war er Mitglied
des Erfurter Verschönerungs-Vereins und hat
der damalige Direktor desselben der General
(Excellenz) von Hedemann mit ihm zusam-
men die Anlagen im Sieiger, die sogenann-
ten Hedemann’s-Wege angelegt; ausserdem
war er Ehren-, correspondirendes und wirk-
liches Mitglied vieler Gartenbau- und Land-
wirthschaftl. Vereine. Im Jahre 1846 erhielt
er den rothen Adler-Orden 4. Classe. Vom
Jahre 1860 finger anzu kränkeln und besonders
das Asthma verhinderte ihn, seine gewohnte
Thätigkeit fortzusetzen. Er besuchte 2mal
Ems, um Linderung zu finden, jedoch ver-
geblich. Obgleich er nicht bettlägerig war,
kam er doch immer seltener in den Garten,
in der letzten Zeit war er ganz an’s Zimmer
gefesselt. Nur 3!1|, Tag lag er zu Bett, da
erlöste ihn der barmherzige Gott von seinem
langen Leiden, er starb in seinem 71. Le-
bensjahre. Er hinterlässt 6 Töchter und 2
Söhne. (Seine Gattin starb 7 Jahre früher
und im vorigen Jahre ein Sohn im 30. Le-
bensjahre.) Beide Söhne übernehmen das
Geschäft unter Beibehaltung der alten Firma.
Dieselben haben sich durch mehrjährigen
Aufenthalt in England und Frankreich ihre
Kenntnisse zu erweitern gesucht und werden
sich bemühen, das alte Renomme& der Firma
Friedr. Adolph Haage jun. aufrecht zu er-
halten.
Die besonderen Culturen waren Levko-
yen, Goldlack, Astern, Oalceolarien, Cinera-
387
rien, von Levkoyen werden zum Samen ge-
gen 50,000 Töpfe (in jedem Topfe 6—7
Pflanzen) gezogen, Astern über 10 Morgen.
Ausserdem enthalten die Gewächshäuser
schöne Sammlungen besonders Cacteen,
Agaven, Palmen, Dracaenen, Blattpflanzen,
Pelargonien etc.
Ehren-Mitglied des Mainzer Gartenbau-
Vereines, 1. Juni 1840.
Correspond. Mitglied der Gesellschaft
Flora in Dresden, 7. April 1842,
Gartenbau-Verein zu Stockholm, 9. Juli
1844.
Ehren-Mitglied des Thüringer Gartenbau-
Vereins zu Gotha, 20 Juli 1831.
. Correspond. Mitglied der Kurfürstl, Hes-
sisch. Landwirthschaftl. Vereins zu Cassel.
30. October 1841.
Ordentl. Mitglied des Vereines für Blu-
mistik und Gartenanlagen zu Weimar, 26.
März 1830.
Ehren-Mitglied des Erfurter Gartenbau-
Vereins, 7. Februar 1862.
Correspond. Mitglied der Frankfurter
Gesellschaft zur Beförderung der nützlichen
Künste und ihrer Hülfswissenschaften zu
Frankfurt a. M., 19. April 1838.
Mitglied der koninklyke Nederland’sche
Maatschappy tot Aanmoedigung van den
Tainboun zu Leyden, 18. Decbr. 1845.
Wirkliches Mitglied des Erfurter Ver-
schönerungs-Vereins, 15. April 1841.
Wirkl. Mitglied des deutschen National-
Vereins für Handel und Gewerbe zu Leipzig,
18. August 1850.
Ehren-Mitglied des Anhaltisch. Garten-
bauvereins zu Dessau, 20. Januar 1864.
Wirkl. Mitglied des Vereines zur Beför-
derung des Gartenbaues in den Kgl, Preuss.
Staaten zu Berlin, 11. Juni 1830.
Correspondir. Mitglied des
Gärtner-Vereines, 1. Februar 1844.
Ehren-Mitglied der Altenburgischen Po-
mologischen Gesellschaft, 22. Juni 1840.
Mitglied der königl. botanischen Gesell-
schaft zu Regensburg, 14. Mai 1842.
Mitglied der Böhmischen Gartenbauge-
sellschaft zu Prag.
3) Aus Kaaden (Böhmen) wird die
Nachricht gebracht (N. f. Presse 20. Septbr.
25 *
Leipziger
388
1866) dass heuer sehr viele Monstrositäten
an den Blüthen und Früchten der Obst-
bäume beobachtet werden. An den Aepfel-
bäumen fand man sehr viele ganz gefüllte
Blüthen; an mehreren Zwetschgenbäumen
sind statt lange, ganze runde Früchte; die
Frühbirnen jedoch zeigen die meisten Mon-
strositäten. In den Kelchen der Früchte
wuchsen ganze Büschel Baumblätter mit
Fleischwülsten und mehrere Birnen über ein-
ander heraus, man fand sogar Birnen, wel-
che an sich Zweige mit Blättern trieben.
Eine Merkwürdigkeit findet man auf der von
Kaaden nach Wunnersdorf führenden Strasse
an einer Allee von Obstbäumen. Eine grös-
sere Anzahl davon ist unveredelt und mit
Früchten bis zum Brechen der Aeste bela-
stet, während die veredelten durch die Fröste
so gelitten haben, dass nicht Eine Frucht
zu sehen ist. Bereits fangen mehrere Obst-
baumzüchter an, neben veredelten auch un-
“
Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz.
veredelte Obstbäume zu ziehen, wozu sie
Samen von edleren Sorten nehmen. Die
Erfahrung hat gelehrt, dass unveredelte
Bäume auch brauchbare, ja edie Früchte
liefern und gegen ungünstige Witterung wi-
derstandsfähiger sind. (S-r.)
4) In einem Debrecziner Weingarten
trägt ein Pfirsichbaum heuer zweite Früchte,
welche bereits zur Grösse einer Haselnuss
gediehen sind.
(Pest. Lloyd 2. Octbr. 1866.)
5) Nachschrift zu den Mittheilungen über
Sämlinge von Helleborus im Mai-Heft der
Gartenflora.. Vom Professor August Schlei-
cher in Jena.
Unter meinen Sämlingen von Hellebo-
rus antiquorum Al. Braun ist wiederum eine
neue Varietät znm Vorschein gekommen,
nämlich Hell. Antiquorum punctulatus
albus. Das Unterscheidende dieser Varietät
ergiebt sich aus dieser Benennung.
Register
1) Abbildungen.
Almeidia rubra St. Hilaire Taf. 512.
Anthurium magnificum Linden Taf. 508.
— pedatifidum Rgl. et Linden. Taf. 501.
— reflexum h. Par. Taf. 519.
Artemisia Stelleriana Bess. Taf. 498.
Asperula azurea Jaub. et Spach $. setosa
Rgl. Taf. 523. Fig. 4.
Baumscheere von Lecointe pag. 28.
Billbergia Liboniana Lem. Taf. 514.
Bletia hyaecinthina R.Br. fol. albo -striatis
Sieb. Taf. 527.
Bossiaea Hendersonii Hort. Taf. 523. Fig. 3,
dige:
Bromelia fastuosa Lindl. var. Bergemanni Rgl.
Taf. 493.
Calathea Warscewiezii Kl. Taf. 515.
Calliopsis tinetoria Nutt. Taf. 506 Fig. 8. 9.
Calypso borealis Salsb. Taf 523. Fig. 1—2,
a—c.
Coreopsis auriculata L. y. pubescens Asa
Gray. Taf. 506 Fig. 1—4.
— coronata Hook. Taf. 506 Fig. 5—7.
Corydalis Marschalliana Pers. Taf. 511 Fig. 1.
Daphne Genkwa Sieb. et Zuce. Taf. 499.
— jezo@nsis Maxim. Taf. 496. Fig. 1—3.
Dibrachion peltatum Rgl. Taf. 504,
Echidnium Spruceanum Schott. Taf. 503.
Eupatorium riparium Hort. Taf. 525.
Franciscea calycina Benth. Taf. 502.
Gardenia Maruba Sieb. Taf. 494 Fig. 1—4.
Gonatostemon Bouch&anum Rgl. Taf. 526.
Grammatosorus Blumeanus Rgl. pag. 335.
Hängevasen für Zwiebelbouquets. pag. 213.
Helleborus caucasicus A: Br. var. abchasicus
Rgl. Taf. 496. Fig. 4.
Hemerocallis fulva L. var. Kwanso Taf. 500.
— Middendorffii Trautv. et Mey. Taf. 522.
Hippomane Mancinella L. Taf. 510.
Hydrangea japonica Sieb. et Zucc. d. macro-
sepala Taf. 520.
— stellata Sieb. et Zucc. var. prolifera
Taf. 521.
Hypericum patulum Thbre. Taf. 513 Fig. 1.2.
Hypophyllanthus Lindeni Rgl. Taf. 507.
Jacquinia mexicana H. Petrop. Taf. 505.
Fig. 1.
Iris chinensis Curt. Taf, 511 Fig. 2. 3.
Oeceoclades falcata Thbg. pag. 69.
Orchis foliosa Soland. Taf. 509.
390
Platyerater arguta Sieb. et Zuce. Taf. 516.
Register.
Seutellaria aurata Lem. Taf. 524.
Pyrethrum carneum M.B. Varietäten. Taf. | Sedum japonicum Sieb. Taf. 513 Fig. 3. 4.
494. Fig. 5—8.
— Maximowicezii Rgl. Taf. 528.
Rhododendron Aucklandi Hook. fil. Taf. 517. | Tetratheca ciliata Lindl. Taf, 497.
Rhodotypus kerrioides Sieb. et Zuce. Taf.
505 Fig. 2. 3.
Rumex scutatus L. var. glaucus pag. 30.
Sauromatum pedatum Schott Taf. 495.
Vriesia brachystachys. Taf. 518.
Weinrebe nach Hooibrenk’s Culturmethode
pag. 90.
2) Pflanzen, welche beschrieben oder besprochen worden
sind.
Abronia fragrans Nutt. 83.
Abutilon megapotamicum St. Hil. 60.
— vexillarium E. Morr. 58. 60.
Acer polymorpkum fol. dissectis roseo-mar-
ginatis Sieb. 24.
Achyranthes pieta Pass. 113.
Acontias diversifolius Rgl. et Linden 68.
Acrostichum Marantae L. 139.
— septentrionale L. 140.
Adelia Acidoton L. 359.
— ovata 359.
— spinosa 359.
Adiantum Capillus Veneris L. 139.
— erectum proliferum 147.
— Farleyense 147. 268.
— Moritzianum Lk. 139.
— pedatum L. 159.
Agrostemma coeli rosa nana fimbriata 175.
Allamanda Hendersoni h. Angl. 178.
Allium ursinum 325.
Allosorus crispus Bernh. 139.
Almeidia macropetala F. et M. 195.
— rubra St. Hilaire 195.
Alstroemeria densiflora Herb. 23.
Althernanthera paronychioides Kl. 113.
— sessilis R.Br. var. amoena 81. 113.
— spalthulata Lem. 59.
— variegata Hort. 114.
Amarantesia brasiliensis Hort. 114.
Amaryllis Gartenvarietäten. 211.
Amelanchier Botryapium 339.
Amorphophallus campanulatus Blum. 209.
Amorphophallus nivosus Lem. 57. 340.
Ancylogyne longiflora Hook. 377.
Anemone fulgens 146.
Angraecum Chailluanum Hook. 377.
Anoeeochilus Turneri 146.
Anthurium grande Hort. 265.
— magnificum Hort. 265.
Linden 162.
— pedatifidum Rgl. et Linden 66.
— reflexum h. Par. 259.
— _regale Lind. 265.
Angraecum sesquipedale Aub. Du Petit’ Th.308.
Aphelandra ornata T. Anders. 83.
Aplotaxis gossypina DC. 59.
Arctotis acaulis L. y. undulata DC. 174.
— breviscapa 174.
Areca Verschaffelti 340.
Armeniaca Mume 383.
Arnica montana Hortul. 175.
Artemisia Stelleriana Besser. 36.
— villosa 36.
Arum campanulatum Roxb. 209.
— pedatum Lk. et Otto. 3.
Asparagus medeoloides Thrbg. 343.
Asperula azurea Jaub. et Spach. ß. setosa
Rgl. 323.
Aspidium acrostichoides Sw. 141.
— aculeatum Sw. 141.
— alpinum Sw. 142.
— Blumei h. Booth. 336.
— Braunii Spenner. 142,
— bulbiferum Sw. 142.
Register.
Aspidium ceristatum Sw. 141.
— decursive-pinnatum Knze. 139.
— dilatatum Sw. 141.
— Filix mas Sw. 141.
— fragile DC. 142.
— Goldieanum. 142.
— Halleri W. 140.
— lobatum Sw. 142.
— Lonchitis Sw. 141.
— Oreopteris Sw. 141.
— podophyllum Hook. 141.
— rigidum Sw. 141.
— sSieboldii Hort. 141.
spinulosum Sw. 141.
— tenue Sw. 142.
— Thelypteris Sw. 141.
Asplenium Adiantum nigrum L. 140.
flabellatum 147.
— alternifolium Wulf. 140.
— Breynii Retz. 140.
— Filix foemina Bernh. 140.
— germanicum Weis 140.
— BHalleri Br. 140.
lanceolatum Huds. 140.
marinum L. 140.
Ruta muraria L. 140.
— septentrionale Sw. 140.
— Trichomanes L. 140.
ineisum triangulare 147.
— viride Huds. 140.
Astrocaryon aureo-pictum H. Versch. 58.
— Borsigianum K. Koch. 58. 60.
Athyrium Filix foemina Koth. 140.
Applebyana 148.
eurtum 147.
Aucuba japonica Thnbrg. 211.
macrophylla 114.
Azalea indica var. Charles Van Eckhaute 25.
Grande Duchesse de Bade 57.
var. Präsident Van den Heeke 24.
punctulata V. Houtte 212.
omnicolor. 212.
var. Reine des Pays-bas. 308.
vittata Bealii 245.
Batemannia grandiflora Rchb. fil. 247.
Bauhinia tomentosa L. var. glabra. 246.
Begonia baccata Hook. 245.
— geranioides Hook. 343.
— incarnata Otto et Dietr. var. purpu-
rascens Rgl. 358.
391
Begonia Pearcii Hook. 83. 267.
— subpeltata Hortul. 359.
Bertolonia guttata Hook. 83.
— margaritacea 115.
Bigarreau de la Caserne 309.
Bignonia argyreo-violascens Hort. 148. 341.
Billbergia Glymiana De Vriese 342.
— Liboniana Lem. 225.
— pallescens C. Koch. 83.
— purpurea Van Houtte 356.
Blechnum boreale Sw. 140.
— Spieant Roth. 140.
undulatum 147.
Bletia Gebina Lindl. 355.
— hyacinthina R.Br. 354.
Rchb. fil. 354.
R.Br. fol. albo-striatis Sieb. 354
R.Br. var. Gebina Bl. 355,
Boisduvalia Douglasii Spach. 174.
Bomarea densiflora Herb. 23.
Borya ligustrina 359.
— retusa Lk. 359.
Bossiaea Hendersonii Hort. 322.
Botrychium Lunaria Sm. 142.
— virginicum Sw. 143.
Bougainvillea spectabilis var.
Angl. 341.
Bromelia fastuosa Lindl. var. Bergemanni
Rgl. 1.
tristis Beer 356,
Browallia Czerwiakowskyana 174.
-—- pulchella 174.
viscosa H. B. K. 174.
Brunfelsia calycina Benth. 97.
Bryonopsis laciniosa var. erythrocarpa Naud.
58.
Caladium bicolor var. Duc Adolphe de Nas-
sau 58.
Calathea splendida H. Versch. 341.
— tubispatha D. Hook. 82.
— Veitchiana J. Veitch. 81.
— Warscewiezi Kl. 227.
Körn. 227.
Calceolaria hyssopifolia Humb. Bonpl. K. 177.
Caliphruria Hartwegiana Herb. 67.
Calliopsis bicolor Rchb. 132.
— tinetoria Nutt. 131.
Callirho& pedata A. Gray 174.
pumila 175.
Calypso borealis Salsb. 321.
—
lateritia h.
392
Camellia Adriana 81.
Archiduc: Etienne 58.
Clodia. 308.
Dionisia Poniatowsky. 178.
Giuseppe Biari 58.
— japonica var. Corradino 25.
Reine des Beautes 114.
tricolor imbricata plena 26.
— planipetala 57.
— Roma Risorta 341.
Campanula linifolia Lam. var. soldanellae-
flora plena 175.
Capsicum microphyllum 175.
pendulum W. 175.
Cattleya hybrida pieta 146.
Pilcheri (Veitch) 114.
Cerasus nicotianifolia 309.
— pendula Sieb. 383.
Cereus giganteus Engelm. 61.
Ceterach Marantae DC. 139.
offieinarum Willd. 139.
Chamaeranthemum Beyrichii Nees 8. varie-
gatum. 246.
Cheilanthes odora Sw. 139.
Chrysanthemum carnosulum DC. 175.
— indicum fl. roseo-albo punctato 26.
Chytroglossum Maria Leonis 114.
Clarkia elegans Dougl. var. fl. semipleno
175.
splendens 175.
Cleome muricata 175.
pentaphylla L. 175.
Clianthus Dampieri 196.
Codonopsis gracilis Hook. fill. et Thom. 27.
Collinsia bicolor Benth. 175.
corymbosa 175.
Colocasia longiloba 115.
Comparettia coceinea Lindl. 308.
Coreopsis aurieulata L. y. pubescens Asa
Gray. 130.
— coronata Hook. 131.
— Drummondi Torr. et Gr. 175.
grandiflora 175.
Corydalis Marschalliana Pers. 193
Crataegus sanguinea Pall. 339.
Cupressus Lawsonia Murray 342.
Cyperus alternifolius fol. variegatis 305.
Cypripedium barbatum grandiflorum 58.
concolor Batem. 59. -
— Crossü 84.
Register.
Cypripedium Hookerae Rchb. fil. 24.
insigne 84.
Wall. var. Maulei 24.
— laevigatum Batem. 114.
— Veitehianum Hort. 57.
Cystopteris alpina Desv. 142.
bulbifera Bernh. 142.
fragilis Bernh. 142.
— obtusa Prsl. 142.
regia Prsl. 142.
— tenuis Schott. 142.
— —
Dahlien, neue. 115. 147.
Daphne Genkwa Sieb. et Zuce. 65.
— jezoönsis Maxim. 34.
— kamtschatica Maxim. 34.
— Pseudo-Mezereum F. Schmidt. 34.
A. Gray 34.
Davallia Novae Zealandiae Hook. 142.
Delphinium grandiflorum L. $. ehinense DC.
175:
— sinense nanum 175.
Dendrobium dixanthum Rchb. fil 247. 309.
— Johannis Rchb. fil. 82.
— Mac Carthle 146.
Tattonianum 146.
Desmodium penduliflorum Oudemans. 340. '
Dianella tasmannica Hook. 178.
Dianthus chinensis laciniatus. 81.
— cireinatus 81.
multiflorus Hort. var. Emile Pare. 245.
Dibrachion peltatum Rgl. 100.
Dichorisandra musaica Lind. 265.
Dieksonia adiantoides Humb. 42
einnamomer 147.
— Youngii Moore 114.
Dicffenbachia gigantea A. Versch. 308.
Diervilla-Arten 383.
Dipladenia nobilis Ch. Morren. 57.
Dischidia Rafflesiana Wall. 59.
Disemma coceinea DC. 84.
Doodia virginica Prsl. 140.
Dracaena medeoloides L,. fil. 343.
Dracontium asperum C. Koch. 340.
Duranta Plumieri Jaeqg. var. fol. aureo-varie-
gatis 67.
— u —
_—
Echidnium Spruceanum Schott. 98.
Epidendron myrianthum Lindl. 245. »
Epiphora pubescens Lindl. 377.
Register.
Eranthemum elegans Nees. 23.
—. sanguinolentum Hort. 26.
Erica fragrans 146.
Ericinella Mannii Hook. 307.
Eriopsis rutidobulbon 146.
Erythrochiton hypophyllanthus Pl. et Linden
132.
Eucharis grandiflora 370.
Eucodonopsis naegelioides V. Houtte 210.
Eudianthe coeli rosa Rchb. var. fimbriata
175.
Eulophia euglossa Rchb. fil. 246.
— virens Lindl. 342.
Eupatorium riparium Hort. 324.
Euphorbia Monteiri Hook. 24.
Evonymus gracilis h. Sieb. 261.
— — fol. argenteo-variegatis h. Sieb.
261.
— japonicus
261.
Thnbrg. varieg. typieus.
. argenteo-variegatus 261.
. aureo-variegatus 261.
. erispus. 261.
. gracilis 261.
. macrophyllus. 261.
ovatus. 261.
. sulphureo-variegatus. 261.
'. radicans 261.
. radicans viridis. 261.
reticulatus. 261.
tricolor. 261.
h. Sieb. 261.
fol. argenteo-marginalis van Houtte
var.
var.
— radiceans
261.0:
— — fol. aureo-pictis h. Van Houtte.
261-
— — var. pietus Hort. 261.
— -— roseo-marginatus h. Mack. 261.
Fernandezia robusta Batem. 378.
Ficus Carica L. var. du chäteau Kennedy
308.
— Suringari H. Witte, 340.
Franciscea calycina Benth, 97.
— Lindeniana Pl. 84.
Fremontia californica Torrey. 377.
Fuchsien, neue 147.
Galeottia grandiflora Rich. et Gal. 247.
Galipea ovata Hort. Petrop. 358.
393
Galipea Riedeliana Rgl. 358.
Gardenia Maruba Sieb. 2.
Gaylussacia Pseudovaceinium Hortul. 357.
Gilia capitata Sims. 175.
— Jutea Steud. var. brunnea 175.
— species californica 175.
Gladiolus Papilio Hook. 247.
Gnaphalium lanatum Hort. 357.
Gonatostemon Bouch&anum Rgl. 353.
Grammatosorus Blumeanus Rgl. 335.
Gymnogramme Ceterach Spr. 139.
— Parsonii 146.
Gymnostachyum Verschaffeltii Lem. 26.
Gypsophila muralis L. var. serotina 175.
Habranthus fulgens Hook. 246. 308.
Haemanthus incarnatus Burch. 23.
Helianthus salieifolius O. et. Diet. 199.
Helichrysum elegans 175.
— petiolatum DO. 357.
— rupestre Raf. 175.
Helleborus antiquorum Al. Br. var. flore
albo 155.
— antiquorum Al. Br. var. punctulatus
155.
caucasicus A.Br. var. abchasicus
Hemerocallis Dumortieri Morr. 292.
— Middendorfii Trautv. et Mey. 292.
— sSieboldi H. Siebold. 292.
— fulva L. var. Kwanso 66.
Hepatica angulosa Lam. 59.
Herniaria glabra L. 350.
— hirsuta L. 350.
— incana Lam. 350.
— odorata Andrz. 350.
Hesperis matronalis fl. pleno. 255.
Hibiscus Moscheutos 318.
Hippomane Mancinella L. 163.
Hoplophytum calyculatum Morr. 83.
Hydrangea japonica Lindl. 290.
var. caerulea Hook. 290.
Sieb. et Zuec. e. caerulescens. 290.
fol. albo-variegatis Fl. d. s. 290.
8. Lindleyi 289.
et Zucc. d. macrosepala
33.
Sieh!
n. plena 290.
roseo-alba Van Honutte
— _—— — Y:
Sieb. et Zuec. «. typica 289.
394
Hydrangea japonica Sieb. et Zuce. Z. varie-
gata 290.
Register.
Lomaria Spicant Desv. 140.
Luisia Psyche Rchb. fil. 246.
— stellata Sieb. et Zucc. var. prolifera | Lupinus albococcineus 175.
291.
Hymenophyllaeeen 221.
Hyophorbe Verschaffelti H. Wendl. 340.
Hypericum patulum DC. 195.
— — Thbrg. 195.
— Uralum Don. 195.
Hyphaestes sanguinolenta Hook. 27.
Hypoderris Braunii J. Sm. 142.
Hypoestes sanguinolenta Hook. 84.
Hypophyllanthus Lindeni Rgl. 132.
Jacquinia mexicana H, Petrop. 129.
Jeilium tricolor Hort. 114.
Jonopsis paniculata Lindl. 82.
Iriartea exorrhiza Mart. 58.
Iris chinensis Curt. 194.
— fimbriata Tratt. 194.
Ismelia coronopifolia 175.
Kleinia tulgens Hook. 377.
Laelia grandis Lindl. 245.
— Lindleyana Rchb. fil. 114.
Lagochilium ornatum N. ab E. 83.
Lankesteria Barteri Hook. 23.
Lantanen, neue 178.
Lastraea cristata Prsl. 141.
— dilatata Prsl. 141.
— Filix mas Prsl. 141.
— Oreopteris Prsl. 141.
— podophylla Sm. 141.
— rigida Prsl. 141.
— spinulosa Prsl. 141.
— Thelypteris Prsl. 141.
Leontodon hispidum L. 175.
Leptosiphon hybridum 175.
Lilium auratum 368.
— giganteum 78.
Limodorum faleatum Thbrg. 69.
Liparis atropurpurea Wight. 23.
J.obelia nicotianaefolia Heyne 377.
— ramosa Snowflake 148.
Lomaria alpina Sprgl. 140.
— Bellii 148.
— chilensis Sprgl. 140.
— L’Herminieri 114.
— Barkeri Lindl. 175.
— cealifornicus 175.
— Dunetti atroviolaceus 175.
— elegans H.B.K. var. Dunetti. 175.
— — HB«K. var. hybridus 175.
— Hartwegiü Lindl. 175.
— venustus tricolor. 175.
Lycopodium clavatum L. 142.
Malus floribunda Sieb. 27.
Maranta splendida 341.
— striata Hort. Veitch. 25.
— Veitchii 81. 266.
— Warscewiezii Fl. des serres. 227.
Meeonopsis nepalensis DC. 376.
Mesembrianthemum acinaciforme L. 82.
Miconia flammea 115.
Mierolepia Novae Zealandiae J. Sm. 142.
Miltonia anceps Rchb. fil. 308.
— cereola Lem. 81.
Mimulus duplex Andersoni 146.
— — National 146.
Musa Cavendishii Paxt. 222.
— chinensis Sweet. 222.
Mussaenda luteola Lindl. 308.
Myrica ceritera 51.
Myrsiphyllum angustifolium Mill. 343.
— asparagoides Willd. 343.
Nemophila atomaria Fisch. et Mey. var. dis-
coidalis 175.
— insignis Benth. var. striata 176.
— maculata Benth. 176.
— -—- var. purpurea 176.
Nephrodium aecrostichoides Mx, 141.
Nicotiana suaveolens Lehm. 176.
— vincaeflora 176.
Nidularium agavifolium Hort. Turic. 356.
— marmoratum h. Mack. 356.
— triste Rgl. 356.
Nigella hispanica L. var. alba 176.
— — -— var. atropurpurea 176.
Nolana atriplieifolia Don. 176.
— lanceolata 176.
Notholaena Marantae R.Br. 139,
Odontoglossum Alexandrae Batem. 148.
Register:
Odontoglossum anceps Kl. 308.
— bietonienseLindl. var. splendens Lem.
81.
— Bluntii 146.
— gloriosum 115.
— Lindleyanum 115.
— nobile Rchb. fil. 212.
Pescatorei Eind. 212.
splendens 114.
— radiatum 148.
Oenothera amoena Lehm. y.
Doug]. 176.
Lehm. „. rubicunda plena 176.
— bistorta Nutt. 176.
densiflora Lindl. 174.
Oeceoclades falcata Thbg. 69.
— Lindleyi 70.
Oncidium candidum Lindl. 177.
Onoclea obtusilobata Prsl. 140.
— sensibilis L. 140.
Onychium japonicum Knze. 142.
Ophioglossum vulgatum L. 142.
Orchis falcata Thbg. 69.
— foliosa Soland. 161.
Osmunda regalis L. 142.
Lindleyana
Pachypodium suceulentum A. DC. 82.
Palafoxia Hookeriana Torr. et Gray 177.
texana Hook. 177.
Palumbina candida Rchb. fil. 177.
Pandanus flabelliformis Carr. 269.
— Veitchii 269.
Papaver paniculatum Don. 376.
Parochetus communis Hamilt. 26.
Pelargonien, neue 147.
—- Scarlet- 115.
Pelargonium glaucifolium Hortul. 356.
Thibautii Rgl. 356.
Peperomia marmorata Hook. 307.
Peristrophe lanceolaria Nees. 247.
Phalaenopsis cornu-cervi Rchb. fil. 307.
Schilleriana Rchb. fil. 23.
major 114.
sumatrana Korthals 23.
— zebrina Teysm. 23.
Philadelphus undulatus A. Musc. 48.
Phoenicophorium sechellarum H.Wendl. 58.60.
Phrynium Warscewiczii Kl. 227.
Physematium obtusum Knze. 142.
Phytolacca dioica L. 213,
395
Planera Kiaki 384.
Platycrater arguta Sieb. et Zucc. 229,
Polychilos cornu-cervi Kuhl van Hass. 307.
Polypodium aculeatum L. 142,
calcareum Sm. 139,
— ceristatum L. 141.
— Dryopteris L. 139.
— Filix foemina L. 140.
— Filix mas L. 141.
fragile L. 142.
— fragrans L. 139.
— Lonchitis L. 141.
— Oreopteris Ehrh. 141.
— Phegopteris L. 139.
— rigidum Hoffm. 141.
— Robertianum Hoffm. 139.
Thelypteris L. 141.
— tripartitum 147.
— vulgare L. 139.
— vulgare ramosum 147.
Polystachia pubescens Rchb. fil. 377.
Polystichum acrostichoides Schott. 141.
— aculeatum Roth. 142.
angulare Bayllae 147.
caudatum 148.
parvissimum 148.
— eristatum Roth. 141.
— dilatatum DC. 141.
— Lonchitis Roth 141.
— Öreopteris DC. 141.
— rigidum DC. 141.
spinulosum DC. 141.
Primula chinensis Glen-Eyre. 114.
kermesina splendens nana 114
Stewarti 114.
— cortusoides L. var. amoena Hook.23.
267.
Prunus Mume 383.
— Pseudocerasus 383.
Pteris aquilina L. 139.
— cretica L. 139.
— _crispa All. 139.
— flabellata ascensionis 147.
— serrulata L. 140.
Pultenaea cluitisefolia Rgl. 359.
Pyenopteris Sieboldii Moore 141.
Pyrethrum carneum MB. Varietäten. 3. 375.
(Chrysanthemum) sinense Cass. Lili-
but-Varietäten 81.
Pyrus floribunda Sieb. 50.
_—
396 - Register.
Quercus cuspidata 383. Sphenogyne crocea 176.
— dentata 383. — speciosa Maund. 176.
— glabra 383. — versicolor 176.
Spiranthes Lindleyana Lk. Kl. Otto. 858.
Raphanus caudatus 371. Stachytarpheta bicolor J. Hook. 81.
Regelia magnifica Hort. 60. Stachyurus praecox 384.
— majestica Hort. 60. Statice Bonduelli Lestib. 176.
— princeps Hort. 60. Stevensonia grandifolia J. Duncan 58. 60.
Rhagiopteris obtusilobata Prsl. 140. — viridifolia Duncan 60.
Rhododendron Aucklandi Hook. fil. 257. Struthiopteris germanica W. 139.
— Duchesse de Nassau 81. Stuartia grandiflora 384.
— Hodgsoni Hook. fil. 245. Syringa chinensis 374.
— var. Madame Van Houtte ‚210.
— salmono-roseum 58.
Rhodotypus kerrioides Sieb. et Zuec. 130.
Rhopala corcovadensis Hort. 54.
— Pohlii? y. multijuga Meissn. 55.
Rhus Toxicodendron 319.
Ribes rigens Hort. non Mx. 50.
— subvestitum ? Hook. et Arn. 50.
Robinia Pseudacacia L. var. Decaisneana 57.
Rogiera gratissima Planch. et Lind. 25.
Rosa hybride remontante Empereur du Me-
zique 58.
— Thea Mar£chal Niel 308.
— tomentosa Sm. 361.
Rumex scutatus L. var. glaucus 30.
Tacsonia Van-Volxemii Lem. 308.
Taraxacum Dens leonis 336.
Telanthera Bettzichiana Rgl. 113.
— fieoidea Mog. Tand. var. versicolor
58.
— pieta ©. Koch. 113.
— polygonoides 113.
Tetratheca ciliata Lind]. 35.
Thibaudia cordifolia Humb. Bonpl. Knth.
246.
— jessicae Hook. 177.
Tillandsia xiphioides Ker. 246.
Tradescantia undata Lind. 265.
Trichinium Manglesii Hook. 147. 341.
Triehopylia Turialvae Rchb. fil. 178.
Tripteris cheiranthifolia C. H. Sch. Bip.
176.
Sanvitalia procumbens fl. pleno. 78.
Sauromatum pedatum Schott. 3.
Scarlet-Pelargonien 115.
Scilla Cooperi Hook. 342.
Scolopendrium officinarum Sm. 140.
Seutellaria aurata Lem. 323.
Selaginella denticulata Hort. 142. , iorH Rehb. fil: 210
© JopekensiätMerkina Vanda suavis Hrubyana Rchb. il. e
— Martensii Sprgl. 3. variegata h. Mack. Verbena hybrida Nec plus ultra. 117.
349, — — var. populaire 58.
— pulchella coerulea 176.
— tenera Spr. 176.
Verschaffeltia splendida A. Wendl. 58. 60.
Vesicaria grandiflora 176.
— sinuata Poir. 176.
Vieia Pseudocracca Bertol. 176.
— tricolor 176.
Violet the Czar 114.
Vriesia brachystachys 258.
Ulmus Kiaki 384.
Vaccinium Thibautii Rgl. 357.
Sedum japonicum Sieb. 196.
— Maximowiezii Rgl. 355.
Sida megapotamica Spr. 60.
Smilax macrophylla maculata 58.
— ornata Lem. 58.
Solandra grandiflora 313.
Solanum heterogonum 176.
— Petrocaulon Dun. 176.
Sonchus Saundersii 114.
Sparaxis pulcherrima Hook. 245.
Sphaerostigma bistortum Walp. 176. Warscewicziella velata Rchb. fil. 342.
Sphenogyne anthemoides R.Br. 176. Wellingtonia gigantea 213.
Register.
Welwitschia mirabilis Hook. 311.
Woodsia hyperborea Br. 143.
ilvensis Br. 143.
397
| Woodwardia angustifolia Sm. 140.
— onocleoides W. 140.
— virginica Sw. 140.
3) Sachregister.
Amelanchier Botryapium als Heckenpflanze
339.
Anzucht der Blumenzwiebeln 105.
Syringa chinensis zur Blumen-
treiberei 374.
Aepfel, rother Stettiner 283.
Apfelsorten, empfehlenswerthe 284.
Aquarien von Meerpflanzen 309.
Asche als Rasendüngung 247,
Ausstellung, internationale, zu London 32.
96. 128. 237. 263. 362.
Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche
Zwecke 118. 149. 179. 214. 248. 274.
Bärlauch als Gartenpflanze 325.
Bäume, Erziehung derselben ohne Pfähle
282.
Baumscheere von Lecointe 27.
Befruchtung, die Hooibrenk’sche 20.
Begiessen der Topfpflanzen, eine ungewöhn-
liche Art 248.
Bericht der Schlesischen Gesellschaft für va-
terländische Cultur. 222.
— über die internationale Gartenbau-
ausstellung in London. 237. 263. 362.
Berichtigungen einiger schönblühenden ein-
jährigen Pflanzen 174.
Berliner Culturen 105. 164.
Bernsteinfund in Schlesien 347.
Beschneiden der Zweige und Wurzeln 144.
Blühende Rhopala 54.
Blumenausstellung des Gartenbauvereins in
St. Petersburg 190.
Blumenkohl, Cultur desselben in St. Peters-
burg 271.
Blumenzwiebeln, Anzucht derselben 105.
Blutlaus 284.
Botanischer Garten zu Calcutta, Verwüstun-
gen daselbst 148.
in Grenoble 28.
in Rom 360.
Buntblätterige Spielarten, Erhaltung dersel-
ben 305.
Caladien, Cultur derselben 19.
Colonie Angola 310.
Oongressgedanken 201.
Coniferen, in Mitteldeutschland vollkommen
harte 183.
Conserven, Anfertigung derselben 314.
Copulation im Herbste und über den Erfolg
von Frühjahrsveredelungen 312.
Cultur der Anoecochilus 84.
— des Blumenkohls in St. Petersburg
271.
der Bromeliaceen an Baumstämmen
226.
— — buntblätterigen Scarlet-Pelargo-
nien 230.
Caladien 19.
Cypripedium insigne 84.
— des feineren Zwergobstes in einem
ungünstigeren K ima 217.
der Franeiscea-Arten 306.
gefüllten Nachtviole 255.
Gurken in Russland 89.
— von Lilium giganteum 78.
der Rosen des Herrn Metz 185.
rothen Bataten 29.
Sanvitalia procumbens fl. pleno
78.
— — Solandra grandiflora 313.
Topfrosen des Herrn Hofgärtners
Freundlich 133.
— Trüffeln 217.
Zwerg-Banane 222.
und Verwendung der Myricaceen 5l.
Culturen, Berliner 105. 164.
um Palermo 278.
Culturformen, unnatürliche 262,
E38
m
Düngen im Herbste 29.
398
Dünger des Baron Chartier 224.
Einmachen von Früchten 317.
Erdbeeren, Treiberei derselben 28.
Evonymus japonicus Thbrg. und dessen Ab-
arten 260.
Expedition zur Erforschung Südamerika’s
287.
Farn des freien Landes 137.
Fichte, Rothfäule derselben 188.
Flora der Permischen Formation 378.
Gärten, Beiträge zur Geschichte derselben
279.
Gartenbau-Akademie in Chiswick 178.
-Ausstellung in Erfurt am 9—17. Sep-
tember 1865. — 4.
-Verein in Cöthen 126.
—, Zustand desselben in Japan 381.
-Gesellschaft in Wien 127.
Gartenzierpflanzen, ungewöhnliche 300.
Gärtnerei in Berlin und Potsdam, Geschicht-
liche Notizen über die Entwicklung
derselben 294. 326.
Gehölze, neuere oder seltenere, blühende,
des Arboretum zu Mnskau 50.
Gemüsearten, Bericht über den Anbau eini-
ger, im K. botanischen Garten zu St.
Petersburg 205.
Gerberlohe als Bodenverbesserungsmittel
254.
Geschichte der Gärten, insbesondere in Schle-
sien 279.
Geschichtliche Daten des Obstbaues 255.
Notizen über die Entwicklung der
Gärtnerei in Berlin und Potsdam 294.
326.
Geschlechtsthätigkeit der Pflanzen 190.
Gewürzampfer 30.
Giftpflanzen aus der Familie der Legumino-
sen 285.
Giftsumach 319.
Gurkencultur in Russland 89.
Gurkentreiberei 90.
Hagebutten für kalte Klimate 361.
Haideerde, ihre Fundorte, Stellvertreter und
Verwendung 37.
Hängevasen für Zwiebelbouquets 213.
Register.
Hederaceen, die, bearbeitet von B. Seemann
192.
Helleborus-Sämlinge, Nachschrift 388.
-Varietäten 155.
Hibiscus Moscheutos zur Papierfabrikation
318.
Hooibrenk’sche Befruchtung 20.
Johannisbeeren, empfehlenswerthe 87.
Kartoffel, ein Beispiel der Ausartung der-
selben 198.
Kartoffeleultur, Nachtrag zu dem Artikel
über dieselbe und vergleichende Ver-
suche mit 440 Sorten 102.
Kenntniss der Mohrrübe 189.
Kiefern, Rothwerden älterer 189.
Kirsche, tabackblätterige 309.
Kirschen, Werder’sche 332.
Kohlfliege, Mittel gegen dieselbe 29.
Liliaceen, Spaltöffnungen derselben 188.
Löwenzahn als Salatpflanze 336.
Malven, neue 147.
Mammuth in Sibirien 126.
Mancinello-Baum 163.
Menschendünger 255.
Mittel gegen die-Kohlfliege 29.
Mohrrübe, Beitrag zur Kenntniss derselben
189.
Mohrrübenkrankheit, Ursache derselben 189.
Mostproben 312.
Museum, das landwirthschaftliche, des Mini-
steriums der Reichsdomänen in St.
Petersburg 302.
Nachrichten aus Kaaden 388.
Tiflis 223.
Woronesch 288.
Nachtviole, Cultur der gefüllten 255.
Notizen über neuere oder seltnere, blühende
Gehölze des Arboretum zu Muskau 50.
Nummerhölzer, Conservirung derselben 283.
Obstbau, geschichtliche Daten 255.
Obstsorten, empfehlenswerthe 344.
Ombu-Baum 213.
Orangenbäumchen, kleine üppigblühende, zu
erziehen 343.
Register.
Pelargonien, die buntblätterigen Scarlet-, de-
ren Cultur, Vermehrung und Anzucht
aus Samen 230.
Pfrsicheultur 282.
Pflanzen, Auswahl für wissenschaftliche
Zwecke 118. 149. 179. 214. 248. 274.
— Bemerkungen über neue, des Kais.
Botanischen Gartens in St Petersburg
356.
— Besprechung einiger neuer 67.
— Geschlechtsthätigkeit derselben 190.
sollen zu Ausstellungen besonders
angekaufte, prämirt werden 52.
Philadelphus undulatus A. M. nebst Bemer-
kungen über einige Philadelpheae und
deren Nomenclatur in den deutschen
Gärten 48.
Phosphorescirende Georgine 32. 154.
Pilz, ein essbarer, Siciliens 311.
Pilze, welche die Trockentäule der Kartof-
feln begleiten 189.
Pinetum zu Muskau, Wirkungen des Winters
1865/64 in demselben 71.
Portulacröschen 112.
Pyramidenform der Obstbäume 285.
Pyrethrum carneum M.B. und dessen Abar-
ten 375.
Rasendüngung mit Asche 247.
Rhopala, eine blühende 54.
Riesenbirke 349,
Ringeln des Weinstockes 284.
Rose als Guirlande 197.
Rosen, Cultur derselben von Hrn. Metz 185.
Schnitt derselben 187.
Rosenzucht 164.
Rothfäule der Fichte 188.
Rothwerden älterer Kiefern 189.
Rückschritt im Fortschritt 137.
Sauerampfer, der grosse graue 30.
Searlet-Pelargonien, die buntblätterigen, de-
ren Cultur, Vermehrung und Anzucht
aus Samen 230.
Schnitt der Rosen 187.
Schutzmittel für Spaliere 85.
Sitzung des russischen Gartenbauvereins in
St. Petersburg 63. 64. 156. 157. 158.
159. 160.
Sommerwärme, Einfluss derselben auf die
399
nächstjährige Blüthe der Zwiebelge-
wächse 80.
Spaltöffnungen der Liliaceen 188.
Stärkekörner und Zellenmembran 121.
Staubfall in Schlesien 285.
Stauden, Behandlung und Verwendung der
rasenartig wachsenden 337.
Stiftungsfest, das Hundertjährige, der Kais.
Freien Oekonomischen Gesellschaft in
St. Petersburg 93.
Stockrosen, neue 147.
Sturm in Bengalen 148.
Spaliere, Schutzmittel für dieselben 85.
Theestrauch, amerikanischer 312.
Topfpflanzen zu begiessen, eine ungewöhn-
liche Art 248.
Topfrosencultur des Hofgärtners Freundlich
133.
Torf- und Moorerde 168.
Traubensorten, frühe 283.
Travertin 219.
Treiberei der Erdbeeren 28.
Trüffeleultur 217.
Ueberwinterung des Clianthus Dampieri 196.
Verbenen, Anzucht derselben aus Samen
und eine Verbenen-Aussaat 77.
neue 147.
Verbreitungsgränzen der Herniaria-Arten in
Russland 350.
Vermehrung des Clianthus Dampieri 196.
der krautartigen Paeonien 87.
perennirenden Papaverarten durch
Wurzelstecklinge 86.
Verpflanzen der Wellingtonia gigantea im
freien Grunde 213.
— grosser Bäume in den Anlagen von
Paris 143.
Vertilgung von Würmern in dem Ballen
der Pflanzen 110.
Verzeichniss sämmtlicher botanischer und
landwirthschaftlicher Gärten mit deren
Vorstandspersonal, vierter Nachtrag
292.
Vögel, Schonung der nützlichen 256.
Wasser, Vorrichtungen zur Verbesserung des
zu kalten und harten 136.
400
Weinstock, Ringeln desselben 284.
Winter 1863/64, Wirkungen desselben in
dem Pinetum zu Muskau 71.
Witterung im Jahre 1865. 61.
Register.
Zwergobst, Cultur des feineren, in einem
ungünstigeren Klima 217.
Zwetschenbäume, Anzucht derselben aus Sa-
men 318.
Würmer, Vertilgung derselben in dem Bal- ! Zwiebelgewächse, Einfluss der Sommerwär-
len der Pflanzen 110.
me auf die nächstjährige Blüthe der-
selben 80.
4) Literaturberichte.
Abhandlungen der Schlesischen Gesellschaft | Hartwig, J., die Gemüsetreiberei 89. 153.
für vaterländische Cultur f. 1864 285.
Baltet, Charles. Praktische Anleitung zur
Baumzucht 253.
Bary, A. de, neue Untersuchungen über Ure-
dineen, insbesondere über Puceinia
graminis. 253.
Beer. Versuch einer Classification der Farne.
351.
Bericht des Erzgebirgischen Gartenbauverei-
nes in Chemnitz 254.
Boissier, E. Icones Euphorbiacearum 319.
Bulletin de la Federation des Soeietes d’hor-
ticulture de Belgique 220.
— delaSoeiete d’hortieulture d’Hyeres 220.
— de la Societe Imperiale des Natura-
listes de Moscou 220. 320. 349.
Carriere, culture de la vigne 90.
Cohn, Dr. Ferd. Die Entstehung des Tra-
vertinin den Wasserfällen zu Tivoli 219.
Dr. Ferd. Der Pflanzenkalender 218.
Czerwiakowski et Warszewicz, Enumeratio
plantarum quae in horto botanico Ora-
cowiensi 1864 coluntnr 221.
Famintzin, A. Die Wirkung des Lichtes auf
das Wachsthum der keimenden Kresse
285.
Fee, A. L. Le Darwinisme 31.
Geschwind, Rudolf. Die Hybridation und
Sämlingszucht der Rosen 217.
Glöde, Ferdinand, les bonnes fraises 153.
Gloger, Schutz der nützlichen Thiere 62.
Graichen, H. Landwirthschaftl. Berichte 91.
der Melonen-, Gurken- und Cham-
pignon-Gärtner für Treib-, wie für
Freilandeultur 31.
Henkel, J. B. und Hochstetter, W. Synopsis
der Nadelhölzer 31.
Jäger, H. Die Ziergehölze der Gärten und
Parkanlagen 89.
Jahn, Fr., E. Lucas und J. G. C. Oberdieck,
Illustrirtes Handbuch der Obstkunde
183.
Jahresbericht des Vereins für Pomologie
und Gartenbau in Meiningen 122.
Journal of the Royal Horticultural Society
of London 217.
Jühlke, F. Beiträge zur Revision des Ge-
müsegartens 29.
und Th. Rümpler, Verhandlungen
und Mittheilungen des Gartenbauverei-
nes in Erfurt 183.
Karsten, H. Botanische Untersuchungen aus
dem Physiologischen Laboratorium
der landwirthschaftlichen Lehranstalt
in Berlin 188.
— die Geschlechtsthätigkeit
zen 62.
Klatt, Dr. Wilhelm. Flora des Herzogthums
Lauenburg 219.
Norddeutsche Anlagen-Flora
der Pflan-
219. 252.
Koch, Karl. Agaven-Studien 91.
Kotschy, Dr. Th. Ueber Reisen und Samm-
lungen des Naturforschers in der Asia-
tischen Türkei, in Persien und den
Nilländern 350.
Register.
Krause, Ernst. Die botanische Systematik | Ruprecht.
in ihrem Verhältniss zur Morphologie
124.
Lucas, E. Anleitung zur Obsteultur 182.
Taschenbuch für Pomologen, Gärt-
ner und Gartenfreunde 182.
Mettenius, G. Ueber die Hymenophyllaceae
221.
Monatshefte, Illustrirte, für Obst- und Wein-
bau 282.
Nägeli, Karl. Botanische Mittheilungen 121.
und Schwendener,
kroskop 349.
Nestel’s Rosengarten 253.
Pokorny, Dr. Alois. Oesterreich’s Holzpflan-
zen 124.
Pomper, Dr. Hermann. Die Schule des Gärt-
ners und Pflanzenfreundes auf dem
Gebiete der Botanik 152.
Protokollauszüge der Gartenbaugesellschaft
Flora in Frankfurt a/M. 90.
Rümpler, Theodor. Erfurt’s Land- und Gar-
tenbau in seinen wichtigsten Entwick-
lungsmomenten 122.
Ruprecht. Der Ursprung der Tschornosjom
88.
S. Das Mi- |
401
Die Zeitdauer, welche zur Sumpf-
und Torfbildung nöthig 88.
Salomon, Carl Heinrich. Die Farne für’s
freie Land 286.
Schickler, Carl. Die beliebtesten Nutz- und
Ziergewächse, deren Cultur und Fort-
pflanzung durch Aussaat 88.
Verzeichniss mit kurzer Beschrei-
bung über die Aussaat und Zucht der
beliebtesten Nutz- und Ziergewächse
182.
Siebold, Indiecateur de Jardins Japonais 285.
Teichert, Oscar. Geschichte der Ziergärten
und zZiergärtnerei in Deutschland,
während der Herrschaft des regelmäs-
sigen Gartenstyls 123. 218.
Uckro, von. Die Gartencultur im Regie-
rungsbezirke Erfurt bis zum Jahre
1860. 122.
Wörmann, R. W. A. Der Garten-Ingenieur.
VI. Abtheilung. Die Circulations-
wasserheizungen 65. 252.
Zigno, Barone Achille de, pianti fossili del
Trias di Recoaro 320.
5) Personalnotizen.
Agassiz. 286
Alwardt 190.
Besserer 62.
Bettzich, F. W. 93.
Decken, Freiherr v. d. 128. 155.
Eckmann, Carl 154. 192.
Ender 192.
Erler, Carl 154.
Fischer, F. E. L. von 350.
Grünewald 192.
Haage, Friedrich Adolph, jun. 351. 386.
Hooker, Sir William Jackson 92.
Jühlke, Ferdinand 287.
Jung 192.
Kotschy, Dr. Th. 287.
Lindley, Dr. John 62. 126.
Mettenius, Dr. Georg 288,
M’Intire, Duncan 352.
Nordmann, A von 288.
Nouvel, F. 154.
Pabst, Oscar 154. 192.
Roezl 62.
Rosanow 223.
Schimper 256.
492 Register.
Schlechtendal, Diederich Leonhard von 386. | Siesmeier 155. 192.
Schmidt, Magister 190. Steenhammar, Christian 286.
Schott, Heinrich Wilhelm 92. Welwitsch, Dr. 311.
Schröder 190. Wichura, Regierungsrath 154.
Schweinfurth, G. 287. Zabel 192. 223.
Seemann, Dr. Berthold 128 286.
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